glatzkopf,
m. 11)
allgemein '
kahler kopf': wie vast sollichs den menschen ungstalt macht, zeygt an die kalheit der glatzköpff W. H. Ryff
anatomie (1541) a 3
b; (
Thersites hatte) ein kurtzen hals mit einem hofer (
höcker), ein glatzkopff, ein schmale brust Er. Alberus
fabeln 9
ndr.; welcher den glatzkopff desz Äschyli vor einen stein angesehen Abr. a
s. Clara
Judas der ertzschelm (1686) 2, 203; ein kahler schilt einen glatzkopf Düringsfeld
sprichw. (1875) 1, 122
b; ihr alter dort mit dem glatzkopf — seid ihr nicht der Steinleitner? Rosegger
schr. I 4, 325; glatzkopf
kahlkopf (
Bayern, Pfalz, Jülich und Berg) v. Klein
prov. wb. 1, 149.
gelegentlich ausdrücklich als kahler kopfteil: recalvus ein glatzkopff, der vornen kal ist;
recalvaster ein kaalkopff, der um die stirnen kaal ist Calepinus
XI ling. (1598) 1226
b; er stichelte damit auf den alten Knecht (
eigenname), der einen weiszen glatzkopf hatte W. Schäfer
wendekreis neuer anekdoten (1937) 76.
gern als bezeichnung der ganzen person nach diesem charakteristischen merkmal: dasz er (
Caracalla) acht lame, acht blinde, acht stumme, eben so viele glatzköpffe und dicke an seinem hoff gehalten Joh. Prätorius
philosophia Salustiana (1664) g 11
a; wenn er (
Wieland) den kontrast zwischen dem lieblichen Epicureer, dem stoischen Antisthenes und dem skeptischen glatzkopf Sokrates aufstellt Seume
briefe 248
Pl.-R. besonders als schimpfwort: da Heliseus von Jericho wolt uff den berg steigen, da waren vil bOeser buoben da, die spotten sein und sprachen: o glatzkopff steig uffhin, o kalkopff steig uffhin Geiler von Keisersberg
emeis (1517) 42
b; sehet mir den läppischen glatzkopff (
Noah) an, der bey ochsen und eseln sein quartier gemacht Abr. a
s. Clara
etwas für alle (1699) 2, 210; Pansner
schimpfwb. 23
b.
im bereich glatze 4: hau, hau, alda glatzkopf Hartmann
volksschausp. in Bayern u. Österr. (1880) 279; viele krank ... ein alter glatzkopf, gesicht und schädel mit geschwüren bedeckt v.
d. Steinen
naturvölker Zentralbrasiliens (1894) 130.
als derbe umschreibung für priester
oder mönch,
s.glatze 5: wie mögen wol die glazköpfe auf die eintretenden horas gelauscht haben J. H. Voss
antisymb. (1824) 1, 322; fort mit dem mönch! ... zieh ab, glatzkopf! G. Keller 7, 388; Heinrich erwiederte, er achte die glatzköpfe nicht genug, um ihrethalb verarmen zu wollen Dahlmann
gesch. v. Dänemark (1840) 1, 306. 22)
als medizinische bezeichnung der alopecia, des haarausfalls: der glatzkopf (
alopecia), wobey das haar nach und nach ausgehet und angefressen ist, mit abschilferungen, weiszen schuppen, trockenem grinde und schorfe vereinigt
allg. dtsche bibl. (1765) 102, 23; Nemnich
lex. nosol. polygl. (1801) 15
b (
s. o. glatzkinn). 33)
eine seefischart: glatzköpfe (
alepocephalidae) Brehm
tierl. (1890) 8, 385. —
dazu glatzköpfig, adj., obd. auch glatzkopfet;
kahlköpfig. als körperliches merkmal: dannenthin wo die atzel (
elster) ein menschen sahe, der do kal oder glatzkOepffig was, schrey sy überlaut Marquard vom Stein
d. spiegel der tugent und ersamkeit (1498) b 3; seines leibes halber ist er eine feine, ansehnliche person gewesen, zimlicher grOesze, starck von gliedern, glatzkOepffig, langbAertig Joh. Bentzius
päbstl. chronica (1604) 140; ich sah ... ein gemählde ..., worauf er (
Herkules) als ... glatzköpfiger ... mann vorgestellt war Wieland
Lucian v. Samosata (1788) 5, 281; er ist ein groszer, glatzköpfiger mann und hat die gicht Rosegger
schr. I 4, 81.
gelegentlich mit adverbialem zusatz: ein mann, so ganz glatzköpfig und kahl Kirchhof
wendunmuth (1603) 7, 85; so ist auch neben anderen der hl. Thomas von Aquino zimblich glatzkopffet gewest Abr. a
s. Clara
etwas für alle (1699) 1, 446; das mädchen ... dachte bei sich: du alter schippel! glatzkopfig über und über, und der kopf steckt zwischen den achseln wie eingebohrt Rosegger
schr. I 13, 192.
im vergleich: der holunderbusch sah wie glatzköpfig aus O. Ludwig 2, 192
E. Schm. als kennzeichen des alters: dan ich hab ohne das ein grollen auf den alten glatzkopfeten dollen Hartmann
volksschausp. in Bayern u. Österr. (1880) 392.
zu glatze 5: glatzköpfger priester, heiszt du aus mich schlieszen?
Shakespeare 7, 218.
geringschätzig: verschiedene glatzköpfige assessoren und zahlenerdrückte rendanten nahmen sich fest vor, bei der nächsten begegnung mit dem vorgesetzten diesen zuerst grüszen zu lassen W. Raabe
Abu Telfan (1870) 2, 104. —