Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
dunken swV.
1.1 unpersönl. (mit oder ohne ëʒ als Scheinsubjekt)
1.1.1 ohne Bezugsperson
1.1.2 mit Akk.d.P.
1.1.3 mit Dat.d.P.
1.2 persönl.; Subj. ist der Bezugsgegenstand oder die Bezugsperson des Dünkens
1.2.1 ohne Akk.d.P.
1.2.2 mit Akk.d.P. (häufig mit präfigiertem ge- )
1.2.3 mit Dat.d.P.
1.3 phras.: jmdn. zît ‘meinen, es sei Zeit (für etw.)’
2 refl. ‘sich dünken, vorkommen’
3 Einzelnes
3.1 subst. ‘das Meinen, Glauben’
3.2 ‘jmdm. bewusst werden, klar werden’ (mit Akk.d.P. und explizierendem Satz)
3.3 ‘jmdn. wundern, (geistig) beschäftigen’
1 ‘dünken, scheinen, den Eindruck erwecken’ 1.1 unpersönl. (mit oder ohne ëʒ als Scheinsubjekt) 1.1.1 ohne Bezugsperson: ist aber ir [der Ehefrau] wirt da heime nicht, / so diucht ez ein groz ungeschicht, / ob si dheinen gast enphienge UvLFrb 474 1.1.2 mit Akk.d.P.: Brangæne, sprich, / waz rætestû, wie dunket dich? Tr 10526; ez hete si gedunket guot KvWTroj 49352; tumbe liute dunket und wænent, daz sie sterben und verderben Eckh 5: 56,1; das den rat dunchti, das er unschuldig were UrkCorp 1295,44; [ein Dieb zu dem erschrockenen Waldbruder:] nû swîc und lâ dich guot dunken! Waldbruder 211; Volmar 253. 307; Lanc 516,33; Seuse 253,11. – und mit Gen.: "wa bi dunket vch des?" / sprach her Vlixes Herb 12275; swen iht anders dunket an mir, / den dunke des! RvEWh 5231; Wig 5759; mich balde des gedûchte, / ich müezze mîn fröide lân SM:Had 16: 5,4; Wh 193,13. – und mit Subj.-Satz: an allen dißen dingen duncket mich nit das dißer ritter der yczunt von hinnen ging icht als volkomen sy als der sin sol Lanc 505,6. – und mit präp. Erg.: nu sag uns, wez dunchet dich umb ditz dinch dez wir dich nu vragen PrOberalt 170,10; vmme das dunkit mich, das das selbe moge sin an den quittin Pelzb 126,16 1.1.3 mit Dat.d.P.: do viel dú arme [die unwürdige Seele] har nider under die verhangenen und under die verworhten selen und dunkte ir alze guͦt Mechth 4: 12,38; vnde dunket deme sichen wi he win smecke in deme halse SalArz 43,4 1.2 persönl.; Subj. ist der Bezugsgegenstand oder die Bezugsperson des Dünkens 1.2.1 ohne Akk.d.P.: michels boumes schone / machet dicke hoene: / er dunchet [scheint] uzzen gruͦne, / so ist er innen duͦrre Rol 1964; swaz er getet, swaz er gesprach, / daz dûhte und was ouch alse guot Tr 3747; so man di hant fur daz glas habet dunket denne der harn bliuar SalArz 114,5; Macer 30,6; Volmar 541; KvWHerzm 557 1.2.2 mit Akk.d.P. (häufig mit präfigiertem ge-): sîu dúnchet míh ôuh êgilîch Will 106,17; swaz ainen duchte guͦt, / daz was ir aller muͦt Rol 3451; diu Kriemhilden mære nie gedûhten mich guot NibB 1518,4; do gedauchte den ellenden / so schone creature / war nicht ungehewre HvNstAp 6634; swie daz unser und des richs stat ze Kolmaren allerbest nützlichest dewchet ze sein StRColmar 91; nû hât gedunket etlîche liute und schînet gar gelouplich, daz bluome und kerne der sælicheit lige in bekantnisse Eckh 5: 116,23; Parz 315,24. 546,5; Tr 13684; RvEBarl 685. – und mit Gen.: im half mannes herze niet, / sint er dar ane geriet, / daz in des duchte, / daz ir varwe lvchte / gliche wol der svnnen Herb 11165; si slafent noch, er wecket si, des dunket mich Tannh 1,25. – mit präp. Erg./ Präp.-Adv.: swen dis an mir dunket guͦt, / das ist mir liep, ich han es muͦt RvEWh 5229. 5231; nu sagent mir, so uch gott helff, was duncket uch darumb guͦtt? Lanc 373,9 1.2.3 mit Dat.d.P.: síu dúnchet mír glîch dér aurorę: [...] unte dúnchet mír álso schône sô der mâno Will 106,7; Dietheriche duchte die rede got Roth 1455; noch süzer dan dem hering dünke wazzers glins Frl 3:18,7; BuchdKg 13,8 1.3 phras.: jmdn. zît ~ ‘meinen, es sei Zeit (für etw.)’ dô des den keiser dûhte zît, / er wolde scheiden den strît Eracl 1183. 1219; ûf den gedingen kom er dar / daz si im würde âne strît, / wan des dûhte in michel zît Wig 7330; daz er, sô in des dunket cît, wider zu deme vanen kêre StatDtOrd 117,8; Lanc 117,18; Seuse 110,31 2 refl. ‘sich dünken, vorkommen’ dicke dunk ich mich sô stæte / mînes willen Walth 113,37; des dûhte sich getiuret des künec Guntheres lîp NibB 396,4; die dunkent sich so spæhe SM:Go 3: 2,2; er daucht sich so rain, so chlug Teichn 681,95; PrOberalt 40,16; Eracl 3727 3 Einzelnes 3.1 subst. ‘das Meinen, Glauben’ nach dünken min Frl 5:34,2. 5:70,2; sô wirt ir benomen dunken unde wênen unde gelouben, wan si ist komen ze der wârheit Eckh (Pf) 242,30; ist ein soͤlicher mensche komen ze einem gantzen wissenne der warheite, ald blibet im noch dunken und wenen? Seuse 359,23 3.2 ‘jmdm. bewusst werden, klar werden’ (mit Akk.d.P. und explizierendem Satz): Paris besach die gewer, / vnde als er daz weste, / daz sie was so feste, / als in selben dochte, / daz er sie niht mochte / deheinen wis gwinnen Herb 2637 3.3 ‘jmdn. wundern, (geistig) beschäftigen’ mich dunket ouch, warumb ez sî SM:Had 49: 3,5
MWB 1 1394,46; Bearbeiter: Schnell