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narren

ahd. bis spez. · 18 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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23 in 18 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

narren verb.

Bd. 13, Sp. 366
narren, verb. 11) intransitiv. ahd. narrên (in arnarrên), mhd. narren (in ernarren, vernarren), mnd. narren, ein narr sein, als oder wie ein narr reden oder handeln, eine thorheit begehen, sich thöricht betragen, närrisch thun, tollen, possen treiben u. dgl.: narren, insanire, dissipere Stieler 1330; ich narre, stulte ago, stultus sum Steinbach 2, 111; licht wer es, narren vohen an (anzufangen ein narr zu sein), wann man ouch kündt von narrheit lan. S. Brant narrensch. s. 113a; sei nicht all zu gottlos und narre nicht, das du nicht sterbest zur unzeit. pred. Sal. 7, 18; hastu genarret und hoch gefaren und böses fürgehabt, so leg die hand auffs maul. spr. Sal. 30, 32; schemestu dich nicht, einen rock oder haus von deinen eltern zu begeren, was narrestu denn und bittest nicht umb das, das viel gröszer ist, ein ehelich gemahel? Luther 1, 171a; wie jtzt etliche tolle propheten narren. 3, 30a; kinder solten sich schemen so gröblich zu narren. 55b; aber das solche hohe geister .. so kindisch narren. 62b; auff diese weise hat auch der grosze lerer Origenes genarret. 77a; wie er (Adam) genarret hat, feret er zu, wil sich beschönen und narret erst gröber. 4, 24a; aber las sie narren und schertzen. 101a; narre ich, so welts gott. 153a; daher einige so grob genarret haben (dasz sie sich selbst entmannten). 5, 381a; es ist besser, man halte hertzog Georgen, das er nerrisch mit solchem eide fare, denn das er böslich und mördisch handelen solt, es ist ja besser genarret, denn gemordet. 6, 8a; also läszt gott auch seine heiligen narren. tischr. 67a; du redest wie ein weib, das da pfleget zu narren. 133a; ich weisz nicht, ob ich oder meine gelehrten narren. 135a; ich bekenne, dasz ich genarret habe und hab denen von W. unrecht gethan. 298a; kein groszer mann thut eine geringe thorheit, sondern er narret also, dasz er weisheit und klugheit vertunckelt. 388b; alle die, so die art der zaichen in der heiligen geschrifft nicht in acht gehabt, haben in erklerung unnser sacrament erbarmklich genarret. Melanchthon annot. Römer verdeutscht 17; denn etliche sehen wol, das es viel zu grob genarret ist, so man die hohe und grosze ehre, die allein dem sohn gottes gehöret, auff diese elende werck ziehen wil. corp. doctr. 740; wie die thoricht antiquitet hat genarret, wiewol ietzt vil aberglaubens ist abgefallen. S. Frank chron. (1531) 122b; Hiskia narret harte, als er widerum frisch und gesund worden ware. Mathesius Syr. 2, 123a; da merckten sie, dasz Esopus nicht genarret hett, da er den korb erwehlt zu tragen. E. Alberus 2b; Xanthus wust nicht, was er narret, dann er hatte schon sein theil (weines). 13b; dann wirdt er allererst gewahr, wie er so sehr genarret hat. 52b; sein büchlin zOegens unsz wol an, das er auch redlich narren kan. Murner luth. narr 4738; das euangelium straffe, narrt er, keine sünde. J. Nas examen (1581) 408; wenn viele heute anheben zu narren, sein sie vil krefftiger denn andere gemeine thoren. Kirchhof wendunm. 137b; heiszt das nicht genarrt (narrenwerk getrieben)? 374b; ist derhalben mein rath und leer: wer gnarret hat, der narr nicht mehr, erzürn got nicht, folg gutem rat, so komt er nicht in gröszer schad. Rollenhagen froschm. II, 5, 5, 42; dann das gold der neuen welt macht, dasz alte welt sehr narrt. Logau 3, 6, 62; narrt mit dem narren wohl zugleich die gantze welt! A. Gryphius 1, 662a; genarrot hätte ich nicht (ich hätte damit nichts unkluges gethan). Schweinichen 1, 228; wenn du in der kirche gewesen wärest, du würdest nicht narren. Pestalozzi 1, 185; sprichwörtlich: es ist besser genarret denn gemordet. Luther 6, 8a; wer sich kümmert eins übels hart, das doch sein musz, derselbig narrt. Agricola 385a; thu wie andere leute, so narrst du nicht. Simrock 396; ein junger musz sieben jahre nacheinander narren. 280. mit genetiv: wie gott seine lieben kinder lesst guter groszer grober stücke narren und feilen (fehlen). Luther 3, 209a; mit einer präposition: wer am glauben narret und irret. parv. bibl.; hennebergisch er narret nicht an dem mädchen (betrügt sich nicht mit dem mädchen, fährt wol mit ihm). Reinwald 2, 90; mit einem narren, mit ihm den narren, spott treiben. Aler 1450a; mit dem feuer narren, spielen. Stieler 1330; die reimsprecher und alten zauberer haben das holtz (worauf das buch gewunden wird) behalten und damit genarret, wenn sie ire reim gesprochen. Mathesius Sar. 104b; die welt wird mit mir narren (spott treiben). W. v. Zwollen in Ph. Wackernagels kirchenl. 3, 497, 3 (v. j. 1530); item so solt auch einer wol narren wider das fünffte gebot. Luther 5, 88b. 22) transitiv und reflexiv, gleich närren. 2@aa) transitiv: einen narren, ludere, subsannare, ludibria habere aliquem. Stieler 1330. Keisersberg post. 116; denn es ist eine schande .., das ein solch weib solt .. einen mann genarret haben. Jud. 12, 12; nu der teufel .. uns gefangen hielt und narret. Luther 3, 337a; wiltu mich narren so narre mich auff deinen schaden. 4, 162b; es pfleget aber der bösewicht die leute nicht so grob zu narren und zu betriegen. tischr. 204b; er pfleget der menschen hertzen also zu narren und zu bezaubern. 205a; wer sich äffen läszt den narret man. Pauli schimpf u. ernst 111a; und keme dich nicht lichter an zu narren einen wisen man. Murner narrenb. 2, 24; er sprach zum sohn, wir sind genarrt (getäuscht, betrogen). E. Alberus 57a; hüt du dich, hüt du dich, vertrau ir nicht, sie narret dich. drei hübsche lieder, gedr. zu Nürnberg durch Val. Neuber bl. 8 (vgl. Erlach 2, 111); sie (die juden) fatzen und narren die christen nach ihrem willen. Ayrer proc. 2, 5; dann wie witzig und klug sich einer je deucht, so findet er doch allezeit seinen mann, der ihn narren kann. Philander 1, 91 (1644, 73); narrt mich nicht! Klinger Otto 78, 16 neudruck. theater 2, 283; umsonst soll er uns nicht genarrt haben. Göthe 57, 154; mich hätte eine dirne genarrt? Schiller 3, 37 (Fiesko 1, 12); freilich gab es auch ungläubige darunter, die behaupteten, dasz diese decke (der zukunft) die menschen nur narre, und dasz man nichts beobachtet hätte, weil auch nichts dahinter sei. 4, 293; wie?narrt mich hier der teufel? Wieland der neue Amadis 9, 37; sich narren lassen: bi disem narren salt verston all, die sich frauen narren lon. Murner narrenbeschw. 9, 86; last nit mehr narren euch den thurn. Soltau volksl. 459 (v. j. 1619); ist zu erbarmen, dass meine völker sich so gar narren und .. verführen lassen. Philander 2, 60 (1644 617); mit einer präposition: die menschen mit einer theodicee narren. Klinger 3, 287; alle weiber in der stadt narrten ihn damit. Arnim kronenw. 1, 151; narren aus, in, thörichter oder tückischer weise locken, bringen: also ward der bauwer von dem kauffmann ausz dem hausz genarret. Wickram rollw. 25 (genAerrt 10, 18 Kurz); will jemand einen sparren zu viel ins dach uns narren. Voss ged. 4, 133; sich narren lassen mit, unpersönlich: mit groszen herren lässet sichs nicht wol narren, ludere. Stieler 1330. 2@bb) reflexiv: wie sunst sich mancher narrt (: geharrt). Tscherning frühling 184; er narrt sich nicht, sibi non nocet. Steinbach 2, 111; schlesisch du wirst dich narren, das ist anders als du denkst. Weinhold 64a; mit einer präposition: die dich an solcher heiligkeit gestoszen und genarret haben. Luther tischr. 329a; unpersönlich: wie hat sichs so weidlich genarrt mit deinem pferdt, hundt, fuchs und trachen? Waldis Es. 4, 99, 402.
7491 Zeichen · 143 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    narrên

    Etymologisches Wb. des Ahd. (EWA)

    narraheitAWB f. i-St., im Abr (1,248,20 [Kb, Ra]), Gl. 1,493,53 (Anfang des 9. Jh.s, alem.[-frk.]). 494,22 (9. Jh., alem…

  2. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    narren

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +2 Parallelbelege

    narren- composs. damit s. unter narre.

  3. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    narrensw. V.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +5 Parallelbelege

    narren , sw. V. nhd. knurren Hw.: s. gnarren, nurren; vgl. mhd. narren (2) Q.: Veghe? Wyng. 433 (15. Jh.) E.: lautmaleri…

  4. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Narren

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Narren , verb. reg. welches in doppelter Bedeutung gebraucht wird. 1) Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, auf ein…

  5. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    narren

    Goethe-Wörterbuch

    narren jdn an der Nase herumführen, irreführen, foppen 38,119,6 Claud 1 → vernarrt Syn betrügen foppen hintergehen necke…

  6. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Narren

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Narren , Mißbildungen von Pflaumen, s. Taphrina .

  7. modern
    Dialekt
    narren

    Elsässisches Wb. · +4 Parallelbelege

    narre n [nârə Mü. ; nàrə M. ] zum besten haben, nasführen. ‘Soo! dä färzäish äm as är uf ä shl a chtä n aart ïm folk si …

  8. Spezial
    narren

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    nar|ren vb. 1 (zum Narren halten) coiené (coiona), tó por le nes, tó por le cü 2 (irreführen, täuschen) ingiané (-na).

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit narren

435 Bildungen · 416 Erstglied · 15 Zweitglied · 4 Ableitungen

Zerlegung von narren 2 Komponenten

nar+ren

narren setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

narren‑ als Erstglied (30 von 416)

Narrenball

SHW

Narren-ball Band 4, Spalte 917-918

Narrending

SHW

Narren-ding Band 4, Spalte 917-918

Narrenhand

SHW

Narren-hand Band 4, Spalte 919-920

Narrenhaus

SHW

Narren-haus Band 4, Spalte 919-920

Narrenkopf

SHW

Narren-kopf Band 4, Spalte 919-920

Narrenseil

SHW

Narren-seil Band 4, Spalte 919-920

Narrenvieh

SHW

Narren-vieh Band 4, Spalte 919-920

narren als Zweitglied (15 von 15)

nurnarren?

KöblerMnd

*nurnarren? , sw. V. nhd. knurren, murren Hw.: s. nurren, nurnarren (2) E.: s. narren (1)?, nurren?

snarren?

KöblerAhd

*snarren? , sw. V. (1) nhd. schnarren, knurren, schwatzen ne. gnarl, chatter (V.) Q.: PN

abnarren

DWB

abnarren , fallere, abbetriegen: bedacht, wie sie andern nationen ihr geld abnarren könne. Weise kl. leute 108 .

anesnarren

KöblerMnd

anes·narren

anesnarren , sw. V. nhd. „anschnarren“, anfahren, anschnauben E.: s. ane (2), snarren L.: MndHwb 1, 104 (ansnarren) Son.: jünger

ausnarren

DWB

aus·narren

ausnarren , desipere desinere: Crispus meint, wer in der jugend ausgenarrt, sei klug bei jahren, Crispus, mein ich, sei noch immer jung an w…

Begnarren

Wander

beg·narren

Begnarren Er begnarrt und begnaut alles. – Frischbier, II, 310. Begnarren – in murrendem, unzufriedenem Tone Neid ausdrücken, über Kleinigke…

e(n)wëgschnarren

Idiotikon

e(n)wëgschnarren Band 9, Spalte 1273 e(n)wëgschnarren 9,1273

ernarren

DWB

ern·arren

ernarren , desipere, stultescere, obstupescere, ahd. irnarrên ( Graff 2, 1094 ); der richter ob der that ernarret, endlich erdacht er einen …

genarren

MNWB

gen·arren

1 narren , ° genarren (Nd. Jb. 8, 41), swv. , sich närrisch benehmen, Narretei treiben, den Schalksnarren spielen; trans. narren, zum besten…

nurnarren

MNWB

nur·narren

° nurnarren , inf., Gemurmel (Dan. v. Soest 52), vgl. das folgende

schnarren

DWB

schnar·ren

schnarren , verb. ein rauhes vibrierendes geräusch hervorbringen. ein lautmalendes wort, zu dem eine sichere etymologie nicht bekannt ist un…

vernarren

DWB

vern·arren

vernarren , verb. zum narren machen, mhd. vernarren: swâ alsus lebet ein edele jugent, nu wiʒʒet, daʒ sîns alters tugent vermieset und verna…

versnarren

KöblerMhd

vers·narren

versnarren , sw. V. nhd. mit Stricken zusammenziehen Q.: JvFrst (1340-1350) (FB versnarren) E.: s. ver…, snar (1) W.: nhd. DW- L.: FB 421a (…

Ableitungen von narren (4 von 4)

benarren

DWB

benarren , ludibrio habere, decipere, bethören, zum narren haben, heute einfach narren: kam mit einr stelzen einher krochen, als ob er hett …

ernarren

DWB

ernarren , desipere, stultescere, obstupescere, ahd. irnarrên ( Graff 2, 1094 ); der richter ob der that ernarret, endlich erdacht er einen …

genarren

MNWB

1 narren , ° genarren (Nd. Jb. 8, 41), swv. , sich närrisch benehmen, Narretei treiben, den Schalksnarren spielen; trans. narren, zum besten…

vernarren

DWB

vernarren , verb. zum narren machen, mhd. vernarren: swâ alsus lebet ein edele jugent, nu wiʒʒet, daʒ sîns alters tugent vermieset und verna…

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APA
Cotta, M. (2026). „narren". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 9. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/narren/dwb?formid=N02660
MLA
Cotta, Marcel. „narren". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/narren/dwb?formid=N02660. Abgerufen 9. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „narren". lautwandel.de. Zugegriffen 9. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/narren/dwb?formid=N02660.
BibTeX
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