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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

trübe adj.

Bd. 22, Sp. 1165
trübe, adj. , turbidus, obscurus, caliginosus, tristis. herkunft und form. 11) nur wgerm. bezeugtes wort, ahd. truobi, mhd. trüebe, as. drôbi, mnd. drȫve (geschrieben drove), afries. drēve, schwed. dröf aus nd. drȫve entlehnt, mnl. droeve, nl. droef, die sämtlich altes *droBja- voraussetzen; ags. drōf und gedrōf gehen auf *drōBa- zurück. nach Kluge nom. stammbildungslehre3 § 181 liegt letzlich ein urgerm. u-stamm zugrunde. ob aber got. drobjan ταράσσειν, ἀναστατοῦν, das sich von dem wgerm. verbum (s.trüben) nicht trennen läszt, die existenz auch des adj. über das wgerm. hinaus sichern kann, ist doch sehr zweifelhaft, da trübe seiner ältesten bedeutung nach leichter als rückbildung aus dem vb. zu verstehen ist. trübe stellt sich wie trub (s. dort) und treber (s. teil 11, 1, 1, sp. 1568) zur wurzel idg. *dh(e)rābh-, die eine der konsonantischen erweiterungen von idg. *dher-, dherā- ist (s. auch trester teil 11, 1, 2, sp. 178) und auch auszergerm. in mir. drab (ir. drabh) 'treber, hefe' und vielleicht russ. dial. drobъ, drobá 'bodensatz, bierhefe, treber, schlempe' auftritt, vgl. Walde-Pokorny 1, 854 u. 856. germ. entsprechen mit anderer ablautstufe aisl. draf 'berme, hefe', engl. draff, mnl. mnd. schwed. draf, dtsch. treber (ahd. trebir, pl. zu *trab) und wohl auch anord. drafli 'frischer käse'. grundbedeutung der ganzen sippe ist 'bodensatz einer flüssigkeit', vgl. oben trub, schwed. dial. drōv < germ. *drōBa-, von dem sich trüben (got. drobjan, ags. drēfan, ahd. truoben) im sinne 'den bodensatz aufrühren, schlamm aufwühlen', dann übertragen 'verwirren, beunruhigen, betrüben' ableitet; da sowohl ahd. truobi wie ags. drōf — vgl. etwa lat. turbidus — zunächst 'aufgewühlt (von gewässern) und daher unklar, schlammig' bedeutet und die aktionsvorstellung noch bis ins mhd. hinein sichtbar bleibt (s. unten I A 1), ist es wahrscheinlicher, dasz das adj. vom vb. ausgeht, nicht unmittelbar vom subst. (wie schwed. dial. drōvugur 'trübe, unklar' von drōv), vgl. auch trübe, f., 1 a. 22) dialektische formen sind treub Mechtel Limburger chron. 176 Knetsch; trieb (Luzerner hs. v. 1494) Mone schausp. d. mittelalters 1, 202, Geiler v. Keisersberg narrenschiff (1520) 102a. umlautlos selten, vgl. truobe (: gruobe) Dietrichs flucht 4288, trub (: grub) Joh. v. Schwarzenberg trostspr. 636 ndr.; die heutigen maa. kennen trübe fast ausnahmslos mit umlaut, doch vereinzelt auch drûf ten Doornkaat-Koolman ostfries. 1, 344a. bedeutung und gebrauch. die grundbedeutung 'aufgewühlt (von gewässern), aufgerührt (von flüssigkeiten mit bodensatz)' erweitert sich einerseits früh zu der vorstellung 'nicht oder kaum durchsichtig, [] unklar, unrein, dunkel', die schon in ahd. zeit auch auf andere gegenstände angewendet wird; anderseits zeigt sich schon as. und ahd. wie im ags. die übertragung auf den 'verwirrten, unruhigen, verstörten' zustand des gemüts, wobei zunächst das dynamische element der grundbedeutung noch stark im vordergrunde steht. II. 'undurchsichtig, unklar; unrein, schmutzig'; 'dunkel, lichtarm, glanzlos' von dingen, die auf ihr verhältnis zum licht (lichtdurchlässigkeit, leuchtkraft oder grad der helligkeit) beurteilt werden. I@AA. von flüssigen körpern. I@A@11) von gewässern, wobei bis ins mhd. die vorstellung 'aufgewühlt' neben der bald überwiegenden 'unrein, schmutzig' erkennbar bleiben kann; vgl. truopaz turbidus (glosse d. 9. jhs.) bei Graff 5, 488 und ebenso ags. flôd drôf a turbid flood, drôf wæter disturbed water Bosworth-Toller 214a und suppl. 158a; hierzu sieh den bachnamen Truobaha Graff 5, 489. I@A@1@aa) ohne deutliche begriffstrennung: eina wila ist ter mere stille unde lutterer, andera wila tuarot er truober (... sepe concitat aquilo ferventes procellas verso equore) Notker 1, 78 P.; ginge ich uber ein wazzir und were ez gemengit und trube, so inmochte ich min antlitze dar inne nicht gesehin meister Eckhart in: paradisus an. intell. 130, 30 Strauch; der wagte sich hin zuo im in das trb stúrmig wasser (des Rheines) Seuse dtsche schr. 81, 11 Bihlmeyer; wenner dat meer drove wert effte wlomich van grotem unwedder garde der suntheit cap. 40 (v. 1540) bei Schiller-Lübben 1, 586; von dem trúben (d. i. aufgewühlten und schlammigen) flosz (a fluvio turbido), der do feuchtet Egipt erste dtsche bibel 4, 295 Kurr.; summers zeit ist (der flusz) grosz und trüb, so der firn und schnee schmiltzt Stumpf Schweizerchron. (1606) 658a; feste wendung ist das wasser trübe machen durch aufrühren trüben, vgl. das wasser trüb machen aquam turbare nomencl. lat.-germ. (1634) 33; trüb machen, rühren turbidare Hulsius dict. (1618) 2, 415b und den bildlichen gebrauch unter f: das schaff hatt dem wolff das wasser trub gemacht Luther 7, 679 W. I@A@1@bb) ausschlieszlicher im sinne 'unklar, unrein, schmutzig, dunkel', vgl.daz truoba wazer (sordida unda) Notker 1, 50 P.; das trüb mer mare atrum Frisius dict. (1556) 132; trüb, leimächtig, kätig, unsauber faeculanta aqua 540; besonders neben kontrastbegriffen oder durch synonyma näher bestimmt: dat kammele hefft seer leef de droven unde unreynen watere de seven dodsunde 20 (v. j. 1490) bei Schiller-Lübben 1, 586; ein sauber wasser ist dein nutz, ein trübs wischt dir nit ab den schmutz Schkit Grobianus v. 3600 ndr.; die rossz ... söllend mer lust zuo trbem wasser haben ... dann zuo lauterem Herold-Forer Gesners thierbuch (1563) 133a; wäszrige zeichen (der pest) seynd ... die bronnen, wann sie in laimichte und trübe schleiffwasser sich verkehren Abr. a s. Clara mercks Wien (1680) 21; die see aber war ringsum sehr trübe und dick, weil eine menge verschiedener materien aus dem grunde hervorquoll Gottsched d. neueste 1, 92; diese gegend ..., wo der Mayn erst einsam flieszt, und hernach sein trübes wasser in den reinen Rhein ergieszt Triller poet. betr. (1750) 6, 216; aber nicht im trüben schlamm der bäche, der von wilden regengüssen schwillt, auf des stillen baches ebner fläche spiegelt sich das sonnenbild Schiller 11, 364 G.; obwohl nun dieses wasser trübe und schlammig, so ist es in der hier ganz dürren Campagna ein wahrer segen Moltke ges. schr. u. denkw. (1892) 1, 179. I@A@1@cc) besonderer nachdruck liegt auf der bedeutung 'unrein, schmutzig' bei der anwendung auf stehende gewässer: alle fisch ... in trüben masigen sümpffen und wüstem wasser geend Ryff spiegel d. gesundth. (1544) 56a; [] zuhand fand sich der trüb unflat (schmutzpfütze) an dem boden, der sich auff liesz Hans Sachs 9, 196 K.; die häufige verbindung mit dieser begriffsgruppe zeigt sich in sprichwörtern und redensarten: si (die schweine) wârent ie für das golt der vil trüeben lachen holt, da bewellent si sich inne Wirnt v. Gravenberg Wigalois 7, 19 Pfeiffer; ausz trüben mistlachen schöpfft man nit lauter wasser Seb. Franck sprüchw. (1545) 1, 72b (zugrunde liegt: nunquam sincerum ex turbido, vgl. sprichw. [1548] 154b); wenn der brunnen trüb ist worden, musz man warten, bisz er sich erleutert Lehman flor. polit. (1662) 1, 8; in trübem wasser kan sich einer nicht spiegeln Kramer teutsch-ital. (1702) 2, 1153c. I@A@1@dd) bildlich in besonders ausgebreitetem gebrauch seit dem 17. jh. von literarischen erzeugnissen, namentlich der geschichtsschreibung, in verbindungen wie trübe quelle und ähnl., immer in der abschätzigen bedeutung 'gefärbt, wenig glaubwürdig, zweifelhaft'; noch im kontrastierten bilde: und zwar aus den königlichen schwedischen archivis: in deren klaren und lautern brunnen ich die warheit ehe zufinden verhoffet als in anderer gemeiner scribenten sumpffichten und trüben lachen v. Chemnitz schwed. krieg 1 (1648) 2; (Hahn) rühmt, dasz er sich nicht mit mageren compendien und gemeinen büchern beholfen, auch nicht aus trüben pfützen, sondern aus den lautersten quellen der historischen wahrheit geschöpft habe Justi Winckelmann (1866) 1, 168; meist abstrakter verwendet: ein zeugnisz also, jahrhunderte nachher, aus einer so trüben quelle, oder vielmehr aus dem so weit geleiteten abflusse einer so trüben quelle gilt nicht Herder 3, 314 S.; eine der trübsten quellen für die kenntnisz des indischen alterthums ist daher der Oupnekhat Fr. Schlegel s. w. (1846) 1, 148; ähnlich: gib (gott), dasz kein irrthum uns die brünnlein (des gotteswortes) trübe mache (verfälsche) Schmolcke s. trost- u. geistr. schr. (1740) 1, 338; von übrigens anständigen schriftstellern, die sich nur von den trüben gewässern der tagesmeinung fortreiszen lieszen Strausz ges. schr. 6, 189; hierher, absolut: dazu kommt ... ein ... verdorbener text, wodurch sein (Pausanias) werk noch trüber (unzuverlässiger) vor unsern augen erscheint Göthe 48, 117 W. I@A@1@ee) trübes wasser in sinnbildlichem gebrauch; für 'uneinigkeit, zwietracht': es werden auf beiden seiten solche sein, denen die concordia nicht gefallig, sondern verdechtig sein wird, aber so wir zu beiden teilen ... werden vleiszig anhalten, wird ... gott wol seine gnade geben, das es bey den andern ... auch zu tode blute, und das trübe wasser sich widerumb setze Luther 6 (1578) 507a; der alte widerwille, 'das trübe wasser' (die spannung zwischen Luther und Zwingli) schien sich wieder regen zu wollen Ranke s. w. 4, 58; für eine unlautere, unehrenhafte sache: genug, mein freund, ich merke seine absicht. schmeicheleien sind trübes wasser, und im trüben ist gut fischen Kotzebue s. dram. w. (1827) 1, 212; und alle machten sie so unschuldige gesichter, als wäre auf dem ganzen erdboden kein trübes wässerlein Stifter s. w. 1, 78 S.; für einen unerfreulichen, beklagenswerten, betrübnis verursachenden zustand: dasz nichts mehr dan das trübe wasser des elends, jammers und der euszersten noth am boden übrig bleiben thete v. Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 61; in dem trüben wasser des unglücks Chr. Weise polit. redner (1677) 493; jetzt sind auch diese trüben gewässer abgelaufen (ist die krankheit überstanden) und der grund fängt an wieder hell zu werden Görres ges. br. 3, 246; mit besonderem gefühlsgehalt unter dem einflusz von trübe II D in religiöser sprache: gute nacht, o welt, sambt allen die noch wallen hie auff deinem trüben meer! Königsb. dichterkr. 77 ndr.; ewge liebe! führe du fort mich aus dem meer, dem trüben J. Kerner s. poet. w. 2, 170 G. [] I@A@1@ff) in der sprichwörtlichen redensart im trüben wasser fischen 'aus verworrenen verhältnissen seinen vorteil ziehen', näheres s. unter trübe IV D (sp. 1186): es ist gar gut fischen, wan das wasser trüb ist Seb. Münster cosmogr. (1550) 213; ich wolte ihm anschläg geben, wie er in diesem trüben wasser fischen und auch einmal ein fürst werden könnte B. Schupp freund in d. not 36 ndr.; denn, welches sonderlich zu bedauern, nicht wenig stände in trübem wasser fischen Leibniz dtsche schr. 1, 159; erhalten in der form im trüben fischen, s. sp. 1186. dazu stellt sich ein wasser trübe machen 'verwirrung, unheil hervorrufen, böses tun', vgl. umgekehrtes kein wasser trüben (sp. 1194): mynr boszheit wil ich syn geert und gtar mich rmen myner schand, das ich beschissen hab vil land und hab gemacht vil wasser tryeb Seb. Brant narrenschiff 8 Z.; ähnlich: gute köpfe mit bösen absichten, denen es daran liegen wird euer helles wasser trübe zu machen (euch unrecht begehen zu lassen) U. Hegner ges. schr. (1828) 3, 40. I@A@22) vielfach, besonders auch in technischer terminologie, vom wasser und anderen flüssigkeiten zur bezeichnung dessen, dasz in der flüssigkeit fremdkörper enthalten sind, die die durchsichtigkeit oder das klare durchscheinen verhindern, 'ungeklärt, undurchsichtig'. I@A@2@aa) in verschiedener, auch halb technischer verwendung: ist er (der tau) aber unlauter und trb, so werden die perlen auch heszlich und bleich Heyden Plinius (1565) 376; diese trübe und spulichte sole Hondorff d. saltzwerk zu Halle (1670) 3; bergbautechnisch seit dem 16. jh. vom wasser bei der erzaufbereitung: weil das wasser noch sehr trb ist, so geusz es ab L. Ercker mineralerzt (1580) 9b; trübe wird in pochwercken das dicke wasser genannt, darinnen noch etwas von dem gekleineten ertz ist, so sich allmählich setzet Herttwig bergbuch (1734) 396a, vgl. Bechhold handlex. d. naturwiss. u. medizin (1919) 2, 674. I@A@2@bb) in der physik und chemie: wird fixe lufft in kalckwasser geschüttelt, so wird es trübe Lichtenberg br. 2, 115 Leitzm.; auch mit der reduktionsflamme lassen sich ... (bei der lötrohranalyse) verbindungen trübe flattern Muspratt chemie (1896) 5, 832. I@A@2@cc) besonders in der medizin von krankhafter trübung der an sich klaren körpersäfte; schon im älteren nhd. bezeugt: ist es (der urin) trüb und dicke, so ists in renibus Paracelsus opera (1616) 1, 747 Huser; der sieht gelassen zu, ... ... wie aus trübem harn der doctor prophezeyet Triller poet. betr. (1750) 1, 314; derhalben (infolge der wässerigen beschaffenheit des spermas) beschicht dasz der frauwen kranckheiten sich darzu schlahen und alles zu letzt zu einer trben und dnnen wasserechten materi wirt und ein wassersucht folget J. Ruoff hebammenbuch (1580) 95; der krebssaft ist eine ziemlich dickliche, milchicht aussehende, trübe flüssigkeit Virchow in: archiv f. pathol. anatomie u. physiologie (1847) 1, 101; unter der bezeichnung 'trübe schwellung' verstehen wir eine akut eintretende schwellung und körnige trübung des protoplasmas, welche wahrscheinlich auf einer ausscheidung gewisser, im safte des protoplasmas gelöster eiweiszkörper beruht Rindfleisch lehrbuch d. pathol. gewebelehre3 (1873) 16; von hier aus zu verstehen: aber der trüben (mit einer trübung der säfte verbundenen?) fäulnisz des ersten (toten körpers) gegenüber ist das leben eine organisirte zersetzung Lotze mikrokosmus (1856) 1, 57. in älterer medizinischer sprache dann auch ohne das moment des sichtbaren, 'unrein': die naturliche melancolia di ist eine gerwe des blutes unde ist trube also die wingerwe Breslauer arzneibuch 4; ir solt lützel essen und alles vermeiden was trübe flegma (unreines geblüt) gibt M. Herr schachtafelen der gesuntheyt (1533) r 3a. [] I@A@2@dd) gärungstechnisch schon in älterer sprache vom wein (s. teil 14, 837ff.), der hefeteile enthält und unklar ist, daher an geschmack und wert gering, s. Heyne hausaltertümer 2 (1901) 367; trüber wein kann einmal den noch nicht geklärten jungen wein bezeichnen, namentlich aber den beim abfüllen zurückbleibenden hefigen rest, den nachwein, vgl. druove win feculentum (vinum) ahd. gl. 3, 373, 19 (13. jh.), drube win turbidum vinum 3, 214, 18 (13./14. jh.), trüber wein, sackwein faecatum vinum Calepinus XI ling. (1598) 542a, s. dazu trub, m., und trübwein, endlich auch einen infolge falscher behandlung miszratenen, unklaren wein: daz was recht als wer da neme guoten klaren wein und menget den mit heffen das er trub wurd Tauler sermones (1508) 209b; ein ieglicher huber hat recht newen trüeben wein zu geben bis s. Martinsnacht, an s. Martinstag soll er newen, lutern wein geben und keinen trüeben (v. j. 1529) weisth. 1, 724; der wein was treub und wolte auch um oster und pfingsten die lauterkeit nit annemen J. Mechtel Limburger chron. 176 Knetsch; den andern kruog fült er da mit dem andern wein, der tauget nit, trb, kanecht, abgefallen, feiszt Casp. Scheit fröl. heimf. 3305 Strauch; gläser aber habe man nicht gebrauchet, damit man nicht sehen konte, ob trüb oder klar eingeschenket were Reinicke fuchs (1650) 282; wie der wein zuletzt in dem vasz lauter trübes gläger (wird) Conlin d. christl. weltweise 5 (1709) 76; hierher in bildlicher verwendung: dachte Judäa daran, dasz da gott den trübgewordenen trank von seinen hefen abzog und in ein ander gefäsz zwang, wo er neue, noch trübere hefen holte, dasz die gährung den saft des lebens hervorbringen sollte? Herder 7, 354 S.; die kleine trübe neige leben ist er in seinem gott gemeynt, der geistlichen beschauung zu ergeben Lessing 11, 37 M.; der trank, den sie trinken sollen (das leben), ist ihnen bitter oder trübe (d. h. 'schal') und unschmackhaft gemacht Herder 15, 260 S.; vergleichbar, vom ungegorenen traubensaft: dann der kelter trübes flieszen abgewartet, hellen most, jahresgabe zu genieszen Göthe 4, 302 W.; vom gemischten wein: der wein schien rötlich violett in den gläsern, trüb wegen der wassermischung H. v. Kahlenberg Eva Sehring (1901) 107. I@A@2@ee) jünger und weniger häufig auch von anderen getränken, besonders vom bier, vgl. trübe bier cerevisia feculenta nomencl. lat. germ. (1634) 414, das gegenüber dem wein als weniger klar erscheint: in gemein aber halt man diese, das es scharpffere ingenia geb bei denen, so wein trincken dann das trübe bier lassen in sich gehn Joh. Grassäus d. kl. baur (1618) 125; die schenke dröhnt, und an dem langen tisch ragt kopf an kopf verkommener gesellen. man pfeift, man lacht; geschrei, fluch und gezisch ertönte an des bieres trüben wellen G. Keller s. w. 15, 1, 194 Fränkel; da trink, aber so trübes melancholiegschlader kriegst keins Nestroy ges. w. (1890) 2, 23; die drei stieszen an mit ihren dicken, vom trüben gebräu erfüllten gläsern Holtei erz. schr. 18, 52; aber freudig aus der schale schöpfen wir die trübe fluth (des punsches) Schiller 11, 388 G.; die kelle winkt und ringsher funkelt in gläsern trübe glut J. H. Voss s. ged. (1802) 4, 192. I@A@2@ff) seltener von mehr dickflüssigen substanzen, die nur eine geringe durchsichtigkeit besitzen: wann das baumöle trüb und unsauber ist Sebiz feldbau (1579) 386; dein prei würd schir vom rüren trüb, pringt dir katrütler schir den schnuppen Fischart glückh. schiff, kehrab 872 ndr.; [] trübe mählsuppe nennen unsere bauern eine mählsuppe, wozu sie milch anstatt des wassers nemen Alemannia 15, 223. I@BB. als kontrastbegriff zu klar, hell ist trübe schon ahd. in anwendung auf atmosphärische erscheinungen und das wetter allgemein bezeugt und so bis heute gebräuchlich; die vorstellung 'wenig durchsichtig, dunstig' nähert sich früh dem sinne 'infolge von nebel oder wolken lichtarm, dunkel' (s. unten 4 a), vgl. trübe, gewölckig, dunckel von wolcken nubilis Decimator thes. (1615). I@B@11) von der verdichtung der atmosphäre zu wolken und nebel. trübe wolke: truobiu wolchen nubibus atris (condita sidera) Notker 1, 49 P.; das (wetter) den himel mit trübem gewülcken ... betrübet Arigo decam. 316 Keller; quacksen doch auch die grünhosende frösch ... den himmel an, so sie nur ein trübes wölckel daran ergaffen Abr. a s. Clara mercks Wien (1680) 41; adverbiell gewendet: trüb an dem fernen Olymp sammeln sich sturmwolken Klopstock oden 1, 154 M.-P. oft in bildlicher verwendung: ein trüebez wolken unde dic bedaht im sîner sunnen blic Hartmann v. Aue arme Heinr. 155; nu gie diu minneclîchealsô der morgenrôt tuot ûz trüeben wolken Nibelungen 280, 2 L.; die rotprünstige morgenröt her durch die trüben wolcken göt H. Sachs 6, 368 K.; nun widerumb auff Ottonem kommend hat sich bey ihme das hölle wetter gar bald mit trüben wolcken verhüllet Frz. A. v. Brandis ehrenkräntzel (1678) 101; die trüben wolcken lauffen bey dem herrn sehr umb (er ist trüber stimmung) schauspiele engl. com. 286, 1 Creizenach; trübe wolken des unbehagens zogen an Norwegens klippen auf Dahlmann gesch. v. Dännemark 3, 150; woher diese trübe wolke, die dein holdes auge umziehet Lessing 10, 25 M. trüber nebel, dunst u. ähnl.: wolchen unde nebel sint truobe Notker bei Graff 5, 488; sam sô den heiteren luft der trüebe nebel irret Servatius 647 in: ztschr. f. dtsch. altert. 5, 97; die gegend deckte mir ein trüber flor Göthe 1, 3 W.; ein trüber herbstnebel ligt wie ein bahrtuch über dem ausgestorbnen gefilde Schiller 4, 33 G.; das feuchte, kalte blau der nacht ... schneidet mit trübem und undurchsichtigem dunste den eigentlichen glanz der kuppel des himmels Stifter 3, 208 S.; bildlich: ... durch jahrhunderte blick ich, durch trübe ferne nebel hoch übern horizont Gerstenberg ged. e. skalden 2, 360 lit.-denkm. gefühlsbetont im sinne 'unerfreulich, bedauerlich' unter einwirkung von trübe II D bildlich: lerne steigen aus dem dürren erdensand, aus dem trüben nebelstaube E. M. Arndt 5, 261 R.-M.; (Gaius Gracchus und Drusus) waren ... nicht unwerth über dem trüben nebel des befangenen parteitreibens in reineren und höheren anschauungen sich mit dem kern ihrer patriotischen bestrebungen zu begegnen Mommsen m. gesch.4 2, 218. I@B@22) von der luft und dem himmel; trübe luft 'dunstige, neblige luft': ain ieglich tier fräut sich des lichten lautern luftes mêr denn des trüeben Konrad v. Megenberg buch d. natur 207 Pf.; gleich als wann von dem erdtereich die dämpff auffsteigen mit gewalt und machen trüb desz luffts gestalt Spreng Ilias (1610) 69a; [] die luft ist so schwer, so neblicht und trübe, dasz man mit den besten augen unrichtig sieht Jung-Stilling s. schr. 2, 297; bildlich: der in der noth mich kennt, nicht aus dem spiel sich drähet, so bald ein unglükssturm und trübes lüftlein wehet J. Rachel satyr. ged. 85 ndr.; deine worte sind wie schneeflocken, unnütz, und machen die luft nur trüber Hölderlin 2, 145 Litzm. trüber himmel 'wolkiger, grauer, dunkel verhangener himmel': es wird heute ungewitter sein, denn der himel ist rot und trübe Matth. 16, 3 Bindseil-Niem.; dahär es kummet, das sye (die perlen) bey eim trüben hymmel dunckel ... sehen (ex eo quippe constare ... inde nubilum trahi colorem [caeli] Eppendorff Plinius (1543) 122; so folgen wir billich hierinnen dem beyspiel des himmels, der bald trübe, bald klar ... zu seyn ... pfleget Lohenstein Arminius (1689) 1, 23; der himmel verschleiert sich trüber und trüber, bald decket nun dämmrung das ganze gefild Schiller 4, 350 G.; bildlich: der himmel ist sehr trüb, die sonn will uns nicht scheinen Neukirch anfangsgründe (1724) 46; nun werd der himmel nie ob eurem haupte trübe Lenz ged. 15 W.; von himmelsstrichen mit regnerischer, rauher witterung: die trübe strenge seines vaterländischen himmels hatte die zarten spitzen der edelsten pflanze in ihm verdorben Novalis 4, 225 M.; da wo ihn (Göthe) der glanz des helleren äthers umleuchtete, rief Phöbus formen und farben hervor, ganz anders, als da er unter dem trüben himmel über sich brütete Gervinus gesch. d. dtsch. dichtung (1853) 5, 73. I@B@33) bei der witterung überhaupt bezeichnet trübe das wolkige, dunstige, neblige, dunkle wetter; oft als vorstufe zum eigentlich regnerischen wetter empfunden, doch auch dieses einbegreifend: näblächtig, tunckel, und trüb wätter seyn adnubilo Frisius dict. (1556) 40a; aber wenn es dunckel ist und trübe wetter, so ist der mensch trauriger, dann so schön wetter ist Luther 19, 316 W.; begab sichs dann, dasz das wetter nicht getemperiert, unfrisch, trüb und tropffig war Fischart Gargantua 291 ndr.; nun ward aber das wetter so trübe, dasz wir das land kaum sehen konnten O. v. Kotzebue neue reise (1830) 2, 13; wegen trüber witterung muszte an einzelnen tagen die beschieszung ermäszigt oder selbst eingestellt werden Moltke ges. schr. u. denkw. (1892) 3, 354; vergleichbar: auch die witterungsverhältnisse gestalteten sich trüber und trüber H. v. Barth Kalkalpen (1874) 460. bildlich für etwas unerfreuliches, vgl.: es ist ein trübes wetter obhanden magna calamitas imminet Dentzler clavis ling. lat. (1716) 291b; (alle kunstliebenden wurden) als nach einem trüben wetter von der freudenreichen sonnen erquicket Hutten opera 1, 448 Böcking; es wird sich freud und gute zeit nach trübem wetter finden P. Gerhardt bei Fischfr-Tümpel kirchenlied 3, 395b; dann ihre (der Dominikaner) apostolische stimm alle trübe wetter ... vertrieben Abr. a s. Clara mercks Wien (1680) 35; hier im hause ist das wetter trübe geworden Kotzebue s. dram. w. 1, 81; sprichwörtlich: nach einem trüben wetter scheinet die sonne Luther 14, 349, 21 W.; der reich hat allezeit doppele freund, aber der arm musz allezeit desz trüben wetters gewertig seyn Lehman floril. polit. (1662) 2, 707. vielfach prädikativ in unpersönlicher form es ist (wird) trübe das wetter ist (wird) unfreundlich: da es trübe und finster war Hesekiel 34, 12; wanns trüb wirdt, regnts bald Gilhusius grammatica (1597) 96; wir sehen doch für augen, dasz es nicht ist teglich trüb und nasz Fischart 2, 25 Hauffen; hierhauszen ist es wild und trüb, die wolcken liegen der erde und dem geiste schweer auf Göthe IV 5, 4 W.; dann wurde es trüber, der himmel hing sich ein ..., [] bald dunkelte es schwer im osten Hans Grimm volk ohne raum (1926) 1, 493; 'unklar, diesig': es ist sehr trübe, groszer lehrer, kaum dasz hie und da ein sternchen durchblinkt Göthe 17, 132 W.; im älteren nhd. in der formel es geht trübe her (-ab): (wie ein vogel sich) in hole bäum verstecket, wenns trüb hergeht, die lufft unstet bei Fischer-Tümpel 1, 40; bildlich: gieng es nun in dem hertzen der königin Erato ... trübe her, so schien in ... Siegemunds hertze nicht die sonne Lohenstein Arminius (1689) 2, 161b; wann wir neben dieser gerechtigkeit des gesetzes nicht noch auch ein andere gerechtigkeit hetten ..., würde es gar trüb herab gehen (schlecht um uns bestellt sein) Gretter ep. Pauli an d. Römer (1566) 638. I@B@44) schon in alter sprache (as.) wie in heutiger von der atmosphärischen erscheinung auf die zeitspanne übertragen, die durch das trübe wetter ihren charakter erhält, und erweitert zu der bedeutung 'wolkig, sonnenlos, neblig, regnerisch' und daher 'lichtarm, dunkel', also trübe I D sich nähernd; besonders bei bildlichem und übertragenem gebrauch mischt sich in verschiedenem grade das gefühlsbetonte trübe II C hinein, so dasz die grenzen verflieszen können. I@B@4@aa) trüber tag, ein tag mit trübem himmel, mit unfreundlichem wetter, ein sonnenloser, dunkler tag; mit besonderer beziehung auf die verfinsterung des himmels beim tode Jesu: thuo warð it kûð oBar al, hwô thiu sunna warð gisworkan,ni mahta swigli lioht skôni giskînan.ak sia skado farfêng thim endi thiustri,endi sô githrismôd wedar, allaro dagô druoBôst,dunkar swîðo oBar thesa wîdun weruld Heliand 5630 Heyne, vgl. 5717; der lasztag (tag des aderlasses) soll klor und lyecht sein, ... nitt zuo truob Gersdorff wundarzney (1517) 17a; trüber tag. feld Göthe 14, 225 W.; man kann sich ... überzeugen ..., indem man den versuch an einem grauen trüben tag ... anstellen kann II 1, 33; die witterung hat ... abgewechselt, ... ein trüber, zwey bis drey regentage, ... dann wieder schöne IV 8, 75; er blickte ... in den trüben tag hinaus Storm s. w. (1897) 1, 160; vielfach bildlich gebraucht für eine leidvolle, schwere, betrübnis erregende zeit: auff ihn will harren fäst, wan mich bey trüben tagen schon liecht und glantz verläst Spee güld. tugendbuch (1649) 146; seis trüber tag, seis heitrer sonnenschein ich bin ein Preusze, will ein Preusze sein Böhme volksthüml. lieder d. Deutschen 17. I@B@4@bb) von tages- und jahreszeiten: grau und trübe kam der morgen Fr. W. Weber Dreizehnlinden (1907) 110 bildlich: es bricht ein morgen, rot und trübe, im weiten land der christen an Novalis schr. 4, 102 Minor; (der abend) war trüb und neblicht Miller Siegwart (1777) 1, 48; es ist ein trüber, dämmernder abend Büchner nachgel. schr. 214; bisz ... der trüb winter mit seinen dicken unnd schwartztrüben wolcken doherfür Wickram w. 2, 280 Bolte; mit trübe II C vermengt: der trübe winter ist fürbey Spee trutznachtigall (1649) 35, vgl. 96; ist aber die zeitt trübe und kalt, so sol man nemen hünrsmaltz Mynsinger v. d. falken 43 lit. ver.; fällt er (der neujahrstag) auf einem sonnabend, so wird ein rauher winter, ... ein trüber frühling ... folgen v. Hohberg georg. cur. aucta (1715) 95a; ich freue mich schon zum voraus auf das vergnügen, welches sie uns für die nächste trübe jahreszeit versprechen Göthe IV 28, 195 W. I@B@4@cc) weniger typisch von anderen erscheinungen der natur gebraucht, die von der witterung abhängen und von ihr aus gekennzeichnet werden: wenn unter wegens auch ein trüber regen fleust Günther ged. (1735) 665; [] als sich drauszen ein trüber wind, wie von dem herannahenden gewitter, erhob Eichendorff s. w. (1863) 3, 142; es ist die trübe schwüle vor einem gewittersturm fürst Pückler briefw. u. tageb. 1, 99; ähnlich von der natur selbst und der landschaft: schwarze wasserlachen füllten die vertiefungen des weges und spiegelten die trübe natur noch trüber wieder G. Hauptmann bahnwärter Thiel (1892) 18; auch sonnenärmere himmelsstriche, die helleren, freundlicheren gegenübergestellt werden, heiszen trübe, vgl. oben 2 ende: doch wie, Hafis, kommt dein Schiras auf des nordens trübe gauen? Göthe 6, 18 W. I@CC. seit dem frühmhd. auch von festen körpern, die zwar lichtdurchlässig sind, aber keine genügend klare durchsicht gestatten, wobei übertragung von der unreinen flüssigkeit her besonders nahe liegt. I@C@11) von glas, spiegeln, fenstern und edelsteinen und ähnlichen dingen; bildlich: ir sît läien spîegelglas ... in iu ersehent si sich alle ... sît ir danne vinster unt truobe sô läitet der blinde den blinden in die gruobe Heinr. v. Melk priesterl. 131 Heinzel; sô hât sich manic frouwe ersehn in trüeberm glase dan wær sin munt Wolfram Parzival 311, 17; die bunten scheiben sind, so dünkt mich, trüber, die spinneweben haben sich vermehrt Göthe 15, 90 W. (Faust 6572); nun schlich ein magisches helldunkel durch die trüben fenster E. T. A. Hoffmann s. w. 6, 143 Gr.; so viel man durch das trübe glas erkennen mochte, war der gang ... mit riesenhaften waben bebaut Stifter s. w. 2, 65 S.; halb technisch von undurchsichtigen fenstern aus mattem glas oder bemaltem glas: eine thür, ... fenster mit trüben oder bemalten glasscheiben — alles dieses bezeichnet ... die einsiedeley Hirschfeld gartenkunst (1779) 3, 103; trübe fensterscheiben, wundersam gefügt, deuteten auf erfreuliche farbenpracht von innen Göthe 24, 221 W.; wann der stain hett di art: von wesz gesichte er trube wart, der solte lenger peytten, desz selben dags nit streytten Heinrich v. Neustadt Apollonius 13915 Singer; nun sehet den marmel, der ist dunckel, trüb, dasz niemands dardurch sieht Paracelsus opera (1616) 1, 213; denn der milchfarbene trübe achat, den wir itzt chalcedon nennen, hiesz in spätern zeiten weiszer onyx Lessing 10, 398 M.; wasserhaltiger quarz gibt beim glühen wasser aus und wird dabei matt und trübe Oken allg. naturgesch. (1839) 1, 146. I@C@22) schon ahd. vom auge, das infolge von tränen, seelischen leiden oder krankheit nicht mehr klar erscheint und daher an sehkraft einbüszt; die verschiedenartigen ursachen und ihre auswirkungen führen zu einer groszen mannigfaltigkeit der sonderbedeutungen, wobei häufig andere bedeutungen von trübe herein kreuzen oder das übergewicht gewinnen können. von trübe II beeinfluszt: min ouga ist truobe fore dinemo zorne (turbatus est pre ira oculus meus) Notker 2, 15, 19 (ps. 6, 8) P. I@C@2@aa) physiologisch verändert, getrübt und daher schlecht sehend, vgl. auch all slangen habent trübz gesiht (schwache sehkraft) Konrad v. Megenberg b. d. natur 261, 34 Pf.: so du vil arbaitst, so gewinnstu trübe augen Albr. v. Eyb spiegel d. sitten (1511) h 5a; wenn nur ein stäublein ins aug fällt, so wirds trüb Lehman floril. polit. (1662) 1, 379; ich sehe in die ferne richtig und gesund: mein gesicht aber ermüdet leicht bey der anstrengung und wird trübe J. J. Chr. Bode Montaignes ged. (1793) 4, 238; bei dem anhaltenden, starren hinsehen auf die nämliche fläche kann es nicht anders kommen, als dasz die augen auch des schärfsten beobachters anfangen trübe zu werden Schiller 5, 1 G.; bildlich: sein auge war gewisz nicht trüber organisirt als andere Justi Winckelmann (1866) 2, 281. spezifisch für bestimmte krankheitserscheinungen des [] auges: ein wasser für trübe augen O. Gäbelkover artzneybuch (1594) 1, 108; wann ein pferd trüebe augen hat, ja auch von flüssen, so nimb fenchelwasser Seutter hippiatria (1599) 150; man musz dem möhnischen pferd, in währender zeit des trüben augs und wann der flusz würcklich darinn ist, auf keinerley weise glatt futter geben v. Hohberg georg. cur. aucta (1715) 2, 199a; vom erblindeten auge: das eine auge (Miltons) war bereits trübe geworden Treitschke hist. u. polit. aufs. 1, 22; auf die schwindende sehkraft bei sterbenden zielend: owe du liepster herre min, wie sind so trieb die augen din (Luzerner hs. v. 1494) Mone schausp. d. mittelalt. 1, 202; sein herz pocht schon verwirrt, sein trübes auge bricht Haller ged. 47 Hirzel; willst du nicht ... mehr winken, auge, so starr und trübe? maler Müller w. (1811) 1, 102; so auch bildlich im sinne von 'starr, leblos': das alte waldland (die altdeutschen sagen) wird aus andern augen sehen, als das trübe, blinde, gläserne, das ihm unsere hölzerne herren eingesetzt Görres ges. briefe 3, 25. I@C@2@bb) besonders häufig von den durch tränen verschleierten augen eines weinenden: sî wurden dicke schamrôt ... diu ougen trüebe und naz Hartmann v. Aue Iwein 6301; sus getâner nôt kan diu minne wunder machen trüebiu ougen nâch der trüebe rôt Neidhart 72, 21 Wieszner; namentlich seit dem 17. jh., dem zeitalter des religiösen gefühlsüberschwangs, reich belegt (s. weinen teil 14, 895 u. 900): mein auge wacht und weint sich kranck und trübe Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel kirchenl. 3, 392a; wonnevolle zähre flieszt von meinem trüben auge nieder Göthe 38, 59 W.; ihr trüben augen, die vor thränen ihr nicht des frühlings blüten seht Geibel ges. w. (1883) 2, 93; entsprechend in verbaler fügung: mir wird ganz trübe vor den augen Gerstenberg Ugolino iv, 1 in: dtsche nationallit. 48, 256; wir sahen einander in die augen, und mir ward vor dem auge so trüb Göthe 1, 268 W.; bildlich: der herr braucht klare augen zum zahlen, aber ich glaub, es werden dem herrn Jakob ziemlich trieb werden (die augen tränen) Ph. Hafner ges. w. (1812) 2, 174; von hier aus poetisch auf die tränen selbst übertragen: Claros flieszet nimmer klar, sich mit trüben thränen füllt Neumark neuspr. t. palmb. (1668) 369; dein süszes bild, Edone, schwebt stets vor meinem blick; allein in trüben zähren Klopstock oden 1, 212 M.-P. I@C@2@cc) mehr auf die äuszere erscheinungsform des auges bezogen, in mischung mit trübe I D, im sinne 'glanzlos, matt, stumpf'; als kennzeichen der trunkenheit angesehen: seine augen sind trübe von wein 1. Mose 49, 12; din ougen sind trüb, rot und rünnen. das ists, das ir am wyn gewünnen! H. R. Manuel weinspiel 3222 ndr.; redensarten, womit die Deutschen die trunkenheit einer person andeuten ...: er hat trübe augen Lichtenberg verm. schr. 3, 36. anders bedingt: ihre augen, vormals glänzend von liebe, waren nun eingefallen, dunkel und trübe Kortum Jobsiade (1799) 3, 117; sein (des knaben) auge ist beynah trübe gegen des vaters glänzend schwarzes A. W. Schlegel Athenäum 2, 71 (von Holbeins gemälde der madonna mit der familie des bürgermeisters Meyer); ähnlich: der hund sah mit (vom schlafe) trüben augen zu ihm auf Storm s. w. (1904) 2, 182; ebenso auch trüber blick für den unklaren, durch [] tränen und trauer verschleierten blick, wobei die grenze zu trübe II B 1 verflieszt: erheitre nun die trüben blicke, wisch ab das salz der bittern thränenfluth Gottsched ged. (1751) 1, 4; und aus den hallen schleichen schmerzensbleiche bethränte dirnen trüben blicks hervor A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. 2 (1878) 211; verbal gewendet: in noht und jammer sehen trübe: hieran erkennt man wahre liebe, die mit in freuden lustig war, traurt nu bey meines bettes bahr Stieler geharnschte Venus 52 ndr. I@C@2@dd) von der mangelnden fähigkeit des sehens auf die mangelnde geistige fähigkeit des erkennens übertragen, wobei blick das typische begleitwort darstellt: doch wenn erfahrung kömmt, wenn diese nebel fliehen, die noch den trüben blick der jugend überziehen Cronegk schr. (1766) 2, 110; weich ungeweihter! deinem zu trüben blick ist überschleiert schönheit im anbeginn Klopstock oden 1, 161 M.-P.; ihr naht euch wieder, schwankende gestalten, die früh sich einst dem trüben blick gezeigt Göthe 14, 5 W.; adverbial: liebe und hasz sind gar nah verwandt, und beyde machen uns trüb sehen Göthe IV 1, 244 W. I@DD. als gegensatzbegriff zu hell, leuchtend, glänzend auf farben, auf das licht und auf geringe leuchtkraft, schwache beleuchtung oder mangelnden glanz zeigende objekte übertragen, eine wohl von B ausgehende entwicklung; mhd. bereits ähnlich von waffen, die durch beflecken ihren glanz einbüszen, sonst erst nhd. bezeugt: des wâren den von Tronjeir schilte trüebe und bluotes naz Nibelungen 1559, 4 L.; der iwer helmschîn muoz vil trüebe werdenvon der mînen hant 2207, 2 L.; anders, in direkter übertragung von A her, vom feuerhimmel: umb den luft ist feur und daz feur ist lauter und niht trb, dar mb gibt ez kainen schein Konrad v. Megenberg dtsche sphaera 7, 20 Matthaei. I@D@11) von farben und farbigen gegenständen, die dunkel wirken, keine leuchtkraft haben, stumpf erscheinen, glanzlos aussehen; als 'dunkel' nur im älteren nhd. gebräuchlich: wiewol ... die einen ein helle, die andern ein trübe kapp antragen, ein rauchfarb vom fegfewr geräuchert Fischart binenkorb (1588) 26a: ... ich so manche kutt beschrieb, die eine hell, die ander trüb Fischart s. dicht. 1, 151 Kurz; es war ein trübes tuch ihr um den schlaff gebunden Hoffmannswaldau-Neukirch ged. (1697) 2, 14; von trübe II D her bestimmt, von der dunklen trauerfarbe: ... eine ehrwürdige matrone, schon in völliger tiefer trauer um die gestorbene herrin (die königin Luise), während die beiden töchter ... unter thränen noch an dem trüben schmucke für sich arbeiteten Fouqué gefühle, bilder u. ansichten (1819) 1, 6; anders, 'befleckt und deshalb unrein, dunkel erscheinend', von der hautfarbe: und doch der gute kerle sieht selbst wie eine perle, die auf dem miste liegt, und ist so trüb und dunckel, ach wie ein schwartz carfunckel Stranitzky ollapatrida 44 ndr.; vom kolorit eines gemäldes 'ohne leuchtkraft, stumpf': zwei bauern, einer mit dem bierkrug. Brouver. geistreich, aber etwas trüb (oder 'melancholisch'?) Göthe 47, 384 W.; sonst ist er (Lebrun) trüb in der farbe Justi Winckelmann (1866) 1, 279; neben farbbezeichnungen zur angabe, dasz die farbe nicht rein wirkt, sondern infolge einer mischung unklar oder dunkel aussieht: am fernen horizont schimmerte ein dunkles roth, ein trübes gelb [] Bettine tagebuch 122; blattstiele und fiedern haben durch die ... behaarung ein trübes grün (Schweizer heckenkerbel) Schlechtendal flora (1880) 27, 333; die Tiroler berge schatteten sich zu trübem grau grafen Stolberg ges. w. 6, 79; absolut: bei jener trüben farbe ... sind die australischen bäume selten im stande, dichte, schattige wälder zu bilden Ratzel völkerkde (1885) 2, 9. I@D@22) vom licht und leuchtenden körpern im sinne 'nicht klar und hell strahlend, schwach leuchtend, dunkel brennend'; seit dem 18. jh. bezeugt. I@D@2@aa) von dem natürlichen licht und seinen trägern und erscheinungsformen: die trübere sonne spornte schon ihren lauf, verlängerte die nächte, kürtzte den tag Ramler einl. in d. schönen wissensch. (1758) 1, 390; weh! steck ich in dem kerker noch? verfluchtes dumpfes mauerloch, wo selbst das liebe himmelslicht trüb durch gemahlte scheiben bricht! Göthe 14, 28 W. (Faust 401); ein trüber mond war drauszen aufgegangen und sah herein Storm s. w. (1897) 1, 310; des pöbels schrecken, ein komet, mit seinem ungeheuren schwanze, was ist er in dem trüben glanze? Gottsched ged. (1751) 1, 118; George ... erblickte drüben im spiegelglas seinen schatten von einem trüben abendrot umflossen I. Seidel das labyrinth (1922) 198; adverbiell: in den trüb und verworren beleuchteten seitlichen theilen (des sehfeldes) Sömmerring vom baue d. menschl. körpers (1839) 6, 746; den indifferenten charakter des begriffes zeigen besonders folgende belege, in denen trübe ein zusammenwirken von hell und dunkel ausdrückt: ein trübes regenlicht um sie her Heinse s. w. 4, 342 Sch.; im tiefsten hintergrunde aber sasz jederzeit eine ... frau ... in einem trüben helldunkel G. Keller ges. w. (1889) 1, 59; ich hatte in der trüben dämmerung ... das gefühl bekommen, als ob ich eigentlich keine jugend erlebt hätte 3, 59; durch die scheiben drang nur ein trübes zwielicht, sodasz eine brennende lampe das beste thun muszte, um den raum zu erhellen G. Freytag ges. w. 9, 10. I@D@2@bb) von künstlichem licht und leuchtkörpern: des thurmes flamme war trüber, doch war ihr lodern noch da Kretschmann s. w. (1784) 1, 240; aber der gottknabe (Dionysos) wirft sich aus dem feuer heraus, und leuchtender als ein stern verdunkelt er die gluth, dasz sie finster und trüb erscheint Göthe 49, 110 W.; trübe flackert das verglimmende feuer im kamin fürst Pückler briefw. u. tageb. (1873) 1, 456; oft von lichtquellen, die ihrer art nach nur eine schwache beleuchtung geben, so der lampe und kerze und ihrem licht: du alte rolle, du wirst angeraucht, so lang an diesem pult die trübe lampe schmauchte Göthe 14, 39 W. (Faust 679); da steckte es (Aschenputtel) sein trübes öllämpchen an kinder- u. hausmärchen (1812) 1, 98; Hans Unwirrsch ... sah auf die trübe kerze W. Raabe hungerpastor (1864) 2, 71; wie lange soll auf den altären das trübe licht der kerzen währen, das aller welt des irrthums leitstern war? Gottsched ged. (1751) 1, 295; im trüben schimmer des flurlämpchens Storm s. w. (1899) 1, 302; adverbiell: die lichter brannten trüber Fontane ges. w. I 5, 50. I@D@2@cc) von hier aus erklärt sich bildlicher gebrauch in formeln wie etwas in trübem lichte (in ungünstiger beleuchtung) sehen u. ähnl.: alles stellt sich mir in trübem lichte dar Knigge roman m. lebens (1781) 3, 17; Schubart (sah) aus dem kerkerqualm und pietistischen nebel heraus ... sein früheres leben in einem allzu trüben lichte D. Fr. Strausz Schubarts leben 1, xv; auf anderer linie liegen [] fälle, wo trüber schein eine in ihrer kraft geschwächte oder noch nicht entwickelte erscheinung bezeichnet: das reinste licht der lautersten erkenntnisz (der göttlichen offenbarung) musz sich zuvor in einem körperlichen gegenstande brechen, damit es nur im reflex, und im gefärbten, wenn auch trüberen schein, auf das ungeübte auge falle Creuzer symbolik (1810) 1, 4; es (das tier) hat selber nur erst den trüben schein einer seele Hegel w. (1832) 10, 1, 171; vergleichbar: nur mühsam und anfangs trübe konnte sich das reine licht der wiedererwachten erkenntnisz (der katholische glaube) aus dem strudel der bewegten zeit ... emporarbeiten Fr. Schlegel s. w. (1846) 2, 199. I@D@33) von dingen, die infolge geringer beleuchtung fast dunkel erscheinen, aber doch eine gewisse menge licht empfangen; doch gilt in älterer poetischer sprache trübe vielfach hyperbolisch als synonym für dunkel, finster; auch hier ist ein einschlag von trübe II oft mehr oder weniger deutlich fühlbar. I@D@3@aa) von dunklen tageszeiten, besonders der nacht: ir klâren ougen wart der tac trüeb unde vinster als diu naht Gottfried v. Straszburg Tristan 1301 Bechst.; man saget in (den blinden) vil manichvalt von truber naht, von lichtem tage passional 341, 51 Hahn; des morgens, do der tag uff brach und die trübe nacht vergangen was historienbibeln 825 Merzdorf; er (der himmel) birgt hergegen auch die schwartze trübe nacht Opitz opera (1690) 3, 284; bey trüber nacht A. G. Kästner verm. schr. (1755) 1, 164; bei bildlichem gebrauch oft mit dem beisinn 'leidvoll, betrübnis bringend': ist unser oberhaupt, und lest die seinen nicht ... in dieser trüben nacht Opitz teutsche poem. 242 ndr.; denn heimgekehrt ist, euch und diesen allen licht nach trüber nacht zu bringen Agamemnons macht Droysen Äschylus w. (1841) 60; bey trüber abendzeit König ged. (1745) 193; so winkt gott manchem am trüben abend seines lebens, manchem am heitern morgen Hippel lebensläufe (1778) 2, 535; anders als bei dunkel ist bei trübe die abstraktion schon früh so weit fortgeschritten, dasz verbindungen wie trübe zeiten, stunden u. s. w. nicht mehr als bildlich gelten können, zumal trübe II bereits der ältesten deutschen sprachstufe angehört. I@D@3@bb) von dunklen oder schlecht beleuchteten und daher als unfreundlich empfundenen räumen, oft mit beiklang von trübe II D: da manches tiefe thal der eingang scheint zu seyn zu Plutons trübem sal Rompler v. Löwenhalt erstes gebüsch (1647) 55; der vetter sah sich ängstlich in dem trüben zimmer um A. v. Arnim sämtl. w. 2, 206; in meinem trüben kerker Tieck schr. (1828) 1, 85; in den niedrigen, engen und trüben räumen von Holywoodhouse Ranke s. w. 14, 262; bildlich in freierem gebrauch mit abschätzigem ton wie 'obskur': wie grosz ist die schwachheit, am erhabensten orte der welt ... noch immer des mürrischen inspectors in dem winkel des trüben Seehausen nicht vergessen zu können! Justi Winckelmann (1866) 1, 122; ähnlich, 'leidvoll': es liegt noch ein weg vor mir, trüb und dunkel maler Müller w. (1811) 2, 86. I@EE. von A-C ausgehend als technischer terminus, besonders in Göthes optik und farbenlehre; zur sache vgl. Boucke wort u. bed. in Göthes sprache (1901) 167 ff., R. Magnus Göthe als naturforscher (1906) 223 ff., M. Morris jubiläumsausg. 40, 28 ff. und H. Wohlbold jahrb. d. Götheges. 13 (1927) 31ff. alle mehr oder weniger durchsichtige materie, an der man farbenerscheinungen bei durchfallendem oder auffallendem licht beobachtet, gasförmige (dunstige luft und rauch), flüssige (wasser), feste (mineralien und glas), bezeichnet Göthe als trübe mittel; trübe ist die indifferente zwischenstufe von hell und dunkel: (der rauch ist) [] als ein trübes mittel anzusehen, das uns vor einem hellen grunde gelb oder röthlich, vor einem dunklen aber blau erscheint II 1, 66 W,; der grund des meeres erscheint den tauchern bei hellem sonnenschein purpurfarb, wobei das meerwasser als ein trübes und tiefes mittel wirkt 1, 67; unter den festen mitteln begegnet uns ... der opal, dessen farben wenigstens zum theil daraus zu erklären sind, dasz er eigentlich ein trübes mittel sei, wodurch bald helle, bald dunkle unterlagen sichtbar werden 1, 67; bildlich: die priester lieszen sie (die gläubigen) die erkannte wahrheit nur durch ein trübes medium sehen W. v. Humboldt br. an Welcker 73; vergleichbar: wenn ich die aus der ferne herangekommenen freunde nur durch den trüben schleyer einer verdüsterten gegenwart begrüszen konnte Göthe IV 38, 3 W. IIII. die anwendung von trübe auf den traurigen zustand des gemüts ist bereits as., ahd. und ags. bezeugt und offenbar im westgerm. erfolgt, vermutlich in direktem anschlusz an trüben, das ja bereits got. im übertragenen sinne 'verwirren, irre machen' überliefert ist. sowohl ahd. wie ags. übersetzt trübe das lat. turbatus, conturbatus und zeigt deutlich noch die bedeutung 'verwirrt, verstört, aufgeregt, unruhig und daher kummervoll', die im as. nicht mehr so klar heraustritt, doch vgl. hugi drôBi in parallele mit môd gihrôrid Heliand 4750f. Heyne. mhd. wird trübe im sinne 'bekümmert, traurig, betrübt, leidvoll' wie schon im as. als bildlicher gebrauch von trübe I empfunden und verliert das dynamische element der grundbedeutung. schon mhd. findet sich das wort auch auf die ursache der gemütsbewegung übertragen; im nhd. erweitert es seinen geltungsbereich auf alle dinge, die betrübnis erregen oder enthalten, wird aber in der neueren umgangssprache durch betrübt und betrüblich teilweise wieder zurückgedrängt. für heutiges sprachgefühl drückt trübe im allgemeinen einen schwächeren grad trauriger gefühle von mehr unbestimmtem charakter aus, namentlich schwermut, pessimismus, niedergeschlagenheit u. s. w., vgl. trübsinn 3. II@AA. zufrühest von den geistigen organen wie herz, gemüt, sinn und ihren äuszerungen, vom menschen selbst und seinen affekten; in den ahd. belegen (Notker) noch dynamisch empfunden (s. oben), vgl. ags. swŷðe drôf môd ('a very troubled mind') Bosworth-Toller 214a und môd ûre drêfende mentes nostras turbidas 211a. II@A@11) lose mih, wanda ih turftig unde arm bin ... min herza ist truobe in mir (cor meum conturbatum est) Notker 2, 473 P. (ps. 108, 22); min sela ist truobe worden unde min buch, min zorn ringet in minemo herzen 2, 98 (ps. 30, 10); taz muot ist truobe (mens nubila est) 1, 50; die sint truobes muotes fone iro bruodero unrehte 2, 98 (ps. 30, 11); ... sô warð imu is hugi drôB, warð imu gisworkan seBo ... Heliand 4572 Heyne, vgl. 4750, 4997; wizzet, daz ir guoter lip mannes truebez herze schœnet minnesinger 1, 361a v. d. Hagen; swaz ir der künic seite,doch hete si trüeben muot Nibelungen 578, 1 L., vgl. 787, 3; (die apostel) verhalen iren truben mut in ir herzen tougen passional 126, 69 Hahn; zun sternen auf ... ich schau mit trüben sinnen Fr. v. Spee trutznacht. (1649) 83; in solcher süszen ruh empfand er neue sachen, welch ihm sein trübes hertz bald konten munter machen J. Rist Parnasz (1652) 281; was drückt den trüben geist und dämpft die neue lust? A. Gryphius trauersp. 217 Palm; wil ihm was schwerer werden, ... macht ihm den muth zu trübe S. Dach 102 Österley; es gibt so bange zeiten, es gibt so trüben mut Novalis schr. 1, 77 Minor; unwill und schmerz ringt mir in trüber seele Tieck schr. (1828) 1, 242; [] doch spät erst naht der schlaf den trüben sinnen A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. 2 (1878) 229; wer hat des königs trüben sinn erheitert? Göthe 10, 8 W., vgl. auch trübsinn; trübes gemüt animo torbido, turbato Kramer t.-ital. 2, 1153c. II@A@22) von personen, oft mit dem beiklang des schwermütigen, vgl. droef vultuosus (nl., 1500) Diefenbach nov. gl. 387b: 'gi sind nu sô druoBia',quað hie, 'nu gi minun dôð witun' Heliand 4725 Heyne; anders: die (feinde) sin scameg unde truobe ('verwirrt') (erubescant et conturbentur) Notker 2, 346 P. (ps. 82, 18); 'verdrieszlich, betrübt': sie (die frau) soll nicht unter der zucht schein dem mann darumb vertrüszlich sein, noch durch anmutige sachen den man trüb und unlustig machen Fischart 3, 150 Hauffen; wan liebe trübe macht, dem hertzen giebet schmertzen Zesen verm. Helikon (1656) 1, 141; der gedanke, an einem fremden orte zu winterszeit einstand geben zu müssen, machte mich nicht trübe Göthe 27, 44 W.; seit dem tage ward dem könige trüb und weh E. M. Arndt w. 6, 221 R.-M.; weshalb wirst du dabei so trübe? Grabbe w. 1, 355 Bl.; ich bin so krank, ich bin so trübe Overbeck verm. ged. (1794) 38; da sie uns wieder froh hatte, warnte sie uns hinterher noch einmal: nicht, sagte sie, vor dem betrübt, sondern vor dem trübe seyn (schwermütigen anwandlungen) Fr. H. Jacoby w. (1812) 1, 102; ähnlich 'pessimistisch veranlagt': es liegt tief in der trüben natur des menschen, in einer ernsterfüllten ansicht der dinge, dasz das unerwartete, auszerordentliche (das plötzliche auftreten groszer kometen) flur furcht, nicht freude oder hoffnung erregt A. v. Humboldt kosmos 1, 119; schwächer 'mutlos, niedergeschlagen': (Johannes:) ich habe wirklich nicht recht zu was lust mehr. (Anna:) ... herr doktor! ... wer wird gleich so trübe sein! G. Hauptmann eins. menschen (1891) 1, 53; 'grämlich, mürrisch, verdrossen': er (Karl XI. v. Schweden) sieht nicht aus wie ein freundlicher, fröhlicher, gutmüthiger bauer, sondern wie ein strenger, ernster, mühseliger und trüber bauer, der sein tagewerk tüchtig thut, aber wenig freude daran hat E. M. Arndt schr. an s. l. Deutschen 1, 220; in adverbieller fassung 'mit trauriger stimmung': mit der kranken geht es gestern und heute noch nicht besonders und wir beschlieszen das jahr trüb und sorgenvoll briefw. zwischen J. u. W. Grimm, Dahlmann u. Gervinus 1, 294; als der marquis de Brézé erschien ..., sprach Ludwig trübe und tonlos ... Dahlmann gesch. d. franz. rev. (1845) 216; doch nimmer konnt es (das herz) eigne ruhe finden, kehrt trübe in die auszenwelt zurück Bettine Cl. Brentanos frühlingskr. (1844) 387; 'melancholisch': den fröhlich der wein macht, den machts auch die lieb, und wer beim trunk weint, der liebt schwärmrisch und trüb Nestroy ges. w. 1, 30; bildlich von der natur: die Elbe liegt noch trüb und mürrisch in ihren eisbanden Bismarck br. an s. braut u. gattin (1900) 8. II@A@33) von affekten und gemütszuständen; noch stark bildlich empfunden: ein trüebez leit hât uns benomen der vil liehten freuden schîn Konrad v. Würzburg Engelhard 3118; verlasz die trübe wollüst, die so schwerlich auff zu heben seind (demitte istas voluptates turbidas, magno luendas) M. Herr sittl. zuchtb. (1536) 73a; der zorn ... ist ein wütigkeit, der da viel trübe bewegnussen im gemüt erwecket Äg. Albertinus zeitkürtzer (1603) 24b; spiele, kind, in der mutter schoosz! auf der heiligen insel findet der trübe gram, findet die sorge dich nicht Schiller 11, 43 G.; [] man kann sich nicht vorstellen, mit welcher trüben sehnsucht wir diesen booten vom schiffe aus nachsahen! J. G. Forster s. schr. 2, 312; ists nicht schrecklich, seiner trüben laune so freien lauf zu lassen? Herder 10, 386 S.; unsere trübe stimmung über diesen todesfall ward durch die neblichte naszkalte witterung noch vermehrt O. v. Kotzebue neue reise (1830) 2, 15; zwischen trüben oder niederdrükkenden und erhebenden oder freudigen gefühlen Schleiermacher s. w. I 3, 17; er (Unwirrsch) verfiel (durch die trennung von seinem freunde) in einen trüben ungesunden zustand Raabe hungerp. (1864) 221. — gern übertragen auf die stimmung, die sich in einem kunstwerke ausdrückt; bildlich: jedes seiner (Shakespeares) stücke hat seine eigne hellere oder trübere atmosphäre O. Ludwig ges. schr. 5, 73 Schm.-St.; nie wurde mir die öde meines daseins deutlicher als in solchen augenblicken, bis ich dann ein buch ergriff, von denen mir keines trüb genug war Bismarck briefe an s. braut u. gattin 49; sehr schön ist auch das kleine adagio in h-moll ... von ernstem, gehaltenem ausdruck, der durch eine beimischung trüber empfindung seine eigenthümliche farbe erhält O. Jahn Mozart 4, 15. II@BB. seit dem 17. jh. vom ausdruck der gemütslage in gebärde, gedanke und wort bezeugt. II@B@11) von mienen und gebärden, die eine traurige, bekümmerte, schmerzliche stimmung andeuten: doch schleust des kerckers grufft mein trübes angesicht A. Gryphius trauersp. 159 Palm; (wie kommt es, dasz du) die trübe stirne rümpfst und tiefe seufzer sendest J. Grob dichter. versuchg. (1678) 23; warum ist deine stirn so trüb? Göthe 16, 128 W.; halb aus ungeschick und verlegenheit würde ich ein trüb gesicht machen fürst Pückler briefwechsel u. tageb. 1, 111; (ich) glaubte das tiefliegende miszvergnügen seines herzens aus einigen trüben zügen seines antlitzes herunterlesen zu können Schubart leben u. ges. (1791) 1, 247; die trüben mienen verriethen, dasz nicht jeder hoffnung hatte Alexis ruhe ist die erste bürgerpflicht 1, 78; mann, mit der stirne trüben falten A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. 1 (1877) 55; vielfach in verbaler verbindung: trübe (aus)sehen u. ä. (sieh sehen teil 10, 1, 133ff.): guten tag herr Nausicles, wie stehts, wie gehts, wie seht ir so trübe aus? engl. comed. u. traged. (1624) z 2b; trüb aussehen haver' una' ciera torbida, accigliata Kramer teutsch-ital. (1702) 2, 1153c; (Adelheid:) du siehst so trüb, mein bester! Göthe 13, 2, 313 W.; (Richard:) Mylord von Surrey, warum seht ihr trübe? Shakespeare (1797) 9, 188; er schaut ma vil z trüab (er sieht mir zu verdrieszlich aus) Hartmann volksschauspiele in Bayern u. Österr. 263; dein auge lächelt trübe? Zach. Werner das kreuz an der Ostsee (1806) 49; Apollonius lächelte trüb O. Ludwig ges. schr. 1, 357 Schm.-St. II@B@22) von gedanken, vorstellungen, erinnerungen, betrachtungen, meinungen, äuszerungen; seit dem 18. jh. mit wachsender häufigkeit, vgl. trübe gedancken pensieri torbidi, neri, foschi Kramer teutsch-ital. (1702) 2, 1153c; bildlich: Ebert, mich scheucht ein trüber gedanke vom blinkenden tief in die melancholey! weine Klopstock oden 1, 38 M.-P.; selig ist der, dessen seele durch keine trübe gedanken verfinstert Geszner schr. (1777) 1, 113; jeder trübe gedanke ist ein irdischer, vorübergehender gedanke der angst Novalis 2, 106 M.; nur eine schwache hoffnung (dasz er Natalie antreffen werde,) konnte manchmal durch die trüben vorstellungen durchblicken Göthe 23, 153 W.; die erst so trüben vorstellungen verlieren nach und nach ihr schreckendes Melch. Meyr erzähl. a. d. Ries 1, 36; [] da tönt ein seufzer bang und schwer gar trüber erinnerung geweiht an jüngst entschwundne seligkeit Gaudy s. w. 4, 7; das erste kriegsjahr ..., militärisch wie politisch trübe erinnerungen ... hinterlassend Mommsen m. gesch.4 2, 237; wenn trübe mahnung noch einmal uns peinigt und schreck in unsre goldnen lande streut — du sprichst in zuversicht: mit mir vereinigt befürchte nicht was flüchtig sich erneut stefan George jahr d. seele 41 ges.-ausg.; ferner erzählt er (Rochlitz), wie Mozart ... dann in tiefernsten, häufig trüben und bittern betrachtungen sich erging O. Jahn Mozart 3, 236 anm. 126; wem gelingt es? trübe frage, der das schicksal sich vermummt, wenn am unglückseligsten tage blutend alles volk verstummt Göthe 15, 1, 238 W.; wohl eine trübe wahrheit! A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. 2 (1878) 195; (Grimhildis:) sprich nicht so trübe worte Fouqué held d. nordens (1810) 1, 143; 'bitter': miszdeute nicht ein trübes wort, das nicht, du gute, dir galt Chamisso w. (1836) 3, 151; 'freudlos': es galt durch das ganze mittelalter, bei der trüben, einseitigen weltansicht der priester und laien, das tanzen als etwas sündliches Böhme gesch. d. tanzes (1886) 91. II@B@33) vielfach im hinblick auf eine not und leid bringende zukunft von ahnungen, befürchtungen u. dgl., 'pessimistisch': auf die festliche rückkehr Agamemnons wirft Cassandra neben ihm auf der quadrige einen schatten trüber ahndung A. W. Schlegel in: Athenäum 2, 244; ich habe mich auch nie der trüben historischen ahnungen entschlagen können Laube ges. schr. 8, 6; infolge der verschärften maszregeln gegen die ketzer (i. j. 1559) herrschten denn unter den anhängern des bekenntnisses die trübsten erwartungen vor Ranke s. w. 8, 139; auch der erste (feldzug) begann mit trüben befürchtungen 16, 181; wir haben unsern Viktor unter lauter trüben vermuthungen stehen lassen Jean Paul 7/10, 364 H.; viele trübe vorhersagungen seitens der gegner unserer verfassung Bismarck polit. reden 1, 14 Kohl; vergleichbar: das schwedische volk selbst war in einem ähnlichen zustande kalter gleichgültigkeit und trüben hinstarrens in die zukunft E. M. Arndt schr. für u. an s. l. Deutschen (1845) 1, 191. II@CC. bereits mhd. von zeiträumen gebraucht, die als 'bedrückend, unerfreulich, elend, leidvoll, traurig, freudlos' empfunden werden, wobei nicht selten die subjektive bedeutung hinter einer mehr objektiven anwendung im sinne 'böse, schlimm, schwer' zurücktreten kann; der von trübe I B 4 ausgehende bildliche gebrauch (s. sp. 1172) kreuzt sich hier mit abstraktem trübe II. II@C@11) am nächsten mit trübe I B 4 berührt sich die verbindung trüber tag: soll ich noch kummervoll des trüben tages denken Gottsched dtsche schaubühne (1741) 2, 20; aus den armen der freude, die sich ihrer nach langen trüben tagen bemächtigte Göthe 21, 70 W., vgl. auch IV 31, 201; junger mensch! du fängst an mir trübe tage zu machen Lenz 1, 293 Tieck; es war mir gestern trüb der tag, eine tiefe schwermuth auf mir lag Brentano ges. schr. 2, 70; ähnlich gebraucht: ein trüber winter lag hinter mir zum gröszten theil überstanden; dauerndes krankheitsgefühl hatte mich nach Italien getrieben Gutzkow ges. w. (1872) 7, 449. II@C@22) abstrakter beim bezug auf unbestimmte zeiträume wie zeit, vergangenheit, zukunft u. ähnl.; mhd. noch im bilde: nach trüber zit ain liechten tag bei Laszberg liedersaal 1, 184; [] ein wunderwerk ..., das weder frost, noch glut, noch trüber zeiten lauf nicht könte reiszen hin P. Fleming dtsche ged. 1, 44 Lappenberg; adverbiell: unterweiln die zeiten sich etwas trüb anlieszen Sigm. v. Birken ostländ. lorbeerhayn (1657) 241; denn selbst aus der trüben zeit stammet eine fröhlichkeit Brockes ird. vergnügen (1721) 2, 178; in dieser trüben, trostlosen zeit des zwischenreichs ... I. v. Döllinger akad. vorträge (1888) 1, 27; aber Therese ... bat, die trübe vergangenheit ganz zu vergessen Langbein s. schr. 31, 21; man rettet gern aus trüber gegenwart sich in das heitere gebiet der kunst Uhland ged. 1, 83 Schm.-H.; stille! du verklärst der trüben zukunft nebelgraun Matthisson schr. (1825) 1, 21; er (Leop. Mozart) sah in eine trübe zukunft O. Jahn Mozart (1858) 1, 231. II@C@33) ebenso in anwendung auf kleinere zeitabschnitte, stunde, augenblick u. s. w.: (Apollo,) der trübe stunden gern durch sie (die musen) sich heitrer macht Löwen schr. (1765) 1, 49; lasz uns ein unglück nicht trübe stunden machen Geszner schr. (1777) 2, 114; stehende wendung ist jemandem eine trübe stunde machen, bereiten 'kummer verursachen': dasz er ihm manche trübe stunde machte Lenz schr. 3, 122 Tieck; er hat mir manche trübe stunde gemacht Pfeffel pros. vers. (1810) 5, 80; dasz ihr sohn ihr im leben nie eine trübe stunde bereitet habe M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 4, 428; nur wenig unbrauchbare trübe minuten Eschenburg beispielsammlung (1788) 4, 62; sie werden es kaum glauben, dasz ich die muthwilligsten stellen in meinen schnurren oft in sehr trüben augenblicken geschrieben habe Lessing 18, 269 M.; mein anblik könnte ihm einen trüben augenblik machen Schiller 3, 12 G. II@DD. von handlungen, ereignissen, erfahrungen, nachrichten, zuständen allgemeinerer art, 'unerfreulich, schmerzlich, betrüblich', oft schon mehr objektiv 'widrig, schlimm'; in älterem nhd. noch vereinzelt konkreter gefärbt: wie wohl etlich meiner miszgünstigen durch radt und trübe sachung (dunkle umtriebe) mich verjagt haben Eberlin v. Günzburg s. schr. 2, 173 ndr.; o so musz für trübem kräncken (infolge schlimmer schädigung) blosz der mensch die stirne sencken! Logau sinnged. 148 Eitner; so nimm die krohn, o musensohn, ... die nicht der neid, nicht leid noch zeit, nicht trüber unfall kränket Morhof unterricht (1682) 2, 51; (ich habe) erfahrn manch unglück trübe Theob. Höck blumenfeld 13 ndr.; Ebert, was sind wir alsdann, wir verlassenen beyde! läszt uns ein trüberes schicksal länger, als alle sie, hier? Klopstock oden 1, 40 M.-P.; ungewisz, zu welcher stunde sie von ihrer aus so trüber veranlassung (trauerfall) unternommenen reise zurückkehren Bismarck ged. u. erinn. 1, 352 volksausg.; herzog Albrecht (von Preuszen) wurde von den trübsten ereignissen betroffen Ranke s. w. 25, 171; das herz verschlang die trüben erfahrungen des verstandes Klinger w. (1809) 5, 154; da trat in des alten sängers thurm der knab mit trüber kunde Geibel ges. w. (1883) 1, 64; dieses trübe gemälde (der politischen zustände in England) hat nichts von seiner wahrheit verloren Gentz schr. 2, 102; die trübsten abschnitte der nächstfolgenden geschichte L. Häuszer dtsche gesch. (1854) 1, 241; verliesz sich auch Paula auf die wahrheit dieser worte, so war doch schon lange ein trüber stillstand in des grafen [] leben eingetreten Gutzkow zauberer v. Rom (1858) 9, 154; 'unangenehm, fatal': er hatte die trübe gabe ..., künftiges unheil voraus zu sehn Fouqué altsächs. bildersaal (1818) 2, 14; 'armselig': o sammle mir in köstliches gefäsz der asche, der gebeine trüben rest Göthe 10, 319 W.; subjektiv, 'kummervoll, freudlos': verlassener, was zagest du in trüber einsamkeit? Herder 16, 271 S.; am besten gefiel er sich in einer trüben einsamkeit Wackenroder herzensergiesz. (1797) 144; genug damit! dein liebchen sitzt dadrinne und alles wird ihr eng und trüb Göthe 14, 166 W.; von der armen Adele habe ich einen recht trüben brief A. v. Droste-Hülshoff briefe an L. Schücking 158. IIIIII. aus bildlicher verwendung von trübe I haben sich einige übertragene bedeutungen entwickelt und verselbständigt, die gesondert darzustellen sind. III@AA. trübe I A im sinne 'aufgewühlt, unklar' bildet die bedeutungsgrundlage für trübe als 'durcheinander gemengt, verworren, chaotisch', 'verwirrt, unklar im geiste', auch aktivisch 'verwirrend'. III@A@11) von erscheinungen und zuständen, namentlich der geschichtlichen welt, 'vermischt, chaotisch'; noch im bilde: sechzehn jahre der verwüstung, des raubs, des elends sind dahin geflohn, in trüben massen gäret noch die welt Schiller 12, 8 G.; im mittelalter klären sich die neuen nationalitäten ... aus jenem trüben gemisch, zu welchem die völkerwanderung die alten stämme zusammengegossen hatte W. H. Riehl d. dtsche arbeit (1861) 65; unter dem erschütternden eindruck dieses ... gottesgerichts (des kreuzzuges Konrads III.) schwand eine welt von vorstellungen und erwartungen ... zu einem trüben chaos zusammen Nitzsch dtsche studien (1878) 17; er sieht, wie er gealtet im trüben weltgewühl Uhland ged. 1, 239 Schm.-H.; abstrakter von dingen und problemen, die sich der erkenntnis nioht ohne weiteres erschlieszen, 'verworren, verzwickt, heikel': (an einen rechtsgelehrten gerichtet:) nicht nur die einsicht trüber sachen, auch ein durch ernst gemäszigt lachen, auch witz und dichtkunst steht dir an Ramler fabellese (1783) 1, 200; übrigens scheinen zwischen beiden verhältnisse obzuwalten, wodurch die sache trübe wird Göthe IV 29, 72 W. III@A@22) von mangelhaftem denkvermögen und seinen erzeugnissen 'verwirrt, geistig unklar'; vgl. bildlich schon mhd.: ir sin alsô verdecket lît mit trüeber ungewizzenheit (unverstand) daz diu vil hôhe tugent breit noch der wârheite schîn ze keiner hande zît dar în mac geliuhten noch gegân Konrad v. Würzburg Silvester 2093 Ger.; ... also (gleich einem an sich geraden ruder, das unter wasser krumm erscheint) ist offt ein regent oder mensch richtig und gut, aber in den trüben köpffen scheinet er krumb Lehman floril. polit. (1662) 2, 533; zu einem religionsfrieden von dieser natur waren jene zeiten noch nicht reif, und die köpfe noch zu trübe Schiller 8, 18 G.; wir beschäftigen ihn aus mitleid als kopisten, denn sein geist erscheint so trübe wie seine vergangenheit Fr. Jacobsen waldmoder in: daheim 31, 341a; anders, 'der natur nicht genügend zugänglich': die rätselhaften zeichen (unter den schmetterlingsflügeln), eine schrift unlesbar dem trüben sinn Carossa doktor Bürger (1930) 57; 'verworren': auch die recension über Kants pädagogik liegt [] bey. vielleicht helfen sie den trüben eingangsperioden zur klarheit Göthe IV 17, 15 W.; so irrt in phantasien trüb und wild A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. 2 (1878) 228; und trüb und wunderbar wirds ihm zu sinne 2, 239; sein scharfes auge sieht durch unsre nebel hin, kein trübes vorurtheil schwärzt seinen hellen sinn Wieland I 1, 45 akad.; aktivisch, 'verwirrend': Heerdegen hatte in seiner trüben fiebergluth alles herausgesagt, von wessen faust er die wunde trage und warum Fouqué zauberring (1812) 1, 88; nach tafel, wenn der trübe geist des weins das herz nun öffnet und die augen schlieszt, läszt man ein unterschobnes blatt ... zur unterschrift herumgehn Schiller 12, 128 G. in Göthes sprachgebrauch im hinblick auf die nur halb bewuszten, nicht klar beherrschten triebe und strebungen des menschen; der wortsinn nähert sich vielfach dem von dumpf (vgl. Boucke wort u. bed. in Göthes sprache 156 ff.): (Arkas:) wo trüb und wild ein neues volk, voll leben, muth und kraft, sich selbst und banger ahnung überlassen, des menschenlebens schwere bürden trägt Göthe 10, 64 W.; vgl. auch: in dunkelm genusz und trüben schmerzen 2, 60; hierher: und so lang du das nicht hast, dieses: stirb und werde! bist du nur ein trüber gast auf der dunklen erde 6, 28. III@A@33) auf das sittliche leben bezogen 'unrein, unlauter, sittlich verworren', meist noch im bilde; trübe machen 'beflecken': (vernehmt,) wie ein lûter gemüete fremder valsch gefrumte trüebe Wolfram Parzival 402, 2, vgl. 414, 3 u. 427, 15; der des nächsten ehr macht trüber Hartmann volksschausp. in Bayern u. Österr. 213; allgemeiner: fröude trüebe unde tumbe nimet schiere ein ende Konrad Fleck Flore u. Blancheflur 5726 Sommer; und wirt keinem helfen sin sagen, er sig luter oder trüeb (tugendlos) so wirt er gricht nach sim gmüet N. Manuel 253 Bächt.; konkreter, 'unsauber' im gegensatz zur göttlichen reinheit: daz got truc priesterlichen rok, daz dutet menschlich gezok und des truben vleisches cleit, daz got uber die gotheit zoch als einen gewebenen rok Heinrich v. Hesler apok. 1835 Helm, vgl. 14701ff.; die beicht ... ein trübes gewissen in ein ... helles verwandelt Abr. a s. Clara etwas für alle (1699) 2, 63; in mischung mit trübe I D 2: du, der du ... das herz nur höchstens von der trüben lohe der leidenschaft ergreifen lieszest Stifter s. w. 3, 253 Sauer; was für flaue, trübe, verlogene beziehungen! Carossa d. arzt Gion 250. III@BB. von trübe I D ausgehend hat trübe in der konfessionellen polemik der reformationszeit als 'im dunkel verharrend, unerleuchtet' auf die gegner der reformatorischen lehre besondere anwendung gefunden: doch hat die truoeben stet verdrossen, dasz die dri stet Costenz, Lindow und S. Gallen so wol ains warend und das best ansechen hattend J. v. Watt dtsche histor. schr. 3, 263; es schelten in (Luther) die trieben, die wölff in gottes stal bei Clemen reformationsflugschr. 3, 284. III@CC. an trübe I D anknüpfend überträgt sich trübe vom optischen eindruck auf den akustischen, zugleich vermengt mit einem aus trübe II stammenden gefühlsgehalt, und wird für dunkle, dumpfe klänge und geräusche gebraucht, die eine traurige stimmung kennzeichnen oder hervorrufen; die bedeutungsanteile verschieben sich vielfältig: [] der trüben hörner klang, der hencker mordgepränge, schreckt geister sonder witz A. Gryphius trauersp. 162, 53 Palm; der trommler trommelt so trübe Schneckenburger dtsche lieder (1870) 31; von der menschlichen stimme: wenn dort ein trübes stöhnen den busen hat geschwellt Rückert w. (1867) 1, 76; 'undeutlich': mein ruf dämpfte sich drin zu einem trüben gemurmel Watzlik d. pfarrer v. Dornloh (1930) 87; von naturgeräuschen: kalt tropft der nebel von der bäume grün ... und lauter wird die tropfmusik und trüber A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. 2 (1878) 244. IVIV. substantivischer gebrauch, das trübe, trübes. IV@AA. entsprechend I A von flüssigkeiten, 'die trübstoffe, auch der dickliche bodensatz'; vorwiegend in technischer verwendung (vgl. bes. I A 2): dann so giesze man es (das wasser) hüpschlich ab, in andere geschirr, also das das trüb am boden bleibe sitzen Michael Herr feldbau (1551) 34a, vgl.das trübe absitzen lassen lasciare che si posi, sieda il torbido ò la feccia Kramer teutsch-ital. (1702) 2, 1153c; nim silberglöt und essig und rosenwasser und salz, ... lasz jetlichs einsieden ... und lasz erkalten und stehen, bisz das trüb am boden felt Osw. Gäbelkover artzneybuch (1595) 1, 358; wird aber der harn trüb, und setzet sich das trübe an den boden, so wisse, dasz die natur mit der kranckheit streite Hohberg georg. cur. aucta (1715) 217a; 'das trübe, der durch blutbeimischung nicht mehr lautere, helle, sondern trübe harn (von rindern)' Höfler krankheitnamenbuch 754; bey flüssigen fossilien (naphtha und dergleichen) hat man zwischen durchsichtig und undurchsichtig das trübe ... angenommen Zappe mineral. handlex. (1817) 1, 263; man übergieszt ... die bohnen (des kaffees) ... mit wasser, rührt sie kräftig um und gieszt das trübe rasch ab Muspratt chemie4 6, 286; allgemeiner: sein getränk schöpfte er mit einem alten topfe, ... von welchem er rühmte, dasz er ... wegen seines eingebognen randes jegliches trübe und unreine vom munde abhalte Immermann w. 1, 78 Boxb. IV@BB. im sinne von I D 4 für die durchsichtige, aber getrübte materie, das trübe mittel, die zwischenstufe von hell und dunkel in Göthes optik: ich brauche zu meiner construction hell, dunkel und das vermittelnde trübe IV 28, 247 W., vgl. da erschuf er morgenröthe, die erbarmte sich der qual; sie entwickelte dem trüben ein erklingend farbenspiel, und nun konnte wieder lieben, was erst auseinanderfiel I 3, 76; will licht einem körper sich vermählen, es wird den ganz durchsichtgen wählen. du aber halte dich mit liebe an das durchscheinende, das trübe 2, 219; wenn das gelbe dadurch entsteht, dasz ich durch ein erhelltes trübes auf das licht hindurchblicke Vischer ästhetik (1846) 2, 38; anders, in anwendung auf atmosphärische erscheinungen nach I B 2: ich seh ins reine blau der luft sich schon was trübes mischen Rückert w. 1, 252. IV@CC. in bildlicher und übertragener verwendung entsprechend II und III auf geistig-seelisches bezogen: wann einer fleiszig acht hat, so hat keine lügen einen so klaren schein, dasz nicht was trübes (unlauteres) darunter könne vermerket werden Reinicke fuchs (1650) 170; das metaphorische wort hat ... immer etwas trübes (unbestimmtes, vieldeutiges) Göthe 40, 257 W.; es erinnert mich an alles trübe (unerfreulichen dinge) des lebens Hippel lebensläufe (1778) 1, 475; den gegensatz des trüben (melancholischen), gedrückten ... und des hellen, strebenden ... (in Mozarts c-dur-quartett) empfindet jeder unmittelbar [] O. Jahn Mozart 4, 74; nicht etwa nur die angenehmen und freundlichen bilder sind es, die er (der philosoph) mit jener allverständlichkeit an sich erfährt: auch das ernste, trübe, traurige, finstere, die plötzlichen hemmungen, die neckereien des zufalls Nietzsche w. (1895) 1, 21. IV@DD. in präpositionalen wendungen; im trüben, ausgehend von der konkreten bedeutung 'unklar, unrein, schmutzig' von gewässern; bildlich entsprechend I A 1 f: er hat ein rechten namen, Luther, wann er will eüch grossen pfaffen zu vil lütern, wil glauben ... ir liessens lieber im trieben bleiben Karsthans bei Clemen reformationsflugschr. 4, 1, 111. besonders in der redensart im trüben fischen, daneben im älteren nhd. im trüben wasser fischen (vgl.wasser teil 13, 2337 und oben sp. 1168) 'in (durch die elemente oder eignes zutun) aufgewühltem, schlammigem gewässer mit gewinn fischen', d. h. 'sich einer verworrenen, unübersichtlichen, schwierigen lage zum eignen vorteil bedienen'; seit dem humanismus in sprichwörtlicher verwendung beliebt. die redensart ist nicht aus frz. pêcher en eau troublée entlehnt (so Seiler lehnsprichwort 1 [1921] 81), sondern beruht auf Äsops fabel vom fischer, der das wasser peitscht, um die fische in seine netze zu jagen, und auf die frage, warum er den flusz verunreinige, antwortet: nisi ... flumen ita turbetur, me fame enectum mori oportebit; darauf die moral: haec fabula docet urbium quoque rectores tunc maxime ditescere, quum eas in seditionem induxerint (vgl. fabulae Aesopicae ed. Furia nr. 241 u. anh. s. 74, die griech. fassung bei Halm nr. 25). im sprichwort: im trüben ist gut fischen Cöber cabinetprediger (1783) 1, 93, vgl. ebenso Schellhorn (1797) 11, Binder (1873) 197, Fischer schwäb. 2, 408, Lüpkes seemannsspr. 161, 4, entsprechend im auszerdeutschen schrifttum Wander 4, 1339 f.; meist auf vorgänge des öffentlichen lebens bezogen: unbetracht, dasz er (Coriolan) ... von den burgern ... ausz Rom gejagd ward, als einer der nur im trüben fischen, und in auffrhüren seinen vortheil suchen wolt Fischart binenkorb (1588) 238a; variiert: viel hatten fremdes land im trüben aufgefischt Besser schr. (1732) 1, 30; man glaubt, dasz (bei dem aufstand auf den Philippinen) einige Spanier ... die eigentlichen unruhestifter gewesen sind und das volk ... aufgewiegelt haben, um im trüben zu fischen O. v. Kotzebue neue reise (1830) 2, 162; in freierer anwendung: wer wolte sich auch in die welt verlieben, die nur ein lazareth, wo lauter kranckheit in dem schwange geht? da fischt der tod im trüben Schmolcke trost- u. geistr. schr. (1740) 2, 380 wenn ihr (theologen) euch in den haaren liegt, so fische ich im trüben Lessing 2, 58 M.; in dem klaren mag ich gern und auch im trüben fischen; darum seht ihr den frommen herrn sich auch mit teufeln mischen Göthe 14, 219 W. (Faust 4324); wonach hat denn die kleine menschenfischerin hier im trüben geangelt? Spielhagen s. w. (1877) 1, 194.
75843 Zeichen · 1391 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Trübe

    Adelung (1793–1801) · +7 Parallelbelege

    Trübe , -r, -ste, adj. et adv. 1. Im eigentlichsten Verstande, in denjenigen Zustand versetzt, da die Durchsichtigkeit e…

  2. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Trübe

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Trübe , das bei Aufbereitungsprozessen abfließende, Erzteile enthaltende Wasser; vgl. Aufbereitung.

  3. Sprichwörter
    Trübe

    Wander (Sprichwörter)

    Trübe Wann es lang trüb am himmel ist, so scheint doch zuletst die sonn. – Franck, II, 104 a .

  4. Spezial
    trübe

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    trü|be adj. 1 (unklar, matt) turgher (-gri, -gra) 2 (finster) scür (-s, scöra) 3 (regnerisch) da plöia, grisc (-sc, grij…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit truebe

53 Bildungen · 29 Erstglied · 24 Zweitglied · 0 Ableitungen

Zerlegung von truebe 2 Komponenten

tru+ebe

truebe setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

truebe‑ als Erstglied (29 von 29)

trübebildung

DWB

truebe·bildung

trübebildung , f. : bei zähem schottersand wendet man zur trübebildung beim verwaschen läutertrommeln an ( goldgewinnung ) Muspratt chemie 4…

trübeich

DWB

trueb·eich

trübeich , f.; ( altes ) weinmasz in Württemberg für neuen, noch trüben wein oder obstmost, 366, 78 liter enthaltend, vgl. A. dal Piaz unive…

Trübeiche

PfWB

trueb·eiche

 Trüb-eiche f. : a. 1781: 1 Fuder Wein, nach Abzug der Trübeiche, Wert 30 Guld. [SSp., Verteilungsakt aus LA-Nd'hochstdt]. — Nach DWB DWb. …

Trübelbeer(e)

ElsWB

truebel·beere

PfWB Trübelbeer(e) [Tríwlpêr Ruf. Str. K. Z. ] f. Traubenbeere. — Idiotikon Schweiz. 4, 1473.

Trübelrib

ElsWB

truebel·rib

Trübelrib f. Traubenreibmaschine, aus zwei Walzen bestehend Bebelnh.

Trübelspiess

ElsWB

truebel·spiess

Trübelspiess m. Spiess, den ehemals der Bannwart bei sich trug; in einem Spottlied, das jetzt aber auch bei einem Fangespiel gesungen wird, …

Trübelwin

ElsWB

truebel·win

Trübelwin [Tríwlwin Illk. ] m. Traubenwein, im Ggs. zu Epf e lwin und Kanz e lstrüwelewin.

Trübelzattel

ElsWB

Trübelzattel [Tríwltsàtl Hag. ] m. Traube.

trüben,

FWB

1. ›e. S. die Klarheit, Durchsichtigkeit nehmen, etw. durch etw. verunreinigen, trüben (auch ütr.); etw. in der Qualität mindern‹; 2. ›sich …

Trüber Tag

Meyers

trueb·ertag

Trüber Tag , ein Tag, dessen Durchschnittsbewölkung (Mittel aus mindestens zwei Beobachtungen) größer als zwei Zehntel des Firmaments ist.

trübeschicht

DWB

truebe·schicht

-schicht , f. : durch die herdbewegung wird ... bei jedem stosze eine kleine welle in der trübeschicht erzeugt ( erzbereitung ) Lueger 5, 14…

trübestrom

DWB

truebe·strom

-strom , m. : ferner musz die herdfläche ... wagrecht liegen, damit der trübestrom in gleich starker schicht über den herd flieszt ( erzbere…

Truebeteⁿ

Idiotikon

Truebeteⁿ Band 14, Spalte 221 Truebeteⁿ 14,221

trübetrost

DWB

truebe·trost

trübetrost , m. , ' trauriger mensch, kopfhänger ', hess. dialektwort, vgl. triewetrost Saul hess. id. 15 , drīwedrōst Hofmann ndhess. wb. 2…

trübetümpel

DWB

truebe·tuempel

trübetümpel , m. : ' trauriger, stiller mensch ', auch ' unklarer, konfuser kopf ' ; ostmd. dialektwort ( zusammenrückung von bildlich gemei…

trübetümp(e)lig

DWB

truebe·tuempelig

trübetümp(e)lig , adj. , ' traurig, niedergeschlagen ', zu trübetümpel gebildet: so reizend dieser baum ( die lärche ) im frühling, im somme…

truebeⁿ I

Idiotikon

truebeⁿ I Band 14, Spalte 221 truebeⁿ I 14,221

truebeⁿ II

Idiotikon

truebeⁿ II Band 14, Spalte 221 truebeⁿ II 14,221

truebe als Zweitglied (24 von 24)

blutigtrübe

GWB

blutig·truebe

blutig-trübe Zusammenschreibung GWB 15 2 ,77 wohl iSv Blutvergießen verheißend u düster [ Helena üb Phorkyas: ] Gebietrisch mir den Weg vert…

gichtrübe

DWB

gicht·ruebe

gichtrübe , f. , zaunrübe, bryonia alba, auch bryonia dioica, heute noch ein volksmittel gegen gicht, seit dem 16. jh. bezeugt, aber sicher …

gramtrübe

DWB

gram·truebe

-trübe mod. dichtercharaktere (1885) 15 Arent-C.-H.; gramestrübe M. Hartmann ges. w. (1874) 1, 30 . in substantiven: grameinschnitt ( auf de…

lautertrübe

DWB

lauter·truebe

lautertrübe , adj. : wie der biber ein feuchttrocken leben fürt, also gehets zu zeiten auch den ehleuten wol und ruhig, zu zeiten rauch und …

Mistrübe

RhWB

mist·ruebe

Mist-rübe (s. S.) MülhRh-Heiligenhs , Sol , Mettm f.: die dicke Herbstr., im Gegens. zur kleinen Stoppelr.

Nebeltrübe

Campe

nebel·truebe

◬ Die Nebeltrübe , o. Mz . eine Trübe, welche von dickem Nebel herrühret, oder eine derselben ähnliche Trübe. Also sah der Erdner auch nicht…

pochtrübe

DWB

pocht·ruebe

pochtrübe , f. das aus dem naszpochwerke abflieszende, durch beimischung von erzmehl getrübte wasser. Scheuchenstuel 181 . Dannenberg - Fran…

Rotrübe

PfWB

rot·ruebe

Rot-rübe f. : 1. 'die Rübe Beta v. rubra als Salatrübe', -rib, Pl. -riwe, Rout-, s. PfWB rot [verbr., Wilde 216 Lambert Penns 126, auch Don …

Salatrübe

PfWB

salat·ruebe

Salat-rübe f. : 'Rotrübe (Beta v. rubra)', -rieb [ NW-Frankeck BZ-Rechtb ]. SHW Südhess. V 43 . —

Schmerzenstrübe

GWB

schmerzen·s·truebe

Schmerzenstrübe iSv qualvolle Betrübnis Gebt mir den Geliebten frei!|Ach ich fühls, durch Schmerzens-Trübe. [ beglückte Triebe! GWB 12,77,21…

stockendtrübe

DWB

stockend·truebe

stockendtrübe , adj. : ( entsprechend 1 stocken verb. III 2 c sp. 68): versieget ist Kastaliens geweihter quell, versieget! sonst heller als…

wassertrübe

DWB

wasser·truebe

wassertrübe , adj. durch wasser trübe, von der luft Kramer t. - ital. dict. 2 (1702) 1153 c . —

weisztrübe

DWB

weisztrübe , adj. , ' schmutzigweisz ': ein schön lauter perlin, das sich nicht auff weisztrübe farb zeucht Calepinus (1598) 503 s. v. exalu…

wolkentrübe

DWB

wolken·truebe

-trübe , adj. , durch wolken trübe, dunkel; ein wolckentrübes wetter temporale torbido Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1153 c : wolckentrübe l…