Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
ge Präfix zur Ableitung von Substantiven und Verben
2 Die Verbbildungen mit ge- stellen eine Besonderheit dar; fast jedes Verb kann mit ge- verbunden auftreten
2.1 Der größte Teil der ge -Bildungen hat gegenüber der Ableitungsbasis keine neue Bedeutung oder Bedeutungsnuance (z.B. gebinden , geloufen ), sondern verändert die Satzaussage, möglicherweise kann eine aspektuelle Verwendung angenommen werden ( ‘Perspektivierungsalternativen’ , vgl. E. Leiss, Die Verbalkategorien im Deutschen. Ein Beitrag zur Theorie der sprachlichen Kategorisierung (Studia linguistica Germanica 31), Berlin / New York 1992, S. 285).
2.2 Ein geringer Teil der ge -Verben weist eine abweichende Bedeutung oder eine zusätzliche Gebrauchsvariante zur Ableitungsbasis auf (z.B. gebrësten , gedingen ).
1 Die Substantive mit ge- sind in der Mehrheit Kollektiva (z.B. die stN. gederme, geræte zu darm, rât) oder Personenbezeichnungen (z.B. gebûr, gebrüeder) zu i.d.R. ebenfalls belegten Ableitungsbasen 2 Die Verbbildungen mit ge- stellen eine Besonderheit dar; fast jedes Verb kann mit ge- verbunden auftreten 2.1 Der größte Teil der ge-Bildungen hat gegenüber der Ableitungsbasis keine neue Bedeutung oder Bedeutungsnuance (z.B. gebinden, geloufen), sondern verändert die Satzaussage, möglicherweise kann eine aspektuelle Verwendung angenommen werden (‘Perspektivierungsalternativen’, vgl. E. Leiss, Die Verbalkategorien im Deutschen. Ein Beitrag zur Theorie der sprachlichen Kategorisierung (Studia linguistica Germanica 31), Berlin / New York 1992, S. 285). Sehr häufig kommen ge-Bildungen in Kookkurrenz mit Modalverben vor, stehen in negativen Aussagen oder drücken die Vorzeitigkeit einer Handlung aus. Weitere typische Vorkommenskontexte sind verallgemeinernde Aussagen, futurische Aussagen oder Bedingungssätze (vgl. Mhd. Gr. Wortb. § V 192-217; R. Schrodt / K. Donhauser, Tempus, Aktionsart / Aspekt und Modus im Deutschen, in: Sprachgeschichte. Hg. von W. Besch u.a. 2. Aufl. 3. Teilbd. (Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft 2.3), Berlin / New York 2003, S. 2504-2525) 2.2 Ein geringer Teil der ge-Verben weist eine abweichende Bedeutung oder eine zusätzliche Gebrauchsvariante zur Ableitungsbasis auf (z.B. gebrësten, gedingen). Die Beurteilung der Fälle ist sehr diffizil, weil auch dann, wenn die oben genannten Voraussetzungen vorliegen, die ge-lose Ableitungsbasis stehen kann. Im Allgemeinen kann während des mhd. Belegzeitraums ein starker Rückgang der ge-Bildungen beobachtet werden. – Im MWB wird abweichend zur Tradition der mhd. Lexikographie, in der ge-Bildungen i.d.R. als selbständige Lexeme angesetzt wurden, vorgegangen: Kommen die Belege eines präfigierten Verbs ausschließlich in gleicher Bedeutung wie die Ableitungsbasis vor und stehen sie zudem in einem der oben genannten Vorkommenskontexte, so wird das ge-Verb unter der Ableitungsbasis mitbeschrieben (z.B. gedagen, gediemüeten unter dagen, diemüeten). Gibt es Belege mit einer von der Ableitungsbasis abweichenden Bedeutung oder abweichendem Gebrauch, so wird ein eigener Wortartikel erstellt (z.B. gebrüstet). In der Wörterbuchstrecke vor h sind auch Nachtragsartikel zu bereits geschriebenen Artikeln möglich (z.B. gebrennen), da Belege mit ge- nicht immer vollständig berücksichtigt wurden; ab h werden Belege mit ge- konsequent unter der Ableitungsbasis beschrieben. Lexikalisierte Bildungen mit ge- (z.B. gewinnen) oder Präfigierungen mit ge-, zu denen kein präfixloses Verb belegt werden kann (z.B. gemeierscheften), erhalten einen eigenen Wortartikel. – Lit.: DWB 4,1,1,1594-1628; Wilmanns, Dt. Gr. 2,167f. und 241f.; H.-W. Eroms, Zum Verbal-Präfix ge- bei Wolfram von Eschenbach, in: Studien zu Wolfram von Eschenbach. Fs. W. Schröder. Hg. von K. Gärtner und J. Heinzle, Tübingen 1989, S. 19-32
MWB 2 122,45; Bearbeiterin: Herbers