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Traum

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Meyers
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Traum

Bd. 19, Sp. 678
Traum (lat. Somnium), die Fortsetzung der geistigen Tätigkeit während des Schlafes bei mangelndem klaren Bewußtsein des Schläfers. Der Unterschied zwischen Schlaf und Wachen liegt wesentlich darin, daß die höhern Geistesfunktionen: kritisches Denken und Urteilen, »ausgeschaltet« sind, während die niedern Tätigkeiten: Empfinden, Vorstellen und Erinnern, auch während der Erholungspause des Gehirnes im Schlafe fortwirken können. Manche unsrer Sinnespforten bleiben bekanntlich im Schlafe zugänglich, und wie im wachen Zustand alle Sinnesorgane fortwährend die Anregung zur seelischen Tätigkeit geben, so sind es im Schlaf meist nur das Ohr, die Nase, das Tast- und Gemeingefühl, die innere Erregungen und Traumbilder vermitteln. Die dadurch entstehende Empfindung gestaltet sich zu einer ihr entsprechenden dunkeln Vorstellung. So bewirkt eine unbequeme Lage oder ein körperlicher Schmerz einen T. von Fesselung und tätlichen Angriffen, Senfpflaster oder ein brenzliger Geruch erregen Träume von Feuersgefahr, plötzliches Ausstrecken soll das bekannte, meist mit Erwachen verknüpfte Gefühl eines tiefen Sturzes erzeugen, Töne und Geräusche aller Art, in der Nähe gesprochene Worte u. dgl. werden mit wunderbarer Schlagfertigkeit zu einem T. ausgesponnen, namentlich gegen Morgen, wenn das Großhirn nur noch im Halbschlummer liegt und anfängt, sich am Traumdenken mehr zu beteiligen. Diese Morgenträume werden dann deutlicher und logischer. Maury hat den Einfluß der Sinnesreize auf die Traumbilder durch Selbstversuche erprobt, indem er sich nach kaum eingetretenem Mittagsschlaf gewisse Geräusche und andre Eindrücke einflößen und gleich darauf wecken ließ, um sich der dadurch hervorgerufenen Traumvorstellungen zu erinnern. Man kann sich so ganze Träume einblasen (soufflieren) lassen. Häufig spiegeln sich die sogen. Binnenempfindungen oder krankhaften Zustände des Körpers im T. So träumen Personen, die an Atmungsbeschwerden oder Luftmangel leiden, von einem durch das Schlüsselloch eindringenden und sie bedrückenden Gespenst (s. Alp und Mittagsfrau), von engen Höhlengängen, Menschengedränge, Stößen gegen die Brust, Herzleidende haben beängstigende Träume, Erregungen in der Sexualsphäre bringen wollüstige Träume hervor. Vergebliche Anläufe, die Willensvorstellungen auszuführen, Hilferufe auszustoßen, sich anzukleiden und davonzulaufen, bringen die sogen. Hindernisträume hervor. Abgesehen von solchen äußern Anregungen, besteht der Inhalt der Träume meist aus Wiederbelebung und Verbindung von Erinnerungsbildern, wobei frische Erinnerungen, Dinge, mit denen man sich zurzeit stark beschäftigt, oder an die man in den Stunden vor dem Einschlafen lebhaft erinnert wurde, den Vordergrund einnehmen. Die dramatische Lebendigkeit der Traumbilder, die den Träumer verleitet, sie für Wirklichkeiten zu halten und zu glauben, daß er seinen T. mit offenen Sinnen erlebt, erklärt sich hinlänglich durch die Abwesenheit der Sinnenkontrolle und des wachen Urteils, vor dem im Wachen alle solche innern Bilder verblassen. Das Selbstbewußtsein ist nicht ganz aufgehoben, regt sich vielmehr, namentlich gegen Morgen, oft in Zweifeln und in der Frage: »Träume ich denn?«, worauf in der Regel baldiges Erwachen folgt. Durch die Abwesenheit des wachen Urteils erklärt sich sowohl das Durcheinander der Bilder als das Unsinnige, ja Unmoralische vieler im T. vor sich gehender Handlungen, die Ideen und Bilder folgen einfach dem Gesetz der Ideenassoziation (s. d.), und selbst das Erinnerungsvermögen ist so unsicher, daß verstorbene Personen lebend erscheinen, die Einheit des Ortes nicht beobachtet wird, jedes Zeitmaß verschwindet und sogar die einheitliche Persönlichkeit des Träumers sich in ihren Urteilen und Handlungen oftmals dramatisch in mehrere Personen spaltet. Ein bedeutendes Licht wird in dieser Richtung durch das Studium des Hypnotismus (s. d.) und namentlich durch die Möglichkeit der Suggestion (s. d.) auf den T. geworfen, denn auch hierbei ist das Urteil und Selbstbewußtsein so tief niedergedrückt, daß sich die unsinnigste Idee einflößen läßt und zur Wirklichkeit gestaltet, bis zur Verleugnung der eignen Persönlichkeit. Gleichwohl sind die hypnotischen Suggestionen wie die Traumeindrücke so schwach, daß sie nach dem Erwachen mehr oder weniger vollständig aus dem Gedächtnis verschwunden sind; nur Träume, aus denen man mitten herausgerissen wird, besonders die der morgendlichen Halbschläfer, pflegen eine genauere Erinnerung zurückzulassen. Je tiefer der Schlaf, desto geringer scheint die Erinnerung an die Träume zu sein. Unter bestimmten Körperbedingungen kann aber der Schlaf und das Niederliegen der Urteilskraft von selbst so tief werden wie in der Hypnose, und dann kann der Schläfer umhergehend und handelnd weiterträumen, beim sogen. Schlaf- oder Traumwandeln (s. Somnambulismus). Das Traumleben spielt in der Völkerpsychologie und in den religiösen Vorstellungen eine sehr bedeutende Rolle, und eine Anzahl der namhaftesten Forscher auf diesem Gebiete nimmt an, daß sich die Grundpfeiler der religiösen Lehrgebäude (namentlich der Glaube an übernatürliche, den Schranken der Leiblichkeit, der Zeit und des Raumes entrückte Wesen, sowie an das Fortleben nach dem Tode) vorzugsweise aus den Erfahrungen des Traumlebens entwickelt haben. Das Naturkind nimmt eben das Geträumte für Wirklichkeit; es glaubt im T., von seinen Göttern und Toten besucht zu werden und meint anderseits, daß seine eigne Seele, wenn es von fremden Ortschaften träumt, sich vorübergehend vom Körper gelöst habe und frei umherschwärme. Daher bildete der Tempeltraum noch bei manchen Kulturvölkern einen Bestandteil des anerkannten Kults (vgl. Traumdeutung), und Wahrsagungs- oder prophetische Träume werden bei vielen Naturvölkern künstlich hervorgerufen. Auch neuere Mystiker, wie K. du Prel, sprechen von »Eingebungen«, Lösungen schwieriger Probleme im T. und wollen dem Traumleben sogar einen höhern geistigen Wert beimessen als dem wachen Leben. Allein die erwähnten Lösungen und Eingebungen, die von dem Träumenden angestaunt werden, erweisen sich nach dem Erwachen meist als Unsinn, obwohl es vorkommen kann, daß ein im Kombinieren geübter Kopf auch einmal im T. eine gute Lösung findet, wie eine solche ja auch im Wachen oft ohne unmittelbar vorausgegangenes Grübeln völlig »blitzartig« durch den Kopf schießt. Nach Descartes, Leibniz, Kant gibt es keinen traumlosen Schlaf. Auch neuere Versuche (von Vaschide) scheinen dies zu bestätigen; die Angabe mancher Personen, daß sie nicht träumen, soll auf einer Gedächtnistäuschung beruhen. Vgl. Scherner, Das Leben des Traums (Berl. 1861); Maury, Le sommeil et les rêves (4. Aufl., Par. 1877); Siebeck, Das Traumleben der Seele (Berl. 1877); Spitta, Die Schlaf- und Traumzustände der Seele (2. Aufl., Tübing. 1882); Binz, Über den T. (Bonn 1878); Radestock, Schlaf und T. (Leipz. 1879); Simon, Le monde des rêves (2. Aufl., Par. 1888); Tissié, Les rêves, physiologie et pathologie (2. Aufl., das. 1898); De Sanctis, I sogni (Turin 1899; deutsch von O. Schmidt, Halle 1901); Freud, Über den T. (Wiesbad. 1901); Foucault, Le rêve, études et observations (Par. 1906).
7137 Zeichen · 73 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Traum

    Adelung (1793–1801) · +7 Parallelbelege

    Der Traum , des -s, plur. die Träume, sowohl im Abstracto und ohne Plural, der Zustand verworrener Vorstellungen im Schl…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Traum

    Goethe-Wörterbuch

    Traum [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Traum

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Traum , lat. somnium , nennen wir die Thätigkeit der Seele während des Schlafes. Im Schlafe ruhen die von dem Gehirn und…

  4. modern
    Dialekt
    Traum

    Bayerisches Wörterbuch · +4 Parallelbelege

    Traum Band 4, Spalte 4,215f.

  5. Sprichwörter
    Traum

    Wander (Sprichwörter)

    Traum 1. An Druum as an Drek, diar't liawt as an Gek. ( Amrum. ) – Haupt, 363, 198. 2. Auch im Traum fängt die Spinne Fl…

  6. Spezial
    Traum, und Wirklichkeitm

    Dt.-Russ. phil. Termini · +1 Parallelbeleg

    Traum , m und Wirklichkeit мечта , ж и действительность ж

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit traum

411 Bildungen · 397 Erstglied · 12 Zweitglied · 2 Ableitungen

traum‑ als Erstglied (30 von 397)

Traum I

Idiotikon

Traum I Band 14, Spalte 981 Traum I 14,981

Traum II

Idiotikon

Traum II Band 14, Spalte 989 Traum II 14,989

Traumarsch

SHW

Traum-arsch Band 1, Spalte 1669-1670

Traumjackel

SHW

Traum-jackel Band 1, Spalte 1671-1672

Traumsuse

SHW

Traum-suse Band 1, Spalte 1671-1672

traumähnlich

DWB

traum·aehnlich

traumähnlich , adj. , in anlehnung an traum I F ( s. d. ); stereotyp bei zustand: mein traumähnlicher zustand beim erwachen war jeder genaue…

Traumann

Wander

trau·mann

Traumann Traumann war ein guter Mann, aber Traunicht war klüger. It. : Fidati era un buon uoma. – Non tifidare era meglio. ( Bohn II, 98. )

traumanzeichen

DWB

trauma·n·zeichen

-anzeichen : die ... gründung religiöser bauten ... nach tr. Ritter erdkunde (1822) 11, 319 ;

traumartig

DWB

traum·artig

traumartig , adj. , zuerst bei Göthe : über die traumartige vergänglichkeit irdischer dinge I 7, 46 W.; wie traumähnlich allgemein von seeli…

traumatich

LDWB1

traum·atich

traumatich [trau·mā·tich] adj. (-cs, -ca) ‹med› traumatisch, das Trauma betreffend.

Traumaticīn

Meyers

Traumaticīn , s. Guttapercha , S. 552.

Traumatika

Herder

Traumatika , griech., Wundmittel.

traumatisch

Pfeifer_etym

trauma·tisch

Trauma n. ‘durch Gewalteinwirkung entstandene Verletzung, Wunde’. Griech. trá͞uma (τραῦμα) ‘Verletzung, Verwundung, Wunde, Schaden, Niederla…

Traumatische Neurose

Meyers

traumatisch·e·neurose

Traumatische Neurose ( Verletzungsneurose ), nach Unfällen und Verletzungen (Traumen) auftretende Krankheitssymptome, die sich vorzugsweise …

traumatisieren

RDWB1

traumatisieren травмировать (душу, психику); врезаться в память идиом. ; оставлять / оставить (по себе, после себя) тяжёлое впечатление; про…

Traumatōl

Meyers

trauma·tol

Traumatōl ( Jodokresine ), ein Jodkresol, rotviolettes, geruchloses Pulver, unlöslich in Wasser und Alkohol, wenig löslich in Äther, ungifti…

traumatologich

LDWB1

traumatologich [trau·ma·to·lǭ·gich] adj. (-cs, -ca) traumatologisch ◆ chirurgia traumatologica ‹med› Unfallchirurgie f.; staziun traumatolog…

traumatrikel

DWB

trau·matrikel

traumatrikel , f. : ( er ) läszt ... dir sagen, dasz es wirklich in der traumatrikel der kirche zu Grünberg steht, dasz dein urgroszvater Me…

traumauge

DWB

traum·auge

traumauge , n. , das nach innen schauende auge des träumenden: ( der page ) träumte mit seinem gewissen in den ... bildern, welche vor seine…

traumauslegen

DWB

traum·auslegen

traumauslegen , n. ( vgl. traum I C 2, sowie compos.-typ 5 a), das traumdeuten: als einer, der sich mit wahrsagen und traumauslegen abgebe M…

Traumauslegend

Campe

◬ Traumauslegend , adj . Träume auslegend, deutend. Beid' Eurydamas Söhne, des traumauslegenden Greises. Voß.

traumausleger

DWB

traum·ausleger

traumausleger , m. , sompniator Diefenbach 542 a ; coniector, interpres somniorum Junius (1567) 520 ; Kramer teutsch-it. 2 (1702) 1117 c ; t…

traumauslegung

DWB

traum·auslegung

traumauslegung , f. , traumdeutung Hulsius-Ravellus (1616) 327 : das schöne blatt von der traumauslegung Josephs liegt noch bei mir Göthe IV…

traumbart

DWB

traum·bart

-bart unentschlossener, unaufmerksamer mensch Mensing 1, 876 ;

traumbedeuter

DWB

traumbedeuter , m. , traumdeuter, sompniator ein trombedüter Niger Abbas 76 (14. jh. ), vgl. droombedieder Kilian (1605) 99 . —

traumbedeutung

DWB

traum·bedeutung

traumbedeutung , f. , significatio somnis: dasz niemand ... widersprochen, ... beweist ..., dasz ... glaube an traumbedeutung allgemein war …

traumbefangen

DWB

traum·befangen

traumbefangen , adj. , vgl. compos.-typ 3 c; vom träumenden im zustand des träumens oder seiner nachwirkung im wachen: flüchtige, schattenha…

traumbefangenheit

DWB

traumbefangen·heit

traumbefangenheit , f. : als der schlaf und die traumbefangenheit ganz von ihr abfielen, wars warheit H. Böhlau Isebies 183 ; fehlgriffe, di…

traum als Zweitglied (12 von 12)

Alptraum

RDWB1

Alptraum m (kein Bezug zu "Альпы") ночной кошмар hoffentlich bekommen Sie keine Alpträume - надеюсь, Вам не будут сниться кошмары

Zeitraum

RDWB1

Zeitraum m см. RDWB1 Zeit-

Altwībertraum

Idiotikon

Altwībertraum Band 14, Spalte 984 Altwībertraum 14,984

liebestraum

DWB

liebes·traum

liebestraum , m. : ein wasser geschickt liebesträume zu wecken. Göthe 39, 47 ; ich fühle mich in liebestrank zerflieszen. 12, 140 ; der ewge…

luftraum

DWB

luft·raum

luftraum , m. 1 1) raum im allgemeinen, mit beziehung darauf, dasz ihn die luft erfüllt: sie begab sich sonder gewöhnliche furcht einer weib…

morgentraum

DWB

morgen·traum

morgentraum , m. traum zur morgenzeit: scheuche nicht den morgentraum, der mit duftenden kränzen, der mit windenden epheuranken fesselt den …

nachttraum

DWB

nacht·traum

nachttraum , m. nächtlicher traum: werfe die liebende immer die zeitungen weg, ihr nachttraum bringt ihr doch wahre oder falsche, aber meist…

Schlāfftraum

Idiotikon

Schlāfftraum Band 14, Spalte 984 Schlāfftraum 14,984

Schrättelitraum

Idiotikon

Schrättelitraum Band 14, Spalte 984 Schrättelitraum 14,984

weibertraum

DWB

weib·er·traum

weibertraum , m. noch haltloser als der der männer Schmidt rockenphil. 1, 4 . —

zeitraum

DWB

zeit·raum

-raum , m. , ein durch zwei punkte begrenzter oder ein unbestimmter zeitabschnitt: dahero dieser raum unterschieds halber der z. heiszet und…

Übertraum

Idiotikon

Übertraum Band 14, Spalte 983 Übertraum 14,983

Ableitungen von traum (2 von 2)

enttraumen

DWB

enttraumen , entträumen , somniare, wie entschlafen, entschlummern u. a. m. gebildet, den beginn des schlafes und traumes anzudeuten, ahd. m…

getraum

DWB

getraum , getraume , m. , verstärktes traum ( s. d. ), gehört nur der älteren sprache an: vil und manicherlai getraumen und nächtlich gesich…