Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
kindel stN.
2 Bez. für junge Männer, selten Frauen in der Adoleszenz (vgl. auch kint )
3 als Anrede für erwachsene Schüler, Jünger, bei der der Sprecher eine Art (belehrende oder erzieherische) Vaterrolle für sich beansprucht
4 ‘Jungtier’
1 ‘kleines Kind, Kindchen, Kindlein’ (vom ungeborenen Kind über Säugling und Kleinkind bis zu älteren Kindern): swelher vrowen der stein ist bî / diu dâ treit ein kindelîn Volmar 329; sumelîchiu wîp, sô si chindelîn gewinnent, sô zerbrestent si in der wambe Barth 132,25; ez geschiht auch oft, daz die frawen der kindlein genesent ê der zeit BdN 41,34. amme, nim daz kindelîn, daz ez niht enweine KLD:GvN 50: 2,1; AvaLJ 30,3; RvEWh 15260. – ich han zuei wenige [kleine] kindelin Roth 3164; iedoch hân ich des [ trôrs süße, klebrige Masse auf den Blättern] vil gezzen auf dem geu, dô ich ain kindel was; dâ nâch tet mir mein leibel gar wê BdN 88,26; alsô [in Bezug auf das Echo] siht man diu kindleu schreien vor den wälden, wan die wænent, ain holtzman antwürt in auz dem wald ebd. 16,19. – in Vergleichen: si lachet als ein kindelîn SM:Wi 9: 4,3; ir redet als ein kindelîn. / wan geswîgt ir iwerr muoter gar? Parz 170,10. – in der Bez. für den ‘Tag der unschuldigen Kinder’ (28. Dezember, Gedenktag des Kindermordes zu Bethlehem): in decembre: sente Nycholaus tac unde sente Thomases des apostolen tac [...] unde der kindelîne tac nâch der gewonheit des landes StatDtOrd 77,11; 28. der kindelintag MonatsrRh 365 2 Bez. für junge Männer, selten Frauen in der Adoleszenz (vgl. auch kint): du erlostest uz dem ouene driu kindelin [die 3 Jünglinge im Feuerofen] Rol 7913; diu edeln kindelîn / diu ladet’ man zuo dem lande durch die hôhgezît. / mit dem jungen künege swert genâmen si sît NibB 28,2; dar zuo sehs andriu kindelîn [Gawans Knappen] Parz 429,27. – er [der König] hiez der kindel varen, / die da meidel waren, / unz sie verlurn der blumen lust mit der meide jaren; / so was im lieb ir stolzer lib, unz daz sie wurden swanger Frl 5:104,3 3 als Anrede für erwachsene Schüler, Jünger, bei der der Sprecher eine Art (belehrende oder erzieherische) Vaterrolle für sich beansprucht: [Jesus sagt zu seinen Jüngern] miniu vil lieben chindelin, ich nesol niht langer mit iu sin AvaLJ 126,6; (vgl. Tauler s Anrede kinder an seine Schüler, z.B. 32,24. 37,2. 39,14. 67,7 ) 4 ‘Jungtier’ [die Ente] ist ain bekanter vogel. des kindel habent die art, daz si zehant swimment, wenne si auz der schaln sliefent BdN 169,16; wenn der swangern vippern zeit köm, daz si gepern schüll, sô pring si an ainem tag neur ain kindel und niht mêr ebd. 286,4; sô ain überfrühtig jâr ist mit pluomen und mit genuhtsam, sô habent si [die Bienen] sô grôzen vleiz honig ze samnend, daz si nihtes trahtent nâch kindeln und nâch jungen peinen ebd. 292,16 u.ö.
MWB 3,1 246,22; Bearbeiterin: Baumgarte