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Fasten

ahd. bis spez. · 19 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Herder
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Eintrag · Herder (Konv.-Lex., 1854–57)

Fasten

Bd. 2, Sp. 667
Fasten, das, lat. jejunium, frz. jeûne, engl. fasting, Beschränkung sinnlicher Genüsse besonders der Nahrungsmittel od. Verzichtleistung auf dieselben. F. ist in krankhaften Zuständen, namentlich in Verdauungskrankheiten, häufig das einfachste und wirksamste Mittel, um die Gesundheit zu erhalten und als freiwilliges Entsagen auf erlaubte Genüsse eine zu allen Zeiten und bei den gebildetsten Völkern verbreitete religiöse Uebung. Dieselbe rechtfertigt sich von selbst durch die allgemein bekannte Thatsache, daß F. auch die geistige Thätigkeit erhöht, die Sammlung des Gemüthes fördert und bei großer Erregtheit desselben, sei es in Freude oder Schmerz, sich von selbst ergibt. Die Religionen der alten Aegypter, Parsen, Griechen, Römer, sowie der Inder u. Mohammedaner zeigen, daß das F. nicht sowohl ein jüd. Gebrauch, als ein Ergebniß der Natur des Menschen überhaupt sei und durch die Religion seine höhere Bedeutung und Weihe erhalte. Das Beispiel Jesu und aller Heiligen nebst zahlreichen Bibelstellen sprechen für die F.gebote der Kirche nachdrücklich, die Stellen Matth. 6, 16; 15, 11. Luk. 10, 7 ff. I Kor. 10, 25 u.a.m. nur in Folge einseitiger und willkürlicher Erklärung dagegen. Den Mohammedanern ist das F. im Monat Ramasan 30 Tage vom Morgen bis Abend vorgeschrieben, die heutigen Juden haben 5 Hauptfasttage, unter den Christen fasten die griech. am strengsten. Vom Montag nach Sexagesimä bis zum Sonntag Quinquagesimä dürfen die Griechen Butter, Eier, Käse und Milch genießen, von da bis Ostern aber nicht mehr und nur an Sonnabenden und Sonntagen Wein und Oel. An Mariä Verkündigung u. Palmsonntag ist Fleisch, die 3 letzten Tage vor Ostern höchstens Wasser und Brod erlaubt. Vom 1.—15. August wird zu Ehren der hl. Jungfrau gefastet u. der Genuß von Fischen, Oel u. Wein verboten, in den Weihnachtfasten vom 15. Novbr. bis 24. Dezbr. ist er aber erlaubt. Außerdem hat man an jedem Mittwoch und Freitag, dann vom ersten Montag nach Pfingsten, so viele Tage als zwischen Ostern und dem 2. Mai sind, Fasttag u. dazu außerordentliche F. An den meisten Fasttagen ist das Branntweintrinken gestattet. In der kathol. Kirche ist völlige Nüchternheit während einer bestimmten Frist vor dem Genusse des hl. Abendmahles Jedem geboten sowie Einhaltung der 40tägigen Fastenzeit vom Aschermittwoch bis Ostern. Während derselben sowie an jedem Freitage des Jahres ist namentlich der Genuß von Fleisch und Blut warmblütiger Thiere, jedoch nicht der Wasserthiere verboten. Näheres bestimmt für jede Diöcese das F.mandat, welches der Bischof vor Beginn der 40täg. Fasten in jeder Kirche verlesen läßt. Die F. von Pfingsten bis Johanni sowie von Martini bis Weihnachten sind sammt den sog. Quatemberfasttagen, welche jedes Vierteljahr ein treffen, den F. an Vorabenden großer Feste und an Mittwochen oder Samstagen fast nur noch in Klöstern üblich. Das F. hat verschiedene Grade der Enthaltsamkeit, abstinentia: im allgem. gilt als vollkommenes F. der Genuß von nur einer vollständigen Mahlzeit täglich u. zwar mit Ausschluß von Fleisch (im Süden auch von Eiern, Milchspeisen u. Käse), als unvollkommenes der tägl. Genuß von 2 mäßigen Mahlzeiten ohne Fleisch und Eier oder eine mit diesen oder eine Mahlzeit u. frugales Abendessen, collatio vespertina. Uebrigens herrscht hierin eine große Mannigfaltigkeit; während die Karthäuser bereits das ganze Jahr fasten u. nur Pflanzenstoffe ohne Fett genießen, ertheilen F. dispensen die 4 sog. justae causae. Unmöglichkeit, Noth, Arbeit und geistliche Wohlthätigkeit sowie die geistl. Vorsteher mit Ausnahme der Aebtissinen und der Beichtväter, welche nicht zugleich Pfarrer sind. Die Reformatoren ließen das F. als Mittel äußerer Zucht gelten, doch ist es in protestant. Gegenden allmälig ganz außer Gebrauch gekommen.
3774 Zeichen · 71 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    fastênst. n. (substant. inf.)

    Althochdeutsches Wörterbuch · +5 Parallelbelege

    fastên st. n. ( substant. inf. ) , mhd. vasten, nhd. fasten; vgl. ae. fæsten n. fasten: nom. sg. Gl 1,149,8 ( R ). Entha…

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    fastensw. V.

    Köbler Mnd. Wörterbuch

    fasten , sw. V. Vw.: s. vasten (1)

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Fasten

    Adelung (1793–1801) · +7 Parallelbelege

    Fasten , verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, sich aller Speise enthalten. Ich habe den ganzen Tag g…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    fasten

    Goethe-Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    fasten von 24 Belegen 9 subst 1 auf den Verzehr, Genuß von (best) Speisen (u Getränken) verzichten (müssen) a relig, kul…

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Fasten

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Fasten , das, lat. jejunium , frz. jeûne , engl. fasting , Beschränkung sinnlicher Genüsse besonders der Nahrungsmittel …

  6. modern
    Dialekt
    Fastenf.

    Mecklenburgisches Wb. · +7 Parallelbelege

    Fasten a. Spr. auch Faste f. die Fastenzeit von Aschermittwoch bis Ostern: 'an deme anderen snavende in der vasten' (Wi…

  7. Spezial
    Fasten

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +2 Parallelbelege

    Fas|ten n. (-s) jiné m. , jaiun (-s) m. ✒ voller Bauch lobt das Fasten la punza plëna lalda la carsëma.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit fasten

104 Bildungen · 92 Erstglied · 11 Zweitglied · 1 Ableitungen

Zerlegung von fasten 2 Komponenten

fas+ten

fasten setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

fasten‑ als Erstglied (30 von 92)

Fastenlied

SHW

Fasten-lied Band 2, Spalte 369-370

Fastenzeit

SHW

Fasten-zeit Band 2, Spalte 369-370

Fastenabend

Adelung

fasten·abend

Der Fastenabend , des -s, plur. die -e, im gemeinen Leben Fastelabend, der Abend vor dem ersten Tage in der Fasten; ingleichen die nächsten …

Fastenäpfele

ElsWB

Fastenäpfele kleine gelbe Rüben, welche über Winter in der Erde sind Mü.

Fastenbräzel

Adelung

Die Fastenbräzel , plur. die -n, eine Art Bräzeln, welche aus ungesäuertem Teige ohne Milch und Butter verfertiget, und an einigen Orten, se…

fastenbrecher

DWB

fasten·brecher

fastenbrecher , m. qui jejunium non observat, carne vescitur: wie im zehnten jahrhunderte den catholischen fastenbrechern man die zähne auss…

Fastenbrëttstëll

ElsWB

fasten·brettstell

Faste n brëttstëll f. bestimmte Art Brezeln, die besonders in der Fastenzeit in den Wirtshäusern oft zum Bier gegessen werden Str.

Fastenbrezel

Campe

fasten·brezel

Die Fastenbrezel , Mz. die — n , eine Art Brezeln aus ungesäuertem Teige ohne Milch und Butter, welche man in der Fastenzeit zu bakken pfleg…

Fastenbriefe

Meyers

Fastenbriefe ( Mandate, Patente ), die öffentlichen Ausschreiben, welche die Bischöfe vor den Quadragesimalfasten an die Gläubigen erlassen,…

Fastenbritzel

RhWB

Fasten-britzel -e-, –i- Verbr. m.: in Salzwasser gekochte, in der F.zeit verkaufte Br.

fasten als Zweitglied (11 von 11)

abfasten

DWB

abfasten , sich, jejunio macerari, durch langes fasten entkräften. eine sünde abfasten, durch fasten büszen.

Frohnfasten

Adelung

frohn·fasten

Die Frohnfasten , sing. inus. im Oberdeutschen, die allgemeine vierteljährige Fasten, wozu in der Römischen Kirche jedermann verbunden ist, …

Heuchelfasten

Wander

Heuchelfasten Heuchelfaste, Fressfaste vnd Geizfaste tügen nichts. – Petri, II, 379.

Kindsfasten

Wander

kinds·fasten

Kindsfasten Die Kindsfasten hängt ihr noh nah. ( Oberösterreich. ) Sein Betragen ist ein kindisches. (S. Kindskittel.)

Langfasten

Wander

lang·fasten

Langfasten Um Langfasten ruhen alle Klagen. – Graf, 405, 33. In der Fasten, der Zeit der hohen Feste und während der Ernte fanden keine Geri…

mittfasten

DWB

mitt·fasten

mittfasten , n. mitte der fastenzeit: im mitfasten ohngefährlich ( ungefähr ). Götz v. Berl. 44 ; auf mitfasten. Schweinichen 2, 147 ; do zo…

Temperfasten

DRW

temper·fasten

Temperfasten, f. Fronfasten; eine der vier (je drei Tage umfassenden) Buß- und Fastenzeiten im Kirchenjahr, nämlich nach Luzientag, Aschermi…

Tëmperfasten

Idiotikon

Tëmperfasten Band 12, Spalte 1893 Tëmperfasten 12,1893 M.

weihfasten

DWB

weih·fasten

weihfasten , plur., mhd. wîchvaste, f. ' quatemberfasten ' mhd. wb. 3, 278 a ; Lexer 3, 818 ; Wallraf altd. hist.-dipl. wb. 85 , richtig ged…

Ableitungen von fasten (1 von 1)

verfasten

DWB

verfasten , verb. fastend verbringen: die zeit von ostern verfasten. Heinsius 4, 2, 1286 .