Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)
keusch Adj.
keusch Adj.
keusch Adj. ‘rein, unberührt, enthaltsam, schamhaft’, ahd. kūski ‘geziemend, sittlich, mäßig, enthaltsam (in bezug auf Nahrungs- und Sexualtrieb), züchtig, makellos, passend’ (8. Jh.), mhd. kiusche, kiusch, auch ‘ruhig, vernünftig handelnd’, asächs. kūsko Adv., mnd. kǖsch(e), kūsch, kūs, aengl. cūsc (aus dem Asächs. entlehnt), mnl. cuusc, nl. kuis. Ahd. kūski verbreitet sich vom Alem. (Reichenau) aus; aus der allgemeinen Bedeutung ‘geziemend’, folglich auch ‘beherrscht, maßvoll’ (in bezug auf die menschlichen Urtriebe), entwickelt sich ‘maßvoll, enthaltsam in sinnlicher Beziehung’. Auf Grund eines aprov. cusc ‘rein, tugendhaft’ (mit zugehörigen Ableitungen), in dem eine Entlehnung aus dem Germ., „vielleicht speziell dem Got.“, sieht, setzen auch in: Festgabe Helm (1951) 134 ein got. *kūskeis als Entlehnung aus lat. cōnscius ‘mitbewußt, wissend’ (um das Rechte, Gute, um Reinheit und Keuschheit) voraus und nehmen an, daß ahd. kūski „aus dem gotisch-arianischen Christentum des europäischen Südwestens nach Süddeutschland gekommen ist“. – Keuschheit f. ‘Reinheit, Unberührtheit, Enthaltsamkeit’, mhd. kiuscheheit.