tönen,
verb. ,
mhd. dœnen (
mhd. wb. 1, 382
b; Lexer 1, 447)
wurde als schwaches zeitwort zunächst zu mhd. dôn '
melodie. lied' (
vgl. 1ton)
gebildet und in der bedeutung '
spielen, singen'
verwendet. allmählich erweiterte sich jedoch der kreis der beziehungen auf alle dem subst. entsprechenden verbalen gebrauchsweisen. auch die formen sind ganz analog denen des subst.: neben den umgelauteten begegnen seit dem späteren mittelalter bis in die erste hälfte des 18.
jhs. umlautlose; ebenso wird schon im späteren mhd. das anlautende d
gelegentlich durch th
und t
vertreten, th
ist im frühnhd. vorherrschend. etwa seit der mitte des 18.
jhs. ist tönen
die regelmäszige norm, doch wird die umlautlose form noch für die Schweiz verzeichnet bei Stalder 1, 289. 11) tönen
bezieht sich auf die möglichen schallwirkungen überhaupt, besonders auszer, aber auch in der musik. 1@aa)
die dinge und körper im raum, raum und welt tönen. 1@a@aα)
die metalle tönen: anders tönt das geschlagene metall Herder 22, 63; voll tönenden metalls 11, 171; seiner herte halb tönet es (
das silber) wan man es wirfft oder schleht Münster
cosm. ix; es (
das gold) schimmert und tönt ganz artig Laroche
Sternheim 227; ein donend ertz oder eine klingende schelle
1 Cor. 13, 1; du bist ein eitel tönend erz
Mildh. liederb. 12
Becker; den fürchterlichen gott der schlachten, der, in tönendes erzt eingekleidet, sich um den Simois zahllos verbreitet Schiller 6, 190. 1@a@bβ)
die waffen tönen,
der mensch in seiner waffenrüstung tönt: an den stiefeln tönten die sporen Stifter 3, 134; in tönender rüstung Schubart 6, 224; von waffen tönende schaaren J. J. Dusch 289; eh die sonne sinkt, werden schilde spalten ... und schwerter treffen, dasz die helme tönen Herder 5, 180; getroffen tönten helm und schilde Göthe 10, 139
Weim.; tönend stürzt' er dahin, und schlug mit der stirne den boden Voss
Odyssee 22, 94; 1@a@gγ)
andre dinge tönen: tönender käs (
beim aufschlagen mit den fingerknöcheln) Martiny
milchw. 118; leere fässer tönen laut volle fässer tönen nicht Kirchhofer
schweiz. sprüchw. 257; wo im trüben erlenteiche dürres rohr im winde tönt Matthisson 1, 27; die donnernde wage tönet fort und wägt! Klopstock
oden 1, 150; es rollt ein tönender wagen Fouqué
bildersaal 1, 80; also schlummerte dort der herliche dulder Odysseus unter der tönenden hall', im schöngebildeten bette Voss
Odyssee 7, 395. 1@a@dδ)
erde, luft, wasser tönen: der tönende sand Ritter
erdkunde 2, 204; (
die untere schicht) eines backsteinharten tönenden lehmlagers 6, 1113; es wurde kalt, das eis tönt Storm 2, 106; es thOenet in derselben grentz der hohe berg mit starckem prausn Spreng
Äneis 45; dasz berge tönen, widerhalln abgründe Tieck 1, 218; tönt in meinen lobgesang, wellen, felsen und gestade! Ramler
lyr. ged. 287; eine wimmelnde tönende stadt Klopstock
oden 2, 95; es war mir, als hörte ich das land umher tönen Jung-Stilling 4, 676; jetzo tönen die gärten — die luft summt Jean Paul 7-10, 356; am morgen, im tönenden lenz um ihn und in ihm 1, 355; das brausen und tönen der wasser Tieck 4, 8; das wasser fängt an zu rauschen, zu schwellen, zu tönen Allmers
marschenbuch 1, 2, 330; eine kleine quelle kam aus einem hügel, sie tönte wie lauter glocken Novalis 4, 162; in demselben lande, wo die Ilme rauschend thont Neumark
palmbaum 348; die wogen töneten Herder 12, 72; und mädchen wandelten mit krügen zum brunnen, welcher tönend quillt Geibel 1, 137. 1@a@eε)
die welt, die gestirne tönen: diese farbenglühende, tönende welt du Bois-Reymond
grenzen der naturerk. 10; die pole klingen, sonnen tönen; alles ein chor, ein gesang der welten Herder 27, 45; laszt, himmel, tönen eure morgensterne Rückert 1, 39; am himmel kreisen tönend goldne sterne Geibel
nachlasz 29. 1@a@zζ) die ohren tönen: wider das thönen der ohren sol mans einem mit magkolbensafft eintreiffen Heyden
Plinius (1584) 147;
tinniunt aures .. klingend, tönend Frisius 145. 1@bb)
dem intransitiven gebrauch entspricht von etwas tönen: die brücke, die von wagen und menschen tönt Hölderlin 1, 202; doch plötzlich tönt die gruft von schrecklichem gebrülle Zachariae 1, 65; oft tönete die flur von ihrer sicheln klang Gotter 1, 135; hörst du nicht das feld des Mavors laut von freudenstimmen tönen? Mastalier
ged. 25; die luft tönte von sturmeshauch und meeresrauschen Storm 10, 81; im januar schon tönt die ganze luft von vögelgesang Geibel
bei Litzmann, Hölderlin 49; ganz Warschau tönt jahr aus jahr ein von concerten und hausmusik wieder Schubart
ästhetik der tonkunst 249. 1@cc)
bes. in gehobener sprache transitiv etwas tönen: sie tönen, die lanzen, tönen nun die todestöne im thale der ernsten schlacht! Klopstock
Hermanns schlacht sc. 4; und aller sterne harmonien verstummen. jeder stern erklang zum lobe gottes: sie entfliehen, und tönen keinen lobgesang Cramer
nord. aufseher 1, 134; o so tönen dieses tempels hallen: 'eine veste burg ist unser gott!' Schubart
leben 2, 105; Wellington, die wellen tönen wogend dich um Albion Brentano 2, 364. 1@dd)
die schallwirkung selbst tönt. 1@d@aα)
ein geräusch, ein schall tönt: eines nachts wache ich von einem sonderbaren geräusch auf, welches aus meiner bibliothek tönt Immermann 1, 100; in den straszenlärm hinein tönte überall schallendes geräusch Seidel
Leberecht Hühnchen 21; tönender goldklang auf die laute der natur Schiller 1, 151; griff der könig zum speer, schlug zum schilde tönenden schall Herder 25, 425; angenehmer wiederhall, töne, wirble deinen schall!
theater der Deutschen 12, 450; noch tönt des echo's hall Pocci
komödienbüchlein 6, 84. 1@d@bβ)
der schlag, fall, tritt tönt: von hohlen bretern tönt des hammers schlag Göthe 16, 133
Weim.; da thönet schlag auf schlag, da hört man knall auf knall König
ged. 156; das tönende herabfallen kleiner kugeln Humboldt
kosmos 2, 452; wenn selbst die fusztritte des wanderers tönen Göthe 40, 265
Weim.; das biegen seines fuszes tönte wie donner unter ihm Büchner
nachgel. schriften 203. 1@d@gγ)
das plätschern des wassers, brausen des windes, rollen des donners tönt: von dem springbrunnen her tönte unausgesetzt das angenehme plätschern des wassers Chr. v. Schmid 2, 60; ein leiser wind tönte nur oben in den alten wipfeln Novalis 4, 92; und sieben donner gottes tönen durch die bestürzten himmel hin Cramer
nord. aufseher 1, 135; es blitzen überall die eisernen ballonen, der wolken donnerstimm beginnt im feld zu thonen Birken
fortsetzung der Pegnitz-schäferey 8. 1@d@dδ)
unpersönlich es tönt: es tonet
donnert Stalder 1, 289; horich, wü dis awer tont wë
nn m
er in dis fass nin grüeft! Martin-Lienhart 688; nur unten schien es, als würden thore zugeschlagen, und als tönte es von davonjagenden hufen Stifter 2, 112; immer tönt's, wie flug der eulen, mir um sein unschuldig haupt Müllner
dram. werke 1, 60. 22) tönen
von musikinstrumenten. 2@aa)
die musikinstrumente tönen. 2@a@aα)
die glocke und schlaginstrumente: wie die glock oder daz seytenspil dOenet Keisersberg
bilgerschaft 8
c; ein glock die thonet nach dem sie gt ist
brösamlin 2, 37
b; die glocke, glocke tönt nicht mehr Göthe 1, 204
Weim.; Dante sasz in seiner kammer ..., hörte fern die glocken tönen Uhland
ged. 1, 211; mit dem letzten schlage zwölf einer aus der ferne dumpf tönenden turmuhr E. Th. A. Hoffmann 6, 110; sein herz ist leer wie eine tönende schelle (=
1 Cor. 13, 1 klingende schelle) Arndt
an s. l. Deutschen 1, 280; trommeln tönen von allen enden Schiller 3, 137; wie denn ... nur die lärmtrommel zu tönen und die glocken zu stürmen brauchten Alexis
Roland 1, 264. 2@a@bβ)
die blasinstrumente: wenn es (
das horn) aber lange dohnen wird
2 Mos 19, 13; höret, wie ihre hörner tönen Schiller 2, 107. das waldhorn tönt, das windspiel bellt Gottsched
ged. 1, 41; im tiefen walde mein horn liesz ich da hallend tönen R. Wagner 6, 88; flöte wird für diese tönen Göthe 3, 123
Weim.; wenn eine flöte tönt von fern Uhland
ged. 1, 29. 2@a@gγ)
die orgel, das klavier: das tönen der orgel Rädlein 1, 875; das zerschlagene klavier tönet nicht mehr Schiller 2, 183. 2@a@dδ)
die saiteninstrumente: die violine ... tönt nur, so lange die saite gerieben wird Hegel 7, 1, 210; lasz für Nathos deine harfe tönen B. v. Arnim
Günderode 1, 123 der alte rührt die tönende zitter A. Grün 4, 198; kann diesz nicht sein, so lasz zuletzt nur Günthers leyer wieder tönen Gottsched
ged. 1, 185.
die saiten an sich: die seyten schlahen das sy tOenind oder kyndind Maaler 403; dô im der seiten dœnen sô süeʒlîch erclanc
Nib. 1772
Lachmann; tönet, eh der tag sich neiget, durch den hohen fürstensaal, frische saiten! Denis
Sined 133; zärtliche lieder aus siebenfach tönenden saiten zu ziehn Ramler
lyr. ged. 88; zerreiszt das tönende saitenspiel und ergreift die pfeifende klinge! Strachwitz
ged. 28.
bildlich: ach! die natur hat mir die saite des schmerzens allzugut in der seele aufgezogen, als dasz ich eine solche saite, wenn sie an einem andern geschöpfe gerührt wird, nicht sollte sogleich an meiner eigenen zittern und tönen hören Abbt 1, 151; sie ist Mignon, ach ich fürchte sie wird nicht leben, diese zarten saiten haben so früh getönt Caroline 2, 84; eine saite meines herzens, von keinem finger noch berührt, tönte da zuerst Schubart
leben 1, 16; da ist keine saite meines wesens, die mit dem ihrigen zusammen tönte Görres
briefe 1, 6. 2@bb)
intransitiv von, in einem ton tönen, eines tones tönen: es tönt an meinem munde ein silbernes horn von süszem schall Geibel 1, 6; es tönt in lieblichem ton das elfenbeinerne horn Wieland
Oberon 1, 2; tön' andres tones, saite! Klopstock
oden 270. 2@cc)
transitiv etwas tönen: die kirchenglocken tönten wieder friedfertige töne Stifter 5, 1, 37; von dem dome schwer und bang tönt die glocke grabgesang Schiller 11, 313; und die kartaune tOehnt den groben leichenklang
geharnschte Venus 8; töne, frohe leyer, töne lust und wein! töne, sanfte leyer, töne liebe drein! Lessing 1, 61; höre den rath, den die leier tönt; ... 'was tönt denn die leier?' sie tönet laut: die schönste das ist nicht die beste braut Göthe 6, 67
Weim. die wirkung wird hervorgehoben: die abendglocke tönt den tag zur ruh Seume
ged. 4. 2@dd)
die klangwirkung selbst tönt. 2@d@aα)
der klang eines instruments, der schlag der glocke, die stunde tönt: aus dem städtchen heraus tönte mild ein feierlicher glockenklang Holtei
erz. schr. 14, 172; im Georgenturme tönte eben der letzte von vier glockenschlägen O. Ludwig 1, 158; dazwischen tönte hie und da einmal der ferne stundenschlag vom kirchturme der stadt 2, 184; sie tönet, o meister, sie tönet die frohste der stunden! Gotter 3 556; vom thore her tönte dumpfer trommelschlag Freytag 11, 189; dazwischen tönt auch der lebhafte schall wirksamster blasinstrumente Göthe 25, 3
Weim.; ein flötenhall, der in der luft verzittert, wenn er getönt zwei selige sekunden Geibel
nachlasz 24; es tohnt das trarara der lermenden trompeten Schottelius
haubtsprache 63. 2@d@bβ)
unpersönlich es tönt: vom fernen thurm tönt's mitternacht Fontane
ged. 30;
auch der subst. infinitiv: süszes tönen entlockt er der flöte Schiller 14, 48. 33) tönen
vom menschen bei spiel und gesang. 3@aa)
der mensch tönt (
spielt, singt): dô begunde er suoʒe dœnen und harphen sô ze prîse Gottfried
Tristan 3586; in dem munster wît, ... dâ wart gelesen und gedônt Ottokar
reimchr. 69140
Seemüller; der gleich wie auch thn die Sirenen im wilden mer so seslich thOenen H. Sachs
fabeln u. schwänke 208, 75
Götze; doch von dem claviere tönt ganz ein andrer himmel (
der musiker Fr. H. Himmel); Göthe 2, 158
Weim.; nordwärts der Alpen tönen die völker nicht zur guitarre Herder 24, 263; bald wirst du ... dich wieder muthig auf die gipfel der tannen setzen, und in den wald tönen Bräker 2, 157.
ebenso die singvögel: losâ wie die vogele alle dœnent, wie sî den meien mit ir sange krœnent! Neidhart 27
Haupt; der vogele dœnen geb der schœnen wunneklîchen gruoʒ
minnes 2, 266
b Hagen; also tönt ein schwan im sterben Brentano 3, 181; die nachtigallen hüpften tönend zwischen den silberzweigen Jean Paul 15-18, 569. 3@bb)
instrument und singstimme sind mittel der tongebung die zunge, die stimme tönt: ich wæne Orphêes zunge, diu alle dœne kunde, diu dœnete ûʒ ir munde Gottfried
Tristan 4789; in allen wimmelnden städten fügt, versammelte menschen, zur tieten donnernden orgel die weit tönende stimm' Giseke 23. 3@b@aα)
mit dem instrument, mit der stimme tönen: was ruft ihr Hermanns namen so und tönet mit den waffen? Kretschmann 1, 174; wie Diodymene, hoch aus dem heiligthum, allgegenwärtig niederrauschet und mit gewaltiger cymbel tönet Klopstock
oden 1, 24; und so du dOenst mit den hörnern
erste bibel 4 Mos. 10, 3
Kurrelmeyer; er ... thönete mit der trompete A. U. v. Braunschweig
Octavia 1, 947; o dafür werden alle schönen dein lied mit süszer stimme tönen J. A. Ebert
episteln 149. 3@b@bβ) in das instrument, das instrument, die stimme tönen: töne, schwager, in's horn Göthe 2, 66
Weim.; auf, schwager, ins horn getönet! Voss
ged. 5, 246; und wenn man das halljahrs horn bleset und denet
Josua 6, 5; eine jungfraw, die eine schöne stimme hat ..., sie zierlich zwingen, ziehen, thönen und abwechseln kan Moscherosch
insomnis cura parentum 65
neudr. 3@cc)
gegenstand der tongebung ist die musik, deren gefühls- und gedankeninhalt. 3@c@aα)
einen schall, eine melodie, ein lied, ein musikstück tönen: ûf dem rîse dœnent wol ze prîse vogellîn ir schal Konrad v. Landegg
minnes. 1, 356
a Hagen töne, töne, nachtigall! meiner klagen wiederhall neuer freuden Göthe 11, 292
Weim.; nu tretet ûf den anger, unde dœnet mit den vogelîn iuwern niuwen süeʒen sank Wizlaw
minnes. 3, 83
a Hagen; inmittelst wil ich thönen die weise melodey, dasz auch das grab der schönen nicht ohne freude sey Treuer
deutscher Dädalus 1, 170; die heilge lippe tönt ein wildes lied Göthe 10, 80
Weim.; von lieben kindern ist der raum erfüllet, die mit den harfenzungen hymnen tönen Tieck 2, 86; auch sang und tönte sie (
die psalmen Davids) das volk unter einer musik, von deren art und würkung wir würklich keinen begriff haben Herder 8, 352; (
sonette, die) zur alten leier ... getönt wurden Voss
krit. blätter 1, 506.
auch im sinne von componieren die worte tönen: dise wort Minuzo in sein geigen tönet in masz als dann soliche materi begern was Arigo
decamerone 622
Keller; es sein noch nit drey tag das die wort in den tone getönet warden
ebenda. 3@c@bβ)
einen gefühls- und gedankeninhalt tönen: mînen kumber ich ir dœne, swar ich landes var Heinr. v. Stretlingen
minnes. 1, 111
a Hagen; und freude tönte dir das lerchenfeld Tiedge 2, 170; das wir ewig gottes lob thönen H. Sachs 22, 168
Keller-Götze; (
der gesendete) tönte des weltgerichts entsetzen aus der posaune Klopstock
Messias 5, 334. 3@c@gγ)
von etwas tönen: doch wenn die leier an du klingst und tönst von gram und lust, dann bist du selber, was du singst, das lied ist deine brust Grillparzer 2, 101. 3@c@dδ)
die wirkung wird hervorgehoben: thauige blumen der au und vögelchen tönst du in schlummer Voss 2, 197; wen soll ich zur ew'gen ruhe tönen? Immermann 11, 244. 3@dd)
die musik selbst tönt. 3@d@aα)
ein musikalischer klang, eine melodie, ein lied, ein musikstück tönt: weh euch ihr stolzen hallen! nie töne süszer klang durch eure räume wieder, nie saite noch gesang Uhland
ged. 1, 308; wenn der lerche wirbel tönt
Z. Werner
ged. 61; seines liedes klang nicht mehr durch traute dämmerstunde tönend! Holtei
erz. schr. 2, 248; tonica, terz und octave tönen schon für sich allein ... befriedigend Vischer
ästhetik 3, 886; aus den telegraphenstangen ... tönten summende akkorde Hauptmann
Thiel 26; die süsze sanfte melodie ..., die emphatisch und voll wie die sehnsucht zweyer unschuldvollen, gleichliebenden herzen tönet maler Müller 1, 325; lerchengesang, nicht nachtigallenweise tön' aus deiner kehle mir! Blumauer
ged. 12; schon tönten seine psalmen heiser Pfeffel
poet. vers. 2, 155; ein munterer marsch tönte von weitem Göthe 24, 163
Weim.; aus einem groszen, hellerleuchteten hause tönte muntere ... tanzmusik Pückler
briefw. u. tageb. 2, 326; ebenso tönten die lieder der teutschen barden Kretschmann 1, 10; wem tönt diesz kühnre lied? Lessing 1, 146; und neue lieder tönen darauf! Göthe 14, 19
Weim.; sangen's und die lobgesänge tönten fort im Gotenheere Platen 1, 6. 3@d@bβ)
unpersönlich es tönt: es tönt so wunder süsse, wenn sie ihre stimm' erschwingt Grob
dicht. vers. 59;
auch der subst. inf.: also wirkt ein künstlich tönen, dass sichs blut bald reg't, bald leg't Brockes
ird. vergn. 2, 316. 3@d@gγ) von etwas tönen: die frohen schläge, die sie thut erschallen in die nahen wälder, und tönen nur von lust und muth Hagedorn 3, 26. 3@d@dδ) etwas tönen: eine traurige musik tönt einige laute Göthe 11, 120
Weim.; jetzt müssen wir uns mit einer einzigen sammlung solcher lieder begnügen, die rosenduft athmen und turteltaubengesang tönen Herder 11, 272; Orpheus spiel tönt die gewohnten lieder Schiller 6, 25; tön', o heldengesang, die waffenthaten des kaisers Pyrker
Tunisias 1, 1. 44) tönen
bezieht sich auf die sprachliche lautgebung, auf deren gegenständlichen inhalt und ihren gefühls- und gedankenausdruck. 4@aa)
die sprachliche lautgebung wird vielfach als tönen
aufgefaszt. 4@a@aα)
von der unarticulierten lautgebung des menschen, die auch mit der des thieres verglichen wird: luen oder schreyen oder prullen als die ochssen
boare, mugire, reboare, resonare donen
voc. theut. (1482)
t III a; thOenen mit eyner knellenden und gebrochnen stimm
clangere ... von zwang thönen
gemere Dasypodius R VII
b; dadurch unterscheide sich der mensch von dem thiere, dasz der mensch spreche, das thier nur töne Arndt
an s. l. Deutschen 1, 382; was soll für seinen (
des menschen) würkungskreis ... die sprache des redendsten, am vielfachsten tönenden thiers? Herder 5, 25; so wenig sind nachrichten aus dieser zeit der sprache möglich, da man noch nicht sprach, sondern tönete 1, 153. 4@a@bβ)
vom unarticulierten freudengeschrei in der bibelsprache: jederman in Juda dOenet (
omnesque viri Juda vociferati sunt)
2 chron. 13, 15; vil aber dOeneten mit freuden, das das geschrey hoch erschal (
multi vociferantes in laetitia elevabant vocem)
Esra 3, 12; er wird jauchtzen und dOenen (
vociferabitur et clamabit)
Jesaia 42, 13.
darnach: da alles thönt und jauchzend ist Stoppe
Parnasz 432. 4@a@gγ)
in verächtlichem sinn vom gedankenlosen '
schwatzen': also meinen sie auch, sie wollen ein wenig disputiren treiben und die leute mit plaudern und dönen ein treiben Luther 30, 3, 549
Weim. so noch in der mundart: tönen
langweilig reden, andern dadurch langweile, überdrusz verursachen Stalder 1, 289; dei dönt dâ wat her
der schwatzt da was her Schambach 42. und das übrige tönten sie in einer steifen, strotzenden feyerlichkeit daher, die in jeder sylbe den komödianten verrieth Lessing 9, 248; der ganze schwarm tönender worthelden, überspannter enthusiasten und bilderkrämer Herder 20, 368. 4@a@dδ)
im sinne von sprechen, bes. von der feierlichen pathetischen rede: aus Schwaben du hast mir nicht gedehnt (gedOehnt)
geantwortet Fulda
idiotikensamml. 549; nochdem als wir leüt seind, nochdem thönen wir Keisersberg
postill 3, 40; 'sind bräute hier — eins — zwey' tönte sie jetzt langsam, wie mit einer geisterstimme Hegner 2, 215; wil mich an dir nitt gar verhönen sust wett ich dich wol leeren tönen
schweiz. schauspiele 3, 125
Bächtold; schön tönt vor meinem ohr der frst Athens Tieck 3, 225; nun hob der lieblich gestimmte Nestor sich empor, der tönende redner aus Pylos Bürger 188; wenn völker von lebhaftem geist vielsylbig und tönend ableiten, biegen, steigern A. W. Schlegel
Athenäum 1, 38. 4@bb)
zunge, lippen, mund, stimme tönen: so fern und weit die deutsche zunge tönt Fouqué
held des nordens 1, 22; wo stets dein auge strahlt, wo deine lippen tönen Gottsched
neueste ged. 106; die herrlichen fremdlinge mit den sinnvollen augen dem schwebenden gange und dem tönenden munde Novalis 1, 6; wie silbersüsz tönt bei der nacht die stimme der liebenden, gleich sanftester musik Göthe 9, 200
Weim.; fast immer tönet diese stimme um mein ohr, wenn ich Friedrichs schriften lese Herder 17, 30; jauchzende stimmen tönten von allen seiten Brentano
Godwi 2, 316. 4@b@aα) mit der stimme tönen: was wunder ist es denn, wenn diese lustsyrenen bey ihrer wiederkunft mit gleicher stimme tönen! Neukirch
ged. 109. 4@b@bβ) die stimme tönen: zeig mir dein antlitz, tön' deine stimme Göthe 37, 303
Weim. 4@cc)
gegenstand der sprachlichen tongebung sind die worte, alle äuszerungen in prosa und poesie und deren gefühls- und gedankeninhalt. 4@c@aα)
ein wort, einen namen tönen: alle eingliedige selbständige teutsche wörter ... können kurz- und langgethönet werden Birken
rede-, bind- und dichtkunst 5; die sowol einheimische, als fremde, eigennamen, ... sollen im vers ihren natürlichen wort-thon behalten, und werden mit verunformung anders gethönet 56; (
der mund) der sonst meinen namen so oft getönt hatte Tieck 7, 156; das eine volk spricht eherne panzer von worten; das andre mit feinern sprachwerkzeugen tönet silberwellen Herder 4, 107; (
es) tönt eine grause innere stimme unaufhörlich mir zu: umsonst! Pückler
briefw. u. tageb. 1, 457; gegrüsst, Maria! tönt sein holder mund A. W. Schlegel
Athenäum 2, 137 4@c@bβ)
ein gedicht tönen: wo sind die sänger, die des krieges bardiete tönen? Kretschmann 1, 256; dasz ich diesz todtenkalte fieber höhne, ... und hohe säkulärische päanen töne Ramler
lyr. ged. 84. 4@c@gγ)
einen gefühls- und gedankeninhalt tönen: alle thiere bis auf den stummen fisch tönen ihre empfindung Herder 5, 17; empfinde nicht für dich allein: sondern dein gefühl töne 5, 6; sein mund ist voll schöner klänge und seine lippen tönen prunk Arndt
an s. l. Deutschen 2, 57; oder ist es gefühl, was er (
der dichter) tönet, sinds zärtliche klagen Klopstock
oden 1, 77; o göttin! deine stimme tönt der verzweifelung, in ihrem tauben grimme, noch oft beruhigung Bürger 8
a; deine zunge töne mord, aber nicht dies heil'ge wort! Grillparzer 4, 109. 4@c@dδ) von etwas tönen: Cherubim und erstandene tönten vom untergang Babylons Klopstock
Messias 20, 687. 4@dd)
der laut, das wort, die rede und deren gefühls- und gedankeninhalt tönen. 4@d@aα)
der sprachlaut, der thierlaut tönt: die ableitunglaute d, de, en, el, ft u.
s. f. veralteten, weil sie nur sehr unbestimmt tönen, am ersten Adelung
umständl. lehrg. 2, 214; ein so scharf tönender anfang des wortes Kästner 2, 127; denn in den kurzen sylben, wo wir (
Griechen) tönende vocale haben, steht bey euch (
Deutschen) meistens das unbedeutende e A. W. Schlegel
Athenäum 1, 13; kaum tönte hie und da ein miszbilligender laut durch das rufen des volkes Gentz 3, 222; und wenn das ohr sich erst vertraut, ihm tönt der muttersprache laut Göthe 3, 366
Weim.; ihm tön' entflammt von tausend zungen der herzen jubelton J. H. Voss
ged. 3, III; wie willkommen war mir der klang des beifalls, der aus der menge herauf tönte Göthe 22, 96
Weim.; der athem tönte der meyerin, als er das erzählte Pestalozzi 3, 126; in meinem morgentraum tönte pferdegewieher und hundegebell Stifter 3, 205. 4@d@bβ)
ein name, ein wort tönt: und Hermanns name tönt ins zelt der götter, wie hier durch die welt Kretschmann 1, 41; deinen namen, o Daphne, der wie silber der saite tönt Miller
ged. 108; der name klingt prächtig; manchen mag er seiner vielumfaszenden dunkelheit wegen gar erhaben tönen; jahrhundert! Herder 23, 6; (
wenn dein name) wie der name des teufels nur zu flüchen und zu verwünschungen tönen wird Göthe 39, 160
Weim.; dieses wort tönte wie die posaune des weltgerichts in meine seele Pfeffel
pros. vers. 2, 135; jedes wort tönte noch nach G. Keller 4, 44; dem unsre worte nicht zum herzen tönen, kann er ein vater seyn zu seinen söhnen? Schiller 13, 186; ein düstres reimwort folgte — tod. es tönte hohl, gespensterhaft gedämpft Göthe 15, 307
Weim.; lasz dir in deinen oren dOenen dise worte: was geet es dich an? volg du mir nach Keisersberg
pred. 106; als daz amen getOenet hatt Hedio
chron. Germ. E IIIIa; sein ominöses: 'reisen sie glücklich!' ... tönte mir nun in den ohren Thümmel
reise 1, 22; schöne frau? ei seht, das tönt schon besser! G. Keller 5, 168; tönende namen, worte, phrasen: oft füllt er ganze verse mit mächtig tönenden namen Treitschke
hist. u. pol. aufsätze 1, 44; ihr ... holt euch eure speculative begeisterung aus der fremde her, aus Paris, und pappt euch den tönenden namen auf: 'das junge Deutschland!' Bauernfeld 3, 304; (
er) führte in tönenden worten himmel und hölle an uns vorüber G. Keller 1, 349; er stellte den gründen des anklägers tönende phrasen entgegen Holtei
erz. schr. 3, 229. 4@d@gγ)
ruf, rede, vers, sprache tönen: sOelchs red mir auff das sssest thont Schwartzenberg
Cicero 159; wie fernes wettergemurmel tönt seine rede Schubart 2, 285; da tönt der weckende ruf Immermann 2, 165; ein lauter heilruf der Vandalen tönte um die halle Freytag 8, 148; dasz unser auf dem blatt ruhender vers in wenige ohren, und nicht die empfindlichsten, tönen wird Voss
zeitm. 5; mit erstaunen hörte er im verlaufe des gesprächs völlig regelrechte hexameter aus ihrem munde tönen Immermann 5, 170; übrigens tönte die hochdeutsche sprache der leute in diesen gegenden immer angenehm in Reisers ohren Moritz
A. Reiser 352
neudr.; eine nach beschaffenheit des inhalts harmonisch tönende periode Kretschmann 1, 17; so gewannen seine perioden einen tönenden rhythmus Forster 6, 7; (
diese musik) war lebende tönendere sprache Herder 4, 118; sie (
die Venetianer) sprachen ihr eigenes musikalisch tönendes patois Grimm
Michelangelo 2, 61; (
durch) die sprache gestärkt, die wie Kalliopens tuba tönet Ramler
lyr. ged. 4; darum wählt ich auch nicht hüpfender reime kunst, ... des Horazischen sangs tönenden silbenfall Novalis 1, 246. 4@d@dδ)
eine bestimmte äuszerung in wort und schrift, in poesie und prosa tönt: in deinem hirtenlande tönen Karolomannus geweihte taten Herder 27, 71; der jüngling, dem ihr (
der sage) tönen sich ergeuszt! Fouqué
held des nordens 1, 56; andre nationen haben sie (
die alten wunderbegebenheiten) zu lyrischen gemälden erhoben, wo sie kürzer, andringender, rührender tönen Herder 12, 181; so ganz ohne polemik tönt er (
der gesang der Vala) Dahlmann
gesch. v. Dännemark 1, 36; wer ist z. e. der verfasser dieser langen, tönenden und schon vergessnen jubelode Herder 5, 407; (
er) brachte in einem tönenden leitartikel die rede auf jene alte geschichte Frenssen
Hilligenlei 354; so tönte jüngst in Friedrichs ohren die nachricht, die aus Pommern flog
einhundert hist. volksl. d. pr. heeres 25
Ditfurth; wann der sünde dann ihr urteil tönet Hölderlin 1, 36; jetzt tönt die losung Schiller 8, 288; data für meine erwartung ... tönen mir alle tage um die ohren Lavater
physiogn. fragm., vorrede; gütiger gott, meinen feurigsten dank! ... dass er laut durch alle deine himmel tönte! Meiszner
skizzen 1, 124; schon rüstet sich der zug; schon tönt das lustgetümmel Gotter 2, 5; der menge beifall tönt mir nur wie hohn Göthe 14, 54
Weim.; ein jauchzen tönet durch die himmel 37, 4. 4@d@eε)
der gefühls- und gedankeninhalt, geist und seele tönen: noch tönen ihre melodiereichen klagen in meinem ohr! Wieland I 3, 79
akad.; es ist mir unmöglich ... die lärmende freude zu schildern, die jetzt durch ganz Holland über die neue veränderung tönt Boyen
bei Meinecke 1, 356; wer ist der, des gram so voll emphase tönt?
Shakespeare, Hamlet 5, 1; ein luft'ges elfenkind leb' ich im tönenden leid Fouqué
held des nordens 1, 199; das natürliche gefühl was jedem aus der seele tönt B. v. Arnim
Günderode 1, 224; aber wie schön und voll auch das gefühl in ihnen (
den scenen) tönt, die dramatische bewegung ist doch nicht grosz Freytag 14, 124; aus seinen belehrungen tönte ein steifer meisterstolz Justi
Winckelmann 2, 1, 30; die höchste reinheit der seele tönte von den ... lippen Thümmel
reise 8, 219; in einer schlechten zeit, wo die wahrheit nicht tönen darf Börne 4, 54; (
Adramelech) feurte sich an, die gedanken tönen zu lassen Klopstock
Messias 5, 437; und lyrischer wird unser leben tönen mit schönen seelen im verein Tiedge
Urania 6, 708; dem nun ein halb jahrhundert die welt des schönen tönt Uhland
ged. 1, 231; woge, geist, in mir, frohlocke, ... töne wie die silberglocke Schubart
ged. 1, 12; in den hainen, in den tempeln erwachten und tönten ineinander ihre seelen Hölderlin 2, 74. 4@d@zζ)
unpersönlich es tönt: wie du yn ein wald schreyst, als thOent es widerumb Keisersberg
narrenschiff 159; das es von menschen dOenen sol (
tumultuabuntur a multitudine hominum)
Micha 2, 12; 'ins haus, ins haus!' tönte es zur antwort G. Keller 1, 167; Jucundus hatte keine ahnung wie es um ihn her tönte (
wie von ihm gesprochen wurde) 5, 277.
auch der subst. inf.: das das wort ym schwang gehe und nicht widderumb eyn loren und dohnen draus werde Luther 12, 37
Weim.; (
augenblicke) wo es nur eines verwandten tönens bedarf, um die auf liebeshülfe wartenden liebesklänge aufzuwecken Fouqué
alts. bildersaal 2, 504. 4@d@hη) von etwas tönen: doch von Trafalgar töne kaum die sage Göthe 3, 198
Weim. 4@d@thθ) etwas tönen: jeder laut, der göttliche dinge nicht tönt, verstumme! Klopstock
oden 48; der muttername ... hat nie den himmel euch ins herz getönt Matthisson
ged. 169; dein leben tönt mehr harmonieen, als ein unsterblich lied! Klopstock
oden 1, 29; freund, dir jauchzt mein geist, der vorhin von kummer verstimmet, harmonischer wird, und zärtlichkeit tönt J. A. Schlegel
ged. 1, 309.