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lecker

mhd. bis spez. · 21 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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36 in 21 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

lecker m.

Bd. 12, Sp. 482
lecker, m. ursprünglich einer, der leckt, von lecken lambere hergenommen. 11) zunächst ist lecker gleichbedeutend mit laffe (sp. 58), das von der gleichen vorstellung eines leckenden, naschenden kindes ausgeht; weswegen lecker auch so häufig mit jung verbunden erscheint: wann die jungen lecker und die jungen buben kummen also zu dem wegscheid, so laufen sie mer zu der linken seiten dann zu der rechten hand. Keisersberg evang. 1517 62b; du junger lecker, wilt du uns strafen? Luther tischr. 251a; sitzt der jung lecker auf dem esel, und laszt den alten vatter im kot her strampflen. S. Frank sprichw. 1, 83b; der jung unverstendig lecker. Kirchhof wendunm. 241b; unterhielt offentlich ein jungen lecker Innocentium, zu seiner schandlichen ... unkeuschheit. Fischart bienk. 212a; es ist noch ein junger lecker, admodum juvenis, sive lascivus est, saliendo et saltando incedit. Stieler 1104; ich sehe schon wie sie ihre freude haben werden, wenn sie beide in einem jahre so einen feinen jungen lecker und aufschieszling kriegen werden. Schoch stud. leb. D 4; wir wollens doch immer mit dem jungen lecker versuchen, weil der schelm so gute lust dazu hat. F; sind die jungen lecker nicht vorhanden. Chr. Weise comöd. 24; manche hoffet einen unbesonnenen, zumal jungen lecker durch mancherlei willfertigkeit zu fangen. pol. stockf., vorrede; ja wenn ich den jungen lecker mit in meine gewalt bekommen kann. Pierot 1, 249; es ist mehr als zu recht und billig, dasz man solchen jungen leckern .. mores lehrt. westph. Robins. 138; wo sich vor dergleichen junge lecker allerhand ergötzlichkeiten fanden. Felsenb. 2, 374; auch kleiner lecker: die kleinen lecker haben sich verlaufen. Chr. Weise comöd. 23; einen kleinen lecker hinter sich führen. A. Gryphius 1698 1, 863; und sonst mit beiwörtern, die auf die mutwillige jugend gehen: zween muhtwillige lecker. Kirchhof mil. discipl. 61. 22) lecker, maulredner, verächtlicher schmeichler, schmarotzer, erlangt diesen sinn wol von den armen dienenden jungen her, die gegenüber ihren herren kriechend sind oder als possenreiszer dienen (vergl. dazu die bedeutungsänderung von schalk): lecker, parasitus, leccator. voc. inc. theut. m 2b; scurra, pueb o. leker, lecker, hofflecker Dief. 522a; scurro lecker ebenda; scurrus lecker ł nascher ebenda; swelch edel kneht hât leckers amt, und sich der unzuht niht enschamt. K. v. Haslau jüngling 149; der löuwe der bezeichenet uns den edelen man, der wolf den armen herren, der die armen liute roubet offenbâr; der hunt des leckers munt. minnes. 3, 96, 5 Hagen. daher als gelindes schimpfwort, wie etwa unser schlingel: Xantus ward bös und sprach: lecker, sag an, ist das éin mensch? Keisersberg brös. 2, 89b; ward zornig, und sprach zu ihm, wesz lachest du, lecker. E. Alberus 5b; lecker, was hastu mich zu lehren? 13a; jr lecker, das euch got vermaledei. Aimon bog. g; gee lecker, sprach der keiser. r 4; er sahe den Florens nicht darfür an, dasz er jhm den vogel solte bezahlen, und gedacht doch: was wiltu mit dem lecker anfahen, und sprach: ja du lecker, ich wil jhn verkäufen. buch d. liebe 7d; bei jhme hett er täglich ein jungen schüler zum famulo, einen verwegnen lecker, Christoph Wagner genannt. volksb. vom doctor Faust s. 24 Braune; ich rauf dir die haar aus, lecker, du. Lenz 1, 176; wohl freilich, du lecker, sagte die wirthin, ist etwas an der sache, ich würde es sonst nicht sagen. J. Gotthelf bilder u. sagen 4, 50; lieber herr, so sein sie die feulsten lecker, das ich ir arbeit nit pruft umb ein har. fastn. sp. 81, 18; der vorderste, der stürzt; und so komm ich nun vor, und bleib auch vor bis in die stadt; wo aber Ibrahim, der lecker, die gassen besser kennt. Lessing 2, 331; das abenteur war freilich ärgerlich; allein was halfs, dem lecker nachzulaufen? Wieland 22, 162 (Oberon 4, 30). 33) dann aber auch schärfer = schurke, schuft (vergl. einen ähnlichen übergang bei bube theil 2, 458—461): der lecker uns gelogen hât, der uns da seite mære ... K. v. Würzburg Part. 4454 Bartsch; leccator, lecker Dief. 322a; nebulo lecker 377b; trufator gecke, teuscher, lecker, leicher 599c; läcker, betrieger, nebulo, nequam Maaler 260a; so thut auch dieser schendlicher lecker Paulus tertius. Luther 8, 209a; verrätherische lecker, wer bewegt euch, dasz jr diesen mannlichen ritter also schelmisch überfallet. Amadis 66; schnöden lecker, grosze dorheit habt jr gethan. Aimon bog. l 4; ich wolte dir jetzunder mit dem stecken die rippen und den kopf entzwei schlagen, du böser lecker. b. d. liebe 8a; und sitzet also bei dem heillosen lecker. 9a; er ist ein loser lecker, insignis nequam est. Stieler 1104; o duo alter verfluechter lecker! fastn. sp. 865, 30; ein loser lecker und schalk bist du. J. Ayrer 67b (348, 27 Keller). in verbindung mit bube: du lecker bub und schalk, ich sol dir lonen nach deinem verdienen. Steinhöwel Bocc. (1535) 132a; es sein hie viel lecker, buben, verräter, und täuscher. A. v. Eybe Menech. 97b; er wer ein buob und lecker. Ulensp. s. 4 Lappenb.; da jnen (ihn) Rulandt fur keinen buben oder lecker, sondern für den besten ritter der ganzen welt berümen thet. Aimon bog. p 3; du hast gschäft ghan wie ein buob und läker, der du bist. Th. Platter s. 84 Boos; ward der vatter laut schreien: aus, du lecker, du buob. Wickram rollw. 163, 24 Kurz; ein lecker und bub. Frey garteng. 54; sehet diesen argen buben, dieser arge lecker hat mein weib schenden wöllen. buch d. liebe 181d; der schnod pub, der schalk und lecker hat mir verthan wiesen und ecker. fastn. sp. 481, 11. in verbindung mit dieb: du wirst darumbe erhangen als ein lecker und ein diep. Eracl. 937; schreit, dasz es jedermann hört, he du böszwicht, he du lecker, he he, hab ich dich uberkommen, du jungfrawdieb. buch d. liebe 228b. 44) erst in der neuern sprache ist lecker in dem einfachen sinne eines leckenden bezeugt, in compositen wie tellerlecker, topflecker, honiglecker, speichellecker; jungferlecker, mulierarius, ganeo cincinnatus, quos impudentes vocant fotzenlecker, quasi dicas cunnilingos. Stieler 1105; dintenlecker, spottname für einen schriftsteller, vergl. theil 2, sp. 1182: wir seind beede getreue dinten-lecker und studier-mitgenossen. Abele künstl. unordn. 1, 88. 55) lecker, verächtlicher name für die zunge. Schm. 1, 1433 Fromm.; niederd. Schambach 121b; bei den jägern heiszt aber ohne diesen beisinn die zunge des hirsches so: graser, lecker, weidmesser, des hirsches zunge Jacobsson 2, 147a. lecker, lappenschnecke, ist auch der name der schnecke strombus gigas. Nemnich 4, 1386. 66) lecker, mit beziehung auf das folgende adjectiv, ein leckerhafter mensch: der lecker hat sich mit zu viel süszigkeiten den magen verdorben; nichts will ihm mehr schmecken. Lessing 7, 146; der lecker einst! jetzt fastet er am tische. Gotter 1, 78; von einer frau: nicht also, frau sünderinn! frau liederlich! frau lecker! Bürger 48b. 77) endlich auch die leckerhaftigkeit selbst: niederd. dâr steit mi de lekker na, darauf bin ich verleckert, das hätte ich gern. brem. wb. 3, 51, ebenso Schütze 3, 24; nichts als doppeln, toll und voll sein haben wir gelernet und unsre hufen wollens nicht mehr austragen und der lecker sticht uns gleichwol darnach. Pape bettel und garteteufel (Magdeburg 1586) G 6a. vgl. dazu leckern 3.
7311 Zeichen · 154 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    leckerstm.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +7 Parallelbelege

    lecker stm. tellerlecker, fresser, schmarotzer, überhaupt ein sittenloser mensch. nebulo voc. vrat. 1422. lecator sumerl…

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    leckerAdj.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +4 Parallelbelege

    lecker , Adj. nhd. lecker, üppig, gut lebend, verwöhnt, verzärtelt, schmackhaft Hw.: vgl. mhd. lecker (1) E.: s. mhd. le…

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Lêcker

    Adelung (1793–1801) · +7 Parallelbelege

    Lêcker , -er, -ste, adj. et adv. 1) Sehr schmackhaft, im hohen Grade wohl schmeckend; leckerhaft. Eine leckere Speise. H…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    lecker

    Goethe-Wörterbuch

    lecker 1 von od mBez auf Speisen a köstlich, wohlschmeckend; einmal ‘l-er Geschmack’ Laertes .. der nicht leben kann, oh…

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Lecker

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Lecker ( Graser ), die Zunge von Rot- u. Damwild.

  6. modern
    Dialekt
    Lëcker

    Elsässisches Wb. · +9 Parallelbelege

    Lëcker [Lakər Sondernach ; Lækər Str. ] m. 1. vorderer Teil der Rindszunge, mit dem das Tier leckt Str. 2. † Bube Frey 8…

  7. Sprichwörter
    Lecker

    Wander (Sprichwörter)

    Lecker 1. Lecker, lecker, säd' Kasten Voss, un hadd Rosinen in Syrop stippt. 2. Se sünt lütjet, man lecker, segt de Emde…

  8. Spezial
    lecker

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    le|cker adj. 1 (appetitlich) bun (bugn, bona), apetitus (-sc, -tosa), delicat (-ac, -a), da lof 2 ‹fig› atraënt (-nc, -a…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit lecker

146 Bildungen · 121 Erstglied · 22 Zweitglied · 3 Ableitungen

Ableitung von lecker

leck + -er

lecker leitet sich vom Lemma leck ab mit Suffix -er.

lecker‑ als Erstglied (30 von 121)

leckerecht

SHW

lecker-echt Band 4, Spalte 227-228

Leckerfaß

SHW

Lecker-faß Band 4, Spalte 227-228

Leckermaul

SHW

Lecker-maul Band 4, Spalte 227-228

leckerachtig

RhWB

lecker·achtig

lecker-achtig lękərtĭχ Monsch-Eicherschd Huppenbr Lammersd Rötgen Kesternich Rollesbr Simmerath Witzerath Adj.: -haft, feinschmeckerig.

leckeraftig

KöblerMnd

leckeraftig , Adv. Vw.: s. leckerhaftige*

leckerbissen

DWB

lecker·bissen

leckerbissen , m. bissen für einen lecker, köstlicher bissen: eins mals wolt ( ich ) essen leckerbissen. B. Waldis Esop 4, 1, 209 ; darher h…

Leckerbißgen

GWB

Leckerbißgen zu Leckerbissen DjG 3 1,6,28 Labores juv [1757] Syn Leckerei Näscherei Naschsachen Naschware Naschwerk Martina Eicheldinger M.E…

leckerbiszlein

DWB

lecker·biszlein

leckerbiszlein , n. dim. zu dem vorigen: cupedie leckerbiszle, priesterköstichen Dief. 163 a ; er will gern delicate leckerbiszlein haben. S…

lëckerbiʒ

Lexer

lecker·biz

lëcker-biʒ stm. bissen wie ein lecker ihn liebt, leckerbissen Wack. 175 b .

leckerbôk

MNWB

lecker·bok

* leckerbôk , n. , schmeichlerische, verführerische Schrift (Oldekop 440).

leckerbrot

DWB

lecker·brot

leckerbrot , n. brot eines bösewichts ( nach lecker 3): nicht lasz mein herz die sünden üben, die unter groszen leuten sind, wo schand und l…

leckerbube

DWB

lecker·bube

leckerbube , leckersbube , m. böser bube ( vergleiche lecker 3): mitbuler, gutbettler, leckerbuben. Fischart groszmutter 82 ; ( Cinna ) brac…

leckerbēte

KöblerMnd

leckerbēte , N. nhd. Leckerbissen E.: s. lecker, bēte (3) L.: MndHwb 2, 777 (leckerbēte) Son.: örtlich beschränkt

leckerbōk

KöblerMnd

lecker·bōk

leckerbōk , N. nhd. schmeichlerische Schrift, verführerische Schrift E.: s. lecker, bōk (2) L.: MndHwb 2, 777 (leckerbôk) Son.: jünger

leckerchēt

KöblerMnd

leckerchēt , F. Vw.: s. leckerichhēt*

leckerëcht

ElsWB

lecke·recht

leck e rë ch t , leckeri ch t [lèkrat Z. ; lìkarit Prinzh. ] Adv. wählerisch in Speisen. Wënn du so l. bis t , ze loss es li e je n !

leckerei

DWB

lecke·rei

leckerei , f. , nach lecker und dem verbum lecken, in verschiedenem sinne; 1 1) mutwilligkeit, wie sie ein junger laffe hat ( nach lecker 3)…

leckerei

FWB

1. ›Leckerei, wohlschmeckendes Gericht‹; zu lecker (Adj.).; 2. ›Gefräßigkeit‹; ütr.: ›Lasterhaftigkeit, Lüsternheit; Niedertracht; Betrügere…

leckeren

MNWB

leck·eren

° leckeren refl. sik l. sich zieren (Wolfenbüttel : Sehling VI 1, 37). Vgl. Luther Tischreden (Förstemann/Bindseil 4,40).

lecker als Zweitglied (22 von 22)

bevlëcker

Lexer

be-vlëcker stm. maculator Dfg. 342 a ;

federlecker

DWB

feder·lecker

federlecker , m. lambens pennam, elender schreiber. Stalder 1, 361 hat federlecken für schmeicheln.

hoflecker

DWB

hof·lecker

hoflecker , m. schmarotzer am hofe, mhd. hovelecker ( Lexer wb. 1, 1362 ): als denn groszen herren geschicht von den hofleckern, die sie lob…

hovelëcker

Lexer

hovel·ecker

hove-lëcker stm. schmarotzer am hofe Wh. v. Öst. 52 b . 53 a . vgl. hoveslëcke.

schandflecker

DWB

schandflecker , m. schänder, schmäher, tadler: so traurige wahrsager wären nicht viel besser als schandflecker. denn jene hätten immer ander…

schantflecker

KöblerMnd

schantflecker , M. Vw.: s. schantvleckære*

schentvlecker

KöblerMnd

schentvlecker , M. Vw.: s. schentvleckære*

schlecker

DWB

sch·lecker

schlecker , m. fette, schlüpfrige thonerde Frischbier 2, 283 b ( für nd. slicker); slecker neben slacker und slickerweder, naszkaltes, schmu…

tellerlecker

DWB

teller·lecker

tellerlecker , m. schmarotzer, schmarotzender schmeichler, parasitus, adulator Stieler 1105 , vergl. lecker 4 und tellerschlecker: schmeichl…

tellerschlecker

DWB

teller·schlecker

tellerschlecker , m. was tellerlecker, assecla mensarum, parasitus Maaler 397 c : die schmeichler, die pfefferlecker und dellerschlecker sei…

Tintenlecker

Wander

tinten·lecker

Tintenlecker Es ist ein Tintenlecker. – Tendlau, 156. Von einseitigen Gelehrten. (S. Bankrutscher.)

zahnblecker

DWB

zahn·blecker

zahnblecker , m. , albis dentibus ridens, cachinno Stieler 197 , bronchus, homo dentibus prominentibus Steinbach 1, 126 , zahn-bläcker, digr…

Ableitungen von lecker (3 von 3)

unlecker

DWB

unlecker , adj. adv. , gth. v. lecker ( nl. onlekker sich unbehaglich fühlend ): eine höchst unleckere nahrung Steub drei sommer 1, 379 . un…

verleckeren

KöblerMhd

verleckeren , sw. V. nhd. „verleckern“, begierig machen, lüstern machen ÜG.: lat. abligurire Gl Hw.: vgl. mnd. vörleckeren* Q.: Seuse (1330-…

verleckerung

DWB

verleckerung , f. im anschlusz an die sinnliche bedeutung des zeitworts, coena dubia, nauseola Stieler 1105 ; dann ( an 3 angeschlossen ) an…