schäumen,
verb. spumare, despumare. AA.
Formales. denominativbildung zu schaum,
die formale entwicklung läuft der des substantivs parallel. ahd. scûmen Graff 6, 496,
mhd. und mnd. schûmen,
dän. skumme,
schwed. skumma,
engl. scum Skeat 536
a,
mnld. scumen,
nnld. schuimen.
spät mhd. und früh nhd. starkes schwanken in der schreibung des wurzelvocals: schumen, schaumen, schimen, schaymen,
spumare Dief. 549
a, schimnen
mhd. wb. 2, 2, 223
a.
zusammenziehung des diphthonges in o: do kam er (
der eber) under die herd der lemer, und stalt sich enmitteln unter sich, warf sie ungestümglich umb mit umb sich howen, schomen und die zen ze weczen. Steinhöwel
Äsop 195
Österley. verschärfung durch doppelconsonanz: indem so kumpt der alte man gegangen zu der kammer in, schummet als ain eberschwin.
Zimm. chr. 1, 591, 48.
besonders häufig findet sich die abweichung ai, ay: schaimen
in den vocabul. von 1419
und 1429
bei Schm. 2, 418; der unterkoch soll das flaisch verschaimen.
Scheirer dienstordnung von 1500
ebenda; ein leib von wein angezündet, schaymet leichtlich inn unlauterkeyt. S. Franck
laster d. trunkenh. (1531) F
b (
entsprechendes s. unter schaum
A, sp. 2349).
in neueren mundarten oberd. faimen
bevorzugt, vgl. Schm. 1, 718. 2, 418.
schweiz. schume Hunziker 232, schumma Tobler 401
b,
niederd. mit und ohne umlaut schümen Schambach 187
a. Woeste 234
a.
brem. wb. 4, 611. Mi 78
a. ten Doornkaat Koolman 3, 157
b.
umlaut findet sich schon früh, s. die belege oben und Lexer
handwb. 2, 816 schöumen.
der umlaut dringt aber nur langsam in hochdeutschem gebiete durch. während Luther
ausschlieszlich scheumen,
später schlesische dichter fast nur schäumen
schreiben, finden sich bei Logau
formen mit und ohne umlaut neben einander. in der heutigen schriftsprache nur umgelautet in gebrauch, vereinzelt alterthümelnd die umlautlose form aufgenommen: ein reinliches mädchen (
die seife im rätsel) .. das aufwalle mit schaumen, wenn es mir küszt den daumen. Rückert 11, 269.
von den lexicographen haben Maaler 348
c, Dasypodius
und Henisch,
letzterer unter faumen, feumen, geiffern 1023. 1047. 1441,
[] nur schaumen, Steinbach 2, 393
ausschlieszlich schäumen; Stieler 1744
und Frisch 2, 166
b stellen die umlautlose form vor die umgelautete. Adelung
und Campe
billigen eine im Oberdeutschen übliche trennung in intransitives schaumen
und transitives schäumen.
flexion immer schwach. vom part. präs. vereinzelt ein comparativ gebildet: um den opferhellen schenktisch und den schäumenderen pokal. Voss 3, 192.
das part. prät. geschäumt,
ahd. giscûmit Graff 6, 496
wenig im gebrauch. geschaumt,
despumatus Henisch 1530, 59,
meist durch beschäumt
ersetzt, vgl. bei Schiller: (
das stolze rosz) knirrscht voll ungeduld in die beschäumten zügel. 6, 391.
auch durch schäumend
oder mit schaum bedeckt (
s. nachher B, VI).
vgl. feimen
theil 3,
sp. 1451. BB.
Bedeutung und gebrauch. die ältere sprache zeigt sich freier und reicher als die neue. B@II.
intransitiv, schaum erzeugen, aufwerfen: schaumen, schaum gäben oder auftryben,
agere spumas, spumare. Maaler 348
c.
nach der ursache des schaumes
wird meist zugleich das schnell, heftig bewegt werden oder, reflexiv gedacht, das sich bewegen empfunden, ebenso wird oft schon der der thätigkeit des schaumerzeugens folgende zustand des mit schaum bedecktseins gefühlt, ohne dasz eine strenge sonderung dieser nebenbedeutungen möglich wäre. B@I@11)
von leblosen dingen. B@I@1@aa)
im eigentlichen sinne von concreten stoffen, flüssigkeiten (
nach schaum
B, I, 1,
a—
c);
absolut (
vom badewasser des kindes Jesu): daʒ bat schaumen began.
kindheit Jesu 88, 33;
wellen, wogen schäumen: man sieht das wasser schäumen, die wellen heben an erschrecklich sich zu bäumen. Brockes 1, 118; (
gott) weisz, warum der völker schwall so ungestüm sich bäumt, und wog' an wog' in donnerhall aufbrandend tost und schäumt. Voss 5, 51; auf, und es schäume die woge, die wilde! Platen 164; ob auch die woge brandend um ihn schäume. 167
b; über ihm und seinen jugendträumen seht ihr nun die kalten wogen schäumen. Lenau 1, 198
Koch; wo nur die kalte woge schäumt und sterbelieder singt der wind. 2, 190.
besonders vom meer: kaum schäumt das meer, kaum zischt das wetter. Creuz 1, 174; schwarz wie nacht, brausest du auf, meer! wie wogt, wie krümmt sich und schäumt brandung! Voss 5, 124; hinunter schauend in die weite see, die an den felsenufern brandend schäumt. Grillparzer 3, 240; was schäumt das meer, was wälzt es sich, und bäumt an das gestade? Droste-Hülshoff 1, 430; (
Napoleon) der auf Helena, wenn rings die meerflut schäumte, beim sturme sich zurück in seine schlachten träumte. Lenau 1, 211.
im vergleiche: du (
gott), welcher bald als sturmwind saust, bald haucht als lüftchen mild, heut wie ein weltmeer schäumt und braust, wie brünnlein morgeh quillt. Arndt
ged. (1860) 331.
vom flusz, bach, wasserfall u. ähnl.: und in der tiefe rauscht und schäumt in wilden gischten und flocken — wie ein brauender wolkenstrom — der wildbach. Rosegger
waldschulmeist. 116; als donnr'er rauschet der strom, schäumt', fliegt, stürzt sich herab ins blumengefild', und im fall wird er silber, das emporstäubt! Klopstock 1, 169; Jordan, Po und Tiber, sie schäumten voll von heldenblut der Deutschen. Herder
z. schön. lit. u. kunst 3, 163.
unpersönlich: wahrlich, vetter, es schäumt und schwemmt, es brüllt um der klippe zinken! ruhig, mein junge, die springflut kömmt, lasz sie steigen, sie wird schon sinken. Droste - Hülshoff 1, 248.
mit näherer bestimmung namentlich des ausgangspunktes und zieles, vollständig in den begriff '
schäumend sich bewegen, herabstürzen'
fallend: in dem klaren wasser, das ungern (
aus dem kühlen walddickicht) in die wärme hinaus rann, um über klippen zu schäumen. Heinse
Ardingh. (1787) 1, 117; so sehn wir nicht den wilden regen, der über hohe dächer schäumt. Zachariä 413;
[] sitzend unter grünen bäumen hören sie den wasserfall über glatte kiesel schäumen. Hölty 140
Halm; wie schön der mond die wellen des erlenbachs besäumt, der hier durch binsenstellen, dort unter blumen schäumt. Matthisson
ged. 85; den wilden bach, er sieht ihn jach ins thal herunterschäumen. Hebbel 7, 24.
das gefühl der lebendigen thätigkeit bei schäumen
wie bei kochen
u. ähnl. verben hat zur personification geführt: ragen klippen dem sturze (
des falles) entgegen, schäumt er unmutig stufenweise zum abgrund. Göthe 2, 58; die wogen stürzen sich heran; doch wie sie auch sich bäumen, dem schiff sich werfend in die bahn, in toller mühe schäumen. Lenau 1, 194
Koch; bis in seine tiefste quelle schäumt der alte Rhein vor groll, flucht der schmach, dasz seine welle fremdes joch ertragen soll!
übersetzung einer ode Friedrichs des groszen in Treitschkes
deutscher geschichte 1, 53. B@I@1@bb)
verengt von künstlich zum schäumen
gebrachten geschmolzenen, gekochten, moussierenden stoffen, getränken u. s. w.: unangesehen, dasz die seck nit wie ein fleischbrü oder etwas siedents schäumen, wissen doch die müller denselbigen den feim abzustreichen, dasz bisweilen ein metzen oder zwo getraids mit kleben bleibt. Kirchhof
wendunm. 1, 334
Österley; der zucker scheumet viel unflat aus. Stieler 1744; schäumet champagnerwein nicht in deinem umkränzeten becher. Zachariä 407; die wahre liebe gleicht dem guten deutschen wein; er wird dem alten nie zu alt zum trinken sein. und schäumt zum rausch er dir in dem pokal nicht mehr, so trink als arzenei die letzte flasche leer. W. Müller
ged. 2, 322;
vom punsch: siedend sprudelt sein gemisch und schäumt, und strudelt im pokal! im pokal! Voss 6, 9;
vom bier: schenk vull beer, dat brœsig un klar as oelj', ut der buddel schümt, un kribbelnd de knaaken erwarmt. Voss 2, 127;
unpersönlich, vom metall: im innern (
der erde) siedets, schäumt und schleudert wilder durchs feuermeer furchtbare schreckensbilder. Göthe 4, 201. B@I@1@cc)
übertragen, im bilde; gewöhnlich mit starker betonung des lebendig beweglichen, an personification streifend. von lebensfluten: auf! auf! wach auf her Christ! schau wie die winde toben! wie mast und ruder knackt! itzt sinkt dein schief in grundt! itzt schäumbt die wilde flut, wo flack und segel stundt uns mist compas und raht! bald kracht die luft von oben! Gryphius
sonette 19
neudruck; rieselnd hört er (
Merlin), springend schäumen lebensfluten in den bäumen. Lenau 1, 402
Koch. in den mannigfachsten wendungen vom lebenssaft, der den körper, das herz durchflutet, vom blute: des herzens woge schäumte nicht so schön empor, und würde geist, wenn nicht der alte stumme fels, das schicksal, ihr entgegenstände. Hölderlin 2, 65; ihn fröstelt, fröstelt, obs drinnen schäumt, wie fluten zum strudel rinnen. Droste - Hülshoff 1, 283; das blut ist toll, und gährt und schäumt, weil ich den bösen traum geträumt. H. Heine 1, 17
Elster. zeichen nahen todes: du (
gift-)pflanze, tödtest mich — schon schäumen meine säfte — ein arzt entdeckt vielleicht in dir einst heilungskräfte. Creuz 1, 236.
es schäumt
aber auch das blut von lust und liebe, die lust im blute: wenn blut und lüste schäumen, so stärke meinen geist, dasz er sich auch in träumen aus Satans netze reiszt. Canitz 47; an Tinians gestad, wo meer und lüste schäumen. Creuz 2, 160; (
Christi dornenkrone) soll mein fleisch mit diesen dornen ritzen, wenn die wilde lust im blute schäumt. Schubart
ged. (1829) 1, 112; der könig sprach: einst rang ich so gut, einst fühlt' ich mein junges königsblut von kraft und von liebe schäumen, heut' möcht' ich von jugend träumen! G. Schwab 1, 184;
[] in freier übertragung: (
gott spricht) ich schaue gern hinein in diese erden, in ihnen sprudelt mir ihr eignes blut, der, mag es auch zu baum und blume werden, doch mir nur schäumt in jugendlicher glut. Hebbel 8, 170.
vom weine ausgehend: denn so lang die lebensquelle an der lippen rande schaumt, ist der jammer weggeträumt, fortgespült in Lethes welle. Schiller 11, 395; die jugend braust, das leben schäumt, frischauf! eh der geist noch verdüftet. 12, 59.
mit begriffsvertauschungen, wo schäumen
dann meist an die bedeutung überschäumen
rührt; so becher für wein: becher schäumten in die runde. Jacobi 5, 216.
in weiterer übertragung: fand das höchste wesen schon kein gleiches, aus dem kelch des ganzen wesenreiches schäumt ihm die unendlichkeit. Schiller 4, 51; von einem wunderbecher hab' ich mit angst geträumt, woraus dem durstgen zecher die höchste fülle schäumt. Hebbel 8, 143,
noch freier: und also wird der süsze kusz, ... (
durch die kraft des giftes) von gall und wermuth schäumen. Günther 968.
kessel für das darin kochende wasser: doch wie der kessel (
der papiermühle) quillt und schäumt. Droste - Hülshoff 1, 287.
mehr verinnerlicht, herz für blut: ists (
das herz) ein wildes, ungezäumtes, wird es im tumulte scheu, todestrunken glüht und schäumt es und zertrümmert sein gebäu. Lenau 1, 104
Koch. unpersönlich: in dessen herzen es vielleicht von dem entschlusse, zu den Römern überzugehen, eben jetzt, jetzt hier vor mir, kocht und schäumt! Klopstock 8, 124.
besonders freie übertragungen und kühne bilder: von den weiszflockigen, leicht wie schaum herabstäubenden '
kätzchen'
der weide: er trat ins warme thal hinab, die weiden schäumten und ihr same spielte in seiner wolkenflocke eh' ihn die erde befestigte. J. Paul
Tit. 2, 219.
vom wirren durcheinanderflieszen des schaumes im ausgeführten bilde: es zogen mir wolken, wallungen über das gehirn her, und als ich in die wirbel sah, in denen das wasser zwischen den granitblöcken sich dreht, um dann schäumend vor- und hinabzustürzen, so wurde mir, als wirble und schäume es mir gerade so in meinem armen kopfe. Vischer
auch einer 1, 68; (
die phantasie) schäumt zornig zischend, brandend, brüllend über das selbst bereitete hindernisz dahin. 71; ein rauschend ungeheuer, schäumt das dampfboot durch den Rhein, den blauen. Droste - Hülshoff 1, 318. B@I@22)
von lebenden wesen, zum zeichen höchster anstrengung, erregung; häufig verinnerlicht von eifer, wut u. ähnl. B@I@2@aa)
von thieren, namentlich vom pferde: schäumen, als ein schwitzendes pferd am leib,
sudore spumare. Frisch 2, 166
b; diu ros von müede schûmden.
Lanzelet 2568; wie dort ein streitbar rosz vor ehrbegierde schäumt. Bodmer
krit. ged. 52
neudr.; es schäumen die hengste, die schwerter erklirren. Fr. Müller 1, 262; ob auch das rosz sich grauend bäumt und knirrscht und in den zügel schäumt. Schiller 11, 277.
in vergleichen: als ein eber schûmen (: sûmen).
troj. krieg 27279; den wilden kenn ich, weisz, dasz huld ihn nur erbittert, dasz er, vom joche wund, noch ungestüm sich bäumt dem ungeheuer gleich, das an der kette schäumt. Gotter 2, 325.
der körpertheil wird genannt: so sie (
die hunde) im dieffen thal verlauffen und die berg auff und ab durchschnaufen alsdan in erst die waffel schaumpt. Fischart
gl. schiff 377 (2, 189
Kurz); des rosses flanke schäumt über den bügel. Droste - Hülshoff 1, 336. B@I@2@bb)
von menschen, jetzt nur wenig üblich; selten, nur in älterer oder niederer sprache, so viel als stark schwitzen, mnd.: he was in also groter hette entfenget, dat he gans swetede und syn licham de schumede. Schiller-Lübben 4, 151
a.
vom gierigen esser: er friszt, das ihm das maul schäumt; Boie schmiert
[] das mark auf geröstete semmel und schmazt, dasz ihm das maul schäumt. Bürger
briefe 1, 352;
bei starkem durste: woluf, wir wend uns nit lang sumen! mich dürstet, das ich möchte schumen! so gsich ich an dim spüwen wol, du hieltist ouch ein stifel vol. Manuel
weinspiel 184
neudruck. häufig bei gewissen krankheiten, tobsucht, fallsucht u. ähnl. ahd.: inti (
der epileptische) scûmit inti gisgrimmôt zenin (
et spumat et stridet dentibus).
Tatian 92, 2;
mhd. swenne er alsô hin vellet unde lît unde schûmet (
bei fallender sucht). Berthold v. Regensburg 1, 518, 2;
im älteren nhd. namentlich in der bibelsprache: einer aber aus dem volck antwortete, und sprach, meister, ich habe meinen sohn herbracht zu dir, der hat einen sprachlosen geist, und wo er in erwischet, so reisset er in, und scheumet und knirschet mit den zeenen, und verdorret.
Marc. 9, 18; und als bald da in (
Christus) der geist sahe, reis er in (
den sohn) und fiel auff die erden, und waltzet sich und schewmet. 20; sihe der geist ergreifft in, so schreiet er als bald, und reisset in, das er schewmet.
Luc. 9, 39; sie schaumeten ausz dem maul ... so ist es ein vorbott der gegicht oder fallenden siechtagen. Paracelsus 2, 12 B.
im vergleich (
vom gedicht, das aller regeln spottet): wie ein betrunkner lallt, wie ein beseszner schäumt, und wie ein kranker oft bey hitz und fieber träumt. Bodmer
krit. ged. 60
neudruck. vom wütenden menschen: schäumen vor wut, vor zorn scheumen. Stieler 1744;
heftig erzürnt sein, valde iratum esse. Frisch 2, 166
b.
in älterer sprache auch mit von
für vor: (
ein starker lastträger) war so sehr erboset, dasz ihm das maul von zorn schäumete. Olearius
pers. rosenth. 2, 36.
gern der eber zum vergleiche herangezogen (
s. oben 2,
a): da ward er (
Goffroy) vor zorn bleich und grimmig, und schaumet wie ein wildes schwein.
buch der liebe 274
d; (
der hauptmann) schäumt wie ein eber. Schiller
räuber 2, 3
schauspiel; da liegt er, schweist und schaumt, fast als ein wildes schwein. Rompler 105; jezo verbindt ihn (
Segest) zum nachtheil der Deutschen sein nur in blut zu löschender hasz mit dem grimmigen Nero, der von wuth und rache noch schäumt. Wieland
Hermann 65
neudruck. mit weglassung der näheren bestimmung des grundes oder der art absolut gebraucht, zu einem synonym von toben
verblaszt: die welt rast, tobt, schaumt, strampft. Logau 1, 189, 97; sie schäumen, das ist nichts; sie solten sich erhenken. Günther 483; wann er (
Timon) bey heiserm schmähn des gegners namen nennt, bei jeder antwort schäumt und jeden satz begeifert. Hagedorn
versuch einiger ged. 55
neudr.; es starrt ihr (
des zauberweibes) haar, sie schäumt, sie raast, sie heult. Pyra
u. Lange 137
neudr. zugleich an den begriff überschäumen
rührend: Hippias zäumt pferde wol, kan nicht seine zunge zäumen, die von lügen, schmach und schand, immer toben wil und schäumen. Logau 3, 64, 43.
mit ironischem, tadelnden beisinne von verschiedenen ausgängen aus verblaszt zu den begriffen des zügellosen, übermütigen thun und treibens, des eitlen schwatzens u. ähnl., auch hier meist an überschäumen
anklingend: er (
der herzog) schäumt wie eyn trutziger und übermütiger mensch.
Aimon B 1
b; man musz aber solchen (
übermütigen) gsellen weren, und nit zu viel gewalts einreumen, das sie nit irs gefallens scheumen. Waldis
Esopus 4, 55, 56
Kurz. unpersönlich (
über fälschliches binden durch e
und s
bei zusammensetzungen): jetzo schäumt's in allen büchern e und
s. J. Paul
doppelwörter 12.
im bilde vom überlaufenden kochtopfe: gleich wie ein siedend topf mit blasen scheumet und ubergehet, also scheumen sie (
die übelthäter) und gehen auch uber mit vielem gewesche, des ir hertz voll ist. Luther 3, 302
b.
von der angestrengten bewegung ausgehend: er (
der disputant) redet, dasz der mund ihm schäumt, ein ungeduldig wort, das läuft die andern über und setzet den verstand fast in ein hitzig fieber. Chr. Wernicke
auf Rebuffus. B@IIII.
in älterer sprache namentlich zahlreiche transitive wendungen, gewöhnlich von personen. B@II@11)
schäumend ausstoszen, von innerer bewegung der seele gesagt, ausgehend von wut schäumen;
meist mit angabe des zieles, auf, gegen, wider jemanden: [] hett' auch ein mensch gedacht: dasz, die wir so geliebt, ja noch mehr lieben wolten, auf uns solch meyneydsgift verräthrisch schäumen solten? Lohenstein
Epicharis 101; so schäumt Suillius auf mein unschuldig leben verläumdungsgifft und jäscht. 115; traut ihr die herrschafft euch der welt nicht zu erkämpffen, umb die Rom gall und gift auf alle völcker schäumt. Lohenstein
Sophonisbe 68, 355.
vom munde des menschen: das hertz des gerechten tichtet was zu antworten ist, aber der mund der gottlosen scheumet böses.
spr. Sal. 15, 28;
in freierer anwendung: solchen beschlusz solte billich solch edict haben, und war keines bessern werd, auff das es für aller welt so unverschampt seine eigene schande eraus scheumete. Luther 5, 301
b; mein hertze schäumte wider denselben heimlichen gifft und galle.
Plesse 3, 99;
scheinbar ohne object: unwillkürlich zittert vor seiner häszlichkeit das laster; schäumt erbittert auf den, der es entlarvt. Gotter 2, 64; so knirscht und schäumt, so fletscht und grinst kein Römer auf seinen feind, als wie ein jude deiner (
des Herodes) partei auf einen vom Antigonus. Rückert 9, 243.
selten von thieren im vergleiche: wie ein gereiztes thier, das zorn und geifer schäumt. Schlegel
bei Campe.
vereinzelt dichterisch, mit persönlichem dativ: du gestürzte (
Babylon)! wie lang schäumte dein taumelkelch dem erdkreis verführung, wahn, wuth und tod! Klopstock
Mess. 20, 708. B@II@22)
schäumen machen, zum schäumen bringen, wie oben (
s. I,
a anfang),
mit den nebenbegriffen schäumend bewegen, mit schaum bedecken, verbunden: es schäumt der nahe Belt aus freuden seine wellen. Mühlpfort (1698) 78; schlaft ihr? wollt ihr wieder träumen, da das wachen kaum begann? und die zeitenwogen schäumen noch die brandung himmelan. Arndt
ged. (1860) 397.
niederdeutsch in älterer sprache häufig das meer schäumen,
das wasser des meeres durch das darüber fahrende schiff zum schäumen bringen. daraus entwickelt sich früh im munde der zu see heerenden die bedeutung '
seeräuberei treiben' (
vgl. holl. de zee schuimen,
franz. écumer les mers
oder les côtes),
dann absolut, allgemein, rauben, plündern: hebben se ere hAepeninge up dat schüment und rovendt gesettet unde de lande vel erger, als vorhen vorheret und vorteret.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 151
a.
daneben auch wegschäumen,
schnell weglaufen, aus dem nd. bei Campe.
aus beiden entwickelt sich ein absolut gebrauchtes schäumen,
das land raubend, milder, bettelnd durchstreifen (
holländ. schuimen gaan,
schmarotzen),
landstreichen; noch mehr verblaszt sich herum treiben, namentlich herumstreichen vom weidevieh. vgl. Schiller-Lübben 4, 151
a. B@II@33)
so viel wie abschäumen,
despumare, den unreinen schaum von der oberfläche einer kochenden masse abnehmen. Campe: schäumen, das fleisch abschaumen,
despumare. Frisch 2, 166
b;
technisch wachs, zucker, syrup schäumen; wer hönig in sich trinket, daʒ niht geschäumt ist, den plaet eʒ. Megenberg 293, 32; schûme die wirtz mit einer vensterehten schüʒʒel.
buch v. gut. sp. 15; eine meerkatze sitzt bei dem kessel und schäumt ihn. Göthe 12, 119;
übertragen, mit näherer adverbieller bestimmung: all wucher, schinderey, auffsetz, pracktick, list, wechsel, all geltnetz wurden (
nach beseitigung des eigennutzes) auf einmal hingereumt und als (
alles) unglück hinweg gescheumt. Waldis
Esop. 4, 100, 122
Kurz. entgegengesetzt kann schäumen
auch das beste wegnehmen bedeuten (
so den schaum
vom champagner),
jetzt ähnlich das fett, den rahm abschöpfen;
so in folgendem: (
der Curtisan hat) gedacht, wirst den termin verseumen, so wird ein andrer vor dir scheumen. Waldis
Esop. 4, 83, 88. B@IIIIII.
selten in älterer dichtersprache reflexiv, für das gewöhnliche intransitive schäumen (
vor wut),
sich schäumend bewegen: (
gegen die bibel sind die andern bücher) eine bunte tonne, bey welcher die vernunft sich als ein wallfisch schäumt. Günther 983; schau jetzt in ihm (
dem kriege) die wellen der säfte, wie sie sich rasend schäumen zu gift! Creuz (1769) 1, 161.
vereinzelt mhd. sich reinigen von einer anschuldigung, an das transitive ab-, hinwegschäumen
streifend: sô daʒ du dich wider in vor allem meine schûmest. Konr. v. Würzburg
lieder 32, 146
Bartsch. [] B@IVIV.
besondere, veraltete, mundartliche bedeutungen. ganz vereinzelt in alter sprache schäumen
unpersönlich, vollständig mit träumen
sich deckend (
vgl. oben schaum II, 1,
d, β).
s. mhd. wb. 2, 2, 223
a.
schweiz. schumma,
melken Tobler 401,
vom schäumen der milch
beim melken her. B@VV.
part. präs. schäumend.
im eigentlichen sinne den bedeutungen von schäumen
folgend, häufig dem nebensinne des verbums entsprechend adjectivisch und adverbial, soviel wie mit schaum bedeckt, als vertreter des wenig gebräuchlichen part. passivi. B@V@11)
als attributives adjectiv. B@V@1@aa)
vom wasser, meer, strom u. ä.: die nacht der wälder, die unten aus felsenstücken und schäumenden wetterbächen herauf die lichten gipfel streckten. Hölderlin 2, 79; da streckte das meer, die eifersüchtige wittwe des enthaupteten Falieri, die schäumenden wellen wie riesenarme empor. E. T. A. Hoffmann 2, 147; eine verfallene, unbewohnte wassermühle, ... von zwei andern seiten vom schäumenden flusz umgeben. Eichendorff 3, 368; der see war ganz leer und nur die leise schäumende brandung sah Victor im abendwinde, der sich indessen gehoben hatte, längs den felsen der insel spielen. Stifter
der hagestolz 86; weithin hörte man das rauschen der schäumenden brandungen. Vischer
auch einer 2, 147; herscher der schäumenden wasser-kristallen, Thetis verehret dir perlen aus schnee. Lohenstein
Cleopatra 33, 1111; aber den augenblick sprang der tapfre jüngling vom wagen, faszte die blasse Diana, und hob sie aus schäumenden fluthen. Zachariä 336; aber was leuchtet mir dort vom felsen glänzend herüber und erhellet den duft schäumender ströme so hold? Göthe 1, 314; wind ist der welle lieblicher buhler; wind mischt vom grund aus schäumende wogen. 2, 59; aber geheftet den blick auf den bach, der voller hinabstürzt, gleit' ich sanft, wie ein traum, gegen die schäumende flut. Voss 3, 88; dicht zur rechten donnert' herab der zürnende waldstrom, nur sein donner betäubt den sinn, die schäumenden wogen birgt uns felsgesträuch und modernde tannen am abhang. Hölderlin 1, 49
Köstlin. schäumender wassersturz, welteitelkeit! Rückert 5, 198.
in vergleichen: der sommer war nun bald zu ende .. die natur, die, wie ein schäumender springquell, emporgedrungen war in allen pflanzen und bäumen, stand jetzt schon da vor meinem verdüsterten sinne, schwindend und verschlossen und in sich gekehrt, wie ich selber. Hölderlin 2, 46; es (
das leben) brauset wie ein schäumend meer, das keine ufer kennt, und wirft uns tropfen hin und her im wilden element. Arndt
ged. (1860) 283; an den gruben vorbey, wo ein ewiger schnee sich gelagert, bis zur Kochel, die tief sich in schäumenden bogen hinabstürzt. Körner (1827) 4, 339;
übertragen: strebst du nach ernster gedanken bewegung, platzen die schäumenden perlen alsbald. Kinkel
ged. 468. B@V@1@bb)
von andern flüssigkeiten, getränken u. ähnl.: labe dich! — mir auch, mädchen, diesen schäumenden trank. Göthe 2, 69; dann betrachtet sie (
das mädchen) oft des schäumenden mostes bewegung, gieszt das fehlende zu, damit die wallenden blasen leicht die öffnung des fasses erreichen. 1, 342; schäumendes bier auch brächte, den krug vorkostend, ein mägdlein. Voss
ged. 2, 306.
auch hier häufig begriffstausch: andere (
winzer) trugen die last (
der weintrauben) mühsam zur schäumenden kelter. Voss 2, 216; brüdern, die vor vielen jahren unsres bundes glieder waren, die der bund stets ehrt und liebt, sei ein schäumend glas geweiht.
aus dem akadem. lustwäldlin (
Altdorf 1794); genieszt den reiz des lebens, man lebt ja nur einmal, es blinkt uns nicht vergebens der schäumende pokal.
deutsche studentenlieder des 17. u. 18. jh. 208
Keil, und die schäumenden gläser unter jubelgesang erklangen zur ehre der freiheit. Hölderlin 1, 50
Köstlin; bist du, mein herz, selbst wider dich im bunde? was soll der volle schäumende pokal, was die unendlichkeit dem mann der stunde? Herwegh
ged. 169.
[] B@V@1@cc)
von lebenden wesen: wenn aber man auf aim stain vint ain schaumendeʒ pfärt und ainen man darauf, der ain zepter in der hand hât, der ist den guot, die gewalt über die läut habent. Megenberg 472, 13; sie nun lösten die rosse, die schäumenden unter dem joche. Voss
Odyss. 4, 39; das wilde schäumende rosz. Lenau 1, 196.
in freieren wendungen: vom berge rann im mondschein der strom wie schäumendes blut hinunter. Tieck 8, 88; Pux, hier koste das stück von der klapperschlange mit schierling, ... und die gebratene kröte, mit würziger tunke von asa, schäumender priestergall' und geläutertem katzengeifer. Voss 2, 261; nun harrt' er (
der könig) und harrte mit schäumendem mund. Bürger 34
b; schon hat ihn (
den jüngling) die eine (
welle) wütend verschlungen, und über sie kommen die andern gesprungen, die um die gierige neidisch schwärmen mit schäumendem rachen und wildem lärmen. Lenau 1, 197.
sehr frei, vom auge, das durch überstarkes licht geblendet ist: trunknen vom letzten strahl reisz mich, ein feuermeer, mir im schäumenden aug, mich geblendeten taumelnden in der hölle nächtliches thor. Göthe 2, 69. B@V@22)
prädicativ und adverbial. B@V@2@aa)
vom wasser, meer, strom u. ähnl.: alsdann tobt er (
der strom) schäumend über felsen fort. Heinse
Ardingh. (1787) 2, 310; fürchterlich schlug in das meer des todes der schlag! und die wasser fuhren schäumend empor, und die erd' und der himmel erschollen. Klopstock
Mess. 8, 502; wo gelbe bäche aus den ritzen schwacher mit moos bewachsner felsen schäumend stürzen. Schubart
ged. (1829) 2, 248; und wo im felsengrunde der eingeklemmte flusz sich schäumend aus dem schlunde auf räder stürzen musz. Göthe 1, 128; felsen stehen gegründet, es stürzt sich das ewige wasser aus der bewölkten kluft schäumend und brausend hinab. 317. oft siz' ich träumend am schattenquell, der schäumend die füsz' umwallt und kühlt. Voss 5, 142; so wüthet nicht der hochgeschwollne bach, der schäumend seinen damm durchbrach. Schiller 6, 371 (
Aeneis), und wie mit des fernen donners getose entstürzen sie (
die wasser) schäumend dem finstern schoose. 11, 221; hoch zu bergen aufgehoben schwillt das meer, die brandung bricht schäumend sich am fusz der klippen. 344; am felsenvorgebirge schroff, das von des meeres wellen troff, die schäumend es umrangen. Platen 23
a; die welle, die der sturm bewegt, die schäumend an die klippe schlägt. Lenau 2, 199
Koch; bildlich: im unflathspfuhl der jüngeren Babylon, dort, wo die gräuel ihrer erwürgungen der höh' entspülten, wo der sumpf die lüfte verpestend und schäumend aufgohr. Stolberg 2, 286;
vom blut: des lebens purpurstrahl fährt schäumend aus der kleinen ritze (
blut beim aderlasz). Schubart (1829) 2, 71; da fühlten wir das blut so keimend treiben, als müss' es immer frisch und schäumend bleiben. Droste - Hülshoff 1, 202. B@V@2@bb)
von getränken, auch vom gefäsze: wie aus einer ader, schäumend in den becher rinnt der wein. Hebbel 7, 50; hier schenkt sie die pokale voll, dasz schäumend jeder überquoll. 8, 141.
auf geistiges gewendet: schäumend beut die zauberische schale die natur den auserwählten dar, truncken von der schönheit göttermahle höhnet glück und zeit die frohe schar. Hölderlin 1, 29
Köstlin; reichet doch die erinnerung mir den zauberischen becher schäumend und voll. 48; ausgetrunken ist der kelch, der mit sinnenrausch gefüllt war, schäumend, lodernd, bis am rande. H. Heine 1, 234
Elster. B@V@2@cc)
von lebenden wesen; vom wütenden eber: ûf des küneges hof er kam schûmende unde wetzende.
Trist. 13521.
[] vom kranken, epileptischen menschen: ahd. inti gicnusit in erda uualzôta scûmenti (
et elisus in terram volutabatur spumans).
Tatian 92, 4.
vom wütenden menschen: schäumend auf die erde stampfend. Schiller
räuber 1, 2
schauspiel; so rief er schäumend vor wuth und stiesz mir den dolch, den er schnell hervorgezogen, in die brust bis an das heft. E. T. A. Hoffmann 8, 378;
übertragen von der wut selbst: er (
der sultan) starrt umher, will fluchen, und die wuth bricht schäumend jedes wort an seinen blauen lippen. Wieland 22, 222.
mit übergang des bildes vom schäumenden rosz auf das personificierte schiff: renne, flieg', verhasztes schiff, kaum entzügelt noch vom anker, schäumend durch die wogenwüste. Eichendorff 5, 147. B@VIVI.
das part. pass. geschäumt,
mit schaum bedeckt, als adjectiv wenig belegt (
s. oben unter formalem): mich (
Venus) hat zuerst ein feld von der geschäumten flut, durch meiner muschel schiff aus Thetis schosz erhoben. Mühlpfort 77.
ebenso der substantivierte infinitiv: als der sonst sanfte flusz mit ungeheurem schäumen an dem durchbohrten rand' und ausgerisznen bäumen den grausen zorn auslisz. Lohenstein
Cleopatra 16, 543; der wagen troff voll blut, der hengste sprung und schäumen bliesz feuer-funcken aus, die bahn rein auszuräumen. Mühlpfort 283; nimm weg der flasche schäumen! es schäumt heut keine lust. Rückert 5, 175;
im bilde: bin ich doch gestrafft genung, ... dasz mir so viel gram und wachen kraft und leben abgekürzt und der lästrer bittres schäumen jeden bissen brot verwürzt. Günther 864.