tragend ,
adjectiviertes participium, leibesfrucht tragend, getragen werdend. 11)
leibesfrucht tragend vgl. tragen III B 1;
von der frau '
schwanger'
nur bis ins 16.
jh. üblich, vgl. 1trächtig I B 1: wiez einem tragenden wîbe ergie Lamprecht v. Regensburg
tochter v. Syon 2619; Hans von Holle minnete und machte tragend seine leibliche schwägerin
a. d. j. 1380
bei v. Schmid
schwäb. wb. 135;
mulier gravida schwangere oder tragende fraw Calepinus
undec. ling. (1598) 629
b; ein jede mannsperson ... muosz ein lebendigen hanen
tragen, ein weibsbild ein hennen, ein tragende fraw aber muosz ein hanen und hennen tragen S. Franck
weltb. (1534) 148
b;
vom thier dagegen wie 1trächtig
s. o. bis heute gebräuchlich: ich han muodiu wip unde chint, tragentiu schaf unde rint, dei mugen uns niht gevolgen so gahes, so wir wolden
Milst. genesis und exodus 67, 13;
fordicidia wenn man tragende kühe opffert Alberus (1540) 109
a; dieweyl kein gwild sein fröuwlin mer steygt, wenn es tragendt wirt Forer
Geszners thierbuch (1563) 16
b; weil sie (
die pfaffen) ausz ihm, wie ein hauffen schweinlein und fercklein ausz einer tragenden fruchtbaren sau, sein herfür gekrochen und entsprungen Fischart
binenkorb (1588) 45
a; das thier ... gehet vierzig wochen hochbeschlagen, tragend oder tragbar Döbel
neueröffn. jägerprakt. (1754) 1, 4; alle tragenden oder trächtigen thiere sind mit groszer schonung zu behandeln v. Schwerz
prakt. ackerbau 733;
vgl. Kehrein
weidmansspr. 293;
heute auch dialektisch verbreitet: trâget Schöpf
tirol. 749; tragand Bühler
Davos 175; träged Tobler
appenzell. 149
b; träget Hunziker
Aargau. 57; trchad Jakob
Wien. 194
a; troinde K. G. Anton
Oberlausitz. 13, 19; Petters
dtsche mundarten Böhmens 34; tragend Knothe
schles. mundart in Nordböhmen 183;
mit -ig-
suffix: trênich, trojnich, troânich
ebenda; trognich Bluhmer
nordwestböhm. mundart 31
a.
vgl.grosztragend th. 4, 1, 6, 458
und 504; hochtragend
th. 4, 2, 1636. 22)
passivisch (
medial nur hochtragend
s. th. 4, 2, 1636)
getragen werdend, vgl. gramm. 4, 64
ff. selten sinnlich: welches (
schiff) seine tragende leute glücklich in den hafen bringet Butschky
Pathmos 327; tragende förderung: '
diejenige gegenwärtig nur noch ausnahmsweise bei derben edlen erzen vorkommende förderung, bei welcher diese erze von den förderleuten getragen werden' Veith
bergwb. 195;
im nd. dragend good
tragbares, bewegliches gut Berghaus
Sassen 1, 353; Stürenburg
ostfries. 37
a;
vgl. rechtsalterth.4 2, 98;
zu tragen III B 1: ir zeit daz tragend kind zegeberen komen was Arigo
decam. 604
lit. ver.; zu tragen III C 1—3: die stets am halse (
der kuh) tragende kette J. G. Schmidt
rockenphil. (1722) 5.
u. 6.
hundert, 366; in betracht ... des an der seite tragenden degens Schnabel
insel Felsenburg 90
Ullrich; die auf dem leibe tragende kleider
ders. wunderl. fata (1744) 2, 429.
vor allem abgeblaszt in verbindung mit abstracten, im sinne von passivisch verwendetem habend,
s. th. 4, 2, 76,
so usuell vom 16.
bis 18.
jh.; zu III A 2 d
ζ: dieses euer rö
m. kaiserl. majestät alleruntertänigst zu berichten, haben wir aus tragender pflichtschuldigkeit nicht hinterlassen wollen Harsdörffer
secret. 1, 3;
vor allem zu III D
gehörig: neben der tragenden feindschafft gegen die ware religion Kirchhof
wendunmuth 1, 402
lit. ver.; von wegen der tragenden fürsorg und fleisz, dasz niemands schaden empfieng Xylander
Plutarch (1580) 7
b; die copey des abschiedes ... dem keyser als seinem oberherrn aus tragendem respect übersandt v. Chemnitz
schwed. krieg 1, 137; euer tragendes verlangen und wunsch mit meinem fleisz zu erfüllen Schupp
schr. (1663) 402; als zeichen eines sonderbaren, zu ihnen tragenden vertrawens Albertinus
hirnschleiffer (1664) 63; ihre gegen mir tragende gütigkeit Menantes
art höfl. und gal. zu schreiben (1718) 367; meine nach eurer gegengunst tragende sehnsucht Melissus
Salinde (1718) 36;
besonders bei liebe
und treue: dasz er ir ferrner sein tragende lieb zu erkennen gebe
Amadis 320
lit. ver.; von tragender lieb und trew gegen meinem geliebten vatterland Guarinonius
grewel d. verwüst. (1610) 447; zeichen ihrer zu mir tragenden hertzlichen liebe Grimmelshausen 2, 529
Keller; ihre gegen den Zeno tragende liebe Lohenstein
Arminius (1689) 2, 23
b; sein zu dem hochlobichisten ertzhausz tragende trew Brandis
d. tirol. adl. ehrenkräntzel (1678) 156; eure gegen mich tragende treue Ziegler
asiat. Banise (1689) 36; entdeckte meine zu ihr tragende hefftige liebe Schnabel
insel Felsenburg 57
Ullrich; die grösze deiner zu uns tragenden liebe Liscow
sat. und ernsth. schr. (1739) 356;
bes. im sinne von III D 2 b: an Sionatum, für denn er umstendiglich sein tragenden befelch und werbung ableget
M. Brandt
Phönicia (1595) f 1
a; krafft tragender commission heischen und laden wir euch Jesum hiemit ... zuerscheinen Ayrer
histor. processus iuris (1600) 52; eine commission ... nach Breslaw in tragender oberamtsvorwaltung anzuestellen
acta publica 1, 45
Palm; am häufigsten tragendes
amt, noch von Campe
verzeichnet und als fehlerhaft und verwerflich hingestellt wb. d. dtsch. spr. 4, 856
b: worümb ire (
der herren) jagten ... ihrem tragendem ampt zu wider ... sein C. Spangenberg
jagteuffel (1560) j 2
a; denselbten von seinem befehl und tragenden ambt zu entseczen
acta publica 1, 117
Palm; indem endlich der ausdruck regierung die falsche idee eines tragenden amtes begünstiget und voraussetzt K. L. v. Haller
restaur. d. staatswiss. (1816) 1, 465;
meist in präpositionaler fügung und so oft formelhaft: derhalben bitt und erman er sie ausz tragendem ampt und gewalt Achatius
chronica Sleidani (1557) 38
b; ich euch ... vermög meines tragenden ampts ernstlich befehle
grillenvertreiber (1605) 3, 18; 3, 29; krafft tragenden, ausschreibenden und nachgeordneten ambts v. Chemnitz
schwed. krieg (1653) 2, 7; dasz ich hierzu meinem tragenden ampt gemäsz treuen ... rath gegeben v. Lilienberg
gerichtshändel (1655) 72; tragendes ampts halber ... darüber geeiffert Schupp
schr. (1663) 620; wegen tragenden amts, amts wegen
in virtù, in vigore dell'ufficio, ex officio Kramer (1700) 1, 18
a; als ich mich in ansehung meines tragenden notariatamts dazu willig erboten Menantes
neue br. (1723) 643; dieweil wir unserm von gott tragenden amte nach uns schuldig erkennen
corpus const. Brandenb.-Culmb. (1746) 1, 360; vi officii oder kraft seines löblich tragenden amts v. Petrasch
s. lustsp. (1765) 1, 375.