Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
kaste
2 Aufbewahrungsort für Vorräte, meist Speicher (vgl. lat. granarium ) für Zehntabgaben an Korn und Früchten, die dazugehörigen Ämter und Maße; auch Vorratskammer (Belege oft mehrdeutig)
2.1 allg. ‘Vorratskammer, Speicher’
2.2 grundherrlicher (Korn-)speicher für Naturalabgaben
3 ‘Hütte, Kammer, Zelle, Verschlag, Marktstand’ (vgl. DRW 7,515, MlatWB 2:332 s.v. 1casta )
4 Fassung eines Edelsteins
1 ‘Truhe, Kiste, Kasten’ (vgl. kiste ): ez was ir meiste pîn, / daz si die kasten und die schrîn / elliu lær dâ funden Ottok 31039; swer arme liute twingen kan, / kasten und biutel in machen wan [leer] Renner 2154. 7836; UrkBresl 23 (a. 1261); allez daz ze dem varndem guote hœret: daz sint schâf [...] und allez gevügele unde kasten unangenagelt unde [...] SpdtL 102,4; swie wol die kasten sint geladen, / der grosten bliden [Steinschleuder] stain SHort 6542; teca: kaste VocOpt 11.006. – übertr.: der tugende vol ein kaste Tannh 5,115; JTit 3441,1. 4381,3. 4611,1; vinde ich an mines herzen kasten / icht daz mir zu nutze toge Brun 441 2 Aufbewahrungsort für Vorräte, meist Speicher (vgl. lat. granarium) für Zehntabgaben an Korn und Früchten, die dazugehörigen Ämter und Maße; auch Vorratskammer (Belege oft mehrdeutig) 2.1 allg. ‘Vorratskammer, Speicher’ sy pußten wol deß hungers nott. / gefult wurden die kasten. / man sach da niemant vasten HvNstAp 1151; der getrúwe buman / och vollen kasten moͤchte han / nach sinem willen voͤlleklich WernhMl 12658; swF.: do die caste [für Käse, wo die vier verfolgten Kölner versteckt waren] wart up gedain HagenChr (G) 1912; in der casten ebd. 1900. – übertr.: du [die Brust mit Milch] bist kaste eins kindes spîse Parz 110,30 2.2 grundherrlicher (Korn-)speicher für Naturalabgaben: ez sulen auch elliv vrbor [zinspflichtigen Grundstücke] auf die chasten dienen, da si vor auf gedienet habent, ledichlichen und freileichen mit ir chastenguͤlt UrkWittelsb 2,164 (a. 1310); so sullen wir dem egenanten goczhaus cheler, kasten und die urber [Zinsabgaben] mit wein und mit getreid mit zinsen, mit stewren und mit andern nüczen also wider antworten UrkLudw 184 (a. 1337); von dem lehen, daz zv dem kasten horet, git man drizic pfenninge UrbBayÄ 1434,f; des ander iar giltit Hvnthaim ahte vnde fvnzic mvtt habern des minnern meszis, des werdent nivͦn vnde zwainzic mvtte von des casten meszis ebd. 1042,b (vgl. kastenmâʒ und kastenmütte ); heizt kasten und stedel entsliezen / und heizt daz korn verkoufen EnikWchr 6096. 5715 3 ‘Hütte, Kammer, Zelle, Verschlag, Marktstand’ (vgl. DRW 7,515, MlatWB 2:332 s.v. 1casta): di auzlaͤut [...], die chásten oder haͤuser in der stat haben, di sullent der stat warten [...] mit dienaͤrn und mit harnasch wider der stat veint DRW 7,515 (Mühldorf 394; 14. Jh.); similiter in littore Reni domicilia que casten dicuntur UrkKölnSchr 2,1:274 (a. 1180-83); cubiculum: chaste [ cubiculum u.a. ‘Marktstand’, vgl. MlatWB 2:2059,35 ] SummHeinr 1:36,57; Herimannus (cum barba) et uxor sua Imma emerunt cameram quandam que teutonice vocatur caste [ camera u.a. ‘Marktstand’, vgl. MlatWB 2:111,44 ] UrkKölnSchr 1,20 (a. 1135-1142) 4 Fassung eines Edelsteins: an iegelîches knophes stat / was ein rubîn ûf gesat / in safervarwe kasten Er 7726; in einem stähelîn kasten, / dâ stât er [der Diamant] inne vaste: / in silber noch in golde niht Volmar 315; UvZLanz 8513; übertr.: eins edelen valken ougen brûn, / die sicht man blicken ûz dem wîzzen kasten SM:Wi 9: 6,2
MWB 3,1 168,19; Bearbeiterin: Baumgarte