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Wollust

ahd. bis spez. · 16 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Adelung
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Wollust

Bd. 4, Sp. 1610
Die Wollust, plur. doch nur von mehrern Arten, die -lüste, welches sowohl von der Empfindung, als von der Begierde darnach, und endlich von dem Gegenstande gebraucht wird. 1. Von der Empfindung, da es einen hohen Grad des sinnlichen Vergnügens bedeutet, und von mehrern Arten desselben auch den Plural verstattet. (1) Im engern Verstande bezeichnet es hier die höchsten Grade jedes ungeordneten sinnlichen Vergnügens, besonders dasjenige, welches mit der Vermischung beyder Gèschlechter verbunden ist. Der Wollust nachhängen. Sich allen Wollüsten ergeben, sich in allen Wollüsten wälzen. (2) In weiterer Bedeutung, der höchste Grad eines jeden, selbst erlaubten und mehr geistigen Vergnügens. Sein ganzes Herz zerfloß in Wollust. O was ist ein Umgang mit großen Herzen für eine Wollust! Gell. Seine süßeste Wollust ist, andern Gutes zu thun. Es sind Thränen der Wollust, die meine ganze Seele vergnügen, Gell. Die wahre Freude läßt den Menschen alle Wollüste des Lebens schmecken, alle die rührenden Wollüste, welche das Laster nicht kennet. Mir scheinet diese weitere Bedeutung ein wenig unschicklich zu seyn, weil doch dem Worte immer etwas von der ungeordneten Sinnlichkeit anklebt, welche in der folgenden zweyten Bedeutung noch merklicher ist. 2. Die ungeordnete Neigung zu den höchsten Graden des sinnlichen Vergnügens, besonders zu demjenigen, welches aus der unerlaubten Vermischung der Geschlechter bestehet; ohne Plural. In diesem Verstande ist es oft ein anständiger Ausdruck für das niedrige und harte Geilheit. Speisen, welche die Wollust erregen. Der Wollust pflegen, nachhängen. 3. Ein Gegenstand, welcher den höchsten Grad des sinnlichen Vergnügens gewähret; eine nur in den neuern Zeiten[] eingeführte Bedeutung. Es war eine Zeit, da ihr Nahme die Wollust meines Ohres war. Anm. Das Wort lautet schon im neunten Jahrhunderte Wollust, indessen gebraucht Kero noch Wunilust, Wonnelust, dafür. Es ist von wohl und Lust zusammen gesetzt, vermuthlich zu einer Zeit, da wohl noch als ein Adjectiv oder Substantiv üblich war, denn im Tatian heißt die Wollust nur Wolo. Wenigstens ist es ein sehr altes Wort, und dieses hohe Alter erhellet auch aus dem Baue desselben. In den ältesten Zeiten befolgte man bey der Ableitung und Zusammensetzung der Wörter die Regel, daß, wenn auf diese Art zwey Consonanten zusammen trafen, der vorher gehende Vocal geschärft wurde, weil dieser Satz eine der Grundregeln der Deutschen Aussprache ist. Wohl war für sich allein gedehnt; allein in der Verbindung mit Lust ward es geschärft, weil zwey l auf das o folgten, folglich Wóllust, da man denn zum Zeichen dieses geschärften Tones, nachmahls auch das h wegließ, ungeachtet die Abstammung es erforderte. Eben dieser alten Analogie folgen vḯerte, Vḯertel, von vier, Bürde von bären, tragen, díeß von dieses, fértig, Fúrt, von fahren, größte und groß, wáhrlich von wahr und hundert andere mehr. Da man in der Folge sahe, daß durch die Befolgung dieser Regel die nächste Abstammung zu sehr verdunkelt wurde, so verließ man sie, und opferte der Deutlichkeit und Klarheit die andere Regel auf, nach welcher zwey Consonanten den vorher gehenden Vocal schärfen. Allein, die einmahl gangbaren Wörter mußte man behalten, und so behielt man auch Wollust, ungeachtet es wider die neuere Analogie gebildet ist. In andern Wörtern behielt man die nächste Abstammung wenigstens in der Schrift bey, wenn gleich die Aussprache sie verlohren hatte, und so schreibt man noch wahrlich, vierte, Viertel, vierzig, dieß, u. s. f. ob man gleich alle diese Wörter geschärft, und nicht gedehnt spricht. Wenn zwey entgegen gesetzte Analogien zusammen treffen, so muß freylich die eine weichen, und das macht denn die Ausnahmen in den Sprachlehren.
3714 Zeichen · 36 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    wollustst. F. (i)

    Köbler Ahd. Wörterbuch

    wollust , st. F. (i) nhd. Wollust, Genuss, Wonne, Ergötzung ne. lust (N.), enjoyment ÜG.: lat. (deliciae) Gl, (paradisus…

  2. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    wolluststm. stf.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +3 Parallelbelege

    wollust stm. stf. 1. lust, freude. ân arebeit wollust lop und êre besitzen Bon. 4,33. die rehten vrewen sich vor gotes a…

  3. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    wollustM., F.

    Köbler Mnd. Wörterbuch

    wollust , M., F. nhd. Wolllust, hohe Freude, Herzenslust, Genuss, Wohlleben, Begier Hw.: s. wolluste, wollüstichhēt; vgl…

  4. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Wollust

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Die Wollust , plur. doch nur von mehrern Arten, die -lüste, welches sowohl von der Empfindung, als von der Begierde darn…

  5. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Wollust

    Goethe-Wörterbuch

    Wollust [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  6. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Wollust

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57)

    Wollust sinnliche Luft, Geschlechtslust.

  7. modern
    Dialekt
    Wollust

    Schweizerisches Idiotikon · +1 Parallelbeleg

    Wollust Band 3, Spalte 1476 Wollust 3,1476

  8. Sprichwörter
    Wollust

    Wander (Sprichwörter)

    Wollust 1. Auf Wollust folgt Vnlust. – Petri, II, 809. Engl. : After sweet meat comes sour sauce. Frz. : La volupté port…

  9. Spezial
    Wollust

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Wol|lust f. (-, ...lüste) 1 plajëi (-s) m. 2 godimënt (-nc) m. ▬ etw. mit wahrer Wollust tun fá valch cun gran plajëi; f…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit wollust

76 Bildungen · 74 Erstglied · 1 Zweitglied · 1 Ableitungen

Zerlegung von wollust 2 Komponenten

woll+ust

wollust setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

wollust‑ als Erstglied (30 von 74)

Wollustarm

Campe

wollust·arm

◬ Der Wollustarm , — es, Mz. — e , Arme, von welchen umfangen man Wollust empfindet, Wollust genießt. Stürzt er in der holden Zaubrerinn San…

Wollustathmend

Campe

◬ Wollustathmend , — er, — ste , adj . 1) Wollust, d. h. die Empfindung des höchsten sinnlichen Vergnügens athmend, oder habend und ausdruck…

wollustatmend

DWB

wollustatmend , part. adj. , s. Campe 5, 770 a ; in den jahrzehnten vor und nach 1800 sehr geläufig, gelegentlich auch jünger noch. 1 1) in …

wollustbahn

DWB

wollust·bahn

wollustbahn , f. , bahn des ( lasterhaften ) genuszlebens, zu wollust A 2 c : wil die welt mein hertze führen auff die breite wollustbahn Jo…

wollustbar

DWB

wollust·bar

wollustbar , adj. , ( sinnliche ) lust bringend, wollüstig, nur älter: das des andern untugendlichen, müsigen, wollustbaren wegs end und bes…

wollustbarkeit

DWB

wollustbar·keit

wollustbarkeit , f. , älternhd. und bis in die erste hälfte des 18. jh. neben wollust und in verschiedenen bedeutungen dieses wortes. 1 1) z…

wollustbarlich

DWB

wollustbar·lich

wollustbarlich , adj. , in ähnlicher verbreitung wie das vorige und in entsprechender anwendung ' freude bringend ': wollustperliche parmher…

Wollustbeben

Campe

wollust·beben

◬ Wollustbeben , v. ntr . vor Wollust beben, vom heftigen Gefühl der Wollust ergriffen werden; in gutem und üblem Verstande. Sonnenberg. D. …

wollustbecher

DWB

wollust·becher

wollustbecher , m. , becher, den die wollust reicht, oder aus dem man wollust trinkt, s. Campe 5, 770 b und Schiller unter wollust A 2 c δ ;…

Wollustbett

Campe

wollust·bett

○ Das Wollustbett , — es, Mz. — en , ein Bett, auf welchem man der Wollst pflegt. »— ein Sänger des Monds — der in den Lorbeerkranz den gera…

wollustbett(e)

DWB

wollust·bette

-bett(e) , n. , ' bett, auf welchem man der wollust pflegt ' Campe 5, 770 b : nicht ... im weinglas, nicht im wollustbett Dannhawer catech.-…

wollustbild

DWB

wollust·bild

-bild , n. , zum erotischen gebrauch wollust D. umschreibend für einen wollüstigen oder wollust weckenden menschen: ja, das kind, so ich erl…

wollustchrist

DWB

wollust·christ

wollustchrist , m. , der weltlust, dem wohlleben ergebener christ: wollustchristen ... man immer auff den händen tragen musz Dannhawer catec…

wollustdiener

DWB

wollust·diener

wollustdiener , m. , wollüstling; mancipium luxuriae Stieler (1691) 315 ; er war oft ... so elend, dasz er erschöpfte wollustdiener ... um i…

wollustec

Lexer

wol·lustec

wol-lustec adj. BMZ lust erweckend, reizend. er was wollusteg an gescheine Elis. 3159. ir wart ein dochderlîn geborn von bilde zart, wollust…

wollusten

DWB

wol·lusten

wollusten , vb. , im 15. und 16. jh. neben häufigerem wollustigen ( s. d. ): deliciare wollusten Diefenbach gl. 171 c . ' gefallen haben ': …

wollusteⁿ

Idiotikon

wollusteⁿ Band 3, Spalte 1477 wollusteⁿ 3,1477

Wollustfeier

Campe

wollust·feier

○ Die Wollustfeier , o. Mz . das Dienen, Fröhnen der Wollust, Genuß der Wollust. — — hier tobeten Kriege, Wollustfeier war dort — Sonnenberg…

Wollustfülle

Campe

wollust·fuelle

○ Die Wollustfülle , o. Mz . Fülle der Wollust. Eine Ewigkeit durch in Wollustfülle zu schwelgen. Sonnenb.

wollustgarten

DWB

wollust·garten

wollustgarten , m. , speziell für ' paradies ', s. wollust A 1 d α und wonnegarte: es war ... der paradiessgarten ... ein rechter wollustgar…

wollustgefühl

DWB

wollust·gefuehl

-gefühl , n. , zu wollust B 3: das werck meines freundes, dessen immer steigendem ruhm ich mit einer art von wollustgefühl zusehe Lichtenber…

Wollustgenuß

Campe

wollust·genuss

Der Wollustgenuß , — sses, Mz. — genüsse . 1) Der Genuß der Wollust; ohne Mehrzahl. 2) Ein wollüstiger, ein mit Wollust verbundener Genuß.

wollustgenusz

DWB

wol·lustgenusz

-genusz , m. : unser höchster wollustgenusz führt einen anschein von klagen und seufzen mit sich Bode M. Montaignes ged. u. mein. (1793) 4, …

wollustgier

DWB

wollust·gier

-gier , f. : di Zampogna atmete ... wilde wollustgier Nachersberg giftbecher (1798) 215 ; vgl. 156; Herder 26, 261 S.; was der scharfsinn nu…

wollustgöttin

DWB

wollust·goettin

-göttin , f. : Volupia, Angerona Aler dict. (1727) 2, 2212 a . für Venus: leiden, welche sie ( Psyche ) auf anstiften der beleidigten wollus…

wollusthaus

DWB

wollust·haus

wollusthaus , n. , domus laetitiae: also ward er ( kaiser Wenzel ) zu Wien in gar schönen wollustheusern gefangen behalten ( weil er üppiges…

Wollustheiß

Campe

wollust·heiss

◬ Wollustheiß , adj . u. adv . heiß von Wollust, von Wollust erhitzt. Ein Stöhnen steigt aus der wollustheißen Brust. Wenn von deinem wollus…

wollustheisz

DWB

-heisz , adj. und adv., ' von wollust erhitzt ' Campe 5, 770 b : meine muse fühlt die schäferstunde, wenn von deinem wollustheiszem munde si…

wollust als Zweitglied (1 von 1)

Ableitungen von wollust (1 von 1)

wolluste

KöblerMnd

wolluste , sw. M. nhd. Wolllust, hohe Freude, Herzenslust, Genuss, Wohlleben, Begier Hw.: s. wollust; vgl. mhd. wollüste E.: s. wollust W.: …

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APA
Cotta, M. (2026). „wollust". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 10. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/wollust/adelung
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Cotta, Marcel. „wollust". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/wollust/adelung. Abgerufen 10. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „wollust". lautwandel.de. Zugegriffen 10. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/wollust/adelung.
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