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walzen

mhd. bis spez. · 14 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

walzen verb.

Bd. 27, Sp. 1409
walzen, verb. sich drehen, rollen, walzer tanzen, auf der wanderschaft sein, mit der walze bearbeiten. 11) das wort gehört zu den zahlreichen, unter walen besprochenen bildungen, die auf eine indogerm. wurzel vel 'drehen' zurückgehen. in der bedeutung schlieszt sich walzen am nächsten an walen, walgen, walken an, indem es ursprünglich ein hin- und herbewegen eines gegenstandes gleich über einem andern bezeichnet, während wallen im gebrauch verallgemeinert ist (doch ist das zugehörige mhd. wellen 'wälzen'). walzen ist von der wurzel mit einer consonantischen erweiterung (idg. d) gebildet, die sich auch in dem adj. anord. valtr, ags. wealt 'unbeständig' zeigt. das hd. wort, das im mhd. der klasse der reduplicirenden verba angehört (praet. wielz, part. gewalzen), läszt sich erst von 1100 an sicher nachweisen (die von Graff 1, 791 unter walzan aufgeführten formen werden eher zu walzjan gehören, s. unten); ein gewöhnlich dazu gestelltes ags. wealtan (daneben das schwach flectirende wieltan) ist unbelegt, mengl. walten Stratmann - Bradley 666. dagegen heiszt es im anord. mit abweichendem vocal velta (praet. valt) 'sich wälzen' Fritzner 3, 906, daneben das schwache verb. velta in transitiver bedeutung, jetzt schwed. välta, n. velte. im got. kommt nur waltjan vor, das aber intransitiv gebraucht wird (wêgôs waltidêdun in skip), daneben das transitive uswaltjan. möglicherweise ist das reduplicirende walzen als neubildung zu betrachten für ein älteres ahd. *welzan unter einflusz des schwachen verb. walzôn. im mnd. fehlt das verb. ganz und kommt nur weitergebildet als waltern, woltern, weltern vor, vgl. auch wentelen aus *weltelen. — das verhältnis von walzen und wälzen ist schwankend; dasz walzen intransitiv und wälzen transitiv ist, kann nur für das mhd. im groszen und ganzen gesagt werden. im ahd. fehlt jede spur eines intransitiven walzan, wol aber kommt walzôn 'volutari' vor Graff 1, 793. die transitiven formen: volvit, walzit Steinmeyer-Sievers 2, 194, 72 und, in übertragenem sinn, deliberando, walzanto vel denchento 2, 166, 5 werden ihrer bedeutung wegen zu walzjan zu stellen sein. in der Wiener genesis (2, c) haben wir dann abe wielz mit dem acc. im mhd. ist zwar walzen ganz überwiegend intransitiv, doch kommt es zuweilen auch transitiv vor, wie andrerseits auch welzen intransitiv gebraucht werden kann (eine 3. sing. welzet bei K. v. Megenberg 55, 11 u. ö. H. v. Meiszen 325, 7. Hugo v. Langenstein 211, 65. meisterlieder 139, 28 Bartsch kann zu walzen gehören; walzet steht kaiserchronik 554. 3548, bei K. v. Würzburg und seit dem 15. jahrh.). im ältern nhd. wird zwischen walzen und wälzen kaum ein unterschied gemacht (auch Luther verwendet sie in gleicher bedeutung), wie auch die wörterbücher bis auf Rädlein, Ludwig, Kramer die beiden formen neben einander anführen. die vermischung der verba wurde dadurch befördert, dasz walzen das starke praet. aufgab (wielz kommt zuletzt bei Herm. v. Sachsenheim, Joh. Rothe, H. Sachs — bei diesem neben walzte — vor), walzte konnte sowol zu walzen als zu wälzen (als rückumlautend aufgefaszt) gestellt werden; länger hat sich das part. gewalzen erhalten (bei Hohberg 2, c und noch jetzt bairisch Schmeller 2, 911). mehr und mehr wird walzen durch wälzen zurückgedrängt, das dann auch intransitiv gebraucht wird. Adelung kennt walzen in seiner ursprünglichen bedeutung nicht mehr (nur in der redensart den teig auswalzen möchte er walzen für wälzen nehmen); eine ausnahme machen verbindungen mit dem part. praes. wie walzendes grundstück (2, a, ι). sonst kommt walzen 'sich wälzen' noch vereinzelt bei Wieland, Voss, Zelter, Campe vor (mundartliche reste s. 2, a, λ). von dem intransitiven walzen haben sich aber zwei bedeutungen abgezweigt, die noch jetzt lebendig sind, die gegen ende des 18. jahrh. aus Oberdeutschland vordringende von 'walzer tanzen' und die litterarisch spät auftretende von 'auf der wanderschaft sein', die besonders der handwerksburschensprache angehört und auf der in mundarten verbreiteten bedeutung 'schlendern' beruht.eigentlich ein ganz anderes wort und junge ableitung von walze ist walzen 'mit der walze bearbeiten'. 22) während walen und walgen nur landschaftliche verbreitung haben und auch das abgeleitete wälgern nicht viel boden in der schriftsprache (vom md. aus) gewinnt, gehören walzen und wälzen der allgemeinen sprache an. damit hängt auch zusammen, dasz sie mehr als die genannten wörter in übertragenem sinn gebraucht werden. walzen zeigt noch im älteren nhd. reiche verwendung. es ist dabei von dem im mhd. gewöhnlichen intransitiven gebrauch auszugehen; daran mag sich der im älteren nhd. nicht seltene reflexive, schlieszlich der transitive gebrauch anreihen. 2@aa) intransitives walzen. 2@a@aα) sich drehend hin und her bewegen. allgemein, dem liegen und stehen entgegengesetzt: ich hân bî mangem valze gehalten wol durch hœren; doch was mîn sin, eʒ walze, eʒ lige, eʒ stê, daʒ sol ich niht zerstœren. Hadamar v. Laber 212 Stejskal. von menschen und thieren: inn den gedancken schwer wiltz ich lang hin und her, verwicklet hart und tieff, bisz ich darinn entschlieff. H. Sachs 4, 153, 21 Keller; der selb ein nacht nit schlaffen mocht, walzt im pet hin und here. fab. u. schw. 4, 461, 4 Götze-Drescher; im stroh herum waltzen oder in einem sanfften bett schnarchen. Schupp schriften 69; hüpft doch das lamm auf der weid' und stampft das füllen und walzet! Voss Luise 3, 443. mit richtungsbestimmungen: es dorft auch kainer in den (geweihten) wald gên, es wären im dan die hend auf den rucken punden. ... und ob ainer ân alles gefär fiel, dorft er kainswegs wider aufstên, muest herausz walzen. Aventin 4, 131, 10 Lexer; er (der kranke) walzet von eim bet zum andern und fürt ein sollichen jamer, das mir bei im angst war in der stuben. Zimmerische chron.2 4, 155, 35; hertzog Georg zu Sachsen were oben auff dem berge gestanden, aber der berg war eingefallen und hertzog Georg war zu ihm herab gewaltzet. Luther tischr. 154b; der wurm waltzt auff ihn hin und har und lecket ir wunden und bluot. Wickram 7, 121, 146 (met. 3, 56) Bolte; gleich darauf sahe ich eine grosse häszliche krott dorther waltzen. Simpl. schriften 3, 423, 27 Kurz (vogelnest 1, 20). vom menschlichen gang gebraucht, kann es ein unsicheres oder ein gespreiztes gehen bezeichnen: hin slaffen süll wir (die trunkenen) walzen. Osw. v. Wolkenstein 42, 33 Schatz; sie ... gehen eynher mit auffgerecktem halse ... darumb weltzet und watzet (l. walzet), schlumpet und pranget eine immer über die ander, beyde mit dem tritt, und auch mit dem schmuck. Joach. Westphal hoffarts - teuffel, theatrum diabolorum 2, 22a; dasz sie kaumet die füsse fort setzen köndte wie unsere faule, zarten schlumpmetzen, die daher waltzen, und die gassen mit ihren vielen dicken kleydern kehren. 2, 46a. von thieren: walzender gang, eine der kreuzdrehe beim schafe ähnliche gangart bei pferden, die infolge von schwäche in den lendenmuskeln die kruppe schwankend hin- und herbewegen. Höfler krankheitsn. 183b (aus Falke univ.-lex. der thierarzneik. 2, 426). übertragen von der stimmung oder gesinnung: schickt sich doch offt, sam wolts geschehen, und liesz denn kürtzlich sich ansehen, sam ob es gar unmüglich wer, also waltzet ich hin und her, thet zwischen himel und erden schweben ... ietzt ich frölich, denn trawrig war. H. Sachs 7, 284, 13 Keller; will nun jemand auff breitem fusz stehen und nicht hin und her waltzen oder sich ein jeden wind weben und regen lassen. Mathesius historie Christi 2 (1571), 122a. 2@a@bβ) hin und her flieszen, von wassermassen: mit druckenden vlagen, der wint sich uffeʒ schif lieʒ ... die walzenden unden trugen sie so hohe enpor, unz si allebendec quam hervor. passional 644, 30 Köpke; alles ... kam am bord und schrie uns ein freudiges hurrah entgegen, das sich mit dem heulen des windes und walzen der wogen recht harmonisch machte. Zelter an Göthe 354 (3, 144). mit richtungsbestimmungen: vil eyn grosser regen umbe Salza .., das is sich also grosz yn der myle wegs pobir den Ufhoufen yn dem grunde machte, das is wiltz also eyn groszes husz adir eyn bergk uf Salza. J. Rothe düring. chron. 712; als ... die vom gebirge herabwaltzende fluth 4 teiche abgerissen. Ch. Lehmann Oberertzgebirge (1699) 66; das hochwasser kommt angewalzt (Leipzig). auch von dingen, die im wasser bewegt werden: duo wurfin sîn ungetrûwe man die kettinin in daʒ meri vram. si quâdin 'obi du wollis sihen wunter, so walz iemir in demo grunte'. Annolied 220 Rödiger; duo sah (auf dem meere) der wunderlîche man ain tier vur sich gân ... daʒ was ein grôʒ wunder; vil dike walzit iʒ umbe. kaiserchronik 554 Schröder; o herri got, dein hilf tuo senden dem deinen christenlichen pluot, das iezo schwept in jamers fluot! es walzt als so es wöll versinken, o herr, nun lasz uns nit ertrinken! Liliencron hist. volksl. 2, 126, 19 (1471); da sie (die töpfe) nun walzten in dem bach. Waldis Esopus 1, 96, 6. von dingen im kochenden wasser: wie wirds euch dann ankommen, im feuer ligen ... im feuer schwitzen, im feuer waltzen, und sieden wie die arbes im topff. Abr. a S. Clara reimb dich (1702) 137 (lösch - Wienn). ähnlich von dunstmassen: ich prüeve, daʒ diu milde ein kranz ist rehter tugende gar ... dem argen ist si wilde, si welzet vor im alse ein twalm. H. v. Meiszen sprüche 325, 7 Ettmüller; eʒ kümpt auch ze stunden, daʒ der vaiʒt dunst zesamen gewalzen ist als ein kugel. K. v. Megenberg 78, 5. 2@a@gγ) in cirkulirender bewegung sein, von einem rad: was von menschen händen gebauet, auf einem walzenden rade liget, kan nicht bestehen: es mus über und über gehen. Butschky Pathmos 478; swie diu schîbe sinewel beginnet walzen hin ze tal. K. v. Würzburg Pantaleon 1553 (zeitschr. f. d. alt. 6, 237); kund ich in den vier schîben walzen, die Ezechiel sach umbe gên, sô müeste ich mich verstên vil wîsheit, der ich niht enweiʒ. kæme ich mitten in ir kreiʒ, die wîl die schîben umbe liefen, sô wolde ich mich darin versliefen. Lamprecht v. Regensburg tochter Syon 2691 Weinhold. vom glücksrad und übertragen vom glück selbst: der sælden anegenge belîbet niht an einer stat. jô walzet ir gelückes rat vil stæteclîche ûf unde nider; her unde hin, dan unde wider loufet eʒ spât unde fruo. K. v. Würzburg troj. krieg 2350 Keller; gelücke ist gar ein wildeʒ lôʒ, daʒ dicke walzet an und abe. sô maniger wænet, daʒ sich habe heil unde sælde z'ime geleit, sô nâhet im unsælikeit. 18401; gelücke daʒ ist sinewel, eʒ welzet swar eʒ wil. meisterlieder 139, 28 Bartsch; wie das spiel des kriegs sich end und wo hin das glück mit sieg waltz. S. Franck kriegsbüchlin des friedes 88a; weil uns zusetzet uberal jammer, angst, forcht, schad und unfal, so bey uns waltzet solch unglück beiden noch schwerer auf den rück ... H. Sachs 20, 222, 12 Keller-Götze; so das waltzent glück umbschlegt. S. Franck kriegsbüchlin des friedes 69a; ob das waltzendt glück eim gleich bey-steht in allem stück. H. Sachs 13, 527, 19 Keller-Götze (vgl. das gedicht das waltzend glück 4, 157 Keller); dann wie sich das aprillen wetter erzeiget je lenger, je unstätter, also das waltzend unstät glück stöszt alles hinder sich zurück. Frischlin Wendelgard 1, 3. von der himmlischen bahn der planeten und dem himmel selbst: di begunden ouh chunden von dem liechten sunnen, wî er loufe in sînem circulo, in zodiaco, dî twerehes umbe walzet. Hartmann vom glouven 383 v. d. Leyden; und ir (der planeten) iegelîh bisunder walzet allumbe unde muoʒ ir zît durh gân. kaiserchronik 3548 Schröder; daʒ die siben stern (die planeten) von in selber walzend sint in irn aigen himeln. K. v. Megenberg 68, 16; der êrst und der obrist (himel) stêt still und welzt nicht. ... der ander himel ... welzt in tag und in naht ... ains mâls umb und umb daʒ ertreich. der dritt himel ... welzt widerwarts von der sunnen underganch gegen der sunnen aufganch. 55, 11. 18. 22; wie wol auch Nauclerus ausz dem umblauff und waltzen des himmels etwa ein verendrung in landen geschehen acht, dasz etwa ein fruchtpar landt unfruchtbar und wildt werde. S. Franck teutscher nat. chron. (1539) 3b. 2@a@dδ) rollen, kollern, von rundlichen gegenständen, gern mit richtungsbestimmungen: vil ROemer haben dise zeit ein guldin kugel an dem himmel gesehen, und von dem himmel bisz auff die erden waltzende lauffen. S. Franck chronica 74b; aber nit lang darnach waltzet die kugel des glücks umb. 244b; darumb so seind sie (die sterne) kugeln, die da für und für waltzen und walend, wie sie von der hand gottes geworffen werden. Paracelsus op. (1590) 8, 193; swâ noch der apfel walzet hin, er dræjet nach dem stamme sîn. K. v. Würzburg troj. krieg 632 Keller; ich mit meiner hülff thet schaffen, das der apffel lauffen thet fürbasz. dieweil er also gewaltzet hett, er sie an dem lauff irren thet. Wickram 8, 81, 1251 (met. 10, 667) Bolte; (die gränze geht) vom Pognhorn über an daʒ Sontaghorn, daselbs wie stain walzt und waszer rint, vom Sontaghorn an in die Vischpachwandt. österr. weisth. 1, 243 (Salzburg) (vgl.walgen oben sp. 1232); dasz er den groszen schweren stein, der imer wider walzt herein, so oft den berk musz welzn hinan, wie oft der rabwarts laufen kan. Schade satiren 1, 137, 396; eyn waltzend steyn moset nicht. Luther bibel 1, 606 Weim. ausg. (randbem. zu sprüche 27, 8 in der Berliner handschr. 1523/24); dasz der arme münch uff einer seiten lage, die füsse in die höhe, und sein schachtel uff der andern seiten die staffeln hinunder waltzet bisz zur erden. Philander (Leyden 1646) 5, 43; daʒ heubt von sente Paulo wilz in eine grube hin. passional 194, 84 Hahn; wa ist mein fusz, wa meine stirn (sagt der trunkene), oh, mein kopff waltzet auff der erden. Weckherlin 1, 517 Fischer. auch von den herabrollenden thränen: vil trahen haiʒ gesaltzen, die man uʒ augen waltzen sah ber rOeselohtiu vel. Joh. v. Würzburg Wilhelm v. Österreich 5238 Regel; ir wangen bleich und sal die zeher wiltzen (var. walgeten) zu tal. H. v. Neustadt gottes zukunft 3808 Singer. wie rollen vom augapfel: petus (d. i. paetus 'schielend'), walzend augen. voc. opt. 41. (von Höfler krankheitsn. 23a falsch erklärt.) von 'rollen' aus erklären sich auch bildliche wendungen: min muot ist niht sinwel, von Criste eʒ niht welzit. sin minne het versmelzit mine liplichen vorhte. Hugo v. Langenstein Martina 165, 19; manic man gêt uf êren valze hoh en bor, als ob er waltze, dem rehte êre doch nie wart bekant. Hugo v. Trimberg renner 930. walzen lassen: ewre reden lasst ir walzen, so ir zusamen kumpt, das sich oft ainer ruempt, das im nit halb geschehen ist. graf Gottfried Werner von Zimmern in der Zimmerischen chron.2 4, 225, 1. 2@a@eε) von einer last: und brachte seine entfernung der Danede eine neue sorge, als auf die nun alle last walzete, sich gegen ihrem vatter ... in gute verfassung zu stellen. Anton Ulrich v. Braunschweig Aramena 4, 115. 2@a@zζ) übertragen ist dann walzen (vgl. oben γ vom glück) 'veränderlich, unbeständig sein'. zunächst in bildlichen wendungen: es ist lust, glust, eer uff den dingen stilston, die nit mögen bleiben, es waltzet als under den füssen. Keisersberg brös. 1, 59a; was ist es nuon wunder, dasz ietzt ausz der wsten wildtnus Germanie ein paradeisz ist worden, und sich das plAetlein umbkert hat. es muosz doch alles in seinem centro umbgehn, und auff einer kugel waltzen, was gewesen ist, das nimmer sei, und wider werd. S. Franck teutscher nat. chron. (1539) 4a. ferner: wîle unde stunde walzent allumbe, si megen uns lîhte entrinnen; woltest dû dîner sêle gewinnen ain êwige haimuot, ... gewunnest dir ain gruntfeste. kaiserchronik 3642 Schröder; nu han ich iu gemachen kunt die zit die jungsten stunt, wie der welte froude welzit und wie si wirt versmelzit von des fiures starken brunst. Hugo v. Langenstein Martina 211, 65; laster und êre, verlust, gewin waltzent in diser werlde unstete. Hugo v. Trimberg renner 3763; die neun geschmeck auch teglich umb walczen im eling stand, pey arm und reichen. H. Sachs fab. u. schw. 1, 55, 6 Götze; das schwert (des engels im paradies) was feürin und waltzend oder kerlich ... auch ist si (die hoffart) walzend und kerlich, wann si pfligt sich in mancherley weis zuoverandern, zuoverkern. Keisersberg siben schwerter aa 4b; hencken wir uns an disz elend, walzend, hinfellig, creaturisch wesen und leben und bestehn als butter an der sonnen. S. Franck sprichw. 1, 95a. 2@a@hη) walzen mit einer richtungsbestimmung in übertragenem gebrauch kann 'sich wohin wenden, wozu gelangen' sein: gert ir mîner minne, wie habt ir minne an mich erholt? ... lât walzen iwer kranken gir ûf ander minne dan ze mir. W. v. Eschenbach Parz. 510, 7; so waltzen doch ihre begierden in eytel bluot, mord und krige. S. Franck kriegsbüchlin des friedes 47b; do bereite ouch sich hêr Gâwân als ein kampfbære man hin für den künec von Ascalûn ... gein sorgen wielzen sîniu dinc. W. v. Eschenbach Parz. 335, 30; ein wile sprach sie ja, ein wile nein, sie was herte als ein stein. do ir gemute an also manic ende wieltz, und ir daʒ herze smielz als das wachs, gegen dem fiwer ... Koloczaer codex 223; ob wir nun auch müssen solch ärgernisz sehen, wie sollen wir ihme thun? gott wil die leute vexiren. wirds nun auf mich waltzen, so will ich inen die nehrlichste wort geben. Luther tischr. 330b. daraus erklärt sich wol walzend 'sich verbreitend', das noch in neueren quellen erscheint: sein (Alexanders) walzender triumf zermalmte tausend städte, zertrat die halbe welt. Wieland 9, 8 (Musarion 1); ein walzendes getöse 'welches sich umher verbreitet'. Campe. vgl.wälzen 2, c am ende. 2@a@thθ) walzen kann auch 'verlaufen, vor sich gehen' sein: ein rat huldet geleich bebstlichen gewalt und kurfürstlicher wal und hat in seinem fürnemen einen guten grund: es waltz die sach wohin sie wöll, so weisz ein rat sein ere bewaren ... es neme ein ende wie es wöll, so haben die ratgeben von Nurenberg ein groszen namen. Meisterlins Nürnberger chron., d. städtechron. 3, 139, 4 (1488); eʒ muoʒ nu walzen als eʒ mac: etswenne ouch hôhes muotes tac mit freuden künfte sît erschein. W. v. Eschenbach Willehalm 12, 1; wer ein lant mit richeit wol berihte und het eʒ wol erbowen, eʒ wer niht gut ob ers darnach vernichte. waʒ danne eʒ muʒ nu waltzen mit freuden so mit trouren, den heilen disen haltzen ... jüng. Titurel 3685 Hahn. 2@a@iι) auf walzen in der bedeutung 'veränderlich sein' geht das part. walzend zurück, das in bestimmten verbindungen in der rechtssprache anwendung fand und z. th. noch jetzt üblich ist. 2@a@i@11)) walzende güter, walzende grundstücke, walzende stücke, die an die erben ohne unterschied gleich getheilt wurden und nach belieben veräuszert werden konnten, im gegensatz zum geschlossenen besitz: walzende oder theilbare güter. M. Zeiller episteln 4, 398. Zinke ökon. lex. (1753) 2903; walzende stücke, alias teilbare güter vocantur praedia allodialia, quod dividi et alienari queant. Stieler 2421; waltzende stücke, bona allodialia, quae ad quosque heredes devolvuntur. Hayme jurist. lex. 1293. Adelung; walzende grundstücke. Schmeller2 2, 911. F. B. Weber ökon. lex. (1838) 633a; walzendes grundstück, wandeläcker. Bruns volkswörter der provinz Sachsen 26; dasz fürohin einem unterthane und lehen-manne, welcher gemeine zins-lehen oder auch erb-zins-lehen und güter, und walzende stücke besitzen, nicht höher, dann auf das drittel des werth ... ein consens ... ertheilet ... werden solle. corpus const. Brandenb. - Culmbac. 2, 1, 244; immer neue linien entstehen und verschwinden wieder, die thüringischen lande sind in ewiger bewegung wie die walzenden grundstücke einer dorfflur; in anderthalb jahrhunderten wechselt die herrschaft Römhild fünfmal ihren herrn, mit jeder neuen theilung verwirren und verfitzen sich die grenzen. Treitschke d. gesch.2 2, 396; man findet auch einige landstriche, z. b. das Gartethal, theile des amtes Eimbeck, ... in welchen sich grosze höfe nach sächsischer sitte mit festem kern erhalten haben; walzend war nur ein theil des grundbesitzes. Schlitte die zusammenlegung der grundstücke 2, 537. ähnliche walzende feldlehne 'güter, deren besitzer dem herrn einen järlichen zinsz entrichten, fronen leisten, bei kauf- und veränderungsfällen den ehrschatz bezalen und die öffentlichen abgaben entrichten'. Estor teutsche rechtsgelahrtheit 1, 801. 2@a@i@22)) walzende frohnen 'die als realdienste den gegensatz der persönlichen bilden, indem sie auf dem gute selbst haften, nicht persönlich sind'. F. B. Weber ökon. lex. suppl. (1844) 81a (aus Hessen und Baden). 2@a@i@33)) walzendes geschosz, abgabe, die nicht dauernd an einem besitz haftet, sondern mit dem besitzer wechselt: nachdem die heuser oder güter zu Roszwein nicht stehend, besondern waltzend geschosz haben. Knauth Altzellische chronik 8, 297. 2@a@i@44)) walzende gerichte 'zum unterschiede von den erbgerichten diejenigen dorfgerichte, wo das richter- und schöppenamt der reihe nach wechselt'. Krünitz 233, 293. Adelung. 2@a@i@55)) walzende schöffen, d. i. wechselnde, im gegensatz zu den lebenslänglichen: es sitzen zwölf schöpfen an diesem gericht, die geben: Helmitzheim 2, so gemeiniglich bei dem examen sein und müessen ir lebtag an der zent sitzen. Marck-Einersheim 2 ... disz seind walzende schöpfen, so alle peinliche gerichtstäge an der zent mit iren schultheisen erscheinen müessen. Knapp die zenten des hochstifts Würzburg 1, 1, 548 (1576). 2@a@kκ) die bedeutung 'walzer tanzen' erklärt sich von der drehenden bewegung der füsze aus, die beim tanz auf dem boden schleifen (vgl. oben α walzen vom gang). das wort in diesem sinn ist von Oberdeutschland ausgegangen, läszt sich aber auch hier vor der mitte des 18. jahrh. nicht nachweisen; in der älteren sprache steht ihm schleifen (th. 9, 592) am nächsten; walzen und schleifen bilden den gegensatz zu hüpfen, hopsen. beides sind in Deutschland einheimische tänze, darum auch deutsch tanzen. Schmeller2 2, 911 führt eine verordnung vom 15. okt. 1760 an, nach der walzende und schutzende tänze auf dem lande verboten sind. in der Baar kommt walzen für einen tanz 1787 vor (nach freundl. mittheilung H. Fischers). Adelung 1786 kennt 'aus einigen oberdeutschen gegenden' walzen, deutsch tanzen, 'welches auch wohl walzerisch tanzen genannt wird'. das wort kommt 1772 bei Göthe, 1780 bei Wieland und in den achtziger jahren auch bei Norddeutschen vor (vgl. auch walzer): der ausbruch wilder au'rhahnsbrunst heiszt, zum exempel, — falzen. thut eben das mit Schwabenkunst, so heiszt die sache — walzen. Bürger 398 Sauer (1792); zum drehen und walzen und lustigen hopp erkieset sich jeder ein schätzchen. Göthe 1, 197; und mit der liebenswürdigsten freimüthigkeit von der welt versicherte sie mir, dasz sie herzlich gern deutsch tanze ... und da wir nun gar an's walzen kamen, und wie die sphären um einander herum rollten, ging's freilich anfangs, weil's die wenigsten können, ein biszchen bunt durcheinander. 16, 32 (Werther); schwang er im walzenden deutschen tanz eine vollwangige dirne aus dem reigen mit sich herum. F. L. Stolberg 6, 43 (reise 1791); sie haben einen tanz, von dem die dirnen sagen, es ist ein gemengsel von luftsprüngen. ... aber sie selbst sind der meinung, (wenn es nicht zu wild ist, für einige, die von nichts wissen als von ländern und walzen [engl. bowling]) es würde ausnehmend gefallen. Shakespeare 8, 147 (winterm. 4, 3); eben als er die frage bejahte, fing eine fröhliche tanzmusik an ... sie mischten sich in die reihe der walzenden paare. Novalis (1826) 1, 94 Tieck u. Schlegel; bei dem sechsten (takte) faszten ein paar grenadiere einander unter die arme und fingen an zu walzen. Seume 70 (spazierg.); verstehst du zu walzen? hast du eine ahnung davon, was eine tour in der quadrille ist? Freytag 4, 164 (soll u. haben 2, 1); Ulema's trinken punsch und walzen. Rückert ges. ged. 5, 409. das wort wird auch freier gebraucht, so dasz es überhaupt 'in lebhaftem tempo in die runde tanzen' ist: unlustig faszt der schach — Almansaris beym arm; sie sträubt sich, doch was hilft sein unmuth und ihr sträuben? der taumel reiszt sie fort, sich mitten in den schwarm der walzenden mit ihm hinein zu treiben. Wieland 23, 289 (Oberon 12, 63, 4); hui! wir schwestern, hand in hand, huschen über see und land; walzen, walzen um und um, runde, runde, rund herum. Bürger Macbeth2 (1784) 18: ich scherze, lache, singe, hüpfe, tanze, springe, gleich einem trunknen faune walz' ich in fröhlicher laune. Kotzebue dramat. spiele 2, 259; rundum dich gedreht und gewalzt (στρόβει, παράβαινε κύκλω), und dir den bauch geklatschet! schwing' hoch zu den himmel das bein! lasz kreisel hier sich kreiseln! Voss Aristophanes 1, 424 (wespen 1539); das pfäfflein erwischt seine köchin alsbald stürzt walzend mit ihr in den ringelreihn. Langbein schriften 4 (1841), 111; Viktor nahm ihn beim arme und walzte mit ihm wie wahnsinnig im hofe um den brunnen herum. Eichendorff 2, 92 Dietze. in verbindung mit wälzen: die Gieszener studenten ... jauchzten, gläser und flaschen flogen hinab, sie tanzten, walzten und wälzten sich den berg hinunter und durchschallten das thal mit ihrem grausamen gebrüll. Bettine tagebuch 164. übertragen: in früheren jahren war mir jede reise ein maskenball-fest der seele; alle meine fähigkeiten walzten und jubelten auf das ausgelassenste, und es herrschte in meinem kopfe ein gedränge von scherz und ernst. Börne briefe aus Paris (1835) 1, 16; wäre nicht dringender, den gelehrten presto presto zuzurufen? wäre nicht gut, wenn die deutschen federn den schleichenden menuet ihren voreltern überlieszen, und etwas walzten? werke 2, 57. mit einem acc. des inneren objects; schlingt arm in arm zum kranz! walzt den alten rundetanz! Bürger 305a (Macbeth 4, 2). ungewöhnlich ist es, dasz sich ein persönlicher acc. anschlieszt: er, wie ein sturmwind, durchbraust nun den saal, und dreht und walzt sie (die tänzerin), verunglückte wahl! bis ihre besinnung verschwand. Thümmel reise 6, 256 (1799). 2@a@lλ) walzen 'auf der wanderschaft sein', das sich aus der handwerksburschensprache verbreitet hat (jetzt überall üblich, z. b. elsäss. Martin-Lienhart 2, 825, preusz. Frischbier 2, 454) läszt sich aus der älteren sprache nicht nachweisen. es geht auf ein mundartliches walzen 'schlendern, müszig, planlos hin und her gehen' (vgl.α walzen vom menschlichen gang) zurück, elsäss. 'spazieren gehen' Martin-Lienhart a. a. o., hess. 'arbeitslos umhergehn, feiern' Pfister 2. nachtrag 44, thür. 'sich herumtreiben' Hertel 253, 'schwerfällig einhergehen' Döring 86, henneberg. 'herumirren' Reinwald 187 (auch von dingen: wo walzt mein schnupftuch herum). in Leipzig auch (wie sich wälzen) 'in groszer menge herbeiströmen' Albrecht 233: die leute walzen ins theater, es walzt nur so; ähnlich in Henneberg von dingen 'sich drängen' Reinwald 187: die bäume hängen so voll blüthen dasz sie walzen. walzen 'wandern, fechtend reisen' erscheint jetzt auch in der schriftsprache: es sind immer nur ausnahmen ... kleine leute, hausierer u. dgl., die mit den missionaren zusammenhängen oder einmal nach Deutschland walzten, welche (in Asien) des deutschen mächtig sind. deutsche erde 1, 139. 2@bb) reflexives walzen. 2@b@aα) von menschen und thieren: er welzert sive walzet sich in seinem blut, suo se in sanguine versat. Stieler 2421; als bald da in (den besessenen) der geist sahe, reis er in, und fiel auff die erden, und waltzet sich und schewmet. Marc. 9, 20; dasz er ... anfing darvon zu lauffen .., seinen entseelten cammerathen, sich in seinem blut waltzend, hinterlassend. Simpl. schriften 3, 72, 17 Kurz (landst. Courage 14); zum dritten mal sie understunde mit den armen sich auff zu heben und walzet sich drey mal da neben auff dem beth. Virgils Aeneis übers. v. Murner (1559) N 6a; es ist inen widerfaren das ware sprichwort, der hund frisset wider, was er gespeiet hat. und, die saw waltzet sich nach der schwemme wider im kot. 2 Petri 2, 22; als die sew lust haben ... sich inn irer eigen schande zu waltzen. Luther 34, I, 75, 5 Weim. ausg.; die sau, die sich im kat gern salzt, sucht kein rosen, drinn sie sich walzt. Fischart dicht. 3, 214, 7 Kurz; da sah man eine schlange, die grosz und schlüpffrig war, aus innerm heilgen gange herfahren grimmiglich, die in die krümme kroch sich waltzend hin und her und offt im kreysz sich zoch. Virgils Aeneis übers. v. Schirmer (1668) 208; wo sich der esel waltzt, da musz er haar lassen. Lehman (1640) 146, 99; wenn sich ein hund aufn rücken waltzet, ist eine glückliche stunde. J. G. Schmidt rocken-philosophie 5. u. 6. hundert 360. daran schlieszen sich bildliche wendungen: du füllst dich tag und nacht bim wyn, waltzt dich im kadt glich wie ein schwyn. schweiz. schausp. 2, 184, 1853; das macht alles das folle, faule, sicher leben, darynne sie sich waltzen wie die schwein ym kott. Luther 19, 290, 25 Weim. ausg.; in allerley sünden sich zu waltzen. Butschky Pathmos 299. mit richtungsbestimmungen: und waltzten sich, nach altem schrot, mit wust befleckt durch treck und kot. anm. weiszh. lustg. 6. 87; es mag ein solcher unfreundlicher Timon immer hin, liebesbrunst zu löschen oder zu meiden, sich mit jenem in den schnee walzen. S. v. Birken Pegnesis 1, 321; die alt sich hin und wider bug und schryr das mord sehr grausamlich und waltzet ausz dem fewer sich. H. Sachs 17, 292, 25 Keller-Götze; wenn ... das heszlichste affenthier (also zu reden) aus der erden sich waltzet. Meyfart von dem himl. Jerusalem (1627) 2, 49; ja, auf sammeten polstern, und do der weg ist mit seiden gepflastert, do wollen sie sich hinauff waltzen, jha hundert jhar zuvohr gen himmel kommen den ihr ... prediger. Luther 33, 586, 9 Weim. ausg. übertragen 'sich jemand zuwenden': sprechend' also, dær sich gantz uof den herren waltzet uont lest, dæn kan ær aus not zerren. Melissus psalmen 78 (22, 9) neudr. von heeresmassen: so sind sie mit einem dreyfachen heer durch die Alpes ... kommen; und war eben als wann sie sich von den hohen bergen in Italien gewaltzet hätten. Wassenberg der teutsche Florus (Dantzigk 1645) 152. 2@b@bβ) von rundlichen gegenständen: nach dem die daschen anefing zu danczen an der wand und dreet sich im circkel rüm, darnach gar von der wande sprang, walczet zu der thür sich. H. Sachs fab. u. schw. 3, 193, 31 Götze-Drescher; das die körb anfangen zu beben und endlich sich all auff einmahl zu den fröschen waltzen ins thal. froschmeuseler Aaa 4b (III, 3, 9). 2@b@gγ) vom himmel: die sonne musz stets gehen, der himmel waltzet sich, die see kan niemals stehen. Opitz 1, 2. 2@b@dδ) vom feuer: der wolken donnerstimm beginnt in feld zu tohnen ... wie wann der Brennerberg sich zügellos gerissen, die harten felsen kocht, und siedend harz geschmissen aus seinem holen schlund: es tönt die schwarze kluft. hier walzet sich Vulkan mit wirblen in die luft, und leckt Orions knieh. die schwefelflocken fliegen. v. Birken Pegnesis 1, 73. 2@b@eε) vom herzen: denn ohne dich zu sein, ist ärger als der todt. die sinnen wancken mir, die feder wil nicht schreiben, das hertze waltzet sich, und wil mit macht zu dir. Hofmannswaldau heldenbriefe (1696) 127. 2@cc) transitives walzen. während Dasypodius und Maaler nur weltzen kennen, wird seit Hulsius in den meisten wörterbüchern walzen neben wälzen, mit der gleichen bedeutungsbestimmung, angeführt: waltzen, voltare, ruotolare, girare. Hulsius 272 (weltzen 275); waltzen, volvere. Schottel 1440 (weltzen 1442); walzen et welzen, gewalzet et gewelzet, volvere, versare. Stieler 2421 (auch herab-, herzuwalzen etc.); waltzen, wältzen oder weltzen, to wallow, roll. Ludwig 2375; waltzen, wältzen, weltzen, wentelen, rollen. Kramer (1719) 258c; walzen, volvere, volutare. Frisch 2, 420b (welzen 438c). Schönsleder, Dentzler u. a. verweisen von waltzen auf weltzen. Adelung sieht in walzen eine obd. nebenform zu wälzen. 2@c@aα) einen stein, einen apfel, ein fasz walzen: also si zuo ime chom,abe wielz (abe walgot 55, 12 Diemer) er den stein. genesis, fundgr. 2, 41, 29; den engel vuonden si da und den stein ab gewalzen. Schönbach altdeutsche predigten 1, 49, 9 (ähnlich 1, 51, 5); bisz letstlich kame einer, der waltzet den stein an ein orth, damit sich niemandt mehr darann stiesze. Keisersberg narrenschiff 439 (40. narr) Scheible; bis ... wir den stein vor das brunnenloch walzen. 1 Mos. 29, 8; trat er hinzu, und waltzet den stein von dem loch des brunnen. 29, 10; so waltzet grosse steine fur das loch der höle. Jos. 10, 18; wer eine gruben macht, der wird drein fallen, und wer einen stein waltzet, auff den wird er komen. sprüche Salom. 26, 27; der engel ... waltzet den stein von der thür, und satzte sich drauff. Matth. 28, 2; wer waltzet uns den stein von des grabes thür? Marc. 16, 3; brueder, hilff mir walczen disen stein uff das grab: ich vermags nit allein. Freiburger passionsspiele 71 Martin (gewelczt 79); er fellt und blibt nit in der höh der stein, den waltzt mit sorg und we den berg uff Sisyphus der tor. Brant narrensch. 56, 52; nu dises apfels (der Eris) gold, von ungesehner hand gewaltzet auf den tisch, verführet aller augen. Weckherlin 2, 347 Fischer; (die fässer, in denen das getreide aufbewahrt wird, müssen) zum dritten, alle vier wochen wenigst einmal hin und her gewaltzen werden. Hohberg 2, 56b. zusammenwalzen: got ... hat einen leimklotzen zuosamen gewaltzet, geformiert wie einen menschen. Wickram rollw. 27, 9 Kurz. 2@c@bβ) in etwas walzen: die todt tochter sie helst und kst und schlug jemerlich an ir brst, sie waltzt ir har inn irem bluot. Wickram 8, 178, 693 (met. 13, 492) Bolte. 2@c@gγ) einen menschen walzen: das zwerglein trat mir mit aim fuos untugenlich uff minen nack, und wielcz mich als ein ruebensack zuo ainer truchen, die stuond dort. Herm. v. Sachsenheim mörin 110; Ixion ward auch gewaltzet grimm wider und für mit klagens stimm durch scharffe dorn mit grossem schmertz. Wickram 7, 188, 863 (met. 4, 461) Bolte; hola, last uns ihn kehren umb. waltzt ihn hin und her. so ists recht. Spangenberg Hecuba 485 Dähnhardt; ich war zerfleischt und abgerissen, gewaltzt in meinem blut und koht, sehr krank am leib und am gewissen. S. Dach 170 Österley. dahin gehört wol bair. es hat in ainer gewalzen 'geprügelt'. Schmeller2 2, 911. 2@c@dδ) vom wasser: wie aber, wenn im herbst ein sturm das meer erregt, es seine tieffen dann auf berge waltzt und trägt. v. Besser schrifften (1732) 35; da stritten die könige der Cananiter zu Thaanach am wasser Megiddo, aber sie brachten keinen gewin da von ... der bach Kison waltzet sie. richter 5, 21. 2@c@eε) übertragen: mit dieser scharffen frage waltzet (Pilatus) Christo auff den kopff die schuld, er sey ein könig. Luther 28, 314, 16 Weim. ausg. 2@c@zζ) was ist walzen an folgender stelle? künd ich min zungen waltzen und bruchen nach ir lobes prisz. liedersaal 1, 384, v. 340. 2@dd) walzen 'mit der walze bearbeiten' ist von dem subst. walze aus gebildet worden. an sich könnte zwar auch von dem gewöhnlichen walzen ausgegangen werden, wie auch walen und walgen die bedeutung zeigen, doch spricht das späte auftreten von walzen in diesem sinn dagegen. es erscheint zuerst bei Rondeau: rouler, applâtir avec un rouleau, calandrer, dann bei Adelung. 2@d@aα) mit einer walze überfahren und eben machen: etwas waltzen, oder mit einer waltze eben machen, to roll something with a roller. Ludwig 2375; den acker walzen um die erdschollen zu zerdrücken. Zinke ökon. lex. (1753) 3095. Adelung. auch absolut: der weidlich sich bewegt, sät, ackert, erndtet, drischt, gräbt, pflanzet, wässert, walzt ... Hagedorn 1, 23. man sagt auch den hafer, die gerste walzen, wenn sie aufgegangen sind. die wege walzen: merkwürdiger weise scheint man ... die vortheile des walzens der wege und steinschlagchausseen erst am anfange der dreissiger jahre erkannt zu haben. Rühlmann allg. maschinenlehre2 3, 181. hierher gehört wol auch den teig walzen (wo Adelung von wälzen ausgehen will), vgl.den teig walen (sp. 1217) und wälgern (sp. 1238): walzen, ausstoszen, die letzte arbeit bey dem kneten des teigs. ... der kneter sticht nämlich ein groszes stück teig nach dem andern von der masse ab, walzet es bald nach der breite, bald nach der länge der beute. Jacobsson 2, 586b. 2@d@bβ) in einem walzwerk bearbeiten, z. b. das eisen walzen, durch walzen strecken: wenn aber langes und sehr dünnes eisen gewalzt werden soll. Karsten eisenhüttenkunde3 3, 22; zwei kesselpauken dienten als orchester und eines ofenschirms gewalztes blech. Scheffel gaudeamus37 x. übertragen: die sonstigen reden aber sind mehr oder weniger breit gewalzte programmatische erklärungen. Leipziger neueste nachrichten 23. 1. 1908, s. 2. papier walzen, in einer walzenpresse strecken. Karmarsch-Heeren3 2, 109; leder walzen, um es geschmeidig zu machen. Jacobsson 4, 586b. Krünitz 26, 267; münzen walzen, durch walzen mit dem gepräge versehen. Poppe gesch. der technologie 2, 614; zeuge walzen, durch walzen muster aufdrucken u. s. w. 2@d@gγ) die gestalt einer walze geben. beim uhrmacher den zähnen eines uhrrades mit der feile runde form geben. Jacobsson 4, 587a. Adelung. Poppe handb. f. uhrmacher 1, 17 (auch abwälzen, 11, 63 wälzen). beim glasmacher das glas rund machen: in diese höhlungen (des walzholzes) wird wasser gethan, und das glas ... darinn rund und glatt gewalzet. Jacobsson 4, 587a; der glasmacher ... walzet den unförmlichen glasklosz ... auf einer kupfernen platte. hiedurch walzet er das glas rund. Krünitz 18, 614. das flintenrohr walzen, ihm seine rechte runde gestalt geben. Jacobsson 4, 587a. Krünitz 233, 292. 2@d@dδ) mit hilfe von walzen etwas schueres fortschaffen. Mothes baulex.3 4, 332b: walzen findet bei runden, geraden hölzern statt, die zu schwer sind, um sie zu tragen oder auf schubkarren wegzufahren. Behlen lex. der forst- u. jagdk. 6, 291.
37885 Zeichen · 783 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    walzenstn.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +4 Parallelbelege

    walzen stn. der gedenke w. Ls. 3. 38,509 ;

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    2. Walzen

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    2. Walzen , verb. regul. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, aber nur in einigen wenigen Fällen gebraucht wird…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    walzen

    Goethe-Wörterbuch

    walzen [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Walzen

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Walzen , s. Walzwerk .

  5. modern
    Dialekt
    walzen

    Elsässisches Wb. · +4 Parallelbelege

    walze n [wàltsə allg.; wàlsə Co. Henry ] 1. walzen, Walzer tanzen. M i r hän ein en g e walzt Felleri. Syn. de n Walzer …

  6. Spezial
    walzen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    wal|zen vb.tr. (Straße) atocé (-cia), tocé sura, platoré (-rëia).

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit walzen

184 Bildungen · 166 Erstglied · 15 Zweitglied · 3 Ableitungen

Zerlegung von walzen 2 Komponenten

wal+zen

walzen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

walzen‑ als Erstglied (30 von 166)

Walzenbaum

SHW

Walzen-baum Band 6, Spalte 231-232

Walzenegge

SHW

Walzen-egge Band 6, Spalte 231-232

Walzengang

SHW

Walzen-gang Band 6, Spalte 231-232

Walzenjoch

SHW

Walzen-joch Band 6, Spalte 231-232

Walzenkorb

SHW

Walzen-korb Band 6, Spalte 231-232

Walzenseil

SHW

Walzen-seil Band 6, Spalte 231-232

Walzensitz

SHW

Walzen-sitz Band 6, Spalte 231-232

walzenachse

DWB

walzen·achse

walzenachse , f. achse einer walze: dasz die richtung der ( flachs- )stengel rechtwinkelig gegen die walzenachsen ist. Karmarsch-Heeren 3 3,…

Walzenarm

PfWB

walzen·arm

Walzen-arm m. : 'paarweise vorkommendes seitliches Teil des Walzenrahmens', nur Pl. -ärem [ FR-Tiefth LU-Friesh ]. —

walzenartig

DWB

walzen·artig

walzenartig , adj. : so treten doch auch hier ( bei diesen fischen ) wieder die extreme einer der scheibenform genäherten dicke und walzenar…

walzenassel

DWB

walzen·assel

walzenassel , f. nennt Oken 5, 605 die erste gattung der asseln mit walzigem leib, z. b. die walfischassel.

Walzenbäume

RhWB

Walzen-bäume -bęm Bernk-Hochschd Pl.: Umrahmung der Ackerwalze.

walzenbahn

DWB

walzen·bahn

walzenbahn , f. der dicke theil der eisen- oder stahlwalze, worauf das walzen geschieht.

walzenband

DWB

walzen·band

walzenband , n. mit drahthäkchen versehenes band auf einer krempelwalze. Grothe technologie der gespinstfasern 1, 300 .

walzenbank

DWB

walzen·bank

walzenbank , f. 1 1) die abstreichvorrichtung an einer walze. Karmarsch-Heeren 3 3, 55. 2 2) beim glasmacher die platte, auf der das glas zu…

walzenbaum

DWB

walzen·baum

walzenbaum , m. ein floszbaum von einer gewissen grösze. F. B. Weber ökon. lex. (1838) 633 a .

walzenbock

DWB

walzen·bock

walzenbock , m. der kragenkäfer, saperda Fabr., der ein walziges grünes querschild und nahezu walzige flügeldecken hat. Brehm thierl. 2 9, 1…

walzen als Zweitglied (15 von 15)

selpwalzen

KöblerMhd

*selpwalzen , V. nhd. „sich von selbst drehen“ Hw.: s. selpwalzende E.: s. selp, walzen W.: nhd. DW-

abe walzen

MWB

abe walzen stV. ‘weg-, hinab-, herabrollen’ – intr.: swaz man wurfe ûf daz dach, / daz möht niht gâhes ab gewalzen Ottok 30438. – tr. (vgl. …

abegewalzen

KöblerMhd

abe·gewalzen

abegewalzen , st. V. nhd. herabrollen Q.: Ot (1301-1319) (FB abe gewalzen) W.: nhd. DW2- L.: FB 2a (abe gewalzen)

abewalzen

KöblerMhd

abe·walzen

abewalzen , red. V. nhd. „abwälzen“, wegwälzen Hw.: s. abewelzen Q.: Gen (1060-1080), Ot, PrLpz E.: s. abe, walzen W.: s. nhd. abwalzen, abw…

ane walzen

MWB

ane walzen stV. ‘heranrollen’ gelücke ist gar ein wildez lôz, / daz dicke walzet an und abe KvWTroj 18401 MWB 1 304,21; Bearbeiter: Schnell

anewalzen

KöblerMhd

ane·walzen

anewalzen , st. V. nhd. „anwalzen“, heranrollen Q.: KvWTroj (1281-1287) E.: s. ane, walzen W.: nhd. (ält.) anwalzen, st. V., überollen, DW2 …

auswalzen

DWB

aus·walzen

auswalzen , cylindro exterere: gepflügtes land auswalzen; getraide, körner auswalzen. beim tanz auswalzen, den walzer zu ende tanzen.

gewalzen

KöblerMhd

gewalzen , red. V., st. V. nhd. „wälzen“, wegrollen Vw.: s. abe- Q.: WvÖst (1314) (FB gewalzen) E.: s. ge, walzen W.: nhd. (ält.) gewälzen, …

umbe walzen

Lexer

umbe·walzen

umbe walzen dî twerehes umbe walzet Glaub. 386. daʒ ir augen ze mâl umb walzen Mgb. 277,15. er ist nit lang dô umb gewalzen Fasn. 370,29. de…

Umwalzen

Campe

Umwalzen , v. intrs . u. trs . D. Umwalzen. D. — ung. 1. Úmwalzen, ich walze um, umgewalzt, umzuwalzen . I) intrs . im Kreise herumwalzen. E…

verwalzen

DWB

ver·walzen

verwalzen , v. , wie walzen mhd. stark flectiert ( s. u. ); umkehren, umwälzen: nu ist min lob verwalzet (1415) Liliencron hist. volkslieder…

în walzen

MWB

în walzen stV. ‘hereinrollen, hereinwälzen’ sy quamen uf mich mit schure [hier: Verderben] / [...] als durch eyn offene tuer. / nach irer vr…

īnwalzen

KöblerMhd

īnwalzen , st. V. nhd. einwalzen, hereinwälzen, hereinrollen Q.: Hiob (1338) (FB īn walzen) E.: s. īn, walzen W.: s. nhd. einwalzen, sw. V.,…

ūfwalzen

KöblerMhd

ūfwalzen , st. V., red. V. nhd. „aufwalzen”, auf eine Walze bringen E.: s. ūf, walzen W.: s. nhd. (ält.) aufwalzen, sw. V., aufwalzen, DW2 3…

Ableitungen von walzen (3 von 3)

bewalzen

DWB

bewalzen , cylindro aequare: den weg, die strasze, die gänge im garten bewalzen.

gewalzen

KöblerMhd

gewalzen , red. V., st. V. nhd. „wälzen“, wegrollen Vw.: s. abe- Q.: WvÖst (1314) (FB gewalzen) E.: s. ge, walzen W.: nhd. (ält.) gewälzen, …

verwalzen

DWB

verwalzen , v. , wie walzen mhd. stark flectiert ( s. u. ); umkehren, umwälzen: nu ist min lob verwalzet (1415) Liliencron hist. volkslieder…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „walzen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 9. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/walzen/dwb?formid=W05278
MLA
Cotta, Marcel. „walzen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/walzen/dwb?formid=W05278. Abgerufen 9. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „walzen". lautwandel.de. Zugegriffen 9. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/walzen/dwb?formid=W05278.
BibTeX
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