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stöhnen

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

stöhnen verb.

Bd. 19, Sp. 178
stöhnen, verb. fulcire; niti, inniti. form und verwandtschaft: zu oben stöhne f. gehörig (s. dort weiteres); das wort ist aus dem niederd. in das mitteldeutsche gedrungen und von Luther aufgenommen (doch schon vorher in einer besonderen bedeutungsentwicklung als stunen bei Nicolaus von Jeroschin, vgl. unten 3 b); mndd. stonen, holl. stonen, steunen, stuenen; auch Luther hat noch vereinzelt die form stonen, bevorzugt aber durchaus die umgelautete form stönen; ein seltenes stenen gehört wohl nur dem drucker (s. die belege unten). Oberdeutschland hat das wort nicht aufgenommen, vgl. als bezeichnend Luthers sermon von der bereitung zum sterben (1519), wo es im Wittenberger druck heiszt: wer also pocht und sich auff die sacrament stonet (saeramentis fidenter innixus), des erwelung und vorsehung wirt sich selb an seyn sorg und muhe woll finden (2, 693 Weim.), der Leipziger druck hat stenet, Augsburg aber: sich auff die sacrament verlasst. — in der frage der etymologischen verwandtschaft spricht vieles dafür, unser wort von dem folgenden, heute noch allein in der schriftsprache lebendigen 2stöhnen verb. nicht zu trennen; wie denn hier die begriffliche voraussetzung für jenes beschlossen liegt: die arbeit, sich gegen einen gegenstand zu stemmen, ja ihn vorwärts zu stemmen, und in ihrem gefolge die seelische äuszerung über diese körperliche anstrengung. das wort ist sehr altertümlich und reicht durchaus in urzeitliche sphäre; als ähnlich vgl. in arbeit die entwicklung von der 'knechtsarbeit' zum begriff der 'mühsal'. für diese bedeutungsentwicklung unseres wortes zu 2stöhnen verb. gemere, ingemiscere vgl. noch den merkwürdigen beleg bei Gottfried von Straszburg der sin stunt im her unde hin Tristan 5650 (stǒnt hs. M.) zur weiteren sprachlichen verwandtschaft s. unter 2stöhnen verb. bedeutung: 11) transitiv nur selten 'einen gegenstand worauf stützen, ihm eine stütze geben' vgl. holl. van 2 metalen polleyen te ghieten, van bloke en stellinghe, die bussen an te stuenen quelle von 1420 bei Verwijs-Verdam 7, 2209. und ostfriesisch de mr, dat hûs, de bôm, de balke mut stnd worden, dat hê nêt fald (umfald oder brekt) ten Doornkaat Koolman 3, 327b. im folgenden bildlich: darumb wenn er (der teufel) dich am sterben finden wirt, das du deyn gewissen auff menschen gepot stönest und wilt sagen: alszo haben myr gepotten der bapst, kirche, fursten ... Luther 10, 2, 22 Weim. (von beider gestalt des sakraments zu nehmen 1522). 22) gewöhnlich (und bezeichnend genug) reflex.: 2@aa) sich gegen einen gegenstand stöhnen sich dagegen stemmen: vgl. holl. dayr sych wat tegen stoent pontellus, theuton. bei Verwijs-Verdam 7, 2209. zur abwehr: aber gleichwohl stöszet er mit einem arm den obersten von mitternacht auff den bauch, und stönet sich allsus mit der brust und kin so gewaltig und starck wider seine brust und angesicht, das er jn so hinterrück gestoszen ... J. Fincelius wunderzeichen (1566) D 1a. — bildlich 'sich weigern': (senior zu den beiden studenten, welche geld zur schmauserei hergeben sollen und sich dessen weigern:) wie hefftig konnt ihr euch doch darwieder stöhnen, da wir doch wohl wissen, dasz ihr nicht nur dieses, sondern auch ein mehrers gar wohl, ohne euern schaden, thun könnet Schoch studentenleben 66, 22 neudr. 2@bb) sich auf eines stöhnen sich darauf stemmen, stützen; besonders in der letzteren bedeutung bildlich verwendet und so in den belegen allein hervortretend 'sich darauf stützen, berufen, auch darauf pochen, sich verlassen', vgl. niederd. he stönet sik up mi (er verläszt sich auf mich) bremischnieders. wb. 4, 1047: dan das die Behem sich stönen auff den spruch Johann 6 ..., schleusst nichts, dan der herr sagt nichts vom sacrament an dem ort Luther 6, 80 Weim. (verklärung etlicher artikel in seinem sermon von dem heiligen sacrament 1520); (der mit gott ringende Jakob) hat nichts gefület ynn leib und leben, denn das er sich hat gestönt auff die warheit, di nicht trigen kunde 24, 575 Weim. (ich stön mich uff die warheyt nitor veritati Alberus 00 4b); wenn du das gefasset hast, kanstu dich drauff stonen (niteris eo firmiter) 12, 361 Weim.; aber weil sich d. Caspar ... auf unsere bewilligung stohnet briefe 5, 219; sie wissen, uff wes schirm sie sich stönen sollen Michael Risch paraphrasis Erasmi über das evangelium Johannis (1524) 00 4a; wenn nur das er (Moses) sich recht besönn, und auff Messias gnade sich stön, so bliebe er wol vor mir und allen Hayneccius Hans Pfriem 82 neudr. deutlicher: sol es aber frid haben, so musz sichs auff eyn einfelichen grund stoenen, das ist auff den glauben Luther 9, 626 Weim. vgl. ostfries. sük stnen up wat sich stützen oder lehnen auf etwas, halt suchen (eigentlich und bildlich) ten Doornkaat Koolman 3, 327b. 2@b@aα) neben sich verlassen: darauff wir uns stönen und verlassen Luther 17, 1, 292 Weim. gott ... wil nicht leiden, das das hertz einen bodem habe, darauff es sich verlasse und stöne 24, 651 Weim.; durch oder verbunden: denn er beweyszet nichts, sondern sagts nur daher, wie man eyn meerlin sagt, furet keynen grund, noch schrifft, noch ursache, das sich keyn gewissen kan drauff stonen odder verlassen 18, 181 Weim.neben sich trösten: er (gott) will nicht haben, das wir uns stönen und trosten auff yrgen eyns menschen wort und lere 12, 418 Weim.neben pochen: gott hat es gesagt, gott mag nit ligen. noch mit worten noch mit wercken, und wer also pocht und sich auff die sacrament stonet, des erwelung und vorsehung wirt sich selb an seyn sorg und mühe woll finden 2, 693 Weim. 2@b@bβ) besonders hervorzuheben neben sich aufrichten, wodurch die sich stemmende bewegung deutlicher hervortritt: auff das jr ... euch auff mich stönen, und auffrichten möget 8, 192a. 2@b@gγ) (weiter verblaszend) kurzweg sich stöhnen, in dem sinn von 'vertrauen, zuversichtlich glauben und hoffen, sich trösten': es wird wol eyner komen, der wird uns rechen, also sollen wyr uns stönen, so werden wyr erlost 17, 1, 227 Weim.; zweifelhaft: also müssen wir darauff bleiben und uns stönen, das wir jmer sagen, das sie nichts gethan haben 4, 79a, d. h. (dabei) beharren. 33) merkwürdig sind noch intransitive begriffserweiterungen 3@aa) 'auf eines gestützt schreiten, gehen': Jhesus is eyn trost des lewendes unde eyn staff des olders, dar wy scholen by stonen in deme weghe, de geyt to deme hemele Ravenstein prophecien 164c (vgl. Schiller-Lübben 4, 413a). — auch das zweifelhafte, in der gleichen quelle wie der beleg unter 4 erscheinende stenen stare Diefenbach gloss. 550c in der bedeutung '(fest) wie an einer stütze stehen' hierher zu rücken, darf erlaubt sein (oben ist es als ein vereinzelter fall zu stehen verb. gestellt, th. 10, 2 sp. 1417 unter I, B 2, f, α hh.). vgl. als ausgangspunkt: die ander ... hadden cruiskens in hoor handen, daer sy op steenden, als sy moede waren ndl. quelle v. 1519 bei Verwijs-Verdam 7, 2209. 3@bb) an eines 'dagegen anrennen, anstürmen' (vgl. dazu den gebrauch bei Schambach unter 2stöhnen verb. form und verwandtsch. e) eigentl. 'mit gewalt sich dawider stemmen', bezeichnender weise ausschließlich bei Nicolaus von Jeroschin (s. auch oben stöhne fem.): (er zoch) zu Junigêden vor daʒ huis und daran mit sturmis pruis vîentlîchin stuntte(!) 20062; dî burgêre wol nâch menlîchin sittin in dâ widirstrittin und mit wer kegn in stuntin. mit weginin sî vorruntin und mit holze al dî pfat, dî zu der burc und zu der stat gebin mochtin den zûganc, und stundin (!) werlîch âne wanc 13617; 22 (hier zuletzt ohne jeden localen hinweis) — dannen sî sich wantin zu dem Clement vor daʒ hûs und mit hertis sturmis prûs allumme daran stunttin. zu jungist sî inzunttin unde legetin vûer an 16664. übertragen, aber mit der präposition auf und so in deutlicher beziehung zu der gruppe unter 2 b (bei dem einsturz der mauer) darzû der steine manic vûdr des pâbstis pfert berunten und ûf den pâbist stunten 25329 3@cc) stemmend arbeiten (s. den beleg unter form und verwandtschaft von 2stöhnen verb. e) und von einem werkzeug s. unten stönfeder f. 44) substant. im anschlusz an 2 b 'vertrauen, unerschütterliche hoffnung': vera praedicatio in substantia est ein hertzlich sthenen, begir von gott etwas zu betten Luther 34, 1, 386 Weim., vgl. dazu das in niederfränk. (?) quelle des 15. jhs. erscheinende ich stene inhio Diefenbach gloss. 299a, doch wohl 'ich verlange begierig' (doch vgl. unter 3).
8448 Zeichen · 116 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Stöhnen

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Stöhnen , verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, anhaltend seufzend, mit Seufzen Athem holen, sowohl z…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    stöhnen

    Goethe-Wörterbuch

    stöhnen [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    stœhnen

    Mecklenburgisches Wb. · +2 Parallelbelege

    stœhnen s. stähnen .

  4. Sprichwörter
    Stöhnen

    Wander (Sprichwörter)

    Stöhnen 1. Stennen (stöhnen) is de halve Arbeit. ( Bremen. ) – Köster, 254; Goldschmidt, 106; Hauskalender, II. 2. Stenn…

  5. Spezial
    stöhnen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    stöh|nen vb.intr. jemé (jëma), lamenté (lamënta), süsté (-ta), trá süsc.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit stoehnen

3 Bildungen · 0 Erstglied · 1 Zweitglied · 2 Ableitungen

stoehnen als Zweitglied (1 von 1)

Ableitungen von stoehnen (2 von 2)

verstöhnen

DWB

verstöhnen , verb. 1) mit stöhnen verbringen, zubringen: den abend und die nacht verstöhnen und verseufzen Campe ; sie war durch ihr unglück…