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Scherge

mhd. bis sprichw. · 13 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Adelung
Anchors
17 in 13 Wb.
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Scherge

Bd. 3, Sp. 1425
Der Scherge, des -n, plur. die -n, ein jeder obrigkeitlicher Bedienter, welcher die ihm Untergebenen zu ihrer Pflicht anhält; in welchem Verstande es ehedem von Amtleuten, Vögten, und andern Finanz-Bedienten, selbst über ganze Provinzen, gebraucht wurde, welche die landesfürstlichen Einkünfte von den Einwohnern eintrieben. Philopator wird in königlichen Ehren sitzen, wie ein Scherge, Dan. 11, 20. Frisch führet mehrere Beyspiele von dieser jetzt veralteten Bedeutung an, indem das Wort gegenwärtig nur noch von den niedrigsten Bedienten der Polizey und der Gerechtigkeit, d. i. von den Gerichtsknechten, Stadtknechten, Häschern, ja auch wohl von den Henkersknechten gebraucht wird, im Hochdeutschen aber mehr in Schriften, als in der Sprache des täglichen Umgangs üblich ist. In diesem Verstande kommt es schon im Schwabenspiegel Kap. 149 vor. So haben ihn des Satans Schergen Mit schweren Fesseln eingeschränkt, Gryph. Anm. Vermuthlich gehören auch das Engl. Sherif, das Franz. Sergent, und das mittlere Lat. Circa, die Ronde, Nachtwache und ein Wächter dahin, obgleich das letztere gemeiniglich von dem Lat. circa und circumire. (S. Schar und Scharwache,) das mittlere aber von serviens hergeleitet wird. Unser Scherge stammet von dem noch in den gemeinen Sprecharten Obersachsens, Schlesiens, und anderer Provinzen sehr bekannten schergen, scherchen, schirgen u. s. f. her, welches das Intensivum von scheren ist, und so wohl im Neutro heftige Bewegungen machen, als auch active, heftig bewegen bedeutet, S. 1 Schar und Scheren. Nach einer sehr gewöhnlichen Figur wird es hernach von verschiedenen Handlungen gebraucht, welche mit einer heftigen Bewegung verbunden sind. Bey einigen alten Oberdeutschen Schriftstellern ist scurgan schieben, stoßen. Sy sahin ynen intgegen schurgin Die Lut von denen dreyen Burgin, Jeroschin, bey dem Frisch. Den Tisch an die Wand schergen, schieben. Figürlich ist schergen, scherchen, schirgen, anschergen, noch in den gemeinen Sprecharten Meißens antreiben, durch Aufmunterung und Zuspruch befördern. Da war ich ein Ochse, daß ich nicht genug schob und schergete, Weiße. Anschergen, antreiben, in Schlesien anschirgen, wo auch schirgen, schürgen, sich fördern, eilen ist. Von dieser Bedeutung des Antreibens und Eintreibens stammet das Hauptwort Scherge in beyden Bedeutungen her. Dem Lat. urgere fehlet nur der Zischlaut.
2380 Zeichen · 33 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    SCHERGE

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +7 Parallelbelege

    SCHERGE s. ich SCHIR .

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Scherge

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Der Scherge , des -n, plur. die -n, ein jeder obrigkeitlicher Bedienter, welcher die ihm Untergebenen zu ihrer Pflicht a…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Scherge

    Goethe-Wörterbuch

    Scherge a mit der Vollstreckung gerichtlicher Entscheidungen beauftragter (niederer) Gerichtsbeamter, (ehrlos angesehene…

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Scherge

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Scherge (althochd. scario , »Ordner«), Polizei-, Gerichtsdiener, jetzt nur mit übler Nebenbedeutung: Büttel, Henkersknec…

  5. Sprichwörter
    Scherge

    Wander (Sprichwörter)

    Scherge 1. Auf den Schergen folgt der Henker. – Winckler, XIX, 3. 2. Bekannte Schergen scheuen alle Dieb. Lat. : Apparen…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit scherge

36 Bildungen · 29 Erstglied · 7 Zweitglied · 0 Ableitungen

Zerlegung von scherge 2 Komponenten

sch+erge

scherge setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

scherge‑ als Erstglied (29 von 29)

schergeiger

DWB

scherg·eiger

schergeiger , m. für scherrgeiger, kratzender geiger? schlechter fiedler?: dann ein scheergeigers accord der viol di gamba nicht gleich komm…

Schergeld

PfWB

scher·geld

Scher-frack , Scher-geld , Scher-haken s. Scher(en)frack , frack, -geld, -haken ;

schergenamt

DWB

schergen·amt

schergenamt , n. , mhd. schergenamt, schergamt, der amtsbezirk eines schergen. Lexer handwb. 2, 708 : wir haben im auch gescheiden den march…

Schergenbach

Meyers

schergen·bach

Schergenbach ( Schalkelbach ), der Fluß des Val Samnaun in Graubünden, entspringt im Massiv des Piz Muttler (3298 m), liegt bei dem Talort S…

Schergendienst

DRW

schergen·dienst

Schergendienst, m. Aufgabe, Amtstätigkeit eines Schergen (II) vgl. Schergenamt (III) angeregte geschwohrne aber liessen dem ... abgestraffte…

schergenfaust

DWB

schergen·faust

schergenfaust , f. : tragen nicht, an vielen orten, die blutigen schergenfäuste maineydiger, bännischer ( unter acht und bann liegender ), g…

Schergenhaft

Campe

schergen·haft

○ Schergenhaft , — er, — este , adj . u. adv . einem Schergen ähnlich, nach Art eines Schergen. »Sie verschloß schergenhaft ihre Freude im K…

schergenhammer

DWB

schergen·hammer

schergenhammer , m. , vielleicht dasselbe wie scherhammer ( vgl. daselbst ): wie jhme a. 1614 von 5 mannspersonen sein kopf dermaszen mit fä…

schergenhauptmann

DWB

schergen·hauptmann

schergenhauptmann , m. : barigello oder bargello, ein schergen-hauptmann, profos, lat. praefectus lictorum, tribunus capitalis Apin 62 .

schergenhaus

DWB

schergen·haus

schergenhaus , n. gefängnis: und die sinagog ist ietzo das schergenhaus der stat. Aventin chron. 2, 591, 25 .

Schergenhof

DRW

schergen·hof

Schergenhof, m. wohl ein Hof, auf dem Abgabenleistungen liegen, die der Finanzierung des Schergenamtes (I) dienen schergenhof giltt vi mutt …

schergenhufe

DWB

schergen·hufe

schergenhufe , f. hufe mit wohnsitz eines schergen ( vgl. hufe 2, theil 4 2 , 1867), und die darauf befindlichen leute: wenn man dem richter…

schergenknëht

Lexer

schergen·kneht

schergen-knëht stm. der sch. umb phenning dingt Teichn. C 5 b . nicht comp. des schergen kneht Helmbr. 1620.

schergenlehen

DWB

schergen·lehen

schergenlehen , n. : item, wenn man die gefangen gen Völsz bringt in den mairhof oder schergenambt, das iezt der mair daselbs zu Völsz inhat…

schergenpabst

DWB

schergen·pabst

schergenpabst , m. 1) die traubenkirsche, prunus padus Nemnich, vgl. scherpenholz; Pritzel-Jessen schreibt scherpgenpasist ( nach Münchhause…

Schergenrecht

DRW

schergen·recht

Schergenrecht, n. "Abgabe an den Gerichtsdiener von solchen Holden, deren Herrschaft nicht das Landgericht hat" ÖW. VI 640 der ambtman soll …

schergensold

DWB

schergen·sold

schergensold , m. sold eines schergen. schörgensold tirol. weisth. 4, 765, 39 ( überschrift ).

schergenstube

DWB

schergen·stube

schergenstube , f. , auch schergstube geschrieben, gefängnis Lexer handwb. 2, 708 : kumpt er ( ein gedingter knecht, der sich weigert den di…

schergenteufel

DWB

schergen·teufel

schergenteufel , m. teufel, der in einem schergen wohnt; überschrift des ersten gesichts in Philanders gesichten von Moscherosch.

Schergenvolk

Campe

schergen·volk

○ Х Das Schergenvolk , — es, Mz . u. ein Wort, viele oder mehrere Schergen, wie auch den Schergen ähnliche Personen verächtlich zu bezeichne…

schergereⁿ

Idiotikon

schergereⁿ Band 8, Spalte 1251 schergereⁿ 8,1251

scherge als Zweitglied (7 von 7)

diepscherge

MWB

diep·scherge

diepscherge swM. ‘städt. Gerichtsbediensteter, Büttel’ chaufet ein man ein ros oder ein rind, daz geraubt ist, und er enwaiz nicht darumb, u…

hellescherge

Lexer

helle·scherge

helle-scherge swm. BMZ höllenscherge, teufel Mai , Loh. (2769). Helbl. (7,603). Mart. Greg. B. 7 a . j.Tit. 5468. 81.

judenscherge

KöblerMhd

juden·scherge

judenscherge , sw. M. nhd. Judenscherge, Büttel des Judengerichts Q.: DRW (1364) E.: s. jude, scherge (1) W.: nhd. DW- L.: DRW

lantscherge

KöblerMhd

lant·scherge

lantscherge , sw. M. nhd. „Landscherge“ Hw.: s. lantkneht Q.: Urk (1330), WeistGr E.: s. lant (1), scherge W.: nhd. DW- L.: Lexer 121c (lant…

pfaffenscherge

DWB

pfaffen·scherge

pfaffenscherge , m. , pedel, wie man sie bei den consistoriis hat. Roth dict. (1571) M 4 a . Schade sat. 1, 145 f.

Stadtscherge

DRW

stadt·scherge

Stadtscherge, m. wie Stadtknecht vgl. Scherge (II) [Beschwerde:] was ... zu P. der pfarrer ... sambt seinem caplan ... item stattschergen, r…

stockscherge

DWB

stock·scherge

stockscherge , m. , wie oben stockmeister: stockscherge ( neben stockwarter) cippicustos Diefenbach nov. gloss. 121 a ( v. j. 1515). —