einbilden ,
dies heute so gangbare, unentbehrliche wort begegnet mhd. und ahd. noch gar nicht, obgleich das einfache pilidôn,
mhd. bilden
längst bestand. bilden,
sahen wir 2, 13,
bedeutet effingere, formare und die substantiva effigies, figura, forma, imago treten unmittelbar daneben. Diefenbach
hat unter imaginari nur bilden,
kein einbilden, Frisius
und Maaler
gewähren aber einbilden
oder nach ihrer schreibweise eynbilden.
es wäre zu vermuten, dasz nl. inbeelden,
schwed. inbilla,
dän. indbilde
erst von uns auf diese sprachen übergegangen sind, früherhin wissen sie nichts davon. auch in der englischen entspricht nichts, wie ihr selbst das einfache bild
mangelt. 11)
der seltne unpersönliche gebrauch taucht zuerst bei Keisersberg
auf: was mir an einem morgen nicht inbildet, das find ich da nach nicht.
s. d. m. 9
a und gewis noch öfter in stellen, die künftiger aufmerksamkeit nicht entgehn werden. was mir morgens nicht wie ein bild vor der seele stehet, finde ich hernach den ganzen tag über nicht. man sagte demnach: mir bildet in, mir bildet ein,
in mir entsteht ein bild. 22)
häufiger ist das transitive einbilden,
gleichsam einprägen, [] imprimere, vor augen stellen, ein bild von der sache bei einem andern entspringen und sich festsetzen lassen, schon frühe bei Eckhart: aber daʒ hât got im alleine behalten, swâ er sich în bildet, daʒ er dâ sîne natûre und alleʒ, daʒ er ist unde geleisten mac, ze mâle dar inne erbilde obe den willen. 68, 23.
die mystiker mögen den ausdruck eingeführt haben, später wird er oft von Luther,
doch nicht in der bibel gebraucht: das sie die beichtveter mit eim eid verbinden und zwingen, das sie dieselben (
lügen) mit allen treuen aufs fleiszigst und on aufhören dem volk sollen einbilden. 1, 56
b; denn uns den waren glauben stets verkündigen gibt uns ein ursach gott umb seine gnad zu bitten und denselben waren glauben einbilden und in uns bestetten. 3, 111; denn wenn seine gnade in uns nicht eingebildet wird, so bleiben wir stets fleisch und blut.
daselbst; das musz ich mit einem groben gleichnis einbilden. 3, 148; so fern (
die gebot) einem iglichen von natur sind eingebildet und in sein herz geschrieben. 3, 168; das wil er (
gott) uns einbilden. 4, 214
b; was gott zusaget und gelobt, kan man uns nicht gnug einbilden. 4, 231
a; wenn man nu solchs künd dem armen volk einbilden. 4, 397
b; den einfeltigen aufs deutlichste einzubilden, was da heisze nicht tödten. 4, 400
a; lebendige, trefliche und reiche wort, die alles und alles fassen und einbilden. 5, 44
b; sonderlich sollen prediger den leuten und schulmeister den knaben und eltern den kindern solche gedanken von jugend auf einbilden, da sie wol lernen, welche stende und empter gottes heiszen. 5, 182
b; die prediger können alle diese stücke wol reichlicher ausstreichen und den leuten einbilden, was schadens und nutzs sie hie schaffen können. 5, 185
a; das ist ja ein feiner lieblicher spruch, den man den kindern wol sol einbilden. 5, 336
a; darumb sollen wir solchs wol lernen, auch unsern kindern und gesind fleiszig einbilden. 5, 338
a; diese lere zu bestettigen und einzubilden, gibt er allhie zwei exempel. 5, 393
b; solchs wil
s. Paulus in die christenheit wol einbilden. 5, 476
b; ich habe aber herzog Georgen mit solchen feindseligen namen wöllen abmalen und den fromen leuten einbilden. 6, 7
b; auf das der from fürst ja allein das höchst exempel der grawen beschornen heiligkeit der welt einbildete. 6, 10
a; das man nu in (
Christum) lerne so einbilden, das er uns zu gut, hülf und trost ein herr ist. 6, 71
b. denn sie haben die auferstehung viel fester eingebildet, denn kein bawer seine ernde auf dem felde. 6, 81
a; denn er wil diesen artikel allein nach seiner substanz rein und lauter einbilden, das der einige man Christus sol sein ein ursprung und anfenger des lebens oder der auferstehung. 6, 234
b; darumb haben sie solche sprüche der jugend wollen einbilden und damit vermanen, dasz ein iglicher sein selbs oder der seinen hüte. 6, 251
a; darumb sollen wir uns solches wol lernen einbilden, das wir des glaubens ja gewis werden. 6, 263
a; die grammatica den kindern wol einbilden. 7, 20
b.
aber auch anderwärts: sollen diese reformation mit fleisz lesen, ihnen wol einbilden, in guter gedächtnus haben.
Frankf. reform. l. 5, 1; sondern dis sol man hie auch wissen und sonderlich dem jungen und groben volk wol einbilden das
s. Paulus gesprochen hat. Melanchthon im
corp. doctr. chr. p. 745; die muotter gottes Maria ward der wält vil mee ingebildet dan ir sun. Bullinger 1, 3; wie Aganice, welche die verursachung der finsternus wol verstund, inen (
den thessalischen weibern) einbildete, dasz sie den mon weggenommen habe. Fischart
ehz. 77; mein son, wer hat euch solche vermessenheit eingebildet?
Amadis 124.
auch im 17
jh. noch: der schwert da fur die tochter sein und glaubt was sie ihm bildet ein. Ayrer 435
a; so wird mir eingebildt die eitelkeit der welt. Opitz 1, 130; ich fand in ihr dich so gebildet ein. ...; denn wiss, ich bilde dich mir da so heftig ein, das du dir auch selbselbst nicht kanst so ähnlich sein. 2, 236; wenn entweder ein unverständiger oder deine eigene gedanken dich rühmen und dir grosze dinge einbilden.
pers. rosenth. 8, 39; dem will ich stracks rathen, die wolbedachten regeln seinem gemüthe wol einzubilden. Weise
kl. l. vorrede. im 18
jh. erlischt die anwendung, nur schreibt noch Lessing 6, 117: ich will ihnen unterdessen nicht einbilden, dasz alle beibehaltene stücke von gleichem werthe sind; die mythologie der Griechen, durch die gröszten künstler in sichtliche leicht einzubildende (
einzuprägende) gestalten verwandelt. Göthe 26, 144. 33)
allmälich überwiegt aber das reflexive sich einbilden,
effingere animo, im späteren latein imaginari aliquid, franz. s'imaginer, se figurer
und zwar in mehrfacher bedeutung, [] 3@aa)
gedenken, sich vorstellen, in gedanken vorstellen (
gleichsam eine gestalt vor augen); im selbs einbilden
oder vorbilden,
fingere animo: das weib begunt im oft einbilden die grosze schmach. Tschudi 1, 121; das all eur beger werd erfült, wie ihrs euch selbst habt eingebilt. Ayrer 139
b; dasz die fürsten über menschen und nach rechten herscher sein, doch nicht ewig, möchten fürsten ihnen täglich bilden ein. Logau 1, 40, 49; schuh halb länger als der fusz, wozu solln sie nütze sein? jungfern solln, ihr wiszt wol was? lacht nicht! ihnen bilden ein. 2, 231, 131; was bilden wir uns ein? Gryphius 1, 48; bilde dir strax darbei ein, er wird dich nicht beständig lieben.
pers. rosenth. 8, 12; als ein reisender vor einer clause vorbei gieng bildete er sich ein, einen hund bellen zu hören.
pers. baumg. 4, 16; hier nahe bei ist ein klein häuslein, die thüren sind fest zugeschlossen und ich bilde mir ein, der hausvater sei nicht daheim. 4, 17; das konnte ich mir einbilden, dasz sie mir widersprechen werden. Gellert 3, ...; so bilde dir erhaben ein, lust sei nicht lust und pein nicht pein. 1, 182; gestern, brüder, könnt ihrs glauben? gestern bei dem saft der trauben, bildet euch mein schrecken ein, kam der tod zu mir herein. Lessing 1, 64; fragt man mich aber, was man sich für eine vorstellung von denselben zu machen habe, so musz ich sagen, dasz ich mir sie vollkommen, wie die angeführte stelle des Horaz von seinem Ligurin, einbilde. 4, 23; wie verträgt sich dieses entscheidende all mit dem obigen or, or? kann man sich einen handgreiflichern widerspruch einbilden? 5, 24; denn das bilde man sich ja nicht ein, dasz diese aus complimenten zusammengesetzte nation auch das für complimente halte, was gewissermaszen zur verkleinerung ihrer nachbarn dienen kann. 6, 192; man bilde sich einmal ein junges mädchen ein, das sich von fetter milch die backen rund gegessen. Rost
schäfererzählungen 57; das habe ich mir gleich eingebildet. Schiller 192
a; dasz er von allen bekanntschaften unsers prinzen sogleich besitz genommen haben werde, können sie sich leicht einbilden. 736
b; ich bin der bogen, bildet ihr euch ein, den man nur spannen dürfte nach gefallen? Schiller. 3@bb)
da gedanken und innere vorstellungen sich leicht teuschen und überheben, empfängt das wort den nebensinn von wahn, trug und hochmut: er bildet es sich ein,
wähnt es, betrügt sich; er bildet sich etwas ein, bildet sich viel ein,
ist hochmütig; was bildet sich der mann alles ein!; laszt uns ja uns selbst nicht lieben, bild ihm niemand zu viel ein, will er sich nicht selbst betrüben. Opitz 1, 76; viel köndten wahren ruhm der weisheit wol erlangen, sie bilden ihnen es nur gar zu leichtlich ein, dann wo kann irgend doch ein guter meister sein in künsten, die er erst zu lernen angefangen? 1, 348; verwegne, mache nicht, dasz man dich aus musz lachen, leg deinen hochmut hin und bilde dir nicht ein. Fleming 645; sie bilden sich grosze klugheit ein, was sie aber reden, hat oft weder hände noch füsze.
pers. rosenth. 7, 20; dunst verbreiten, wobei man nichts deutlich beurtheilen, aber desto mehr sich einbilden kann. Kant 7, 172.
s. eingebildet. 3@cc)
in guter oder übler meinung heiszt sich auf etwas einbilden
auch froh, stolz auf etwas sein: und ich will kein ehrlicher mann sein, wenn ich mir nicht eine rechte freude darauf eingebildet habe. Lessing 1, 393; sie hat wolerzogne kinder und kann sich etwas darauf einbilden; sie bildet sich viel auf ihre schönheit ein; worauf hast du denn dir etwas einzubilden?