übung,
f., nomen actionis zu üben,
v.; ahd. uobunga (Graff 1, 71);
mhd. üebunge (
mhd. wb. 3, 193);
mnd. ovinge (Schiller-Lübben 3, 287). 11)
das thun und treiben, die thätigkeit, bewegung im weitesten sinne, von wbb. u. idiot. seit dem 15.
jahrh. gebucht unter exercitium, z. b. voc. theut. (1482) h h 8
b;
exercitatio Frisius
dict. (1556) 876
a;
tractatio ... agitatio Schönsleder (1632) H h 6
d;
meist mit dem nebensinn der dauer oder iteration. 1@aa) (
es) ist ein ... comet ... gesehen worden ..., hat sein ü. ein stund und ein viertel gewest Seb. Franck
zeytb. 241
b; kein stern stehet stille, (
sie) seind alle
in täglicher ü. damit dasz sie die natur auffwecken Paracelsus
opera (1616) 2, 76
H. 1@bb)
von der menschlichen, bzw. thierischen bewegung: der aderlaszer soll sich hyeten in den ersten drey tagen vor überflüssiger speysz und trank, vor starcker ü. Gersdorf
wundarzney (1517) 16, 2
b; das in von übrigen lauffen und von übriger ü. die feuchtikait in den glidern ... nit dürr werden Mynsinger
v. d. falken 91; alle yebung des leibs sol meszig sein ... yebung sol weren, bisz der leib warm wirt Murner
bei U. v. Hutten
op. 5, 493
B.; Breslauer arzneib. 57; Harsdörfer
secretarius 1, 106; ruh ist
auch nützer dann vil übung Wirsung
artzneyb. (1568) 537
a; ungewonte ü. bald auffs essen ... seynd schedlich 305
a;
vgl. auch 180
d; 548
a; (
die schwangere frau) meide grosze übung und bewegung
quelle bei Crecelius 2, 831;
von thieren: der löw sprach: gang hin und hab acht siner ü. und bericht mich dero
buch d. beisp. 93, 28; wenn sye (
die bienen) ir werck vollbracht ... so ist ir gewonliche ü., das sye sich in die weite begeben Eppendorf
Plinius (1543) 11, 187. 1@cc)
thätigkeit, beschäftigung, gewerbe: was werden die säligen mennschen doch thuon? was ü. werden sy haben? werden sy och dantzen oder springen? Keisersberg
schiff d. penitenz 116
c; Ambach
von tantzen (1543) b 4
b; (
Luther hat die ordensleute erweckt,) dasz sye ... ir klösterlich wesen unnd werck ... als ein ander hanthierung und yebung disz zeytlichen lebens volfyerend Philadelphus Regius
Lutherische wunderzaychen (1524) B 1
b; wie wol dis kleyn büchlein ... ewrem handel oder ü. ... nit gemesz ist Hutten
op. 1, 247
B.; keiser Heinrich ... hat sin übung allein mit jagen und spilen Tschudi
chron. helvet. 1, 23; (
kaiser Albrecht hat) offtmals gesagt, jagen sey der menner, tantzen aber ein weiber übung C. Spangenberg
jagteufel G 1
b; S. v. Birken
ostländ. lorbeerhayn (1657) 138;
vgl. auch wybische ü.
Terenz deutsch (1499) 81
b gloss.; alle übung und künste sind entweder liberales oder mechanice. die erste nennet man freye künste, die andern handwerge C. Spangenberg
jagteufel C 3
b; Aristoteles zehlet musicam unter die vier freyen übungen
von der musica 6; meid märle, ... darinnen ler der schanden ist, des gwarn ich weib und junckfraw rain, den sölche übung ist gemain Schwarzenberg
Cicero (1535) 124; in aim gaistlich ubung bestaht, im andern krigisch ubung gaht. Fischart
glückh. schiff 48, 419
neudr.; der wält louff, übung und handel, ihr thuon und lan, ir wysz und wandel H. R. Manuel
weinspiel v. 1941
neudr.; Puschmann
gründl. bericht 3
neudr.; weitere belege aus dem 16.
jahrh. bei Diefenbach-Wülcker 879; als sie an leibs und gemüts stercke hatten zugenommen, lieszen sie ihre übung nit allein an den wilden thieren bleiben, sonder überfielen auch ... böse leuth Grasser
schatzkammer (1610) 220; mein itziger zustand hält mich nunmehr fast gar von dieser geliebten ü. (
dem dichten) ab Neumarck
fortgepflanzter musik.-p. lustw. (1657) 7; Rompler 1.
gebüsch x x x 3; fest mich ... an meiner pflicht zu halten soll ... meine tägliche ü. seyn Lavater
verm. schr. (1774
f.) 2, 4; ein leben voll thätigkeit und ü. Göthe IV 8, 97
W.; auch pl. für geschäfte, handlungen: er keret sein herz ab von allen erbaren bungen Seb. Franck
chron. Germ. (1538) 27
a; er was ... in allen sinen üebungen und werken streng und schnell
Stretl. chron. 6; untüglich ... zuo bürgerlichen übungen Eberlin v. Günzburg
s. schr. 1, 39
ndr.; da sie (
d. handwerke) doch die ersten übungen des menschlichen geschlechts gewesen seyn Schupp
schr. (1663) 737; die tägliche wercke und übungen in dem landleben Hohberg
georg. cur. (1682) 1,
vorr. a 4; Lohenstein
Arminius 1, 268
b; handlungen wie sie in denen häuszlichen oder kirchlichen übungen ... bestehen G. Arnold
kirch. u. ketz. hist. (1699)
vorr. 11; mit anbruch des folgenden tages ging ... Abrokomas wieder an seine gewöhnlichen übungen Bürger
w. 252
b B.; übungen ... wie sie dem edelmann geziemen
Shakespeare 4, 159;
specialisiert: 1@c@aα) rechtliche übung: vatter und kint, deszglichen eelüt pflegen nit rechtlich übung wider ein andern fürzenemen
Freiburger stadtrechte (1520) 11
a; ich bezeug mich, das ich ... in kain rechtlich
noch gerichtlich ü. mit Pfefferkorn gon noch gegangen sein will Reuchlin
augensp. 4
b; in rechtlicher übung gegen jem. stehen,
processieren, s. Haltaus 1830;
Carolina art. 219.
weitere belege des 15.
u. 16.
jahrh.s bei Fischer
schwäb. wb. 6, 1, 76. 1@c@bβ) ritterliche übung, übung der waffen,
s. Frisius
dict. (1556) 1322
a s. v. armorum tractatio; Micrälius
a. Pommerland (1640) 1, 18; Neukirch
anfangsgr. (1724) 3; ritterliche übung, so ir heute auff dem turnier geübt haben Wickram 1, 65, 32; er was in krigischer übunge verhertet als ein steyn Stolle
thür. chr. 119;
besonders im pl.: in den ritterlichen übungen ... hat er (
Marius) seine kriegsleut ... geübt Kirchhof
wendunmuth 2, 23; in allen ritterlichen übungen wol erfahren Bucholtz
Herkuliskus (1665) 5; A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 233; Bode
M. Montaignes ged. u. mein. (1793/9) 3, 30; der buhurt, wahrscheinlich die älteste der ritterlichen übungen G. Freytag
ges. w. 18, 25; ein vorbild in allen ritterlichen künsten und übungen Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893
f.) 4, 401; Ranke
s. w. 1, 104. 1@c@gγ) geistliche übung,
cult, ritus, bereits im 8.
jahrh. durch glossen belegt, s. Graff
a. a. o.; auch
mhd., besonders in der sprache der mystiker, die innere
und äuszere übungen
der askese, bzw. vergottung unterscheiden, vgl. z. b. wortindex zu Tauler
in dtsch. texte d. mittela. 11;
sowie Seuse
dtsche schr. 11, 21
B. nhd.: disen tag wert ir haben zuo einer manunge und begeet in feiersamclich dem herren ... mit ewiger ubunge
exod. 12, 14
erste dtsche bibel; die übung (
cultische verehrung) der ... abgötter
sap . 14, 27
ebenda; vorr. zu Joh. erste dtsche bibel 1, 331; ein uszerlich anbetten und eren gottes, welchs mit uszwendigen sichtbarlichen geberden, wercken und übungen beschicht H. Gebwyler
beschirm. d. lobs Marie (1523) 10
b; warum seind alle übungen erdacht? darumb, das du kompst zu rechter liebe gotes und deins nächsten menschen Keisersberg
has im pf. (1510) B b 4
a;
er unterscheidet pred. 79
b dreierlei klosterübungen: gaistliche, leipliche (=
wachen, fasten ...)
und hantliche (=
arbeiten),
vgl. auch pred. 3
b;
sieben scheiden (1510) dd 4
c;
Augsb. confession 2, 5
Kolde 81; so brauchen nu wir der beycht als einer christlichen ubunge Luther 30, 3, 570
W.; sie (
die concubine) verhindere ihn ... am gebrauche des ... abendmahls und andern christlichen übungen durchausz nicht Prätorius
anthropod. plut. (1666) 1, 356; unter dem vorwand geistlicher übung trieben sie ... ihr unzüchtig spiel maler Müller 3, 389; sein gebet und seine religiösen übungen verrichten Hauff
s. w. (1890) 4, 246; sich geistlichen übungen hinzugeben Ranke
s. w. 8, 141; zu strenger einhaltung der kirchlichen übungen verpflichtet
jahrb. d. Grillp.-gesellsch. 4, 323; der evangelischen ü. ward (
in Cleve) kein wesentliches hindernisz entgegengesetzt Ranke
s. w. 38, 8; übung in etwas: fleiszig ubung in wercken der barmhertzikait Keisersberg
granatapfel (1510) F 4
c; gaistliche übung in gebet unnd leren Eberlin v. Günzburg
s. schr. 1, 177; er blieb unverheyrathet, damit ihm nichts an seiner ü. im gebete stöhren ... möchte
Leipziger avanturieur (1756) 1, 12; strenge übungen in der gottseligkeit Zimmermann
über d. einsamkeit 1, 146;
Athenäum (1798/1800) 3, 18. 1@c@dδ) übung des ertrichs,
bebauung, pflege des bodens, s. Österreicher
Columella 1, 300; bauw desz erdtrichs,
agitatio terrae Frisius
dict. (1556) 69
a. 1@c@eε)
prägnant für ludus, bzw. actus ludi nur im 16.
jahrh., s. Boltz
Terenz (1539) 3
a; Eppendorf
Plinius (1543) 7, 38. 22)
ausübung, verübung: operatio Diefenbach
gloss. 397
a. 2@aa)
mit obj. gen.: so einer in übung der that etwas verleuszt ... das man hernachmalls findet ...
Carolina 29; so jemandt einen missethatter zu ubung einer missenthat ... beistand oder furderunge ... thut 177; damit er im alle gelegenheit zu übung obgedachter untrew benemme Sebiz
feldbau (1579) 26.
meist durativiterativ: und ich ietz ... mit meiner priesterlicher ü. des gotzwortz von der kantzel nit fürohin ... verbringen mag Öheim
Reichenauer chron. 1, 19
B.; sacramentum nihil aliud est quam ein ubung seins mittelsampts Luther 29, 184
W.; die rechte ubung des glaubens 26, 212
W.; (
ein christ soll) den leib nit sparn in übung guotter werck Keisersberg
schiff d. penitenz 114
d; 8
a; Tauler
pred. 255
dtsche texte d. mittela.; bunge der kunst Diefenbach
nov. gloss. 300
s. v. practica; ü.
d. himelischen gebott
erste dtsche bibel 2, 412, 44
K.; der religion Stumpf
Schweizerchr. (1606) 131
a; A. Olearius
persian. reisebeschr. (1696) 176; des gottesdienstes Rätel
Curäi chron. (1607) 278; des cultus Mommsen
röm. gesch. (1894) 5, 321; in disem aufflauff ward ... Archimedes, die weil er in seyner arbeyt und ü. seiner kunst ... das werck abzirckelt, zuo todt geschlagen Carbach
Livius 146
b; Scevola ..., der ... an verstentnuss ... und ü. sinnreycher erlicher wergk der allerübertreffelichst ... geweszt ist Schwarzenberg
Cicero (1535) 65
v; alspald sy (
die kinder) ... zuo yebung ires freyen willen kumen Berthold v. Chiemsee
teutsche theologey 226; durch emsige ü. des wollusts werden alle ... sinne mat Ambach
vom zusaufen C 3
a M.; die ü. der zäuberischen heylung Nigrinus
von zäuberern (1592) 93; wann offt ein kraut nichts thut in übung der artzney, da ist metall doch gut Opitz
teutsche poem. 232
neudr.; hilff, dasz übung reiner lehre sey und bleib an allem orth Fischer-Tümpel
evang. kirchenl. 2, 465; die stadt verewigt dich in übung deiner lehren Pietsch
geb. schr. 207; ... welchen reinern händen vertrau ich dann des rechtes übung an? Ramler
fabellese (1783—90) 3, 202; so schonungslose übung eines rechtes entfremdet uns die herzen unsers volks Raupach
dram. w. ernster gattung (1835
ff.) 7, 256; ü. der tugenden Keisersberg
post. 3, 59
b; Fischart
Garg. 95
neudr.; übung der liebe gegen dem nächsten Moscherosch
insomnis cura par. 25
neudr., der gedult Günther 36, der wohlthätigkeit S. v. Laroche
frl. v. Sternheim (1771) 1, 249, der toleranz Schleiermacher I 5, 56, jeder bürgerpflicht Pfeffel
poet. versuche (1812
ff.) 5, 58; Raumer
Hohenst. (1823) 1, 27; Holtei
erzähl. schr. 19, 4; in täglicher ü. seines berufes W. v. Polenz
Grabenhäger 1, 271; in der täglichen ü. des studiums, des gebetes und der geschäfte nicht ermatten Nitzsch
dtsche stud. (1879) 40; o Karl, wie grosz wird unsre tugend, wenn unser herz bei ihrer übung bricht! Schiller 5, 2, 181 (
Don Karlos 1, 5)
G. 2@bb)
mit präp.: (
der arzt musz sein handwerk gelernt haben,) ee er sich der ü. ze ertznyen underwindet Steinhöwel
de claris mulieribus 332. statt sie (
d. tochter) zu bewahren giebt übung zur gefahr den tod ihr nun Göthe 10, 312 (
natürl. tochter 3, 2)
W. 2@cc)
sprichwörtlich und phraseologisch: die stete ubung thuots alles Seb. Franck
sprüchw. (1541) 1, 12
a; die ü. bringt erfarung, erfarung kans alles
sprichw. sch. w. klugreden (1548) 138
va; stete ü. gehet über alle unterweisung,
usus frequens omnium magistrorum praecepta superat Corvinus
fons lat. (1646) 1020; die übung würckt uns ausz, versuch, der führt uns an Logau
s. sinnged. 265
E.; die ü. musz das beste thun in einer kunst,
la pratica Kramer
dict. (1702) 2, 1170
b; ü. macht den meister Wander 4, 1402; Dentzler
clavis ling. lat. (1716) 299
a; an ü. legen,
üben: solliche ding (
wie) laster auszzutreyben, in tugenden wachsen, die will nyemann an ü. legen Keisersberg
sieben scheiden (1510) e e 6
c; in übung setzen, bringen: ein volk, das ... seine kräfte in ü. zu setzen gelegenheit findet Göthe 7, 165
W.; 33, 147
W.; jetzt wurde ... das moralische gefühl in übung gesetzt Schiller 9, 131
G.; doch von den ränken, den lügenkünsten hast du keine ahnung, die man in übung setzte, meuterey im lager auszusäen Schiller 12, 184
G.; wie dann nachgehends ... das gold mit der seide zu untermischen ... in ü. gebracht ... worden Abr. a
s. Clara
etwas für alle (1711) 2, 105; wenn man aber soviel fleisz angewendet hätte, die rechte vernunftkunst in ü. zu bringen Leibnitz
dtsche schr. (1838
ff.) 1, 388; 2, 473; dero beide schreiben ... zeigen den eifer, mit welchem sie meinen ... rath ... in übung bringen Gottschedin
br. (1771
ff.) 2, 30
R.; Hahn
hist. (1742) 5, 289;
M. I. Schmidt
gesch. d. Dtschen (1778
f.) 2, 433; Göthe 49, 17
W. in ü. erhalten,
ständig üben: damit die ehre gottes ... yn ganghafftiger ü. erhalten ... werden möge Luther 12, 21
W.; sintemahl der catechismus ... in täglicher ü. zu halten ist
theatrum diabolorum (1569)
vorr. 5; jedes neue schauspiel der hinrichtung ... erhielt den abscheu gegen ihn in schrecklicher ü. Schiller 7, 127
G.; in übung kommen,
in anwendung: dieses gesetz musz nicht eher in ü. kommen, bevor ... Just. Möser
s. w. (1842
f.) 1, 160
A. etwas in steter ü. haben,
haver' una cosa in continouo esercitio Kramer
dict. (1702) 2, 1170
b;
to practise, exercise or use something continually Ludwig
teutschengl. lex. 1808; von diesem Manno söllen die Teutschen noch in ü. haben das wörtlin mann vil zu gebrauchen Stumpf
Schweizerchron. (1606) 54
a; eine macht, die ... abgrundsmäszige ränke ... in der ü. hat Jung Stilling 3, 328; aufs graben und stahlschneiden versteht er sich und hats in der ü. Göthe IV 9, 260
W.; Gutzkow
ritter vom geiste (1850/52) 3, 130. in ü. sein,
geübt werden: es ist in ü.,
usus ... fert Dentzler
a. a. o. 299
a; es ist nicht müglich, wo morden und rauben yn ü. ist, das da ein feine, löbliche weltliche ordnung sey Luther 30, 2, 126
W.; 15, 321; 18, 515; wenn der glaub ... hoffnung und die lieb nit in steter ü. wären, so wurde auch kein reinigung der sünden folgen Nas
das antipap. eins und hundert (1567/69) 3, 185
b; Sleidanus
reden 167
B.; weisth. 6, 79; Zimmermann
v. d. nationalstolze (1758) 180; Göthe IV 9, 256
W. 33)
aus 2,
bzw. dem durativ-iterativen nebensinn von 2
entwickelt zu brauch, sitte: cultus Diefenbach
gloss. 162
a; gebrauch, gewonheit, übung,
usanza Hulsius (1618) 2, 111
b; Haltaus 1830; zum fünfften verwürfft er (
Luther) den langen brauch, ü. und gewonheit der kirchen Dietenberger
wider d. unchristl. buch M. Luthers (1526) A 3
b; Luther 8, 484
W.; und dasz es mit nichten zemete, von diser übunge und gewonheit der berichtunge aus eigener macht abzutreten Eschenloer
gesch. d. stadt Breslau 1, 288; das galt auch in der ganzen welt als allgemeines gesez und ü. K. L. v. Haller
restaur. d. staatswiss. (1816—25) 1, xxiii; vertrag und ü. im hause Wittelsbach verschlossen die erbfolge weiblicher seite Zschokke
s. ausgew. schr. 31, 313; (
umstände) nöthigten zum aufgeben der alten ü., die auswahl ... dem ... ermessen der offiziere zu überlassen Mommsen
röm. gesch. 2, 68; gegen die bestehende ü. 2, 90; so wills des tempels übung Grillparzer 7, 18
S. in ü. sein,
in geltung, üblich sein (
s. auch oben 2
b): küpfferin dick pfenning, die damals in ü. waren Xylander
Plutarch (1580) 306
b; das also beyde stuck ym psalter reichlich und mechtig yn der ubunge gehen Luther
vorr. z. psalter (
Bindseil 7, 330); 32, 345
W.; in ü. kommen, aus der ü. kommen
üblich, bzw. unüblich werden: die heutiges tages in ü. gekommene ... zwergbäume Hohberg
georg. cur. aucta (1715) 3, 311
a; (
das suffix)-haftig ist fast ganz aus der ü. gekommen Gottsched
dtsche sprachkunst (1748) 202. 44)
einübung, die heute dominierende bedeutung: studium Diefenbach
gloss. 557
c; '
nun ist die gewohnheit
eine öftere wiederholung einer und eben derselben handlung. die übung
ist gleichfalls nichts anders, nur dasz bei der übung
die nämliche handlung mit fleisz und absicht wiederholt wird'
M. Mendelssohn
ges. schr. (1843) 1, 271; Eisler 2, 541; 'angewöhnung
ist der weg zur angewohnheit, übung
der weg zur fertigkeit' J.
F. F. Delbrück (1796) 42; one grosze übung, vleis und erbeit kan und mag keine kunst ... eröbert werden
M. Agricola
musica choralis deudsch (1533) A 2
a; kunst will ir yebung haben G. Mayr
sprüchw. (1567) E
a; sie giengen beyde mit einander in und ausz der schulen, hatten eine lection, eine ü. der lehre, eine speisz
buch d. liebe (1587) 108
a;
declamatio, ein red die man von wegen der ü. haltet Calepinus
XI ling. (1598) 375
a; ... dasz die jugend ... durch nützliche übungen ... vorbereitet werde Chr. Weise
polit. redner (1677)
vorr.; geschicklichkeiten, die nur durch viel ü. erlangt werden Kästner
verm. schr. 2 (1772) 143; 1 (1755), 30; eine durch lange ü. erlangte fertigkeit Lichtenberg
nachlasz 6, 18; Ayrenhoff
w. (1814) 241; wir leben also hier in einem stande der ü., der vorbereitung und der zucht J. A. Cramer
nord. aufseher (1758) 1, 71; nach meiner meinung ist erziehung: entwicklung und ü. der jugendlichen kräfte Salzmann
ameisenbüchlein (1806) 77; eine folgerecht stufenweis fortschreitende ü. Göthe 25, 39
W.; die kunst ..., die er sich durch eine anhaltende ü. eigen gemacht hatte 22, 84
W.; eine ... wirkung ... meines durch ü. erworbenen talents 23, 60
W.; durch eine stetige ... ü. seiner fähigkeiten das ... gesteckte ziel erreichen O. Jahn
Mozart (1856) 1, 5; kartenspiel ... gestattete herr Cleanth als ü. des verstandes Gutzkow
ges. w. (1872) 1, 162; für einen anfänger ist nöthig, dasz er zu ü. des ansatzes ... leichte stücke erwähle Quantz
anweisung d. flöte zu spielen (1789) 92; Storm
w. (1899) 1, 140; anfangen will ich wenigstens, wäre es auch nur zur ü. Solger
nachgel. schr. (1826) 1, 15; Raupach
dram. w. kom. gatt. (1829) 1, 281; Bauernfeld
ges. schr. 4, 11; die fähigkeit, die in der seelen stecket, entwickelt sich allmählich, wird erwecket und nimmt durch übung zu Brockes
ird. vergnügen in gott (1721
ff.) 4, 323. lange, oftmalige ü.
u. ä.: was ... ertz sein, kennen verstendige bergleut ausz langer übung Mathesius
Sarepta (1571) 28
b; durch öfftere übung einen gutten schützen aus sich machen Göchhausen
notabilia venatoris (1741) 309; körperliche übungen zur enthaltsamkeit Herder 16, 395
S.; übungen der palästra 3, 367; die archäologischen übungen meiner zuhörer H. Brunn
kl. schr. 1, 67; theatralische übungen Gerstenberg
Hamb. n. zeit. 275, 10
d. lit. denkm.; militärische ü.,
s. Göthe IV 30, 64
W.; br. von u. an Herwegh (1896) 167; übungen und paraden Hoffmann v. Fallersleben
ges. schr. 7, 92; übungen des 10. bundesarmeecorps Treitschke
dtsche gesch. 5, 99; Moltke
ges. schr. und denkw. 7, 129; G. Keller
ges. w. 2, 90; Hans Grimm
volk ohne raum 1, 91; übungen in der muttersprache Göthe 46, 86
W.; im englischen O. Jahn
Mozart 3, 180
anm. 26; Ebner-Eschenbach
ges. schr. 4, 392; sie übersetzen sich zu üben, und sind klug genug, sich ihre übungen bezahlen zu lassen Lessing 8, 9
M.; unbedeutende papiere, blosze übungen der feder Schiller 12, 400 (
Maria Stuart 1, 1)
G.; im 16.—17. jahre schrieb er (
Jean Paul) schon übungen zum denken nieder Gervinus
gesch. d. dtschen dichtung (1853) 5, 204.
einem concretum sich nähernd: in welches (
werk) ich eine ziemliche zahl meiner poetischen gedanken und übungen ... einverleibet Neumark
poet. u. mus. lustwäldchen (1652) 11
b; ich ... überreiche dir erröthend meine ü. (=
elaborat) Tieck
schr. 6, 241. 55)
aus 4
entwickelt: durch praxis erworbene fertigkeit, geschicklichkeit, erfahrung: routine Kinderling
reinigk. d. dtschen spr. (1795) 148; er hat ü. in diesem fach,
dexterity, facility Hilpert 650
c; Latinus usz ü. künftige ding für ze wissen het usz antwurt der göt so vil genomen, daz syn tochter ainem ... fürsten sölte gemehelt werden Steinhöwel
de claris mulieribus 141
Dr.; vergl. noch 19; 36;
in der neueren sprache allgemein: er (
der Amerikaner) kennt die thiere die er verfolgt ... und wapnet sich gegen sie mit stärke, verschlagenheit und ü. Herder 13, 312
S.; mit gröszerer ü. und beobachtungsgabe ausgerüstet Humboldt
kosmos (1845
ff.) 3, 318; in welcher folge die dinge zu gebrauchen seien, dazu gehört ü. und nachdenken Göthe 24, 274
W.; maler Müller
w. (1811) 2, 44; Naumann
naturgesch. d. vögel (1822—44) 7, 223; ich habe ... in kenntnisz und ü. zugenommen Göthe IV 8, 254
W.; (
es) kann ihm (
Vosz) doch nicht so gar alle fähigkeit und ü. abgehen J. H. Vosz
antisymb. (1824—26) 2, 64; da sie (
die wärterin) sich auf ü. und reiche erfahrung stützen darf, flöszt sie vertrauen ein Holtei
erzähl. schr. 4, 114; ü. im philosophieren Laube
ges. schr. (1875—82) 2, 140, im schmeicheln G. Freytag
ges. w. (1886—8) 17, 337; man kann sich mit einiger ü. ... gar bald ein ... urtheil zusammensetzen Göthe 23, 105
W.; II 2, 291; ihr blieb ... wenig zeit, die ü. in gesellschaftlichen künsten zu gewinnen Moltke
schr. u. denkw. 1, 149; Bismarck
ged. u. erinn. 1, 26,
volksausg.; sie rauchte ... ohne ü., denn sie blies in ihr cigarettchen hinein, bis es ausging Ebner - Eschenbach
ges. schr. 4, 231. ü. haben: wer andere leren sol, mus eine grosze übung und sonderliche schicklickeit haben Luther 26, 236
W.; Alberus (1540) 99
s. v. poët; er hat noch wenig ü.,
skill or experience Ludwig
teutsch-engl. lex. 1808; im kirchenstyle hatte er nicht ü. genug Schubart
ästhetik der tonkunst 52; ich habe einige ü. und bin zu brauchen Schiller 14, 192
G. in ü. kommen
u. ä.: es seye dann, das sy in bessere ü. und erfarung kommen Ferdinand II von Tirol
spec. vitae hum. 14
neudr.; wann er werde in die ü. kommen, werde er es seinem vater ... zuvorthun Schupp
schr. (1663) 14; wenn unser junger herr ... zu einiger ü. gekommen, ..., so musz er ... v. Fleming
d. vollk. teutsche soldat (1726) 36 § 1; Göthe 41, 1, 23
W.; Fr. H. Jacobi
w. (1812) 1, 155; du willst nicht aus der übung kommen! Göthe 10, 171 (
Tasso 1641
W.); Thümmel
reise (1791
ff.) 7, 424; Immermann
w. 1, 38
B.; auszer ü. kommen Mozart
bei O. Jahn 3, 212; es fehlt mir nur die ü. Gottsched
dtsche schaubühne (1741
ff.) 3, 524; Meisl
theatr. quodlibet 1, 187; schon bekommt ihr gedächtnis ü. Herder
w. 5, 19
S. 66)
occasionell nähert sich ü.
aus 1,
bzw. 5
der bedeutung prüfung, heimsuchung: in aller menschlichen ü. ... bebetrubet ... werden
d. buch geistl. gnaden (1503) 53
a seyt ich durch ü. glückes und unglückes ... zu erfarnus kommen Hutten
op. 2, 117
B.; wie wohl aber mich (andere übungen zu geschweigen) meine drey hauptkranckheiten allhie ... die ... forcht des todts ... verachten lehren Moscherosch
insomnis cura par. 13
neudr.; in dieser zeit gab es manche ü. Göthe 22, 304
W. —
compp. zu übung 4 (
einübung, ausbildung):
übungsabschnitt, m. zeitabschnitt, theil einer (
militär.)
ausbildung, z. b. Wilhelm I.
militär. schr. (1897) 2, 206. —