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Schinner

mnd. bis Dial. · 7 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

MeckWB
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Eintrag · Mecklenburgisches Wb.

Schinner Pl.

Bd. 6, Sp. 80
Wossidia Schinner Pl. -s m. 1. Abdecker, Schinder: Mi 76a a. Aufgaben, Brauchtum, Aberglauben: der Schinner hatte die Tierkadaver zu beseitigen; sein Amt war vielfach mit dem des Scharfrichters verbunden; er galt bis ins 19. Jh. als unehrlich; von der Aufnahme in die Handwerksämter sollten ausgeschlossen sein 'bloß die Schinder allein bis auf deren zweyte Generation' (1755) Bär. Ges. 4, 1, 456; vgl. Fron m. (Bd. 2, 1098), Afdecker (Bd. 1, 102), Filler (Bd. 2, 898), Nahrichter (Bd. 5, 49), Racker (Bd. 5, 735), Schoband; Angstm. 54; bei Hochzeiten mußte der Schinner die Straße vom Hochzeitshause bis zur Kirche fegen WiWismar@SternbergSternb; prüfen, ob eine tote Katze oder Krähe darauf liege, damit die Braut nicht erschrecke RoRostock@Barnstorf bei WustrowBarnstW; für 25 Pfennig die Scherben vom Polterabend fortschaffen Wa; der Hochzeitszug darf keine Richtwege benutzen, denn Richtwäg' führt de Schinner Mecklenburg Heimatbuch 215; ein Förster litt nicht, daß ein erlegter Hirsch rückwärts aus dem Gestrüpp herausgezogen wurde: trügg'warts treckt de Schinner RoRostock@AlthofAlth; wenn de Schinner von 'n Hoff führt, möt man em 'n Emmer vull Water nahgeeten, denn kümmt he nich wedder (um verendetes Vieh abzuholen) WaWaren@SchwarzSchwarz; andererseits: wenn eenen de Schinner begegent, denn hett 'n Glück denn' Dag Sta Stargard@WesenbergWes; wenn jem. den Huckup hat: denk an 'n Schinner, denn geiht 't vörœwer GüGüstrow@GülzowGülz. b. Wendungen und Rdaa.; an den Verwesungsgeruch, der mit der Arbeit des Abdeckers verbunden ist, erinnert: dei rückt, as wenn hei bi 'n Schinner in de Kost wäst is MaMalchin@RemplinRempl; hest woll bi 'n Schinner frühstückt wenn jem. einen stark riechenden Furz ließ StaStargard@NeustrelitzNStrel; jem., der von schwerer Krankheit genas, fragt man: hest all von 'n Schinner dröömt, dat dei dat Fell bald kriggt? LuLudwigslust@ZiegendorfZieg; ein mageres Pferd dröömt ok all von 'n Schinner Ro; hett all schräben an 'n Schinner RoRostock@LichtenhagenLicht; dei (ein böses Weib) mag nich mal de Düwel halen. — Ne, dor spannt blot de Schinner üm an Nds. 16, 396b; dei is bekannt so wit, as sœben Schinner schinnen LuLudwigslust@LeussowLeuss; ein altes, schlechtes Messer hett de Schinner liggen laten RoRostock@RibnitzRibn; Wi Wismar@Hohen NiendorfHNiend; ... verloren MaMalchin@GielowGiel; ... wegsmäten SchöSchönberg@SchlagsdorfSchlagsd; zu lärmenden Kindern: ji towt jo, as wenn 'n Schinner sin Pir rutlaten warden Wa; Androhung von Schlägen: weist, wo de Schinner sin Fru straakt? Wo. Sa.; Beispielsprww.: nee, sowat läwt nich, säd' de Schinner, as em 'n dodig Pierd bröcht würd' GüGüstrow@BützowBütz; nu kamen de Koorten in ihrlich Hänn', säd' de Schinner, as he ant Gäben kem RoRostock@RibnitzRibn; ein schlechter Kartenspieler hett Schlachter bi 'n Schinner lihrt Pfitzn.-K. 58; Beteuerungen: ick will Schinner un Düwel heiten GüGüstrow@BraunsbergBraunsb; ick will Schinner sin SchwDemen; een Schinner, de nich Wuurt hölt Bri. 2, 105; mi schall de Schinner halen 1, 88; Drohungen und Flüche: di sall dei Schinner halen RoRostock@LangsdorfLangsd; Bri. 1, 88; hal's der Schinner 149; Schinnerhahl (Ausruf der Verwunderung) Muss. Spr. 60; tom Schinna (zum Kuckuck) C. Reinh. Holtrev. 144; Se sünd den Schinna dämlich (ganz und gar nicht) 136; in Volksreimen: Katt, wohr 't Lif, De Schinner wett't 't Knif (beim Messerwetzen) MaMalchin@GielowGiel; Kem 'n oll Wif. Mit 'n Schinner sin Knif (Anruf an den Regenbogen) StaStargard@NeustrelitzNStrel; De Schinner kümmt mit 'n Rullerwagen Wo. V. 4, 119; 591; die Krähen heißen den Schinner sin Duben 2, S. 385; öft.; warum de Schinners un de Kreigen sich nicht vertragen können: Wo. V. 2, 769. 2. abwertend übertr. auf andere Personen: 'de Devischen Schinders' (der Papst und seine Geistlichen) Gry. Paw. O 1a; Bootsknechte, die dem Fronmeister bei der Bestattung seiner Schwiegermutter geholfen hatten, wurden Schinder und Schelme, Büttelknechte und Rackerknechte gescholten: (1609) Beitr. Rost. 4, 4, 47; Schinner in fester Verbindung mit Eigennamen öfter von hartherzigen Gutsbesitzern Wo. Sa.; die Zachuner Hirtenjungen riefen zum Spott: ji Hoorter Schinners HaHagenow@HoortHoort; Ökelname des Hirtenjungen, der Pfingsten zuletzt austrieb GüGüstrow@GardenGard; Schinner un Racker s. Racker 1 (Bd. 5, 736). 3. altes, schlechtes Pferd allgem.; en ollen Schinner Mi 76a; 'n tagen Schinner Wa; du verdammte Schinner RoRostock@DoberanDob; en ollen Scharfrichter is sie (sagt Brœsig statt Schinner von einer Stute) Reut. 2, 256. 4. verschiedene Gegenstände; in der Sprache des Tischlers und Stellmachers ein eiserner Schabhobel mit zwei seitlichen Handgriffen, der auf Stoß arbeitet und zum Putzen von Speichen und anderen runden Gegenständen, aber auch zum Abziehen von Fußböden benutzt wurde Pa; StaStargard@Alt StrelitzAStrel; Warl; Sass 26; die große Hungerharke SchwSchwerin@BanzkowBanzk; Schelte für eine Sense, die nicht schneidet Ro Rostock@Nienhagen bei DoberanNHagD; für einen Stein, der sich nicht zerschlagen lassen will Wa. 5. FN.: Schinnerbarg, -huurn, -kul, -muur, -rämel, -strat, -viertel, -wisch, 'Schinderbreite', '-bruch', '-holz', '-weg'; Zss.: Blaut-, Boort-, Lüd'-, Lungen-, Minschen-, Pierd'-, Piphahn-, Plötzen-, Poggen-, Sabbat-, Tieren-, Transchinner. — Mnd. schinder, -nn-. — Br. Wb. 4, 655; Dä. 408a; Da. 185b; Kü. 3, 63; Me. 4, 358.
4929 Zeichen · 80 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    schinnerM.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +4 Parallelbelege

    schinner , M. Vw.: s. schinnære*

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Schinner

    Deutsches Rechtswörterbuch

    Schinner, m. zu an. skinnari nur mnd.: Lederbereiter, Kürschner worden dar ok gelesen der schomaker, scroder, goltsmede,…

  3. modern
    Dialekt
    Schinnerm.

    Lothringisches Wb. · +2 Parallelbelege

    Schinner [šinər fast allg.; šiər Fi. Ri. Mtsh. ; šenər Bo. D. Si. ] m. Schinder, Quäler. Zss.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schinner

54 Bildungen · 52 Erstglied · 2 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von schinner 3 Analysen

schin + -ner

schinner leitet sich vom Lemma schin ab mit Suffix -ner.

Alternativen: sch+-in+-ner schinn+-er

schinner‑ als Erstglied (30 von 52)

Schinnerarbeit

MeckWB

schinner·arbeit

Schinnerarbeit f. schwere Arbeit Ro; Leihmarbeit is Schinnerarbeit Lu Tech ; Rda. beim Kartenspiel: Gäben is kein Schinnerarbeit Ro Gres .

Schinnerbann'

MeckWB

schinner·bann

Schinnerbann' f. Gesindel: Dat (die Gutsbesitzer) is 'ne wohre Schinnerban'n Reut. 7, 38; von schlechten Pferden: ne richtige Schinnerbann' …

Schinnerbarg

MeckWB

schinner·barg

Schinnerbarg m. Schinderberg: dei kümmt bald hen nah 'n Schinnerbarg von elendem Vieh Wa GFlot ; Knabenfopperei: Ick wull — Wat denn? — Ick …

Schinnerblaum

MeckWB

schinner·blaum

Schinnerblaum f. Vogelmiere, stellaria media: Schmidt Gad. 3, 180; Syn. bei Mier 1 (Bd. 4, 1195).

Schinnerdraff

MeckWB

Schinnerdraff m. Schindertrab, von Pferden: Zier. Plaugf. 169.

Schinnerfleisch

MeckWB

schinner·fleisch

Schinnerfleisch -ee- n. Fleisch vom Schinder; im Spottlied: Was hat der Schneider für Hochzeitsbraten? — Schinnerfleesch un Ossenknaken Sta …

Schinnerhand

MeckWB

schinner·hand

Schinnerhand f. Schinderhand; in Schinnerhänn' is 't jo ok nich kamen Trost, wenn ein Pferd verkauft worden war Wa Lopp .

Schinnerhanschen

MeckWB

schinner·hanschen

Schinnerhanschen Pl. m. Handschuhe, von denen der Abdecker in Wa Röb jährlich jedem Bauern in Sietow ein Paar liefern mußte, sie waren aus w…

Schinnerhaut

MeckWB

schinner·haut

Schinnerhaut -o- m. Schinderhut; im obsz. Vergleich von einem mannstollen Frauenzimmer: dee steiht de Kutt as 'n dreekantigen Schinnerhot St…

Schinnerhütt

MeckWB

schinner·huett

Schinnerhütt f. Gebäude, in dem der Abdecker sein Gewerbe ausübt Ha KJes ; übertr. altes, schlechtes Haus Ma Giel .

Schinnerin

MeckWB

schinn·erin

Schinnerin f. Frau des Schinders; im Volksreim: Denn heit ick jo Fru Schinnerin, Wo männigen Daler klingt dorin Ro Körkw ; Sta Helpt .

Schinnerkasten

MeckWB

schinner·kasten

Schinnerkasten m. Schelte für ein altes Schiff Wo. Seem. 2, 109; Albr. 78. Verfallenes Haus Me. 4, 359.

Schinnerknecht

MeckWB

schinner·knecht

Schinnerknecht m. 1. Gehilfe des Abdeckers; ihm werden magische Kräfte zugeschrieben: er bannt eine Hexe Pa; er schreibt etwas mit unleserli…

Schinnerkor

MeckWB

schinner·kor

Schinnerkor -karr f. Schinderkarren; Bettler, Verbrecher waren frei, sobald sie die Schinnerkor erreichten (1925) Ro BarnstW ; Kühl; Neujahr…

Schinnerkram

MeckWB

schinner·kram

Schinnerkram m. böse Sache, schwere Arbeit: dat (die Arbeit mit den Leesegeln) wir Schinnerkram Wo. Seem. 1, 197.

Schinnerkul

MeckWB

schinner·kul

Schinnerkul f. Schindanger Mi Nachtr. ; der Scharfrichter zwingt eine Hexe, auf der von ihr behexten Kuh nach der Schinnerkul zu reiten Sta …

Schinnerkur

MeckWB

schinner·kur

Schinnerkur f. Quälerei: dat (schwere Arbeit) is ne Schinnerkur Schö Schlagsd .

Schinnerleihm

MeckWB

Schinnerleihm -lehm m. 'Schinderlehm': du haakst den Schinnerlehm rut Wa.

Schinnerlimilch

Idiotikon

Schinnerlimilch Band 4, Spalte 204 Schinnerlimilch 4,204

schinnermäßig

MeckWB

schinner·maessig

schinnermäßig Adv. wie beim Schinder: hüt hett 't schinnermäßig gahn von straffer Arbeit Ro Kühl ; schinnermäßig kolt sehr kalt Schö Dem .

Schinnermann

MeckWB

schinner·mann

Schinnermann Schinners- m. Schinder, in Volksreimen: de Schinnermann kümmt Ro Warn ; oh ja, du Schinnersmann Wa.

schinner als Zweitglied (2 von 2)