walzen,
verb. sich drehen, rollen, walzer tanzen, auf der wanderschaft sein, mit der walze bearbeiten. 11)
das wort gehört zu den zahlreichen, unter walen
besprochenen bildungen, die auf eine indogerm. wurzel vel '
drehen'
zurückgehen. in der bedeutung schlieszt sich walzen
am nächsten an walen,
walgen, walken
an, indem es ursprünglich ein hin- und herbewegen eines gegenstandes gleich über einem andern bezeichnet, während wallen
im gebrauch verallgemeinert ist (
doch ist das zugehörige mhd. wellen '
wälzen'). walzen
ist von der wurzel mit einer consonantischen erweiterung (
idg. d)
gebildet, die sich auch in dem adj. anord. valtr,
ags. wealt '
unbeständig'
zeigt. das hd. wort, das im mhd. der klasse der reduplicirenden verba angehört (
praet. wielz,
part. gewalzen),
läszt sich erst von 1100
an sicher nachweisen (
die von Graff 1, 791
unter walzan
aufgeführten formen werden eher zu walzjan
gehören, s. unten);
ein gewöhnlich dazu gestelltes ags. wealtan (
daneben das schwach flectirende wieltan)
ist unbelegt, mengl. walten Stratmann - Bradley 666.
dagegen heiszt es im anord. mit abweichendem vocal velta (
praet. valt) '
sich wälzen' Fritzner 3, 906,
daneben das schwache verb. velta
in transitiver bedeutung, jetzt schwed. välta,
dän. velte.
im got. kommt nur waltjan
vor, das aber intransitiv gebraucht wird (wêgôs waltidêdun in skip),
daneben das transitive uswaltjan.
möglicherweise ist das reduplicirende walzen
als neubildung zu betrachten für ein älteres ahd. *welzan
unter einflusz des schwachen verb. walzô
n. im mnd. fehlt das verb. ganz und kommt nur weitergebildet als waltern, woltern, weltern
vor, vgl. auch wentelen
aus *weltelen. —
das verhältnis von walzen
und wälzen
ist schwankend; dasz walzen
intransitiv und wälzen
transitiv ist, kann nur für das mhd. im groszen und ganzen gesagt werden. im ahd. fehlt jede spur eines intransitiven walzan,
wol aber kommt walzôn '
volutari'
vor Graff 1, 793.
die transitiven formen: volvit, walzit Steinmeyer-Sievers 2, 194, 72
und, in übertragenem sinn, deliberando, walzanto
vel denchento 2, 166, 5
werden ihrer bedeutung wegen zu walzjan
zu stellen sein. in der Wiener genesis (2,
c)
haben wir dann abe wielz
mit dem acc. im mhd. ist zwar walzen
ganz überwiegend intransitiv, doch kommt es zuweilen auch transitiv vor, wie andrerseits auch welzen
intransitiv gebraucht werden kann (
eine 3.
sing. welzet
bei K. v. Megenberg 55, 11
u. ö. H. v. Meiszen 325, 7. Hugo v. Langenstein 211, 65.
meisterlieder 139, 28
Bartsch kann zu walzen
gehören; walzet
steht kaiserchronik 554. 3548,
bei K. v. Würzburg
und seit dem 15.
jahrh.).
im ältern nhd. wird zwischen walzen
und wälzen
kaum ein unterschied gemacht (
auch Luther
verwendet sie in gleicher bedeutung),
wie auch die wörterbücher bis auf Rädlein, Ludwig, Kramer
die beiden formen neben einander anführen. die vermischung der verba wurde dadurch befördert, dasz walzen
das starke praet. aufgab (wielz
kommt zuletzt bei Herm. v. Sachsenheim, Joh. Rothe, H. Sachs —
bei diesem neben walzte —
vor), walzte
konnte sowol zu walzen
als zu wälzen (
als rückumlautend aufgefaszt)
gestellt werden; länger hat sich das part. gewalzen
erhalten (
bei Hohberg 2,
c und noch jetzt bairisch Schmeller 2, 911).
mehr und mehr wird walzen
durch wälzen
zurückgedrängt, das dann auch intransitiv gebraucht wird. Adelung
kennt walzen
in seiner ursprünglichen bedeutung nicht mehr (
nur in der redensart den teig auswalzen
möchte er walzen
für wälzen
nehmen);
eine ausnahme machen verbindungen mit dem part. praes. wie walzendes grundstück (2,
a, ι).
sonst kommt walzen '
sich wälzen'
noch vereinzelt bei Wieland, Voss, Zelter, Campe
vor (
mundartliche reste s. 2,
a, λ).
von dem intransitiven walzen
haben sich aber zwei bedeutungen abgezweigt, die noch jetzt lebendig sind, die gegen ende des 18.
jahrh. aus Oberdeutschland vordringende von '
walzer tanzen'
und die litterarisch spät auftretende von '
auf der wanderschaft sein',
die besonders der handwerksburschensprache angehört und auf der in mundarten verbreiteten bedeutung '
schlendern'
beruht. —
eigentlich ein ganz anderes wort und junge ableitung von walze
ist walzen '
mit der walze bearbeiten'. 22)
während walen
und walgen
nur landschaftliche verbreitung haben und auch das abgeleitete wälgern
nicht viel boden in der schriftsprache (
vom md. aus)
gewinnt, gehören walzen
und wälzen
der allgemeinen sprache an. damit hängt auch zusammen, dasz sie mehr als die genannten wörter in übertragenem sinn gebraucht werden. walzen
zeigt noch im älteren nhd. reiche verwendung. es ist dabei von dem im mhd. gewöhnlichen intransitiven gebrauch auszugehen; daran mag sich der im älteren nhd. nicht seltene reflexive, schlieszlich der transitive gebrauch anreihen. 2@aa)
intransitives walzen. 2@a@aα)
sich drehend hin und her bewegen. allgemein, dem liegen
und stehen
entgegengesetzt: ich hân bî mangem valze gehalten wol durch hœren; doch was mîn sin, eʒ walze, eʒ lige, eʒ stê, daʒ sol ich niht zerstœren. Hadamar v. Laber 212
Stejskal. von menschen und thieren: inn den gedancken schwer wiltz ich lang hin und her, verwicklet hart und tieff, bisz ich darinn entschlieff. H. Sachs 4, 153, 21
Keller; der selb ein nacht nit schlaffen mocht, walzt im pet hin und here.
fab. u. schw. 4, 461, 4
Götze-Drescher; im stroh herum waltzen oder in einem sanfften bett schnarchen. Schupp
schriften 69; hüpft doch das lamm auf der weid' und stampft das füllen und walzet! Voss
Luise 3, 443.
mit richtungsbestimmungen: es dorft auch kainer in den (
geweihten) wald gên, es wären im dan die hend auf den rucken punden. ... und ob ainer ân alles gefär fiel, dorft er kainswegs wider aufstên, muest herausz walzen. Aventin 4, 131, 10
Lexer; er (
der kranke) walzet von eim bet zum andern und fürt ein sollichen jamer, das mir bei im angst war in der stuben.
Zimmerische chron.2 4, 155, 35; hertzog Georg zu Sachsen were
oben auff dem berge gestanden, aber der berg war eingefallen und hertzog Georg war zu ihm herab gewaltzet. Luther
tischr. 154
b; der wurm waltzt auff ihn hin und har und lecket ir wunden und bluot. Wickram 7, 121, 146 (
met. 3, 56)
Bolte; gleich darauf sahe ich eine grosse häszliche krott dorther waltzen.
Simpl. schriften 3, 423, 27
Kurz (
vogelnest 1, 20).
vom menschlichen gang gebraucht, kann es ein unsicheres oder ein gespreiztes gehen bezeichnen: hin slaffen süll wir (
die trunkenen) walzen. Osw. v. Wolkenstein 42, 33
Schatz; sie ... gehen eynher mit auffgerecktem halse ... darumb weltzet und watzet (
l. walzet), schlumpet und pranget eine immer über die ander, beyde mit dem tritt, und auch mit dem schmuck. Joach. Westphal
hoffarts - teuffel, theatrum diabolorum 2, 22
a; dasz sie kaumet die füsse fort setzen köndte wie unsere faule, zarten schlumpmetzen, die daher waltzen, und die gassen mit ihren vielen dicken kleydern kehren. 2, 46
a.
von thieren: walzender gang, eine der kreuzdrehe beim schafe ähnliche gangart bei pferden, die infolge von schwäche in den lendenmuskeln die kruppe schwankend hin- und herbewegen. Höfler
krankheitsn. 183
b (
aus Falke
univ.-lex. der thierarzneik. 2, 426).
übertragen von der stimmung oder gesinnung: schickt sich doch offt, sam wolts geschehen, und liesz denn kürtzlich sich ansehen, sam ob es gar unmüglich wer, also waltzet ich hin und her, thet zwischen himel und erden schweben ... ietzt ich frölich, denn trawrig war. H. Sachs 7, 284, 13
Keller; will nun jemand auff breitem fusz stehen und nicht hin und her waltzen oder sich ein jeden wind weben und regen lassen. Mathesius
historie Christi 2 (1571), 122
a. 2@a@bβ)
hin und her flieszen, von wassermassen: mit druckenden vlagen, der wint sich uffeʒ schif lieʒ ... die walzenden unden trugen sie so hohe enpor, unz si allebendec quam hervor.
passional 644, 30
Köpke; alles ... kam am bord und schrie uns ein freudiges hurrah entgegen, das sich mit dem heulen des windes und walzen der wogen recht harmonisch machte. Zelter
an Göthe 354 (3, 144).
mit richtungsbestimmungen: vil eyn grosser regen umbe Salza .., das is sich also grosz yn der myle wegs pobir den Ufhoufen yn dem grunde machte, das is wiltz also eyn groszes husz adir eyn bergk uf Salza. J. Rothe
düring. chron. 712; als ... die vom gebirge herabwaltzende fluth 4 teiche abgerissen. Ch. Lehmann
Oberertzgebirge (1699) 66; das hochwasser kommt angewalzt (
Leipzig).
auch von dingen, die im wasser bewegt werden: duo wurfin sîn ungetrûwe man die kettinin in daʒ meri vram. si quâdin 'obi du wollis sihen wunter, so walz iemir in demo grunte'.
Annolied 220
Rödiger; duo sah (
auf dem meere) der wunderlîche man ain tier vur sich gân ... daʒ was ein grôʒ wunder; vil dike walzit iʒ umbe.
kaiserchronik 554
Schröder; o herri got, dein hilf tuo senden dem deinen christenlichen pluot, das iezo schwept in jamers fluot! es walzt als so es wöll versinken, o herr, nun lasz uns nit ertrinken! Liliencron
hist. volksl. 2, 126, 19 (1471); da sie (
die töpfe) nun walzten in dem bach. Waldis
Esopus 1, 96, 6.
von dingen im kochenden wasser: wie wirds euch dann ankommen, im feuer ligen ... im feuer schwitzen, im feuer waltzen, und sieden wie die arbes im topff. Abr. a S. Clara
reimb dich (1702) 137 (
lösch - Wienn).
ähnlich von dunstmassen: ich prüeve, daʒ diu milde ein kranz ist rehter tugende gar ... dem argen ist si wilde, si welzet vor im alse ein twalm. H. v. Meiszen
sprüche 325, 7
Ettmüller; eʒ kümpt auch ze stunden, daʒ der vaiʒt dunst zesamen gewalzen ist als ein kugel. K. v. Megenberg 78, 5. 2@a@gγ)
in cirkulirender bewegung sein, von einem rad: was von menschen händen gebauet, auf einem walzenden rade liget, kan nicht bestehen: es mus über und über gehen. Butschky
Pathmos 478; swie diu schîbe sinewel beginnet walzen hin ze tal. K. v. Würzburg
Pantaleon 1553 (
zeitschr. f. d. alt. 6, 237); kund ich in den vier schîben walzen, die Ezechiel sach umbe gên, sô müeste ich mich verstên vil wîsheit, der ich niht enweiʒ. kæme ich mitten in ir kreiʒ, die wîl die schîben umbe liefen, sô wolde ich mich darin versliefen. Lamprecht v. Regensburg
tochter Syon 2691
Weinhold. vom glücksrad und übertragen vom glück selbst: der sælden anegenge belîbet niht an einer stat. jô walzet ir gelückes rat vil stæteclîche ûf unde nider; her unde hin, dan unde wider loufet eʒ spât unde fruo. K. v. Würzburg
troj. krieg 2350
Keller; gelücke ist gar ein wildeʒ lôʒ, daʒ dicke walzet an und abe. sô maniger wænet, daʒ sich habe heil unde sælde z'ime geleit, sô nâhet im unsælikeit. 18401; gelücke daʒ ist sinewel, eʒ welzet swar eʒ wil.
meisterlieder 139, 28
Bartsch; wie das spiel des kriegs sich end und wo hin das glück mit sieg waltz. S. Franck
kriegsbüchlin des friedes 88
a; weil uns zusetzet uberal jammer, angst, forcht, schad und unfal, so bey uns waltzet solch unglück beiden noch schwerer auf den rück ... H. Sachs 20, 222, 12
Keller-Götze; so das waltzent glück umbschlegt. S. Franck
kriegsbüchlin des friedes 69
a; ob das waltzendt glück eim gleich bey-steht in allem stück. H. Sachs 13, 527, 19
Keller-Götze (
vgl. das gedicht das waltzend glück 4, 157
Keller); dann wie sich das aprillen wetter erzeiget je lenger, je unstätter, also das waltzend unstät glück stöszt alles hinder sich zurück. Frischlin
Wendelgard 1, 3.
von der himmlischen bahn der planeten und dem himmel selbst: di begunden ouh chunden von dem liechten sunnen, wî er loufe in sînem circulo, in zodiaco, dî twerehes umbe walzet. Hartmann
vom glouven 383
v. d. Leyden; und ir (
der planeten) iegelîh bisunder walzet allumbe unde muoʒ ir zît durh gâ
n. kaiserchronik 3548
Schröder; daʒ die siben stern (
die planeten) von in selber walzend sint in irn aigen himeln. K. v. Megenberg 68, 16; der êrst und der obrist (
himel) stêt still und welzt nicht. ... der ander himel ... welzt in tag und in naht ... ains mâls umb und umb daʒ ertreich. der dritt himel ... welzt widerwarts von der sunnen underganch gegen der sunnen aufganch. 55, 11. 18. 22; wie wol auch Nauclerus ausz dem umblauff und waltzen des himmels etwa ein verendrung in landen geschehen acht, dasz etwa ein fruchtpar landt unfruchtbar und wildt werde. S. Franck
teutscher nat. chron. (1539) 3
b. 2@a@dδ)
rollen, kollern, von rundlichen gegenständen, gern mit richtungsbestimmungen: vil ROemer haben dise zeit ein guldin kugel an dem himmel gesehen, und von dem himmel bisz auff die erden waltzende lauffen. S. Franck
chronica 74
b; aber nit lang darnach waltzet die kugel des glücks umb. 244
b; darumb so seind sie (
die sterne) kugeln, die da für und für waltzen und walend, wie sie von der hand gottes geworffen werden. Paracelsus
op. (1590) 8, 193; swâ noch der apfel walzet hin, er dræjet nach dem stamme sî
n. K. v. Würzburg
troj. krieg 632
Keller; ich mit meiner hülff thet schaffen, das der apffel lauffen thet fürbasz. dieweil er also gewaltzet hett, er sie an dem lauff irren thet. Wickram 8, 81, 1251 (
met. 10, 667)
Bolte; (
die gränze geht) vom Pognhorn über an daʒ Sontaghorn, daselbs wie stain walzt und waszer rint, vom Sontaghorn an in die Vischpachwandt.
österr. weisth. 1, 243 (
Salzburg) (
vgl.walgen oben sp. 1232); dasz er den groszen schweren stein, der imer wider walzt herein, so oft den berk musz welzn hinan, wie oft der rabwarts laufen kan. Schade
satiren 1, 137, 396; eyn waltzend steyn moset nicht. Luther
bibel 1, 606
Weim. ausg. (
randbem. zu sprüche 27, 8
in der Berliner handschr. 1523/24); dasz der arme münch uff einer seiten lage, die füsse in die höhe, und sein schachtel uff der andern seiten die staffeln hinunder waltzet bisz zur erden. Philander (
Leyden 1646) 5, 43; daʒ heubt von sente Paulo wilz in eine grube hin.
passional 194, 84
Hahn; wa ist mein fusz, wa meine stirn (
sagt der trunkene), oh, mein kopff waltzet auff der erden. Weckherlin 1, 517
Fischer. auch von den herabrollenden thränen: vil trahen haiʒ gesaltzen, die man uʒ augen waltzen sah ber rOeselohtiu vel. Joh. v. Würzburg
Wilhelm v. Österreich 5238
Regel; ir wangen bleich und sal die zeher wiltzen (
var. walgeten) zu tal. H. v. Neustadt
gottes zukunft 3808
Singer. wie rollen
vom augapfel: petus (
d. i. paetus '
schielend'), walzend augen.
voc. opt. 41. (
von Höfler
krankheitsn. 23
a falsch erklärt.)
von '
rollen'
aus erklären sich auch bildliche wendungen: min muot ist niht sinwel, von Criste eʒ niht welzit. sin minne het versmelzit mine liplichen vorhte. Hugo v. Langenstein
Martina 165, 19; manic man gêt uf êren valze hoh en bor, als ob er waltze, dem rehte êre doch nie wart bekant. Hugo v. Trimberg
renner 930. walzen lassen: ewre reden lasst ir walzen, so ir zusamen kumpt, das sich oft ainer ruempt, das im nit halb geschehen ist. graf Gottfried Werner von Zimmern
in der Zimmerischen chron.2 4, 225, 1. 2@a@eε)
von einer last: und brachte seine entfernung der Danede eine neue sorge, als auf die nun alle last walzete, sich gegen ihrem vatter ... in gute verfassung zu stellen. Anton Ulrich v. Braunschweig
Aramena 4, 115. 2@a@zζ)
übertragen ist dann walzen (
vgl. oben γ vom glück) '
veränderlich, unbeständig sein'.
zunächst in bildlichen wendungen: es ist lust, glust, eer uff den dingen stilston, die nit mögen bleiben, es waltzet als under den füssen. Keisersberg
brös. 1, 59
a; was ist es nuon wunder, dasz ietzt ausz der wsten wildtnus Germanie ein paradeisz ist worden, und sich das plAetlein umbkert hat. es muosz doch alles in seinem centro umbgehn, und auff einer kugel waltzen, was gewesen ist, das nimmer sei, und wider werd. S. Franck
teutscher nat. chron. (1539) 4
a.
ferner: wîle unde stunde walzent allumbe, si megen uns lîhte entrinnen; woltest dû dîner sêle gewinnen ain êwige haimuot, ... gewunnest dir ain gruntfeste.
kaiserchronik 3642
Schröder; nu han ich iu gemachen kunt die zit die jungsten stunt, wie der welte froude welzit und wie si wirt versmelzit von des fiures starken brunst. Hugo v. Langenstein
Martina 211, 65; laster und êre, verlust, gewin waltzent in diser werlde unstete. Hugo v. Trimberg
renner 3763; die neun geschmeck auch teglich umb walczen im eling stand, pey arm und reichen. H. Sachs
fab. u. schw. 1, 55, 6
Götze; das schwert (
des engels im paradies) was feürin und waltzend oder kerlich ... auch ist si (
die hoffart) walzend und kerlich, wann si pfligt sich in mancherley weis zuoverandern, zuoverkern. Keisersberg
siben schwerter aa 4
b; hencken wir uns an disz elend, walzend, hinfellig, creaturisch wesen und leben und bestehn als butter an der sonnen. S. Franck
sprichw. 1, 95
a. 2@a@hη) walzen
mit einer richtungsbestimmung in übertragenem gebrauch kann '
sich wohin wenden, wozu gelangen'
sein: gert ir mîner minne, wie habt ir minne an mich erholt? ... lât walzen iwer kranken gir ûf ander minne dan ze mir. W. v. Eschenbach
Parz. 510, 7; so waltzen doch ihre begierden in eytel bluot, mord und krige. S. Franck
kriegsbüchlin des friedes 47
b; do bereite ouch sich hêr Gâwân als ein kampfbære man hin für den künec von Ascalûn ... gein sorgen wielzen sîniu dinc. W. v. Eschenbach
Parz. 335, 30; ein wile sprach sie ja, ein wile nein, sie was herte als ein stein. do ir gemute an also manic ende wieltz, und ir daʒ herze smielz als das wachs, gegen dem fiwer ...
Koloczaer codex 223; ob wir nun auch müssen solch ärgernisz sehen, wie sollen wir ihme thun? gott wil die leute vexiren. wirds nun auf mich waltzen, so will ich inen die nehrlichste wort geben. Luther
tischr. 330
b.
daraus erklärt sich wol walzend '
sich verbreitend',
das noch in neueren quellen erscheint: sein (
Alexanders) walzender triumf zermalmte tausend städte, zertrat die halbe welt. Wieland 9, 8 (
Musarion 1); ein walzendes getöse '
welches sich umher verbreitet'. Campe.
vgl.wälzen 2,
c am ende. 2@a@thθ) walzen
kann auch '
verlaufen, vor sich gehen'
sein: ein rat huldet geleich bebstlichen gewalt und kurfürstlicher wal und hat in seinem fürnemen einen guten grund: es waltz die sach wohin sie wöll, so weisz ein rat sein ere bewaren ... es neme ein ende wie es wöll, so haben die ratgeben von Nurenberg ein groszen namen. Meisterlins
Nürnberger chron., d. städtechron. 3, 139, 4 (1488); eʒ muoʒ nu walzen als eʒ mac: etswenne ouch hôhes muotes tac mit freuden künfte sît erschein. W. v. Eschenbach
Willehalm 12, 1; wer ein lant mit richeit wol berihte und het eʒ wol erbowen, eʒ wer niht gut ob ers darnach vernichte. waʒ danne eʒ muʒ nu waltzen mit freuden so mit trouren, den heilen disen haltzen ...
jüng. Titurel 3685
Hahn. 2@a@iι)
auf walzen
in der bedeutung '
veränderlich sein'
geht das part. walzend
zurück, das in bestimmten verbindungen in der rechtssprache anwendung fand und z. th. noch jetzt üblich ist. 2@a@i@11)) walzende güter, walzende grundstücke, walzende stücke,
die an die erben ohne unterschied gleich getheilt wurden und nach belieben veräuszert werden konnten, im gegensatz zum geschlossenen besitz: walzende oder theilbare güter.
M. Zeiller
episteln 4, 398. Zinke
ökon. lex. (1753) 2903; walzende stücke,
alias teilbare güter
vocantur praedia allodialia, quod dividi et alienari queant. Stieler 2421; waltzende stücke,
bona allodialia, quae ad quosque heredes devolvuntur. Hayme
jurist. lex. 1293. Adelung; walzende grundstücke. Schmeller
2 2, 911.
F. B. Weber
ökon. lex. (1838) 633
a; walzendes grundstück, wandeläcker. Bruns
volkswörter der provinz Sachsen 26; dasz fürohin einem unterthane und lehen-manne, welcher gemeine zins-lehen oder auch erb-zins-lehen und güter, und walzende stücke besitzen, nicht höher, dann auf das drittel des werth ... ein consens ... ertheilet ... werden solle.
corpus const. Brandenb. - Culmbac. 2, 1, 244; immer neue linien entstehen und verschwinden wieder, die thüringischen lande sind in ewiger bewegung wie die walzenden grundstücke einer dorfflur; in anderthalb jahrhunderten wechselt die herrschaft Römhild fünfmal ihren herrn, mit jeder neuen theilung verwirren und verfitzen sich die grenzen. Treitschke
d. gesch.2 2, 396; man findet auch einige landstriche, z. b. das Gartethal, theile des amtes Eimbeck, ... in welchen sich grosze höfe nach sächsischer sitte mit festem kern erhalten haben; walzend war nur ein theil des grundbesitzes. Schlitte
die zusammenlegung der grundstücke 2, 537.
ähnliche walzende feldlehne '
güter, deren besitzer dem herrn einen järlichen zinsz entrichten, fronen leisten, bei kauf- und veränderungsfällen den ehrschatz bezalen und die öffentlichen abgaben entrichten'. Estor
teutsche rechtsgelahrtheit 1, 801. 2@a@i@22)) walzende frohnen '
die als realdienste den gegensatz der persönlichen bilden, indem sie auf dem gute selbst haften, nicht persönlich sind'.
F. B. Weber
ökon. lex. suppl. (1844) 81
a (
aus Hessen und Baden). 2@a@i@33)) walzendes geschosz,
abgabe, die nicht dauernd an einem besitz haftet, sondern mit dem besitzer wechselt: nachdem die heuser oder güter zu Roszwein nicht stehend, besondern waltzend geschosz haben. Knauth
Altzellische chronik 8, 297. 2@a@i@44)) walzende gerichte '
zum unterschiede von den erbgerichten
diejenigen dorfgerichte, wo das richter- und schöppenamt der reihe nach wechselt'. Krünitz 233, 293. Adelung. 2@a@i@55)) walzende schöffen,
d. i. wechselnde, im gegensatz zu den lebenslänglichen: es sitzen zwölf schöpfen an diesem gericht, die geben: Helmitzheim 2, so gemeiniglich bei dem examen sein und müessen ir lebtag an der zent sitzen. Marck-Einersheim 2 ... disz seind walzende schöpfen, so alle peinliche gerichtstäge an der zent mit iren schultheisen erscheinen müessen. Knapp
die zenten des hochstifts Würzburg 1, 1, 548 (1576). 2@a@kκ)
die bedeutung '
walzer tanzen'
erklärt sich von der drehenden bewegung der füsze aus, die beim tanz auf dem boden schleifen (
vgl. oben α walzen
vom gang).
das wort in diesem sinn ist von Oberdeutschland ausgegangen, läszt sich aber auch hier vor der mitte des 18.
jahrh. nicht nachweisen; in der älteren sprache steht ihm schleifen (
th. 9, 592)
am nächsten; walzen
und schleifen
bilden den gegensatz zu hüpfen, hopsen.
beides sind in Deutschland einheimische tänze, darum auch deutsch tanzen. Schmeller
2 2, 911
führt eine verordnung vom 15.
okt. 1760
an, nach der walzende und schutzende
tänze auf dem lande verboten sind. in der Baar kommt walzen
für einen tanz 1787
vor (
nach freundl. mittheilung H. Fischers). Adelung 1786
kennt '
aus einigen oberdeutschen gegenden' walzen, deutsch tanzen, '
welches auch wohl walzerisch tanzen
genannt wird'.
das wort kommt 1772
bei Göthe, 1780
bei Wieland
und in den achtziger jahren auch bei Norddeutschen vor (
vgl. auch walzer): der ausbruch wilder au'rhahnsbrunst heiszt, zum exempel, — falzen. thut eben das mit Schwabenkunst, so heiszt die sache — walzen. Bürger 398
Sauer (1792); zum drehen und walzen und lustigen hopp erkieset sich jeder ein schätzchen. Göthe 1, 197; und mit der liebenswürdigsten freimüthigkeit von der welt versicherte sie mir, dasz sie herzlich gern deutsch tanze ... und da wir nun gar an's walzen kamen, und wie die sphären um einander herum rollten, ging's freilich anfangs, weil's die wenigsten können, ein biszchen bunt durcheinander. 16, 32 (
Werther); schwang er im walzenden deutschen tanz eine vollwangige dirne aus dem reigen mit sich herum.
F. L. Stolberg 6, 43 (
reise 1791); sie haben einen tanz, von dem die dirnen sagen, es ist ein gemengsel von luftsprüngen. ... aber sie selbst sind der meinung, (wenn es nicht zu wild ist, für einige, die von nichts wissen als von ländern und walzen [
engl. bowling]) es würde ausnehmend gefallen.
Shakespeare 8, 147 (
winterm. 4, 3); eben als er die frage bejahte, fing eine fröhliche tanzmusik an ... sie mischten sich in die reihe der walzenden paare. Novalis (1826) 1, 94
Tieck u. Schlegel; bei dem sechsten (
takte) faszten ein paar grenadiere einander unter die arme und fingen an zu walzen. Seume 70 (
spazierg.); verstehst du zu walzen? hast du eine ahnung davon, was eine tour in der quadrille ist? Freytag 4, 164 (
soll u. haben 2, 1); Ulema's trinken punsch und walzen. Rückert
ges. ged. 5, 409.
das wort wird auch freier gebraucht, so dasz es überhaupt '
in lebhaftem tempo in die runde tanzen'
ist: unlustig faszt der schach — Almansaris beym arm; sie sträubt sich, doch was hilft sein unmuth und ihr sträuben? der taumel reiszt sie fort, sich mitten in den schwarm der walzenden mit ihm hinein zu treiben. Wieland 23, 289 (
Oberon 12, 63, 4); hui! wir schwestern, hand in hand, huschen über see und land; walzen, walzen um und um, runde, runde, rund herum. Bürger
Macbeth2 (1784) 18: ich scherze, lache, singe, hüpfe, tanze, springe, gleich einem trunknen faune walz' ich in fröhlicher laune. Kotzebue
dramat. spiele 2, 259; rundum dich gedreht und gewalzt (
στρόβει,
παράβαινε κύκλω), und dir den bauch geklatschet! schwing' hoch zu den himmel das bein! lasz kreisel hier sich kreiseln! Voss
Aristophanes 1, 424 (
wespen 1539); das pfäfflein erwischt seine köchin alsbald stürzt walzend mit ihr in den ringelreihn. Langbein
schriften 4 (1841), 111; Viktor nahm ihn beim arme und walzte mit ihm wie wahnsinnig im hofe um den brunnen herum. Eichendorff 2, 92
Dietze. in verbindung mit wälzen: die Gieszener studenten ... jauchzten, gläser und flaschen flogen hinab, sie tanzten, walzten und wälzten sich den berg hinunter und durchschallten das thal mit ihrem grausamen gebrüll. Bettine
tagebuch 164.
übertragen: in früheren jahren war mir jede reise ein maskenball-fest der seele; alle meine fähigkeiten walzten und jubelten auf das ausgelassenste, und es herrschte in meinem kopfe ein gedränge von scherz und ernst. Börne
briefe aus Paris (1835) 1, 16; wäre nicht dringender, den gelehrten presto presto zuzurufen? wäre nicht gut, wenn die deutschen federn den schleichenden menuet ihren voreltern überlieszen, und etwas walzten?
werke 2, 57.
mit einem acc. des inneren objects; schlingt arm in arm zum kranz! walzt den alten rundetanz! Bürger 305
a (
Macbeth 4, 2).
ungewöhnlich ist es, dasz sich ein persönlicher acc. anschlieszt: er, wie ein sturmwind, durchbraust nun den saal, und dreht und walzt sie (
die tänzerin), verunglückte wahl! bis ihre besinnung verschwand. Thümmel
reise 6, 256 (1799). 2@a@lλ) walzen '
auf der wanderschaft sein',
das sich aus der handwerksburschensprache verbreitet hat (
jetzt überall üblich, z. b. elsäss. Martin-Lienhart 2, 825,
preusz. Frischbier 2, 454)
läszt sich aus der älteren sprache nicht nachweisen. es geht auf ein mundartliches walzen '
schlendern, müszig, planlos hin und her gehen' (
vgl.α walzen
vom menschlichen gang)
zurück, elsäss. '
spazieren gehen' Martin-Lienhart
a. a. o., hess. '
arbeitslos umhergehn, feiern' Pfister 2.
nachtrag 44,
thür. '
sich herumtreiben' Hertel 253, '
schwerfällig einhergehen' Döring 86,
henneberg. '
herumirren' Reinwald 187 (
auch von dingen: wo walzt mein schnupftuch herum).
in Leipzig auch (
wie sich wälzen) '
in groszer menge herbeiströmen' Albrecht 233: die leute walzen ins theater, es walzt nur so;
ähnlich in Henneberg von dingen '
sich drängen' Reinwald 187: die bäume hängen so voll blüthen dasz sie walzen. walzen '
wandern, fechtend reisen'
erscheint jetzt auch in der schriftsprache: es sind immer nur ausnahmen ... kleine leute, hausierer
u. dgl., die mit den missionaren zusammenhängen oder einmal nach Deutschland walzten, welche (
in Asien) des deutschen mächtig sind.
deutsche erde 1, 139. 2@bb)
reflexives walzen. 2@b@aα)
von menschen und thieren: er welzert
sive walzet sich in seinem blut,
suo se in sanguine versat. Stieler 2421; als bald da in (
den besessenen) der geist sahe, reis er in, und fiel auff die erden, und waltzet sich und schewmet.
Marc. 9, 20; dasz er ... anfing darvon zu lauffen .., seinen entseelten cammerathen, sich in seinem blut waltzend, hinterlassend.
Simpl. schriften 3, 72, 17
Kurz (
landst. Courage 14); zum dritten mal sie understunde mit den armen sich auff zu heben und walzet sich drey mal da neben auff dem beth.
Virgils Aeneis übers. v. Murner (1559) N 6
a; es ist inen widerfaren das ware sprichwort, der hund frisset wider, was er gespeiet hat. und, die saw waltzet sich nach der schwemme wider im kot.
2 Petri 2, 22; als die sew lust haben ... sich inn irer eigen schande zu waltzen. Luther 34, I, 75, 5
Weim. ausg.; die sau, die sich im kat gern salzt, sucht kein rosen, drinn sie sich walzt. Fischart
dicht. 3, 214, 7
Kurz; da sah man eine schlange, die grosz und schlüpffrig war, aus innerm heilgen gange herfahren grimmiglich, die in die krümme kroch sich waltzend hin und her und offt im kreysz sich zoch.
Virgils Aeneis übers. v. Schirmer (1668) 208; wo sich der esel waltzt, da musz er haar lassen. Lehman (1640) 146, 99; wenn sich ein hund aufn rücken waltzet, ist eine glückliche stunde. J. G. Schmidt
rocken-philosophie 5.
u. 6.
hundert 360.
daran schlieszen sich bildliche wendungen: du füllst dich tag und nacht bim wyn, waltzt dich im kadt glich wie ein schwyn.
schweiz. schausp. 2, 184, 1853; das macht alles das folle, faule, sicher leben, darynne sie sich waltzen wie die schwein ym kott. Luther 19, 290, 25
Weim. ausg.; in allerley sünden sich zu waltzen. Butschky
Pathmos 299.
mit richtungsbestimmungen: und waltzten sich, nach altem schrot, mit wust befleckt durch treck und kot.
anm. weiszh. lustg. 6. 87; es mag ein solcher unfreundlicher Timon immer hin, liebesbrunst zu löschen oder zu meiden, sich mit jenem in den schnee walzen. S. v. Birken
Pegnesis 1, 321; die alt sich hin und wider bug und schryr das mord sehr grausamlich und waltzet ausz dem fewer sich. H. Sachs 17, 292, 25
Keller-Götze; wenn ... das heszlichste affenthier (also zu reden) aus der erden sich waltzet. Meyfart
von dem himl. Jerusalem (1627) 2, 49; ja, auf sammeten polstern, und do der weg ist mit seiden gepflastert, do wollen sie sich hinauff waltzen, jha hundert jhar zuvohr gen himmel kommen den ihr ... prediger. Luther 33, 586, 9
Weim. ausg. übertragen '
sich jemand zuwenden': sprechend' also, dær sich gantz uof den herren waltzet uont lest, dæn kan ær aus not zerren. Melissus
psalmen 78 (22, 9)
neudr. von heeresmassen: so sind sie mit einem dreyfachen heer durch die Alpes ... kommen; und war eben als wann sie sich von den hohen bergen in Italien gewaltzet hätten. Wassenberg
der teutsche Florus (
Dantzigk 1645) 152. 2@b@bβ)
von rundlichen gegenständen: nach dem die daschen anefing zu danczen an der wand und dreet sich im circkel rüm, darnach gar von der wande sprang, walczet zu der thür sich. H. Sachs
fab. u. schw. 3, 193, 31
Götze-Drescher; das die körb anfangen zu beben und endlich sich all auff einmahl zu den fröschen waltzen ins thal.
froschmeuseler Aaa 4
b (III, 3, 9). 2@b@gγ)
vom himmel: die sonne musz stets gehen, der himmel waltzet sich, die see kan niemals stehen. Opitz 1, 2. 2@b@dδ)
vom feuer: der wolken donnerstimm beginnt in feld zu tohnen ... wie wann der Brennerberg sich zügellos gerissen, die harten felsen kocht, und siedend harz geschmissen aus seinem holen schlund: es tönt die schwarze kluft. hier walzet sich Vulkan mit wirblen in die luft, und leckt Orions knieh. die schwefelflocken fliegen. v. Birken
Pegnesis 1, 73. 2@b@eε)
vom herzen: denn ohne dich zu sein, ist ärger als der todt. die sinnen wancken mir, die feder wil nicht schreiben, das hertze waltzet sich, und wil mit macht zu dir. Hofmannswaldau
heldenbriefe (1696) 127. 2@cc)
transitives walzen.
während Dasypodius
und Maaler
nur weltzen
kennen, wird seit Hulsius
in den meisten wörterbüchern walzen
neben wälzen,
mit der gleichen bedeutungsbestimmung, angeführt: waltzen,
voltare, ruotolare, girare. Hulsius 272 (weltzen 275); waltzen,
volvere. Schottel 1440 (weltzen 1442); walzen
et welzen, gewalzet
et gewelzet,
volvere, versare. Stieler 2421 (
auch herab-, herzuwalzen
etc.); waltzen, wältzen oder weltzen,
to wallow, roll. Ludwig 2375; waltzen, wältzen, weltzen,
wentelen, rollen. Kramer (1719) 258
c; walzen,
volvere, volutare. Frisch 2, 420
b (welzen 438
c). Schönsleder, Dentzler
u. a. verweisen von waltzen
auf weltzen. Adelung
sieht in walzen
eine obd. nebenform zu wälzen. 2@c@aα) einen stein, einen apfel, ein fasz walzen: also si zuo ime chom,abe wielz (abe walgot 55, 12
Diemer) er den stein.
genesis, fundgr. 2, 41, 29; den engel vuonden si da und den stein ab gewalzen. Schönbach
altdeutsche predigten 1, 49, 9 (
ähnlich 1, 51, 5); bisz letstlich kame einer, der waltzet den stein an ein orth, damit sich niemandt mehr darann stiesze. Keisersberg
narrenschiff 439 (40.
narr)
Scheible; bis ... wir den stein vor das brunnenloch walzen.
1 Mos. 29, 8; trat er hinzu, und waltzet den stein von dem loch des brunnen. 29, 10; so waltzet grosse steine fur das loch der höle.
Jos. 10, 18; wer eine gruben macht, der wird drein fallen, und wer einen stein waltzet, auff den wird er komen.
sprüche Salom. 26, 27; der engel ... waltzet den stein von der thür, und satzte sich drauff.
Matth. 28, 2; wer waltzet uns den stein von des grabes thür?
Marc. 16, 3; brueder, hilff mir walczen disen stein uff das grab: ich vermags nit allein.
Freiburger passionsspiele 71
Martin (gewelczt 79); er fellt und blibt nit in der höh der stein, den waltzt mit sorg und we den berg uff Sisyphus der tor. Brant
narrensch. 56, 52; nu dises apfels (
der Eris) gold, von ungesehner hand gewaltzet auf den tisch, verführet aller augen. Weckherlin 2, 347
Fischer; (
die fässer, in denen das getreide aufbewahrt wird, müssen) zum dritten, alle vier wochen wenigst einmal hin und her gewaltzen werden. Hohberg 2, 56
b. zusammenwalzen: got ... hat einen leimklotzen zuosamen gewaltzet, geformiert wie einen menschen. Wickram
rollw. 27, 9
Kurz. 2@c@bβ) in etwas walzen: die todt tochter sie helst und kst und schlug jemerlich an ir brst, sie waltzt ir har inn irem bluot. Wickram 8, 178, 693 (
met. 13, 492)
Bolte. 2@c@gγ) einen menschen walzen: das zwerglein trat mir mit aim fuos untugenlich uff minen nack, und wielcz mich als ein ruebensack zuo ainer truchen, die stuond dort. Herm. v. Sachsenheim
mörin 110; Ixion ward auch gewaltzet grimm wider und für mit klagens stimm durch scharffe dorn mit grossem schmertz. Wickram 7, 188, 863 (
met. 4, 461)
Bolte; hola, last uns ihn kehren umb. waltzt ihn hin und her. so ists recht. Spangenberg
Hecuba 485
Dähnhardt; ich war zerfleischt und abgerissen, gewaltzt in meinem blut und koht, sehr krank am leib und am gewissen. S.
Dach 170
Österley. dahin gehört wol bair. es hat in ainer gewalzen '
geprügelt'. Schmeller
2 2, 911. 2@c@dδ)
vom wasser: wie aber, wenn im herbst ein sturm das meer erregt, es seine tieffen dann auf berge waltzt und trägt. v. Besser
schrifften (1732) 35; da stritten die könige der Cananiter zu Thaanach am wasser Megiddo, aber sie brachten keinen gewin da von ... der bach Kison waltzet sie.
richter 5, 21. 2@c@eε)
übertragen: mit dieser scharffen frage waltzet (
Pilatus) Christo auff den kopff die schuld, er sey ein könig. Luther 28, 314, 16
Weim. ausg. 2@c@zζ)
was ist walzen
an folgender stelle? künd ich min zungen waltzen und bruchen nach ir lobes prisz.
liedersaal 1, 384,
v. 340. 2@dd) walzen '
mit der walze bearbeiten'
ist von dem subst. walze
aus gebildet worden. an sich könnte zwar auch von dem gewöhnlichen walzen
ausgegangen werden, wie auch walen
und walgen
die bedeutung zeigen, doch spricht das späte auftreten von walzen
in diesem sinn dagegen. es erscheint zuerst bei Rondeau:
rouler, applâtir avec un rouleau, calandrer, dann bei Adelung. 2@d@aα)
mit einer walze überfahren und eben machen: etwas waltzen, oder mit einer waltze eben machen,
to roll something with a roller. Ludwig 2375; den acker walzen
um die erdschollen zu zerdrücken. Zinke
ökon. lex. (1753) 3095. Adelung.
auch absolut: der weidlich sich bewegt, sät, ackert, erndtet, drischt, gräbt, pflanzet, wässert, walzt ... Hagedorn 1, 23.
man sagt auch den hafer, die gerste walzen,
wenn sie aufgegangen sind. die wege walzen: merkwürdiger weise scheint man ... die vortheile des walzens der wege und steinschlagchausseen erst am anfange der dreissiger jahre erkannt zu haben. Rühlmann
allg. maschinenlehre2 3, 181.
hierher gehört wol auch den teig walzen (
wo Adelung
von wälzen
ausgehen will),
vgl.den teig walen (
sp. 1217)
und wälgern (
sp. 1238): walzen, ausstoszen, die letzte arbeit bey dem kneten des teigs. ... der kneter sticht nämlich ein groszes stück teig nach dem andern von der masse ab, walzet es bald nach der breite, bald nach der länge der beute. Jacobsson 2, 586
b. 2@d@bβ)
in einem walzwerk bearbeiten, z. b. das eisen walzen,
durch walzen strecken: wenn aber langes und sehr dünnes eisen gewalzt werden soll. Karsten
eisenhüttenkunde3 3, 22; zwei kesselpauken dienten als orchester und eines ofenschirms gewalztes blech. Scheffel
gaudeamus37 x.
übertragen: die sonstigen reden aber sind mehr oder weniger breit gewalzte programmatische erklärungen.
Leipziger neueste nachrichten 23. 1. 1908,
s. 2. papier walzen,
in einer walzenpresse strecken. Karmarsch-Heeren
3 2, 109; leder walzen,
um es geschmeidig zu machen. Jacobsson 4, 586
b. Krünitz 26, 267; münzen walzen,
durch walzen mit dem gepräge versehen. Poppe
gesch. der technologie 2, 614; zeuge walzen,
durch walzen muster aufdrucken u. s. w. 2@d@gγ)
die gestalt einer walze geben. beim uhrmacher den zähnen eines uhrrades mit der feile runde form geben. Jacobsson 4, 587
a. Adelung. Poppe
handb. f. uhrmacher 1, 17 (
auch abwälzen, 11, 63 wälzen).
beim glasmacher das glas rund machen: in diese höhlungen (
des walzholzes) wird wasser gethan, und das glas ... darinn rund und glatt gewalzet. Jacobsson 4, 587
a; der glasmacher ... walzet den unförmlichen glasklosz ... auf einer kupfernen platte. hiedurch walzet er das glas rund. Krünitz 18, 614. das flintenrohr walzen,
ihm seine rechte runde gestalt geben. Jacobsson 4, 587
a. Krünitz 233, 292. 2@d@dδ)
mit hilfe von walzen etwas schueres fortschaffen. Mothes
baulex.3 4, 332
b: walzen findet bei runden, geraden hölzern statt, die zu schwer sind, um sie zu tragen oder auf schubkarren wegzufahren. Behlen
lex. der forst- u. jagdk. 6, 291.