rappeln,
verb. in mehrfachem sinne. 11)
klappern, mit einem klappenden tone sich bewegen: rappelen, wie nüsse in einem sack, (
niederl.)
rappelen rammelen. Kramer
hoch-nidert. wörterb. 2 (1719), 165
b; anklopfen dasz es rappelt,
aankloppen dat't rammelt, davert. ebenda; éine nusz rappelt nicht im sacke. Simrock
sprichw. 410; als er aber anfieng zu gehen und sich hin und her zu bewegen, so stieszen die steine in seinem bauch aneinander und rappelten. Grimm
kinder- und hausm. nr. 5; Dortchen, wie sie auf meine bitte zu thun pflegt, hatte auch meine orden mir an den rock genäht, die leise rappelten. J. Grimm
kl. schriften 1, 117; nun dappelts und rappelts und klapperts im saal von bänken und stühlen und tischen. Göthe 1, 197; an etwas rappeln,
klappern, einen klappernden ton erzeugen: mein Hans .. fieng an, am wagen zu rappeln, als ich eben anfieng, am allerstärksten zu schlafen (
um zu wecken).
Simpl. 1, 209
Kurz. 22)
mit der zunge poltern, lärmen; transitiv, einen rappeln,
einem verdrüszliche worte geben. Kindleben
studentenlexicon (1781) 172. 33)
reiszen, raffen, hastig nehmen; transitiv, etwas rappeln: rappelte er einsmals alle meine paarschaft zusammen und gieng mit dreien besten pferdten und einem knecht zum gegentheil.
Simpl. 3, 40
Kurz; sie rappelt jhr gewand und kleider wol zu hauf, umb nicht zu werden nasz. D. v.
d. Werder
Ariost 8, 36, 3;
reflexiv sich rappeln,
sich zurecht nehmen, aufraffen: da kommt der tod und der krieg und holt mir die mutter meiner söhne und diese dazu, und man hatte sich wieder zu rappeln. Zelter
an Göthe 6, 134;
mit näherer bestimmung nach ort und ziel: und hett mich derselbig auch schier an einem busch herab gerennt, aber ich erhielt mich, und ehe ich mich wieder eingerapelt in sattel, da war wieder einer an mir, und stach mich herab. Götz von Berl. 237; sich heraus rappeln,
aus miszlicher lage: im ganzen rappelten diejenigen sich am besten wieder heraus, welche nicht auf die hülfe der herren da drauszen warteten, sondern sich selber halfen. Immermann
Münchh. 4, 115; sich aufrappeln: da rappelte der rath vom mittagsschlaf sich auf aus seinem bette. Gökingk 2, 217; sich in die höhe rappeln,
eigentlich und bildlich: er fiel auf dem unsichern erdreich, aber er rappelte sich wieder in die höhe; aus dem tiefen verfall seiner verhältnisse hat er sich doch wieder in die höhe gerappelt;
dafür auch intransitives rappeln,
von unsicher hastigem gange: die dame Fortuna rief nach ihm als nach ihrem bedienten, der dumme kerl rappelt herauf, bald kopf oben, bald unten. Tieck 3, 7. 44) rappeln,
den rappel haben, nicht recht im kopfe sein; entweder persönlich: gute nacht, Danischmend, sagte der sultan lächelnd: ich sehe du rappelst. Wieland 7, 140;
oder unpersönlich: es rappelt, es rappelt einem, bei einem; rappelts, werden sie sagen? Hermes
Soph. reis. 2, 614; in puncto des klosters rapple es in ihrem cranio. 1, 689; aufbrechen? jetzt schon? rappelt dirs weibchen? H. L. Wagner
kindermörderin 14;
H. bist du verliebt? hast du das heimweh?
G. das heimweh! rappelt dirs? 41; meine herren aus der stadt! ich kann sie versichern, dasz ich gewöhnlicher mensch in der vollsten bedeutung des wortes bin. euch bauern, die ihr dies vielleicht nicht verstehen würdet, sage ich, dasz es bei mir keineswegs rappelt. Immermann
Münchh. 3, 47; rappelts der majestät? was kömmt sie an, dasz sie in versen mit sich selber spricht? Schiller
Turandot 4, 5. 55) rappeln
steht zu rappen
wie raffeln
sp. 56
zu raffen;
neben diesem letzteren consonantenstand im stammesauslaute zeigt sich bb
in rabbeln
sp. 4,
namentlich niederdeutsch, und b
in dem schweizerischen räbeln
sp. 7. pp
ist vorzüglich mitteldeutsch: schles. rappeln
und rippeln Weinhold 76
a;
obersächs. düring. rappeln, sich aufrappeln, in die höhe rappeln, er rappelt sich immer wieder auf,
von einem kranken der wieder empor kommt Albrecht 190
a;
in Koburg rappeln,
rütteln, rasseln, klappern Fromm. 2, 192;
auf dem Westerwalde rappeln,
schnell und dabei meist unordentlich thun, hudeln, sich rappeln,
sich eilen Kehrein 322;
aber es geht ebenso tief nach Süddeutschland: in Mähren rappeln,
närrisch sein Fromm. 5, 461 (
aus Iglau);
bair. rappeln Schm. 2, 129
Fromm.; tirol. rappeln,
wegnehmen, heimlich und schnell entwenden, auch es rappelt im kopfe,
ist nicht ganz richtig Schöpf 534;
schwäbisch rapplen,
geschwind und undeutlich sprechen, unrichtig im kopfe sein Schmid 419;
wie hinauf nach norddeutschen bezirken: westfäl. rappeln,
klappern, getöse, geräusch machen, halbverrückt sein Woeste 211
a;
ebenso göttingisch rappeln Schambach 167
b;
ostfries. rappeln,
rütteln, klappern, halbverrückt sein, sik rappeln,
sich raffen und sich rühren ten Doornkaat-Koolman 3, 13
b u. s. w.; bedeutungen die überall auf der vorstellung des hastigen und lärmenden treibens erwachsen, die in rappen
liegt, s. d. auch rappeln
in der bedeutung 4
wird hierher, und nicht zu dem alten mitteldeutschen reben,
träumen, verwirrt sein (Lexer
wb. 2, 357)
gehören, welches lehnwort aus dem franz. rêver, lat. rabere ist; rappeln
mit dem masc. rappel
ist vielmehr von der vorstellung des tosens und hämmerns im kopfe, also von der bedeutung 1
aus erwachsen, wie ahd. tusig,
stultus, hebes, ags. dysig,
niederd. dösig,
zu tosen
gehört.