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seuche

nhd. bis spez. · 15 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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15 in 15 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

seuche f.

Bd. 16, Sp. 696
seuche, f. krankheit, von siech abgeleitet, mhd. siuche, starkes f. und schwaches m. mhd. wb. 2, 2, 357b. Lexer mhd. handwb. 2, 945, ahd. siuhhi, f., aegritudo, molestia, languor Graff 6, 139, got. siukei; vgl. im übrigen siech, adj. mnd. suke Schiller - Lübben 4, 460b, neund. süke, sük brem. wb. 4, 743. Schütze 4, 222. Dähnert 472b. Mi 89a. Danneil 216a. Schambach 217b. Woeste 262b, mitteld. sîchen, f. Kleemann 21a, schweiz. süch, f. Hunziker 265. wirklich volksthümlich ist das wort nicht in den hochdeutschen mundarten, schon in Luthers bibelübersetzung klang seuche den oberdeutschen fremdartig (Kluge von Luther bis Lessing 82); aber in niederdeutschen gegenden bezeichnet noch wie in alter zeit süke jede krankheit (Danneil 216a), oder die bedeutung ist in andrer weise eingeschränkt als in der schriftsprache: süke, 'jede schleichende krankheit, besonders hektischer natur, die schwindsucht'. Schambach 217b. Luther braucht noch den starken plural seuche (s. unter 1) Marc. 9, 1 und apostelgesch. 19, 12. das schwache m., auch in älterer sprache nur vereinzelt vorkommend (vgl. noch Frommanns zeitschr. 1, 260), schwindet später völlig: treyb auss den sewchen des geytz. herzmaner 41b u. öfter. 11) zunächst wird das wort in allgemeinem sinne für krankheit gebraucht, diese anwendung ist aber in der ausgebildeten neuhochd. schriftsprache aufgegeben: de vallende suke, stortende suke, epilepsie, der rorende suke, apoplexie, quinende suke, schwindsucht, suke der vrowen, menses. Schiller-Lübben 4, 460b. 461a; eyne igliche sewche und gebrechin. Germania 24, 383; fallende seuche, Sanct Valentins plage. Hulsius dict. (1616) 297a; dat is en mene word: de langhe suke is de wisse dod. Schiller-Lübben 4, 460b. vgl. brem. wb. 4, 743; die lange seuche ist der gewisse todt. Henisch 1604, 49; ein juncfrouwen wonte zu Lengefelt, die hatte zwei jar den jemerlichen suchin gehat den man nennet daʒ vallinde obil. Köditz Ludwig 90, 30; di vallende suche. 91, 14; alle sewch sint erger dy von übrigen hunger und durst kommen denn die von übrigen essen und trincken werdent. Ortolf v. Bayrlant 13a; ist dʒ ein frawe ir seuch nit ensicht. 35a; die seuche, der krebs genant. Luther 1, 539b; das fallübel, oder die fallende seuche. 8, 28a; heilet allerley seuche und kranckheit im volck. Matth. 4, 23; krancken, die mit mancherley seuchen beladen waren. Marc. 1, 34; gab jnen gewalt und macht uber alle teufel, und das sie seuche heilen kundten. Luc. 9, 1; der ward gesund, mit welcherley seuche er behafftet war. Joh. 5, 4; (dasz) die seuche von jnen wichen. apostelgesch. 19, 12; (des panthers athem) der allen tiern für seuch ist gut. renner 6100; daʒ kint mit einer sûche ranc, di sîn herze sêre betwanc. Bartsch mitteld. ged. 1, 1169; Senecio hat eine seuche, daran er sterben musz; es ist, wie ich berichtet worden, ein neuntzig-jährig flusz. Logau 2, 216, 31. die einschränkung des begriffes geht in verschiedner weise vor sich (vgl. oben vor 1); in älterer sprache wird z. b. auf das langwierige der krankheit gewicht gelegt: morbus curabilis est, sed diu durat eine seuche. Trochus prompt. N 5a; allmählich wird die vorstellung der ansteckung, des heftigen auftretens in einem zeitabschnitte der ausbreitung bestimmend: lues, eine gemeine seuche oder kranckheit, so beyde menschen und viehe betrifft, ein landsterben (hier werden also noch seuche und krankheit gleichwertig gebraucht). Corvinus fons latinit. 375a (1660); seuche ... idem fere quod siechtum, propr. tamen est morbus contagiosus. Stieler 2017; Adelung bezeichnet die weitere bedeutung als veraltet; indessen wird der prägnante sinn, den wir mit seuche verbinden, bis ins 19. jh. hinein nicht überall festgehalten: unbekante seuche; langwierige seuche, flechtende (a tactu serpens) seuche; erb-, land-, pest- sive sterbeseuche. Stieler 2017; mit der seuche anstecken, mit einer bösen seuche behaftet, die leidige seuche regiert daselbst. Kramer deutsch-it. dict. (1702) 2, 790a; eine tödtliche seuche, die seuche streicht herum, von einer sehr ansteckenden seuche angefochten werden. Steinbach 2, 585; seuch unter dem vieh. Apin. gloss. (1728) 495; die seuche breitet sich aus, legt sich, hört auf. Frisch 2, 266a; schweiszseuche Adelung; eine schreckliche seuche wüthet. Campe. klauenseuche, lustseuche (syphilis, anders unter 3); die der seuchen pest auszehrt! die der nahe tod umfasset. A. Gryphius 1, 57 (1698); bey frembden seuchen greifft man fremde mittel an (sprichwörtlich, s. Wander sprichwörterl. 4, 547, 7). 58; frau Baucis aber lehrt der wittrung eigenschaft, der seuchen art, der kräuter kraft. Hagedorn 2, 101; welches geschick dich bezwungen des langhinbettenden todes? ob auszehrende seuch'? ob Artemis, freudig des bogens, unversehns dich getödtet? Voss Od. 11, 172; schwelgerei und hunger brüten seuchen. Schiller 1, 221; gräszlich preisen gottes kraft pestilenzen würgende seuchen. 299; (die völker,) die ihm des hungers und der seuchen wuth im leichenvollen lager langsam tödtet. Piccol. 2, 7; wenn durch das volk die grimme seuche wüthet, soll man vorsichtig die gesellschaft lassen. Göthe 2, 13; (wenn) seuchen still durch stadt und dörfer schleichen. 11, 335; ledige weibspersonen, die sich einem jeden ohne unterschied überlassen, sind vielfältig von der bösen seuche angesteckt, die manchen guten kerl ins hospital bringt. Möser patriot. phant. 4, 124 (1786); der ansteckenden seuche auszuweichen. Göthe 34, 114; auch von krankem feldgewächs: dat krigt glîk 'ne ske, et wasset et âwer wêer ût. Schambach 217b; eure kartoffeln sollen nie bekommen die seuche, eure schweine aber immer fette bäuche. Hoffmann v. Fallersleben leben 4, 267. 22) freierer und übertragener gebrauch: ir siuche en was niht alzu grôʒ, ir was der minne smerze geslagen an daʒ herze. H. von Freiberg Tristan 4616; er hat unser swacheit auff sich genomen, und unser seuche hat er getragen. Matth. 8, 17; in diesem allgemeinen sinne kann das entwickelte nhd. bei übertragenem gebrauche seuche nicht mehr verwenden, es beschränkt sich auch hier auf die vorstellung der epidemie, der ansteckenden, gefährlich um sich greifenden krankheit; so ist uns liebesseuche, affectus amoris (Stieler 2017) fremdartig, aber wir sprechen von einer modeseuche. die weitere bedeutung von seuche wirkt auch bei übertragner anwendung lange nach, wie einige der im folgenden gegebenen belege zeigen: wenn diese seuche eingewurtzelt, so reisze sie der teuffel raus, ich nicht. Luther 20, 572, 19 Weim. ausg.; diese seuche (ehebruch) henget uns nicht an wie ein roter rock. 16, 511, 22; die seuch ist allen leuthen angeborn, dasz sie baldt glauben, was sie hören. Henisch 1636, 8; kein fürwitz, keine seuche zu schreiben. Lessing 4, 464; allein dieses ist schon die gemeine seuche des menschlichen verstandes. Kant 8, 68; bei der gegenwärtigen mode, kalender zu machen (seuche darf ich sie doch nicht nennen, denn man streitet, ob krankheiten aufkommen, die die alten nicht schon gehabt haben, und musenalmanache hatten sie doch wol nicht). Schiller 2, 376; ist diese begierde für's theater zu arbeiten .. fast zur seuche geworden. Göthe 36, 161; es gehört diese seuche (das spiel) mit unter die begleiter des kriegs. 43, 50; bald bringt man auf die bahn gereitzt durch aberwitz und dünckel-vollen wahn ein unerhörte lehr.(o seuche dieser zeiten!) A. Gryphius 1, 18 (1698). die zusammensetzung lustseuche braucht Luther im sinne von libido, s. oben theil 6, sp. 1350.
7533 Zeichen · 146 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Seuche

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Die Seuche , plur. die -n. 1. * Eine jede langwierige Krankheit. Christus hat unsere Seuche getragen, Matth. 8, 17. Er m…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Seuche

    Goethe-Wörterbuch

    Seuche 1 ansteckende, rasch um sich greifende, langwierige, schwere Krankheit; mehrf mBez auf die Pest, einmal im Fluch,…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Seuche

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Seuche , lat. lues , weitverbreitete Krankheit; vgl. Endemie, Epidemie, Ansteckung.

  4. modern
    Dialekt
    Seuche

    Elsässisches Wb. · +3 Parallelbelege

    Seuch e [Sæìχ Ndrröd. ; Sèiχ Wh. ] f. Seuche, insbes. Influenza. s. auch Sucht.

  5. Sprichwörter
    Seuche

    Wander (Sprichwörter)

    Seuche 1. De Süke kummt anflegen, man se krüpt wedder weg. ( Bremen. ) – Köster, 251. 2. Die lange Seuche ist der gewiss…

  6. Spezial
    Seuche

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Seu|che f. (-,-n) 1 coia (coies) f. , möria (-ies) f. 2 (Epidemie) epidemia (-ies) f. ▬ eine Seuche einschleppen zidlé a…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit seuche

27 Bildungen · 14 Erstglied · 13 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von seuche

seucheln + -e

seuche leitet sich vom Lemma seucheln ab mit Suffix -e, auf Verb-Stamm zurückgeführt.

seuche‑ als Erstglied (14 von 14)

Seuchebett

DRW

seuche·bett

Seuchebett, n. Sterbebett vgl. Siechbett svelk herre en gut liet sime manne svar't ime irst ledich wert, is si lüttik oder vele, unde dar na…

seucheln

DWB

seucheln , verb. kränkeln, aus älterem siucheln ( md. sûcheln), das neben siecheln vorkommt. mhd. wb. 2, 2, 358 a . Lexer mhd. handwörterb. …

seuchenartig

DWB

seuchen·artig

seuchenartig , adj. : seuchenartige krankheit; seuchenartig verbreitete sich diese unsitte.

seuchengesetz

DWB

seuchen·gesetz

seuchengesetz , n. : wenn zwei gleich angesehene fachmänner .. über ein seuchengesetz entgegengesetzte ansichten äuszern. Keller 8, 187 .

seuchenhaft

DWB

seuchen·haft

seuchenhaft , adj. , ein seltnes wort: dasz Rom an einem gesunden ort mitten in einer seuchenhaften landschaft ( in regione pestilenti ) lie…

Seuchenpfleger

DRW

seuchen·pfleger

Seuchenpfleger, m. wie Siechenpfleger es schol auch H. der suͤhenpfleger das guͤt besetzen 1323 EichstättUB. II 181

seuchenschwanger

DWB

seuchen·schwanger

seuchenschwanger , adj. : seuchenschwangere dünste. Blumauer bei Campe. seucheschwanger: wessen hand hat diesen fels durchbrochen? diesen wa…

Seuchetage

DRW

seuche·tage

Seuchetage, pl. wie Seuche [zum Umtrunk] scholen komen alde brodere, ... id ene sy, dat id ene beneme merkelik heren booth ofte sükedaghe, ö…

seuche als Zweitglied (13 von 13)

Löffelseuche

Wander

loeffel·seuche

Löffelseuche De nett de Läpelsüükte 1 . – Stürenburg, 130 a . 1 ) Scherzhafter Ausdruck zur Bezeichnung des Unwohlseins des Viehes aus Hunge…

lustseuche

DWB

lust·seuche

lustseuche , f. 1 1) heftiger sinnlicher trieb, als krankheit gedacht: ein jglicher unter euch wisse sein fas zu behalten, in heiligung und …

Mayseuche

Adelung

may·seuche

Die Mayseuche , plur. die -n, ein Nahme des Blutharnens des Rindviehes, weil es sich im May äußert, wenn das Vieh in das frische Gras getrie…

Schlabberseuche

Wander

schlabber·seuche

Schlabberseuche Er wird noch an der Schlabberseuche sterben. ( Köthen. ) Schlabbern = viel und albern reden.

sterzseuche

DWB

sterz·seuche

sterzseuche , f. , krankheit des rindviehs, bei welcher der schwanz (sterz) abfault. das compos. ist im obd. besser bezeugt als heute sterz:…

viehseuche

DWB

vieh·seuche

viehseuche , f. , im allgemeinen sinne von epidemischen krankheiten des viehes ( vgl. die beispiele des plurals und des unbestimmten artikel…

wollustseuche

DWB

wollust·seuche

-seuche , f. , lustseuche, syphilis (18. jh. ): methoden, die wollustseuche ... zu heilen allg. dtsche bibl. (1765) 112, 80; Rich. Dehmel ge…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „seuche". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/seuche/dwb?formid=S27158
MLA
Cotta, Marcel. „seuche". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/seuche/dwb?formid=S27158. Abgerufen 12. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „seuche". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/seuche/dwb?formid=S27158.
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