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erbärmlich

nhd. bis spez. · 12 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Pfeifer_etym
Anchors
13 in 12 Wb.
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Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)

erbärmlich

erbärmlich

barmen Vb. mit Mitgefühl erfüllen’ (selten), ‘jammern, klagen, lamentieren’ (nordd. und omd.). Die got. Kirchensprache bildet zur Übersetzung von griech. eleé͞in (ἐλεεῖν) ‘bemitleiden, Mitleid, Erbarmen haben’ nach dem Muster von gleichbed. lat. miserēre bzw. miserērī (zu lat. miser ‘elend, kläglich, bejammernswert, arm’) ein von got. arms ‘beklagenswert, elend’ abgeleitetes Verb got. arman ‘sich erbarmen’. Ein an das Adj. ahd. arm ‘gering, hilflos, schwach, besitzlos, arm’ (s. arm) sich anschließendes Verb ahd. armēn (9. Jh.) bedeutet ‘arm werden, Not leiden’, so daß die Kirchensprache zur Wiedergabe von ‘sich erbarmen, Mitleid erregen’ präfigiertes ahd. *bi-armën benutzt, belegt (10. Jh.) in der adverbial gebrauchten Partizipialform barmēnto ‘erbarmend, voll Erbarmen’ (für lat. miserando); vgl. mit anderem Präfix und anderer Stammbildung aengl. ofearmian ‘mitleidig sein, Erbarmen zeigen’ (zu aengl. earmian ‘bemitleiden, bedauern’, von aengl. earm ‘arm’). Zusammengezogenes und darum als Einheit empfundenes ahd. barmēn wird im Hinblick auf seine durativ-inchoative Bedeutung erneut präfigiert, so daß ahd. irbarmēn, nhd. erbarmen (s. unten) entsteht. Diese Weiterbildung wird zum geläufigen Verb im Dt.; mhd. barmen ‘(sich) erbarmen, Mitleid erregen’ bleibt selten, nhd. barmen wird weithin in die Mundarten abgedrängt und entwickelt im Nordd. und Omd. die oben angegebene Bedeutung ‘jammern, klagen, kläglich tun’, mit der es im 19. Jh. auch in die Literatursprache eingeht. – erbarmen Vb. ‘jmds. Mitleid erregen, jmdm. leid tun’, (reflexiv) ‘sich aus Mitleid und Barmherzigkeit jmds. annehmen, mildtätig sein’. Ahd. irbarmēn ‘sich zu jmdm. herablassen, sich die Not eines anderen zu eigen machen, Mitleid empfinden oder erregen’ (9. Jh.), mhd. erbarmen ‘Mitleid haben, gerührt werden, rühren’. Weiterbildung mit dem Präfix ahd. ir- (s. er-) von ahd. barmēn (s. oben). Erbarmung f. ‘Barmherzigkeit, Mitleid’, ahd. irbarmunga (10. Jh.), mhd. erbarmunge. Erbarmen n. ‘Mildtätigkeit, Mitleid’, mhd. erbarmen, substantivierter Infinitiv. erbärmlich Adj. ‘elend, ärmlich, nichtswürdig’ (16. Jh.), ahd. irbarmalīh ‘Erbarmen erregend’ (um 1000); vgl. mhd. erbarmeclich ‘barmherzig, erbarmenswert’. barmherzig Adj. ‘mitfühlend, mitleidsvoll, mildtätig’ (gegenüber Bedürftigen), mhd. barmherzec, Weiterbildung von mhd. barmherze, ahd. barmherzi ‘voll Erbarmen’, eigentlich ‘ein barmendes Herz habend’ (11. Jh.), das unter dem Einfluß von ahd. (ir)barmēn aus ahd. armherz ‘barmherzig’ als Eigenschaft Gottes und der nach seinem Willen handelnden Menschen (9. Jh.) hervorgegangen ist (vgl. auch ahd. armherzīg, 11. Jh.). Dies ist eine Bildung aus ahd. arm (s. oben) und ahd. herza (s. Herz) unter dem Einfluß der got. Kirchensprache, die einem nach dem Muster von lat. misericors ‘mitleidig’ (eigentlich ‘ein mitleidiges Herz habend’, zu lat. miserēre, -ērī bzw. miser und cor ‘Herz’) entstandenen got. armahaírts folgt; vgl. auch aengl. earmheort neben (umgebildetem) anord. aumhjartaðr. Weitere Überlegungen zur Bildungsweise des got. Adjektivs bringt Beck in: ZfdPh 98 (Sonderheft 1979) 109 ff. Barmherzigkeit f. ‘Erbarmen, Mitgefühl, Mildtätigkeit’, mhd. barmherzekeit; vgl. daneben got. armahaírtiþa, ahd. armherzida (8. Jh.), mhd. barmherzede sowie got. armahaírtei, ahd. armherzī (9. Jh.).
3303 Zeichen · 116 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Erbärmlich

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Erbärmlich , -er, -ste, adj. et adv. 1) Des Mitleidens, der Erbarmung werth. Ein erbärmlicher Anblick. Es ist erbärmlich…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    erbärmlich

    Goethe-Wörterbuch

    erbärmlich auch subst (Kleinschr) a erbarmungswürdig, mitleiderregend, bejammernswert, jämmerlich [ mBez auf den hl Alex…

  3. modern
    Dialekt
    erbärmlich

    Elsässisches Wb. · +4 Parallelbelege

    erbärmlich [ərpármlik Steinb. Dü. ; ərparmli M. ; ərparmtli Hf. ; arparmtalik Horbg. ] Adv. erbärmlich, gewöhnlich nur m…

  4. Spezial
    erbärmlich

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    er|bärm|lich I adj. 1 (elend) miser (-i, -a), miserabl (-i, -a), da mené picé 2 (ärmlich) püre (püri, püra), dala meseri…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit erbaermlich

1 Bildungen · 1 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von erbaermlich 3 Analysen

er- + baermlich

erbaermlich leitet sich vom Lemma baermlich ab mit Präfix er-.

Alternativen: erbarmen+-lich er-+barm+-lich

erbaermlich‑ als Erstglied (1 von 1)

erbärmlichkeit

DWB

erbaermlich·keit

erbärmlichkeit , f. miseria, calamitas: es war eine erbärmlichkeit, erbärmliche sache; die nemlichen erbärmlichkeiten, welche unter uns die …