gläubig,
glaubig,
adj.; ahd. giloubîg,
mhd. geloubec, gelöubec,
nhd. gläubig
und bis in den anfang des 19.
jhs. auch glaubig (
s. unten);
as. in ungilôbig
Heliand 3007
Heyne; mnd. gelōvich, lōvich,
afries. in myslawich Richthofen 930
a,
mnl. gelōvich Verwijs-Verdam 2, 1292,
nl. geloovig
nl. wb. 4, 1273.
das got. hat als entsprechendes adj. galaubeins
Tit. 1, 6,
das ahd. vereinzelt giloub,
öfter giloubo Graff 2, 71,
das ags. gelēaf, gelēaffull, gelēaflîc, gelēafsum,
vgl. Bosworth-Toller 407
f., suppl. 354
f. herkunft und form. ahd. giloubîg
kann sowohl vom subst. giloubo
wie vom adj. giloubo
hergeleitet sein, vgl. Wilmanns
gramm.2 2, 459;
doch ist oft auch eine engere sekundäre beziehung zum verbum glauben erkennbar (
vgl. 4 b),
wie sie primär bei gläubig 5
vorliegt. für die schreibung des stammvokals gilt das zu glauben
sp. 7820
f. gesagte. in mhd. texten von den herausgebern als gloubec
normalisiert, was die verbreitung der umlautsform nicht deutlich werden läszt; seit mhd. zeit bis in das 19.
jh. hinein stehen auch in der schriftsprache unumgelautete und umgelautete formen nebeneinander. die formen ohne umlaut sind vorwiegend oberdeutsch, seltener md., die mit umlaut md. und obd.; umlautloses glaubig
ist obd. noch mundartlich bezeugt, aber im rückgang begriffen und von obd. autoren nach dem 1.
viertel des 19.
jhs. wenig mehr gebraucht worden. bei einigen autoren finden sich beide formen, s. unten Luther, Fischart, Schiller
u. a., vgl. auch P B beitr. 28, 297.
umlautsformen in älterer sprache: geloibigen (
v. j. 1289)
hess. urk.-b. 1, 378
Wysz, gloybie (
v. j. 1353) 2, 594; gelOeibig Tauler
pred. 176
V., glOeubige 420; gläubig Konrad v. Megenberg
buch d. natur 268, 8
Pf.; gleubeg Nicolaus v. Landau
sermone 12
Zuchhold; gleubigen
Alsfeld. passionssp. 7941
Grein; glOeubig
d. heyl. leben summerteil (1472) 4
a; gleubige Luther 26, 406
W., gleubigen 30, 3, 205; gleubig Eberlin v. Günzburg
s. schr. 3, 143
ndr.; glAeübig A. Meiszner
Jerus. (1565) 2, 122
b; glAeubig Fischart
s. dicht. 2, 367
K.; gelOebig schweizer Wernher
Marienleben 1, 6
Päpke; gelOebigen Stainhöwel
de clar. mul. 150
lit. ver.; glOebig Zwingli
v. freih. d. speisen 10
ndr.; glöbig Pauli
schimpf u. ernst 379
Österl.; vgl. mundartlich gläubig
Fischer schwäb. 3, 681, Staub-Tobler 2, 589, gläwech
lux. ma. 147, gleiwig (
Trier)
rhein. wb. 2, 1263
u. s. w. unumgelautete formen: gelobig
St. Georgener pred. 9, 25
R.; globig
schauspiele d. mittelalters 1, 256
Mone; com. v. d. geburt Christi 46
Gerstmann; gloubiger Geiler v. Keisersberg
postill (1522) 2, 38; gloubigen J. Strausz
christenl. unterr. (1523) a 2
a; gelaubig Hans Sachs 17, 386
K.-G.; glaubig
städtechron. 10, 182; glaubig Luther 10, 2, 475
W.; glaubeg
buch d. liebe (1587) 251; glaubiger Fischart
binenkorb (1588) 121
b; glaubig Abr. a
s. Clara
mercks Wien (1680) 188; glaubigen Prätorius
anthrop. pluton. (1666) 1, 40; glaubige Dannhauer
cat.-milch (1657) 1,
vorr. 2
a; glaubigen Simon Dach in:
Königsb. dichterkr. 205
ndr.; glaubig Harsdörffer
t. secret. (1656) 1, 30; glaubigen Zachariä
poet. schr. (1763) 9, 238; glaubigen Wieland
s. w. (1794) 32, 172; glaubig Pfeffel
pros. vers. (1810) 5, 207; glaubig Hebel
s. w. 4 (1832) 259; glaubig Schiller 2, 63
G., 11, 384; glaubigen Jung-Stilling
s. schr. 3, 10
Grollm.; glaubig Jean Paul
w. 45/47, 314
Hempel; glaubige Göthe 50, 230
ausg. letzter hand; glaubig Hölderlin
ges. dicht. 2, 80
Litzmann; glaubige Bettine
die Günderode (1840) 1, 97; glaubigen Bomhard
pred. (1866) 2, 1005.
vgl. mundartlich glâubig Schmeller-Fr. 1, 1407; glauwich Martin-Lienhart 1, 255; glaubig
im schwäb. noch als populäre form bei den pietisten gebraucht, vgl. Fischer
schwäb. 3, 681.
bedeutung und gebrauch. 11)
in religiöser anwendung; '
religiösen glauben habend',
vgl.glaube I A und B, glauben I A-C;
vorwiegend im christlichen bereich zu glaube I A
gehörig. 1@aa) '
glaubend, im glauben feststehend, zum glauben gekommen', '
fromm',
lat. credens
und fidelis
wiedergebend, vgl. gloubigero (
credentium) Notker 2, 49
P., geloubigin liute (
fideles populi)
bei Steinmeyer
kl. ahd. sprachdkm. 341;
fidelis gelawbig, glaubig, gleubig, glöbig (
vocabularien des 15.
jhs.) Diefenbach
gl. 233
c. 1@a@aα)
mit abhängigem objekt, namentlich bei prädikativem gebrauch in gleicher weise wie glauben
konstruiert; mit an,
vgl.glauben I A 2 b: truhten fater miner ist starchi sines folches, daz an in geloubig wirdet nah minero urstendida Notker 2, 88
P.; sô tuo daz ich dir hân geseit, und wirt geloubic an den touf Konrad v. Würzburg
Silvester 1531
Gereke; von gotes frúnden, die in den ziten warend und gelOebig wurdent an got und an sin muoter schweizer Wernher
Marienleben 1, 6
Päpke; und befohlen sie dem herrn, an den sie gleubig worden waren
apostelgesch. 14, 23; das
er an gott gleubig worden ist Butschky
hd. kanzelley (1659) 783; die Türken ... (
sind) gläubige an beide testamente Hippel
kreuz- u. querzüge (1793) 1, 220.
mit persönlichem oder sachlichem dativobjekt, vgl. glauben I A 1 a
u. b: (
Christus, der) den tôt menschlîche leit umb alle die im gloubic sint Rudolf v. Ems
d. gute Gerhard 6281
Haupt; ir schült dem Entkrist glaubig sein, das er uns geb pfenning vil, golt und silber one zil
fastnachtspiele 601, 7
Keller; dem wort seit ir nit gläubig, dem herrn euwerem gott Reiszner
Jerusalem (1565) 2, 122
b; credo in unum deum, dat bedudet, dat de lude lovich syn der bord unses heren
Oldenburger gebetbuch bei Schiller-Lübben 2, 739; die andern menschen, zu denen dise geflohen lewt kommen, seind gleubig dieser lere von aufflösung der gewissen Eberlin v. Günzburg
s. schr. 3, 143
ndr. 1@a@bβ)
in absoluter verwendung: druhtin Krist irkanta,thaz er (
Nikodemus) mo war zalta, want er giloubig zi imo quam;bi thiu zalt er al, thaz imo zam Otfrid II 12, 12; wanda der gloubige liud newirt gesterchit fone sinero chrefte, suntir fone gotis chrefte
Wiener Notker 303
Heinzel-Scherer, wo Notker 2, 616
P. fidelis populus
unübersetzt läszt; wolt ich (
kaiser Constantin) niht geloubec sîn, und gerne leisten dîn (
des papstes) gebot, son hæte ich niht, daz wizze got, die boten mîn nâch dir gesant Konrad v. Würzburg
Silvester 1539
Gereke; ensint nút alle cristenlúte glOeubige lúte? Tauler
pred. 420, 3
V.; die gaben desselbigen (
des hl. geistes) uber alles gleubig fleysch auszzuogieszen Luther 10, 2, 475
W.; da die gnade gottes erschienen (
ist) allen glaubigen menschen Prätorius
anthrop. Pluton. (1666) 1, 40; darauf erwählt er ein volk von allen völkern der erde, sich zum besseren dienst, ein volk von einem gerechten, einem einzigen glaubigen mann Zachariä
poet. schr. (1763) 9, 238; diesz war der grund, warum er für jetzt —und in der that sein leben lang —gläubig blieb Schubart
briefe 1, 34
Strausz. auch in steigerndem sinne gebraucht, wobei gläubig
die lebendige innere anteilnahme gegenüber der nur formalen zugehörigkeit zu einer religion umschreibt: so wie ein eifriger, ein gläubiger papist dem heiligen Anton umsonst die füsze küszt Löwen
schr. (1765) 3, 49; er ist gläubig katholisch H. Laube
ges. schr. (1875) 14, 225; gläubige christen wollen wir an die gefahr erinnern Peschel
völkerkde (1874) 19; der gläubige Buddhaverehrer Asoka Mommsen
röm. gesch. (1894) 5, 350.
mit besonderem sinn in pietistischen kreisen '
strenggläubig',
z. b. ein gläubiger pfarrer
ein pfarrer orthodoxer richtung, vgl. er ist glauwich
rechtgläubig, nicht liberal, kloiwik
pietistisch Martin-Lienhart 1, 255;
anders dagegen, mehr vom äuszeren festhalten an christlich-kirchlicher tradition: noch ist er (
der landedelmann) ein gläubiger mann, der streng auf kirchliche bräuche hält G. Freytag
ges. w. (1886) 17, 9. gläubig werden
zum christlichen glauben kommen: ni quam tho Petrus thoh thiu minjoh giang er sar io tharin; giloubig sar ouh wurtun,so iz heidene bifuntun Otfrid V 6, 26; wande so Helias chumet unde Enoch, so werdent Judei geloubig Notker 2, 222
P.; daz credo in unum bezaichent, daz die lút gelobig wurdent und sich bekertent
St. Georgener pred. 9, 25
R.; (
sie) worden lovich unde leten sick dopen
buch d. profecien 1, 24
b bei Schiller-Lübben 2, 739; die heidenchristen (also nenn ich die, so usz der heydenschafft glOebig worden sind) Zwingli
v. freih. d. speisen 33
ndr.; mit spöttischem unterton, der von 3
her den begriff '
leichtgläubig, arglos gläubig'
einbezieht: bischöfliche hirtenbriefe waren ... erlassen, nicht nur, um auf die gläubigen schäflein den erforderlichen druck zu üben, auch zur unzweideutigen belehrung des niederen klerus Bennigsen
d. nationallib. partei (1892) 74;
anders, etwa im sinne von '
kirchliche lehren kritiklos für wahr haltend, dogmengläubig': nicht human sollen wir sein, sondern kinder gottes, ... nicht gläubig, sondern fromm P. de Lagarde
dtsche schr. 97.
ebenso auch von herz, seele
u. ä., vgl. ahd. kelaubigemu atume (
fideli spiritu)
bei Graff 2, 74: swer ie geloubic herze truoc, der wart durch sîn (
Maximians) gebot erslagen Konrad v. Würzburg
Pantaleon 70
Gereke; dan der gaist Christi laszt das glaubig hertz nit so mercklich ... fallen Eberlin v. Günzburg
s. schr. 1, 201
ndr.; da er sich in seiner letzten stunde mit gläubigem, buszfertigem hertzen zu Christo wendete J. B. Schupp
Corinna 53
ndr.; und der graf zur erde sich neiget hin, das haupt mit demuth entblöszet, zu verehren mit glaubigem christensinn, was alle menschen erlöset Schiller 11, 384
G.; selig, welche bestanden und unbefleckt von der schande hielten den heiligen stolz, hielten den gläubigen sinn E.
M. Arndt
s. w. 3, 317
R.-M. in fester verbindung gläubige seele: keloubic sela (
anima fidelis) Notker
bei Graff 2, 74; ölliecht der glaubigen sel Rompler v. Löwenhalt
erstes gebüsch (1647) 219;
für die person eintretend: gotte ze lob ... und allen globigen selen ze trost und ze hilf
nachschrift des schreibers v. j. 1387
im St. Georgener prediger 341
R.; (
er) machte sich ein vergnügen daraus, die gläubigen seelen durch derbe zweifel und verleugnungen ... zu erschrecken G. Keller
ges. w. (1889) 1, 67; die gläubigen seelen
als terminus für die seelen der im glauben an die christlich-kirchliche lehre verstorbenen: fur allir der sele, dy vor Amneburg irslen wordin, und fur alle gloybie sele (
v. j. 1353)
hess. urkundenbuch 2, 594
Wysz.; 10 (
paternoster) für all glaubig seel
städtechron. 10, 182; darumb papst Johannes der 18. ... befohlen hat, dasz man stracks nach aller heyligen fest einen marckttag aller glaubigen seelen solt andächtiglich feiern Fischart
binenkorb (1588) 121
b. 1@a@gγ)
die religiös-ethische haltung im allgemeinen bezeichnend, '
fromm': zu Engelanden waz ein riche wip gar bosez lebenez ..., si waz nicht wol geloubic, wan si ginc mit dem dufele umbe
d. heil. regel 54
Pr.; Michael ..., der was ein gloubiger, wol geminter man
städtechron. 8, 33;
substantiviert (
s. u. e
α): die glaubigen bestehen, die gottlosen vergehen Petri
d. Teutschen weiszh. (1604) 1, b 4
b. 1@bb)
spezifisch für '
christlich, rechtgläubig'
im gegensatz zu heidnisch, jüdisch
oder häretisch,
vgl. katholicus christen oder glaubig
gemma gemm. (1508) o 2
a: in unsers herren ere wuchs die geloubige zal (
die christen) zu Jerusalem uber al
passional 38, 2
K.; derselb waz nit glöubig und der legt sant Caloterium in einen kerker
d. heyligen leben summer teil (1472) 4
a; kein person sicht gott hie an, beweiszt sein gutthat jederman, danckbarn, undanckbarn, feind und freund, gläubig, ungläubig,
wer sie sind Fischart
s. dicht. 2, 367
Kurz; wo doch der Türk als feind niemal das glaubig heer quälet so sehr v. Ditfurth
volkslieder d. bayer. heeres 52.
ähnlich vom israelitischen volke: und da horte ein vurste von des volkes Syrie Seron, daz gesamnet hate Judas zusamne swaz geloubic was
buch d. Makkabäer 2076
Helm; daz dreirlei slangen sein, die daz gläubig volk pei Moyses zeiten laidigten in der wüesten Konrad v. Megenberg
buch d. natur 268, 8
Pf.; von den anhängern der reformation: der gläubig gern verfolgung leidt, thut guts dem feind
bei Opel
dreiszigjähr. krieg 55. 1@cc)
im glauben geschehend, glauben ausdrückend, vom glauben zeugend oder ausgehend'
und ähnlich, von der person auf die handlung, gesinnung u. s. w. übertragen: dein bitt von gott soll gantz rain und glaubig sein G. Mayr
sprüchw. (1567) b 6
b; ain gläubige gedult erwirbt gotes huld Fischart
w. 3, 61
Hauffen; sein hertz ist stets in gott gestellt mit glaubigem verlangen Simon Dach
in: Königsb. dichterkr. 205
ndr.; gottes gnädige regierung, welche durch fleisig und gläubig gebet zu erlangen ist Joh. G. Schmidt
gestrieg. rockenphilos. (1706) 1, 38; sagt, wo rühmte sich sonst noch eine kapelle des gleichen? wo wird eine wie sie mit gläubigen gaben geehrt sein? Mörike
ges. schr. (1905) 1, 251; (
der alte von Boyen) vertritt eine schlichtere, einfachere art des christentums, ihre hauptgedanken sind das kindliche, gläubige vertrauen auf gott Meinecke
v. Boyen 1, 12; der grauenvolle anblick erschreckte sie dermaszen, dasz sie vor dem gläubigen rausche der anderen bewahrt blieben und nur mehr den trieb zu helfen fühlten Kolbenheyer
Paracelsus (1926) 3, 205; jeder fortschritt des feldbaues muszte die kenntnisz der bedingungen erweitern, die diese entwicklung (
des keimes zur pflanze) begünstigen, und der gläubigen verehrung blieb für die göttin (
Demeter) kaum etwas anderes übrig als der ruhm der ersten unbegreiflichen schöpfung eines keimes Lotze
mikrokosmus (1856) 1, 8;
als gegensatzbegriff zu rationalistisch: die gläubige auslegung hat ein recht zu der bemerkung, dasz jede das wunderbare wegdeutende erklärung ... wider ... die absicht des Johannes sei D. Fr. Strausz
ges. w. 4, 242,
vgl. 3, 39. 1@dd)
formal als adverb, '
im glauben, mit glauben, voller glauben',
vgl.glaube I A 1 c
β: wir werden auch die mordpfeile desz satans glaubig überwinden Harsdörffer
t. secretarius (1656) 1, 30; wol dem, der dieses recht erkennt und gläubig seinen heyland nennt Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
kirchenlied 3, 438
b; doch kan keiner cronen erben, die der heyland hat erworben, als der gläubig ist gestorben J. G. Neukirch
anfangsgr. z. t. poesie (1724) 66; Jesus war ... der letzte, gröszere retter seines volkes und der sich gläubig ihm zuwendenden menschheit D. Fr. Strausz
ges. w. 4, 5; vom vater uns erkenntnisz gib, erkenntnisz auch vom sohn zugleich, uns, die dem beiderseitgen geist zu allen zeiten gläubig flehn Göthe 4, 330
W.; gläubig buchstabirte er (
der bauer) neue gebete und verheiszungen seiner kirche G. Freytag
ges. w. 19, 6. 1@ee)
die substantivierung erscheint gerade innerhalb der religiösen anwendung auch mit eigenem bedeutungsinhalt; muster ist meist lat. fidelis
als subst., doch s. auch Notker 2, 49
P. oben unter a
und 261
unten β. 1@e@aα)
als substantivierung von a
u. b, '
der glaubende, fromme mensch': gifahint sih zi imo thannethie giloubigun alle, wollent haben notizi imo thaz heroti Otfrid III 25, 13; chriucis chint sint kewehselot fone ungeloubigen (
infidelibus) ze geloubigen (
fidelibus) Notker 2, 167
P.; si (
die minne) ist ain wercherin in den globegen
St. Georgener prediger 143
R.; und erfolle die herczen diner gleubigen ane smerczen
Alsfelder passionsspiel 7941
Grein; siehe an: Paulus besteet nit, daz die zuoehOerer oder glawbiger des gesetz gerecht sein vor got Berth. v. Chiemsee 26
R.; sol ein text drumb unklar sein, so das ding unsichtbar ist und allein der gleubige solchs fasset? Luther 26, 406
W.; ja traun verliesze Christus seine gläubigen ..., es würde der herumb gehende brüllende löwe alsbald sich drüber her machen J. Prätorius
saturnalia (1663) 132; Paulus (
erzählt) das curriculum vitae der gläubigen altes testaments Sperling
Nicodemus quaerens (1718) 1, 1121; dieser lebte bei einem guten redlichen abkömmling Abrahams, deren dem vater der gläubigen eine den sternen gleiche anzahl versprochen ward Göthe 45, 104
W.; freydenker und gläubige ... verbanden sich in allgemeiner wuth gegen den mann Zimmermann
über d. einsamkeit 1, 85; zeitpunkte, (
die) .. für den gläubigen zwar hinlänglich gewisz, für den zweifler aber nicht deutlich genug bestimmt sind Jung-Stilling
s. schr. 3, 10
Grollm.; sie sind ein spötter, sagte sie. man weisz, dasz sie leider nicht zu den gläubigen gehören Gutzkow
ritter v. geiste (1850) 1, 43. 1@e@bβ)
zur terminologischen bestimmung verfestigt, vgl. oben c; die gläubigen
die bekenner des christentums, die anhänger einer bestimmten christlichen lehre, besonders die glieder der katholischen kirche u. s. w.; oft im betonten gegensatz gegenüber heiden, juden, ketzern
u. dgl., vgl. noch mit besonderer bestimmung: den wistuom dero reht geloubigon (
catholicorum) Notker 2, 261
P. und rechtgläubig
teil 8,
sp. 418: sû sprach: nû hilf mir, alwaltintir got, ... daz ich dis armin giloubigin irlôsi von den heidinin
ältere Judith bei Waag IV 197; dô hûb sich ritterschaft von den geloubegen wider die ungeloubegen
prolog 2
d. statuten d. dtsch. ordens 23
b Perlbach; aber wir gelOebigen bedúrffen nit sprechen, daz wir on hilff verlaszen syen Stainhöwel
de clar. mulier. 150
lit. ver.; wir (
wollen) euch als unsern schülern zwo theylung dieser irrung zwischen heidnischen und gläubigen anzeigen Paracelsus
opera (1616) 2, 106
H.; und der durchhitzte sand hält nicht die mohren auf, die in den wüsteneyen ... ihr türckisches gemüht zum dienst der grausamkeit, den arm zum untergang der gläubigen geweyht Pietsch
geb. schr. (1740) 8; das erste stuck hält in sich, das sich die ketzer und evangelische nit für gläubige (
rechtgläubige) auszgeben können Fischart
binenkorb (1588) a 8
a; so suchten freylich die glaubigen sie (
die häretiker) auff gottgefällige art zu retten G. Arnold
unpart. kirchen- u. ketzerhist. (1699) 40
a; in der politik wie auf dem gebiete des religiösen glaubens kann der conservative dem liberalen, der royalist dem republikaner, der gläubige dem ungläubigen niemals ein anderes argument entgegenhalten Bismarck
ged. u. erinn. 2, 182
volksausg.; wie '
pietist'
im gegensatz zum liberalen kirchenmitglied: weil er (
E. Frommel) allerdings dem pietismus sein bestes teil verdankte und mit den 'gläubigen' sich am besten verstand C. Kayser
Emil Frommel3 77;
allgemeiner, für die kirchlichen untertanen gegenüber der geistlichkeit: es war freylich ... ein groszes, ... herr über die beutel der gläubigen zu seyn
allg. dt. biblioth. anh. 13/24, 1293; (
wallfahrtspfennige sind) medaillenartige stücke, die von priesterhand geweiht und von den gläubigen als schutz- und gnadenmittel getragen werden Luschin v. Ebengreuth
münzkde 28. 1@e@gγ)
bekenner einer anderen als der christlichen religion; vor allem spezifisch für den mohammedaner, der den nichtmoslim als ungläubigen bezeichnet, vgl. ungläubig
teil 11, 3, 964: Bagdad ..., dieser sitz der mächtigen befehlshaber der gläubigen A. v. Haller
Usong (1771) 176; der herr der gläubigen will heut in eigener person des rechtes pflegen, wie ers gethan, als er den thron bestieg Hebbel
s. w. 3, 77
Werner. allgemein, für den anhänger irgend eines glaubens: er selbst (
war) von seinem system besser überzeugt ... als irgend ein bonze von der kraft der amulete, die er seinen dankbaren gläubigen austheilt Wieland
Agathon (1766) 2, 77; (
sprüche, welche) nebst den weissagungen des Bakis ... in Athen bey den gläubigen in groszem ansehen standen Niebuhr
röm. gesch. 1, 311; steintische, unter denen der gläubige hindurchkriechen sollte Peschel
völkerkde (1874) 260. 22)
zu glaube II
und glauben II
gehörig, seit dem mhd. im sinne '
vertrauend, vertrauensvoll'
; die grenze gegenüber 3
ist oft unscharf. 2@aa)
von personen: Isot diu weinde starke. der geloubege (
arglose) Marke 'schœne', sprach er, 'saget mir, waz wirret iu, waz weinet ir?' Gottfried v. Straszburg
Tristan 13904
Ranke; er ist des teuffels glaubiges, ergebenes werckzeug Seb. Franck
kriegsbüchl. d. friedens (1550) 36; er ersparte sich einen streit, der üble folgen haben konnte und machte den vater gläubig und sorglos, —wenn er jetzt zum schein auf seine ansichten einging
M. Meyr
erzähl. a. d. Ries (1868) 2, 347; Adalbert, einfältig und gläubig nach art der alten, ohne böses zu ahnen, lud den bischof ... bei sich zum essen ein br. Grimm
dt. sagen (1891) 2, 87; ist hier der name gefälscht oder das ganze musikstück untergeschoben, wie man ja die gläubige musikwelt später mit einer air Louis XIII. ... mystifiziert hat? Frz.
M. Böhme
gesch. d. tanzes (1886) 138.
hierher auch: in des busens enger zelle wohnt das herz als eremit, aug und ohren ihm erzählen, was es selbst nicht hört und sieht, gläubig ists und leicht zu täuschen, lauscht auch einem märchen stets bereit zu klag und jubel gern, W. Müller
ged. (1868) 2, 144; die liebe ist ein schöner engel, aber oft ein schöner todesengel für das gläubige, betrogene herz A. Stifter
s. w. 1, 17
S. vereinzelt im sinne '
treu und glauben haltend',
zu glaube II C 2: darbei wart aber im zuo lob nachgeredt, dasz er gastfrei und gloübig an allen den gewesen were, denen er gelt oder guot zegeben zuogsagt hat J. v. Watt
dt. hist. schr. 1, 295
Götzinger. in jüngerer sprache häufig näher an glaube IV
und glauben IV
angelehnt; '
einer lehre, ansicht, einer künstlerischen, wissenschaftlichen, politischen usw. überzeugung ergeben',
oder auch '
der leistung, grösze eines menschen vertrauend'
; entsprechend glauben IV A 1
mit an
konstruiert: man müszte von dem hohen werth des menschengeschlechts so überzeugt werden, als es nur immer der verblendetste, schwärmerischste, junge gläubige an dasselbe seyn kann Klinger
w. (1809) 11, 75; sein Lessingsches geständnis, er (
Bürger) fühle nicht die lebendige quelle der dichtung in sich, kann vollends jeden gläubigen an das unmittelbare genie irren Gervinus
gesch. d. dt. dicht. (1853) 5, 33.
absolut: bey keinem volke hat die schöne und täuschende idee von immer steigender veredlung des menschengeschlechts mehr gläubige anhänger und verehrer gefunden als bey den Teutschen Klinger
w. (1809) 11, 6; seine (
Newtons) treuen, gläubigen schüler fanden sich genöthigt, diese literarische darstellung in eine tabellarische zu verwandeln Göthe II 2, 266
W.; Jean Paul hatte damals die gläubigsten leser Gutzkow
ges. w. (1872) 1, 225; die ehrlich gläubigen, bornierten radicalen Mommsen
röm. gesch.4 3, 4; er (
Milton) steht in der geschichte der kunst so einsam wie die revolution, welcher er als gläubiger kämpfer diente, in der geschichte der staaten Treitschke
hist. u. polit. aufs. (1886) 1, 2;
besonders gehaltvoll: wie ein kind, zärtlich und gläubig, hatt ich seinem auge gedient Hölderlin
ges. dicht. 2, 96
Litzmann; ich hatte mein vaterland geliebt ... mit gläubiger seele Spielhagen
s. w. (1877) 2, 55.
formal als adverb: gern will ich hin, wohin das schicksal ruft, es deute nur, und ich will gläubig folgen Göthe 10, 371
W.; sie (
die kette) sollte ein talisman mir sein, so lang ich sie an meinem halse gläubig würde tragen Schiller 12, 379
G.; bedenk, was deine ehre leiden kann, wenn du zu gläubig seinem liede lauschest, dein herz verlierst, und deinen keuschen schatz vor seinem ungestümen dringen öffnest
Shakespeare 3, 165; für die sache, der er gläubig angehangen A. v. Arnim
s. w. (1853) 16, 30. 2@bb)
auf den vorgang oder das ergebnis bezogen; feste verbindung ist gläubiges vertrauen,
die aus der religiösen anwendung stammt, vgl. wer offenherzig frei in demuht einher tritt, hat glaubiges vertrauen, den will der lebensfürst mit gnadenaugen schauen Rompler v. Löwenhalt
erstes gebüsch (1647) 26: nichts ist der schwärmerischen freude und dem glaubigen vertrauen gleich, wenn alle einwohner dieser groszen stadt ... sich um ihn (
Apollonius) her versammelten Wieland
s. w. (1794) 32, 172; in meinem bruder hatte ich einen lehrer, zu dem ich gläubigen vertrauens voll aufsah A. Winnig
frührot (1926) 198;
ähnlich: wort gehalten wird in jenen räumen jedem schönen gläubigen gefühl, wage du, zu irren und zu träumen, hoher sinn liegt oft im kindschen spiel Schiller 11, 374
G.; die feuersäule, die vor dem zuge Israels wandelte, die gläubige hoffnung, hatte bis jetzt auch den armen kandidaten geleitet W. Raabe
hungerpastor (1864) 2, 23; die gewisse bestätigung meiner alten und starken hoffnung, dasz ... unsere dreifache, unerschütterliche, gläubige und thatkräftige eintracht allein Europa ... aus der jetzigen krise retten könne, erfüllt mich mit dank gegen gott Bismarck
ged. u. erinn. 1, 104
volksausg.; eine kunst, die eine gewissenhafte und gläubige auslegung des lebens geben wollte, durfte nicht jene ruhe, die es nirgends gab, zu ihrem ideale machen R.
M. Rilke
ges. w. (1927) 4, 319. —
formelhaft gläubig ansehen '
vertrauensvoll, zuversichtlich': da hub die jungfrau ihre augen auf, und sah den könig glaubig an Pfeffel
pros. vers. (1810) 5, 207;
vgl. dazu mundartlich ein
en gl. a
n luege
n vertraulich bittend Martin-Lienhart 1, 255; (
die kinder) luege
ngl. de frömd hēr a
n, wo guezeli tuet usteile
n (
mit der zuversicht, dasz sie auch etwas bekommen) Staub-Tobler 2, 589. —
mit besonderer färbung '
unkritisch': dasz alle farben zusammengemischt weisz machen, ist eine absurdität, die man ... schon ein jahrhundert gläubig zu wiederholen gewohnt ist Göthe II 1, 225
W.; gläubiges anstaunen lähmte den forschungsgeist J. H. Voss
antisymb. (1824) 1, 5; das geistige leben (
beruhte) nicht sowohl auf einer gläubigen annahme derselben (
ideen), als in einer freien ... aneignung Ranke
s. w.2 14, 37; wenn die denkweise der reinen erfahrung und gläubig naiver realismus zur vermengung gebracht werden sollen Joh. Volkelt
quellen d. mensch. gewiszheit (1906) 71; 33)
aus glaube III, glauben II A 1-3
und III
entwickelt, '
innerlich überzeugt von der wahrheit einer aussage, der wirklichkeit eines dinges oder zustandes',
im gegensatz zu zweifelnd.
mit objektsdativ nur selten in älterer sprache; mit persönlichem dativobjekt, vgl. (
er) murmelt ûf die andern, daz sie im ungeloubic sîn (
dasz sie ihm keinen glauben schenken)
mystiker 1, 327
Pf.: dasz si üch inen glöubig gemacht hand mich ze sin ein kätzer Äg. Tschudi
chron. helv. (1734) 2, 59;
mit sachlichem dativobjekt: won du (
Maria) des engels worte bist geloubig worden nu, da von gesegnot so bist du Walther v. Rheinau
Marienleben 54, 12
Keller; ierem wyssagen was Agamenon nit gelöbig Stainhöwel
de clar. mul. 119
lit. ver.; mhd. mit objektsgenetiv: ir fart sô zorniclîchen,sprach diu frouwe guot, und bin doch des geloubic,daz ir mir niht entuot. ich kan dir niht bewîsen,nû mêre der friunde dîn, wan ich bin dîn muoter,und dû mîn kindelîn
Wolfdietrich A 300
im dt. heldenbuch 3, 115; du solt mir guotes biten, wan ich dich nie erzurnde:des ich geloubic bin
Ortnit 75
ebda 12.
absolut gebraucht; zunächst in religiösem bereich, aber nicht mit gläubig 1
identisch, sondern auf eine einzelne tatsache bezüglich, deren wahrheit in frage steht: theru spraha er (
Zacharias) bilemit was,want er giloubig ni was Otfrid I 4, 76; (
der engel sprach:) bit daz wîp geloubic wesen, si mac noch harte wol genesen (
nämlich von der wahrheit der unbefleckten empfängnis überzeugt zu sein, an der sie zweifelt) Konrad v. Fussesbrunnen
kindh. Jesu 939
Kochend.; dâ Thomas wol geloubech wart unde an die wârheit bekart wande er im in die wunde greif
passional 95, 7
Hahn; so sich (
Thomas) und griff in meine wunden, und siest glöbig zuo diser stunden
schausp. d. mittelalt. 1, 256
Mone; befühle meine wundenmale und sey nicht unglaubig, sondern glaubig Hebel
s. w. 4 (1832) 259;
profan: du hatst mich schier glaubig gemacht, denn ich meynet, dir were ein gewisse bottschafft kommen, wiewol mich nicht wenig verwundern thet, dasz mir mein vatter solches nicht zugeschrieben hett
buch d. liebe (1587) 251; aus den anklagen und geständnissen desselben (
des templerordens) beweise man, und ich will der erste gläubige werden Herder 15, 108
S.; hier findest du deine kommission ausführlich. und dokumente darzu, die den zweifel selbst glaubig machen sollen Schiller 2, 63
G.; wenn ich dir aber sag, es waren die alten namen und nicht die menschen, die ihren geist über mich ergehen lieszen, da wirst du gleich gläubig sein Bettine
die Günderode (1840) 2, 95; in seinem (
des zuhörers) gesichte spricht sich die gläubigste hingebung aus Immermann 1, 39
Boxb.; nur eine sorge habe ich noch: wegen meiner fleiszigen und gläubigen handhabung von stemmaten G. Baesecke
d. ahd. abrogans (1930) iv.
in bezug auf wunder und übernatürliche erscheinungen, vgl. wundergläubig: vor seinem gespenste im Hamlet richten sich die haare zu berge, sie mögen ein gläubiges oder ungläubiges gehirn bedecken Lessing 9, 229
M.; neben dem affengerüste ein wunderdoctor, der seine arcana gegen alle übel den bedrängten gläubigen darbot Göthe 31, 62
W.; gläubiges ohr
ohr, das einer aussage glauben schenkt: dir wäre besser, die verleumdung hätte kein gläubig ohr gefunden Hebbel
s. w. 2, 226
Werner; gläubiges auge
auge, aus dessen ausdruck hervorgeht, dasz die person etwas für wahr hält, vgl. auch ungläubig
teil 11, 3, 962: grosze gläubig-ungläubige augen, ein atem, der plötzlich stockt, ... soviel ist gewisz, dasz wir uns schämen müssen über das, was aus uns geworden ist E. Jünger
d. abenteuerl. herz 52.
vielfach mit einem mehr oder minder starken beisinn der geringschätzigkeit verbunden, vgl. credulus gelobig (
voc. v. anf. d. 15.
jhs., obd.), glOeibig (
voc. v. 1440,
md.) Diefenbach
gl. 156
a;
credulus gläubig, leichtgläubig, zu viel gläubig Frischlin
nomencl. (1616) 261
a und die composita baldgläubig
teil 1, 1084, leichtgläubig
teil 6, 646,
sowie auch glauben III A 5;
in älterer sprache noch mit steigerndem zusatz: ich bin mit süsen worten betrogen worden ... und bin gewest zuo vil gelaubig, als wir jungen leppin alle sein Albrecht v. Eyb
spiegel d. sitten (1511) b b 1
b; das heiszt mit falschen eydesschwüren ein allzu gläubig kind verführen Stieler
geharnschte Venus 39
ndr.; don Sylvio müszte gar zu glaubig sein, wenn er nicht schon lange gesehen hätte, dasz ihre absicht ist, die feen um allen ihren kredit bei ihm zu bringen Wieland
s. w. (1794) 12, 298; ich schweige für erstaunen, königin ... dasz diese mährchen, die in Londons gassen den gläubgen pöbel ängsten, bis herauf in deines staatsraths heitre mitte steigen Schiller 12, 458
G.; was ist das für ein wurm (
Felix) ? fragte Werner. Wilhelm hatte ... (
keine) lust, eine doch immer zweideutige geschichte einem manne zu erzählen, der von natur nichts weniger als gläubig war Göthe 23, 136
W. häufig adverbial '
im vertrauen, in der gewiszheit, dasz etwas wahr ist': so dasz zuletzt der beste kopf ein solches chaos lieber gläubig verehrt, als dasz er sich zur unabsehlichen mühe verpflichtete, jene streitenden elemente versöhnen und ordnen zu wollen Göthe II 2, 4
W.; was laszt ihr euch staub in die augen und vogelleim in den mund werfen, und schluckt gläubig den froschlaich seiner lügen hinunter? Raupach
dram. w. ernst. gatt. (1835) 9, 156; alles starke wird daher gern hinter die coulissen oder vor das stück gelegt, weil wir es so gläubiger hinnehmen O. Ludwig
ges. schr. (1891) 5, 523; was ich von bergen je gehört, das betete ich gläubig nach H. v. Barth
Kalkalpen (1874) 391; Hans nahm sie (
die erklärung des leutnants) gläubig an W. Raabe
hungerpastor (1864) 2, 42; was wird das für eine ratlosigkeit geben hernach (
nach dem kriege), wenn alle die gläubig hingenommenen begriffe von den sockeln, auf denen man sie aufgestellt hat, abgenommen sein werden Rilke
briefe 1914 -1921, 77.
eng an glaube III B 1 c
und glauben III C
sich anschlieszend '
hoffnungsvoll, zuversichtlich': ich bleibe beim gläubigen orden Göthe 1, 124
W., vgl. sp. 7839; zwar nur der erste und der dritte sprachen eigentlich von der sache; doch finde ich mich durch ihre äuszerung in meinem gläubigen zustand bestärkt und beruhigt IV 32, 5; es gab eine zeit, wo ich wähnte, es könne mir dereinst gelingen mit meinen versuchen. doch diese schöne zeit gläubiger jugend ist dahin Holtei
erz. schr. 24, 211. 44)
in passivischer anwendung mhd. und im älteren nhd. gebräuchlich, später dem wettbewerb von glaubwürdig, glaubhaft, glaublich
erlegen. 4@aa)
von personen, zu glaube II B;
besonders juristisch im sinne '
glaubwürdig, zuverlässig, ehrlich'
in älterer sprache gängig, vgl. mnl. een gelovich getuge
bei Verwijs-Verdam 2, 1292,
mnd. de gelövige '
der vertrauensmann' Lasch-Borchling
mnd. hwb. 1, 2, 57: da warent zegegen
N. N. und ander gloubige lüte (
v. j. 1303)
bei Staub-Tobler 2, 590;
enger an glaube II B 1
angeschlossen: brief und freyhaiten, so sy von ro. kaysern und kinigen hettend und von andern glaubigen leuten, dieselben zu bestetigen J. Knebel
chron. v. Kaisheim 226
lit. ver. 4@bb)
von aussagen, lehren u. s. w. '
glaubwürdig, glaubhaft, glaublich',
zu glauben II A 2
u. 3
und III A
u. B;
vgl. gelaubiger
credibilis voc. theut. (1482) n 6
b: sine (
des fürsten) sprüche sunder var waren gloubec unde war
Elisabeth 3250
R.; kainer wart nij so weysz der gar volschreiben möcht daz wunder noch endöht wan es nit gelaubig ist
d. gr. Alexander 5693
Guth; das ... der genant von Michelfelt für sich und sein convent und nachkumen mit gleubigen worten zugesagt, und ... mit hantgebenden trewen gelobt haben (
v. j. 1477)
monum. boica 25, 370; (
er soll) seinen allernachsten und pesten frunt an seiner stat mit dem ambtmann senden oder durch gelaubig schriften solhen handl zum grundpuch verkunden (
v. j. 1494)
österr. weist. 6, 229; listigen und trugenhafften schmaichworten solt du nit gelouben, und ob sie wol geloubig sint, so betrachte vor, was sie wöllent Stainhöwel
Äsop 283
lit ver.; wundersame, aber nit glaubige ding Albrecht v. Eyb
spiegel d. sitten (1511)
vorr. 4
b; er habe vom ursprung dieses worts und volcks nichts gläubigers gefunden denn dieses G. Aelurius
Glaciographia (1625) 47;
religiös: uff das sein (
Christi) leer dester verfanglicher, krefftiger und gloubiger sei Geiler v. Keisersberg
postill (1522) 2, 38.
vom 15.-17.
jh. belegt in der wendung es ist (mir) gläubig, dasz '
es ist (
mir)
gewisz, glaublich, wahrscheinlich, dasz',
vgl.glauben III A 4
und D 1: es ist glaubig, das die epistel sant Pauls sey die so clar scheint in meisterlicher lere und sprache
erste dt. bibel 2, 3
Kurr.; uff die vierde frag ist on zweifel glaubig, dasz ein ursach (
der krankheit) ist die stark hitzig ... ertzney oder salb, domit die schmirber ... die welt so erbarmlich verderbent A. Seitz
über d. lustseuche 19
Moll; nun ist ja nit gläubig, dasz die todte speise, welche aus der erden kommt, meinen verstand mehren ... solle Harsdörffer
t. secret (1656) 1, 647; dann gar wol glaubig ist es, dasz viel und aber viel von der göttlichen justiz in die zeitlich pein desz fegfeuers seyen geworffen worden Abr. a
s. Clara
mercks Wien (1680) 188,
vgl. 31; es war im nit wol gelaubig, nachdem ir so vil erschlagen und gefangen, das si sich so bald wider möchten versamlet haben Ludwig v. Eyb
Wilwolt v. Schaumburg 114
lit. ver.; (
Sara zu Abraham:) es ist gar nit gelaubig mir, das dir der herr erschinen sey H. Sachs 10, 66
K.-G. 55)
zu glauben V A 1 '
nachgiebig, willfährig, milde',
s. oben gelaubig 3,
teil 4, 1, 2, 2873,
vgl. ztschr. f. dt. altert. 30, 366;
dazu als weiterer beleg nachzutragen: dise menschen sint allen menschen gelOeibig und barmherzig; si ensint nút strenge noch hertmütig, denne vil gnedig Tauler
pred. 176
V.; vgl. in ähnlicher bedeutung schweiz. laub,
adj., Staub-Tobler 3, 958, Stalder 2, 159. 66) der gläubige
im sinne '
gläubiger, creditor'
s. unter gläubiger.