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buessen

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Adelung
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Büßen

Bd. 1, Sp. 1278
Büßen, verb. reg. welches in dreyfacher Gattung üblich ist. I. Als ein Activum. 1. Ausbessern, verbessern, in der eigentlichsten Bedeutung. Die Lücken an der Mauer büßen, Nehem. 4, 5, ausbessern. Daher sagt man noch jetzt im gemeinen Leben, die Lücken büßen müssen, oder Lückenbüßer seyn, eines andern Versehen wieder gut machen, eines andern Stelle vertreten müssen. Außer dieser Redensart ist es im Hochdeutschen veraltet, nicht aber im Oberdeutschen, wo man noch jetzt alte Kleider, böse Wege u. s. f. büßet, d. i. ausbessert. S. Ausbüßen, und Bußstück. 2. Den zugefügten Schaden ersetzen, in welcher jetzt fast veralteten Bedeutung man ehedem sagte, einen büßen, und einen Schaden büßen. Laß die Strafe, die ich erduldet habe, meine Beleidigung büßen, Dusch. Froven guete mannen kumber buesset, Markgr. Otto von Brandenb. Das ich si sehen muesse, Vnd alle ir sorge buesse, Reinmar der Alte. Ingleichen für etwas genug thun. Er büßet mit seinem Leben. Und selbst mit deinem Blute sollst du diese Beleidigung büßen, Weiße. Mit dem Tode wettet man den Richter und büßet den Kläger, welcher alte Rechtsspruch den Unterschied zwischen Buße und Wette deutlich an den Tag leget. S. auch das folgende Neutrum. Wi mag si die sunde buissen? Ulrich von Winterstetten. 3. Befriedigen, von Empfindungen und Leidenschaften, welcher Gebrauch vermuthlich eine Figur der vorigen Bedeutung ist. Darum, daß die Philister sich gerochen haben, und den alten Haß gebüßet am Schaden meines Volks, Ezech. 25, 15. Da aßen sie und wurden allzusatt. Er ließ sie ihre Luft büßen. Da sie nun ihre Lust gebüßet hatten, u. s. f. Ps. 78, 29, 30. Denn es kamen ihnen Wachteln vom Meer, ihre Lust zu büßen, Weish. 19, 12. In dieser Bedeutung ist es in der Redensart seine Lust büßen, im Hochdeutschen noch am üblichsten, obgleich solche nur im gemeinen Leben gebräuchlich ist. Ottfried gebraucht es von dem Hunger und dem Durste: Ir gebuaztut mir in uuar Thurst inti hungar, B. 5, Kap. 20, ihr stilletet mir den Hunger und Durst. Obgleich büßen in allen diesen Bedeutungen ein wahres Activum ist, so ist es doch in den beyden letztern im Passivo nicht gebräuchlich. II. Als ein Factitivum, zur Ersetzung des zugefügten Schadens anhalten, an Gelde strafen, und in weiterer Bedeutung überhaupt strafen. So sollen die Ältesten der Stadt den Mann[] nehmen und züchtigen und um hundert Seckel Silbers büßen, 5 Mos. 22, 19. Und büßte das Land um hundert Centner Silbers, 2 Chron. 36, 3. In dieser Bedeutung ist es nur noch in den Niedersächsischen Gerichten üblich. Ehedem gebrauchte man es auch in weiterm Verstande von Leibesstrafen. Inan gibuoztan vorlazza, ich will ihn gezüchtiget entlassen, ihn züchtigen und los lassen, Tat. III. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, Strafe leiden. Er muß jetzt dafür büßen. Er soll mir schon dafür büßen. Er hat sein Verbrechen genug büßen müssen. Wenn die Obrigkeit sündigt, müssen die Unterthanen büßen. Bey ihnen kann man das Vergnügen über ungerechte Schmeicheleyen hart genug büßen. Wenn jemand schuldig ist, so laß die Schuld mich büßen, Weiße. Diese Bedeutung hänget mit der zweyten thätigen genau zusammen, ja sie ist nur eine Figur derselben. Anm. Büßen, in Oberschwaben buaßen, bey dem Ottfried buazen, bey dem Kero puazzen, im Nieders. böten, im Dän. bode, im Schwed. bota, im Isländ. baeta, im Angels. bote, bedeutet eigentlich physisch bessern, oder verbessern, und hernach den zugefügten Schaden ersetzen. Ottfried gebraucht es auch für Buße thun im theologischen Verstande. Es stammet von dem alten baß, in den Sächsischen und damit verwandten Mundarten bat, besser, her, welches aber auch als ein Hauptwort üblich war, und Nutzen bedeutete, wie noch das heutige Nieders. Bate, und Holländ. Bate. S. Besser. Das Hauptwort, die Büßung, kann so wohl in den Bedeutungen des Activi als auch in der Bedeutung des Neutrius gebraucht werden.
3886 Zeichen · 81 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    büssenswv.

    Mittelniederdeutsches Wb.

    büssen , bussen , swv. , Rad-, Zapfenhülsen anfertigen, ausbessern.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Büßen

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Büßen , verb. reg. welches in dreyfacher Gattung üblich ist. I. Als ein Activum. 1. Ausbessern, verbessern, in der eigen…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    büßen

    Goethe-Wörterbuch

    büßen 1 für ein Vergehen Buße leisten; in ReinF öfter parodist a eine Schuld, begangenes Unrecht sühnen, als von göttl M…

  4. modern
    Dialekt
    büßenschw.

    Pfälzisches Wb. · +4 Parallelbelege

    büßen schw. : 1. a. 'vergüten'. a. 1311: Darnach so sal daz closter von Otterburg vnd der paffe nitenander gemeine den …

  5. Sprichwörter
    Büssen

    Wander (Sprichwörter)

    Büssen 1. Büssen vnd recht thun find allzeit gnad. – Henisch, 571. 2. Mancher muss büssen, was andere verbrochen. – Simr…

  6. Spezial
    büßen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    bü|ßen I vb.tr. 1 (sühnen) paié jö, pené jö 2 (zahlen, bestraft werden) paié por, gní straufé por II vb.intr. fá penitën…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit buessen

77 Bildungen · 63 Erstglied · 13 Zweitglied · 1 Ableitungen

Zerlegung von buessen 2 Komponenten

bus+sen

buessen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

buessen‑ als Erstglied (30 von 63)

Büssenålde

WWB

buesse·nalde

Büssen-ålde m. Büssenölste Knappschaftsältester ( Kr. Tecklenburg Tek Xy = Rote Erde 4,178). ¶ Vgl. WWB-Source:238:RhWb RhWb I,107 s.v. Büch…

Büssenblō¹me

WWB

buessen·blome

Büssen-blō¹me f. Büssenblaume Holunder (Frbg.) ( Kr. Lippstadt Lst Kr. Lippstadt@Hoinkhausen Hs ), Holunderblüte ( WWB-Source:325:WoeN WoeN …

Büssenflē²sk

WWB

buessen·flesk

Büssen-flē²sk n. Büssenflǟis Büchsenfleisch ( die krfr. Städte Dortmund, Castrop-Rauxel u. Lünen Dor Wl).

Büssengeld

WWB

buessen·geld

Büssen-geld n. Büssenchelt Geld für die Krankenkasse ( Kr. Iserlohn Isl Is).

büssenhāke

MNWB

buessen·hake

büssenhāke , m. , im Mauerwerk (zur Verteidigung) befestigter Haken, Gestell für das Geschütz.

Büssenholt

WWB

buessen·holt

Büssen-holt n. ⟨ Büssen- (Stf, Kr. Tecklenburg Tek Kr. Tecklenburg@Dreierwalde Dr , Kr. Ahaus Ahs Kr. Ahaus@Wehr Wr , Kr. Coesfeld Kos Kr. C…

Büssenholttē

WWB

Büssen-holt-tē m. „ Büssenholttei “ Holundertee (Fliedertee) (Frbg.) ( Kr. Arnsberg Arn En).

Büssenkahn

MeckWB

buessen·kahn

Wossidia Büssenkahn m. Fischerkahn, bei dem der Fischkasten in der Mitte liegt Pa Parchim@Plau Plau .

büssenkāre

MNWB

buess·enkare

büssenkāre , f. , kl. Wagen zur Fortbewegung der Geschütze, Lade auf Blockrädern.

büssenkorf

MNWB

buessen·korf

büssenkorf , m. , Büchsenkorb, Gußform aus Ruten und Holz, überkleidet mit Lehm.

Büssenkrūd

WWB

buessen·krud

Büssen-krūd n. ⟨ Büss- ( Kr. Grafschaft Bentheim Ben Kr. Grafschaft Bentheim@Hilten Hi ), Bücksen- ( Kr. Halle Hal Sh) ⟩ 1. Schachtelhalm (F…

büssenkrût

MNWB

buessen·krut

büssenkrût , n. , Schießpulver, bez. dessen Bestandteile, Kohle, Schwefel, Salpeter. b. stôten, b.-mȫle Pulvermühle.

Büssenkuᵉgel

WWB

Büssen-kuᵉgel f. Büssenkugel Büchsenkugel ( Kr. Osnabrück Osn WWB-Source:145:Klön Klön ).

Büssenlecht

WWB

buessen·lecht

Büssen-lecht n. Büssenlecht Büchsenlicht (jägerspr.) ( die krfr. Städte Dortmund, Castrop-Rauxel u. Lünen Dor Wl).

buessen als Zweitglied (13 von 13)

Abbüßen

Adelung

Abbüßen , verb. reg. act. durch Buße, d. i. Reue, Strafe, oder Genugthuung tilgen. Seine Sünden abbüßen. Ein Verbrechen mit Gelde abbüßen. D…

anbüssen

RhWB

an-büssen: PfWB 1. mit groben Stichen annähen WMosfrk. — 2. Feuer (nicht Licht) anzünden Verbr. wie b. 1 c.

Ausbüßen

Adelung

aus·buessen

Ausbüßen , verb. reg. act. 1) * Ausbessern, welche Bedeutung aber im Hochdeutschen veraltet ist, und nur noch bey den Jägern und Hutmachern …

Einbüßen

Adelung

ein·buessen

Einbüßen , verb. reg. act. Verlust an zeitlichem Vermögen leiden. Ich habe bey dieser Sache viel, wenig eingebüßet. Wir haben hundert Thaler…

ferbǖßen

WWB

fer·buessen

fer-bǖßen sw. V. verbuißen verbüßen ( Kr. Detmold Det Kr. Detmold@Istrup Is = PlatenauWb).

inbüßen

MeckWB

inbu·essen

Wossidia inbüßen einbüßen, als Buße davontragen: dor hett he sinen Dod inbüßt ist gestorben Ha.

Kabüssen

WWB

kabus·sen

Kab ü ssen n. Holunder (kinderspr.) ( Kr. Bielefeld Bie Gh). ¶ Vgl.→ WWB Büssen-holt , Knal-büssen-holt (unter Knal ).

Nachbüßen

Campe

nach·buessen

Nachbüßen , v. I) trs . hinter her büßen, d. h. liefern, geben, nachdem man schon gebüßet hat. Etwas nachbüßen . II) ntr . mit haben , hinte…

ūtbüssen

WWB

ūt-büssen sw. V. ūtbossen die Büchse erneuern (in der Bandwirkerei) ( Ennepe-Ruhr-Kreis Enr Sw).

Verbǖßen

Adelung

ver·buessen

Verbǖßen , verb. regul. act. durch Buße, d. i. Geld- oder Leibesstrafe tilgen, Strafe für etwas geben oder leiden, ein noch hin und wieder i…

Zubüßen

Adelung

Zubüßen , verb. regul. act. 1. Zubuße geben. Alle Vierteljahre zehen Thaler zubüßen. 2. In weiterer Bedeutung, wie zubrocken. Sein Vermögen …

Ableitungen von buessen (1 von 1)

Verbǖßen

Adelung

Verbǖßen , verb. regul. act. durch Buße, d. i. Geld- oder Leibesstrafe tilgen, Strafe für etwas geben oder leiden, ein noch hin und wieder i…