tränke,
f. ,
handlung, ort des tränkens, tränksubstanz. nomen postverbale von tränken (
s. auch trinke).
ahd. trenka,
mhd. trenke;
mnd., mnl. drenke (
nl. durch drenkplaats, -wed
verdrängt)
; as., anfr., afries. nicht belegt; ags. drenc '
ertränkung'
weicht in der bedeutung ab und ist selbständige neubildung. aus dem alem. in die französ.-schweiz. maa. als trẽka,
f., '
nachwein, tresterwein; schlechter wein'
entlehnt Tapolet 175. —
formen. älter alem. finden sich nicht selten formen vom ī(n)-
stamm, z. b. von der trenckin Wickram 4, 241
Bolte; über die trennckin (14.
jh.) Fischer
schwäb. 2, 317; hilba und trenckinan (
nom. plur.) Österreicher
Colum. 1, 33; an den trenckinen Herold-Forer
Geszners thierbuch 43. —
starker plural ist vereinzelt: auch ändert sich die farb der woll, so man sie (
die lämmer) in vilerley tränck und wasser treibet Eppendorff
Plinius 82; für das viech soll man tränck, schwämm, teuch und weier zurüsten Sebiz
feldbau (1580) 18. —
die formen der modernen maa. s. 2 a
α u. 3. 11)
die handlung des tränkens. seit dem 16.
jh. zu belegen, aber nicht häufig. 1@aa) Hannibal legert sich auff eynen bühel, der was von allem vortheyl auszerwelt und geschickt ... doch was er ungelegen zuo der wässerung und trenckin Carbach
Livius 190
a; er furt in zur trenck in die quellen Wickram 8, 51
Bolte; darauff liesz der keiser eine grosze weite schantze auffwerffen, darein auch der grund sampt dem dorffe Keuschberg gefasset ward, das sie die Salah (
Saale) zur trencke an der hand hetten C. Spangenberg
mansfeld. chron. (1572) 116
a; (
die Damascener) verhinderten die unsern an der träncke und provianthierung Bentzius
päbstl. chron. (1604) 279; am 22. maij fand man bey Wien in der juden stadt in einer pfützen, dahin man die rosse zur träncke reitet, einen sack Prätorius
glückstopf 470; wiewol wir einen viel nähern weg mitten durch die heyde gehen können, musten wir doch der träncke halber solchen umbschweiff an den bach nehmen Olearius
persian. reisebeschreib. 237; so sollen in riedern und beim gatterhof, als eingezäunten kälberwaiden, die gätter, wie zumal ieden orts ain trögl zur tränk durch die verordneten angeordnet ... werden
tirol. weisth. 4, 579; so hat man tränkheerde (
s. d.), wo man fast alle waldvögel bei der
[] tränke ... fängt Naumann
naturgesch. d. vögel 1, 137; man muszte zur tränke der lastthiere fast jeden abend brunnen graben Ritter
erdkunde 2, 301; die zeit der tränke ist nachmittags gegen 4 uhr Brehm
thierleben 1, 191
Pechuel-Lösche; ähnlich: tränke
appulsus pecoris ad aquam Zedler 1, 968. 1@bb)
in anderm sinn, zu tränken 5 b
gehörig: erste, zweite tränke beim rauhen des tuchs
first, second etc. water or drench, première, deuxième etc. eau Hoyer - Kreuter 1, 773;
vgl. leimtränke
th. 6, 702. 22)
der ort des tränkens, trinkstelle. 2@aa)
die umfassende anwendung findet auf thiere aller art statt. 2@a@aα)
den hauptanwendungsbereich nimmt ein die tränke
des weideviehs und der hausthiere, worauf die frühen belege durchaus deuten. noch specieller herscht in den meisten ersten belegen die bedeutung '
pferdetränke'
vor (
s. u. 2 b
β in die tränke reiten): (
pferde) an ainem zom oder helsling über die trenckin ziehen (14.
jh.) Fischer
schwäb. 2, 317; wert ein kint myt eineme perde to der drenke ghesant
quelle bei Schiller-Lübben 1, 571
b; wurde des folckes und pherde als vil, das den rad duchte, das not wurde die farporten zu bestellen, umb uffleuffe und zweyunge willen, die sich in der drencke machen mochten (1442)
Frankfurts reichskorresp. 2, 32;
ähnlich in späteren lexikal. belegen: träncke,
da man die pferd pfleget zu träncken Hulsius-Ravellus (1616) 326
b; träncke,
da man die pferde träncket Wiederhold 340
a;
gelegentlich heute noch mundartlich: dränk
pferdetränke Rovenhagen
Aachen 24;
die bedeutungsgrenze gegenüber '
schwemme'
verflieszt dabei in einigen belegen: (
dr. Faust) sagte dem rosztäuscher zuvor, er solte ihn (
das pferd) uber kein träncke reiten. der rosztäuscher wolte sehen, was er doch mit meynete, ritte in eine schwemme, da verschwand das pferd
volksb. v. dr. Faust 85
ndr. Petsch;
vgl. noch: träncke
wasserschwemme acquario, abbeveratoio, luogo dove bevono ei cavalli Hulsius (1618) 249
a; drenke
schwemme Stürenburg 38;
sodann als tränke
des viehs überhaupt: (
nachbarn müssen einander) steg und weg geben zu trenkinen (1538) Friedli
Bärndütsch 3, 242; aber allein trinckt er (
der esel) gern an den trenckinen, deren er gewon Herold-Forer
Geszners thierbuch 43; den belägerten die trencken, brunnen oder ander wasser abzustricken ... seyen H. W. Kirchhof
milit. discipl. 33; nuhn wie ihr wisset, dasz die kuh der trencke nachgehet Paracelsus
opera (1616) 1, 97
H.; sie folgen ihm wie schafe dem widder von der weide zur tränke Göthe I 41, 1, 295
W.; ein tümpelchen ..., das in der sommerzeit eine tränke für das vieh war Fontane I 2, 463;
in solcher bedeutung in fast allen deutschen mundarten belegt, nd. durch trinkeldobbe Doornkaat-Koolman 1, 334, börn Mensing 1, 486
und wätering Dähnert 535
a,
obd. durch hülbe Fischer 3, 186
in seinem raum geschmälert: drenke
tränke, brunnen, grube mit wasser Doornkaat-Koolman 1, 332; dränke
viehtränke Berghaus 1, 357; drenke Bauer-Collitz 23; dränk
wb. d. Elberfelder ma. 41; Hönig
Köln. 36; drenk, drëng Crecelius
oberhess. 299; drenk Lambert
pennsylv.-germ. dial. 44; dränk
lux. wb. 68; tränkì Hunziker
Aargau. 58; treichi Bühler
Davos 1, 166.
auf den menschen nur dort angewandt, wo er dem vieh gleichgestellt wird: corrivales die ausz einer trencke, oder ausz einem bach oder flusz trinckend Frisius 338
b; die endlosen züge der gefangenen, die wie das vieh einmal am tage zur tränke geführt wurden Mommsen
röm. gesch. (1894) 5, 431;
als '
ort des zechens': wenn sie (
das weib) von der trencke heim thut lenden geht sie gwoncklich heim an den wenden Hans Sachs 21, 189
G.; abgeschwächter lusernisch: də manən gian ka trek '
ins wirtshaus' Bacher 407;
zu den beiden letzten stellen vgl. jedoch tränken 2
und tränker 2 a. 2@a@bβ)
eine naturgemäsz ärmere anwendung findet im spracheben die tränke
der wilden thiere und vögel: [] das gwild das sprang daher, sam wer es zam und allererst von der trenckin kam Wickram 4, 241
Bolte; (
wir) wusten zwar nicht, ob sie (
eine herde skorpione) unser getümmel erhöret und darumb auff uns zu lieffen, oder ob sie ihre gewöhnliche trencke in dem see hatten Gabr. Rollenhagen
indian. reysen 14; die wilden tauben ... werden ... bey der träncke und groszen flieszwassern gefangen Aitinger
jagdbüchlein 105; das malachitbecken schien die tränke der vögel zu sein Liliencron 6, 88. 2@a@gγ)
eine reihe von belegen deutet auf '
künstlich hergestellte trinkstelle': so söllen gebuwen werden witt zisternen den menschen und dem vich hilba und trenckinan H. Österreicher
Columella 1, 33; und eilet und gosz den krug aus in die trencke (
in canalibus vulg.) und lieff aber zum brun zu schepffen
1. Mos. 24, 20; und füllend die trencke, die schaaff ... zetrencken
Zürch. bibel (1531) 1, 27
b; wie man für die menschen hat bronnen und cisternen erdacht ... also für das viech soll man tränck, schwämm, teuch und weier zurüsten Sebiz
feldbau (1580) 18; in der grösten hitz, wo grosze, trockene, dürre wälder sind und wenig wasser darinnen, kan man dem geflügel eine träncke graben Hohberg
georg. cur. 1, 129;
sodann direct '
trog': tränke
der trog, aus dem das vieh getränkt wird Chr. Fr. Schrader 2, 1374; drenk, drëng
trog oder bachstelle Crecelius
oberhess. 299. 2@bb)
gebräuchlichere verbale fügungen. 2@b@aα)
mit gehen verbunden: (
die eselin) trincket auch nit, dann usz den gewonlichen brunnen bey den vihe ställen, also das sie truckens fussz zu der trencke geen Eppendorff
Plinius 78; da sol das viech zu der trenk gen
niederöst. weisth. 1, 538; das zur tränke gehende vieh A. v. Humboldt
kosmos 3, 211;
vgl. das sprichwort: der krug geht so lang zur tränk, bis er bricht hals oder henk Schmitz
Eifler volk 1, 184.
mit kommen: vacce corrivant kummen zur trenck Alberus u 2
b; und sol die geysz gemolcken werden, eh sie zur trencke komme Herold-Forer
Geszners thierbuch 60; (
kameele) können bisz auff den vierdten tag ungetruncken seyn, und, wenn sie zur trencke kommen, trincken sie für den gegenwertigen und zukünfftigen durst Heyden
Plinius (1584) 113; kein hirsch kam zur tränke Gotthelf
ges. schr. 16, 121; taubenzüge kamen ... zur tränke Ratzel
völkerkunde 2, 14.
seltenere fügungen: der drach ... nimpt ... acht, wohin sich der helffant zur trencken begebe Heyden
Plinius 102; wenn der rhinocer zum bache trincken kompt, und andere thiere sich auch zur tränke finden, sie sollen aus respect gegen ihm warten, bisz er erst getruncken hat J. Andersen
orient. reisebeschr. (1669) 14
Olearius; die thiere der erde regten sich; nun fuhren alle der tränke zu maler Müller 1, 83; als ich ... einst mit meinem jagdbogen im waldversteck lag, wo das wild zur tränke läuft Freytag
ges. w. 9, 85. 2@b@bβ)
mit führen: trugern (
trüger), eur ieglicher enbint er nit seinen ochsen oder seinen esel an dem samstag von der krippen und furt in zu der trenke?
cod. Teplensis 49
Huttler (
vgl. ahd.: inti leitet inan zi trenku?
Tatian 103, 4); wöllet fleiszig auffmercken und sehen, wen die unvernünfftigen thörechten thire zur trenck gefrt, ihren durst gelescht haben Ambach
zusauffen u. trunckenheit e
b; wo du si an ein ungewonte trencke fürest ... must du sie nötigen Herold-Forer
Geszners thierbuch 43; rasch zur tränke führt die pferde! A. Grün (1877) 5, 132;
sprichwörtlich: junge gänsz wollen die alten zur tränck führen Lehman
floril. polit. 1, 444;
vgl. schweizerisch: '
einen des verweisens bedürftigen füehrt
man zur träihi' Friedli
Bärndütsch 6, 242.
mit treiben: daz vihe man ze trenche treip
Milstätter genesis 42, 10
Diemer; (
der hirt) verwaret dich (
das schaf) durch seine hund, trieb dich ind trenck zu rechter stund H. Sachs 9, 211
lit. ver.; [] (
die gerechtigkeit) auff eines andern grund ... das vieh zur trenck zu treiben
statutenbuch (1572) 113
a; der elephant ward zur tränke getrieben
M. Claudius
Asmus 3, 141.
mit reiten: reit mir in die trenck mein rosz H. Sachs 20, 98
Götze; equum aquare das ros in die trenck reitten Golius
onomast. (1585) 306; als nun ... (
des freiherrn) knechte die pferde zur träncke ritten, da verschwunden die pferde alle
volksbuch v. dr. Faust 107
ndr. Petsch; dann schlich er sich wieder in den stall, besah die pferde, und ritt sie an die tränke Miller
Siegwart (1777) 1, 7;
bildlich: noch einmal will ich den gaul Pegasus zäumen und, um 'nen dritten theil zusammen zu reimen, reiten in die tränke Hippokrene hinein Kortum
Jobsiade 3, 1;
mit erotischer beziehung: darumb seint alt leut argwenig, wan sie haben vil erfaren und was sie andern gethon haben, das truwen sie andern leuten, sie ... haben ir rosz auch in die trencke geritten, sie wissen, wie die jungen frawen anfechtung leiden, die alte männer haben Keisersberg
narrenschiff (1520) 72
d. 2@b@gγ)
mit ellipse des objects (
s.tränken 1 a
γ),
schon früh bezeugt: von dem kouffhus bisz hinüber über die strasz, als man in die träncken rytet Tschudi
chron. helv. 2, 87; auch so ridden die reyssener die gassen uff unde abe in die trencke Wigand Gerstenberg
chron. 399
Diem.; aquare in die trencke reiten A. Sieber
gemma 117;
bildlich (
vgl. 2 a
α): wann sie (
die groszen herren) nachts zu spat beim schlafftrunck gesessen und zu tieff in die drencke geritten seind Bock
kreutterbuch (1587) 448
a. bis in die hülb oder threnk zu treiben und daselben ir väch trenkhen (1536)
bei Fischer
schwäb. 2, 317;
ago potum ich treib zur trenck Alberus u 2
b;
appellere ad aquam animalia zuo der trencke treyben Frisius 106
a. gar manche (
edelleute) hab ich zur tränke führen, vor der schmiede halten sehen Göthe I 33, 10
W. auch hier mit reconstruiertem präpos. object wie bei tränken 1 a
γ: do ritten der herren knecht und knapen in die trenke mit den pferden E. Windecke
denkwürdigk. 468; darzue haben die nachpern ... die recht zu farn mit irem vieh zu der trenk
österr. weisth. 3, 63. 2@b@dδ)
auszer den gewöhnlich mit tränke
verbundenen präpositionen an, in, zu
ist bemerkenswert eine wenigstens lexikalisch bis ins 18.
jh. bezeugte verbindung mit über: wann ich mein esel über die trenck füre oder treibe Frey
gartengesellschaft 51, 10
B.; die biene fliegt über die tränke
aquatum volant apes Overbeck
gloss. melitt. 83.
vgl. noch die unter 2 a
α angeführten belege. 33) '
trinkflüssigkeit',
die das vieh zu sich nimmt. schon mhd.: alsô tet er in dem marstal aller êren genuoc, der diu erde ie getruoc von korn und von höuwe und von weicher ströuwe, ouch von lûter süezer trenke Heinrich v.
d. Türlin
crone 28803
Scholl; dann seit dem 17.
jh.: die ... Pegnitz ... mit ubergieszung der auen ihren schafen ... gesunde tränke zuflöszet S. v. Birken
forts. d. Pegnitzschäferey 80; und leichter findet nahrung man dem heer, den rossen tränke Fouqué
altsächs. bildersaal 1, 130; es ist erfahrungssatz, dasz ... bereiftes gras, sehr kalte tränke u.
s. w. verwerfen (abortus) hervorrufen v. Schwerz
prakt. ackerbau 773; dann schöpfte sie aus einem trog tränke in einen sechter und trug sie hinaus in den schweinestall Rosegger
laszt uns v. liebe reden 16; die ... dem vieh zugehaltene 'dränki', die den durst löscht Friedli
Bärndütsch 6, 397. —
wie 1trank I B 3
nimmt dann auch dieses concretisierte tränke
die bedeutung '
flüssiges viehfutter'
und dann '
viehfutter'
überhaupt, insbesonders '
saufutter'
an; seit dem 16.
jh.: sölichs (
erkrankung) begägnet inen (
den schweinen), so man inen ire trencke zu warm fürschütt Herold-Forer
Geszners thierb. 145;
[] häufig im 19.
jh., zumal bei alem. schriftstellern: der mann ... wirft der frau die suppe samt dem teller vor die füsze. 'da frisz die tränke selber' J. P. Hebel 323
Behaghel; 'ich mache eine tränke für die kälberkuh', antwortete Barfüszele, mehl und kleie einrührend Auerbach (1864) 9, 151;
vgl.tränke
trogfutter Jacobsson 4, 423;
in den alem. mundarten reich bezeugt: tranki
schweinefutter Seiler
Basler ma. 83; säuträihi, säudränki
sautrank, -futter, spülicht Friedli
Bärndütsch 1, 291; 6, 397; tränke
schweinetrank, -futter Staub-Tobler 5, 671; trakə, traki, trak
futter fürs vieh, schlampe, gekochte küchenabfälle, insbes. schweinefutter Martin-Lienhart 2, 760;
vereinzelt auch auszer dem alem.: tränke
flüssiges futter für das rindvieh, sowohl für mastochsen als auch für kälber, welche erst von der mutter entwöhnt sind und aufgebunden werden sollen Spiesz
henneberg. 257.
anders, in beziehung zu tränken 5 b
in verschiedenen gewerken eine flüssigkeit, gegenstände damit zu tränken: leimtränke
s. th. 6, 702; talgtränke
zum tränken von leder Heyne
dtsch. wb. 3, 1014. 44)
eine abseitige bedeutung als '
wasserflut',
im zusammenhang mit tränken 3,
ergibt der folgende nordfries. beleg: anno 1436 do ginck de grote mandrenke ... ock was de storm so groth, dat he vell minschen in de drenke weiede
quelle bei Schiller-Lübben 1, 571;
wohl erneuert: die deiche brächen, und wir alle erlebten eine neue grosze mannes-tränke Willkomm
bann und zauber 2, 131.
vgl. dazu mnl. te drenke verwijzen
besluiten om grond of land onder water te zetten Oudemans
bijdrage 2, 143.