DWB2
BÜRDE f. DWB2
ahd. burdin, burdî,
mhd. bürde, bürdene.
mnd. bȫrde, bȫrden(e);
anfrk. burthi,
mnl. borde, bordene,
nnl. borde, borden(e);
afrs. berthe;
ae. byrðen,
me. birthen,
ne. burden;
got. baúrþei.
abl. von bären, beren
vb. ; vgl. auch mit anderer stammbildung burt
f. sowie as. burthinn
und an. byrðr.
formen mit und ohne ‐n
reflexe eines ursprünglichen *‐inō‐
stammes (vgl. ae.), der im ahd. in einen ‐în‐
und einen ‐ô‐
stamm aufgegangen ist. DWB2 DWB2 1
zu tragende last. DWB2 a
schwere traglast, gewicht: E8./A9.jh.
sarcinulis fazzon purdinum
ahd. gl. 1,292,39 S./S. 863/71 esil .. theist fihu filu dumbaz;/ .. iz mag ouh in wara burdin dragan suara Otfrid
IV 5,9 E./S. ⟨v1022⟩ mîniu unreht uberstigen mîn hoûbet .. siû sint ûfen mir so suâre also suâre burdi Notker
2,136,6 P. ⟨u1120⟩ o crux benedicta, aller holze besziste,/ .. ja truogen din este di burde himelisce Ezzo
V 31,4 M. ⟨E13.jh.⟩ so bist stark hindene als der esel zu der burden
altdt. pred. 1,15 Sch. ⟨M14.jh.⟩ ab ir mich horet, spricht der herre, daz ir nicht intraget burden durch dy phorten dirre stat an deme tage des sunnabendis Cranc
105 Z. 1480/1 ein schwäre bürdin ist hart in die höhe zů bringen, aber von ir selbs mag sy von der höhe in die nydern vallen Pforr
beispiele 24 LV. 1508 nach dem als es
(pferd) der bischoff gebraucht het, .. zaiget es, das es nach der burd des hailigen bischoffs nit mehr woͤlt von ainer frawen geriten werden Geiler
pred. N 1d. ⟨1595⟩ vnd
(Archimedes) schlos zuletz, so viel da wuͤrd/ die kron auszdringen mit ihrer buͤrd,/ mehr wassers, denn ihr gold gwicht solt/ so viel silber wer bey dem gold Rollenhagen
froschmevseler N 6a. 1631 sie drückt mich unter sich, wie von der schweren bürd’/ ein schwacher rücken gar in sich gequetschet
[]wird Fleming
ged. 1,6 LV. 1690 inzwischen ließ sich jemand vom baum hernieder, und schwengete sich hinter ihn auf das pferd .., welches über dieser unversehenen bürden dermassen erschrack, daß es mit den hinter=füssen außschlug Happel
academ. rom. 84. ⟨1746⟩ der berg ist steil, und mühsam jeder schritt,/ und du nimmst dir noch eine bürde mit? Gellert
(1769)1,194. ⟨1782/7⟩ eine mutter .. ist doch wahrlich ein gutes geschöpf, schleppt sich mit vier kindern und wartet dabei ihres berufs ohne murren, wird sich noch mit der bürde des korbes belasten müssen Musäus
volksmärchen 1,138 M. 1831 lange tappte er in dem finsteren, unterirdischen gange herum, seine schreckliche bürde
(seine wahnsinnige tochter) auf dem arme Temme
sagen 250. 1861 die meisten unglücksfälle, welche beim herabtragen sich ereignen, entstehen dadurch, daß der träger mit seiner bürde an irgend einem strauch oder felsenvorsprung hängen bleibt Berlepsch
Alpen 381. 1928 der warme wind schmolz den schnee, unendlich war die tauende bürde, die das weite gebirge trug Perkonig
bergsegen 68. v1956 der packträger wirft die bürden ab, die man ihm aufgeladen hat Brecht
schr. z. theater 5,28 H. 2000 im bild der träger ..
(lassen sich) nur die bis auf scheitelhöhe aufliegende bürde, die wirren haare, da und dort ein arm, eine hand .. ausmachen
st. galler tagbl. (1.9.), IdS-arch. DWB2 b
bündel; meist von reisig, heu u. dgl.; vielfach als maßeinheit: 9.jh.
de fasce purdhin
ahd. gl. 2,87,28 S./S. ⟨u1250/72⟩ nû seht, diz ist allez in kurzen jâren geschehen, âne daz maniger den andern ze tôde sleht .. umb eine bürden gras oder umbe zehen epfel oder birn Berthold v. Regensburg
1,92 P./S. ⟨14.jh.⟩ dannen gienc er vorbas vnd sach einen mor, der hiv holcz vnd bant ein burde
d. veter b. 30 LV. ⟨n1427⟩ und da hatt der reck in der stat XII thausent pachöffen ein mal ain stund im tag ain pürd holtz pracht Schiltberger
82 LV. 1522 da sahen sie wie ein buer zwen ochsen zůsamen wettet vnder das ioch, .. vnd band inen ein burde hew vff die kopff Pauli
schimpf 81 LV. 1570/7 wann man den hopfen abnimbt, .. die stangen sambt dem hopfen zeucht man aus und windet hernach den hopfen, so weit er heubte tregt, abe, wirft den uber einen haufen, bis deßen eine burde oder fuder werde
haushaltung in vorwerken 138 E./W. 1602 er .. sahe alda wie die landleuth auß den nechsten dörffern bürden von allerley holtz und reißern .. gen marckt brachten Kirchhof
wendunmuth 2,131 LV. 1671 ich nun, allein gelaßen, gienge .. alda eine bürde holtz zu holen
Pinto, reisen 219. 1708 die wildheüere .. schneiden das futer .. mit grosser lebensgefahr, .. da es sich etwann zutragt, daß .. dise mit einem fuß glitschen, oder mit dem fuß, mit welchem sie ihr burde graß fort, über die äussersten felsenspitzen hinauß gestossen, in dem netze behangen bleiben, und zugleich fortgezogen werden, fallen, und elendiglich zerfallen Scheuchzer
natur-gesch. (1706)1,3,16. 1783 der hirtenknabe sammelte dürre reiser, und machte bürden holz Pestalozzi
2,365 B. 1829 mit der befriedigten miene eines siegers warf er seine bürde auf das strohlager und breitete sie sorgfältig aus einander Frühling
phantasiegemälde 22. ⟨1874⟩ um sich seinen holzbedarf zu sammeln, machte er weite rundgänge durch den wald, auf welchen sich eine bürde fast von selbst zusammenfand Keller
(1894)8,183. ⟨1934⟩ Bärbel schleppte eine bürde gras von der mühlbachwiese herauf Scharrer
maulwürfe (1945)81. 1969 Wurzel sammelt eine bürde armdicker knüppel Strittmatter
dienstag 226. 2011 es gibt bauern, die sich rühmen können, keine bürde verregnetes heu eingeheimst zu haben
st. galler tagbl. (5.10.), IdS-arch. DWB2 2 DWB2
(seelische, geistige) belastung, bedrückung, kummer, leid. oft mit genitivattr. bildlich von 1
her: hs.A9.jh. huuanta xpēs chirihha .. ni mac uuesan ano feste noh ano un feste, so um bi daz quad auh Paulus apostolus., scul dige auh uir festun un festero bur di za ant ha benne
monsee fragments 39,7 H. ⟨v1022⟩ machôt tih manigi dînero scalcho sâligen? .. tîe ube sie argchustîg sint zâla in demo hûs sint unde burdi unde unholde selbemo demo hêrren Notker
1,92,14 P. ⟨u1160⟩ dô [uirsmâhte] si alle die wunne, oͮch die rîhtv̊me unde die hîrâte unde die sorge unde burde allir dirre welte
st. trudperter hohes lied 14,16 M. ⟨u1217⟩ er dâhte an Vivîanzes tôt,/ wie der gerochen würde,/ und daz sîn jâmers bürde/ ein teil gesenftet wære Wolfram
Willehalm 579,30 L. ⟨1331/5⟩ Danyel nu uz irkoz/ gar von sines herzen doz,/ er wolde ../ nicht win trinken noch den most/ der da geschenket wurde./ ez duchte en ein burde/ siner sele und unrat
Daniel 204 DTM. u1477 armuot ist ouch ain schwäre bürdy Steinhöwel
Äsop 48 LV. 1512 vil narren haben ist ein bürden Murner
2,4 Sch. 1557 o armůt, du untreglich bürd,/ wie hart hast mich beschwaͤret! Wickram
2,287 LV. 1645 verschwiegenheit möchte ihr ja so eine un
[]erträliche
(!) bürde seyn, daß sie sich derselben bald zu entladen, andere gehülffen anschreyen würde Harsdörffer
gesprächsp. (1641)5,350. ⟨1672⟩ wie es ein ohnerträgliche bürde ist einen ehegemahl zu haben, der seinen lieben eltern mißfält Grimmelshausen
Simplicissimus 3(1713)433. ⟨1747⟩ diesen begriffen .. habe ichs bey reifern jahren zu verdanken gehabt, daß ich die tugend nie als eine beschwerliche bürde, sondern als die angenehmste gefährtinn betrachtet habe Gellert
(1769)4,247. 1787 vielmehr trug er die schwere bürde seines mühsamen lebens mit heiterkeit, gleichmuth, frölichkeit, scherz und laune Herder
30, 138 S. ⟨1817⟩ jetzt wahret, männer, eure würde,/ steht auf zu männlichem entscheid!/ damit ihr nicht dem land zur bürde,/ dem ausland zum gelächter seid Uhland
ged. 1,79 Sch./H. ⟨1875⟩ unserm könig und kaiser .. ist das alter keine bürde, sondern eine würde Mommsen
reden (1905)55. 1917 um die schwere mühsal und bürde des lebens zu bewältigen, .. dazu gehört .. eine aufmunterung, die man nur aus der treuesten gefährtenschaft empfangen kann Meisel-H.
monogamie 90. 1955 der deutsche mittelstand und die ehemaligen mitglieder der NSDAP, offiziere und berufssoldaten wollen keine gesellschaftsordnung, in der die arbeit wie die arbeitslosigkeit zur drückenden bürde des menschen werden
6. parteitag NDPD (1958)87. 2013 das ehepaar vis‐à‐vis trägt eine andere bürde; ihr sohn Rick ist seit einem unfall in der kindheit mental zurück geblieben
st. galler tagbl. (18.1.), IdS-arch. DWB2 –
belastende (amts)verpflichtung, auferlegte pflicht; von abgabezahlungen, steuern u. dgl.; in rechtlichem kontext vereinzelt auch belastende schuld: ⟨790/802⟩
ordinatus autem cogitet semper quale onus suscepit .. kesazter
(abt) .. denche .. huuelihha purdi
benediktinerregel 275,16 S. ⟨u1120/30⟩ er
(gott) sprach swer den anderen slůge, daz der die selben burde trůge
milst. genesis 30,2 D. 1289 das die burger des delihter dise burdi getragin mugin, so sun sv̓ vngelt nemin gemeinlich, bedú von den jren, vnde von den andiren
corp. altdt. originalurk. 2,424 W. ⟨u1330/40⟩ dô er daz benande/ amt wol sibin jâr getrûc/ dêswâr lobelich genûc,/ der burdin er sich dô intwant/ unde vûr in dûtsche lant Nicolaus v. Jeroschin
kronike 5691 S. 1483 wir
(werden) mit den burden der vorbesitzer belestiget
urkb. Pforte 2,1,284 B. 1532 zum andern will ich mir die eine buden .. zu vermyetten .. vorbehalten haben. aber mein son soll .. was daran not sein wurt, machen lassen, soll auch sunst alle andere burden mit schossen, budenzcins, wach- und borngelt auf sich nemen
brand. schöppenstuhlsakten 1,143 S. 1599 ihr wuͤrdet .. landt vnd leute mit newen buͤrden vnd neuwer schatzung nit beschwehren Ph. Nicolai
freudenspiegel 114 faks. 1646 derowegen, so man von ainem oder mehr stucken, aeckern, weingarten, wisen vnnd dergleichen gütern, daruor pflegte den zehend zugeben, tragen solche zehenbare güeter, dise ihre burd vnnd aufflag deß zehendraichens mit sich Werndle
zehend recht 179. 1673 Carolus .. solle .. die jenige so in der neustadt sich steinerne häuser auff führen würden, aller bürden und anlagen befreuet .. haben Weingarten
fürsten-spiegel 205. ⟨1721⟩ es hat der mann .. umb des willen, daß er die bürden ehelicher beywohnung träget, das recht bürgerliche eigenthumb
provinzialrechte preuß. staat 3,1,654 S. ⟨1784⟩
(sie sollen) von dem fleischaufschlage von dem zu ihrem hausbedürfnisse geschlachteten viehe, nebenbey für ihre personen von allen andern gewöhnlichen und ausserordentlichen steuern, abgaben, bürden und anlagen in geld oder naturalien befreyt seyn
corp. ivr. metallici 337 W. 1811 seine herrschaft hatte er von anfang an als einen beruf, eine grosze pflicht und bürde betrachtet
F. Schlegel
n. gesch. 374. ⟨1895⟩ jede würde führt eine bürde mit sich Heyse
[1924] III 3,466. 1918 wir waren also die leibgarde der deutschen professoren und trugen diese bürde mit viel pathos Mauthner
erinn. 1,170. 1968 in diesem jahrhundert sind wir es/ die bereit sind und fähig/ die bürde der führung/ zu tragen Weiss
Viet Nam-diskurs (Berl.) 127. 2001 anstatt mit dieser bürde
(atommüll) verantwortungsbewusst umzugehen, wird nach einem egoistischen motto verfahren: man will das zeug nicht bei sich haben, lieber sollen sich andere damit herumärgern
berl. ztg. (7./8.4.)9a. DWB2 3
leibesfrucht, fötus; teils auch für gebärmutter oder plazenta sowie metonymisch für schwangerschaft. meist in verbindungen wie weibliche bürde
u. dgl.: ⟨u1147⟩ mac ain wîp zwuo burde insamt tragen?/ hâstû daz iender gelesen?/ mac si zwaier kinde insamt genesen?
kaiserchr. 3588 MGH. ⟨u1220⟩ niͤmer ’n geschiͤt it, it ’n geschiͤde niͤ,/ dat diͤ engel godes můder würden,/ dat si druͤgen diͤ suͤste bürgen,/ diͤ din lif alein můst dragen
rhein. marienlob 1969 LV. u1450 stuend ain pett .., dar auf lag die edel kunginn mit swerer puerd .. es was der kung noch verslossen in
[]mueter leib Kottanner
denkw. 11 WND. 1539 thymus in wein gesotten .. treybt auß die würm, gerunnen blůt, gifft, menses, die bürden vnd dote kinder Bock
kreutterb. 1,10b. ⟨1582⟩ mein liebes weib
(hatte) nicht lange mehr zur zeit ihrer weiblichen bürden zu entbinden Schweinichen
denkw. 281 Oe. 1602 zwischen der zeit aber trug es sich zu, dass vnser lieber gott Hansen Scheffens .. hausfrawe ihrer weiblichen burden gnedig entbunden
eisleber stadt-chr. 80 G./S. 1652 die beklagte
(solle) den zweyten mann und seine kinder lassen, dem ersten aber, nach dem sie ihrer weiblichen bürde entbunden seyn würde, ehlich beyzuwohnen schuldig seyn Harsdörffer
Heraclitus 526. 1719 da man solcher
(füchsin) nun den balg auffgescherffet, das schloss eröffnet, kam die bürde mit vier jungen herausgefahren Fleming
jäger 1,138a. 1791 ohne diese
(wehen) würde sich der muttermund nicht öfnen, die frau würde nicht gezwungen, auf ihre frucht zu drücken, und sie würde ihrer bürde niemals los werden Obermayer
unterr. entbindungskunst 99. ⟨1836⟩ sie genas kurz darauf
(nach der hochzeit) von ihrer bürde Immermann
6,108 B. ⟨1879⟩ als es jählings sie durchfuhr, daß dies den tod bedeuten möge, da hat die mutterangst aus ihr geschrien ..; als sie aber an ihrem eignen bild vorüber gekommen, hat sie geschaudert und ist dann eilig in die kammer nebenan geflohen, allwo sie mit der teueren bürde unter ihrem herzen an der wiege hingesunken ist Storm
5,234 K. 1924 mütter,/ eure hoffnung, eure frohe bürde/ liegt in aufgewühlter erde,/ röchelt zwischen drahtverhauen,/ irret blind durch gelbes korn Toller
ausgew. schr. 259 ak.Gante