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Religion

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Herder
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Eintrag · Herder (Konv.-Lex., 1854–57)

Religion

Bd. 4, Sp. 699
Religion, lat.-deutsch, das angeborne Gefühl unserer gänzlichen Abhängigkeit von einer höhern Ordnung der Dinge, von Gott, dann objectiv der Inbegriff von Lehren und Geboten, worin sich die religiöse Ueberzeugung ausspricht, nach Staudenmaiers Begriffsbestimmung die bewußte, freie und lebendige Gemeinschaft des Menschen mit Gott. Wie es nur einen Gott und eine Wahrheit und eine freie endliche Vernunft gibt, so gibt es im Grunde auch nur eine R., die auf der Uroffenbarung Gottes an das Menschengeschlecht beruht u. in ihrer Vollendung das Christenthum ist, s. Offenbarung, Christus; allein durch die Folgen des Sündenfalles entstanden vielerlei R.sformen, die unter sich sehr verschieden sind aber alle das Gemeinsame haben, daß sie mehr oder weniger auf Verirrungen des religiösen Bewußtseins hinauslaufen. — Positive R., die durch Belehrung von Außen gegebene, natürliche R., die R., insoweit sie in der geistigen Organisation des Menschen wurzelt und sich aus u. mit dieser durch die Außenwelt entwickelt. In diesem Sinne ist natürliche R. gleichbedeutend mit Vernunft-R. Eine Vernunft-R. aber, die lediglich ein Erzeugniß der ursprünglichen Vernunftgesetze und berufen sein sollte, über alle R.en, die christliche am wenigsten ausgenommen, zu Gericht zu sitzen, beruht auf der pantheistischen Anschauung, als ob die Vernunft der Menschheit oder vielmehr die Vernunft dieses oder jenes Philosophen absolut sei und positive R. ihr nicht immer und überall Noth thue. Wie grundfalsch solche Anschauung ist, dafür redet laut: a) die Geschichte aller Völker mit Ausnahme der Hebräer und der Christenheit, indem selbst die sog. Culturvölker, bei denen die Vernunftentwicklung am höchsten gedieh, sich durch eigene Kraft keineswegs allmälig zu höheren Stufen des religiösen Bewußtseins emporarbeiteten, sondern vielmehr entweder in geistige Erstarrung versanken wie die Inder und Chinesen oder tiefer und tiefer durch die Emancipation von ihrer R. in Unglauben, Aberglauben u. Laster, an denen sie zu Grunde gingen wie die alten Griechen und Römer; b) wo immer diese oder jene Lehre bis heute sich als Vernunft-R. gebärdete, war dieselbe genau besehen, wo nicht sonnenklare Unvernunft so doch ein Gemengsel von Sätzen, der positiven R. entlehnt und diese verwässernd mit der Zeitwissenschaft. — Praktische R, was Religiosität; Staats-R., die in einem Staate als herrschend anerkannte R.; R. swissenschaft, was Gottesgelehrtheit, Theologie. — Wie wichtig die Geschichte der R.en sei, geht schon daraus hervor, weil in der religiösen Anschauung u. im religiösen Leben eines Volkes der Schlüssel zum Verständniß seiner ganzen Geschichte liegt, aber bis heute fehlt ein genügendes Werk dieser Art, da die vorhandenen z.B. von Meiners, Eckermann, Kraft u.s.f. nicht nur an Unvollständigkeit, sondern mehr oder minder auch an Einseitigkeiten leiden.
2850 Zeichen · 36 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    religiônf.

    Mittelniederdeutsches Wb.

    religiônssāke , religiôn- , f. ( Gen. Sg. -sāke ; Pl. -n ): 1. Glaubensangelegenheit, Glaubensfrage , dat de r. binnen B…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Religiōn

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Die Religiōn , plur. die -en, aus dem Lat. Religio, und dieß von religare, binden. 1. In der weitesten Bedeutung, in wel…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Religion

    Goethe-Wörterbuch

    Religion mit mask Personalpronomen B28,430 ; die Mehrzahl der über 400 Belege in literar Werken, entspr ist ein Großteil…

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Religion

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Religion , lat.-deutsch, das angeborne Gefühl unserer gänzlichen Abhängigkeit von einer höhern Ordnung der Dinge, von Go…

  5. modern
    Dialekt
    Religion

    Elsässisches Wb. · +4 Parallelbelege

    Religion [Rèljón K. Z. ; Rèlìχjón Lohr ] f. 1. Religion, religiöses Gefühl: s is t gor ke i n e R. me hr inger de n Litt…

  6. Sprichwörter
    Religion

    Wander (Sprichwörter)

    Religion 1. Die Religion hat den Reichthum geboren, aber das Kind hat die Mutter verschlungen. – Simrock, 8429; Eiselein…

  7. Spezial
    Religionf

    Dt.-Russ. phil. Termini · +1 Parallelbeleg

    Religion , f религия , ж

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit religion

135 Bildungen · 133 Erstglied · 0 Zweitglied · 2 Ableitungen

religion‑ als Erstglied (30 von 133)

Religionamt

DRW

religion·amt

Religionamt, n. Kirchenbehörde die weil denn zu solchem ... bau eine stattliche unkost als etliche 1000 fl gehören, zu dem es von dem einkom…

Religionist

GWB

religio·nist

Religionist wohl für einen Glaubensvertreter, Gläubigen; mBez auf Goethes Gedicht ‘Hans Sachsens poetische Sendung’ 53,445,30 Aus Notizb Sab…

Religionsabschied

DRW

religion·s·abschied

Religionsabschied, m. Vereinbarung evangelischer Reichsstände zur Beilegung innerprotestantischer Lehrunterschiede craft dessen zwischen den…

Religionsallegorie

GWB

religion·s·allegorie

Religionsallegorie sinnbildl Darstellung eines relig Inhalts weil aber düstere R-n anmuthiger und schöner Darstellung meistens nicht zusagen…

Religionsangehörige

DRW

Religionsangehörige, m., f. wie Religiongenosse kein teil aber soll sich seiner religions-angehoͤrigen gewalt, um den andern theil zu unterd…

Religionsansicht

GWB

religion·s·ansicht

Religionsansicht aus der Konfessionszugehörigkeit resultierende Auffassung, Einstellung übersende das früher erwähnte Herrnhutische Gedicht,…

religionsbegriff

DWB

religion·s·begriff

religionsbegriff , m. : zerstörung ..., welche durch änderung der staatsverhältnisse, religionsbegriffe .. einreiszt. Göthe 43, 295 .

Religionsbeschwerung

DRW

religion·s·beschwerung

Religionsbeschwerung, f. Benachteiligung, Belastung wegen der Konfessionszugehörigkeit vgl. Religionsbeschwerde dazu auch die staende und la…

Religionsbewahrer

GWB

religion·s·bewahrer

Religionsbewahrer Verfechter, Repräsentant einer Konfession Die Nähe von Byzanz, die Kriege mit den westlichen Kaisern..bringen endlich ein …

religionsbuch

DWB

religion·s·buch

religionsbuch , m. ein buch, welches von religion handelt, besonders zu unterrichtszwecken. Campe.

Religionsbüchlein

GWB

religion·s·buechlein

Religionsbüchlein für eine Schrift von FWCarové, evtl mBez auf ‘Kosmorama. Eine Reihe von Studien zur Orientierung in Natur, Geschichte, Sta…

Religionsdenkweise

GWB

religion·s·denkweise

Religionsdenkweise aus einer bestimmten Glaubensrichtung resultierende Vorstellung, Sichtweise Auch müsse sich jede besondere R. und Gottesv…

Religionsedicte

Herder

Religionsedicte , nennt man vorzugsweise landesherrliche Verfügungen, durch welche über die Duldung oder Unterdrückung eines von der herrsch…

Religionsedikt

Meyers

religion·s·edikt

Religionsedikt , eine auf die Religion und deren Ausübung im Staate sich beziehende obrigkeitliche Verordnung, wie z. B. 313 Konstantins d. …

religionseid

DWB

religion·seid

religionseid , m. ein eid, durch welchen man zu einer bestimmten religion sich verpflichtet.

Ableitungen von religion (2 von 2)

unreligion

DWB

unreligion , f. , mangel an religion: allgem. d. bibl. 65, 342; W. L. Wekhrlin hyperbor. briefe 1, 31 ; Stilling 3, 553 ; Zschokke 23, 124 .…

urreligion

DWB

urreligion , f. (ur- C 4 c), ' die älteste natürliche religion ' Krünitz 202, 348 : ein ... der u. näher stehendes system Schelling II 1, 90…

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Cotta, M. (2026). „religion". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 15. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/religion/herder
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Cotta, Marcel. „religion". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/religion/herder. Abgerufen 15. May 2026.
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Cotta, Marcel. „religion". lautwandel.de. Zugegriffen 15. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/religion/herder.
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  urldate      = {2026-05-15},
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