Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
lenden swV.
1.1 eigentl. ‘jmdn./etw. (vom Wasser) an Land bringen, landen’
1.2 rechtsspr. ‘jmdn. zum Anlegen zwingen’
1.3 übertr.
1.3.1 ‘etw. beenden, zu einem (guten) Ende bringen’
1.3.2 ‘(jmdn./etw.) zu etw. (hin)führen’
1.3.3 ‘etw. (Termin) festlegen’
2 intr.
2.1 eigentl. ‘(in einen Hafen) einlaufen, an Land kommen, landen’ (mit präp. Erg.)
2.2 übertr.
2.2.1 ‘(an einen Ort, in einen Zustand o.ä.) gelangen, ankommen’
2.2.2 ‘enden’
1 tr. 1.1 eigentl. ‘jmdn./etw. (vom Wasser) an Land bringen, landen’ swelch vrawe noch hiute ir amis / in ir dienste von ir sendet, / ob der nymmer sin shif gelendet / daz in trage uͤber daz wazzer Rennew 12726; ir schif aldâ ze stade stiez / und wart gelendet schiere KvWTroj 27527; unpersönl.: uns hat di sturm vreise getriben mit dem koken, / daz wir uns der reise in drien wochen niht mugen wider locken. / daz hat uns vierdhalp tag da her gelendet JTit 2775,3. – mit Ersparung des Obj. (nicht immer klar von 2.1 zu trennen): dô hiez ich balde lenden / in eine habe RvEGer 2642; Elis 4614; ich lendete on das port HvNstAp 4425; do ich die widervart genam / und vaste gein dem stade lant, / der baum do hinder mir verswant WhvÖst 1307; in die habe zu iu lenden Rennew 23926. 32031. – bildl.: ir schif haet gelendet / bi ritter manheit in ir lant MinneR 481 92; [Gott,] dez herschaft nieman grundet / der die marner lendit Martina 23,83. 285,102 1.2 rechtsspr. ‘jmdn. zum Anlegen zwingen’ was aber kouflute oder ander lute sint, die uf der Mosele varent, die mag die stad lenden und drie mart dage da dun halden UrkTrier 312,47 (a. 1350) 1.3 übertr. 1.3.1 ‘etw. beenden, zu einem (guten) Ende bringen’ alle die clage, die vor gerichte nicht begunt noch nicht gelent en sî SSp (W) 3:60,2. 1:7; di brûtloft was gelant SAlex 4058; dô was daz urliuge gelant Parz 41,28; noch einer auch gelendet haet / in myner scole menchen dach [hat dort manchen Tag verbracht] MinneR 481 210; swie ich mîn dinc gelende, / durch got sol ez dir sîn erkant HartmKlage (G) 1686; UvZLanz 7253; LBarl 10727; vnse vele groes vngemach / is vnna [längst nicht] noch gelendet Karlmeinet 465,20; Wh 10,23. – mit Refl.-Pron. (vgl. Anm.z.St.; s.a. Schiller/ Lübben 2,663): swi suzelichen si ire [der minne ] beginnen, / e si sich vmmer gelende, / si vnd der haz nemint al ein ende Elmend A 463 1.3.2 ‘(jmdn./etw.) zu etw. (hin)führen’ uon der süezin stimme rede / wart vz siner sinne pfede / der keisir gar gewendit / ze tobheit gelendit / vnd ane sin von zorne Martina 78,42. 292,48; wa lendet eins gelazsenen menschen verstandenheit? Seuse 342,3. 352,23 1.3.3 ‘etw. (Termin) festlegen’ der tak wær gelendet / an dem anger vnder Karidol / über vierzig tag, als man sol Krone 5331 2 intr. 2.1 eigentl. ‘(in einen Hafen) einlaufen, an Land kommen, landen’ (mit präp. Erg.): dû scolt bûwen an des meris stade / dâ dei scef lentin Gen 2828; da [im Hafen der Burg Magdalun] lendet so manig kiel SHort 6489; also lan ich die rede min, / als der mit schiffe lendet / da sich sin vart vollendet WernhMl 14911; man gelante in eine habe Tr 11657; En 7737; zuo dem stade gelante / der Kriechen her gemeine KvWTroj 25884; Kchr 1498. – bildl.: da er in der gnaden hab / nach der freise hatt gelendet, / er wande han verendet / hie alles sin vngemach Krone 12819; dû gnâden sê, / dâ man mit vreuden lendet LobGesMar 19,4; unser vrouwe hât gelendet / zuo dem himelischen stade KvHeimHinv 1196; ich [Paris] gelende zuo dem stade / der gnâden iuwers lîbes KvWTroj 21042; LvRegSyon 2286; himelriche ist unser heimuot, / da sculen wir lenten, gote lob VEzzo 406; v̀ch [Gawein] hett got her zú trost / disem land gesendet; / des ist vns vnser leit gewendet, / vnd hat heil hie gelendet Krone 19313; subst.: mîn anker vaste wirt geslagn / durch lenden in sîns poinders hurt Parz 68,11 2.2 übertr. 2.2.1 ‘(an einen Ort, in einen Zustand o.ä.) gelangen, ankommen’ so wil ich dich vater bittin / Abraham nach minen sittin / daz dv ruochest senden / Lazarum vnd lenden / zvo mines vater hvse Martina 66,20; daz selbe si nu daden / aller stede gliche / mit dirre selben liche, / waz endes si nu wanten / joch sider me gelanten Elis 5648; MorantGalie 3130; diz vleisc intfînc du erda, / dir geist vûr up ci berga. / dari sule wir iemir nâh imo deinkin, / wâ wir ci iungist sulin leintin Anno 44,14; die mit guoten werchen unde willen dare [im Himmelreich] gelentent Himmelr 8,27; wanne si wolden lenden [heimkehren] , / so druͦgen frouwen unde man / ir [Elisabeths] gabe unde ouch ir segen dan / in frolichem mude Elis 3758 2.2.2 ‘enden’ wyszhait duͤ ordnung richt / duͤ mit kuͤnsche daz versicht / das sy da icht lende / da sy vindet ende Gnaistli 597; iz ist inoch unnach / unser groz ungemach / laider gelendet Rol 7453; man sihet vil guͦter einvaltiger menschen, die in loblicher heilikeit lendent Seuse 352,1. 289,13; wo gelendent dise lúte? weles ist nu ir ende? Tauler 214,7. 229,4 u.ö.; svz sint die frode an ende / zvo den der wise gerne lende / wan alle die ie genamen / leben von menschen samen Martina 245,74. – Part.Präs.: es mag wol in dem geiste ane vahen, es wurt aber schier in dem fleische lendende Seuse 458,1. – subst.: allen den menschen [...] ist fúrderlich ze wissenne ir und aller dingen erstes begin, wan in deme selben ist och ir jungstes lenden Seuse 328,13
MWB 3,3 1055,40; Bearbeiterin: Wemhöner