schnarren,
verb. ein rauhes vibrierendes geräusch hervorbringen. ein lautmalendes wort, zu dem eine sichere etymologie nicht bekannt ist und wol auch kaum gesucht werden darf, vgl. das dazu im ablaut stehende schnurren und die selteneren schnerren, schnirren, schnorren.
s. auch Weigand 2, 613. Kluge
5 332
b. Noreen
urgerm. lautl. 208.
weiterbildungen dazu sind schnarchen, schnarfen, schnarzen,
s. das. —
mhd. snarren, Lexer
handwb. 2, 1025,
daneben snern
und snerren,
schwatzen mhd. wb. 2, 2, 448
b f. (
s. unten);
ein starkes snerren
scheint in folgender stelle vorzuliegen: hie tioste brach der swerte klanc, die pfeile snurren von der bogen snallen.
d. j. Titurel 4092, 4.
vergl. Grimm gramm. 2, 61.
mnd. snarren Schiller - Lübben 4, 269
a,
daneben snorren,
brummen, murren 280
a,
vgl.schnurren,
und niederl. snorren
vel snarren,
susurrare, fremere, bombilare Kilian.
die formen neuerer mundarten weichen im allgemeinen nicht von der schriftsprache ab, schnarren,
auch schnrn Liesenberg 199; schnorren (
z. b. Kehrein 1, 363)
ist vielleicht besser zu schnurren
zu stellen. 11)
vom laute gewisser werkzeuge. 1@aa)
von dem schnarre genannten lärminstrument, s. daselbst 1; die schnarre schnarrt,
auch mit der schnarre
oder ratsche schnarren Campe
oder schnarren
allein in diesem sinne Frischbier 2, 302
a: gute nacht. der wächter schnarrt eilf (
zeigt mit der schnarre die eilfte stunde an). Hamann 5, 97. 1@bb) eine garnwinde schnarrt Adelung,
weshalb sie auch schnarre
genannt wird, nd. snarren
brem. wb. 4, 882; eine uhr,
mit bezug auf das rasseln, das dem schlage vorhergeht: als ich die hölzerne wanduhr mit dem guckuck noch in demselben tone schnarren und schlagen hörte. Thümmel
reise 6, 175;
vom kratzen der schreibfeder: denn es war mir einigemal begegnet, dasz das schnarren und spritzen der feder mich aus meinem nachtwandlerischen dichten aufweckte. Göthe 48, 15. 1@cc)
besonders von den gerätschaften mancher handwerker, namentlich der weber: als wenn man zwischen den unzähligen bewegten spuhlen und weberstühlen einer groszen fabrik hingeht, und vor lauter schnarren und rasseln .. sich den eigenen rock selbst verleidet fühlt, den man auf dem leibe trägt. Göthe 26, 64; er weynet, seufftzet, knirrt und knarrt, gleich wie ein weber bogen (
weberschiff) schnarrt. B. Waldis
Esop 3, 95, 8;
vom spinnrad: und das spinnrad schnarrt (
in den spätern ausgaben schnurrt und brummt. H. Heine
buch d. lieder 149
Elster (
berg-id. 1);
ferner vom wollbogen der wollkämmer zum auflockern der haare: se makeden vele bylage (
winkelgelage), unde lepen schoduvel unde danseden in den lakengespannen (
wantrahmen) unde snarden myt den wullbogen.
d. städtechron. 16, 336, 31;
so auch in folgender stelle (?): (
jungfrau zum wagner) schmira, lasz schnarrn! was sagstu mir von wegen und karrn?
fastn. sp. 617, 12. 22)
besonders von musikwerkzeugen, 2@aa)
so von blasinstrumenten, z. b. den baszposaunen Adelung: floitieren unt tampûren schal, pusûnen snarren, daʒ eʒ in der luft erhal.
Lohengr. 5045; es schnarre das regal (
kleines orgelwerk), die bass-viole bromm; die qwart posaune pral. Scherffer
ged. 84;
vgl. das schnarrwerk
an einer orgel, s. unten. von einer rohrpfeife, mit dem nebensinn des misztönenden, vgl. schnarrpfeife Voss
eclogen (1800)
s. 90: oft quältest du dich, o pfuscher, am kreuzweg, dein armseliges spiel auf schnarrendem stroh zu verstümpern! Voss
Virg. idyll. 3, 27.
ähnlich im bilde: in einem (
zeitalter), wo das orchester die instrumente der weltgeschichte erst zu einem künftigen konzerte stimmt, wo mithin noch alles unerhört in einander schnarrt und pfeift. J. Paul
Siebenk. 1, 13. 2@bb)
von saiteninstrumenten: celli, guitarren, harfen schnarren
u. s. w.: beym spiel von hundert schnarrenden geigen. Wieland 5, 12 (
Amad. 12, 14); doch scheint das schnarrende holz (
der harfe) von Orfeus geist beseelet, so bald sich Rezia's gesang mit ihm vermählet. 23, 100 (
Oberon 8, 49); die saite schnarrt,
im bilde: lass uns, sagte er, endlich aufhören, auf dieser schnarrenden saite herumzuklimpern, Glycerion! 39, 93.
beim zerspringen: nimmer wird sein ruhm verhallen, ehe nicht die letzte saite schnarrend losspringt von der letzten andalusischen guitarre. H. Heine 1, 362
Elster. 33)
von manchen vögeln, vgl. schnarre 3: der schwarzspecht schnarrt,
wenn er mit seinem schnabel so hart an die dürren bäume schlägt, dasz es einen zitternden laut gibt. Adelung. Jacobsson 4, 15
b;
andere vögel schnarren
nur mit ihrer stimme, wie mistler, schnarrenten Adelung;
so sagt man schnarren
oder schwirren
in der waidmannssprache von dem eigenthümlichen laute der schnepfe beim streichen. Behlen 5, 511;
vergl.: der wunderlich schnarrende ton eines wachtelkönigs, der sich eben hören liesz. Ludwig 2, 73. 44)
meist wird schnarren
vom menschen gesagt, 4@aa)
von einer rauhen, vibrierenden stimme: im dialog tiefe etwas schnarrende, heftige, rauhe stimme. Göthe 43, 34.
besonders von einer groben gutturalen aussprache des r: schnarren,
propr. stridorem aliquem acutum edere, in specie autem lit. r
per palatum vitiosè et quasi ronchissando pronunciare, unde etiam in multis Germaniae locis schnarchen
cum schnarren
confunditur. er schnarret mit der zunge,
turbidè atque adhaesè loquitur, infacundior atque impromtus linguâ est. Stieler 1887;
ähnlich schon Kramer 2, 620
c: er schnarret, schnorchelt im reden,
egli roncheggia lettera r.
ebenso niederd. snarren
brem. wb. 4, 883. Dähnert 437
b.
in dieser spezielleren bedeutung: er hatte eine gantz unangenehme sprache, unnd absonderlich konte er das R nicht auszsprechen, sondern schnarrte, wie eine alte regalpfeiffe, die ein stücke von der zunge verlohren hat. Chr. Weise
erzn. s. 117
neudr.; bisz sich Eurylas resolvirte, einen doctor zu agiren, und dem menschen das schnarren zu vertreiben. 118; ich kenne einen magister, der wollte einen berühmten prediger imitiren, und weil der vornehme mann ein geringes vitium linguæ hatte, dasz er das R nicht gar zu wohl pronuncirte, so befliesz sich der gute mensch so sehr drauf, dasz er in anderthalb jahren perfect schnarren lernte.
kl. leute 324; die printzessin, der, weilen sie zugleich in etwas schnarrete und lispelte, .. unsere sprache anfänglich etwas schwer fallen wolte.
Felsenb. 4, 403; seine sprache war ein wohlklingender tenor, den ein kleines schnarren nicht um das einnehmende brachte. Weisze
selbstbiogr. 262;
von einer rauhen sprechweise überhaupt: der mann schien bei seinen gehwerken das sprechen gelernt zu haben. aus seinem knarren und schnarren schien hervor zu gehen, dasz auch er den Holders - Fritz in der dämmerung lauernd getroffen. Ludwig 2, 49. 4@bb)
schnarrend sprechen: groteske verkleidungen, teufel, schornsteinfeger, ritter, grosze hähne (
masken) schnarrten und schrien in allen sprachen. Arnim 2, 234; und wenn du, alter knabe, wie ein kind mit deiner Phyllis schnarrst und stammelst. Wieland
Horazens sat. (1794) 2, 105; du ungeschickter schnarrst ja nur dem pöbel vor. Overbeck
Virg. 45 (3.
ecl. 26).
mit nachfolgender rede: darumb, schnarret die alte herwider, dasz ihr mir meinen reichen mann verwandelt und mit einem bettler darfür behengt! Kirchhof
wendunm. 2, 519
Österley (3, 238); sie sind auch ein unerträglicher mensch, Demokrit! schnarrten die schönen Abderitinnen, und — ertrugen ihn doch. Wieland 19, 89 (
Abd. 1, 8); 'ferner so sage er seinem herrn', schnarrte Bastian auf das natürlichste dem kirchner nach. Thümmel
reise 5, 33. 4@cc)
oft ist das schnarren
zeichen des zorns oder der aufgeregtheit, vgl. schnarchen 6: sonder wann er zürnet und schnarrt, so musz man jhn auch halten hart. Ayrer 865, 31
Keller; nun schnarrt er aus heiserer kehle gegen den göttlichen Agamemnon schmählichen vorwurf. Stolberg 11, 53.
vgl.schnarren murren, brummen, schmälen Campe,
brummen Stalder 2, 340,
mit tiefzitternden tönen reden, besonders im unwillen Hintner 225;
in Aachen schnarre,
anschnauzen Müller-Weitz 217,
nd. snarren
brem. wb. 4, 883;
nl. snarren,
jurgare, fremere, strepere, murmurare Kilian;
dazu einen anschnarren,
mit rauhen worten anfahren Schmeller 2, 549. Hintner
a. a. o., s. theil 1, 447: dort kumbt er, ich wil jn ahn schnarren. H. Sachs
fastn. sp. 4, 134, 293
neudruck (
dafür v. 313: an schnurren); weil sie (
die herrin des Äsop) gar hessig auf mich sticht, vil hadern peim herren mir zu richt, das er mich teglich an thüet schnarrn. 7, 160, 473. 4@dd)
namentlich im mhd. bedeutet snarren
und snerren
oft auch '
schwatzen',
z. b.: swenn er anders nihten mak, so get er snarren durch den tak von ienem hin, von disem her.
renner 14351;
vgl. Schm. 2, 579 (
schwatzen, verleumden);
preuszisch laut und viel reden, über eine sache schwatzen die man nicht versteht. Frischbier 2, 302
a. 4@ee)
vom singen (
oder von der guitarrebegleitung?): auf Dafnis, säume nicht, ergreiffe die kitarren, schlag' auf und singe drein von Fillis trefligkeit: wol, sagte Dafnis, ich werd' auch ein liedlein schnarren, dasz lustig klingen sol, disz will die freuden zeit. Rist
Parnasz 205;
vgl.: gut .. du muszt nur ein wenig mehr schnarren, deine mutter schnarrte allerliebst. Brentano 7, 19;
daher auch schnarrende lieder: täglich sasz er hier in der allee auf dem kasten seines instruments, und sang, so lustige, vergnügte, schnarrende lieder, die er mit dem raszlen seiner harfe ... accompagnirte. Klinger
theater 3, 116. 55, 5@aa)
auch von den tönen u. s. w. selbst wird schnarren
gesagt, vgl. 3. 4,
a. e, besonders um einen miszton zu bezeichnen: (
er) klopft .. an den irdenen töpfen herum, ob nicht an einer stelle ein schnarrender miszton den sprung verräth. Freytag
soll u. haben 2, 114. 5@bb)
übertragen auf einen schlecht klingenden reim oder vers: die kindheit überdisz entschuldigt meine pflicht, die das erfreute fest, so deinen nahmen borget, nicht eher durch den reim, der dennoch schnarrt, versorget, weil mir die rechte krafft zur poesie gebricht. Günther 1058. 5@cc)
so auch unpersönlich es schnarret (
jetzt gewöhnlich saust) mir in den ohren,
egli mi romba, fromba, frombola nelle orecchie. Kramer
dict. 2, 620
c. 66)
wörter ähnlicher form, aber abweichender bedeutung, die also wol kaum mit dem obigen zusammenhängen, finden sich mundartlich: 6@aa)
schweizerisch-tirolisch nagen, schnuppern, wie beim rindvieh auf der weide Stalder 2, 340, schnaren,
ablecken Frommann 6, 407, 18, schnarren,
beiszen, essen, schnâre,
anbeiszen, dazu das g'schnâr,
eszwaaren Schöpf 637,
vergl. Hintner 225
und schnarfen. 6@bb)
ähnlich westf. snarren,
beiszen wollen, um sich schnappen Woeste 245
b.
märkisch hä snarrede üm sik as ne bieteltiewe (
bissige hündin) Frommann 5, 163, 146 (
s. 167
erklärt als '
schnell den kopf bewegen um zu beiszen, schnappen'). 6@cc)
siebenbürgisch àfschnärren,
aufspringen (
mit geräusch) Frommann 5, 179, 185. 6@dd)
daneben ebenda schnären,
schnüren, betrügen Haltrich 48
a,
wol zu mhd. snerhen
und mnd. snare (
schlinge)
gehörend, vgl. oben (
die einleitung).