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Finne

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Meyers
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Finne

Bd. 6, Sp. 580
Finne, 1) Hautfinne, Cysticercus cutis, die sehr seltene Entwickelung von Bandwurmlarven, welche die Darmwand durchbohrt haben und in die Blutbahn gelangt sind, im Unterhautbindegewebe. Man findet dabei oft sehr viele rundliche, glatte, linsen- bis walnußgroße knorpelharte, unter normaler Haut auf der Fascie frei bewegliche Geschwülste. Sie können lange Jahre unverändert bleiben. Exstirpation ist das einzige Heilmittel. – 2) Alter Name der Acne (Akme) genannten Hautkrankheit, die durch Zurückhaltung des Hauttalgs in den Talgdrüsen und Entzündung des Drüsenbalges sowie der angrenzenden Lederhaut veranlaßt wird, daher gewöhnlich als Sekretionsanomatie in den Talgdrüsen beginnt und dann in Eiterung und Pustelbildung übergeht. So pflegen die sogen. Komedonen oder Mitesser, durch Stockung des verdickten Drüsensekrets entstanden, häufig zu Aknepusteln sich weiterzubilden und gleichzeitig neben letztern zu erscheinen (punktierte Akne). Die Aknepusteln sind meist isoliert stehende, rote, fleischige, konische Anschwellungen der Haut, auf deren Spitze sich kleine, mit Eiter gefüllte Pusteln erheben. Sie kommen vornehmlich an Stellen, die reich an Talgdrüsen sind, vor: im Gesicht, auf der Stirn und an den Nasen flügeln, in der Jochbeingegend, auf dem Rücken und der Brust. Die Aknepustel braucht 4–8 Tage zu ihrer Ausbildung; berstet sie und ergießt sie ihren Inhalt, so vertrocknet dieser zu einer dünnen bräunlichen Schuppe, nach deren Abfallen die blaurot gefärbte knotige Erhabenheit der Haut sehr langsam verschwindet. Die Behandlung besteht in häufigen Waschungen mit Bimsstein-, Marmor- oder Schwefelseife, um die Verstopfung der Drüsenausführungsgänge zu verhüten; mit Vorliebe wendet man auch Mittel an, die eine rasche Abstoßung der Oberhaut, also auch des Hauttalges bewirken, wie Schwefelpasten und -Salben; Eiterpusteln kann man durch Einschnitt und Auskratzen mit dem scharfen Löffel behandeln. Innerlich wird Arsenik gebraucht. Daß zu häufiger oder seltener Geschlechtsgenuß die Akne befördert, ist unrichtig; die weitverbreitete Annahme, daß bestimmte Speisen (Käse) sie hervorrufen, wird gestützt durch die Beobachtung vermehrter Darmfäulnis bei Akne. – 3) Finnen der Haustiere. Finnen, im allgemeinen alle Blasen würmer, besonders aber diejenigen, in denen sich nur ein Bandwurmkopf entwickelt, also die Cysticercen (vgl. Bandwürmer). Cysticercus pisiformis (F. der Taenia serrata des Hun des) bewohnt die Hafen- und Kaninchenleber. C. tenuicollis (F. der Taenia marginata des Hundes) findet sich am Bauchfell des Schweines. C. cellulosae und C. inermis, die Finnen der beiden beim Menschen schmarotzenden Bandwürmer Taenia solium und T. inermis (T. saginata, mediocanellata) entwickeln sich in der Muskulatur, erstere des Schweines, letztere des Rindes. Nur sie haben eine Bedeutung dadurch, daß sie beim Menschen den Bandwurm erzeugen können. Sie sollen daher durch die Fleischschau ausgemerzt werden. Alle Vorschriften etc., welche die Finnen oder Finnigkeit der Schweine und Rinder betreffen, beziehen sich nur auf diese Finnen, nicht auf den ganz unschuldigen C. tenuicollis. Den befallenen Tieren selbst schaden die Finnen auch in großer Zahl nichts, so daß von einer Finnenkrankheit nicht gesprochen werden kann. Die Finnen entstehen aus den Bandwurmeiern, die mit den menschlichen Exkrementen ausgeschieden werden. Schweine und Rinder können also nur dadurch sinnig werden, daß sie an Orte gelangen, die durch Exkremente verunreinigt sind, oder daß sie verunreinigtes Futter verzehren. Genießen anderseits Menschen mit Finnen durchsetztes Fleisch, so entwickelt sich bei ihnen der Bandwurm. Die Bandwurmgefahr wird daher nicht bloß da abnehmen, wo das sinnige Fleisch dem Verkehr entzogen wird, sondern auch da, wo eine Verstreuung menschlicher Entleerungen auf Hof- und Weideplätzen nicht stattfindet, oder wo namentlich Schweine in abgeschlossenen Ställen und Laufhöfen gehalten werden und nicht in die Nähe von Aborten etc. kommen. Gerade aus letzterm Grunde sind Finnen und damit Bandwurm, wie die Fleischschaustatistik zeigt, in manchen Gegenden mit primitivern Gewohnheiten etc. viel häufiger als anderwärts. Nach der Statistik der preußischen Schlachthöfe kam in Preußen ein sinniges Schwein 1894 noch auf 284 geschlachtete, 1900 dagegen nur eins auf 1500, d. h. die Schweinefinnen sind seit sechs Jahren auf ein Fünftel ihrer frühern Häufigkeit zurückgegangen, eine Wirkung der Fleischschau. Rinderfinnen wurden dagegen 1900 schon unter 158 Rindern einmal gefunden, also fast zehnmal so häufig als Schweinefinnen, während noch vor wenigen Jah ren absol ut und relativ viel weniger ermittelt wurden, nicht weil die Rinderfinne häufiger geworden ist, sondern weil man sie früher nicht entdeckte (s. unten), so daß die Wirkung der Fleischschau sich hierbei erst in Zukunft bemerktich machen kann. Die im Magen aus den Bandwurmeiern frei werdenden Embryonen verstreuen sich beim Schwein mehr oder wen iger im Fleisch (bevorzugt Zunge, Hals, Flankenmuskeln) und werden binnen zehn Wochen zu erbsengroßen Finnen. Ihre Zahl schwankt zwischen einzelnen und vielen Tausenden. Die Rinderfinne findet sich dagegen meist nur in wenigen Exemplaren, befällt aber stets zuerst den innern Kaumuskel. Seit dies (1890) bekannt ist, wird dieser Muskel speziell untersucht, und seitdem werden so viele sinnige Rinder ermittelt. Ost sterben die Fin nen von selbst ab, verkalken und sind dann unschädlich. – Bezüglich der Behandlung des Fleisches finniger Schweine u. Rinder schreiben die Ausführungsbestimmungen des Bundesrates vom 30. Mai 1902 zum Reichsfleischschaugesetz folgendes vor: starkfinniges Fleisch (exklusive Fett) ist untauglich (und gesundheitsschädlich) und muß beseitigt werden; schwachfinniges Fleisch muß vor dem Verkauf gekocht, gedämpft, gepökelt oder 21 Tage im Kühlhaus aufbewahrt werden (Abtötung der Finnen). Findet sich (bei Rindern häufig) nur eine F., so ist das Fleisch auf der Freibank roh zu verkaufen. (Ein veralteter Ausdruck für Finnen ist Aussatz der Schweine.)
6029 Zeichen · 55 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    finnesw. F.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +2 Parallelbelege

    finne , sw. F. Vw.: s. vinne (1)

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    2. Finne

    Adelung (1793–1801) · +10 Parallelbelege

    2. Die Finne , plur. die -n, ein gleichfalls altes Wort, welches eigentlich der Gipfel, die Spitze eines Dinges und ein …

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Finne

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +4 Parallelbelege

    Finne , s. Akne u. Blasenwürmer .

  4. modern
    Dialekt
    Finne

    Bayerisches Wörterbuch · +4 Parallelbelege

    Finne Band 2, Spalte 2,583f.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit finne

42 Bildungen · 26 Erstglied · 16 Zweitglied · 0 Ableitungen

finne‑ als Erstglied (26 von 26)

Finne I

SHW

Finne I Band 2, Spalte 741-742

Finne II

SHW

Finne II Band 2, Spalte 741-742

Finne(Finnin)

LDWB2

Fin|ne(Fin|nin) m./f. finlandesc(-eja) m.(f.)

Finne, Gabriel

Meyers

finne·gabriel

Finne, Gabriel , norweg. Schriftsteller, geb. 10. Febr. 1866 in Bergen, ist einer der Führer der jungen Naturalisten Norwegens. Sein erster …

Finnegriechen

RhWB

finne·griechen

Finne-griechen fenəjrī:kən uWupp 1870; -xrī:t Mettm n.: griechisches Heu, Bockshornsamen, semen foeni graeci.

Finne II

RhWBN

Finne II f.: 2. Kniffe, Listen, auch Siegld ; in dieser Bed. scheint das Wort durch mhd. vünde ‘Kniffe’, das auch in rhein. Weistümern ersch…

Finne III

RhWBN

Finne III Remschd f.: das spitze Ende des Hammers im Gegens. zur platten Sit; Mettm-Velbert hat dafür fimə.

Finnenblasenbandwurm

Campe

finnen·blasenbandwurm

Der Finnenblasenbandwurm , des — es, Mz. die — würmer , eine mit bloßen Augen nicht sichtbare Art des Blasenbandwurmes mit kegelförmigem Kör…

Finnenkeiker

RhWB

Finnen-keiker -i- Sieg , Berg, Düss , Eup m.: 1. ursprüngl. Trichinenbeschauer (heute nicht mehr). — 2. übertr. hinterlistiger, heimtückisch…

finnenkeikig

RhWB

finnen-keikig -ī- Elbf Adj.: hinterlistig.

Finnenkīker

WWB

finnen·kiker

Finnen-kīker m. [Mark, sonst verstr.] 1. Trichinenschauer. — 2. Person, die alles sehr genau nimmt ( Rek La ). — 3. mißgünstige, schadenfroh…

finnenschmer

DWB

finnen·schmer

finnenschmer , n. das dich einer zwackt mit stichelworten und gerne mit dem finnenschmer .... an dich wer. Ringwald laut. warh. 118 .

Finnensluck

MeckWB

finnen·s·luck

Finnensluck m. wenn das geschlachtete Schwein an der Leiter hängt, werden die Vorderbeine zuerst lose getrennt, dann nimmt der Besitzer eine…

Finnensp¹len

WWB

finnen·spolen

Finnen-spo¹len n. [verstr. nördl.] Finnenspölen ( Bor Rd ) 1. Brauch, anläßlich der Schlachtung eines Schweins Alkohol mit den Nachbarn zu t…

Finnensteªker

WWB

Finnen-steªker m. Finnenstiäker gehässige Person ( Alt Lü).

finnessen

RhWB

finne·s·sen

finnessen finəsə  Sieg-ODollend schw.: einen f., prügeln; se gefinnes krigen.

Finneⁿbank

Idiotikon

Finneⁿbank Band 4, Spalte 1384 Finneⁿbank 4,1384

Finneⁿwandel

Idiotikon

Finneⁿwandel Band 16, Spalte 467 Finneⁿwandel 16,467

finne als Zweitglied (16 von 16)

affinne

BMZ

aff·inne

affinne ( ahd. affinna Graff 1,159. ad. bl. 1,349 ) stf. äffin Stricker s. 39.

Afterfinne

Adelung

after·finne

Die Afterfinne , plur. die -n, bey den neuern Lehrern der Naturgeschichte, eine Art der Finnen oder Floßfedern, welche sich zuweilen bey den…

effinne

Lexer

effinne stf. s. affinne.

kempfinne

MWB

kempf·inne

kempfinne stF. ‘Kämpferin’ (hier nur als ‘Streiterin Gottes, Märtyrerin’): [Juliana von Nikomedia] wart der viende kunst ein spot, / wand un…

kofinne

MNWB

kof·inne

+° kofinne Bischofsmütze, Inful (Mante Nd. Geb. 144; vgl. lat. cophina).

pfefinne

KöblerMhd

pfefinne , st. F. Vw.: s. pfeffīn

pheffinne

Lexer

pheffinne , pheffîn stf. BMZ antistita, presbitera Dfg. 38 c . 456 b , n. gl. 26 b . beischläferin eines phaffen Berth. (115,2). Meran. Kell…

sauffinne

DWB

sauf·finne

sauffinne , f. finne im gesicht, die vom unmäszigen trinken entsteht. Adelung : darnach aber, wo etwas zeit bisz zum mittags mahl ubrig, bri…

wolfinne

KöblerMhd

wolf·inne

wolfinne , st. F. nhd. Wölfin E.: s. wolf W.: nhd. Wölfin, F., Wölfin, DW 30, 1254 L.: Lexer 495a (wolfinne)

wulfinne

KöblerMnd

wulf·inne

wulfinne , F. Vw.: s. wulvinne L.: Lü 597b (wulfinne)