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beiten

ahd. bis sprichw. · 18 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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29 in 18 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

beiten

Bd. 1, Sp. 1403
beiten, exspectare, goth. beidan, ahd. pîtan (Graff 3, 62), mhd. bîten (Ben. 1, 173), alts. ags. bîdan, nnl. beiden, altn. bîða für bîda, schw. bida, n. bie. dieses uralten, starken worts gehn wir seit dem 17. 18 jh. verlustig und ersetzen es überall durch das ungefügere, oft doppelsinnige warten oder durch harren und verziehen; die oberdeutsche volkssprache bewahrt es noch heute, Luther kannte und gebrauchte es, doch nicht in der bibel. beiten ist bleiben, manere, warten ist exspectare, attendere. Urverwandt zeigt sich hier das ir. und gal. feith (wait, attend), unverkennbar ist auch der anklang an die reiche wurzel bauen, der so vieles entsprieszt. denn die vorstellung bauen geht über in wohnen, bleiben und warten, wie das lat. manere warten und erwarten bestätigt, nicht anders morari bleiben, wohnen, verweilen, franz. demeurer, und demeure ist bau, wohnung. noch mehr, das ags. âbîdan = goth. usbeidan, ahd. arpîtan ist ausdrücklich exspectare, manere, das engl. abide habitare, abode habitavit (ahd. arpeit), abode habitatio. wie nah grenzen die begriffe des seins, bleibens, werdens, wohnens aneinander, und beidan baid, obleich die ableitungen anders sind, rührt an beide, bajôþs, die zusammen seienden. man erwäge das sl. budu ero, ags. beo. unverwandt aber scheint mit beiten unser arbeiten, goth. arbaidjan (sp. 541), wie auch jenes âbîdan absteht von earfoð labor; doch liesze sich umstürzen, was sp. 539 vorgetragen wurde, so gemahnte freilich arbeiten laborare wieder an bauen terram colere. allein das goth. ar in arbaiþs neben dem usbeidan gebietet diesen gedanken fern zu halten. Dasypodius hat beiten nicht, wol aber Maaler 56b, Henisch 268, selbst noch Stieler; Frisch 1, 79b gedenkt seiner aus dem kirchenliede da Jesus an dem kreuze stund, und dessen achter vers lautet: zum siebenten ich meine seel o vater in dein händ befehl in meinen letzten zeiten, weil sie jetzt von mir scheiden will und mag nicht länger beiten, was sogar Porsts gesangbuch verdirbt in streiten. In den weisthümern ist eine stehende formel zu gunsten des holzfällenden märkers, der, wenn er haue rufe, wenn er lade beite, d. h. dessen laut durch den wald schallende axt, dessen ruhiges aufladen allen verdacht eines diebstals fern halte: wenn er ledt, so beit er, so er bindet und ledt, so beitet er (1, 329. 422. 459. 579. 753. 761. 2, 174. 3, 357. 542. 591. 858). erst jüngere fassungen wandeln beitet in wartet (1, 575), eine selbst in peitscht (1, 777), mit nicht völlig unpassendem nebensinn, da, wenn der ladende mit seiner peitsche knallt, er sich auch ankündigt. allein richtig ist aber beitet. Hier folgen nun andere beispiele des meist schon in schwacher form erscheinenden worts: man sol gütiglich beiten, bis sie es wol bezalen mögent. Keisersb. paternoster L 6; ich hab gottes geharret und mein seel hat gewartet und auf sein wort hab ich gebeitet. Luther 1, 40a; sondern er beit auf ein concilium. 6, 10b; da hiesz in der bapst bereiten zu der erst messe und sprach, man solt nicht lenger beiten. 6, 501a; mein lieber herr, was beitestu? ich wil von dir getauft werden. 6, 502b; sie beiten nit ein jar. Hutten 5, 212; so darfstu nicht lenger mein beiten. de fide meretr. 85; sagt im, sein herr peitet sein. Teuerd. 23, 21; dann ich seiner kunft mit verdriesz bit. 87, 86; ich kan nicht langer beiten. Uhland 112; tuo keiner des andern beiten. 523; welt ir mein beiten siben jar? 773; ich beit und wart. Ambr. lb. s. 72; ich harr und beit. 244; der kaufman wolt nit beiten. s. 168; stets wil ich auf dich beiten. s. 205; thet er nit lenger beiten. Aimon e; wer lob erlangen wil, der sol nit als lang beiten. S 4; oft auch im Fortunat (Augsb. 1599) und Fierabras, z. b. wiltu meiner beiten? A 7; indem stuond auf der edelman, kam zuo den dreien, sprach sie an, sie solten doch des imbisz beiten, dann es wer nit guot nüchtern reiten. Wickram bilger bl. 70; da künd der wei nicht lenger beiten, er must die bösen krieger scheiden. Alberus 18; sich da folgt ir von ferne nach die podagra zu beiden seiten und sprach, gesellschaft wöllest beiten. Waldis Esop 2, 31; derhalb nit lenger ist zu beiten, eh die zwei heer zusamen kommen. H. Sachs III. 1, 29; wiltu mich denn lassen allein, fraw, wornach soll ich lenger beiden? Strickers schlemmer J 4a; darumb magstu ein zeitlang beiten, bisz er kom widrumb heim zu haus. Spangenbergs fangbriefe G 5a; in krankheitsnöten soll einer beiten bisz er lustig wurde. Paracelsus 1, 720b; es ist zu lang gebeitet. Sebiz 107; lieber, möget ir nit ein wenig beiten? Kirchhof wendunm. 260a; und wo er nicht möchte bis an den morgen beiten. 427a; erscheint der regenbogen zu klaren zeiten, so wird die helle nit lang beiten, sondern mit winterlichem luft und regen scheiden. Fischart groszm. 23; ist bös auf niderländisch zu wagen und schif reiten, wann sie eines nicht beiten. 56; hörst nit, wie die landsknecht vor des Peters himmel beiten? (s. beiteinweil). 76; ich deiner baite. Melissus ps. K 1b; es ist nu allzulang gebeit, die zeit zur busz ist uberhin. Ringwald tr. Eckh. J 8a; drumb steht auf und thut nicht beiten, wir haben zeit auf djagt zu reiten. Ayrer 134b; und ich ohn trost, heil, hofnung und ausflucht kann kaum, herr, länger beiten auf deiner hilf und deiner gnadenfrucht. Weckherlin 112; nach einer stunde, dann so lang musten wir beiten. Philand. 2, 828; es kommt die liebe zeit, darauf ich harr und beit gar mit fröhlichem mut (a. 1589. 1609). Hoffm. gesell. lieder s. 116; ade, ich mag nit lenger peitn. Schmelzel zug 3a; nun will ich doch noch beiten bestendig alle zeit. Spee g. tugendb. 255; wann sie (die seele) nach vielen langen beiten, so ärger drückt als glut und band, der höllen heiszes folterland mit vielen klagen musz beschreiten. Hofmannsw. sterb. Socr. 125, in welcher stelle, vorausgesetzt dasz jenes kirchenlied älter ist, wol zuletzt ein nhd. dichter sich des worts bediente. Vorzugsweise oft wurde sein imp. verwendet: beita beita mîn durch got! pass. K. 9, 14; aber Esopus gieng im hinden nach und sprach beit ein weil! Esop 3b (vgl. den ortsnamen beiteinweil); Ulenspiegel stuond und lacht und sprach, ja beiten, die belz seind noch nit recht. Eulensp. cap. 30, wo die späteren ausgaben setzen ja harret, oder ja wartet; beiten, bis im gebraten enten in das maul fliegen. Frank baum des wissens 3, 143; gefar erstlich der zeit, darnach nimmer beit. Frank spr. 2, 173b. Agricola 232b; do solt zu deinen vettern gehn, und nicht länger beit. Alberus 57; beit, stolzer gsell, und stand hie still. Kolrosz betrachtnus B 2; verzeuch, und nicht lang harr und beit, sonder greif an zu rechter zeit. Fronsp. 2, 100a; nicht zlang beit, das rat ich dir mit guten trewen. Würtz practica 233; peit, lasz uns fragn die diener drumb. Schmelzl hochz. 27b. Man sagte sowol eines dings als auf etwas beiten, aber auch ein dat. der person konnte beigefügt werden, wie dem forster beiten. weisth. 2, 174; nein ich warlich ich beit dir nit. wegkürzer 18; du hast mir auch nicht beiten wöllen. 18b. Ein verbum, das so guten grund und so lange in der sprache gewaltet hat, auch unter einem groszen theil des volks fortlebt (Schm. 1, 218. Stald. 1, 155. Höfer 1, 72), könnte von den dichtern an rechter stelle leicht wieder eingeführt werden.
7299 Zeichen · 153 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    beitensw. v.

    Althochdeutsches Wörterbuch · +6 Parallelbelege

    beiten sw. v. , mhd. beiten, schweiz. beiten Schweiz. Id. 4,1846 ff., vgl. auch Fischer 1,817 ; as. bêdian, mnd. bê i de…

  2. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    beitenstn.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +11 Parallelbelege

    beiten stn. im tuot sîn langeʒ beiten wê die lange ungewisheit in der er ist MS. 1,41. a.

  3. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    beitensw. V.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    beiten , sw. V. Vw.: s. bēten (1)

  4. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Beiten

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    * Beiten , ein im Hochdeutschen völlig veraltetes Wort, welches ehedem in allen Deutschen Mundarten üblich war, und wart…

  5. modern
    Dialekt
    beiten

    Mecklenburgisches Wb. · +2 Parallelbelege

    beiten beizen, so nur noch in utbeiten erhalten, sonst beizen ( s. d. ).

  6. Sprichwörter
    Beiten

    Wander (Sprichwörter)

    Beiten Lang beiten ist nicht queiten. – Lehmann, II, 370, 11. Lange geborgt ist nicht geschenkt. Ueber das uns seit dem …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit beiten

108 Bildungen · 8 Erstglied · 97 Zweitglied · 3 Ableitungen

Zerlegung von beiten 2 Komponenten

bei+ten

beiten setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

beiten‑ als Erstglied (8 von 8)

beitende

KöblerMhd

beit·ende

beitende , (Part. Präs.=)Adj. nhd. „wartend“ (?) Q.: Brun, EckhV, Tauler (FB beitende), Greg (1186/1190) E.: s. beiten W.: nhd. DW- L.: FB 3…

beiten II

RhWB

beiten II beə Geilk , Heinsb schw.: warten. Bejens enen Amelangk! Me mot em beje.

Beitenschiw

MeckWBN

beiten·schiw

Wossidia Beitenschiw f. eingelegte Scheibe der Roten Bete: alldags eeten se (die Kinder der Katenleute) Beitenschieben tau ehr Tüffel (statt…

beitento

AWB

beitento adv. part. prs. peitendo: Nc 805,26 [166,24]. mit Mühe, mit Anstrengung: mit refl. sih : to erspeh si sar hirlicho sih peitendo al …

Beitenwil

Idiotikon

Beitenwil N. Band 2, Spalte 461 Beitenwil N. 2,461 u.

beiten als Zweitglied (30 von 97)

abarbeiten

DWB

abar·beiten

abarbeiten , laborando consumere, durch arbeit wegschaffen: das grobe, einen ast abarbeiten. eine schuld mit seiner arbeit bezahlen: einen v…

anarbeiten

DWB

anarbeiten , adjungere, den schustern, die sohlen ans oberleder anarbeiten.

arbeiten

DWB

arbeiten , laborare, goth. arbaidjan, ahd. arapeitan und arapeitôn, mhd. arebeiten, arbeiten, nnl. arbeiden, doch altn. wird von erfiði, ags…

aufarbeiten

DWB

auf·arbeiten

aufarbeiten , conficere, fertig arbeiten: bis ich aufgearbeitet hatte. Luther 5, 528 b . dann für aufbrauchen: der hungrige ruhte nicht, eh …

ausarbeiten

DWB

aus·arbeiten

ausarbeiten , elaborare, conficere, exercere, 1 1) weidmännisch, einen jagdhund ausarbeiten, jagdgerecht machen. 2 2) den fleischern, einen …

bearbeiten

DWB

bearbeiten , operam dare, elaborare, nnl. bearbeiden, 1 1) früher nur sich bearbeiten, sich mühen, befleiszigen, id agere: dasz i. maj. geru…

deraribeiten

KöblerMhd

deraribeiten , sw. V. Vw.: s. erarbeiten

durcharbeiten

DWB

durch·arbeiten

durcharbeiten , 1 1. mit leiblicher oder geistiger anstrengung. etwas eifrig bearbeiten, laborando aliquid penetrare, conficere, diligenter …

einarbeiten

DWB

ein·arbeiten

einarbeiten , 1 1) labore compensare, durch arbeit beschaffen, einbringen: das läszt sich einarbeiten. ein vergessenes stück in den aufsatz …

enbeiten

Lexer

en-beiten swv. BMZ warten auf etw. ( gen. od. acc. ) Diut. do auch wier des jungisten tages enpeiten wellen Ula. 65 ( 1293 ).

erarbeiten

DWB

erarbeiten , labore acquirere, elaborare. 1 1) mhd. und irʒ dan kûme erarbeitent mit iuwerm sweiʒe. Berth. 131 . 2 2) nhd. wo mit hast du so…

Ableitungen von beiten (3 von 3)

erbeiten

DWB

erbeiten = arbeiten, s. 1, 541.

gebeiten

Lexer

ge-beiten swv. BMZ stand halten Rul. Krol. ( mit dat. ); Er. 5927 ist mit Bech gebietest ( hs. gebeutest) zu lesen.

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „beiten". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 9. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/beiten/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „beiten". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/beiten/dwb. Abgerufen 9. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „beiten". lautwandel.de. Zugegriffen 9. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/beiten/dwb.
BibTeX
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