gefährlich,
adj. zu gefahr,
aber eben so gut zu gefähr
und zu gefahren
oder gefähren,
ja auch zu den adj. gefahr
und gefähr,
als adv. II.
Form und nebenformen. I@aa)
ahd. nur ein adv. fârlîhho,
für clam, subito Graff 3, 576 (
s. dazu sp. 2072),
wie ags. færlîce
adv., subito Grein 1, 277,
doch daneben auch ags. færlîc
subitus, selbst schon gefærlîc,
wenigstens ungefærlîc
non repentinus, s. Ettm. 343.
mhd. neben dem adv. vârlîche, værlîche,
das doch lange häufiger erscheint, auch adj. vârlîch, værlîch
wb. 3, 271
b,
wie noch nhd. fährlich III, 1260 (
das ahd. fâralîh
dort von J. Grimm
selbst gebildet).
da scheint wirklich das adv. dem adj. vorauszugehn, etwa wie unser ungefähr
erst aus dem adv. zum adj. geworden ist. I@bb)
die verstärkte form ist für das ältere mhd. zur zeit nur einmal bezeugt, geværlich
Iw. 7683 (
s. II, 1,
b),
ohne doch damit für den dichter sicher zu sein; fehlt doch das subst. gevâre
oder gevære
im 13.
jh. noch überhaupt, die erst im 14.
jh. neben vâre
in gang kommen, wie geværlich
eigentlich auch (
vergl. doch im Schwabensp. II, 1,
b),
neben dem aber værlich
noch lange vorwiegt; gefärlich
fehlt noch im voc. inc. teut. und voc. Nürnb. 1482.
älter dagegen ist das zeitwort gevâren
neben vâren,
schon ahd. gifârên, gifârian.
übrigens gab es von haus aus einfacher gebildete adj. dazu, noch nhd., s. gefähr und gefahr adj. I@cc)
wie mhd. anfangs umlautlos vârlîch,
auch später noch gevârlich (
s. II, 1,
a. b u. ö.),
so auch nhd. noch anfangs gefarlich,
z. b.: soliche gefarliche gemechte (
gefälschte weine).
Nürnb. pol. 258, 15.
jh.; im 16.
jahrh. ist zuweilen auch wo gefehrlich
gedruckt ist, jenes noch zu sprechen, z. b. in folg. reime: die sach wirt dir stehn gefehrlich, es wirt dich gereuen warlich (
l. wârlich).
Peter Lewe 968,
weim. jahrb. 6, 454. gefahrlich,
daneben gefährlicheit, Dasypod. 337
a,
im lat. theil gevarlich, gevarligkeit 178
b.
bei Maaler
nur gefaarlich 161
b, gfaarlich 182
a,
noch im 17.
jh. bei dem Baiern Schönsleder S 8
a nur gefarlich. I@dd)
auszer dem hd. nl. gevaarlijk,
schon bei Kil. ghevaerlick
periculosus, vielleicht unter hochd. einflusz (
vgl.gefahr I, 3,
b).
mnd. fehlend, doch im 16.
jahrh. gevarlicheit Sch.
u. L. 2, 91
b;
auch nnd. nicht gangbar (
vgl. vervârlik II, 4,
e),
doch z. b. im Göttingischen geferlik, geferlich Schambach 60
b,
in der Altmark gefärlich Danneil 62
b ('
das praefix wird wenig gehört',
s. spalte 1605),
auch unter hd. einflusse, wie schon die zweite form verrät. s. auch ags. unter a. IIII.
Bedeutung und gebrauch. II@11)
die urspr. bedeutung des feindlichen nachstellens (
s.gefahr, gefahren)
klingt noch deutlich nach, s. noch im 17.
jh. von wölfen Henisch
u. 4,
a. mhd. um 1300,
im adv.: swer den andern âne wâfen sleht, roufet, wirfet oder stôʒet, geværlîchen unde vrevellîchen.
Dinkelsbühler stadtr. 3, Haupt 7, 95,
d. h. so, dasz er damit des andern vâret,
ihm gevære
ist (
s.gefähr adj.); swer dem andrem sîniu venster ûfstôʒet (
einstöszt)
gevârlich und frävelich, daʒ ist ein rehtiu haimsuoche, er tuoʒ tages oder nahtes.
Augsb. stadtb. 120,
in den späteren nachträgen; swer auch dem andrem in sîniu venster stôʒet mit sînem swerte .. gevêrlich oder frävellich. 121;
doch zugleich auch schon nach 3,
nicht aus versehen, ungefähr, sondern in böser absicht, d. h. geværlîchen
gleich mit
oder ze vâre (
wb. 3, 266
a), mit geværde, mit gefär
oder gefar (
sp. 2063),
wie umgekehrt dem âne vâre, âne geværde,
später on gefär, on gefar (
sp. 2070)
das adv. ungeværlîche entspricht: (
die eingeschwornen zeugen sollen) ein wârheit dar umbe sagen, ungeværlich, nieman ze liebe noch ze leide.
Dinkelsb. stadtr. 2, Haupt 7, 95,
vgl. ungeværlîchen
s. 102,
was sich dann aber mit ongefär
berührt und mischt (
s. unter 3). II@22)
sonst übertragen auf anderes thun, besonders auch reden, eigentlich mit feindlicher absicht. II@2@aa)
so noch im 14.
jahrh. in deutlichem anschlusz an die ursprüngliche bed.: wer sînem næhsten
gevârlichen nâchgaut (gât,
alem.), der ist nit anders denn ain slang, der den menschen
færlichen bîʒet.
historienbibeln, h. v. Merzdorf
s. 422,
pred. Sal. 10, 11,
vulg. si mordeat serpens in silentio (færlichen), nihil eo minus habet qui occulte detrahit,
der lauernden schlange der lauernde feind im leben verglichen (
vergl. 'nâch gât',
nachschleicht),
doch bes. als verläumder gedacht (Luther wescher,
schwätzer),
und so noch im 17.
jh.: umb zu vernehmen, wer doch diejenigen wären, die so gefährlich von ihrem sohn dem könig geredet. Olearius
pers. ros. 1, 45.
bemerkenswert ist dort die verstärkte form in der übertragenen neben der einfachen form in der eigentlichen bed., und dasz eine hs. des späteren 15.
jh. für færlichen
noch das alte färingen hat, s. mhd. væringen Lexer 3, 22,
ahd. fâringun
subito (
vom überfall) Graff 3, 576,
wie gleichfalls im 15.
jh.: er ruft im auf ein orte (
abseits), veringen er in morte. Behaim
Wiener 51, 16. II@2@bb)
so besonders im rechtsleben, wie mit (
oder âne) geværde
u. s. w.: 'der rihter sol frâgen umbe ein ieglîche sache gemeine liute' (
d. h. unbetheiligte gemeindegenossen, vgl. MSH. 2, 136
a) und daʒ nemen (
verstehn) wir alsô, daʒ er niht bî dem êrsten frâge der liute mâge oder ir friunde, der diu sache (
streitsache) sî, wan
daʒ wære geværlich an dem richter.
Schwabensp. 79, 3 (
var. gevârlich, vârlich
Wackern.),
er würde damit nicht ungeværlich, nieman ze liebe noch ze leide
fragen, wie es im Dinkelsbühler rechte vorhin hiesz, sondern '
tendentiös',
parteiisch, nicht),
es kann übrigens noch gemeint sein geværlîche gefrâget,
also adv., vergl. bei Schm. 2, 551 gevaerlich schaiden,
parteiisch entscheiden und noch im 18.
jahrh. über gefährde erhabenes, unpartelisches recht
sp. 2074
bei Pestalozzi;
daher ungevarlich,
unparteiisch: nach erkantnus der gesworn unterkäufel und ains ungevarlichen sneiders. Westenr.
beitr. 6, 186.
s. auch u. gefährlichkeit 1,
c. daher von rede,
bei Hartmann von Aue: wir wîp bedurfen alle tage, daʒ man uns tumbe rede vertrage. wand si under wîlen ist herte und (
doch) ân argen list, geværlich und doch âne haʒ.
Iwein 7683,
schädlich, und doch harmlos, arglos gemeint, unbewuszt schädlich, verfänglich. II@2@cc) geværlich
reden hiesz besonders auch mit berechneten worten, in denen sich eine falle versteckt u. ä.: quocunque modo quis geværlich confessus est et non simpliciter. Schm.
2 1, 742,
es ist die alte vâre
vor gericht, insidiae verborum (
sp. 2063).
so noch nhd. länger, von allerhand rabulisterei: nicht gefährlicher weis ... appelliret.
Frankf. ref. I, 42 § 10,
gleich dolo malo, mala fide,
vgl. unter gefährde
sp. 2074 '
den streit gefährlicher weise verlängern',
auch unter gefährlichkeit 1; (
dasz er) nicht gefährlich appellire. I, 44
aus einem priv. Max. I.; mit gefährlichem aufsatz. IV, 9 § 11; dasz er sein appellation aus keinem gefehrlichen mutwillen, sonder aus rechten ehrlichen beschwerungen fürnem. Ayrer
proc. 2, 2; listiglich oder gefährlicher weis fragen, einen in der red zu fahen,
captiose interrogare. Henisch 974,
aus Maaler 161
b, Frisius 186
b (
wo gefaarlicher).
ebenso natürlich von thun, z. b.: das gesatz gfaarlicher weis überträtten,
d. i. also bei den worten bleiben und des sinns aber kein rächnung nit haben,
facere fraudem legi. Maaler 182
a.
von den in Worms zu erwartenden gegnern äuszerte Luther, weil sie mit recht .. nit können fort kommen, wöllen sie nun lödlein eintragen und auf söhnliche und geferliche wege handeln, ob der verzug etwas bei irer faulen sachen thun wolte
u. s. w. Mathes.
Luth. 148
a,
d. h. indem sie anscheinend, hinterlistig den weg der verständigung betreten. II@2@dd)
im verkehrsleben für betrügerisch, eigentlich hinterlistig (
vgl.gefahr II, 2,
a): swer dem andern sîn guot abereffet (
zu äffen,
täuschen, narren) und hin fret .. erkennet der rât .. daʒ er daʒ gevârlich getân hât .. so sol man in zehant in der stat âchtpuoch haiʒen schrîben.
Augsb. stadtb. s. 228, 14.
jahrh. von schwindlern im handelsleben, die z. b. guot ûʒnement oder kaufent ûf frist und wârs (
adv.) wiʒʒen daʒ sis niht haben ze vergelten (
bezahlen),
also gevârlich
in betrügerischer absicht oder berechnung; dieselben bezalung geverlich zuverziehen.
Nürnb. poliz. 134,
mit unredlichen fünden, ausflüchten u. dgl., zugleich zu d, vergl. das. nachher geverlich und betrieglich,
aus dem handelsleben; (
hat) den zweiten kauf gefährlich expracticirt.
Frankf. ref. II, 2 § 10; gefährlich und betrieglich handeln. 16 § 11.
von weinfälschung in einer verordnung des Nürnberger rates im 15.
jh. wider die manigfaltigen schedlichen und gefärlichen gemechte, vermischung und verenderung der wein,
indem man sie mit einichen gefarlichen oder schedlichen sachen oder gemechten, als mit geprantem wein, waidaschen, senf .. zugericht oder auch mit milch, wasser oder andern (
dergleichen) gefarlichen dingen gefüllt, gemengt
u. s. w., s. Baader
Nürnb. pol. 258
fg.; obwol davon die rede ist, dasz nach dem urtheil der ärzte solliche gefarliche gemechte, verlepperung
u. s. w. der gesundheit schädlich seien, so ist doch mit gefarlich
nicht die heutige bed. gemeint, das zeigen milch
und wasser
als gefarliche dinge,
sondern betrügerisch, schwindelhaft, und '
schädlich'
für den wein. II@2@ee)
von aller unredlichkeit, '
untreue'
überhaupt, z. b.: er (
der steuermeister) hab der stat untreulich getan .. als er gesessen ist bei andern paumeistern in der stuben (
ratsstube) .. da hett er gevarlich in die guldin und in das klain gelt griffen.
Augsb. chron. 2, 274, 13;
schreiberlohn wird bedingt, da die zeilen und wort nit geverlich zu weit von einander geschriben stehen.
bair. landsordn. 29, Schm. 1, 551.
daher geferlicher nutz,
d. h. wo man geferlich '
seinen (
eignen)
nutz sucht',
eigennutz: nachdem ir euch gen unsern herrn den ratgeben, unser statt und uns (
die zünfte) umb eurs aigen geferlichen nutz willen .. unbillich verhandelt.
Augsb. chron. 2, 412, 15. II@33)
dabei tritt zuweilen der begriff absichtlich oder bewuszt in den vordergrund, besonders in der verneinenden form (
s. dazu unter 1): die red han ich im zorn getan ung varlich.
bair. rechtsb. von 1423, Schm. 1, 551; welcher böslicher und geverlicher weis masz, wag, gewicht .. felscht.
Carolina § 113.
jenes ungevarlich
fällt dann auch zusammen mit ungefärlich,
durch zufall (
sp. 2071),
daher ein ungefährlicher fall
casus fortuitus Henisch 974,
auch on gefehrlich: das sah ein hauptmann on gefehrlich. Waldis
Es. II, 63, 11.
aber auch unverneint: und wer das prech (
das gebot bræche) gefarlich, der solt mit weib und mit kinden aus der stat.
Augsb. chron. 2, 58, 26; wer den Püttrich hauset oder hofet, atzte oder trenkte oder gefarlichen hinschub (
schöbe, beförderte). 48, 6.
mit frefenlich
und wissentlich
verstärkt: item es sol von niemandts kein ubelthäter oder mishändler freffenlich, gefehrlich oder wissentlich aufgehalten werden (
ihm aufenthalt, versteck gegeben). Fronsp.
kriegsb. 1, 21
b,
vgl. schon mhd. gevârlich
und frävelich
unter 1.
im Schwabensp. heiszt das mit willen und frevelich,
gegensatz einvalticlîchen und unwiʒʒende 297, wiʒʒenlîchen 310, mit wiʒʒen 300. II@44)
das heutige gefährlich
wird von uns durchaus zu der zweiten bedeutung von gefahr
gezogen (
s. dort II, 1,
c),
die denn auch im vorigen immer schon mit versteckt ist, aber mhd. noch nicht entwickelt. übrigens ist fährlich
zu vergleichen. II@4@aa)
das alte klingt aber auch hier mit nach, z. b.: die wölf sind den geiszen und schaafen am gefährlichsten,
capras et oves maxime '
captant'. Henisch 1413 (
vgl. das adj. gefähr).
und noch heute, wenn man z. b. einen bösen menschen, vor dem man sich in acht nehmen musz, einen gefährlichen menschen
nennt (
bei Aler
homo vafer, ad fallendum paratus, s. auch gefährlichkeit
a. e.); umsonst schmeichelst du mir, gefährlicher in list. Klinger 2, 284.
Im heutigen sinne: ein gefährlicher neuerer. Gotter 3, 67,
von seinen gefährlichen neuerungen,
die der gesamtheit gefahren drohen. einem gefährlich sein, werden,
von menschen und dingen: besorgt, dasz dieses rasende gesindel, wenn es nichts heiliges mehr zu zerstören fände .. ihren waarengewölben gefährlich werden möchte. Schiller VII, 232, 19; wie gefährlich ihm in einer solchen lage das verwegene mädchen werden muszte. Göthe 18, 197. ein gefährlicher mensch
heiszt aber im hausdeutsch auch einer der gern 'gefährlich thut' (
s. 5). II@4@bb)
von dingen: gefarlich,
periculosus, cum periculo conjunctus. Schönsl. S 8
a; als Max. aber gembsen jaget .. kam in einem scharpfen geferlichen gang ein gleich scharpfer geferlicher wind. S.
Frank clav. zum Teuerd. 56; die gefehrliche krankheit der engelische schweisz. Mathesius
Luth. 64
a; gefährlicher krieg,
bellum acutum. Henisch 974; ein geh, gefährlich ort zufallen,
praecipitium. 1041;
er erklärt es auch mit unsicher, sorglich, abenteürlich 1413,
von wagnissen, schwierigen unternehmungen und lagen, z. b.: wie die schiffart bei nächtlicher zeit am aller gefärlichsten ist. Schaidenr.
Od. 163
b; ein gefährliche cur. Henisch 1413; es ist gefährlich das alte abwerfen und vil newerung wöllen anrichten.
das.; bürg werden ist gefährlich.
das.; hohe ständ sind gefährlich.
das.; es ist kein gefährlicher schatz zubesitzen dann kunst (
wissen).
das.; es gibt alhier gefärliche stösze,
plenum opus aleae est. Stieler 402; was ist der ruhm für ein gefährliches glück. Gellert (1839) 9, 45,
brieflich von sich selbst; gefährliche zeit,
tempora dubia, grave tempus patriae. Aler, gefarliche Schönsleder: manches hätt ich gethan, allein wer scheut nicht die kosten solcher verändrung, besonders in diesen gefährlichen zeiten. Göthe 40, 261.
auch gefährliche rathschläge Henisch 1413, gefährliche reden führen,
selbst gedanken: frau, welchen sturm gefährlicher gedanken weckst du mir in der stillen brust! Schiller
Tell 1, 2. II@4@cc)
im adv. (
vgl. gefährlichen,
s. auch e): die sach wirt dir stehn gefehrlich.
P. Lewe 968 (
s. I,
c); es steht gefährlich,
res in discrimine vertitur. Aler 859
b,
auch persönlich gefährlich stehen,
vocari in summum periculum, eig. in praecipiti stare (
am abgrunde)
das., vgl. gefährlich verfallen,
abruptus Henisch 1041,
d. h. gefährlich steil; gefährlich krank sein. Aler; es siehet mit dem kranken gefährlich aus, es steht um sein leben gefährlich. Steinbach 1, 408.
auch kühner, gleich unter gefahren
o. ä.: ein Indianer sahe ein französisch schiff mit Brasilien holz laden, fragte .. ob kein holz bei den christen wachse, dasz sie so fern und gefährlich in das holz fahren. Zinkgref
ap. 1653 2, 96; wie gefährlich man leib und leben .. in die schanze schlägt. Weise
erzn. 30; (
Egmont) der in einem bedenklichen zeitlauf ... gefährlich wie ein nachtwandler auf jäher dachspitze wandelt. Schiller VI, 82. II@4@dd)
sachlich sind in dem grade des gefährlichen
grosze unterschiede, wie bei gefahr (
s. dort 3,
g);
das hat schon Henisch
beobachtet, wenn er als bedeutung gibt einmal: schädlich, capitalis, pernitiosus 1413,
also das heutige verderblich,
aber auch: verdrieszlich, molestus 974,
diesz zwar ohne beispiel, aber durch folg. bezeugt im 17.
jh.: ich musz bekennen, diese art (
verse, in dactylen) ist überaus lustig und annehmlich, aber mich bedünket, sie seie etwas schwer und deswegen gefahrlich zu lernen.
kunst üb. alle künste 94, 12.
hierher gehört auch, was Heynatz
antib. 2, 12
aus der sprache der '
Niedersachsen'
gibt, mit andrer auffassung: das ist ein gefährlicher junge mit schreien; er hat eine gefährliche stimme;
das ist auch sächs., thür., auch z. b. ein gefährliches benehmen, ein gefährliches wetter (
z. b. im april),
und nicht auszerordentlich, auffallend ist gemeint, sondern unangenehm, lästig, wobei mans eigentlich nicht aushalten kann u. ä., wie griech. δεινός,
eigentlich fürchterlich. auch die worte Gellerts
unter b sind vielleicht so gemeint. II@4@ee)
besonders das adv. wird volksmäszig auch als blosze starke steigerung gebraucht, wie schrecklich, fürchterlich, grausam, bäszlich
u. ähnl., und nicht blosz von schlimmen dingen, selbst lobend, bewundernd (
wie griech. δεινῶς),
z. b.: gefährlich kalt, grosz,
aber auch gefährlich schön (
wie häszlich schön), er thut gefährlich geheim. Heynatz
a. a. o., wieder nicht blosz niedersächs.;
nd. z. b. Danneil 62
b,
im brem. wb. 1, 349 vervârlik grôt;
im Göttingischen auch z. b. bei besonders reicher obsternde dat is wat geferlikes Schambach 60
b,
selbst en geferlich borre,
sehr wasserreicher, nie versiegender born 314
a.
auch es ist nicht so gefährlich (
als dus machst)
sagt man selbst von guten dingen, wie nicht so arg, nicht so schlimm,
freilich mehr ironisch, um die begeisterung des andern zu dämpfen u. ä. (
vgl.gefahr 3,
c a. e.);
s. auch das merkw. gefährlichkeit
a. e. auch schwed. dial. so farliga, farli
adv., z. b. farliga
fin (
schön), wakker, en farli bra karl (
braver kerl),
s. Rietz 128
a. II@4@ff)
auch in zusammensetzungen, wie lebensgefährlich, halsgefährlich, feuergefährlich, gesundheitsgefährlich;
in einem amtlichen schriftstücke 1872 eine betriebgefährliche bahnstrecke. II@55)
endlich auch für bedroht von gefahr, gefährdet; das gibt nur Schönsleder
an: gefarlich,
non procul a periculo, periculis opportunus, subiectus S 8
a,
ohne beispiele, aber es läszt sich erkennen z. b. in der gefährlichen lage, stellung (stand),
den gefährlichen zeiten
unter b (
auch gefährdete
genannt sp. 2078),
in gefährlich stehn
unter c u. ähnl., und auch in der wendung gefährlich thun
im hausdeutsch, von einem der z. b. einen schwierigen fall überängstlich behandelt, so sächs., thür.; du thust gar gefährlich (
auch: anxium te simulas). J. A. Weber
teutsch-lat. wb. Chemn. 1745 329
a.
aus Niedersachsen bei Heynatz: er thut über den tod seines vaters sehr gefährlich; er hat sich sehr gefährlich.
antib. 2, 12; 'klemmen
heiszt gefährlich thun, vornehmlich vom frauenzimmer wenn es ausgeputzt ist und sich nicht bewegt, aus furcht sich irgend einen schaden an den kleidern zu thun'. Hennig
preusz. wb. 124.