S ,
achtzehnter, oder wenn I
und J
als zwei zeichen gezählt werden, neunzehnter buchstabe unseres alphabets, mit dem namen es (Helber
syllabierbüchl. 4, 5
Roethe).
der entsprechende laut gehört zu den dentalen geräuschlauten (
spiranten),
und sonderte sich schon in der urgermanischen zeit in eine harte und eine weiche stufe, von denen die letztere im hochdeutschen, wie im gesammten westgermanischen in r
übergetreten ist (
vgl.r 2,
oben sp. 1
fg.).
der laut des gebliebenen harten s
wird beschrieben: das, s, ist ain subtil pfeisung oder sibilen ausz auf einander stoszung der zene, wie die jungen tauben oder natern sibilen. Ickelsamer
teutsche grammatica 19.
es steht als ein gesonderter laut (
einfach oder doppelt)
oder in inniger verbindung mit anderen consonanten. II. s
allein. I@11)
anlautend in einer ungemein groszen anzahl von beispielen, die, soweit sie vergleichbar sind, genau urverwandtem s
in derselben stellung entsprechen; neuer entstanden aus ursprünglichem sk,
später sch
in soll, sollen (
s. d.),
während das wurzelhaft verwandte schuld
die alte anlautende verbindung gewahrt hat; aus sw
in süsz,
schon ahd. suoʒi
gegen altsächs. swôti,
ags. swête,
und in sorge,
ahd. sworga
neben sorga,
wo, wie goth. saúrga
lehrt, die vereinfachung zum theil in sehr frühe, voralthochdeutsche zeit zurück reicht. in dem fremdworte sittich,
ahd. mhd. sitich, sitech,
ist s
aus ps
entstanden (
nebenform psitich, psittich,
vgl. theil 7, 2201),
ebenso in ahd. salmo, salm,
mhd. salme, salm,
neben psalme, psalm,
wo seit dem 16.
jh. unter gelehrtem einflusz der ursprüngliche anlaut wieder hergestellt ist, soweit nicht salm
in volksmäszigen redensarten fortdauert. I@22)
altes inlautendes, in r
übergetretenes s
hat sich mehrfach diesem übertritt wieder entzogen; so verbalformen von genesen,
bei denen ahd. zum prät. ginas
eine 2
sg. ginâri,
und ein part. gineran
vorhanden war, die zum theil noch mhd. dauerten; lesen (
vgl. theil 6, 774);
umgekehrt ist die verbalform war
für was
erst spät eingetreten (
vgl.r 2,
sp. 2).
über die schwankenden verhältnisse bei kiesen,
sowie über r
und s
bei frieren, verlieren
und den dazu gehörigen bildungen vgl. dort. I@33)
das gebliebene alte s
des in- und auslautes steht einfach (reisen, gras, grasen, haus)
oder folgt gern anderen consonanten, einem ch, l, n (wachsen, flachs, wichsen, ochse, fuchs, hals, umhalsen, gans); rs
hat mehrfache einbusze durch übertritt in rr
oder durch verbreiterung zu rsch
erlitten (
s.r 4,
sp. 2).
für ks
tritt die schreibung x
auch in deutschen wörtern ein (axt, hexe, oxhoft),
nicht für cks (knacks, mucksen).
einfaches auslautendes s
wird aus st
entstanden sein in mus,
speise, brei, ahd. mhd. muos,
als dessen vorgeschichtliche form man muost
annimmt, und das im ablaut zu maʒ
speise (
theil 6, 1721)
gedacht wird. umgekehrt tritt spät st
für s
auf in einst (
theil 3, 305),
mundartlich und in älterer sprache auch in anderst
für anders (
theil 1, 313).
die gemination dieses alten s,
jetzt im auslaute gewöhnlich sz
geschrieben (
vgl. unten 4),
ist die folge schon im urgermanischen erfolgter assimilation aus vorgermanischem t
und s
oder t
und t,
in kusz,
gen. kusses, rosz,
gen. rosses, küssen, missen, esse, gewisz,
gen. gewisses,
in einer kleinen anzahl einheimischer wörter erhalten. I@44)
verwirrung ist in das verhältnis des in- und auslautenden s
durch den eingriff eines alten hochdeutschen z-
lautes gekommen, und zwar jener stufe desselben, die im in- und auslaute infolge der zweiten lautverschiebung an stelle eines alten einfachen t
entstanden und von einer dem s
ähnlichen, scharfen aussprache war (
vgl. auch die ausführungen th. 3, 1126).
diesen laut bezeichnete die alte schrift schwankend und vielfach ungenau, oft nicht anders als die anders ausgesprochene stufe des z
im anlaute und in- und auslautend, wenn sie an stelle eines tt
getreten; oft hob sie ihn von der letzteren stufe des z
wenigstens im in- und auslaute dadurch ab, dasz sie diese durch tz
bezeichnete (heizen, hiez
gegen sitz, witze, antlutze);
den scharfen s-
ähnlichen laut strebte man durch verdoppelung des z
namentlich im inlaute nach kurzem vocale anzudeuten (waʒʒer, vermeʒʒen, wiʒʒen, besloʒʒen);
der heutige in fachschriften durchgeführte zeichenunterschied zwischen z = tz
und ʒ
für den s-
ähnlichen laut rührt erst von J. Grimm
her. im ahd. hatte die übersetzung Isidors die verschiedene aussprache zu bezeichnen gestrebt, indem sie ʒ
durch zs
und zss, z
auszer im anlaute durch tz
gab. an diese bezeichnung knüpft das 14.
jh. wieder an, wenn es die schreibung sz
für ʒ
aufbringt (
als eines z,
das wie s
ausgesprochen werden soll),
eine schreibung, die sich erhalten hat und woraus die spätere und heutige ligatur in der sog. deutschen schreib- und druckschrift mit dem namen es - zet entstanden ist. aber auch diese bezeichnung wurde nicht allgemein, da viele handschriften und spätere drucke für sz
ein ungenaueres ss
verwendeten. selbst einfaches s
für jenes ʒ
kam auf; schon im ahd. in einigen beispielen des auslautes (Braune
ahd. gramm.2 s. 129),
ein beweis, wie frühe die anfänge der geschilderten verwirrung zurückgehen; mehr im mhd., wo auch der inlaut ergriffen wird (Weinhold
mhd. gramm.2 s. 197
f.).
die schreibung des einfachen s
für ʒ
zeugt für aufhebung des unterschiedes in der aussprache beider laute wenigstens für das gehör des schreibenden; diese aufhebung reicht in verschiedener weise weithin. zunächst gibt es im nhd. eine reihe von fällen, wo allgemein jenes alte ʒ
in sanftes s
übergetreten ist: ameise,
mhd. ameiʒe, bims-stein,
mhd. bimʒ, binse
mhd. bineʒ, emsig
mhd. emeʒic, emʒic, erbse,
mhd. areweiʒ, ereweiʒ, feist,
mhd. veiʒet, veiʒt, gemse,
ahd. gamiʒa,
mhd. gamʒ, kreis, kreisen,
mhd. kreiʒ, kreiʒen, krebs
mhd. krebeʒ, krebeʒe, los (
sors), losen,
mhd. lôʒ, lôʒen, mause, mausern,
mhd. mûʒen, verweis, verweisen (
tadeln),
mhd. verwîʒ, verwîʒen;
dazu in allen endungen des nom. acc. sing. des adjectivs und pronomens (gutes, böses, armes, solches, welches
u. s. w., mhd. guoteʒ, bœseʒ, armeʒ, solheʒ, welcheʒ),
und in den einsilbigen pronominal- und adverbialformen es, das, was, aus,
mhd. eʒ, daʒ, waʒ, ûʒ; bis
und das häufig geschriebene dies (
neben diesz)
haben mhd. bitz, ditz,
aber auch schon biʒ, diʒ
zur seite; von dem pronomen das
unterscheiden wir, zum theil schon seit dem 16.
jahrh., nur in der schreibung, nicht in der aussprache, die conjunction dasz,
beide ahd. mhd. daʒ.
schwankende schreibung herrschte bis auf die heutige zeit in worten wie blos
und blosz, gries
und griesz,
älter auch klos
und klosz, maas
und maasz, schoos
und schoosz,
in denen allen sz
als vertreter des mhd. ʒ
berechtigt ist. abgesehen von diesem übergriffe des s
in den ursprünglichen z-
laut sind auch die verhältnisse sonst im in- und auslaute verworren. zunächst ist wol, was den inlaut betrifft, in der schrift einfaches echtes s
von dem aus ʒ
entstandenen unterschieden, nicht aber überall in der aussprache, und wie Gottsched
für das erfassen des unterschieds ausdrücklich ein gutes ohr verlangt: das höret aber ein gutes ohr, wenn rasen und spaszen, blasen und straszen, reisen und reiszen, weisen und weiszen, losen und stoszen, hosen und groszen, gleich hintereinander gesprochen werden.
deutsche sprachkunst (1762) 87,
so fallen in Süd- und in groszen theilen von Mitteldeutschland worte wie reisen
und reiszen, niesen
und genieszen
der aussprache nach thatsächlich ganz zusammen, so dasz gespottet werden kann: wenn jemand schoosze reimt auf rose, auf menschen wünschen, und in prose und versen schillert, freunde, wiszt dasz seine heimat Schwaben ist. A. W. Schlegel
in Wackernagels leseb. 2
3, 1366.
ein altes echtes doppel-s (
vgl. oben 3)
kann nicht in der aussprache, und auch nicht in der schreibung mehr von einem aus ʒʒ
entstandenen unterschieden werden, da nach einer langen periode des schwankens seit dem 18.
jahrh. die schreibregel platz gegriffen hat, dasz, gleichgiltig welche abstammung das wort habe, im inlaute nach kurzem vocale ss,
nach langem sz
zu setzen sei: demnach fallen die entsprechenden laute in esse (
ustrina)
und er esse (
edat), masse (
massa)
und dem fasse, missen (
carere)
und gebissen (
morsus)
zusammen. für den auslaut hat sich in allen fällen, in denen nicht einfaches s
mit seinem weicheren, hier noch meist gehörten laute etymologisch berechtigt (
oben 3)
oder in denen es nicht später eingedrungen ist (
vgl. vorher), sz
ergeben, sowol nach kurzem als nach langem vocal, nicht nur als vertreter von mhd. ʒ (hasz, bisz, weisz, grosz, schusz, fusz
u. s. w.),
sondern auch in dem falle, wo echtes doppel-s
in den auslaut tritt (kusz, rosz, misz-, gewisz),
da ss
am ende eines wortes nicht beliebt ist und einbürgerungsversuche neuerer sprachlehrer keinen erfolg gehabt haben. nur die nachsilbe -nis,
dem mhd. -nusse, -nüsse, -nisse
entsprechend, hat ihren auslaut vereinfacht, soweit nicht auch hier -nisz
geschrieben wird; nach ihrem vorbilde sind heute behandelt kürbis,
mhd. kürbeʒ
und hornis,
nebenform zu hornisse,
mhd. hornuʒ,
mit dem plur. kürbisse, hornissen.
diese regelung der schreibung, die der abstammung keine, aber der aussprache doch meist rechnung trägt, hat sich seit dem 18.
jahrh. an stelle früherer jahrhunderte lang dauernden wilden schreibgebrauches ergeben, der im in- und auslaute s, ss
und sz
oft regellos durcheinander warf. als nachzügler dieser regellosigkeit hat sich bis ins 18.
jh. hinein die schreibung weis
für weisz (
scio)
erhalten, während das im 16.
und noch im 17.
jahrh. viel gebrauchte mus
für musz (
debeo)
früher untergegangen ist. eine noch jetzt wuchernde schreibung deszhalb, deszwegen, indesz, weszwegen
statt deshalb, deswegen, indes, weswegen
scheint der letzte rest des angeführten schreibgebrauchs zu sein. I@55)
schreib- und druckschrift brauchen für s
zwei zeichen, ein langes für an- und inlaut, und ein rundes (
schlusz-s)
für den auslaut eines wortes oder einer silbe. die sogenannte lateinische oder rundschrift hat indes seit den ersten jahrzehnten dieses jahrhunderts, unter dem einflusz der französischen und englischen druckereien angefangen, das lange s
zu gunsten des runden zu beseitigen; jetzt ist dieses runde s
an jeglicher stelle des wortes so eingebürgert, dasz versuche, das alte verhältnis wieder herzustellen, völlig gescheitert sind. auch für den doppellaut und die ligatur sz (
vgl. oben 4)
setzt ein weitverbreiteter gebrauch in der rundschrift ss,
wogegen in einer minderzahl von schriften ss
und sz,
die auflösung der ligatur, nach den regeln der heutigen rechtschreibung unterschieden angewendet werden. IIII.
Die consonantverbindungen sch, sp, st. II@11)
unser einheitlicher laut sch
ist seit dem 12.
jh. an stelle der früheren verbindung sk
getreten, in welcher k
unverschoben aus dem vorgermanischen übernommen worden war (
ahd. skato,
altir. scáth
schatten, ahd. skeidan,
lit. skëdu
scheide, lat. scindere,
ahd. fisk,
lat. piscis).
der laut wird schon frühe vereinzelt aufgekommen sein, da die schreibung sch
für sk
in sehr alten quellen auftritt (
nachweise bei Braune
ahd. gramm.2 112
fg.).
eine mundartliche vereinfachung von sch
zu s,
über die Weinhold
alemann. gramm. s. 156.
bair. gramm. s. 159
nach alten quellen berichtet, hat in der späteren schriftsprache kein beispiel. II@22)
unsere verbindungen schl, schm, schn, schw
fuszen auf älterem und noch mhd. sl, sm, sn, sw;
als vorläufer von schl
wird eine alte verbindung scl
in sclahan
schlagen u. a. (
beispiele bei Braune
a. a. o. 142)
betrachtet, von anderer seite aber geläugnet; vielmehr soll diese verbindung eine besondere aussprache des l
bezeichnen (Scherer
zur gesch. der d. spr.2 127).
die heutige aussprache der genannten verbindungen dringt von süden her vor, die schreibung zeigt sie im alemannischen zum theil schon im 13.
jahrh., völlig durchgedrungen im 14.
jahrh. (Weinhold
s. 155),
im bairischen halten sich die alten sl, sm, sn, sw
in der schreibung länger, bis ins 16.
jh. hinein (Weinhold 158);
allgemein ist aber in hochdeutschen handschriften und drucken die heutige schreibung, die auf die entsprechende aussprache hinweist. das niederdeutsche hat die alten verhältnisse bis heute bewahrt. II@33)
gleichen wandel haben die verbindungen sp
und st,
in denen p
und t
ebenfalls unverschoben geblieben sind, rücksichtlich der aussprache im anlaute erfahren; nur selten aber ist in älteren quellen dieser wandel auch in der schreibung angedeutet (geschprochen
in einer quelle von 1316, bi-schpill Weinhold
alem. gramm. 155).
die schriftsprache hat vielmehr davon abgesehen, den wandel der aussprache, der doch wol gleichzeitig mit dem in 2
erwähnten ist, hier auch durch die schreibung auszudrücken. auch hier bewahrt Niederdeutschland zum theil die alte sprechweise. auf den in- und auslaut hat sich die verbreiterte aussprache nur mundartlich erstreckt, scht
für st
namentlich alemannisch, schp
für sp
auch sonst oberdeutsch (Weinhold
a. a. o.). II@44)
die verbindung st
tritt an stelle anderer dentale durch assimilation in der wortbildung (
vgl.last,
mast, bewust),
und in der flexion: mhd. weist, muost
für weiʒ-t, muoʒ-t, wiste, muoste
für wiʒ-te, muoʒ-te;
genaue schreibung hält daher auch nhd. an du weist, must, ich wuste, muste
fest. ähnlich entstehen die verkürzten superlative mhd. beste, grœste
aus beʒʒiste, grœʒiste, beʒste, grœʒste,
auch hier ist daher die richtige schreibung der beste, gröste.
in kunst, gunst, brunst
ist s
nicht euphonisches einschiebsel zwischen stamm und bildungssuffix t,
sondern theil und erweiterung des wortbildenden suffixes.