Eintrag · Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke)
E
1. durch umlaut aus a, wenn die ableitungs- oder flexionssilbe i hat. z. b. gras, greselîn, wofür bisweilen auch ä eintritt. vgl. Gr. 13, 131.
2. aus i, wo im gothischen die brechung aí oder auch einfaches i statt findet; häufig findet sich dann ursprünglich ein a in der endung, welches als ursache der umwandelung angesehen werden kann. s. Holzmann in den Heidelb. jb. 1841, s. 770 f. J. Grimm in Haupt's zeitschr. 2,268. dieses e wird zweckmässig durch ë bezeichnet; es muß im mhd. sich noch mehr als jetzt in der aussprache von e unterschieden haben, da bei bessern dichtern e: ë im ganzen mit einschränkung reimen. vgl. Gr. 13, 139. Haupt zu Engelh. 1611. Sommer zu Flore 157. eine weitere ausdehnung hat ë in ursprünglich lateinischen oder romanischen wörtern z. b. Titurël, Jupitër (vgl. Gr. 13, 141) und in dem niederdeutschen. niederdeutsche denkmäler und solche, die sich zum niederdeutschen neigen, haben auch häufig ë für mhd. i, so z. b. nëder, wëder für nider, wider u. s. w. vgl. Gr. 1,455. 13, 255. Frommann zu Herbort 61. in hërre, mërre für hêrre, mêrre ist ë aus dem frühern ê entstanden. selten wechselt ä mit ë, wie in trähtin kl. 1410. sähs Roth. 1034; o mit ë in dërt für dort; ö mit ë in dröschen, löschen für drëschen, lëschen. vgl. Gr. 13, 131. 141. 153. 155.
3. ist tonloses e in ableitungs- u. flexionssilben an die stelle der manigfaltigsten kurzen und langen vokale eingetreten; die hauptfälle, wo statt dessen noch die ursprünglichen vokale erscheinen, erörtert Gr. 13, 165. den nicht seltenen wegfall dieses e zu erörtern, würde hier zu weit führen. — das lange ê ist als eine verdichtung des diphth. ei (goth. ai) anzusehn, die im auslaute und vor w, h, r statt findet, und macht keine schwierigkeit.