schröter,
m. einer der schrotet,
den verschiedenen bedeutungen des verbs entsprechend. II.
zu dem ersten schroten,
mhd. schrôtære, schrœter, schrôder, schrâder Lexer
hdw. 2, 804,
mnd. schroder, schrader Schiller - Lübben 4, 140
b f., nl. schrooder Kilian (
s. unten),
jetzt im holl. ausgestorben, auch altfries. skredere, schreder Richthofen 1033
a.
im ältern nhd. finden sich noch vielfach abweichende formen und schreibungen, wie schrotter
und schröder (
s. die belege). Alberus
hat schröder Ss 4
b und schräter Xx 3
a,
s. Weigand 2, 644.
jetzt ist das wort in der schriftsprache nur noch wenig üblich, doch zeugen die zahlreichen familiennamen Schröder, Schröter, Schrader
von dem einst ausgedehnteren gebrauche. in heutigen mundarten schweiz. schrötar Bühler
Davos 1, 134,
elsäss. schreter
Frommann 4, 471, 34,
bair. schroter, schrêde Schm. 2, 614,
cimbr. schroatar
cimbr. wb. 229
a,
mitteld. als schröter,
nd. schröder
brem. wb. 4, 688. Dähnert 415
a.
aus dem deutschen ist entlehnt lett. śkrohderis, śkrohdalis
und altpreusz. scrutele Nesselmann 473,
vgl. s. 43. I@11)
einer der schrotet,
schneidet: schrader,
et schroter, der,
piso, pinsor, tundendo comminuens, bipartiens, curtans, mutilans Stieler 1913; schrooder,
putator, resecator Kilian.
so auch in zahlreichen zusammensetzungen, z. b. helmschröter (
vergl. schroten 1,
b): die mutter hat deinen tod mich genannt, zum helmschröter hat mich das glück dir gesandt. Rückert
Firdosi 2, 449.
meist als bezeichnung gewisser gewerke: I@1@aa)
in münzen, der die schrote (2,
d, β)
abschneidet, präger, so schon mhd. s. Lexer
a. a. o.: müntz - schröter, der die runden münz - plätlein aus den blechen hauet,
qui orbiculos exscindit e laminis metalli ut inde monetae fiant Frisch 2, 228
b;
dagegen erklärt Kramer
dict. 2, 670
b: müntz - schroter,
aggiustatore di quadretti nella zecca. vgl. schroten 2,
d, δ und 5,
b. I@1@bb)
fries. einer, der die münzen beschneidet Richthofen 1033
a; schrooder van gheld,
accisor monetae Kilian.
vgl.schroten 2,
e. I@1@cc)
in messerschmieden schalen - schröter, der die beine, knochen und helfenbein zerschneidet, dasz sie zu messerhäfften taugen,
opifex qui ossa secat aut ebur et cornua cervina, ad manubria cultrorum et ensium Frisch 2, 228
b. Campe. I@1@dd)
in der Schweiz auch ein holzhauer (
vgl.schröterhütte),
sowie einer, der mit dem schroteisen
heu vom heustock absticht (
s.schroten 8,
c). Bühler
Davos 1, 135. I@22)
in der ältern sprache namentlich für den schneider,
dessen gewerbe anfangs den tuchhandel mit umfaszte, s. das. 2,
sp. 1268:
sartor snider ..
nd. scroder Dief.
gl. 513
b; schrader, schroder
nov. gl. 327
b;
scissor schroter 331
a (
voc. v. 1429);
sartor schroter
voc. Vrat. ms.; besonders mnd., doch auch mhd. üblich: so we scrodere wesen wil in unser stad, de scal van allesweme, de id van eme eschet, untvangen dat want, dat he sniden scal, by der wicht, unde scolen dat snedene kleet weder antworden under dersulven wicht.
Bremer statuten von 1303
bei Schiller-Lübben 4, 140
b (
vergl. brem. wb. 4, 688); deme scradere von eynem wammese to negende.
urk. von 1397
s. ebenda 141
a; und hieʒ gewinnen von der stat knappen schrôter die ich hat dem herren snîden guotiu kleit. Rud. v. Ems
d. gute Gerh. 4152; dem her ouch volgten mit bognær, schrôtær unde weschen. Ottokar
reimchron. 35030; ouch lebten dô mit der smiuge schrôtær, dræhsel und die tuochweben. 65675; (
Lucifer ad sartorem:) ik love du hest en schroder wesen, du hest ghesneden mennych want, na der scheren steit dy de hant.
Redentiner ostersp. 1431
Schröder; 'höret', sprak sik Everd van den börsten to den schröder Lüdeke van Hörsten. Liliencron
histor. volksl. nr. 166, 282; de schröders wille wi nit vorgeten, se schniden mit der scheren. Uhland
volksl.2 nr. 172, 4; ein scroder, ein snitzer, ein timmerman efte ein steindecker.
des dodes danz 1088
Bäthcke; (
sie) quam to Johan Lamberts, dem schroer. Daniel v. Soest
s. 261
Jostes (
diatogon 999).
vgl. auch Mone
altd. schausp. 2, 393,
s.schrot 2,
b. diese bedeutung ist in nhd. zeit gänzlich ausgestorben, doch wird gerade sie hauptsächlich den vielen eigennamen zu grunde liegen. neuhochd. wb. führen sie nirgends mehr als lebendig auf. von mundarten hat sie nur das isolierte cimbr. gewahrt, s. cimbr. wb. 229
a. Schm. 2, 614
und Frischbier 2, 318
a bezeugen sie nur für das 14.
jahrh. etwas länger hat sie sich auf niederd. boden gehalten, doch bezeichnen sie auch hier das brem. wb. 4, 688
und Dähnert 415
a als veraltet, während ten Doornkaat Koolman 3, 149
a und Woeste 232
b (Schrör)
nur die verwendung als eigennamen kennen. ebenso gibt Kilian 'schrooder
sicamb. vel snyder
sartor'
als veraltet an. I@33)
heute wird schröter
hauptsächlich als bezeichnung eines käfers, besonders des hirschkäfers, gebraucht (
vgl.schroten 7,
b): schröter, schröder, schrötter, schrötel,
auch zusammengesetzt baum-, holz-, feuerschröter,
lucanus cervus Nemnich,
vgl. Oken 5, 1695
ff. Behlen 5, 555
f. öcon. lex.2 2649;
lucanus schröter (
Nürnb. 1530), schreter (
Augsb. 1521) Dief.
gloss. 337
b,
scabro schroter (
anfang des 15.
jahrh.), scroder (
nd.) 154
c (
s. auch schrot 8,
h und schrötel 1,
a), scroder, schrader Schiller-Lübben 4, 141
a,
vergl. auch schrooder
Ger. Sax. Sicamb. vel hornbedor Kilian.
zumeist nhd.: schröter,
scarabeus cornutus, lucanus Dasyp.,
scarabeus Maaler 362
b; schröter, ein groszer fliegender wurm, hat hörner,
m. cerf volant Hulsius 290
a; hauszbrenner, schröter, ein groszer hörnachter kefer,
scarabaeus maior, galeatus Henisch 502, 35;
scarafaggio cornuto, cervo volante. horn-schröter
v. hirschkäfer Kramer
dict. 2, 671
a; husbrenner,
nobis hodie schröter,
scarabaeus ille majusculus, galeatus, rubris cornubus et alis testaceis armatus Stieler 227. Steinbach 2, 517; schröter,
scarabaeus cornutus, heiszt in Franken und andern ländern Ober-Teutschlandes also .. im Nider-Teutschland heiszt disz insect an einigen orten feurwurm. Frisch 2, 228
b f.; denselben schimmeligen steinschabern, unnd müntzgaffern, die auch ein gebuckleten schröter für ein antiquitet auffheben, und jedes miszgewechsz auffkleben.
Garg. 33
b; erstosze darinn ein oder zween kotkefer ... oder der schröter mit den hörnlein, wie die hirschhorn. Wirsung
arzneib. 113 C; ausser dess esels kooth, kommen die schröter her, und dieselben werden anderer gestalt nicht geboren. dann alle schröter seynd zumal mannlin, und haben keine weiblin unter sich. Dornav 1, 579
a (
esels adel 1619); welches aber keine edelgesteine, sondern schwarze kefer waren in der grösze als die schröter in Teutschland.
Simpl. 2, 255, 21
Kurz; die käfer sind unterschiedlich, und werden von Schrœ
d. in folgende arten getheilet: nemlich in die schröter, roszkäffer und mey - würme. Hellwig
thiergarten (1703) 173; die schröter an sich selbst werden gebrauchet wider die schmertzen und contracturen der nerven. 174; ich halte dich an deiner eigenen schurkerei, wie den schröter am faden. Schiller
kab. u. liebe 1, 5; auch noch als schröter soll dein kleid ein harnisch seyn. Zachariä 186 (
verw. 4, 28); mückenschwärm' erheben sich aus binsengräben, und der braune schröter fliegt. Matthisson 1, 231; da plötzlich fuhr ein plumper schröter jach ans auge mir. A. v. Droste-Hülshoff 1, 95.
vielfach mundartlich, s. Frommann 4, 471, 34 (
Elsasz). Schm. 2, 614. Sartorius 113. Pfister 268.
im neuern niederd. scheint diese verwendung aufgegeben zu sein. I@44)
ein werkzeug zum schroten: I@4@aa)
in hüttenwerken ein stählerner hammer mit einer schneide am einen und einer bahn am andern ende, zum zerschroten der stahl- und eisenstangen Jacobsson 4, 57
a; schröter, in den bergwerken, ein hammer, schrothammer, der auf einer seite als ein schrot-eisen oder hacke, auf der obern breit, dasz man darauf schlagen darf, etwas ab- oder durchzuschroten,
malleus in fodinis altera parte cuneatus. it. ein hammer der unten dick, damit die klobenringe aufgehauen werden. Frisch 2, 228
b. I@4@bb)
eine art messer (?): wann den schnitt gethan hast, soltu die rinde mit eynem schroter von helffenbeyn gemacht, auff beyden seiten hüpschlich lösen und auffheben. Sebiz
feldb. 332. —
hier auch: unnd under jnen (
den knochen der brust) bey des magen mund ist ein knorbelechte zuothuoung, und ist genannt nach der forme eines schröters. Gersdorf
feldb. der wundarzn. 9
b ? (
der schwertförmige fortsatz, cartilago xiphoides?). IIII.
zu dem zweiten schroten,
verlader, der fässer auf- oder ablädt, sie in die keller schafft, vgl. besonders bierschröter (
th. 2, 1)
und weinschröter.
mhd. schrôter, schrotter, schröter, schrötter, schrôder Lexer
hwb. 2, 804;
nhd. schröter, einer der wein ab und ein schrotet,
m. un encaveur, qui fait mestier de devaller des tonneaux en caves Hulsius 290
a. Schottel 1409;
incavator Stieler 1935;
sed trahones onerarii sunt fasz-,
et lastzieher,
alias ausleger,
et schröter. 2628; schröter (der)
qui per funes onera trahit. bierschröter, weinschröter Steinbach 2, 517; schröter, als wein-schröter, bier-schröter, welcher die vollen fässer wein oder bier in den keller und aus demselben welzet,
molitor doliarius, phalangarius Frisch 2, 229
b,
vgl. auch öcon. lex.2 2649. Sartorius 113. Frischbier 2, 317
b f. tzymmerleut, schrotter, aufdinger, ableger.
städtechr. 3, 359, 26; die schrotter mit iren stangen. 370, 18; das solliche weyn .. durch die geschwornen schrötter aussgezogen ... werden.
Nürnb. polizeiordn. 246; es sol auch hinfür ein yeder bierprew seine bier auss seinem hawss durch nymant annders dann durch die geswornen schroter arbeiten und füren lassen. 269; item fur ein püchen stangen den schrottern zu iren leittern 7 pf. Tucher
baumeisterb. 78, 28; nachdem und die schrotter iren zeug von seilen und leitern an der Eich .. in dasselb heuslein .. tetten. 267, 21; alle ableger, schröter. 328, 4; es kompt die zeit, das ich jnen wil schröter schicken, die sie ausschroten sollen, und jre fasse ausleren, und jre legel zerschmettern.
Jer. 48, 12; und sollen insonderheit unsere zoll einnehmere, sowol die verordnete schröter, fleissige auffachtung haben, damit bey einlegung oder einschröttung der weine .. jetzo angeregter aussatz und unterscheidt eigentlich gehalten werde.
Breslauer weinordn. vom j. 1631 A 2
b; thorsteher, zöllner, schröter.
schles. kapitulation von 1661. Simrock
volksb. 4, 75 (
s. zweites schroten 1); in betreff eines antrags der schröter auf erhöhung ihrer seit 1816 nicht mehr veränderten taxe für behandlung der krahnengüter von dem rechneiamte um ihr gutachten ersucht, schlieszt sich die (
Frankfurter) handelskammer der ansicht der genannten behörde an, die beantragte taxerhöhung für wein und behauene steine zu bewilligen.
Frankf. journ v. 2.
juli 1872, 1.
beil. 1
c; er bleibt an seiner stell' auch also feste kleben, das ihn zwölff schröter auch nicht möchten dannen heben. Scherffer
Grob. 38,
s. Drechsler s. 237.