vorübung,
f. ,
progymnasma, praeexercitamen, tentamentum, experimentum vorübung, versuch Alberus
nov. dict. genus (1540) 22
b;
prolusio ein vorfechtung, das versuchen auff einen kampff, vorübung Calepinus
dict. xi.
ling. (1598) 1168
b; vorübung,
praeexercitamentum, praelusio, progymnasma Stieler 66; Dentzler
clavis ling. lat. (1716) 338
b; Steinbach 2, 890; Adelung,
der meint, dasz vorübung '
ein wenig häufiger'
sei als das '
seltene' vorüben; Campe. 11)
eine schulende, körperliche oder geistige tätigkeit, die für die eigentliche leistung geschickt machen soll; das wort kann aber auch dinglich gebraucht werden, z. b. von einer geistesschöpfung, die als vorbereitend für eine vollkommenere leistung desselben mannes, oder als schulend für andere gelten soll, die sich auf dem gleichen gebiete versuchen, ebenso für ein vorbereitendes system, oder eine schon erreichte fertigkeit: die praktischen talente ..., die Shakespears genie ohne alle vorübung schon in sich selbst ... besasz Gerstenberg
schlesw. lit.-br. 219
lit.-denkm.; sie führte das messer sicher, ohne je eine vorübung gemacht zu haben G. Forster (1843) 9, 55; da ich schon einige vorübung hatte, so machte ich es ihm (
dem tanzmeister) bald zu danke Göthe 27, 282
W.; es wäre eine zwischenbeschäftigung, eine gute vorübung Immermann 2, 45
B.; dasz er (
Plato) die geometrie als vorübung betrachtete Schopenhauer 2, 152
Gr.; jede abendstunde wurde zur vorübung benutzt Gotthelf (1855) 2, 49; wie sehr den jungen landwehrmännern jegliche vorübung fehlte Laube (1875) 1, 17; die vorübung war kurz, doch kann sie nutzen geben Müllner
dram. w. (1828) 7, 162.
in den dinglichen gebrauch übergehend: was Herder in den sechziger jahren erscheinen läszt, ist nur vorübung oder gelegenheitsschrift Suphan
bei Herder 12, 405
S. 22)
sehr oft im plur.: wann nicht progymnasmata und vorübungen wären fürgegangen Dannhawer
cat.-milch (1657) 2, 429; vorübungen, wodurch sich einer zu der poetischen mahlerkunst geschickt machen kan Breitinger
crit. dichtkunst (1740) 1, 51; (
dasz) während der zeit der vorübungen (
der wettkämpfer) nur milchspeise zugelassen war Winckelmann (1825) 1, 12; nicht bei vorübungen sollten die schüler ... stehen bleiben, sondern zum werk selbst schreiten Herder 19, 270
S.; sind ihm (
dem angehenden künstler) diese vorübungen fremd, so helfen ihm alle erfahrungen nichts Göthe 45, 276
W.; der sich in vorübungen und vorspielen auf künftige kämpfe rüsten und bereiten soll E.
M. Arndt
schr. für u. an s. l. Deutschen (1845) 2, 278; (
männer,) die in reih und glied beschwerliche vorübungen machten Holtei
vierzig jahre (1843) 1, 265; durch vorübungen tracht ich in einsamkeit hier zu verdienen, dasz du hörerin seist und richterin meines gesanges Voss
s. ged. (1802) 2, 74. 33)
der plur. übergehend in den dinglichen gebrauch: verse und komödien heiszen spielwerke allenfalls nicht unnützlich vorübungen Lessing 10, 188
M.; die von Sulzer zuerst besorgten vorübungen sind ungemein nützlich Abbt (1768) 6, 5, 63
anm.; es ist zeit, von diesen einzelnen vorübungen (
Lessings jugendschriften) ... näher zu dem haupttalent überzugehen Herder 15, 494
S.; flüchtig hingeworfene skizzen und vorübungen (
in einem almanach) eines jungen mannes Wieland
bei Weinhold
Boie (1868) 134; alle andre tiere waren nur vorübungen der natur Heinse 3, 622
Sch.; wenn sie so von seinen arbeiten oder, wie man sie besser nennt, von seinen vorübungen sprachen Stifter (1904) 3, 159. 44)
durch den abhängigen genitiv kann das gebiet und ziel der vorübung bezeichnet werden: als eine vorübung desz, dazu sie (
die kriegsleute) solten in kurtz gebraucht werden Andr. Angelus
jägerhörnlein (1597) d 1
a; vorübungen der kriegskunst
d. neueste aus d. anm. gelehrsamk. (1751) 8, 648; (
auch die abarten der poesie haben) ihren werth, als materialien und vorübungen der universalität
Athenäum 1, 2, 36; eine wesentliche vorübung und bedingung der gesammten kunst Fr. Schlegel (1846) 6, 105; grad auf diese vorübungen des wirrens und eroberns war mein bewundernder blick gespannt Voss
antisymb. 2 (1826) 79. 55)
häufiger sind die verbindungen mit präpos.: eine vorübung auf die lehre von der unsterblichkeit der seele Lessing 13, 425
M.; die sicherste vorübung auf eine mit sich selbst übereinstimmende handlungsweise Schelling (1856) I 1, 157. — wenn nun diese epideiktische beredsamkeit nur als eine vorübung für die praktische betrachtet wurde H. Brunn
kl. schr. (1898) 2, 464. — vorerkenntnisz und vorübungen im denken
allg. dt. bibl., anh. zu bd. 53-86, 48; ich konnte eine schöne vorübung in der lekture anstellen Grillparzer im
jahrb. d. Grillparzerges. 1, 138. —
besonders häufig mit zu: (
dies gedicht sei) als eine vorübung zu dem ernsthaften heldengetichte verfertiget worden Dusch
verm. krit. u. satyr. schr. (1758) 105; eine vorübung zur einsamkeit Hippel
über d. ehe (1774) 188; die vorübung zu seiner gröszeren laufbahn G. Forster (1843) 5, 171; wir gewannen eine vorübung zu den schwierigeren, reicheren stücken Göthe 35, 85
W.; vorübung zum stiergefecht Fouqué
d. jahreszeiten (1811) 2, 11; gute vorübung zum kriegerstand Scheffel (1907) 1, 255; für die vorübung zum kriege Wilhelm I.
milit. schr. (1897) 1, 5. 66)
nd. vörövung
hat den sinn von vorspuk, vorzeichen Mensing
schlesw.-holst. wb. 5, 476.
vgl. vorüben. 77) vorübung
als erster bestandteil in zusammensetzungen;