fällen ,
caedere, fallen machen, goth. drausjan =
ahd. trôran.
ahd. fallian, fellan,
mhd. vellen valte,
nnl. vellen velde,
engl. fell,
altn. fella,
schw. fälla,
dän. fälde.
nur die III sg. lautet der von fallen
gleich, sonst scheiden sich alle formen des intr. fallen
und tr. fällen.
gemahnt oft an βάλλειν. 11) holz fällen, bäume fällen: und werdet fellen alle gute bewme.
2 kön. 3, 19; felleten alle gute bewme. 3, 25; und da einer ein holz fellet, fiel das eisen ins wasser. 6, 5; fellet bewme und macht schütte wider Jerusalem.
Jer. 6, 6; böum, wäld fellen oder abhauwen,
robora demittere ferro. Maaler 133
d. 134
a; man felt den ganzen wald schif ze machen,
in classem cadit omne nemus. 133
d; da sah ich Töffeln an den hecken, er fällte holz und pfif dazu. Weisze
kom. op. 3, 5. 22) mauern, thürme fällen: daʒ ër im mit gewalte genuoge bürge valte.
Trist. 10, 30; die stadtmauer soll gefällt,
niedergerissen werden; herumb wil ich, das ewer ieder bleiden zurüst, darmit man den groszen thurn darnider fel.
Aimon x 4
b; sprich zu den tünchern, die mit losem kalk tünchen, das abfallen wird, denn es wird ein platzregen komen und werden grosze hagel komen die es fellen, sihe so wird die wand einfallen.
Ez. 13, 11.
auch steine vom schild schlagen: vil der edelen steine gevellet ûf daʒ gras abe liehten schildes spangen.
Nib. 37, 3. 33) wild fällen,
erlegen: nû daʒ dër hirʒ gevellet wart.
Trist. 71, 28; räh, hirsch und andre wilde thier zu fällen. Weckherlin 429; hasen fället auch er und jagt nach anderem wilde. Overbeck 177,
καὶ πτῶκας βάλλει>, >καὶ θηρία τ'άλλα διώκει
. Theocr. 1, 109; die erlaubnis hohes wild zu fällen. Möser 2, 154.
die genaue weidmännische sprache unterscheidet zwischen fällen
und schlagen,
zwischen erfällen, erschlagen, erlegen, der hirsch, das reh wird gefällt,
nicht erschlagen, der bär, wisent
u. s. w. geschlagen.
wie erlegen, zerlegen
den schlusz auf legen
gestattet, darf man aus zevellen
Greg. 3120
vielleicht folgern, dasz auch die fischer vellen
auf den fisch anwandten. 44)
häufig von menschen, 4@aa)
zu boden werfen, ohne tödtung. Nib. 434, 4. 4@bb) fällen,
tödten, oft mit beigesetztem acc. des adj. tôt (
wie wir den nom. bei fallen
stehn sahen sp. 1281): jâ vellent sîne dœne manegen helt tôt.
Nib. 1939, 2; daʒ du mich tôt niht vellest.
Parz. 266, 26; ê daʒ si vellen tôten.
Neidhart xxxiii, 1;
aber auch darohne: mit grimme begreif ër daʒ swërt und gedâht et vellen sînen kampfgesellen.
Erec 9193; wolt vellen in des tôdes grunt.
krone 21269; daʒ ërn zër ërden valte.
Trist. 177, 20;
namentlich in der verwünschung: got müeʒe iuch vellen.
Parz. 516, 2; got müeʒe den vellen.
En. 222, 36; dës velle sie dër gotes së
gen. krone 16712; den velle got!
tr. kr. 26887; got sëlbe müest in vellen nider. Helbl. 8, 1150.
auch verknüpft sich vellen
mit veigen: hei was dâ guoter knëhte gevellet und geveiget wart.
Trist. 43, 31; gevellet und geveiget vil schiere wurden tûsent man.
Pantaleon 1500.
nhd. und wil in durchs schwert fellen in seinem lande.
2 kön. 19, 7; felleten in daselbs durchs schwert.
2 chron. 32, 21; die gottlosen ziehen das schwert aus, und spannen iren bogen, das sie fellen den elenden und armen.
ps. 37, 14; denn sie hat viel verwund und gefellet.
spr. Sal. 7, 26; wie bistu vom himmel gefellet du schöner morgenstern, wie bistu zur erden gefellet?
Es. 14, 12; und wil in durchs schwert fellen in seinem lande. 37, 7; und wil sie durchs schwert fellen.
Ez. 25, 13; und stellet sich als woll er dir helfen und fellet dich meuchlings.
Sir. 12, 18; erreicht er einen ritter und fellet inen todt zur erden.
Aimon c 1
b; wo reuter oder knecht von oder durch die feind angerennt und erlegt oder gefellt würden. Fronsperg
kriegsb. 1, 65
b; so Paris heut den Menelaos fällt, so bleib ihm Helena. Bürger 154
a; Knud schickte Edmunds kinder seinem stiefbruder, dem könig Olaf von Schweden zu, der aber unwillig ihre jugend zu fällen, ihnen eine freistätte am ungrischen hofe schafte. Dahlmann
dän. gesch. 1, 104; am sohne war nichts zu fällen, sondern am vater, für den man den wald und opferhammer so lang aufgehoben schweben läszt, bis er mit seinem kopfe darunter steht. J. P.
Hesp. 3, 125; der scharfrichter fällte das haupt mit einem streich. 55) eine jungfrau fällen,
entehren, schwächen, vgl. fall 1,
f. meidet mannsbilder und jung gsellen, die euch an ehrn möchten fellen. Ayrer 7
a; und gieng hin mit seinen gesellen die jungfraw umb ihr ehr zu fellen. W. Spangenberg
anbind oder fangbriefe C 7
a. 66) den anker fällen,
fallen lassen, niedersenken, auswerfen. 77) einen schacht fällen,
tiefer senken. 88) eine linie fällen,
senkrecht fallen lassen: eine linie auf eine andre fällen. Kant 8, 99. 99) einen aufgelösten stof fällen,
niederfallen lassen, praecipitare: das durch unterschiedliche säfte gefällete eisen. Kant 10, 41.
unsere chemiker bedienen sich fast nur des fremden worts. 1010) die zähne fällen,
fallen lassen, wechseln, gleicht dem βάλλειν ὀδόντας. 1111) die bruech fellen,
die hosen fallen lassen, abziehen, abwerfen. Keller
erz. 672, 26. 1212) in die grube, in das grab fällen,
stürzen machen: im herzen denket er, wie er dich in die gruben felle.
Sirach 12, 16; den, den die grimme welt vom höchsten himmel aus bis in das grab gefällt. Fleming 3; wilst du dich, mich und sie in éine grube fällen? 620. 1313) das gewehr fällen,
senken, zum angriff: fällts gewehr! 1414)
abstract, stürzen, verderben, überwältigen, besiegen: du mainst, in der theologei seist ganz von meinen stricken frei. geiz, unkeusch, hoffart ich dir stell, damit ich vil deins gleichen fell. Schwarzenberg 123, 1; ist doch seine sitsamkeit nicht wie deine fertigkeit durch ein andre lieb zu fällen. Weckherlin 402; was noch das gröszest ist, die feinde seh ich stellen auf allen seiten auf, wie sie nur mögen fällen mein abgeseelte seel. Fleming 19; so wird mit ihm verloren was in der zeit geboren, die alles fällt und stürzt. Gryphius 2, 181; es kriegt ihm Mars jetzt selbst, und das was er erkrieget ist, dasz er fällt die welt und selbst mit ihr erlieget. Logau 1, 98, 8; die thränen einer schönen fällen Zeus. Schiller 15
a; lügen sind nur die waffen der hölle, die braucht Fiesco nicht mehr, seine Julia zu fällen. 171
a. 1515) den spruch, das urtheil fällen,
ergehen, fallen lassen: der spruch ist schon gefällt; und felle ein urteil uber uns. 1
Mos. 43, 18; der herr felle heut ein urteil zwischen Israel und den kindern Ammon.
richt. 11, 27; und das urteil erschall fur dem ganzen Israel, das der könig gefellet hatte.
1 kön. 3, 28; er fellet nach seiner gewiszne ein urtheil. Wickram
rollw. 93; ein urtheil fällen. Kant 7, 61
und oft. ebenso die wahl fällen: und schlosz er wolt ihnen einen stellen, würden sie die wahl auf ihn fellen, er solt ihn die hauben rucken.
froschmeus. 2, 5 (J 14
b). 1616)
refl. sich fällen: stürzt er sich über ein mauer ab und fellet sich zuo todt aus begird eins bessern lebens. Frank
chron. 108
b,
wo sich freilich aus fellet
nicht entnehmen läszt, ob der inf. fallen
oder fellen
lautete, die folgenden stellen scheinen für fällen
zu sprechen: die ihm mancherlei weis nachstellen, ihn von dem glauben abzufellen. H. Sachs V, 100
a,
abfallen zu machen, was schon 1, 37
aufzuführen gewesen wäre; die füsze matt und krank und die sich selbsten fällen. Fleming 639.
es heiszt aber sonst sich todt fallen, zu tod fallen, sich den hals abfallen
und man wird auch hier unterscheiden müssen fällen,
fallen machen, sternere von fallen
cadere; hiernach gebührt der frankischen stelle fallen.
vgl. verfällen.