Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
enzwei Adv.
2 allg. ‘in Stücke, auseinander, kaputt’
3 in adj. Verwendung
4 phras.
4.1 mitten ~ ‘mitten durch’
4.2 ~ tragen
4.2.1 intr. ‘sich unterscheiden, trennen’
4.2.2 tr. ‘jmdn. unterscheiden, trennen’
4.3 ~ gân ‘unterschiedlich ausfallen’
1 ‘in zwei (gleiche) Teile, Stücke’ dannoch het er [St. Martin] ein lachen an ime; daz sneit er enzwei unde gab ez halbez dem armen, halbez het er ez selbe Spec 116,5; HvFritzlHl 239,10; Tristan begunde wenken; / und iedoch wancter niht alsô, / ern würfe ime daz ors dô / vor den goffen [Hinterbacken] gar enzwei Tr 16027. 5687; div [...] bat mich des, daz ich die fvͦmzehen schilling enzwai tailet UrkCorp (WMU) 2403,16; wer ain leinein tuoch entzwai tailt gleiches BdN 105,14; Lanc 432,27. – duͦ deilti got sîni werch al in zuei: / disi werlt ist daz eine deil, / daz ander ist geistîn Anno 2,5; der menniske [...] scol die scrift alter ewe. inzuei teilen. daz er wizze rehte gewarheit. geistlichere unde werltlichere gewizzine JPhys 17,15; HlReg 13,33 2 allg. ‘in Stücke, auseinander, kaputt’ sege den boum enczwey in stucke Pelzb 122,2; er stîz in ze tal uber einem stein, / daz ime sîn hals enzwei brast VAlex 231; Lanc 572,6; ich wil frumen noch vil der sper enzwei Parz 97,7; UvZLanz 3065; den schilt den spielt er im enzwei KvWSchwanr 1168; Herb 5246; ReinFu S2,807; Wh 24,23. – übertr.: hie gêt diu rede enzwei [bricht ab] Walth 104,6; maht tu genesen, / sô ist enzwei geteilt mîn sêr UvZLanz 2227; mit rehter jâmers lêre / brach im sîn grœstiu vreude enzwei RvEBarl 8113; herre, ich woͤlte miner sele herze inzwoͤi rissen Mechth 3: 2,20; Parz 103,19; Lanc 593,29 3 in adj. Verwendung: dâ lac manc sper enzwei Parz 79,12; heía, nu heí! / / nu íst dem videlaére / sin vídelboge enzweí! Tannh 4,144; wann im der arm enczwey was zwuschen dem elenbogen und der hant Lanc 341,33; ReinFu K,463; BdN 51,11. – in was der selbe dôn [gemeint: die schallende Freude üppiger Lebensweise] enzwei Parz 184,26; sîn wîsheit ist enzwei KLD:Kzl 1: 1,12; di zuversicht waz do gar inzwei HlReg 39,23. – rechtsspr. ‘ungültig, hinfällig’ waz der [Ehe-] man gelobit oder verburget, daz muz man leisten, ab he stirbit an erben. gewinnen aber si erben mit einander, so ist die rede inzwei StRFreiberg 25,14; were aber, daz he kint hette mit ir unde sie mit ime, so ist die gift alle intzwei UrkFrankf 2,158 (a. 1322) 4 phras. 4.1 mitten ~ ‘mitten durch’ snyde sy [Früchte] mittin enczwey odir schele sy an eyme ende Pelzb 134,10; so nym beyde stocke vnd spalde si in di lenge mittin enczwey ebd. 131,6; des wart im zv spalden / sin houbet mitten enzei Herb 13199. 6443 4.2 ~ tragen 4.2.1 intr. ‘sich unterscheiden, trennen’ in welcher wise enzwei treit / der keiser und die pfafheit, / des bin ich underwiset wol Pass III 249,3; sol aber die harfe wol luten so sulen die seiten wol uber ein geliche tragen. tragen sie vngeliche inzwei [wenn sie dissonieren] . so benemen sie der stimme ir zuzzeheit PrLpz (L) 24,13. – mit präp. Erg. (mite hier mit Akk.): dor an Sophar inzwey trug meist / mit Job und ouch sine volleist [Sophar entzweite sich hieran mit Hiob und seiner Autorität] Hiob 7929. – hierher oder tr. mit Ersparung des Obj. (?): get nu von einander hin / ir [Christen und Arianer] , der geloube entzwei treit Pass III 128,77 4.2.2 tr. ‘jmdn. unterscheiden, trennen’ da was meistere genuc, / die ir sin entzwei truc, / den einen sus, den andern so Pass III 645,96 4.3 ~ gân ‘unterschiedlich ausfallen’ gêt di urtail enzwai, daz iewederm vorsprechen gevolgt wiert RbRupr 252
MWB 1 1770,31; Bearbeiter: Runow