antreffen,
nach der sinnlichen bedeutung von treffen
ferire, percutere musz es ausdrücken an einen, an etwas treffen, wie anschlagen, anstoszen,
folglich auch anreichen, anrühren, altn. âdrepa
tangere, vgl. drepa fîngri â,
mit dem finger anrühren, drepa â dyr,
fores pulsare, die thür anschlagen, daran klopfen. so heiszt es nun: und dasz nicht reuter auf fuszknecht antreffen (
stoszen). Fronsp.
kriegsb. 1, 52
b; wann das geschütz in einer schlachtordnung recht antrift (
gut trift). 1, 135
b; unterwegen ehe sie den feind antrafen (
auf ihn stieszen).
Garg. 253
a; das eisen, welches zwar wol antraf (
traf). Lohenst.
Armin. 1, 97; wann ihm gleich nun zwanzig fäuste maul und nase treffen
an. Logau 1, 8, 60; das urtheil hat wol angetroffen (
zugetroffen, ans ziel). Opitz
Arg. 2, 423
und so liesze sich sagen, der hammer hat genau angetroffen,
den nagel getroffen. daraus folgt unmittelbar die vorstellung des findens, begegnens, weil auf einen stoszen
ein rencontrer, antreffen
ist: darumb so gehet hinauf, denn itzt werdet ir in eben antreffen.
1 Sam. 9, 13; so wirst du kommen zu der eichen Thabor, daselbs werden dich antreffen drei menner. 10, 3; und es traf in an der prophet Ahia auf dem wege. 1
kön. 11, 29; und sie trafen in an auf dem acker Naboth. 2
kön. 9, 21; trafen in an bei dem groszen wasser.
Jer. 41, 12; alles was sie antraf, das frasz sie (omnes qui invenerunt, comederunt eos). 50, 7; ich wil versuchen, ob ich vielleicht das glück antreffen köndte, das ich im garten einmal möchte allein sein. Heinr. Jul. v. Braunschw.
Susanna 1, 3; und auf den fall gesetzt, dasz ihr etwas lustiges darinnen antreffen.
Garg. 21
b; eine höle antreffen.
pers. rosenth. 1, 6; ein buch, so ich in der bibliothec angetroffen. 7, 13; ich traf ihn schlafend an, gleich zwischen diesen bäumen. Gellert 3, 327; ich bin ein verunglückter künstler, der seinen eigentlichen beruf nicht angetroffen hat. Tieck
Sternb. 2, 117; ich habe ihn nicht zu hause angetroffen, nicht die geringste spur von ihm angetroffen.
doch bezieht man antreffen
meist auf personen und zieht bei sachen finden
vor. Wie aber das pertingere in pertinere, das attingere in attinere übergeht, ist auch antreffen
ein betreffen
und angehen: ahd. trifet tih tero deheineʒ ana,
attingit. Graff 5, 527; trift es euch nit an?
fastn. sp. 20, 10; schande, die uns antrift. 30, 14; alles das das sein antrift. 277, 6; es trift an den seinen stam. 278, 30; trift euch die sach dan an? 541, 20; als vil das ungeistlich recht antrift. 887, 35; wiewol diese materia nicht antrift glauben, seligkeit, not oder gebot. Luther 1, 51
b; denn wo es uns angehet, sollen wir es leiden, aber wo es die lere antrift, die sol man verantworten und entschuldigen. 3, 241
b; denn es trift nicht das leben, sondern die lere
an. 4, 60
a; aufs erste sollen sie die warheit miteinander reden, das trift die lere
an. 4, 283
a; es treffe seinen leib oder recht
an. 4, 409
a; Paulus redet von Christen, die itzund gnugsam unterricht sind im glauben, und in dem das gott antrift. 4, 518
b; es treffe an gut, ehre oder was es sei. 4, 530
b; nu das trift die lehre
an. Luthers
br. 2, 547; es treff an leben oder sterben. 1, 597; so achten wir, es sei auch unser und treff auch uns
an. 2, 440; in geistlichen sachen, die ewiges leben antreffen. 5, 613; was seel, leib, ehr und gut antrift. Murner
schelmenz. 19, 10; das die gotseligkeit fürnemlich fürdert und antrift. Frank
chron. vorr. 1
a; die weil es antrift leib und leben. Alberus 160; die natur hat zween schweisz, den sie auszgibt, einen durch die poros, einen durch die emunctoria. der durch die poros auszgeht, trift die pestem nichts
an. Paracelsus 1, 371
c; so vil als gotts ehr rein trift
an. Fischart
ehz. 25; was den magen antrift.
Garg. 41
b; welche es auch zum gröszten theil antrift.
Garg. 67
b.
wir pflegen heute für dieses antreffen
meistens zu setzen betreffen,
anbetreffen oder angehen.
Aus lat. pertinere ad aliquem
entsprang franz. appartenir,
angehören und diese bedeutung hatte sonst auch antreffen: ein groszes viech, das ihn antraf. H. Sachs II. 1, 1
a; nirgends begehet man eine schalkheit lieber, als wann es (
die entwendete sache) geistlichen und gottesdienern gehöret oder antrift.
Simplic. 1, 245.
Anderemal bedeutete es aber etwas ausmachen, ausschlagen, franz. importer: das trift viel
oder wenig an,
macht viel oder wenig aus; alle ding insonderheit die etwas antreffen und zu bedeuten haben. Fischart
ehz. 25; dan es in (
ihnen) zu gewin antrift (
ausschlägt). Brant
narrensch. 191; dann diese sach und rechtfertigung trift nicht wenig
an. Ayrer
proc. 1, 12; weil diese sach treflich viel antreffe. 1, 13,
was doch wieder nah sich berührt mit angehen.
Stärkeres sinnliches angreifen, adoriri liegt in folgender stelle: wo die märker und die marke not antriffet.
weisth. 1, 515,
noth und gefahr an die mark geht, stöszt. vgl. anbetreffen,
betreffen.