S, der neunzehnte Buchstabe des Deutschen Abece, wenn J und Ɉ für zwei gerechnet werden, welcher mit einem Anstoßen der Zunge vorn an die Zähne und mit einem zischenden Laute ausgesprochen wird, und welchen man, je nachdem man ihn gelinder oder härter ausspricht, bald s und s schreibt, bald in ß und ss verstärkt und verdoppelt. Das einfache s lautet ganz gelinde am Anfange einer Silbe und wird dann auch mit einem langen s geschrieben: Salbe, sanft, sieden, Rose, Blase, lesen. Eben so lautet es gelinde, wenn es in der Mitte eines Wortes stehend durch einen Zuwachs, welchen das Wort bekömmt und durch Wegwerfung des auf dasselbe folgenden Selbstlauters, zur vorhergehenden Silbe gezogen wird und dieselbe beschließt, wo es durch das kurze Zeichen s ausgedruckt wird, wie in Röschen, Bläschen, lesbar So bleibt es auch gelinde bei Zusammenziehungen,
z. B. bläs't oder bläst, lies't oder liest für bläset, lieset Folgt das s auf einen Mitlauter, so wird es nach der Verschiedenheit der Sprechenden je nachdem sie härter oder weicher sprechen, gelinder oder härter und
Schärfer ausgesprochen;
z. B. Krebse sprechen die Meisten Kreb=se, Andere Krebße. Wachsen, Bindsel, Mengsel, wamsen, Binse, gipsen, Hirse I der Mitte der Wörter lautet es scharf: Laster, mästen, besten , wenn es in der Aussprache zu der vorhergehenden Silbe gezogen wird, was aber im entgegengesetzten Falle nicht Statt findet,
z. B. Ostern. Eben so wird es am Ende der Wörter scharf ausgesprochen: Flachs, des, Hundes, Hunds, aufs, Mengs, bis, Beweis, Hals, Wams, Hans, Gips, aus, Haus I sehr vielen Fällen, wo die Oberdeutschen die Wörter mit s enden und scharf aussprechen,
z. B. Käs, leis, bös wird es von den übrigen Deutschen durch Anhängung eines e gemildert und dann gelinde ausgesprochen. Weit zischender wird s im mittleren und obern Theile von Deutschland am Anfange der Wörter vor k (c), m, p und t, wie auch nach einem r, wie ein sch ausgesprochen, so daß Sklave, Smaragd, Spaß, spielen, Spott, Stahl, stehen, warst, erst, wirst, Forst, Durst wie Schklave, Schmaragd, Schpaß, schpielen, Schpott, Schtahl, schtehen, warscht, erscht, wirscht, Forscht, Durscht lauten, welche Aussprache aber, so wenig angenehm als richtig, der
N. D. Aussprache bei weiten nachstehet, in welcher man das s in jenen Wörtern als s richtig ausspricht, als wenn ßklave, ßmaragd warßt, erßt geschrieben stände. I O. D., besonders in Schwaben, wird dies Zischen noch weiter getrieben und man spricht daselbst ischt, bischt, Weschpe anstatt ist, bist, Wespe S.
Sch. Das doppelte s, das ss, kann nicht anders als scharf ausgesprochen werden und stehet immer in der Mitte der Wörter,
z. B. Masse, lassen, essen, hassen, flossen, gössen, müssen Doch hat man im
N. D., wiewol nur in einigen wenigen Wörtern, auch ein doppeltes weiches s,
z. B. in bis=sen, gris=seln. Es wird ferner nur nach einem kurz ausgesprochenen Selbstlauter gesetzt, und am Ende der Wörter immer, in der Mitte derselben aber dann, wenn das dem ss folgende e weggeworfen wird, in ß verwandelt,
z. B. Faß, Haß, Riß, Schloß, Kuß, ißt (isset), haßt (hasset), läßt (lässet), frißt (frisset), küßt (küsset) So auch in Wörtern, die von diesen hergeleitet sind und in welchen ursprünglich ein ss vorhanden ist, häßlich, eßbar, faßlich, kußlich, wußte, gewußt I vielen Wörtern ist das ß nicht das doppelte s, sondern das geschärfte einfache s, an dessen Stelle es sowol am Ende der Wörter und Silben, wie auch in der Mitte der Wörter nach einem gedehnten Selbstlauter gesetzt wird,
z. B. Fuß, süß, groß, Schooß, Muße, fließen, fleißen, gleißen, gießen, Preußen, flößen, grüßen , wo es auch in der Umendung, Umwandlung und Ableitung beibehalten wird, wenn der vorhergehende Selbstlauter lang bleibt, Füße, fußen, süßer, süßlich, größer, Größe, Schöße, müßig, fließt, befleißigen, gleißend, Gießer, Preuße ; dagegen es aber in ss verwandelt wird, wenn der lange Selbstlauter in einen kurzen übergehet, flössen, beflissen, gossen , so wie umgekehrt ss in ß verwandelt wird, wenn der kurze und geschärfte Selbstlauter in einen langen und gedehnten übergehet,
z. B. ich aß, muß von essen, messen. I manchen Gegenden,
z. B. in Schlesien, wird der gedehnte Selbstlaut vor dem ß beständig geschärft ausgesprochen, so daß daselbst Fuß, Gruß , ausgesprochen als stände Fuss, Gruss , in der Mehrzahl auch Füsse, Grüsse lautet; welches aber in andern Theilen Deutschlandes mit Recht gemißbilliget wird. I Allgemeinen werden die verschiedenen Abstufungen in der Aussprache des s, vom gelinden bis zum geschärftesten, wie auch die Unterscheidung derselben durch angemessene Wahl der Schriftzeichen beobachtet, wie
z. B. in folgenden Wörtern: Maser, Mãß, Masse; Rose, Rõß, Róß, Rosse; Muse, Muße, müssen; Schõß, Schóß; weise, weiß; weisen, weißen, wissen Außerdem ist der Gebrauch des s noch sehr man nichfaltig. I sehr vielen Wörtern druckt es ein Zischen und eine mit Zischen verbundene Bewegung aus,
z. B. sausen, säuseln, summen, sumsen, fließen I vielen andern Wörtern ist es ein Vorschlag, der nicht eigentlich zum Worte gehört, oft aber eine Verstärkung des Begriffes anzeigt. Dies ist besonders bei solchen Wörtern der Fall, welche zu Anfange nach dem s noch einen oder mehrere Mitlauter haben, von welchen b und d in p und t, k und g in ch übergehen, l, m, n, r und w aber anstatt des s ein sch bekommen. So ist spreiten von breiten, schlecken von lecken, sprechen von prechen, brechen, das
N. D. slabben von labben, Snibbe von Nibbe, swelen, dörren, Gras zu Heu machen, von welen, welken; ferner Stollen, im Bergbaue von Dohle, eine Abzucht , schließen vom
N. D. sluten, schreien von kreien entstanden. So findet man bei den ältern O. D. Schriftstellern oft auch swas, swer, swie, swenn für was, wer, wie, wenn. Mit s wechselt t oft ab, besonders im
N. D., wo man laten, wat, riten für lassen, was, reißen sagt. R und s, wie auch h und s, gehen zuweilen in einander über,
z. B. was, verliesen, kiesen , welche mit war, verlieren, kören gleichbedeutend sind. Eben so s und z, indem Einige Sander, Sarter Andere Zander, Zarter oder Zerter sagen. Wichtig ist der Gebrauch des s besonders in der Beugung und Ableitung der Wörter. So hilft es in sehr vielen Grundwörtern und in den Namen den zweiten Fall bilden; des Mannes, des Mädchens Klage, des Wesens, des Essens, des Gehens Preußens König, Braunschweigs Einwohner, Mathildens Anmuth. Bei manchen Wörtern ist es auch Zeichen der Mehrzahl,
z. B. Kerls, welche Bezeichnungsart im
N. D. am gewöhnlichsten ist, wo man auch die Herrens, Mädchens, Jungens sagt. Dieses s wird auch selbst Eigennamen angehängt, wenn man mehrere der Art oder dem ähnlich, welcher den Eigennamen führet, bezeichnen will. »Man besuche die noch größern Schätze, die unsere Nation in ihren Griesbachs, Heynes, Huselands, Jacobis, Platners, Pütters, Reinhards und Wolfs besitzt.« Ewald (R.). I diesem Falle sagt man eben so gut, wenn nicht besser, unsere Griesbache, Hufelande, Reinharde, Wolfe, Platner, Pütter. I Zusammensetzungen wird das s auch vielen zur weiblichen Gattung gehörenden Wörtern angehangt, wie Hülfsquelle, hoffnungsvoll, Liebeshandel, Andachtsbuch, Nahrungsquelle. I vielen solchen und andern Fällen, wo es die Aussprache erleichtert , ist das s nöthig und allgemein üblich, in vielen andern Fällen ist es aber theils überflüssig und unnütz, theils selbst falsch, wenn es auch bald mehr bald weniger gebräuchlich ist. An bestimmte Regeln für die Fälle, wo dieses s gebraucht werden müsse und dürfe, ist jetzt wenigstens noch nicht zu denken, wo selbst unsre guten Schriftsteller sich nicht gleich bleiben. Endlich werden durch das am Ende der Wörter angehängte s auch Umstandwörter gebildet: theils, eigens, bestens, längs, falls, gleichfalls, rechts, links, allerdings, erstens, zweitens, einstens, nächstens, spätstens, Abends, Morgens Doch lassen manche gute Schriftsteller,
z. B. Voß, der abermahl, oftmahl sagt, dies s oft weg, welches aber nicht zu billigen ist. Zuweilen gehet dies s in st über: einst, dereinst, längst, vermittelst.