zusagen,
v. ,
hat sich in der rechtssprache ausgebildet, wie besonders das mnd. zeigt. es ist da zunächst die förmliche anrede der dazu von rechts wegen berufenen person, die rechtsgültige aufforderung, dann die aufkündigung auf einen bestimmten termin, dann das erheben einer klage, in weiterem sinne einem etwas zur last legen, oder auch einen oder etwas einem als eigenthum zusprechen (
Sachsenspiegel III 42
H.),
dann festsetzen, bestimmen, und schlieszlich versprechen Schiller-Lübben 4, 586
b f. ähnlich, etwas weniger mannigfaltig im mnl. Verwijs-Verdam 8, 463—466.
geringer ist die bezeugung im mhd. Lexer 3, 1185
f., wo zu den belegen noch hinzugefügt werden kann: ist daz imant teil zusaget an einem gemessin berge, adir an stollen, adir lehen, adir lensschefftin H. Ermisch
sächs. bergrecht im ma. 59; Petro wart so zugeseit
Daniel 1080
H. jedenfalls ist die ausbildung im gebiet des rechtes deutlich, während das niederdeutsche als ursprünglicher bereich weniger gewisz ist. merkwürdig ist die untrennbarkeit der zusammensetzung bei Seb. Franck: dar zuosagten die Saxen und wollten im kein stund mer zil lassen (
sie sagten ihm auf)
chron. Germ. (1538) 115
b. II.
etwas jemand gegenüber aussagen. I@11)
etwas versichern, bekennen, bekunden: nun ich dir gancz zuosag, ein kriste und nicht mer ein jude ze sein Arigo
decam. 32
K. (
ähnlich 52; 122; 192
u. ö.); und will ewer liebe das frey und getrost zugesagt und angesagt haben, das wo yhr mir hierin gehorchet, on zweyffel nicht myr, sondern Christo gehorchet Luther 15, 27
W.; ja wenn wir medici allemal denen patienten gleich zusagen wolten, wie manchmal gefährlich diese und jene kranckheit wäre, so würden sie uns schlecht affectioniret bleiben Chr. Reuter
Schlampampes krankh. u. tod 130
ndr. formelhaft: das sei dir zugesagt
u. ä. Lindener
Katzipori 105
lit. ver.; nachtbüchl. 21
lit. ver. neuere belege: wenn ich mich zuerst ... auf den geist des werks selbst berief, der uns mit weissagender stimme zusagte: so etwas kann Macpherson unmöglich gedichtet haben! Herder 5, 160
S.; du und ich, ich und du, sagt das liebe paar sich zu Brentano 2, 577.
sonst nicht mehr üblich, auszer in der wendung einem etwas auf den kopf zusagen Lessing 10, 271
M. u. ö. I@22)
etwas für die zukunft in aussicht stellen: diese Judith, da sie höret, das Osias zugesagt hatte, die stad nach fünf tagen den Assyrern aufzugeben
Judith 8, 8; wie dann der prologus zuo hat gesagt Boltz
Terenz 85
a; nicht viel geringer dann ein khu ich (
der frosch) werden will, sag ich dir zu Erasmus Alberus
fabeln 199
ndr. einen kampf ansagen: man sagt, sie wern hertzog Hansen knecht von München, die uns doch kein feintschaft zugesagt hand
chr. dtscher städte (
Augsburg) 5, 282; so wöll wir Morholdt den kampf zusagen auf morgen frü, balt es ist tagen Hans Sachs 12, 145
K. I@33)
einem etwas böses nachsagen, zuschreiben: wer mich solchen morderischen geistern zugesellen ... will, das er mir solchs one warheit und nicht als ein redlich man
zusage Luther 15, 335
W.; darumb wo im ein lügen zugesagt wird, soll er (
der rechtschaffene mann) sie verantworten, so lieb ihm sein ehre sei
schöne weise klugreden (1548) 89
b; hilf gott, wie sol ich das ertragen, das man mir wil solch schand zusagen Rebhun 40
Palm. auch lob und ehre: wen du einem lob zuosagst, so lob in, das du in schelten magst Murner
schelmenzunft 25
ndr. I@44)
wie sonst zusprechen, dem weine zusagen: Spiridion liesz kostbare weine auftischen, und der arzt ... sagte fleiszig zu S.
Brunner erz. u. schr. (1864) 1, 356. I@55)
nordd. vom schüler, der dem mitschüler leise einhilft, gegen vorsagen (
Berlin)
und einsagen (
Östr.) Kretschmer
umgangsspr. 553. IIII. zusagen
bezeichnet ein förmliches versprechen, auf eine bitte oder aufforderung hin, auf das man sich verlassen kann, s. zusage: sagt man yemandt ettwas zu, so gibt man yhm die handt darauf Luther 8, 516
W.; nun zugesagt! (
date la mano) ... er hat mirs redlich zugesagt ... ich mag nicht mehr zusagen, als ich halten kan; etwas auf treu und glauben zusagen Kramer 2, 416
b. II@11) einem etwas zusagen: also wolten die von Nürnberg des frids nit zusagen ... und schriben herczog Heinrich den frid ab
chr. dtscher st. 2, 167 (
Nürnberg 1449); umb gelt sagen dir die pfaffen den himmel zuo Seb. Franck
sprichw. (1541) 2, 118
a; uber das hatte er auch einbehalten, was ihm an der besoldung zugesaget und vermacht war Buchholtz
Herkuliskus (1665) 424; ich kann itzt meine arbeit mit aller zuversicht zusagen Lessing 17, 423
M.; ein geleit, sicherheit, schutz, das leben zusagen.
eine handlung, leistung: die weil ich dem keyser denn zuogesagt, die übelthäter zuo straffen Jac. Frey
gartengesellschaft 98
B.; vadimonium promittere zusagen sich vor gericht einzustellen
nomencl. hamb. (1634) 519; dagegen darf ich nicht einmal mein schicksal beklagen, weil ich dir zugesagt habe zu schweigen und zu dulden Göthe 24, 37
W.; ich sagte ihm zu, dasz ich seinen auftrag vollziehen würde A. Stifter 5, 1, 167. II@22)
die erfüllung des zugesagten erfolgt zugesagtermaszen Göthe IV 37, 188; IV 41, 214. II@33)
in verbindung mit synonymen: desjhenigen was abgeredt, zugesagt, versprochen Fischart
binenkorb (1588) 209
a; das ich im versprach und zuosagt Wickram 1, 16
B.; Faustus hat in solchs verwilligt und zugesagt
volksb. v. dr. Faust 148
P.; was potentaten oder gantze völcker unter sich beliebt, geschlossen, zugesagt, versprochen und verbrieft, solches musz billig gehalten werden Schottel
ethica 571. II@44)
sprichwörtliches: zweyen herren dienst zuosagen, mit eym hund zwen hasen jagen, loben do und dorthyn klagen: das kan nit seyn durch grosze witzen Murner
schelmenzunft 32
ndr.; was einer bald geben kan, das sol er nit zweymal zusagen Petri 2, Yy 4
b; zusagen und halten steht wohl bey jungen und bey alten Pistorius
thes. paröm. 209; welcher zusagt, der hat seile an den hörneren Dentzler 368
b; Aler 2, 2273
a; zusagen macht schuld Gottsched
dtsche sprachk. (1762) 558
b; L. Winkler
dtsches recht im spiegel dtscher sprichw. 81.
oft angeführt. II@55)
besondere verwendungen: II@5@aa)
verheiszungen gottes: denn des herrn wort ist warhafftig, und was er zusaget, das helt er gewis
ps. 23, 4; denn got sagt zu, er wölle den gut thun, die yhn lieben Luther 26, 204
W.; hat gott nicht zugesagt, unter einem gläubigen volke seine wunder stets zu erneuern? Göthe 23, 281
W. II@5@bb)
von einem verlöbnis: als bald sie die lieb hat zugesagt und in ir hertz genomen, so ist inbrünstiger und steter die lieb der frawen Albr. v. Eyb
dtsche schr. 1, 13
H.; da die braud zugesagt ist worden et data malschatz Luther 34, 2, 339
W.; einem seine tochter zur ehe zusagen Kramer 2, 416
b; von der liebe haben wir nichts gesprochen: sondern nur von der ehe. die haben wir einander zugesagt Gottsched
dtsche schaub. 5, 336; ein wackerer bürger hatte seine tochter ... einem jungen soldaten zugesagt Göthe 45, 191
W. II@5@cc)
auf eine einladung: auf geschehene einladung zusagen Kramer; morgen haben wir zugesagt, bei einem fest der deutschen künstler zu erscheinen Moltke 5, 55; ich sagte natürlich zu und war um die bestimmte stunde auf dem weg nach der wohnung des bewunderten hofschauspielers J. Rank
erinnerungen 217
bibl. dtscher schriftst. aus Böhmen; und erhielt bereitwillig zusagende antwort H. v. Barth
Kalkalpen 154. II@5@dd) sich einem zusagen: mir sagt Pseudo halb sich zu, einem andern auch so viel Logau 303
Eitner; gott will ich lassen sorgen, dem ich mich zugesagt Paul Gerhard 3, 388
bei Fischer-Tümpel; Schmidtjusts dicker, dem sie sich zugesagt hatte, brauchte ... notwendig eine frau Sohnrey im
grünen klee 196. II@66) zusagen
im ggs. zum halten und erfüllen, s. zusage 2.
gern sprichwörtlich: (
der chirurg) sol nymmer mer zuosagen dann was er trawet zuo halten H. Braunschweig
chirurgia (1539) 2
a; unrecht zugesagt sol niemand halten Petri 2, Vv 4
a; zwischen zusagen und halten, worten und wercken ist ein groszer sprung Lehmann
floril. (1662) 2, 944; rühmlicher ists nichts zusagen als vertrösten 1, 6; sagt ers zu, so ists ja, soll ers halten, so ists nein, er hats ufs kerffholtz zugesagt
ebda (
vgl.kerbholz 1, f,
th. 5, 564); wann dir ein groszer herr etwas zusagt, so halt es für gnädige complementen B. Schupp
freund in der not 12
ndr.; zusagen ist edelmännisch, halten ist bäuerisch Schoch
studentenleben (1657) B 7
b; ein könig sagt nicht, wie gemeine menschen, verlegen zu, dasz er den bittenden auf einen augenblick entferne Göthe 10, 86 (
Iphigenie 5, 3)
W. II@77)
das ggth. zu zusagen
ist abschlagen,
s. th. 1, 103: ... wusten sy nicht, was inen dar inne zuo thun gezimen wolle, irem son sein bitte und beger abzuoschlagen oder zuzuosagen Warbeck
Magelone 6
B.; wo man nicht kan abschlagen, noch zusagen,
ambigue respondendum Lehmann
floril. (1662) 1, 5. II@88)
in der buchdruckersprache: anredetag ..., an welchem ... die buchdruckerherren ihre gesellen ... vorladen und ihnen entweder abschied geben, oder die condition wieder aufs neue halbe jahr zusagen Klenz 11
a,
s.zusage 5. II@99) das
zusagen, n., im sinne des späteren zusage
war besonders im 16.
jh. beliebt, schwindet aber schon im 17.: wider got bindt kein zuosagen, gelübt, eyd, oder gehorsam Seb. Franck
sprüchw. (1541) 2, 203
b; die bündtischen ... die kündten das erst zuosagen wider ab
chron. Germ. (1538) 220
b; damit man nit sprechen ... möcht, mein zuosagen und versprechen wer hinder dem wein und im schlafftrnck beschehen Wickram 2, 274
B.; glaubet der herr, dasz er auf unser versprechen und zusagen trauen werde? Gryphius
lustsp. 473
P. IIIIII. zusagen
ist entsprechen, zu etwas passen, sich fügen. III@11)
eigentlich: die thüren, fensters sagen auf einander zu Kramer-Moerbeek 441
a; eine solche ungleichheit wirt unter ihnen (
den perlen) mehrertheils gespüret, dasz man selten zwo findet, die einander durchaus in allen dingen zuosagen Heyden
Plinius 378; ein artiges sonnet, welches ich nebenst meiner ubersetzung (wiewol dieselbe dem texte nicht genawe zuesaget) hierbey an zue ziehen nicht unterlassen kan Opitz
dtsche poeterey 15
ndr.; diese ordinaten mögen die kräfte ausdrücken, die jeder abscisse oder entfernung zusagen Nicolai
lit. br. 2, 367; sie sagen der beschreibung so vollkommen zu, die mir herr von Drosigny von meiner braut gemacht hat, dasz mein irrthum verzeihlich ist Schiller 14, 153
G. nicht mehr üblich, wie schon Heynatz
sagt, '
ist nur von wenigen gebraucht worden'
antibarbarus 2, 680. III@22)
der art, dem wesen entsprechen, in dieser bed. allgemein üblich: muscatnuszbäume ... haben zwar schon frucht gebracht, der boden scheint ihnen aber nicht zuzusagen Ritter
erdk. 5, 65; da dieses stück ... figuren hat, die den schauspielern zusagen, so wird es wohl auf vielen deutschen theatern gegeben werden Göthe 40, 318
W.; indessen ist es eine dichtart, die meinem alter zusagt IV 26, 281
W.; ich bin ganz gesund geworden. die hitze sagt mir zu A. Ruge
briefw. u. tageb. 2, 378. III@33)
dem geschmack zusagen, gefallen: kein weibesbild sagt mir so zu ..., mein sinnentrost, als einig du Simon Dach
in Königsberger dichterkreis 59
ndr.; seine gegenwart sagte mir zu, da ein offner freier charakter aus wesen und thun hervorleuchtete Göthe II 6, 106
W.; hübsch ist sie wohl, doch sagt sie mir nicht zu 15, 84
W. (
Faust 6480); speisen, deren zubereitung dem europäischen geschmack ... nicht sehr zusagt Ritter
erdk. 3, 204; er ... brauchte überhaupt keinen umgang, wenigstens keinen, der ihm nicht zusagte v. Polenz
Grabenhäger 1, 50.
zusagend, adj., in der bedeutung von zusagen III: sintemal der menschliche verstand ... nicht zu begreifen weisz, wie die natur durch ein einiges rohr ... alle ... farben einflöszen und so wohl einander zusagend vermischen könne Lohenstein
Arminius 2 (1690), 428
a; bei einem vorzüglichen und gerade seiner nation zusagenden talent Göthe 45, 199
W.; hier bereitet er (
der kalk) den pflanzenwurzeln eine zusagendere wohnstätte Stöckhardt
chem. feldbr. 2, 34; die schwierigkeit, Baiern gegen seinen willen in eine ihm nicht zusagende reichsverfassung hinein zu zwingen Bismarck
ged. u. erinn. 2, 94
volksausg. —