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Vernunft

mhd. bis spez. · 18 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Herder
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Eintrag · Herder (Konv.-Lex., 1854–57)

Vernunft

Bd. 5, Sp. 611
Vernunft (von vernehmen, lat. ratio woher das ital. ragione, franz. raison, engl. reason), die das Uebersinnliche, das Wesen der Dinge inne werdende Geisteskraft, das Vermögen der Ideen oder Principien, das Wesen des menschlichen Geistes, wodurch dieser ein Ebenbild Gottes und so hoch über die Thierwelt gestellt ist, als die Unendlichkeit über das Endliche. Sie liegt als Anlage in der Menschenseele, ihr archimedischer Punkt ist das geistige Selbstbewußtsein (s. Bewußtsein), endlich muß sie durch Erziehung, Leben und Wissenschaft entwickelt werden und ist einer Unzahl von Verkümmerungen u. Verirrungen fähig. Im gemeinen Verkehr werden die Ausdrücke V. und Verstand gleichbedeutend gebraucht, die Philosophen seit Aristoteles Zeit thaten dies gleichfalls und bezeichneten mit beiden Ausdrücken eben das Erkenntnißvermögen des Menschen in seiner höchsten Potenz, aber seit Kant unterschied man V. und Verstand sehr scharf, übrigens ohne die Unterscheidungen objectiv genügend zu begründen. Kant selber faßte den Verstand als das Vermögen der Begriffsbildung, die V. aber als Vermögen der Ideen; seine Nachfolger faßten den Verstand ähnlich, Fichte aber muthete der V. zu, rein aus sich selbst und völlig voraussetzungslos das ganze System des Wissens zu deduciren, Schelling machte sie in der That zur Trägerin der sog. absoluten Erkenntniß, Hegels Logik sollte die wissenschaftliche Darstellung und Entwicklung der reinen V. begriffe od. Ideen sein, worin er vom einfachsten u. keiner weiteren Begründung bedürftigen V. begriffe, dem des reinen Seins, ausgehend, durch die dialectische Methode zu immer reicheren Begriffen fortschreiten und das ganze System des reinen V.wissens ableiten u. darstellen wollte; s. Kant, Fichte, Schelling, Hegel. — Empirische V., die V., insoweit sie durch die Erfahrung bestimmt wird, im Gegensatz zur reinen od. transscendenten, ursprünglich bestimmten; endliche oder relative V., die menschliche im Gegensatz zur unendlichen, absoluten od. göttlichen; spekulative od. theoretische V., die im Gebiete der Erkenntniß sich bewegende im Gegensatz zur praktischen od. moralischen, welche es mit dem Wollen und Handeln des Menschen zu thun hat; Vernünftigkeit, der Besitz von V., V. Religion, s. Religion; vergl. Rational, Rationalismus.
2282 Zeichen · 35 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    vernunft

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +2 Parallelbelege

    vernunft s. unter ich vernim.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Vernunft

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Die Vernunft , plur. car. von dem Zeitworte vernehmen. 1. In eigentlichem Verstande, die Handlung, da man etwas vernimmt…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Vernunft

    Goethe-Wörterbuch

    Vernunft [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Vernunft

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Vernunft (von vernehmen , lat. ratio woher das ital. ragione , franz. raison , engl. reason ), die das Uebersinnliche, d…

  5. modern
    Dialekt
    Vernunft

    Schweizerisches Idiotikon · +3 Parallelbelege

    Vernunft Band 4, Spalte 769 Vernunft 4,769

  6. Sprichwörter
    Vernunft

    Wander (Sprichwörter)

    Vernunft 1. Der Vernunft Licht scheint im Menschen wie ein Docht in einer finstern Ampel. 2. Die Vernunfft ist der weise…

  7. Spezial
    Vernunftf

    Dt.-Russ. phil. Termini · +1 Parallelbeleg

    Vernunft , f разум , м

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit vernunft

138 Bildungen · 133 Erstglied · 2 Zweitglied · 3 Ableitungen

Ableitung von vernunft

ver- + nunft

vernunft leitet sich vom Lemma nunft ab mit Präfix ver-.

Zerlegung von vernunft 2 Komponenten

ver+nunft

vernunft setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

vernunft‑ als Erstglied (30 von 133)

Vernunftähnlich

Campe

vernunft·aehnlich

Vernunftähnlich , adj . u. adv . der Vernunft ähnlich. Etwas Vernunftähnliches , ein Etwas, ein Vermögen, welches der Vernunft ähnlich ist (…

vernunftanschauung

DWB

vernunft·anschauung

vernunftanschauung , f. : was bei einzelnen mehr begabten individuen sich als rudiment einer naturphilosophie, gleichsam als eine vernunftan…

vernunftartig

DWB

vernunft·artig

vernunftartig , adj. in dessen art die vernunft begründet ist: sie konnten indessen ebenso wenig umhin, in diesem aufrechtblickenden vernunf…

vernunftaufgeklärt

DWB

vernunft·aufgeklaert

vernunftaufgeklärt , adj. : wir haben zwei secten in der maurerei, eine vernunftaufgeklärte und eine mystische. Gutzkow ritter v. geist 8, 9…

vernunftbegriff

DWB

vernunft·begriff

vernunftbegriff , m. ein begriff, den man nur durch die vernunft haben kann, der nicht aus der erfahrung entspringen kann: andrerseits werde…

vernunftbestand

DWB

vernunft·bestand

vernunftbestand , m. : aus gleicher tiefe der nothwendigkeit also, des natur- und vernunftbestandes, der ewigen zusammenordnung der dinge la…

vernunftbeweis

DWB

vernunft·beweis

vernunftbeweis , m. ein beweis, welcher auf vernunftschlüssen beruht: der vernunftbeweis aber der unzulässigkeit jenes unnatürlichen gebrauc…

vernunftbildung

DWB

vernunft·bildung

vernunftbildung , f. : seinen bestand ( des christentums ) unter den heutigen kultur- und industrievölkern fristet es nur noch durch die cor…

vernunftdamm

DWB

vernunft·damm

vernunftdamm , m. : er ( Shakespeare ) zeigt uns nämlich die menschliche leidenschaft, die alle vernunftdämme durchbricht ( im Lear ) und in…

vernunftec

BMZ

vernunftec adj. vernünftig, verständig. racionalis vernunftig Diefenb. gl. 231. vgl. Ludw. kreuzf. 12. vernünftig und genendig Heinr. Trist.…

vernunfteclich

BMZ

vernunftec·lich

vernunfteclich , vernunsticlich adj. u. adv. vernünftig. wîslich und vornunfticlich Ludw. 44,1. ir kunnet alsô vernunfticlîchen sagen Tauler…

vernunftegære

BMZ

vernunft·e·gaere

vernunftegære stm. er heiʒet rehter und chumftigære, richtære unt furnunftigære Hahn ged. 5,54.

vernunftegære

KöblerMhd

vernunftegære , st. M. Vw.: s. vernunftigære

vernunftehe

DWB

vernunft·ehe

vernunftehe , f. aus vernünftigen nicht sinnlichen gründen geschlossene ehe: denkende wesen, die eine vernunftehe geschlossen haben. Heyse k…

vernunfteinheit

DWB

vernunft·einheit

vernunfteinheit , f. : eine solche dialektische lehre wird sich nicht auf die verstandeseinheit in erfahrungsbegriffen, sondern auf die vern…

vernunftekeit

BMZ

vernunft·e·keit

vernunftekeit stf. vernunft. die zwô krefte, daʒ ist vernunftekeit und wille myst. 178,36. vernunstekeit, bei Scherz 1760.

vernunften

DWB

vernunften , verb. mit vernunftgründen beweisen. dieses wort, welches Campe ( nach Wieland 14, 88 ) wol zuerst erfunden hat, soll das fremdw…

Vernunfter

Campe

○ Der Vernunfter , — s, Mz . gl. einer der vernunftet. I engerer Bedeutung, der Vernunftforscher . Wolke.

vernunfterkenntnis

DWB

vernunfter·kenntnis

vernunfterkenntnis , n. : obgleich also beides, das mathematische und das philosophische vernunfterkenntnis an sich gleich gewisz sind, so i…

vernunft als Zweitglied (2 von 2)

menschenvernunft

DWB

menschen·vernunft

menschenvernunft , f. dem menschen eigene vernunft: ob sie gleich den inhalt der menschlichen sprache fassen, so hat noch kein affe, da er d…

unvernunft

DWB

unver·nunft

unvernunft , f. , mangel der vernunft ( s. d. ) und ihr gs.; ahd. unfernumest ( Notker psalmen 2, 542, 9 P., mentis offensio ), daneben unve…

Ableitungen von vernunft (3 von 3)

unvernunft

DWB

unvernunft , f. , mangel der vernunft ( s. d. ) und ihr gs.; ahd. unfernumest ( Notker psalmen 2, 542, 9 P., mentis offensio ), daneben unve…

unvernunftlich

KöblerMhd

unvernunftlich , Adj. nhd. „unvernünftig“ Q.: Frl (1276-1318) E.: s. un, vernunftlich W.: nhd. DW- L.: LexerHW 2, 1960 (unvernumftlich), Ben…

urvernunft

DWB

-vernunft , f. ( desgl. ), ' in der philosophie die göttliche vernunft, von welcher die menschliche abstammt ' Krünitz 202, 477 ; Schelling …

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „vernunft". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 19. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/vernunft/herder
MLA
Cotta, Marcel. „vernunft". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/vernunft/herder. Abgerufen 19. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „vernunft". lautwandel.de. Zugegriffen 19. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/vernunft/herder.
BibTeX
@misc{lautwandel_vernunft_2026,
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