BEHELFEN vb. mhd. behelfen,
mnd. behelpen,
afrs. bihelpa.
präfixbildung zu helfen.
häufig mit präpositional- oder genitivobjekt. 1
zuerst jmdm. beholfen sein ‘
hilfreich, dienlich, nützlich sein’,
auch formelhaft beraten und beholfen sein
u. ä.: ⟨u1225⟩ daz er
(Johannes) ir
(Maria) beholfen wære Konrad v. Heimesfurt
himmelfahrt 130 P. ⟨z.j.1374⟩ daz wir im gen allermenclich, niemand uzgenomen, bigestendig und beholfen sin wöllen
(Augsb.) chr. dt. städte 4,41. 1383 so sollent dan die meister, die da dan sint, dem knecht beholffen sein zu syme rechten
hess. urkb. II 4,276 R. 1493 daz du den armen leuten .. mit korn vnd traid beholffen seiest
urk., br. Maximilian I. 13 LV. 15.jh. dieselben pflegere söllent sweren an den heiligen dem hof der guͦten luͦte getruwelich beroten und beholfen zuͦ sin
strassb. zunft-verordn. 74 B. 1543 dass hz. Augustus .. sollte seiner, des kurfursten, sohne einem befordersam und beholfen sein bei den beiden capituln, dass derselbig .. mochte .. ein coadjutor in disen stiften werden
korr. Moritz v. Sachsen 1,611 B. 1608 wie er dann erbietig nach seinem vermögen euch berahten vnnd beholffen zusein Sattler
werbungsbüchl. 2166. 1609 die warme brun̄en .. sind auch den menschen in artzneyen sehr beholffen Quad
herligkeitt 79. ⟨1795⟩ die burger sollen ihm in allem, was sein amt angeht, gewärtig und beholfen sein
rechtsqu. Zür. 1,1,380 H. 1845 Schöpflin war ihnen zu dem codex selbst beholfen J. Grimm
kl. schr. 5(1871) 361. 2
jmdm., sich helfen, sich eines hilfsmittels bedienen. a
jmdm., sich (rechts)hilfe, unterstützung, schutz verschaffen, (mit etwas) helfen, älter auch mit akk. d. person, gelegentl. passivisch: 1270 daz sîe dvheine craft sulnt han noch dvheinre slahte schirm, damitte wir vns bihelfen moͤhtent
corp. altdt. originalurk 5,69 W. ⟨1300⟩ in den brief wart geschriben / und geboten daz man sie / behulfe
passional 150,6 K. ⟨u1362⟩
(substantiviert:) do si von den dingen trost und wisung bevand, do schreib si es alles an, ir selb und och andren menschen ze einem behelfen Seuse
7 B. 1388 und sal auch daz vorgenante slosze Stechelnberg desselben myns herren, .. siner nachkomen und sins stifftes zu Mencze offen slosz sin und bliben .., sich zu ewigen gecziden darusz und darin zu behelffen zu allen iren noden und sachen wider allermenlich
hess. urkb. II 4,405 R. ⟨1421⟩ ere toguntliche zunge / redit wol vor mich eyn wort, / das mich behilffet ssere / unde villeichte wirdet erhort Rothe
düring. chr. 7 L. 1478 dann ainer froͮwen gestalt vnd hüpsche nüczit ist. sölichs hypsche werd dann behulfen mit tugentlichen sitten Niclas v. Wyle
translationen 98 LV. 1528 so were dir doch damit
(mit freude) nicht beholffen widder eine anfechtung odder ungluck zu stehen
(nachschr.) Luther
w. 28,157 W. ⟨1532⟩ so jemants freuel oder vbermoet begangen, vnd queme in die mole, ist er frei, so lang er sich darin behelffen kann, vnd so ferre er das leben nit verwirkt hat
weist. 2,25 G. 1969
(historisierend:) so bin ich gut beholfen, wo ich bin Hacks
Amphitryon 35. —
sich mit etwas sein auskommen, seinen lebensunterhalt seinen bedarf sichern, sich ernähren: ⟨u1300⟩ den gab di frouwe here / .. sicheln, hemmede unde schu, / so daz si sich beholfen nu / mit ir selbes arbeit
hl. Elisabeth 3746 LV. hs.2.h14.jh. di man
(der insel) di erbeytin sere unde koufslayn
(‘handeln’) unde gewynnen mit dem si sich behelfin und ouch di wip mit den kindern
Marco Polo 68 DTM. ⟨n1491⟩ wan es gar ein fruchttbar landt ist mitt wein, korn, zucker, oelbaum, wollenn, fleisch undt was sich der mensch behelffenn undt ernehrenn soll
pilgerreisen 210 R./M. 1535 eyn rott boͤser buͦbē .., welche .. sich der rauberey vn̄ moͤrderey behulffen vn̄ nehretē Micyllus
Tacitus 54a. ⟨v1565⟩ mancher hat ein fein dienstlein, kuͤndte sich gerühlich darauff behelffen, wenn er nicht alle tage koͤnig Artus vnnd Crœsus hoff hielte Mathesius
Syrach (1586)2,72b. 1622 vndt weil grosse theurung gewesen, dass sie sich auf den wöchentlichen lohn nicht behelffen konnen, haben ihnen die gewercken einen ieden etliche scheffell getreidich vorleihen mussen
eisleber stadt-chr. 102 G./S. 1627 freye knecht .. behelffen sich dess solds
in: Frauenholz
heerwesen (1935)2,1,56. 1669 wie denn in Brasilien allein so viel des zuckers wächst, daß sich fast die gantze welt damit behelffen kan Horn
kaͤyserthumb 1/2,67. ⟨1732⟩
(hierher?) und verlaboriret abermahls sein gantzes vermögen, muß sich .. mit betteln behelffen Schnabel
Felsenburg (1997)2,275. b
sich einer sache eines hilfsmittels (auch rechtsbehelfs) zu einem bestimmten (unlauteren) zweck bedienen, meist mit genitiv-, seltener präpositionalobjekt: 1336 voirt vertzien wijr ouch vuͦr uns ind unse erven alreleye reichts .., da wijr mede uns behelpen moigten weder dese vurgeschreven stucke
urkb. St. Gereon 364 J. 1355 auch wizset, das sich nymand mit unserme ingesigel, da man die duch
(tuche) mydde besigilt, behelffen ensal, dan die unser zunft han
frankf. zunfturk. 1,226 Sch. 1482 werden solliche yre
(der schiedsrichter) rechtliche erkentnisse von beiden adder eynem teil zu thune gebeten .. ane alle .. behelff und intrege
(‘widerspruch’) nach .. durch keynerley wiese sich darwidder zubehelffene ane geverde
urkb. Berge 323 H. 1523 es mag sich auch keiner behelffen
(‘herausreden’) mit dem, das etlich sagen, yn sey verbotten mit mir zuͦ disputieren Bucer
I 1,142 S. ⟨1562/4⟩ ketzer, schwermer vnd falsche bruͤders behelffen sich wol bißweylen mit der schrifft, die sie jres gefallens deuten Mathesius
ausgew. w. 23,400 L. ⟨1597⟩ derselben buͤrgschaft aber soll sich kein schichtmeister, der betrüglich erfunden, dergestalt behelfen, daß sie ihn von der peinlichen straf enthaben soll
corp. ivr. metallici 559 W. ⟨1644⟩ als haben wir diesen öffentlichen brieff, damit sich keiner der vnwissenheit behelffen möge, an vnser burg anhäfften lassen Moscherosch
gesichte (1646)4,79. ⟨1781⟩ sich mit unwahrheiten oder schlechten ausflüchten behelfen Möser
4,123 A. —
mit etwas umgehen, sich in bestimmter weise verhalten: ⟨1415/6⟩ wi kan eyn unversuchtir man / der glich ist eyme jungin welffe / und der wise darzcu nicht kan, / mit dem swerte sich behelffe? Rothe
ritterspiegel 1232 ATB. hs.u1430 Claudas zaugte alda große krafft, wann er kunde sich wol behelffen in großen stryten und was auch groß strytes wol gewone
Lancelot 1,76 DTM. 1672 in essen und trincken soll man sich gesparsamlich behelffen Grimmelshausen
simpliciana 62 Sch. 3
sich (notgedrungen) mit etwas provisorischem, nicht optimalem mit einem unzureichenden ersatz begnügen, abfinden, mit etwas vorlieb nehmen, auskommen. auch absolut. meist mit präpositionalobjekt (mit, in etwas, jmdm.
), seltener genitivobjekt oder lokalbestimmung (in, auf etwas
). hauptgebrauch des wortes: ⟨1423⟩ menig schutz
(‘schuß’) und wurf in das hus geschach, / biß daß man die muren und hiuser brach, / daß si di schütz und würf wider buͦßtent / und sich mit türren muren behelfen muͦßtent
hist. volkslieder 1,288a L. 1472/3 dann die manne, der gemüte von sölcher
(unerfüllter) lieb beschwärt ist, sich mit mancherley behelffen mügen, des die züchtigen frülein nit tuͦn Arigo
decameron 17 LV. 15.jh. welher metziger dann nit so vil owen oder matten hat das er rintvihe erziehen mögt, sonder sich doch fryen koufs behelfen wil oder muͦss
strassb. zunft-verordn. 364 B. ⟨1530⟩ wir mussen uns mit armut behelfen und mit schmerzen Paracelsus
II 5,40 S. 1534 die doch kein wald haben, sunder mit roren vnd bintzen sich behelffen Franck
weltb. 69a. 1569 gleich als wenn ein armer, lahmer mensch ein steltze hette, darauff er gehen vnd sich behelffen muͤßte
theatrvm diabolorum 462a. 1618 deß wassers must er
(der ehemann) behelffen sich, / das weib tranck doch wein stetigklich Sandrub
kurzweil 78 HND. ⟨1619⟩ die nomades .., welche keine häuser gehabt, sondern sich in den klüfften vnd höhlen beholffen
Garzoni, schawplatz (1641)383a. 1669 ein jeder theil setzte sich
(in der kutsche) wohin er kondte, .. ich hockte und behalff mich auff dem narren-kistlein Grimmelshausen
continuatio 26 Sch. 1673 diß ist denen gesagt, welche, weil sie ihre muttersprach villeicht nit vollkommen verstehen oder reden können, sich frembder wörter behelffen
ders., simpliciana 200 Sch. 1719 ja, wenn mir nur ein blat verstohlne nachricht brächte, / so hätt ich etwas trost und so behülf ich mich / in hofnung beßrer zeit Günther
1,155 LV. 1770 ich bin bei den bruder 8 tage in Pirne geweßen und da habe ich gesehn wie schlecht und mühsam er sich beholfen um nur durch zu kommen
in: Lessing
19,419 L./M. 1836 Rendtorff .. hat sich .. mit kaffee und brot zu mittag beholfen Hebbel
III 1,107 W. ⟨1948⟩ wenn jeder sich schlecht und recht behilft, .. und keiner weiß, was morgen wird Döblin
vertreibung 130 B. 1968 nun brauchte er eine eigene bleibe. .. es gab eine siedlung aus wellblechhütten, .. freilich ziemlich weit weg vom werk. doch für den anfang mußte man sich behelfen Seghers
vertrauen 368. ⟨1996⟩ wir verfaßten keine prognostischen texte, wie die adligen damals, sondern behalfen uns mit fragebögen und punktsystemen de Bruyn
jahre (1998)69. 2010 voller tatendrang warteten neu gewählte berliner abgeordnete wie Stefan Liebich auf ein büro – bis heute. der linkspolitiker behalf sich mit einem tisch in einem referentenraum
tagesspiegel (16.1.)10a.Grimm