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gefährlich

nhd. bis spez. · 12 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

gefährlich adj.

Bd. 4, Sp. 2081
gefährlich, adj. zu gefahr, aber eben so gut zu gefähr und zu gefahren oder gefähren, ja auch zu den adj. gefahr und gefähr, als adv. II. Form und nebenformen. I@aa) ahd. nur ein adv. fârlîhho, für clam, subito Graff 3, 576 (s. dazu sp. 2072), wie ags. færlîce adv., subito Grein 1, 277, doch daneben auch ags. færlîc subitus, selbst schon gefærlîc, wenigstens ungefærlîc non repentinus, s. Ettm. 343. mhd. neben dem adv. vârlîche, værlîche, das doch lange häufiger erscheint, auch adj. vârlîch, værlîch wb. 3, 271b, wie noch nhd. fährlich III, 1260 (das ahd. fâralîh dort von J. Grimm selbst gebildet). da scheint wirklich das adv. dem adj. vorauszugehn, etwa wie unser ungefähr erst aus dem adv. zum adj. geworden ist. I@bb) die verstärkte form ist für das ältere mhd. zur zeit nur einmal bezeugt, geværlich Iw. 7683 (s. II, 1, b), ohne doch damit für den dichter sicher zu sein; fehlt doch das subst. gevâre oder gevære im 13. jh. noch überhaupt, die erst im 14. jh. neben vâre in gang kommen, wie geværlich eigentlich auch (vergl. doch im Schwabensp. II, 1, b), neben dem aber værlich noch lange vorwiegt; gefärlich fehlt noch im voc. inc. teut. und voc. Nürnb. 1482. älter dagegen ist das zeitwort gevâren neben vâren, schon ahd. gifârên, gifârian. übrigens gab es von haus aus einfacher gebildete adj. dazu, noch nhd., s. gefähr und gefahr adj. I@cc) wie mhd. anfangs umlautlos vârlîch, auch später noch gevârlich (s. II, 1, a. b u. ö.), so auch nhd. noch anfangs gefarlich, z. b.: soliche gefarliche gemechte (gefälschte weine). Nürnb. pol. 258, 15. jh.; im 16. jahrh. ist zuweilen auch wo gefehrlich gedruckt ist, jenes noch zu sprechen, z. b. in folg. reime: die sach wirt dir stehn gefehrlich, es wirt dich gereuen warlich (l. wârlich). Peter Lewe 968, weim. jahrb. 6, 454. gefahrlich, daneben gefährlicheit, Dasypod. 337a, im lat. theil gevarlich, gevarligkeit 178b. bei Maaler nur gefaarlich 161b, gfaarlich 182a, noch im 17. jh. bei dem Baiern Schönsleder S 8a nur gefarlich. I@dd) auszer dem hd. nl. gevaarlijk, schon bei Kil. ghevaerlick periculosus, vielleicht unter hochd. einflusz (vgl.gefahr I, 3, b). mnd. fehlend, doch im 16. jahrh. gevarlicheit Sch. u. L. 2, 91b; auch nnd. nicht gangbar (vgl. vervârlik II, 4, e), doch z. b. im Göttingischen geferlik, geferlich Schambach 60b, in der Altmark gefärlich Danneil 62b ('das praefix wird wenig gehört', s. spalte 1605), auch unter hd. einflusse, wie schon die zweite form verrät. s. auch ags. unter a. IIII. Bedeutung und gebrauch. II@11) die urspr. bedeutung des feindlichen nachstellens (s.gefahr, gefahren) klingt noch deutlich nach, s. noch im 17. jh. von wölfen Henisch u. 4, a. mhd. um 1300, im adv.: swer den andern âne wâfen sleht, roufet, wirfet oder stôʒet, geværlîchen unde vrevellîchen. Dinkelsbühler stadtr. 3, Haupt 7, 95, d. h. so, dasz er damit des andern vâret, ihm gevære ist (s.gefähr adj.); swer dem andrem sîniu venster ûfstôʒet (einstöszt) gevârlich und frävelich, daʒ ist ein rehtiu haimsuoche, er tuoʒ tages oder nahtes. Augsb. stadtb. 120, in den späteren nachträgen; swer auch dem andrem in sîniu venster stôʒet mit sînem swerte .. gevêrlich oder frävellich. 121; doch zugleich auch schon nach 3, nicht aus versehen, ungefähr, sondern in böser absicht, d. h. geværlîchen gleich mit oder ze vâre (wb. 3, 266a), mit geværde, mit gefär oder gefar (sp. 2063), wie umgekehrt dem âne vâre, âne geværde, später on gefär, on gefar (sp. 2070) das adv. ungeværlîche entspricht: (die eingeschwornen zeugen sollen) ein wârheit dar umbe sagen, ungeværlich, nieman ze liebe noch ze leide. Dinkelsb. stadtr. 2, Haupt 7, 95, vgl. ungeværlîchen s. 102, was sich dann aber mit ongefär berührt und mischt (s. unter 3). II@22) sonst übertragen auf anderes thun, besonders auch reden, eigentlich mit feindlicher absicht. II@2@aa) so noch im 14. jahrh. in deutlichem anschlusz an die ursprüngliche bed.: wer sînem næhsten gevârlichen nâchgaut (gât, alem.), der ist nit anders denn ain slang, der den menschen færlichen bîʒet. historienbibeln, h. v. Merzdorf s. 422, pred. Sal. 10, 11, vulg. si mordeat serpens in silentio (færlichen), nihil eo minus habet qui occulte detrahit, der lauernden schlange der lauernde feind im leben verglichen (vergl. 'nâch gât', nachschleicht), doch bes. als verläumder gedacht (Luther wescher, schwätzer), und so noch im 17. jh.: umb zu vernehmen, wer doch diejenigen wären, die so gefährlich von ihrem sohn dem könig geredet. Olearius pers. ros. 1, 45. bemerkenswert ist dort die verstärkte form in der übertragenen neben der einfachen form in der eigentlichen bed., und dasz eine hs. des späteren 15. jh. für færlichen noch das alte färingen hat, s. mhd. væringen Lexer 3, 22, ahd. fâringun subito (vom überfall) Graff 3, 576, wie gleichfalls im 15. jh.: er ruft im auf ein orte (abseits), veringen er in morte. Behaim Wiener 51, 16. II@2@bb) so besonders im rechtsleben, wie mit (oder âne) geværde u. s. w.: 'der rihter sol frâgen umbe ein ieglîche sache gemeine liute' (d. h. unbetheiligte gemeindegenossen, vgl. MSH. 2, 136a) und daʒ nemen (verstehn) wir alsô, daʒ er niht bî dem êrsten frâge der liute mâge oder ir friunde, der diu sache (streitsache) sî, wan daʒ wære geværlich an dem richter. Schwabensp. 79, 3 (var. gevârlich, vârlich Wackern.), er würde damit nicht ungeværlich, nieman ze liebe noch ze leide fragen, wie es im Dinkelsbühler rechte vorhin hiesz, sondern 'tendentiös', parteiisch, nicht), es kann übrigens noch gemeint sein geværlîche gefrâget, also adv., vergl. bei Schm. 2, 551 gevaerlich schaiden, parteiisch entscheiden und noch im 18. jahrh. über gefährde erhabenes, unpartelisches recht sp. 2074 bei Pestalozzi; daher ungevarlich, unparteiisch: nach erkantnus der gesworn unterkäufel und ains ungevarlichen sneiders. Westenr. beitr. 6, 186. s. auch u. gefährlichkeit 1, c. daher von rede, bei Hartmann von Aue: wir wîp bedurfen alle tage, daʒ man uns tumbe rede vertrage. wand si under wîlen ist herte und (doch) ân argen list, geværlich und doch âne haʒ. Iwein 7683, schädlich, und doch harmlos, arglos gemeint, unbewuszt schädlich, verfänglich. II@2@cc) geværlich reden hiesz besonders auch mit berechneten worten, in denen sich eine falle versteckt u. ä.: quocunque modo quis geværlich confessus est et non simpliciter. Schm.2 1, 742, es ist die alte vâre vor gericht, insidiae verborum (sp. 2063). so noch nhd. länger, von allerhand rabulisterei: nicht gefährlicher weis ... appelliret. Frankf. ref. I, 42 § 10, gleich dolo malo, mala fide, vgl. unter gefährde sp. 2074 'den streit gefährlicher weise verlängern', auch unter gefährlichkeit 1; (dasz er) nicht gefährlich appellire. I, 44 aus einem priv. Max. I.; mit gefährlichem aufsatz. IV, 9 § 11; dasz er sein appellation aus keinem gefehrlichen mutwillen, sonder aus rechten ehrlichen beschwerungen fürnem. Ayrer proc. 2, 2; listiglich oder gefährlicher weis fragen, einen in der red zu fahen, captiose interrogare. Henisch 974, aus Maaler 161b, Frisius 186b (wo gefaarlicher). ebenso natürlich von thun, z. b.: das gesatz gfaarlicher weis überträtten, d. i. also bei den worten bleiben und des sinns aber kein rächnung nit haben, facere fraudem legi. Maaler 182a. von den in Worms zu erwartenden gegnern äuszerte Luther, weil sie mit recht .. nit können fort kommen, wöllen sie nun lödlein eintragen und auf söhnliche und geferliche wege handeln, ob der verzug etwas bei irer faulen sachen thun wolte u. s. w. Mathes. Luth. 148a, d. h. indem sie anscheinend, hinterlistig den weg der verständigung betreten. II@2@dd) im verkehrsleben für betrügerisch, eigentlich hinterlistig (vgl.gefahr II, 2, a): swer dem andern sîn guot abereffet (zu äffen, täuschen, narren) und hin fret .. erkennet der rât .. daʒ er daʒ gevârlich getân hât .. so sol man in zehant in der stat âchtpuoch haiʒen schrîben. Augsb. stadtb. s. 228, 14. jahrh. von schwindlern im handelsleben, die z. b. guot ûʒnement oder kaufent ûf frist und wârs (adv.) wiʒʒen daʒ sis niht haben ze vergelten (bezahlen), also gevârlich in betrügerischer absicht oder berechnung; dieselben bezalung geverlich zuverziehen. Nürnb. poliz. 134, mit unredlichen fünden, ausflüchten u. dgl., zugleich zu d, vergl. das. nachher geverlich und betrieglich, aus dem handelsleben; (hat) den zweiten kauf gefährlich expracticirt. Frankf. ref. II, 2 § 10; gefährlich und betrieglich handeln. 16 § 11. von weinfälschung in einer verordnung des Nürnberger rates im 15. jh. wider die manigfaltigen schedlichen und gefärlichen gemechte, vermischung und verenderung der wein, indem man sie mit einichen gefarlichen oder schedlichen sachen oder gemechten, als mit geprantem wein, waidaschen, senf .. zugericht oder auch mit milch, wasser oder andern (dergleichen) gefarlichen dingen gefüllt, gemengt u. s. w., s. Baader Nürnb. pol. 258 fg.; obwol davon die rede ist, dasz nach dem urtheil der ärzte solliche gefarliche gemechte, verlepperung u. s. w. der gesundheit schädlich seien, so ist doch mit gefarlich nicht die heutige bed. gemeint, das zeigen milch und wasser als gefarliche dinge, sondern betrügerisch, schwindelhaft, und 'schädlich' für den wein. II@2@ee) von aller unredlichkeit, 'untreue' überhaupt, z. b.: er (der steuermeister) hab der stat untreulich getan .. als er gesessen ist bei andern paumeistern in der stuben (ratsstube) .. da hett er gevarlich in die guldin und in das klain gelt griffen. Augsb. chron. 2, 274, 13; schreiberlohn wird bedingt, da die zeilen und wort nit geverlich zu weit von einander geschriben stehen. bair. landsordn. 29, Schm. 1, 551. daher geferlicher nutz, d. h. wo man geferlich 'seinen (eignen) nutz sucht', eigennutz: nachdem ir euch gen unsern herrn den ratgeben, unser statt und uns (die zünfte) umb eurs aigen geferlichen nutz willen .. unbillich verhandelt. Augsb. chron. 2, 412, 15. II@33) dabei tritt zuweilen der begriff absichtlich oder bewuszt in den vordergrund, besonders in der verneinenden form (s. dazu unter 1): die red han ich im zorn getan ung varlich. bair. rechtsb. von 1423, Schm. 1, 551; welcher böslicher und geverlicher weis masz, wag, gewicht .. felscht. Carolina § 113. jenes ungevarlich fällt dann auch zusammen mit ungefärlich, durch zufall (sp. 2071), daher ein ungefährlicher fall casus fortuitus Henisch 974, auch on gefehrlich: das sah ein hauptmann on gefehrlich. Waldis Es. II, 63, 11. aber auch unverneint: und wer das prech (das gebot bræche) gefarlich, der solt mit weib und mit kinden aus der stat. Augsb. chron. 2, 58, 26; wer den Püttrich hauset oder hofet, atzte oder trenkte oder gefarlichen hinschub (schöbe, beförderte). 48, 6. mit frefenlich und wissentlich verstärkt: item es sol von niemandts kein ubelthäter oder mishändler freffenlich, gefehrlich oder wissentlich aufgehalten werden (ihm aufenthalt, versteck gegeben). Fronsp. kriegsb. 1, 21b, vgl. schon mhd. gevârlich und frävelich unter 1. im Schwabensp. heiszt das mit willen und frevelich, gegensatz einvalticlîchen und unwiʒʒende 297, wiʒʒenlîchen 310, mit wiʒʒen 300. II@44) das heutige gefährlich wird von uns durchaus zu der zweiten bedeutung von gefahr gezogen (s. dort II, 1, c), die denn auch im vorigen immer schon mit versteckt ist, aber mhd. noch nicht entwickelt. übrigens ist fährlich zu vergleichen. II@4@aa) das alte klingt aber auch hier mit nach, z. b.: die wölf sind den geiszen und schaafen am gefährlichsten, capras et oves maxime 'captant'. Henisch 1413 (vgl. das adj. gefähr). und noch heute, wenn man z. b. einen bösen menschen, vor dem man sich in acht nehmen musz, einen gefährlichen menschen nennt (bei Aler homo vafer, ad fallendum paratus, s. auch gefährlichkeit a. e.); umsonst schmeichelst du mir, gefährlicher in list. Klinger 2, 284. Im heutigen sinne: ein gefährlicher neuerer. Gotter 3, 67, von seinen gefährlichen neuerungen, die der gesamtheit gefahren drohen. einem gefährlich sein, werden, von menschen und dingen: besorgt, dasz dieses rasende gesindel, wenn es nichts heiliges mehr zu zerstören fände .. ihren waarengewölben gefährlich werden möchte. Schiller VII, 232, 19; wie gefährlich ihm in einer solchen lage das verwegene mädchen werden muszte. Göthe 18, 197. ein gefährlicher mensch heiszt aber im hausdeutsch auch einer der gern 'gefährlich thut' (s. 5). II@4@bb) von dingen: gefarlich, periculosus, cum periculo conjunctus. Schönsl. S 8a; als Max. aber gembsen jaget .. kam in einem scharpfen geferlichen gang ein gleich scharpfer geferlicher wind. S. Frank clav. zum Teuerd. 56; die gefehrliche krankheit der engelische schweisz. Mathesius Luth. 64a; gefährlicher krieg, bellum acutum. Henisch 974; ein geh, gefährlich ort zufallen, praecipitium. 1041; er erklärt es auch mit unsicher, sorglich, abenteürlich 1413, von wagnissen, schwierigen unternehmungen und lagen, z. b.: wie die schiffart bei nächtlicher zeit am aller gefärlichsten ist. Schaidenr. Od. 163b; ein gefährliche cur. Henisch 1413; es ist gefährlich das alte abwerfen und vil newerung wöllen anrichten. das.; bürg werden ist gefährlich. das.; hohe ständ sind gefährlich. das.; es ist kein gefährlicher schatz zubesitzen dann kunst (wissen). das.; es gibt alhier gefärliche stösze, plenum opus aleae est. Stieler 402; was ist der ruhm für ein gefährliches glück. Gellert (1839) 9, 45, brieflich von sich selbst; gefährliche zeit, tempora dubia, grave tempus patriae. Aler, gefarliche Schönsleder: manches hätt ich gethan, allein wer scheut nicht die kosten solcher verändrung, besonders in diesen gefährlichen zeiten. Göthe 40, 261. auch gefährliche rathschläge Henisch 1413, gefährliche reden führen, selbst gedanken: frau, welchen sturm gefährlicher gedanken weckst du mir in der stillen brust! Schiller Tell 1, 2. II@4@cc) im adv. (vgl. gefährlichen, s. auch e): die sach wirt dir stehn gefehrlich. P. Lewe 968 (s. I, c); es steht gefährlich, res in discrimine vertitur. Aler 859b, auch persönlich gefährlich stehen, vocari in summum periculum, eig. in praecipiti stare (am abgrunde) das., vgl. gefährlich verfallen, abruptus Henisch 1041, d. h. gefährlich steil; gefährlich krank sein. Aler; es siehet mit dem kranken gefährlich aus, es steht um sein leben gefährlich. Steinbach 1, 408. auch kühner, gleich unter gefahren o. ä.: ein Indianer sahe ein französisch schiff mit Brasilien holz laden, fragte .. ob kein holz bei den christen wachse, dasz sie so fern und gefährlich in das holz fahren. Zinkgref ap. 1653 2, 96; wie gefährlich man leib und leben .. in die schanze schlägt. Weise erzn. 30; (Egmont) der in einem bedenklichen zeitlauf ... gefährlich wie ein nachtwandler auf jäher dachspitze wandelt. Schiller VI, 82. II@4@dd) sachlich sind in dem grade des gefährlichen grosze unterschiede, wie bei gefahr (s. dort 3, g); das hat schon Henisch beobachtet, wenn er als bedeutung gibt einmal: schädlich, capitalis, pernitiosus 1413, also das heutige verderblich, aber auch: verdrieszlich, molestus 974, diesz zwar ohne beispiel, aber durch folg. bezeugt im 17. jh.: ich musz bekennen, diese art (verse, in dactylen) ist überaus lustig und annehmlich, aber mich bedünket, sie seie etwas schwer und deswegen gefahrlich zu lernen. kunst üb. alle künste 94, 12. hierher gehört auch, was Heynatz antib. 2, 12 aus der sprache der 'Niedersachsen' gibt, mit andrer auffassung: das ist ein gefährlicher junge mit schreien; er hat eine gefährliche stimme; das ist auch sächs., thür., auch z. b. ein gefährliches benehmen, ein gefährliches wetter (z. b. im april), und nicht auszerordentlich, auffallend ist gemeint, sondern unangenehm, lästig, wobei mans eigentlich nicht aushalten kann u. ä., wie griech. δεινός, eigentlich fürchterlich. auch die worte Gellerts unter b sind vielleicht so gemeint. II@4@ee) besonders das adv. wird volksmäszig auch als blosze starke steigerung gebraucht, wie schrecklich, fürchterlich, grausam, bäszlich u. ähnl., und nicht blosz von schlimmen dingen, selbst lobend, bewundernd (wie griech. δεινῶς), z. b.: gefährlich kalt, grosz, aber auch gefährlich schön (wie häszlich schön), er thut gefährlich geheim. Heynatz a. a. o., wieder nicht blosz niedersächs.; nd. z. b. Danneil 62b, im brem. wb. 1, 349 vervârlik grôt; im Göttingischen auch z. b. bei besonders reicher obsternde dat is wat geferlikes Schambach 60b, selbst en geferlich borre, sehr wasserreicher, nie versiegender born 314a. auch es ist nicht so gefährlich (als dus machst) sagt man selbst von guten dingen, wie nicht so arg, nicht so schlimm, freilich mehr ironisch, um die begeisterung des andern zu dämpfen u. ä. (vgl.gefahr 3, c a. e.); s. auch das merkw. gefährlichkeit a. e. auch schwed. dial. so farliga, farli adv., z. b. farliga fin (schön), wakker, en farli bra karl (braver kerl), s. Rietz 128a. II@4@ff) auch in zusammensetzungen, wie lebensgefährlich, halsgefährlich, feuergefährlich, gesundheitsgefährlich; in einem amtlichen schriftstücke 1872 eine betriebgefährliche bahnstrecke. II@55) endlich auch für bedroht von gefahr, gefährdet; das gibt nur Schönsleder an: gefarlich, non procul a periculo, periculis opportunus, subiectus S 8a, ohne beispiele, aber es läszt sich erkennen z. b. in der gefährlichen lage, stellung (stand), den gefährlichen zeiten unter b (auch gefährdete genannt sp. 2078), in gefährlich stehn unter c u. ähnl., und auch in der wendung gefährlich thun im hausdeutsch, von einem der z. b. einen schwierigen fall überängstlich behandelt, so sächs., thür.; du thust gar gefährlich (auch: anxium te simulas). J. A. Weber teutsch-lat. wb. Chemn. 1745 329a. aus Niedersachsen bei Heynatz: er thut über den tod seines vaters sehr gefährlich; er hat sich sehr gefährlich. antib. 2, 12; 'klemmen heiszt gefährlich thun, vornehmlich vom frauenzimmer wenn es ausgeputzt ist und sich nicht bewegt, aus furcht sich irgend einen schaden an den kleidern zu thun'. Hennig preusz. wb. 124.
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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Gefährlich

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Gefährlich , -er, -ste, adj. et adv. Gefahr bringend, mit Gefahr verbunden. Es ist hier sehr gefährlich zu reisen. Gefäh…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    gefährlich

    Goethe-Wörterbuch

    gefährlich mehrf subst (‘das’, auch ‘der G-e’), vereinzelt in Kleinschr 1 eine Bedrohung darstellend, Gefahr bringend; a…

  3. modern
    Dialekt
    gefährlich

    Elsässisches Wb. · +3 Parallelbelege

    g e fä h rlich [kfêrlik Liebsd. ; kfárlik Ruf. Dü. ; kfárli M. Geisp. K. Z. Betschd. ; kfǽrliχ Str. Buchsw. ] Adj. und A…

  4. Sprichwörter
    Gefährlich

    Wander (Sprichwörter)

    Gefährlich 1. Es ist fehrlich vnd schrecklich auff Gnad sündigen. – Petri, I, 35. 2. Es ist gefährlich auch einem todten…

  5. Spezial
    gefährlich

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    ge|fähr|lich adj. 1 prigorus (-sc, -rosa) 2 (unsicher) malsigü (-sc, -da) 3 (riskant) risćius (-sc, -iosa) 4 (ernst) cri…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gefaehrlich

5 Bildungen · 3 Erstglied · 1 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von gefaehrlich 3 Analysen

ge- + faehrlich

gefaehrlich leitet sich vom Lemma faehrlich ab mit Präfix ge-.

Alternativen: ge-+faehr+-lich gefaehr+-lich

gefaehrlich‑ als Erstglied (3 von 3)

gefährlichen

DWB

gefaehr·lichen

gefährlichen , altes adv. zum vorigen, mhd. gevârlîchen ( s. unter gefährlich), noch nhd. bis ins 17. jahrh.: das alles geferlichen was ( au…

gefährlichkeit

DWB

gefaehrlich·keit

gefährlichkeit , f. subst. zum vorigen, noch nicht mhd., im 16. jh. auch noch gefärlichheit Dasyp. 55 a . 337 a ( s. u. keit), gevarligkeit …

gefaehrlich als Zweitglied (1 von 1)

Ableitungen von gefaehrlich (1 von 1)

ungefährlich

DWB

ungefährlich , adj. adv. , gegentheil von gefährlich, doch bes. in bedeutung 3 selbständiger und reicher entwickelt als dieses, deutlich auf…

Zitieren als…
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Cotta, M. (2026). „gefaehrlich". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 14. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/gefaehrlich/dwb?formid=G03719
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Cotta, Marcel. „gefaehrlich". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/gefaehrlich/dwb?formid=G03719. Abgerufen 14. May 2026.
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Cotta, Marcel. „gefaehrlich". lautwandel.de. Zugegriffen 14. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/gefaehrlich/dwb?formid=G03719.
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