Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)
Eule f.
Eule f.
Eule f. Der nachts auf kleine Wirbeltiere Jagd machende Vogel heißt ahd. ūwila (9. Jh.), hūwila (um 1000), asächs. ūwila, mhd. iuwel, iule, spätmhd. auch hiuwel, hūwel (aus germ. *ū̌wwilōn), mnd. mnl. aengl. ūle, engl. owl, nl. uil, anord. ugla (aus germ. *ū̌wwalōn). Diese germ. Bildungen werden als Deminutiva zu einem den Eulenruf nachahmenden Femininum germ. *ū̌wwōn ‘Eule, Uhu’ gestellt; belegt ist allerdings nur maskulines ahd. hūwo (9. Jh.), asächs. hūo, mhd. hūwe ‘Uhu’, jünger noch schweiz. Huw ‘Uhu, Eule’. Gleichfalls onomatopoetischen Ursprungs sind germ. *ūf- in aengl. ūf ‘Uhu, Eule’, anord. ūfr ‘Bergeule’, ahd. ūvo (9. Jh.), bair.-öst. Auf ‘Uhu’ sowie das seit dem Frühnhd. übliche Uhu (s. d.); weiterhin vergleichen sich außergerm. Bezeichnungen wie aind. úlūkaḥ ‘Eule’, griech. býās (βύας) ‘Uhu’, lat. ulula ‘Käuzchen’, būbo ‘Uhu’, lett. ūpis ‘Uhu’, kslaw. vypь ‘Möwe’, russ. vyp, vyp’ (вып, выпь) ‘Rohrdommel’. Eine Familie von Schmetterlingen wird im Dt. wegen ihrer nächtlichen Lebensweise ebenfalls Eulen genannt (so schon mnd. ūle, ūleke ‘Nachtschmetterling’; hd. seit dem 18. Jh.). Auf Ähnlichkeit im Aussehen beruht ferner nd. (besonders westnd.) Ūle ‘Besen mit weichen Borsten’, vom 18. Jh. an auch als hd. Eule bezeugt (dazu Hand-, Kehreule). Davon abgeleitet ist das Verb nd. ūlen (gelegentlich hd. eulen) ‘fegen, reinigen’, das zur Erklärung von Eulenspiegel m. ‘wer hintergründige Späße treibt’ herangezogen wird. Der zum Appellativum gewordene Name des bäuerlich-plebejischen Schalksnarren aus dem 14. Jh., im Volksbuch 1515 in der Form Dyl Ulenspiegel überliefert (mnd. Ūlenspēgel als Familienname bereits im 15. Jh.), gilt nämlich jetzt meist als Satzname, zusammengewachsen aus dem Imperativ von ūlen und dem Akkusativ des Substantivs Spiegel (s. d., mnd. spēgel) in der seit dem Frühnhd. belegbaren, heute noch in der Jägersprache weiterlebenden Bedeutung ‘Hinterteil, Gesäß’.