Eintrag · Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke)
SWANZ stm.
1. tanzartige bewegung. Schmeller 3,543. — bildl. in des jâris swanze gange Jerosch. 180. a.
2. schleppe des frauenkleides. zwâr lenger schwäntz kund ich nie schauen an lewen und an phâben, wan in dem selben land die frauen hinden an den rocken haben Wolk. 6,49. sie ist niden von dem schwanz nass von taw unz auf die knie Keller 6,28. und ob ein schœne wîp im bequam, daʒ er der war niht fürbaʒ nam, danne als der swanz gie zuo den füeʒen und si vil kûme getorste grüeʒen. dar nâch über ein halbeʒ jâr nam er biʒ an die gürteln ir war Renner 3381. dâ von mohte niht der swanz die varwe sîn verliesen: er lieʒ sich dâ wol kiesen von maneger hande valten Engelh. 3092.
3. schleppkleid, tanzanzug der frauen, auch wohl putzanzug, putz überhaupt. mit vlîʒe wart daʒ kint bereit in sînem swanz gevalden MS. 2, 56. b. dînen swanz lege an dich, sô bistu sûberlich das. hiuwer bî der linden sach man kurzewîle vil, mangen wunneclîchen swanz Nith. H. 187,15. manec rîchlich swanz von schœnen frouwen wart gesehen H. Trist. 624. und sæhe ein münch an einem tanze ein meit in einem gelben swanze u. mit eim schœnen rôsenkranze Renn. 12367. bluomen lesende si gie unt warf die in iren swanz fragm. 19. a. — rispent unde rifelnt iuwer swenze, die wir ûf dem wasen slîʒen Nith. H. s. XIX. die krenze, die swenze werdent vil genæme MS. 2,199. b. vgl. MS. H. 3,501. — sîn üppiclich gewant und dar zuo sîn vil wæher swanz Nith. H. s. 209. MS. H. 3,257. b.
4. bildl. schmuck, zierde, glanz, herrlichkeit. der sælden swanz dich hât alumbevangen lobges. 18. Maria, du sælden swanz Erlös. s. 190. zühtiger wête ein rîcher swanz (anrede an die geliebte) md. ged. 82, 316. prîs, blüender swanz Frl. 287, 6. eʒ zopfet (?), zieret sînen swanz das. 134,17 u. anm. du bist als klâr als der mâne und ûʒ erwelt nâch unserm wâne sô der liehte sonnen glanz. dîn werdekeit und ouch dîn swanz ist gar freislich ze vornemen altd. schausp. 1,2118. dîn reinekeit und ouch dîn glanz hât den gotlîchen swanz sô ubirwunden mit gewalt das. 1830.
5. zierliches, stutzerhaftes gepränge, schönthun. die hânt dâ vil üppiclichen swanz MS. H. 3,267. a. bî den wîben kan er trîben mangen swanz das. 190. b.
6. schweif verschiedener thiere. Gr. 3,409. MS. 2,175. a. zagel oder swanz Megb. 237,2. 241, 4. doch gelîche ichʒ einer kuo diu mit ir swanze fliegen unde bremen von ir jeit Ls. 3,295. vgl. Parz. 2,20. der trache zôch mit sîme swantz daʒ dirteil der sternen nâch üme H. zeitschr. 7,145. sô lieʒ der hunt daʒ ros nit gân, bei dem swanze er eʒ zôch Keller 53,9. dem pferde er in den swanz viel leseb. 957,36.
7. membrum virile. Schmeller a. a. o.
8. strophe eines liedes? ir hiet ûf iuwer seiten snuor mit drivaltigem swanz gemachet ein sô süeʒen tanz mit iuwer selbes liden, es wær dem künic Dâviden der kunst genuoc gewesen Ottoc. 8. vgl. Wackernagel lit. 250.