wacker,
adj. wach, munter, tüchtig. II.
herkunft und verwandtschaft. das wort ist im got., asächs. und afries. nicht belegt, sonst findet es sich in allen germanischen sprachen, wenn auch z. th. in abweichender bedeutung; im engl. ist es erloschen. anord. vakr
wach, frisch, tapfer Fritzner 3, 842,
schwed. vacker
hübsch, schön (
mundartlich auch wachsam und brav, gut, tüchlig Rietz 787),
dän. vakker
munter, frisch, brav, vortrefflich, schön, hübsch, ags. wacor
wach, wachsam Bosworth-Toller 1148,
mengl. waker Stratmann - Bradley 664,
mnd. wacker wachsam, frisch, hurtig Schiller - Lübben 5, 571,
ndl. wakker
wach, lebhaft, rüstig, ahd. wacchar, wakar
und wachar, wacher Graff 1, 679,
mhd. wacker
und wacher.
die form wacher,
die noch im 15.
jahrh. vorkommt, setzt sich im nhd. nicht fort. wacker
ist von der unter wachen
besprochenen wurzel gebildet, der ursprünglich die bedeutung '
lebenskräftig sein'
zukommt. der bildung nach läszt sich vergleichen skr. vigra
kräftig, regsam. verwandt ist eine andere adjectivische bildung, die im lat. vigil,
ags. wacol,
ahd. wachal
erscheint. während bei wachen
eine einschränkung der bedeutung auf '
wach sein, werden'
eingetreten ist, ist bei wacker
die nach dem zeugnis der verwandten sprachen ursprüngliche bedeutung von '
frisch, kräftig'
noch bei vollem leben. auch für das deutsche darf diese bedeutung als ursprünglich angesehen werden, obgleich im ahd. das wort nur in dem sinn von '
wach, wachsam'
vorkommt. doch hat sich gewisz die bedeutung '
frisch'
auch durch übertragung von '
wach'
aus entwickelt, wie bei wach
ähnliches wahrzunehmen ist. es empfiehlt sich daher, diese bedeutung zunächst ins auge zu fassen. IIII.
gebrauch. II@11)
die bedeutung '
wach'
findet sich jetzt besonders in nd. mundarten. ten Doornkaat Koolman 3, 498. Woeste 313.
im mittel- und rheinfränkischen ist die ableitung wackerig (
s. d.)
weit verbreitet, doch heiszt es oberhess. wacker Crecelius 887.
in der elsässischen mundart des Münsterthals (
Straszb. studien 2, 278)
kommt das wort in der bedeutung '
früh wach, frühaufstehend'
vor, sonst scheint es im obd. als '
wach'
wenig üblich zu sein. auch in der älteren sprache kommt es so hauptsächlich im west- und ostmitteldeutschen (
auch bei Luther)
vor, während es im obd. seltener erscheint und offenbar nicht überall eingebürgert ist. ausgedehntere verwendung hat es noch im ahd., wo es als '
vigil'
auch in den hymnen, bei Notker,
in ableitungen auch im Keronischen glossar auftritt. im nhd. findet sich die bedeutung anfangs noch in den wörterbüchern: Diefenbach
gl. 619
a vigil, vigilax, vigilis, wacher, wachir, wacker, weker; wacker,
insomnis, sine somno. Altenstaig 58
a bei Frisch 2, 413
b; wacker,
vigil, gantz wacker,
pervigil. Dasypodius 451
c; wacker, wachend,
vigil. Maaler 480
a;
vigil, wachbar oder wacker. Calepinus (1584) 428
b; wacker,
vigilans, vigil, insomnis, expergefactus. Kilian 644.
im 17.
jahrh. kennen Schottel
und Stieler
diese bedeutung nicht, dagegen hat Dentzler 1, 866
vigil, wacker, wachend, 1, 867
pervigil, allzeit wachend oder wacker, Krämer 1201 wachend, wacker,
vegghiante, Kirsch 1, 1247
vigil, wacker, wachend.
neben Ludwig (
s. u.) hat auch noch Rondeau wacker,
qui ne dort pas, während Adelung
diese bedeutung ausdrücklich auf das nd. beschränkt. doch kommt sie zu seiner zeit vereinzelt auch noch bei Mitteldeutschen (Jung Stilling, W.
F. v. Meyern)
vor. II@1@aa)
als prädicatsnominativ: wacker sein, werden, bleiben. wachen, wacker seyn,
vegghiare, vigilare. Hulsius 272; wacker werden. Krämer 1203; wacker seyn,
veiller, wacker werden,
s'éveiller. Rondeau; ich war schon vollkommen wacker, wach, wachend oder erwachet,
I was broad awake. Ludwig 2362; got, got mîner, ih wáchen in uôhtun ze dír. diu uôhta wécchet mih. sô mir fóne dir táget unde dû mih veritatem (wârheit) tuost pechénnen, so wirdo ih wácher ze dir, nals ze wérltkíridon. Notker
ps. 62, 2; er legir ist ein scharfir ackir, gar meʒig er spise und er trang, des nachtis gewoppint und wackir, waʒʒir und brod, fleisch obirlang. Rothe
ritterspiegel 3299
bei Bartsch,
mitteld. ged. 189; da regt sich der könig und ward wacker. Luther 3, 246
b; so hette sie das helle klare liecht so gestossen, das sie die augen hetten müssen auffthun und wacker werden. 5, 218
a; zuo disen reden, wann sie auff die ban kommen und fürfallen, wachen sie auff und werden wacker. Franck
morie encomion 47
a; darvon iederman lachet, und alle faulen mägde (
die in der predigt schliefen) darvon wacker wurden. Lindener
rastb. 8
Lichtenstein; so gibt sich das gantze heer in ein festen schlaff, vermeynend, es sey genugsam, wann sie die zeit, so die scharwacht umbgehet, wacker seyen. Wallhausen
kriegskunst zu fusz (1615) 135; bedenck es weiszlich in der zeit, und fleuch den schlaff der sicherheit, sey augenblicklich wacker! S.
Dach 133
Österley; bald nach diesen gesichten wurde ich allgemach von dem langen traum widerumb wacker und erwachte recht natürlich. Philander (
Leyden 1646) 5, 337; was fohr weh-leiden ich ausgestanden habe, eh ich bin wakker worden. ich hab' einen traum gehabt, dehr würd mihr wahrlich nichts guhtes bringen. Zesen
Rosemund 67
neudr.; in der ersten morgenwache erschienen ihm im schlafe zwölf hirsche ... mitten in solcher allgemeinen freude ward Josef wakker, und dachte diesem gefühle nach.
Assenat 184; ich glaube nicht, dasz ein armer mann ruhig schlaffen kan, wann er hört, dasz der könig ohne sorgen schlummert, wann aber die majestät bisz in die tieffe nacht wacker bleibet, so schlaffen seine unterthanen geruhig und süsse. Olearius
pers. baumg. 10 (1, 12); der nicht eher wacker wird, als wenn man des morgens die trommel schlägt. 89 (8, 5); der gewinnet den preisz, wer frühe aufstehet. was kan es nützen, dann erst wacker zu werden, wenn die leute schon fortgezogen seyn? 96 (9, 5); der abbé de Montignie geht auff einer seydt, der commissaire auff der andern und nehmen gleich die pistollen, ruffen: 'abbé de la Motte, reveilles vous!' wie er wacker wirdt und sieht den comissarier vor sich stehen, fragt er, wasz er wolle. Elisabeth Charlotte v. Orleans
briefe a. d. jahren 1721 —22
s. 293
Holland; dann träumte er oft ... wie er so froh sey, dasz er sie wieder habe. im traume fürchtete er wacker zu werden, und dennoch erwachte er. Stilling (1835) 1, 59; jeder mag sich zu dem groszen .. kampfe rüsten, und wach und wacker seyn, wenn das heerhorn jodute bläset. Jahn
merke 160.
auch '
von klarem bewusztsein',
im comparativ: ohn einiges träumen und in dem ich noch viel wackerer und munterer war, als wol eben jetzund.
junker Harnisch 164.
übertragen: eine möglichkeit, an der muth und das grosze gefühl künftiger thaten sich wach halten ... dieses wacker werden im vorüben des geistes ... v. Meyern
Dya Na Sore 3, 197. II@1@bb)
als prädicatsaccusativ: einen wacker machen, ihn aufwecken,
to wake. Ludwig 2362;
réveiller. Rondeau; das gesetz aber gibt gott, dasz er uns aufwecke, wacker mache. Luther
tischr. 128
a; da sprach der han, 'ja, das ist gut; ich wach und halt die leut in hut, und thu sie stetes wacker machen, dasz sie zur arbeit auff erwachen.' Waldis
Esopus 1, 61, 11
Kurz; das man die fawlen mägdt und flatzenmäwler mit auffwecke und wacker mache. Lindener
Katzipori 63
Lichtenstein, Clawerts gedichte, damit er offt die leute vom schlaffe ermuntert und wacker macht. B. Krüger
Hans Clawert 66
neudr.; solt solche faule schelmen mit den haren zum bett rausz werffen .. so möcht man ihnen den schlaff vertreiben, sie munter und wacker machen. Melander
jocoseria 2, 676; rautensafft .. denen so mit der schlaffsucht beladen seynd, in die nasen gestossen, machet sie wiederumb wacker. Tabernaemontanus (1664) 395; einen schlaffenden hund soll man nicht wacker machen. Lehmann 431, 1.
übertragen von abstracten: ein wort-fänger hat die krafft, einen alten hasz allezeit zu verneuern ... fliehe so fern du kanst, einen solchen mit-gesellen, der eine schlaffende schmach wacker zu machen trachtet. Olearius
pers. baumgarten 80 (7, 20). einen wacker halten, erhalten: rauden sind guot, dasz einer bei nacht keins weckers odder stunden darff, sie würt dich allweg fein wacker und wachend behalten, nit verschlaffen lassen.
Petrarche trostbücher Hh 3
b; sol er (
der falke) viel nacht nacheinander ... auffgemundert und ohne schlaff wacker gehalten und umbgetragen werden.
jag und weydwerckbuch (1582) 2, 31
a; welches (
herumgehen) die schildtwachten fleissig wacker hält. Wallhausen
kriegsk. zu fusz 142. einen wacker finden: sie werffen weg, sie streuen auf den acker, was sie durch so viel noth und sorgen erschwitzt, worüber sie der morgen und abendröth', und mitternacht fand wacker. A. Gryphius (1698) 2, 114 (
oden 1). II@22)
mit der bedeutung '
wach'
hängt die von '
wachsam'
eng zusammen. in der älteren sprache musz sie wenigstens in demselben umfang verbreitet gewesen sein; aus den jetzigen mundarten wird sie nicht ausdrücklich angeführt. litterarisch ist wacker
als '
wachsam'
mehr eingebürgert und erhält sich länger, hauptsächlich deshalb, weil es in der Lutherischen bibel vorkommt (
auch spielt die unter 3)
besprochene bedeutung '
frisch, munter'
mit herein).
in der anwendung tritt theils das moment des sichvorsehens gegen gefahren, theils nur das des aufmerkens, theils das des sorgens um etwas, strebens nach etwas hervor, ohne dasz eine strenge sonderung möglich ist: wacker, sorgsam und seiner dingen geflissen,
vigilans. Maaler 480
a; fleissig, embsig, unverdrossen, ernsthafft, wacker, willig, sorgfältig. Henisch 1, 1140. Adelung
führt die bedeutung noch an, bezeichnet sie aber als veraltet. wacker '
wachsam'
kommt sowol prädicativ in wacker sein, werden, machen
u. dgl., als auch attributiv vor: er fuar sâr thera fertinahtes mit giwurti, thaʒ iʒ ni wurti mârijoh baʒ firholan wâri; er ouh baʒ ingiangi,siu wâfan ni bifiangi, bi thiu was er sô êracarjoh harto filu wachar. Otfrid 1, 19, 16; sagêta er thô thên liobônfon thên zehen thiornôn bilidi biquâmijoh tharazua gizâmi: wio thio finfi fuarun,thie ungiware wârun, ni wârun wola wakar; bi thiu missigiangun sie thâr. 4, 7, 66; got wil, daʒ wir mit stætekeit gein sîner crefte sîn bereit, wackir und vil munder, daʒ er uns hie besunder âne slâfen vinde(n).
Martina 24, 31; knecht, du solt balde uffstan und solt zu den rittern gan und solt en sagen die mere, wie mer getreimet hot gar sere, dasz Jhesus sulde uffsten und gesund usz dem grabe
gen. gebiede en bi den hulden min, dasz sie wacker sollen sin!
Alsfelder passionsspiel 6964
Grein; nu hute dines selbes und bite got mit andacht ... wis wacker und bete.
veterbuch 54, 4
Palm; das wir söllen sein nüchter und wacker und warnet uns, das wir nicht entschlafen in der wollust. Tauler
sermones (1508) 64
a; ir söllet in diser nüchterkait wacker sein in dem gebet. 64
b; luog das du mit dir habst gon ein dapfers wackers hüntlin uff diner bilgerfart, das du nit allein gangst, wenn der weg ist vol wolff. Keisersberg
christl. bilgerschaft (1512) 136
b; darus folgt, dasz der seel, nachdem sy von dem törpel, dem lyb, entlöst, ganz wider ist, dasz sy schlafen söllt; sunder ir zimmt den erst wacker und unabläszlich leben und würckung. Zwingli 2, 225; darümb solten wir gerüst und wacker sein. Luther 24, 84, 33
Weim. ausg.; noch ist niemand gewesen, der sich hiefür hette wissen zu hütten, und wo wir itzt nicht wacker sind, und wol drauff sehen, das wir den artikel behalten, so wirds uns auch so gehen. 5, 368
b Jen. ausg.; das wir hie nicht sollen weichen noch gedültig sein, sondern die augen auffthun, wacker, fürsichtig und klug sein. 5, 444
a; darumb gehöret dazu, das man hie imerdar wacker und fursichtig und in sorgen lebe, das wir nicht übereilet werden oder uns selbs verseumen. 6, 252
b; solchen vleis und sorge bey gottes wort, meinet er mit dem wort wachen oder wacker sein, und heissets nicht schlecht wachen, sondern recht auffwachen. 6, 253
a; denn wie ein fallstrik wird er (
der tag) komen ... so seid nu wacker allezeit, und betet, das ir wirdig werden müget zu entfliehen diesem allen, das geschehen sol, und zu stehen fur des menschen son.
Luc. 21, 36; auch aus euch selbs werden auffstehen menner, die da verkerete lere reden, die jünger an sich zu ziehen. darumb seid wacker und dencket dar an, das ich nicht abgelassen habe, drey jar, tag und nacht, einen iglichen mit threnen zuvermanen.
apostelgesch. 20, 31; sey wacker, und stercke das andere, das sterben wil ... so du nicht wirst wachen, werde ich über dich komen, wie ein dieb.
offenb. Joh. 3, 2; hie sind menschen wacker und sorgsam, wie sie in vil gefahr auffladen, sonst in andern dingen faul und treg.
Petrarche trostbücher 88
a; dermassen ist es einem nur guot, dasz er beiweilen feinde hab, dasz er nit so faul und hinlässig lebe, sonder auffsehe und wacker sei. 136
a; der herr Jesus will auch wol kluge leut haben ... die do fleissig und wacker sein und ligen irem ampt obe tag und nacht. Mathesius
Sarepta 151
b; verschleffst du voller pfaff die erst metten, so wirst du selten nüchtern und wacker bleiben. 152
a; wie so vil leut von Christo werden abfallen oder schlummern, schlaffen und schnarchen, wie die jünger im ölberg, weil Judas und seine rotte geschefftig und wacker ist.
historie Christi 2 (1571), 4
a; dasz sie (
die christenheit) nicht sicher, sondern wacker und mundter sey. 5
b; derwegen wann jederman ruwet oder schlafft, so sol er (
der admiral) erst wacker, nüchtern und munter seyn, darmit kein nachtheil solchem schiff begegne. Fronsperger
kriegsb. 1, 202
a (1573); er sol auch vil ertichter grausamer reden ... zum feind kommen lassen, die in nach gestalt der sach und thaten wacker oder hinlässig machen mögen, auch sich befleissen etliche mär war zu machen, durch welche den lügen etwan geglaubt werde. 1, 225
b; wacker, wacker, wie der hasz auf dem acker. Fischart
trostbuch 20, 5
Hauffen; man solle des tages die hunde inne halten und schlaffen lassen, das sie des nachts desto wackerer sein. Coler
hausbuch 3 (1617), 34; (
gott,) lasz mich der köstlichen und unwiderbringlichen zeit wol warnehmen, und den wercken meines beruffs .. fleissig und trewlich abwarten, dasz ich keine stunde unnützlich zubringe, keinen tag vergeblich fürüber streichen lasse. mache mich munter und wacker, dasz ich nicht wachend entschlaffe, und indessen die ewige nacht einbreche. Schupp 927; antvögel, kranchen samleten sich, flohen mit hauffen auff den acker. der bawr ward zornig und auch wacker; er stellt ein garn und fieng der kranchen, von den antvögeln auch gar manchen. Waldis
Esopus 1, 60, 6
Kurz; derhalb der hund verursacht wardt, das er tag, nacht, zu aller fahrt dest fleissiger und wacker wer, das in nit bschülden köndt sein herr. 4, 78, 13; und gleich wie die gansz sorgsam ist, allso soll auch das haupt zur frist wacker seyn, beyd zu tag und nacht, gleich wie die gansz zu nacht auch wacht. Spangenberg
ganskönig 4, 415
Martin; dasz sie (
die gänse) gar fein zur mitternacht anmelden ordentlich die wacht, nicht schläffrig, sondern wacker sein. 5, 219; ein gut pflug-schaar sonder acker, und ein haushan, der nicht wacker (
sind unnütz). Homburg
Clio 1 (1642) F 5
a; ein rosszhirt bey eim haberacker musz allzeit munter seyn und wacker. Philander (1650) 1, 247; man hört von weitem nur der wackern hunde heulen und einsames geschrey der ungepaarten eulen! A. Gryphius (1698) 1, 225 (
Cardenio); mache mich zum wackern hüter (
dem hunde), dessen augen offen sein, ... wenn das haus zu bette geht und der dieb mit listen steht nach des nächsten gut und gelde, ei, so gib, dasz ich ihn melde! P. Gerhardt 323, 57
Gödeke; wer blind wählet, dem schlägt opferdampf in die augen ... wackre, schwer zu verblendende finden opfer. Klopstock 2, 97 (
die grazien); du feldwacht, und ihr runden, seid wacker und bereit, um fleiszig zu erkunden, von wo gefahr uns dräut. Schenkendorf 41.
übertragen vom menschlichen geiste, herzen, auge: firdrîb fon uns in thrâtiallo missodâti, thiz festinô uns in muate,theiʒ uns irgê zi guate, thaʒ wir thârana werkônmit wakarên githankon, joh wir thaʒ io ahtônmit luterên gidrahtôn! Otfrid 2, 24, 35; dasz heller meinem wackern geist sich die natur der dinge weist, und dasz ich, wie nicht jedermann, von wahrheit irrthum sondern kann; ... desz freuet meine seele sich. Bürger 12
b; sus canstu machen wacker miin laeu versleefert herze seer unduchtich. Hans
Marienlieder 2927; auf dich (
Jesu) leg' ich mich zu bette, gieb, dasz ich gesund auffsteh' gott des trostes! komm und rette mich aus leibs und seelen-weh! schlummern schon die augen ein, lasz das hertze wacker seyn. A. Gryphius (1698) 2, 276 (
geistl. lieder); do wurdend ir beider augen wacker, und wurdend gewar, das sy nacket warend.
Züricher bibel 1 Mos. 3, 7 (Luther: da wurden ir beider augen auffgethan.
in der predigt über das 1.
buch Mosis, Weim. ausg. 24, 90, 23
aber auch wacker); Jonathan ... reckte seinen stab aus ... und tuncket mit der spitzen in den honigseim, und wand seine hand zu seinem munde, da wurden seine augen wacker.
1 Sam. 14, 27; liebe den schlaff nicht, das du nicht arm werdest, las deine augen wacker sein, so wirstu brots gnug haben.
spr. Sal. 20, 13; das ich auch meinem bruder bey mir und dir kein wort vertrawe, sondern mit scharffen wackern augen allein auff das wort sehe. Luther 5, 444
a; die vergaffenden augen, die an einem nagel an der wand verstarren, die eben wacker seind wie ein wacken im kot. Fischart
Eul. vorr. 15, 4
Hauffen; das auge seines geistes musz durch übung wackerer geworden und tiefer gedrungen sein, als das auge eines (
oberflächlichen) richters. Bürger 135
b; aber ich bin — müde geworden, hatte ich geschrieben, ... nein, herr buchbinder, unsere augen sollen wacker bleiben. Immermann
Münchh.2 1, 51; jünglinge, lasset euch beispiele warnen.es sey euch wacker das auge, so bald an dem zauberkreise sich leben, groszes, leidenschaft zeigt. Klopstock 2, 199 (
die rathgeberin) (
der trank) der unsern geist belebt, und unser aug' empor zu schauen schärft, und wacker macht. Stolberg 4, 74; dein wackeres aug' ist fähiger, als mein blödes gesicht in der noth ihm zu helfen. 14, 145; steh auf, und diesen morgenbecher leere! ich trank.da schüttelte mich frost.doch ward mein auge wacker, diese welt zu schauen, so wie sie ist. Heyse 1, 209;
schles. wackere augen Berndt 152. wacker
in dieser bedeutung wird früher auch mit präpositionen verbunden: darumb soll ain mensch fürsichtig sein und wacker über sein hertz. Keisersberg
has im pfeffer Aa 6
a; Jeremia, was sihestu? ich sprach, ich sehe einen wackern stab. und der herr sprach zu mir, du hast recht gesehen, denn ich wil wacker sein über mein wort, das ichs thue.
Jerem. 1, 12; denn nach ir (
der weisheit) trachten, das ist die rechte klugheit, und wer wacker ist nach ir, darff nicht lange sorgen. denn sie gehet umbher, und sucht wer ir werd sey.
weisheit Salom. 6, 16; solchen vleis und sorge bey gottes wort, meinet er mit dem wort, wachen, oder wacker sein, ... denn die welt ist auch wacker auff ir ding, aber nicht zu gottes wort. Luther 6, 253
a;
invigilare, über etwas wachen, auf etwas wacker seyn. Dentzler 1, 867; schildtwachen . . welche die wachte, so sie die runde hören passiren, oder sonsten ein lärmen von andern auszstehenden schildtwachen vernemmen, in aller eyl, so einige nicht wacker zu der gewehr, auffmahnen. Wallhausen
kriegskunst zu fusz (1615) 137
als adverb: vigilanter, accurate, attente. Stieler 2399; er soll wacker uffmercken woll, in seym ampt flissig er seyn soll. Brant
Moretus 87
bei Zarncke 143
a; die obrigkeit hat wacker acht, dasz sich der krebs nicht locker macht. Kopisch (1856) 1, 103; der hofschulze ... nahm dort, dem eichenkampe gegenüber, platz, und erwartete ... still und wacker den weiteren fortgang der dinge. Immermann
Münchh.2 3, 14; er ersuchte mich seine kleine schutzbefohlene recht sorgsam und wacker nach hause zu geleiten. G. Keller 2, 199 (
gr. Heinrich). II@33)
die vorherrschende bedeutung des wortes ist bis auf die neuere zeit die von '
frisch, munter, lebendig, hurtig, rührig, thätig, rüstig'.
der ausgangspunkt ist die bezeichnung der körperlichen und geistigen frische; von da aus sind mehrere specialisierungen eingetreten, die sich indes nicht scharf sondern lassen. Diefenbach
gl. 18
a,
nov. gl. 12
b agilis, wacker;
gemma b 2
a agilis, schnell, wacker;
im teuthonista wird wacker
angeführt unter activus, agilis, incolumis, vegetus, vivax; strenuus Dasypodius 451
c; eyn wacker gemüt,
vegeta mens. ebenda; wacker, frisch, gesund,
vegetus, ferox, gnavus, impiger. Maaler 480
a; sich wacker und fruotig erzeigen und darstellen,
praebere se vegetum et acrem. ebenda; gnavus, impiger, vegetus, strenuus, agilis, expeditus, vividus. Kilian 644; wacker, hurtig, tapffer,
valoroso, gagliardo, valent' huomo, animoso, saldo, fermo. Hulsius 272; frisch, frölich, fräch, gerühet, gesund, wacker. Henisch 1, 1244; wacker, hurtig, unfaul, nicht faul,
vigilante, destro, gagliardo, accorto. Güntzel 825; wakker,
gnavus, vigorosus. Schottel 1439; wacker, munter,
desto, lesto, svegliato, vivace, vivo, vigoroso. Krämer 1203;
alacer, vigilans, acer, excitatus, erectus; agilis, scitus, subitus, velox, volucer. Stieler 2399; wacker, hurtig, unverdrossen in seinen geschäfften,
vigilant, activ, diligent. Rädlein 1024; wacker, munter, aufgeweckt, hurtig, frisch, lebhaft. Ludwig 2362; wacker, munter, rüstig, lustig. Kramer (1719) 257;
alacer, acer, navus, excitatus. Steinbach 2, 914,
ebenso Nieremberger. Adelung
und Campe
weisen, namentlich in einigen verbindungen, noch auf diesen begriff hin, daneben zeigt sich der übergang zu der unter 4)
besprochenen bedeutung. auch in den mundarten lebt die bedeutung noch, Kehrein 436
gibt für wacker '
munter, schnell', Crecelius 887 '
munter, arbeitslustig'
an. es soll im folgenden versucht werden, einige gebrauchsweisen auszusondern, doch kann die einordnung der belege nicht immer mit sicherheit geschehen, da die bedeutungen in einander übergehen. II@3@aa) wacker
geht auf die naturanlage und das temperament und ist durch '
frisch, regsam, lebhaft'
wiederzugeben: ein wackerer mensch,
elegantis et vigilantis ingenii homo, eine wackere jungfer,
alacris scita et venusta puella (
also mit einmengung anderer bedeutungen). Stieler 2399; ein wackerer jüngling,
a brisk youth, a spark. Ludwig 2362; wackere leute,
homines alacres, ein wackerer knabe,
puer navus. Steinbach 2, 914; weiber, die man wacker nennt, sind gemeinlich schnöde: weiber, die man from beniemt, sind gemeinlich blöde: weiber, die man wirthlich heist, sind gemeinlich böse. schwer ists, wie mans treffen soll, dasz mans recht aufflöse! welche böse bösem ist, die ist zu erwehlen; und es mag am hurtig seyn, und am from seyn fehlen. Logau 3, 113, 70; nichts (
ist) so faul, dasz es nit hurtig, nichts zu letzt so verborgen und vergraben, das nit herfür und ann tag gebracht, nichts so schläfferig, das nit wacker werden möge.
Petrarche trostbücher 195
a; der wächter war ein junger, frischer, wohlbeschwätzter und wacker kerl. Philander 2, 297; ein junger soldat, ein tummelhafter wacker kerly, ein frischer junger gesell. 2, 416; wird zu einem vollkommenen jäger erfordert, dasz er sey ein junger, munterer, wackerer mann. Becher
jägercabinet 4; die baronesse hatte sich indessen den Laertes ausgesucht, der ihr als ein wackerer, munterer jüngling besonders gefiel. Göthe 18, 285 (
W. Meisters lehrj. 3, 8); das kleine mädchen ward nachgerade ein wackres, muntres geschöpf, deren gesicht so freundlich glatt und weisz war, wie ihr gemüth. Novalis
4 1, 62 (
Heinrich v. Ofterdingen); die wolken schienen rosse mir ... der sturm, ein wackrer rosseknecht, sein muntres liedel singend, dasz sich die heerde tummle recht, des blitzes geiszel schwingend. Lenau
ged. 1, 146 (1857).
im volkslied ist wacker,
ähnlich wie frisch,
als beiwort üblich, besonders von den mädchen: es war ein wacker megdlein wolgetan. Uhland
volksl. 185; so treiben wir (
reiter) ausz die lemmer und schaf, so folgen uns die wackern megdlein nach. 383; wir beide faren wol über den Rein und holen das wacker megdelein. 385; er führet ein wackers hürelein.
lied von 1608,
zeitschr. f. d. wortforsch. 1, 58.
sprichwörtlich: die ist sehr wacker, frisch und behend, welche den rock vorm ars verbrennt. Wander 4, 1722.
übertragen vom gesicht: hertzog Bugslaff ist ... vor allen andern wie ein rise gewest ..., eins herlichen, wackern und manlichen angesychts, hoher stirn, brawnlechtiger, grosser, lebendiger augen. Kantzow
chronik v. Pommern (
letzte bearb.) 391
Gäbel. auch bei thieren kann wacker
das naturell bezeichnen: wackeres pferd,
equus generosus. Stieler 2399;
a fair, pretty or brave horse. Ludwig 2362; ein wackeres pferd, ein munteres lebhaftes und gesundes. Adelung. Campe; da wont auch ein pfarer, der gar eine schöne kellerin het, und darzuo ein klein süberlich wacker pferd, die hett der pfarer alle beide lieb.
Eulenspiegel 59
neudr.; ein wacker freudig pferd. Zincgref
apophth. 423; er (
der junge ochse) gieng und war gerad und wacker, und neben ihm ein ochsz im acker, der zog den pflug und ward ihm sawr, wann ihn so treib der grob gebawr. Alberus
fab. 25, 199
neudr.; ire (
der hähne) sitten söllind adelich, hochmütig, frölich und wacker sein. Heuszlin
vogelbuch (1557) 79
a; wiewol man saget, dasz die weissen (
geiszen) milchreich seien, so seind doch die rotfärbigen und die schwartzen vil wackerer und schöner. Sebiz
feldbau (1580) 144; wer schnelle hitzige und gute hund haben wil, sol die hündtin mit einem jungen hund belegen, dann wann solches mit einem alten beschehe, würd sie nicht wackere, sondern gantz schwere, ungeschickte und sehr unlustige hund welffen.
jag und weidwerckbuch (1582) 9
a; ziegen sind ein wacker, munder und lustig thier, können wol klettern und steigen. Coler
hausbuch (1640) 326; die bienen, die gerne und sehr stechen, das sind gemeiniglich die besten, wackersten und muntersten bienen. 394.
sprichwörtlich: so wacker as ne îme (Woeste 313)
oder so wacker wie ein wiesel; ha! hier sah er so waker aus, wie ein wieselchen. Hermes
Sophiens reise 4, 376. II@3@bb) wacker
geht auf die rührigkeit, die eifrige, energische thätigkeit. diese bedeutung, die sich mit der unter 2)
besprochenen vielfach berührt, ist namentlich in der älteren sprache häufig: die sehste (
tugend) heiʒet wackerheit, siu ist ze strîte bereit, ir ernest unde ir flîʒ gît ir für die andern prîs, siu ist wacker und behende gar, siu ruowet (niemer) in der schar, siu warnet hie unde wecket dort. Pfeiffer
altd. übungsbuch 143, 211; her vant si legende sider in eime studen nacket und bloʒ, des königes barmunge was groʒ, snelle was her und wacker, her nam si von dem acker und kleite si wunniclichen. Brun v. Schonebeck 902
Fischer; darumb ist der herr auch wacker gewest (
bis 1541: hat sich der herr auch nicht geseumet), mit diesem unglück, und hats über uns gehen lassen. denn der herr unser gott ist gerecht in allen seinen wercken.
Dan. 9, 14; denn sintemal uns unser fleysch und blut ymmer anhanget, so mus gottes wort ynn uns wacker sein, das wir dem fleysch nicht raum lassen. Luther 14, 66, 17
Weim. ausg.; Esau aber heisset auf deudsch thettig odder schefftig und wacker. 24, 438, 13; das wil gut, wacker und fleissig gesinde haben, das sein wol wartet, nicht verschlaffen seyn.
tischr. 431
a; fieng er an mit züchtiger geberdung, wie seinem alter gezimmet, den halb verzuckten Gargantubald höchlich zuloben und zu erheben (wie man dann pflegt, wann man ein trägen will wacker wecken).
Garg. 144
b (225
neudr.); wilstu anjetzo fortkommen, so mustu nicht lang von dem schulsack schmecken, sondern einen wackern weltman abgeben. Abele
künstl. unordnung 1, 140; ist der advocat listig und wacker, so darff er seinen clienten wol bringen umb seinen acker. J. Sommer
ethographia mundi 1 A 8
a; ein ackerman musz seyn ein wacker mann; wer säumig ist, der ist nichts nutz. Lehman 1, 398; was für soldaten wirds abgeben, die in einen jeden land sich häuslich niederlassen, bürgerlich einrichten, wackere kerls hintern ofen sein. Leibnitz
schriften 1, 156
Guhrauer; nur solche bedrängnisse bessern, über denen die gefährdeten thorheit vergessen und wacker werden, denen sie mit aufgebotener kraft, wenn auch nicht obsiegen, wenigstens entgegentreten können. Niebuhr
röm. gesch. 2, 313; sollten wir an deinem feste denn nicht wacker sein? blieben still und stumm im neste, wie ein stock und stein? Claudius 6, 55; da wurden sie (
die faulen) endlich wacker: nun bauten sie den chor, nun setzten sie stein auf stein da, nun stieg der dom empor. Kopisch (1856) 1, 85; der klabautermann ist ein wackerer geist, der alles im schiff sich rühren heiszt. 1, 286; sein tagwerk fördert jeder seiner schläge, und, wacker bis zum feierabend, letzt ihn seine flasche, wird der arm ihm träge. Heyse 1, 212;
doppelsinnig, indem die bedeutung '
wach'
mit hereinspielt: der bey einer jungfer schläft, ist der straffe werth geacht: aber der hat offtmals lohn, der bey einer jungfer wacht: ist es billich? ja; man frag' eine jungfer selbst davon; gebt dem faulen spricht sie: (hört!) straffe; gebt dem wackren lohn. Logau 1, 214, 91.
die richtung der thätigkeit kann in der älteren sprache durch bestimmungen bezeichnet werden; wacker
ist dann '
einer sache beflissen, eifrig in etwas'.
mhd. hat es vereinzelt den genetiv bei sich: dâ wurden tjoste gewetzet, manc werder man gesetzet hinderʒ ors ûfn acker. si wârn ir strîtes wacker. W. v. Eschenbach
Parzival 379, 26.
häufiger ist anknüpfung der bestimmung mit präpositionen: von Bêmin kung Ottackir, ein herr in strîte wackir. Nic. v. Jeroschin 9900
Strehlke; weren stroschneyder und krauthackr in ir arbait hurtig und wackr. Rösch v. Geroldshausen
wunschspruch 547
Fischnaler; ah lieber herr gott vater, erhalte uns wacker und frisch, hitzig und vleissig in deinem wort und dienst, das wir nicht sicher, faul und trege werden. Luther 6 (1557), 331
a; er was rösch unde wacker ûf allen hövelîchen schimpf. K. v. Würzburg
troj. krieg 608; (
Joseph) was ûf gewin sô wacker, den (
l. daʒ) er enphieng einen acker, den er bûwte und sâte. W. v. Rheinau 84, 27; mann sol sich weydelich mit lebendiger bewegung begehen und auff die tugent wacker sein.
Petrarche trostbücher 19
a; ze gotes dienste wakker was der vil ûʒ erwelte. K. v. Würzburg
Silv. 1287; der Behêmin kunig Ottackir, ein helt zû strîte wackir. Nic. v. Jeroschin 12930
Strehlke; dan weil ich mich so starck und wacker zu dem streit und meine feind mit forcht und schröcken schier gebunden und also von dir selbs des sigs zu guter zeit vergwissert mich befunden. Weckherlin 2, 50 (
ps. 18, 66)
Fischer; wo Nilus flieszt und sich auszgiest, wohnten vil auff dem acker, dem schatten gleich: zum himmelreich warens doch aller wacker. Balde
Agathyrsus 67, 1; dasz sie (
die dichtkunst) vielmehr zu schärfferm und genauerm nachdencken dich wacker und munter mache. Müffling
in Logau's vorrede s. 5.
ebenso kann sich ein infinitiv mit zu
anschlieszen: Kain wart vile wacherze pûwene den accher, sumer unt winterwas er vil munter, fruoge ze sîner houwen:er wolt sih sîner arbeit frouwen.
genesis, fundgruben 2, 24, 27; ich bin aber höchlich erfrewet, in dem herrn, das ir wider wacker worden seid, fur mich zu sorgen, wiewol ir allweg gesorget habt, aber die zeit hats nicht wollen leiden.
Phil. 4, 10; herr gott ... lasz meinen sinn und geist seyn wacker für und für, zu thun was mir gebührt und wolgefället dir! Logau 1, 4, 6; sie (
die hausfrau) denckt umb nach einem acker, käufft ihn an sich, pflantzet wein, ihrer arme krafft musz wacker etwas anzugreiffen seyn. S. Dach 131
Österley; wie nehmlich da herum ein haufen wilde schwein sich sehen lassen, die da grosz und böse sein. mit scharfen wehren sie sich stellen allzu wacker, zu thun viel schaden in der wiesen und im acker. Opel
u. Cohn
30jähr. krieg 278, 11; du seist die sphinx, mit einem solchen räthsel, kein Ödipus sei's zu errathen wacker (
fähig). Tieck 1, 353 (
kaiser Octavian).
selten folgt ein nebensatz mit dasz: Wilhelm und Hans von Grumbach, den was beden also gach, sie waren geil und wacker, dasz sie uf ireme acker und erblicher erden solden ritter werden. Liliencron
hist. volksl. 1, 184. II@3@cc) wacker
kann auch auf die stimmung gehen und bedeutet dann '
freudig erregt, übermüthig'
oder auch nur '
froh, heiter'
oder '
unverzagt, muthig': wacker, nuofer und muotig sein, guoten freyen muot haben,
vigere animo, vegere. Maaler 480
a. II@3@c@aα) der vîol gab mir hôhen muot, und brâht mir darnâch smerzen. darüber sturzt ich mînen huot, niht verre von eim akker; ich dâht der vîol wær mir guot, des dûht ich mich gar wakker.
minnesinger 3, 299
a Hagen; hie meine ich singen unde lesen, daʒ sol diz seitenspil hie wesen, eʒ machet vrô herze unde lîp, eʒ gît dir kuonheit an den strît, eʒ machet wacker dînen muot, eʒ bringet dir aller tugende guot, eʒ sterket unde stætet dich. Pfeiffer
altd. übungsbuch 144, 251; nu hat man nuwe mere in dem lande vernomen. sit das concilium gon Costenz ist komen; die dirnen sint gemelich und sint ouch worden wacker und rich. Liliencron
hist. volksl. 1, 264; wib, prinnende vackel in mannes gemuete! ir machet menigen wakcher mit üwer guete. Hugo v. Montfort 38, 67
Wackernell; daheim im hausz bin ich so wacker und lustig nicht. Luther
tischr. 147
b; von dem klingen der waffen werden sie (
die hengste) wacker und freidig und andere pferd anfallen. Ryff
thierbuch Alberti magni C 3
a. II@3@c@bβ) es ist das folck mer guthertzigk wan freuntlich, mehe simpel dan klug, nicht sonders wacker oder frolich, sonder etwas ernst und schwermutig. Kantzow
chronik v. Pommern (
letzte bearb.) 415
Gäbel: wann du (
herr) pist in der geläubigen sel ... als ain liecht in ainer vinster, dein gnad geit ain soleich glinster, das manig sele wirt gar wacker. Vintler
pluemen der tugent 5324
Zingerle; darumb getrost und wacker seit, die yhr hie werd geplaget, eur leid sol kürtzlich werden zur freud, wenn yhr das creutz nur traget. Rebhun
Susanna 2, 363
Palm; und wie die dame, die noch kaum zuvor ihn froh und wacker sah, so plötzlich ihn in solche wunderbare schwermuth fallen sieht, erschrickt sie desz. Wieland 18, 60 (
Geron); sie sollen wacker seyn und gutes muths, der Tell sey frei und seines armes mächtig. Schiller 14, 377 (
Tell 4, 1), frau Lichtlein schüttelte den kopf, ich brach in lautes weinen aus. sie aber sprach mir zu: sei wacker, mein söhnchen, und gib dich zufrieden, es kann wohl noch werden. Mörike
erzählungen2 272.
vom gesicht: der spigel ist falsch und onnuz, der ein angesicht, welches für sich selbs fräudig und wacker ist, nicht des minder darf unlustig und traurig ausweisen. Fischart
ehez. 136, 32
Hauffen. von den augen (
von den unter 2
gegebenen belegen etwas verschieden): ein centnerstein fiel ihm dadurch vom herzen, das schwermuthsfältchen verschwand von der stirn, und seine augen wurden wacker. Musäus
volksmährchen 5 (1805), 58; als er seine verehrte schöne in dem neuen, reizenden anzuge sah, begannen seine augen wacker zu werden, er sah ganz verklärt aus. Immermann
Münchh.2 4, 120. II@3@c@gγ) der soldaten kühne thaten und heroische tapfferkeit ist dem himmel nit zu wider, sondern ihr starcke faust und überwindliche curage musz auch die sichtbare kirchen Christi auff erden von den feynden schützen, soldaten seynd wackere leuth. Abr. a S. Clara
reimb dich (1702) 97 (
mercks Wienn); wer ist dann jener dort,der sich so wacker stelt zu diesem roszthurnierund thut so heldisch scheinen? D. v.
d. Werder
erlös. Jerusalem 3, 18; lieb mädel, um mitternacht bin ich nicht weit; sey wacker und lasz dir nicht grauen! Bürger 61
a (
des pfarrers tochter zu Taubenhain), es zuckt der tod auf dem angesicht, doch die wackern herzen erzittern nicht, das vaterland ist ja gerettet! Körner 1, 91; die huben an, auf ihn zu schieszen, nach ihm zu werfen mit den spieszen. der wackre Schwabe forcht' sich nit, gieng seines weges schritt vor schritt. Uhland
ged.2 335 (
schwäb. kunde); frisch unverzagt, beherzt und wacker, der scharfe säbel ist mein acker, und beutemachen ist mein pflug, damit gewinn ich gelds genug. Arnim 5, 162 (
wintergarten 1); sei daher jeder wacker und unverzagt bei dem neuen — wenn nicht aufbau — doch um- und fortbau Deutschlands. J. Paul 34, 70 (
nachdämmerungen). II@3@dd) wacker
kann dann auch auf das körperliche befinden gehen, besonders auf den zustand der kräfte, die rüstigkeit. II@3@d@aα)
körperlich frisch, im besitz seiner kräfte: er wolt nicht ein solch mal anrichten, da man sich toll und voll fressen und sauffen solte, sondern dabei man wacker und frisch auff were. Luther 16, 170, 14
Weim. ausg.; nüchtern aber ist man am leib gsund und wacker, an der seel munter und speculierend. S. Franck
sprichw. 1, 153
a; durch den schlaf fand er sich gestärket und seine glieder rüstig und wacker. Musäus
volksmährchen 1 (1804), 61; der amtmann muszte den beschränkten sinn seines dieners belächeln, und ermahnte ihn nur, seinen versäumten nachtschlaf nachzuholen, damit er nachmittags wacker seyn könne. Tieck
novellen (1853) 4, 36 (
jahrmarkt); ruhsame nacht! ich suche meinen pfühl und lasz euch mit den sternen jetzt allein, ich möchte morgen wieder wacker sein. C.
F. Meyer
Huttens letzte tage 123.
mit angeschlossenem infinitiv: gestärkt am herzen durch hundetreu' erstand er neu und wacker, von hinnen zu reiten. Bürger 82
a (
das lied von der treue). II@3@d@bβ)
von natur kräftig, rüstig: hällt nit der mehrertail menschen die reichen allain für glücksälig, die listigen für weis .. die frisches und wackers leibs für gesund? Fischart
trostb. 4, 3
Hauffen; seyn die Teutschen nicht wackere, starcke, ansehnliche, gerade männer? Zincgref
apophth. 103; ist schon euer herr und mann gestorben .., ihr seit noch jung und wacker genug, werd euers gleichen bald finden, wann ihr nur wollet. Philander (1650) 1, 78; der barth ist ein anzeigen eines starcken, tapffern, und wackern mannes. Abr. a S. Clara
Judas (1687) 1, 72; ich meine ja, sie (
unsere vorfahren) würden ... uns eher mit unsern frantzösischen bärtgen für feige und weibische memmen als ansehnlich wackere männer achten. Thomasius
von nachahm. der Franz. 4
neudr.; sei lustig, gutes ding (
die geliebte des junkers)! zwar keift die gnädge frau, zwar stehst du büszend bald im kirchengang zur schau; allein was schtest du des zischelns und des hohnes? die herschaft in geheim freut sich des wackern sohnes; auch nimt der kandidat voll unterthänigkeit in deiner schürz' einmal die pfarre hocherfreut. Voss
ged. 2 (1795), 79; wer sie nur sähe, sollte schwören, sie sey recht wacker und gesund. Göthe 11, 143 (
scherz, list u. rache 3); blitz! wie die wackern dirnen schreiten. 12, 49 (
Faust 1); der starke mann liesz .. auf seinen hohlschwebenden leib einen ambos heben und auf demselben, von einigen wackern schmiedegesellen, ein hufeisen schmieden. 18, 164 (
W. Meisters lehrj. 2, 4); nun mochte er sich freilich auf sein funfzigjähriges gesicht nicht verlassen, ob er schon so frisch und wacker aussah als ein dreisziger. 21, 86 (
W. Meisters wanderj. 1, 5); eine gemeinschaft, die, an dem obelisken der zeiten, stets unter den wackersten und rüstigsten thätig gewesen ist. H. v. Kleist 3, 313; hoch in den fünfzigen, rüstig und wacker. Immermann
Münchh.2 3, 46; und jetzt erscholl ein schritt vom hinterhause her; begleitet von seinem mops Fidel, der pflichtgemäsz hinterherwatschelte, erschien der urgroszvater, ein wackerer fünfziger, zierlich bezopft, im chokoladefarbnen rock. Storm
werke 3, 157 (
von heut und ehedem); vor dem rechten flügel zieht sein brudersohn Agenarich daher .., ein jüngling im flaumbart, aber wacker über sein alter. Freytag 17, 96 (
bilder 1, 1); das knäblein wuchs bei speisz und trank zum wackern jüngling, grosz und schlank. Hebel 2, 160; Ellid heiszt der wackre jager, stark von wuchs und fest im bug, welcher mich ins römerlager mit gewalt'gen sprüngen trug. C.
F. Meyer
ged.9 241.
sprichwörtlich: heute wacker, morgen auf dem gottesacker. Wander 4, 1722. II@3@ee) wacker
kann auch auf abstracta übertragen werden, die bedeutung ist dann meist die von '
mannhaft, tapfer, kraftvoll': wackere tahten,
facta fortia, praeclara et memorabilia. Stieler 2399; derhalben soll dich die lieb hie, wie dort die forcht, erwecken und munter machen, welche beyde wacker sind und heyssen.
Petrarche trostb. 201
a; grosze hellblaue augen leuchteten unter einer hohen stirne hervor, nachlässig waren seine blonden haare aufgeschlagen, und seine mittlere statur zeigte ein sehr wackres, festes und bestimmtes wesen. seine fragen waren lebhaft, und er schien sich auf alles zu verstehen, wonach er fragte. Göthe 18, 261 (
W. Meisters lehrj. 3, 4); sein anmuthiges gedicht, worin er die wackere leidenschaft zur jagd ... vorträgt. 22, 69 (
W. Meisters wanderj. 2, 4); überall ein wohlgefügtes wesen, sichere kraft, ein wackeres zusammengreifen. Freytag
handschrift 1, 97; da hängt an hüttenwänden doch ein gewaltig schwert! das schwert, es war dem klausner gewisz vor zeiten werth. so bald erlosch die jugend, des wackern muthes feuer? Immermann 11, 241
Hempel. '
kräftig': da trennten wir uns ... herzlich und mit wackerm händeschütteln. Steub
drei sommer in Tirol3 264.
daran schlieszt sich ein ironischer gebrauch: wackere schläge,
verbera valida, penetrantia, digna, sonantia. Stieler 2399; er ward wacker abgeprügelt, er bekam wackere stösze. Ludwig 2362; wackere schläge,
de bons coups. Rondeau (
als provinciell); du wirst ursach seyn, dasz ich wackere ausputzer und vielleicht auch wohl gute trockene stösze von dem herren bekommen werde. Gryphius
lustspiele 468
Palm (
seugamme 2, 3); (
der feldwebel) fuhr die verbündeten mit den wackern worten an: kerls! euch soll ja ein kreuzsternschockmillion-donnerwetter sechstausend klafter tief unter den winterkasten in die erde schlagen! Immermann
Münchh.2 1, 34; wackrer heimathlicher grobheit setze deine stirn entgegen; artigen leutseligkeiten gehe schweigend aus den wegen. Storm
werke 8, 247 (
gedichte). II@3@ff)
eine eigenthümliche vertiefung des begriffes zeigt sich bei Kant,
der wacker
in der bedeutung von strenuus, thatkräftig, willensstark, energisch nimmt: die regeln der übung in der tugend ... gehen auf die zwey gemüthsstimmungen hinaus, wackeren und fröhlichen gemüths (
animus strenuus et hilaris) in befolgung ihrer pflichten zu seyn. denn sie hat mit hindernissen zu kämpfen, zu deren überwältigung sie ihre kräfte zusammennehmen musz. 5, 327 (
tugendlehre); die ethische gymnastik besteht also nur in der bekämpfung der naturtriebe, die es dahin bringt, über sie bei vorkommenden, der moralität gefahr drohenden fällen meister werden zu können; mithin die wacker und im bewusztsein seiner wiedererworbenen freiheit fröhlich macht. 5, 329; ein jeder affect von der wackeren art, der nämlich das bewusztseyn unserer kräfte jeden widerstand zu überwinden (
animi strenui) rege macht, ist ästhetisch erhaben z. b. der zorn ... der affect von der schmelzenden art aber, welcher die bestrebung zum widerstehen selbst zum gegenstande der unlust (
animum languidum) macht, hat nichts edles an sich. 7, 126 (
kritik d. urtheilskraft); wenn gutmüthigkeit in seinen augen und zugleich der ausdruck des wackeren im bewusztsein seiner kraft mit ruhe verbunden aus seinen blicken hervorleuchtet. 10, 334 (
anthrop.); unausstehlich ist es, wenn ein kind schon alle moden mitmachen will ... es bekommt dadurch ein affectirtes wesen ... und das wackere eines mannes fehlt ihm am ende gänzlich. 10, 433 (
üb. pädag.); ein wackerer (
strenuus) ist der, der lust zum wollen hat. 10, 436; was die verbindlichkeit zum wohlthun betrifft, so ist sie nur eine unvollkommene verbindlichkeit. man musz nicht sowohl das herz der kinder weich machen, dasz es von dem schicksale des anderen afficirt werde, als vielmehr wacker. es sei nicht voll gefühl, sondern voll von der idee der pflicht. 10, 440. II@44)
aus einigen unter 3)
besprochenen gebrauchsweisen von wacker
konnte sich die bedeutung '
tüchtig, trefflich, gut'
ergeben, die jetzt die herrschende ist. ein wackeres pferd
ist zunächst ein temperamentvolles, feuriges pferd, da temperament bei den pferden aber kennzeichen edler rasse ist, so ist es dann auch ein treffliches pferd; ein wackerer krieger
ist zunächst ein tapferer, dann aber auch ein tüchtiger krieger; ein wackerer arbeiter
ein thätiger, fleisziger, dann auch ein guter arbeiter u. s. w. das adjectiv erscheint dann auch in anderen verbindungen in der allgemeinen bedeutung. diese bedeutung ist im 17.
jahrh. schon vorhanden, drängt aber die ältere bedeutung nur langsam zurück. die deutsch-lateinischen wörterbücher bis auf Hederich
und Steinbach
führen bedeutungen wie '
probus'
noch nicht an (
doch weisen Stielers
beispiele z. th. auf die jüngere bedeutung hin),
erst Nieremberger
kennt wacker
als '
rechtschaffen'.
die neusprachlichen wörterbücher berücksichtigen die neue bedeutung früher, suchen in ihren angaben aber meist zwischen ihr und der älteren zu vermitteln. so hat Krämer 1203 ein wackerer jüngling,
un compito, garbato, valoroso, vigoroso giovane, ein wackerer mann,
un brav' huomo, un' huomo di vaglia, auch ein wackerer prediger, artzt,
un valente, valoroso predicatore, medico, Rädlein 1024 ein wackerer mann,
un brave, honnête, valeureux homme, Ludwig 2362 er ist ein wackerer mann,
he is a rare good man, or a brave man, Rondeau er ist ein recht wackerer mann,
c'est un très-galant homme, un homme de probité. Frisch 2, 413
bezeichnet wacker
in dem sinne von '
brav, gut, dapfer, probus, bonus, fortis'
als vulgär. dasz die bedeutung '
gut'
hauptsächlich in der umgangssprache lebte, geht auch daraus hervor, dasz Adelung
sie noch nicht ausdrücklich angibt; er geht vom begriff '
in seinem berufe thätig'
aus und erklärt dann ein wackerer mann '
der seine pflichten mit munterkeit und thätigkeit erfüllt'.
auch Campe
erklärt den begriff '
pflichtmäsziger thätigkeit und sittlich guter beschaffenheit'
nur als einen häufig hinzutretenden. thatsächlich war in der litteratur diese bedeutung durchaus zu selbstständigem leben erstarkt, ohne allerdings die älteren bedeutungen ganz verdrängt zu haben. wacker
kommt als '
tüchtig'
bei süd- und mitteldeutschen prosaikern etwa seit der mitte des 17.
jahrh. vor; weit seltener erscheint es in dieser bedeutung bei den dichtern: die Schlesier, Haller, Hagedorn, Zachariä
u. a. gebrauchen es niemals oder nur ganz vereinzelt. erst später nimmt auch die poetische sprache (
wol hauptsächlich unter Wielands
einflusz, der das wort gern gebraucht, auch Bürger
und die Göttinger dichter lieben es)
dieses wacker
an, das bei Göthe
und Schiller
auch im edelsten stil verwendet wird. II@4@aa) wacker
bezeichnet die tüchtigkeit im beruf, in der eingenommenen stellung. am nächsten kommt es der älteren bedeutung in verbindungen wie ein wackerer krieger,
wo es auf mannhaftes wesen und tapferkeit geht: also veraltet mancher wackerer soldat unter seiner muszquet, der billicher ein regiment meritirte.
Simpl. 1, 62, 3
Kurz; wie nun alles vorüber war ..., bedachte erst der gefangene leutenant, was er vor einen fehler begangen, dasz er nemlich einen so schönen troupp reuter dem feind so unvorsichtig in die hände geführet und 13 so wackere kerl auf die fleischbanck geliefert hätte. 1, 272, 10; ihr seyd ein wackrer ritter, gott ist auf eurer seite, ihr werdet gewisz siegen.
F. Müller 1, 194; euer sohn hat sich gehalten wie ein wackerer kriegsmann. Schiller 2, 69 (
räuber 2, 2
schausp.); und Geron (dachte sie) wird mit uns ziehn, und mir die freude werden, zu sehen, wie er unter allen königen und rittern aus der ganzen welt der wackerste und schönste ist. Wieland 18, 40 (
Geron);
soldat. ein wüthender auf einem barberrosz im tigerfell, sprengt vor mit den gendarmen.
Johanna. das ist graf Dunois! frisch wackrer streiter! der sieg ist mit dir! Schiller 13, 328 (
jungfr. v. Orl. 5, 11). wacker
geht dann auf die eifrige, erfolgreiche berufsthätigkeit (
also im anschlusz an die bedeutung 3,
b): ein wackerer arbeiter,
un brave (
habile)
ouvrier. Rondeau; unsere heutige wackere verfasser guter teutscher werke. Leibnitz
deutsche schriften 1, 473
Guhrauer; einer der schon zehen jahr auff universitäten gewesen und daselbst für einen wackern und fleiszigen studenten ist gehalten worden. Thomas
ausübung der vernunfftlehre (1699) 105; ich könnte noch einen andern wackern lehrer ... nahmhaft machen, der sich gleichfalls meiner einzelnen bogen bereits in seinen privat-lectionen bedienet. Gottsched
erste gründe der gesamten weltweisheit (1733) 1,
vorr. 4
b; halb griechische, halb auch französche donne, ist Regula die wackerste ma bonne, nimmt sorgsam überall, nimmt tag und nacht die lieben kinderchen ganz wohl in acht. Bürger 28
b; und war dabei ein wackrer fürst, desgleichen selten finden wirst. Schiller 3, 170; wer nennt einen wackern schiffer mir, das schiff zu fahren mein? Kosegarten
dicht. 7, 200; dem wackeren kutscher ziemt es, zu zeigen den leuten, dasz er verstehe das handwerk. 8, 193; einer ist ein geschickter kunstgärtner geworden, ein anderer ein wackerer kammermusikus. Gervinus
leben 42; 'herr Petrus, rief er, aufgemacht!' 'wer da?' — 'ein wackrer christ.' 'was für ein wackrer christ?' 'der manche nacht, seit dem die schwindsucht ihn aufs krankenbette brachte, in furcht, gebet und zittern wachte.' Lessing 1, 108.
von den pflichten in der familie: ein wackerer gatte, ein wackerer sohn; du wirst gewisz eine wackere frau an ihr haben; nicht so eine Xantippe wie — Lessing 1, 266 (
d. junge gel. 2, 15).
es kann auch allgemein für '
pflichtgemäsz lebend, berufsfreudig'
stehen: auf diese fähigkeiten nicht acht haben, heiszt, nicht nur seinem natürlichen rufe nicht folgen, sondern auch bey andern die gute meynung von sich verringern. es fehlt uns oft nicht an fleisze und eifer, der wackre mann zu seyn. wir thun mehr, als andre, und wir thun es doch nie mit beyfalle; denn die natürliche fähigkeit mangelt uns. Gellert
moral. vorlesungen (1770) 1, 330; ihr sehet tücht'ge männer, wackre frauen, zu thaten mächtig, wie zur hülfe mild. Göthe 4, 158; allein gestehe, wenn ein wackrer mann mit heiszer stirn von saurer arbeit kommt, und spät am abend in ersehnten schatten zu neuer mühe auszuruhen denkt. und findet dann von einem müsziggänger den schatten breit besessen, soll er nicht auch etwas menschlichs in dem busen fühlen? 9, 184 (
Tasso 3, 4). II@4@bb)
indem der begriff der berufstüchtigkeit in den der berufsstellung überging, konnte sich die bedeutung '
angesehen, vornehm, stattlich'
entwickeln, die im wesentlichen der älteren sprache angehört: ein wackerer mann,
vir gravis, spectabilis, amplissimus. Stieler 2399; nun abr ich nicht zu sagen begehr, dasz nur ein baur ich drinnen (
in Prag) wär, geschweig ein wacker edelmann, zu dem mein könig mich machen lan. Opel
u. Cohn
30jähr. krieg 118, 215; wendet solches (
geld) zu euern besten und zu euern studieren an, damit auch einmahl stattliche und wackere männer aus euch werden mö
gen. Schoch
studentenleben 17, 34
neudr.; so bin ich doch nun ein wackerer kerl und studente worden. 48, 41; hatte ich ursache mich zu verwundern, dasz ein so wackrer herr einen schlechten dorff-pfarrer so freundlich um herberge anredete.
Simpl. 1, 75, 31
Kurz; also verbarge sie ihr hefftiges anligen (
fleischliche begierden) eine zeitlang, und ersahe inzwischen einen wackern jungen edelmann, der ansehnlich von person, und von gutem geschlecht, aber gleichfalls nicht sonders von mitteln war. Happel
acad. roman 264; (
worte) die sich auf das sittenwesen, leidenschaften des gemüths, gemeinlichen wandel, regierungs-sachen, und allerhand bürgerliche lebens- und staats-geschäfte ziehen ... und weilen solche wort und reden am meisten fürfallen, und zum täglichen umgang wackerer leute so wohl, als zur briefwechselung zwischen denselben erfordert wird. Leibnitz
deutsche schriften 1, 454
Guhrauer; so wird es auch keinem so bald glücken, wie dem böhmischen bauern Primislav, welcher, als er sein mittagmahl auf den pflug-eisen eingenommen, für einen könig nacher Prag abgeholt worden, und also aus einem ackers-mann ein wackerer mann worden. Abr. a S. Clara
huy und pfuy (1725) 133 (
das 3,
b erwähnte sprichwort hat hier eine andre wendung erhalten); ob er nun wohl aus einem uralten und sehr wackeren geschlecht ist.
ehe eines weibes 364; wer von seinen eltern wacker und ehelich geboren ist und selbst nicht unehrlich geworden, der kann durch erwerb eines lehngutes .. zum ritterschild kommen. Freytag 18, 45 (
bilder 2, 1, 1); ich gäb' was drum, wenn ich nur wüszt', wer heut der herr gewesen ist! er sah gewisz recht wacker aus, und ist aus einem edlen haus; das konnt' ich ihm an der stirne lesen — er wär' auch sonst nicht so keck gewesen. Göthe 12, 138 (
Faust 1); der wackern männer kenn' ich viele dort, und angesehen grosze herrenleute, die mir geheim sind und gar wohl vertraut. Schiller 14, 285 (
Tell 1, 2). II@4@cc)
tiefer griff eine innerlichere auffassung des wortes. man suchte den grund des tüchtigen handelns in sittlichen eigenschaften und gelangte so dazu, wacker
in der bedeutung von '
gut gesinnt, redlich, rechtschaffen'
zu nehmen. diese uns geläufige bedeutung wird vor dem ende des 17.
jahrh. kaum nachzuweisen sein. Rädlein, Ludwig, Frisch
weisen auf sie hin, deutlich ausgeprägt ist sie bei Nieremberger: ein wackerer mann,
vir probus et sanctus; bei Adelung
erscheint sie dagegen noch mit andren bedeutungen verquickt (
s. oben): Kain (
war) ein ackersmann, aber kein wackerer mann, in dem er seinen bruder ausz neyd ermordt. Abr. a S. Clara
Judas (1687) 1, 267; ich möcht gern wissen, wie der hiesz, der sich vom weib nicht narren liesz, sagt einmahl ein einfältiger gispel. ein solcher musz wissen, dasz auch viel wackere, ehrliche, ehrbare weiber gefunden werden.
reimb dich (1702) 25; sie spricht, die leute würdens ihr gnug vor übel gehalten haben, dasz sie es als eine wackere ehrliche frau zugegeben hätte. Reuter
Schlampampe kranckheit u. tod 2, 2; so ist es ihm freylich ein empfindliches vergnügen, wenn er sieht, dasz seine gute eigenschaften von andern wackeren leuten erkannt werden. Gottsched
erste gründe d. ges. weltweisheit (1734) 2, 403; es musz ein wackrer, ein vortrefflicher mann seyn, wie ich aus seinem ganzen briefe sehe, der mit so vieler einsicht, freundschaft und geschmack geschrieben ist. Gellert 8, 144; wollt ihr abstehen von allen übelthaten, und handeln als wackre leute, die wissen was sie wollen. Göthe 8, 141 (
Götz v. Berl. 5); der wackere theil der bürger, der sein baares geld, sein silbergeschirr ... freywillig hingab, hat ... die stadt und den egoistischen flüchtigen theil der reichen vertreten und gerettet.
briefe 12, 235
Weim. ausg.; gedungen haben sie da mit einander einen verrätherischen hund ... der aussagen muszte ... als hätte ihn und andre mehr kayser Heinrich gedungen, zu Würzburg etliche fürsten hinterstelliger weise zu ermorden; und sieh, unter diesem vorwand kündigen sie ihrem frommen wackern kayser treu und gehorsam auf.
F. Müller 1, 193; und stiesze von ungefähr uns einer auf, der wackrer, treuer, und biederherziger wär' als er: so soll ihm alles vergangne nichts nützen. Wieland 21, 8 (
Gandalin prol. 130); hier, rief der graf, mein wackrer freund! hier ist dein preis! komm her! nimm hin! Bürger 37
a (
lied v. braven manne); hier dieser wackre jüngling, dem sich keiner vergleicht im ganzen dorf, der trefliche, er hat dir seine neigung zugewendet. Schiller 13, 174 (
jungfr. v. Orl. prolog 2); und du bist auch so ein dienstfertger schurke und brächtest wackre leute gern ins unglück. 14, 350 (
Tell 3, 3); ich habe das vertrauen zu ihm, mein lieber meister, weil ich ihn als einen wackern mann kenne. Kotzebue
dramat. sp. 2, 332; wo die allgemeine zeitung nicht unergötzlich den markt von Plundersweiler bei sich eröffnete, auf dem käufer und verkäufer, marktschreier und zigeuner, wackere leute und alles lumpenvolk sich durcheinander treiben. Görres
ges. schriften 4, 132; welche philosophie, welche sittlichkeit, welche tugend! ja, Horaz, das nenne ich einen wackern mann! ... Horaz ein wackerer mann? nun, dann seyd mir willkommen, ihr memmen und schelme! Börne 2, 10.
für das bair. gibt Schmeller
2 2, 845
die bedeutung '
brav, artig'
an. II@4@dd)
nachdem sich wacker
als '
tüchtig'
eingebürgert hatte, wurde es gern in rühmendem sinn gebraucht und zwar so, dasz die bedeutung eine etwas verschwommene ist, etwa wie '
brav, trefflich'
und mehrfache beziehung zuläszt: derowegen sag ich, das wegen dieser und vieler andern ursachen unser wackerer Kichote stetes und sonderbahres lobs wol würdig ist.
junker Harnisch 105; zehn tausend thaler habe ich mit vier thalern gewonnen? das ist unerhört! ... o wie vielen wackern leuten werde ich dafür gutes thun können! Gellert 3, 316 (
loos i. d. lotterie 5, 1); man hat ihn auf der tortur examinirt, wo der hauptmann sey? — der wackere bursche hat nichts bekannt. Schiller 2, 88 (
räuber schausp. 2, 3); das mädel ... schämt sich, dasz sein vater Miller der geiger ist, und verschlägt mir am end' einen wackern ehrbaren schwiegersohn, der sich so warm in meine kundschaft hineingesetzt hätte. 3, 359 (
kab. u. liebe 1, 1); bei einem wackern edelmann, meinem freunde, der ein altes schlosz mit einer starken familie bewohnte, war eine waise erzogen worden. Göthe 15, 130 (
unterh. d. ausgew.); ein trinker kam von ungefähr, und taumelte den weg daher. schnell faszt er sich, blieb horchend (
auf die musik) stehn, und ward entzückt, und schriee: schön! so schön, als wenn bey meinem wackern wirthe das helle paszglas klirrte. Lessing 1, 59; die hülfe gottes eilet schnell, sie rüstete den wackern Tell, das vaterland zu retten.
F. L. Stolberg
ged. (1779) 120; aber alhier sind eilf weitstreifende ziegenheerden, weidend am äuszersten end'; und es hüten sie wackere männer. Voss
Odyssee 14, 104; aber ich konnte nicht denken, dasz bald sein (
des Rheins) liebliches ufer sollte werden ein wall, um abzuwehren den Franken, und sein verbreitetes bett ein allverhindernder graben. seht, so schützt die natur, so schützen die wackeren Deutschen und so schützt uns der herr, wer wollte thöricht verzagen? Göthe 40, 243 (
Herm. u. Dor. 1); nicht begehrst du zu scheinen in der montur vor den mädchen; denn es ist deine bestimmung, so wacker und brav du auch sonst bist, wohl zu verwahren das haus und stille das feld zu besorgen. 40, 270 (
Herm. u. Dor. 4); sagt! wir haben ein mädchen gesehn, das im garten zunächst hier unter dem apfelbaum sitzt, und kindern kleider verfertigt ... uns gefiel die gestalt; sie scheinet der wackeren eine. 40, 297 (
Herm. u. Dor. 6).
es erscheint als schmückendes beiwort in der epischen dichtung: so mög' es euch (
Artus), und diesen wackern rittern an eurer seite, nicht entgegen seyn. Wieland 18, 16 (
Geron); und wenn dir mein wackerer jäger gefällt. Bürger 61
b (
des pfarrers tochter v. Taubenhain); und sie gingen darauf dem wackeren richter entgegen, der in seinen geschäften die strasze wieder heraufkam. Göthe 40, 297 (
Herm. u. Dor. 6). II@4@ee)
das besprochene wacker
wird dann auch mit leichter ironie (
wie ehrlich, ehrsam
u. dgl. worte)
gebraucht: das trockennaive, das steif-wackere, das ängstlich-rechtliche, und womit man ältere deutsche kunst characterisiren mag. Göthe 44, 247 (
kunst); das gemälde ... ist nicht so schauderhaft banal oder banal schauderhaft wie die andern erwähnten historischen genrebilder, lieblingsstücke der bourgeoisie, der wackern, ehrsamen bürgersleute, welche die überwindung der schwierigkeiten für die höchste aufgabe der kunst halten. Heine 6, 288
Elster; die lateinischen buchstaben der handschriften starrten den wackern Deutschen so fremdartig an, wie etwa jetzt den anfänger hebräische schrift. Freytag 17, 293 (
bilder 1, 5).
es kann auch bei herbem spott für den entgegengesetzten begriff stehen: ihre clienten würden ... mit vergnügen den beutel offen halten, um diesen wackern rechtsgelehrten, diesen vater der wittwen und waisen, für seine redlichen absichten taxmäszig zu bezahlen. Rabener
sat. 4, 67; glorwürdiges — man musz bekennen! habt ihr vollbracht, du und dein wackrer sohn! mit reichem raub zieht ihr davon! ein wahres heldenwerk ein weib zu überlisten! Schiller 6, 389 (
Dido). II@4@ff) wacker
wird als '
zweckentsprechend, tüchtig, trefflich'
auch auf abstractes und gegenständliches übertragen. die bedeutung ist häufig eine etwas unbestimmte, doch lassen sich folgende gebrauchsweisen aussondern. II@4@f@aα) wacker
als '
stattlich, vornehm'
kommt in der älteren sprache vor: viele junge studenten lassens tapffer hergehen, borgen frey wacker in das gelach, nur auff hoffnung einer wackern reichen heyrath. Schupp 530; für wackere ämter gehören wackere leute, für gemeine dienst gemeine leute. Abr. a S. Clara
huy u. pfuy (1725) 2; als wie ein wackers haus ein schöner ercker ziehret. Rachel
sat. ged. (1742) 131. II@4@f@bβ) wacker
als '
tüchtig, trefflich'
von abstracten: die leute halten mich auff allen bier-bäncken frey, und geben mir noch dazu die schönsten worte, wenn ich ihnen zu gefallen meinen purschen wincke, dasz sie ein leib - stückgen hören lassen. ist denn das nun nicht wacker? heysa viva!
der schlimme causenmacher 15; seine (
Zelters) indische legende ist mir sehr werth. der gedanke ist original und wacker. Göthe
briefe 12, 362
Weim. ausg.; er hat eine wackere kritische schrift ... ihnen dedicirt. Heyne's
briefe an J. v. Müller 160; man schalt den eintretenden, dasz er so spät erscheine und darüber schon so manchen wackern spasz verloren und eingebüszt habe. Tieck
novellen (1854) 10, 494 (
waldeinsamkeit); die schlacht bei Lützen stand auf der staffelei; es war eine ganz wackere arbeit, die Felix mit bestem gewissen loben konnte. Heyse
im paradiese5 1, 62; die (
nüchternheit) tauscht' ich prasser, so herzlich gern für einen rausch von meinem wein! ein wackrer tausch! Klamer Schmidt
poet. briefe 27. II@4@f@gγ) wackerer kopf: die herren jesuiten haben freylich den ruhm, dasz sie sich desz schulstaubs weniger entziehen, als einige andere münch-orden, sie schicken wackere köpffe wieder zu ihren eltern, und darum tragen auch die protestanten kein bedencken, ihnen ihre kinder zur information anzuvertrauen. Happel
acad. roman 167; lobet meine häuslichen sorgen, meinen wackern kopf. unrecht bin ich angekommen, aber bin kein tropf. Göthe 11, 154 (
scherz, list u. rache 3);
zugleich anspielend auf die bedeutung '
kräftig': da fuhren beide mit den köpfen aneinander, dasz es krachte. das mädchen schrie, die zinnteller klirrten, Hinzelmeier wurde ganz confus. 'er hat einen gar wackern kopf!' sagte das mädchen und wischte sich mit ihrer hand die thränen von den wangen. Storm
werke 3, 27 (
Hinzelmeier). II@4@f@dδ) wacker
von concreten ist weniger gebräuchlich: jetzt geht's auch an die hochtrabendsten reime, die es nur gibt, und da gehören die wackersten seefedern dazu. Jean Paul 54, 84 (
leben Fibels); als das jahr herum war, holte er seinen knüttel wieder hervor, wischte den staub ab, betrachtete ihn, und sprach 'es ist ein tüchtiger wackerer knüttel'. Grimm
märchen (1843) 2, 371; in der rumpelkammer bei uns hing ein wackerer büchsenranzen, der als eine (
für unsere kinderspiele) brauchbare lieferung in natur erkannt ward. Gervinus
leben 26.
von speise und trank: Rothkäppchen. ... die mutter hat heut einen schönen groszen kuchen gebacken, da schickt sie dir auch ein stück.
groszmutter. du liebe zeit! ei, dank, mein kind!der schaut recht wacker. Tieck 2, 330; rasch war der kaffee fertig, sauber, appetitlich, wackeres hausbrot sammt einem schönen schnitt käs standen dabei. Gotthelf
Uli d. pächter (1850) 335; ich fühlte, dasz ich so rot wurde, wie der wein, als eine vielsagende stille eintrat. das wackere getränk zeugte gegen meine bescheidenheit und sparsamkeit. G. Keller 2, 98 (
gr. Heinrich); der Valtelliner ist ein wackerer wein, in dem schon der kaiser Augustus seinen schmerz über die Varusschlacht niedergetrunken. Scheffel
Ekkeh. 53.
in folgenden belegen kann noch auf '
frisch'
zurückgegangen werden: gleich wie die kühblum auff dem acker verwelkt, die früh gestanden wacker, so trucknet aus der liebesschmertz der menschen ihr gar junges hertz. A. Gryphius (1698) 1, 736 (
P. Squenz 3);
Hofer. nun, ist die kehle glatt und wacker?
die Rainer. probier's, herr kommandant!
Hofer. singt mir ein lied zum zeitvertreib! die zeit wird mir was lang. Immermann 16, 512
Hempel (
trauerspiel in Tirol 2, 8). II@4@f@eε)
auch hier kann wacker
auf sittliches handeln bezogen werden. wer sagt mir an, wo Weinsberg liegt? soll seyn ein wacker städtchen, soll haben, fromm und gut gewiegt, viel weiberchen und mädchen. Bürger 25
b; eine wackere that,
une brave action. Rondeau. II@55) wacker
in der bedeutung von '
schön'
hat sich wol von '
körperlich frisch und bei kräften'
aus entwickelt, doch kann auch wacker '
tüchtig, trefflich'
eingewirkt haben. diese bedeutung beschränkt sich fast ganz auf das nd., wo sie sehr verbreitet ist. Richey 332.
brem. wb. 5, 166. Strodtmann 227. Woeste 313. Schütze 4, 333. Dähnert 536.
auch dän. vakker
und besonders schwed. vacker
hal diese bedeutung. oft ist wacker
in rein äuszerlicher auffassung '
schön angezogen, geputzt': sik wacker maken
sich putzen. sprichwörtlich: so wacker as ne docke. Wander 4, 1722.
aus dem nd. ist dies wacker
auch in angrenzende md. gebiete gelangt. Stieler 2399
nimmt darauf rücksicht, wenn er eine wackere jungfer
als '
alacris, scita et venusta puella'
erklärt. im Westerwald ist das wort bekannt Schmidt 318.
auch der Niederhesse D. v.
d. Werder
scheint es zu gebrauchen: er sah' ein jungfräwleinbey zween schelmen stehn, die schien gar wacker seyn,und in der ferne schö
n. ras. Roland 4, 69, 8; (
laszt euch) die jungen mägdlein auchnicht reitzen oder zwingen, ob sie wohl wacker seinund alle zart und weisz und können reden süszund darzu lieblich singen.
erlös. Jerusalem 14, 75.
sonst wird es kaum in die litteratursprache eingedrungen sein. II@66)
an wacker
in den unter 3)
und 4)
behandelten bedeutungen schlieszt sich ein adverb an, das vielfach aber blosz die nachdrücklichkeit der thätigkeit bezeichnet. Adelung
bemerkt von diesem adverb, dasz es '
in der vertraulichen sprechart'
am häufigsten sei und auch Heynatz 2, 606
will wacker
für '
nachdrücklich und viel'
eigentlich nur als landschaftlich gelten lassen. heutzutage lebt es noch in der mittel- und norddeutschen volkssprache, wenn auch nicht überall, hat aber auch in der litteratursprache bürgerrecht erlangt. II@6@aa) wacker
kann zunächst '
frisch, thätig, eifrig, tapfer, kräftig'
bedeuten: attente, strenue, gnaviter, impigre, mature, incitate Stieler 2399;
alacriter, naviter Hederich 2563; sie haben den feind wacker empfangen,
they received the enemy briskly. Ludwig 2362; es (
der scheinpart) ist ein alt herkummen, hat sein anfang genummen her von eyner auffrhur, darmit begabet wur das handwerck der flaischhacker, die also steyff und wacker bey-stunden eynem rat. H. Sachs 4, 202, 12
Keller; nach dem fuer er mit hin gen acker und seet dem pfaffn die arbeis wacker. der stund darpey und schaut im zu, wie er arbeit on alle ru.
fab. 2, 338, 98
Götze; schauet, wie der baur den akker pflüget, egget, mistet, hegt, sehet doch, wie frisch und wakker Coridon der heerden pflegt. Rist
Parnasz 38; wil ihm was schwerer werden, als er es tragen kan, macht ihm den muth zu trübe, sein mitgenosz, die liebe, trit wacker mit ihm
an. S. Dach 162
Österley; helfft ihr saltzstössel tragen, der faist Agagus ligt, greifft wacker undern schragen, dann er vil centner wigt. Balde
Agathyrsus 87, 3; fasse wacker meinen zipfel. Göthe 12, 205 (
Faust 1); wer gottes reich will bauen, legt nicht die hand in schoosz ... angreifen müszt ihr wacker mit arbeitfrohem sinn, sei's drauszen auf dem acker, sei's in der werkstatt drin.
F. v. Sallet
ges. ged. (1843) 259; o wären sie doch nicht so dumm! nicht gar so lächerlich! wohl wacker schlügen wir uns rum und kämpften ritterlich. 390; mercke weiter, dasz er (
der storch) daher so lange beine ... bekommen habe, damit er seiner speise wacker nachstampen könne. Praetorius
storchs winterquartier 208; das männlein stapelte wacker mit seinen kurzen beinchen die dorfgasse hinauf, dem pfarrhofe zu. Holtei
Chr. Lammfell 4, 6; das (
tragen) liesz auch Elisi sich gefallen und hielt sich so wacker an Uli's hals, dasz er ganz braun und blau den boden erreichte. Gotthelf
Uli der knecht (1850) 197; der eremit hat wacker ausgehalten. Lessing 1, 117. sich wacker halten,
portarsi baldanzosamente, bravamente. Krämer 1203;
se porter en brave homme. Rondeau; sie haben sich wacker, oder tapffer, gehalten oder gewehret,
they made a strong, valiant, vigorous defence or resistance. Ludwig 2362; und was sagt ihr zum herrn magister, hat sich der nicht auch wacker gehalten? Göthe 15, 51 (
die aufgeregten 4, 1).
in die bedeutung '
tüchtig'
übergehend: brav! unvergleichlich! du hast dich wacker in den schulen gehalten, du hast deinen Seneka meisterlich auswendig gelernt. Schiller 2, 123 (
räuber 3, 2
schausp.); so bliebe nichts übrig als ihr väterlich haus anzuschlagen und eine person zu grunde zu richten, die sich bisher wacker gehalten hat und deren unternehmungen eine folge und glück hatten. Göthe
briefe 9, 87
Weim. ausg. wacker sehen (
vgl.wacker von den augen 3,
c, β): wenn ich mich also nach dir umb sich, kanstu nicht züchtig neigen dich, die arm stürtzen und wacker sehen? Ayrer 1957
Keller. mundartlich ist wacker '
schnell, hurtig',
so in Westfalen Woeste 313
und im Westerwald Schmidt 318: kum wacker! geh wacker! wacker '
frisch'
steht auch in verbindung mit andern adverbiellen bestimmungen und in ausrufen: viele junge studenten lassens tapffer hergehen, borgen frey wacker in das gelach. Schupp 530;
Fallern. gott grüsz dich, Josef!
Speckbacher. danke, lieber Fallern! nun sag', wie schaut's?
Fallern. ei, wacker in die welt. Immermann 17, 28
Hempel (
trauerspiel in Tirol 1, 5); hat auch
M. Hannsz, der scharpfrüchter ... von innen herausz bey seiner behauszung zuegeschrayen: nun wacker her! Bürster
schwed. krieg 170
v. Weech; dem trager lauffen beilen auff, grosz wie die bawrenrueben. man schreyt ihn zu: fein wacker drauff, schwitzt wie die baderbueben. Balde
Agathyrsus 89, 1. II@6@bb)
ist dies wacker
mit verben verbunden, die an sich schon ein kraftvolles thun bezeichnen, so konnte es als eine blosze verstärkung des thätigkeitsbegriffes genommen werden. man hat es dann (
vom 17.
jahrh. an)
auch mit andren verben in dem sinne von '
reichlich, sehr'
verbunden. II@6@b@aα) er ward wacker abgeprügelt,
he was soundly beaten. Ludwig 2362: die (
Susanna) wil ich noch heute wacker auff den kopff werffen, das der rothe safft darnach folgen sol. Heinr. Jul. v. Braunschweig 133
Holland (
Susanna 4, 4); wann ... dein mann dich mit fäusten wacker knüllet und mit brüglen schmiret. Albertinus
Gusman v. Alfarche 612; welche (
bauern) deszwegen mit denen stiefeln wacker an denen stühlen polterten, dasz der pfarr-herr auffhören muste.
der schlimme causenmacher 57; euch, ihr fischer, die ihr dem volke stinkende fische feil biethet ... euch will ich die fischkörbe wacker unter die nasen reiben. Lessing 3, 65; (
der pedant wurde) von einigen personen festgehalten, indessen andere auf ihn wacker losschlugen. Göthe 18, 296 (
W. Meisters lehrj. 3, 9); topp, herr bruder! sagte er, indem er mir die hand hinreichte, in die ich wacker einschlug. 25, 352 (
a. meinem leben 2); zum unglück waren hunde nicht fern, die ihn im hause verspürten, und ihm wacker das fell zerzausten. 40, 10 (
Reineke 1); ein ander (
sagt): hab' ich ihn nicht wacker angebunden, die geisseln dargebracht, die ruthen selbst gewunden? S. Dach 278
Österley. II@6@b@bβ) er studirt wacker,
he plies his books. Ludwig 2362; wacker arbeiten,
naviter laborare, wacker tantzen,
alacriter saltare. Steinbach 2, 914; ja, ich kan wacker steigen und hab als ein gantzen busem voll kirschen gebrochen.
Simpl. 1, 31, 17
Kurz; ich schmiede wacker frühe und spat. A. Gryphius (1698) 1, 742 (
P. Squentz 3); thut mundt mit mundt beschliessen wie muscheln an der bach, mit armen und mit füssen thuts grünem ebhew nach, last bettstatt wacker krachen, kein musik besser laut, und wers wolt anders machen, der bleib nur ohne braut. P. Denaisius
bei Opitz
t. poemata (1624) 169. II@6@b@gγ) er kan wacker fressen, er kan wacker sauffen. Ludwig 2362; ich hatte wacker gefrühstückt.
ebenda; wacker zechen. Adelung; der kerl soffe wacker und frasse auch hierzu nicht wenig. Abele
künstl. unordnung 2, 58; tractirte uns in der ersten tracht mit winter-salat und hiesz uns wacker zuhauen.
Simpl. 1, 136, 12
Kurz; und nun zogen beide ihre messer aus der tasche und hieben wacker in den käse ein. Storm
werke 3, 36 (
Hinzelmeier); als er sich um die drei groschen und etliche heller, so er aus allen taschen elendiglich zusammenzwickte, noch einmal wacker satt gegessen und getrunken. Mörike
erzählungen2 214; allmählich versöhnte sich herr Spazzo, trank auch auf das wohlergehen des bischofs von Chur ... seinen becher leer, und Sindolt that wacker bescheid. Scheffel
Ekkeh. 53; ja, ja, die (
unsre väter) trunken wacker wein. Lessing 1, 87; führt er sie freundlich nach der küche, setzt ihnen speck und linsen vor ... und wacker schmaus't der kleine chor. v Nicolay
verm. ged. (1792) 1, 143; an unsers himmlischen vaters tisch, greift wacker zu und bechert frisch. Göthe 3, 282 (
zahme xenien 3); er läszt wacker draufgehen,
he spends high. Ludwig 2362; als die abend-zeit herein brach, tischete der fröliche gastgeber wacker auf. Happel
acad. roman 124. II@6@b@dδ) sie schalt ihn wacker aus. Ludwig 2362; wacker schreyen,
crier bravement, à pleine tête. Rondeau; er ist wacker abgetrumpfet worden. Adelung; haben sie doch auch geschlaffen, auch wacker geschnarckt. Abr. a S. Clara
Judas 2 (1690), 58; ein kleines mägdlein ... streckte ihm ... die ärmchen entgegen, indem die kleine kehle sich wacker in den ersten lauten übte, welche die menschheit von sich giebt. Immermann
Münchh.2 1, 70; dabei ist's eine himmlisch schöne sache um einen rechten braven herzensfreund, der, ist man fröhlich, wacker mit uns lache. Bürger 19
b; thät' er drauf wacker rasen? Göthe 13, 72 (
fastnachtsp.); als der kinder lerm nun überlaut ward, wuszt' er (
der kanarienvogel) noch sich wacker durchzuschreien. Rückert
ges. ged. 5, 281. II@6@b@eε) wann sie nicht wacker geschunden und gestolen hatten.
Simpl. 1, 55, 27
Kurz; die falschen advocaten und falschen christen, die die leuthe so wacker bescheissen können. Schoch
studentenleben 51, 24
neudr.; er (
der teufel) soll ihn doch die kunst lehren, dasz er möchte wacker stehlen, aber doch nicht gehenckt werden. Abr. a S. Clara
Judas (1687) 1, 232; das volk hört gern von seiner majestät, nur wacker lügen, süszlich streicheln, und fertig wurde der prophet. Immermann 15, 122
Hempel (
Merlin); und du, Maren, hast mich heute morgen wacker angelogen. Storm
werke 2, 248 (
die Regentrude); dasz die vortreffligkeit der satyrischen poeterey nicht an der grossen courage, hohem verstande noch an der kunst wacker zu lästern, schänden und schmähen ... gelegen sey. Coccyges
polit. guckguck (1684),
vorrede 3
a. II@6@b@zζ) dasz jrrdsche gutt ist mist: die armen sind der akker: wer's auszführt und zerstreut, geneusts zur erndte wakker. Angelus Silesius
cherub. wandersmann 5, 13
neudr.; brauche nur etliche stund trinck - gläser, doch nicht leer, sondern mit wein, die werden dich wacker erfrischen und laben. Abele
künstl. unordnung 1, 4; mein herr löste durch mich wacker geld, gab mir im gegentheil schlecht zu fressen und wenig zu sauffen.
Simpl. 2, 301, 27
Kurz; glaubst du, die tafel würde so gut bestellt seyn, die weine so wacker flieszen ... wenn dein gold nicht diese wunder wirkte? Klinger 3, 195; ihr wiszt es ja, mein schatz wartet auf mich; er mag schon wacker nasz geworden sein. Storm
werke 2, 244 (
die Regentrude); so würden schon fürwahr die solen wacker brennen, durchstreift ich nur ein paar (
länder). Goekingk 1, 245; es stürmete wacker,
there was a strong wind. Ludwig 2362; mir eine warme stube (
mit dem holz) zu machen, wann es drauszen wacker friehret.
das teutsche gespenst 223. II@6@cc) wacker
als adv. kann dann wie das adj. die bedeutung '
tüchtig, trefflich, gut'
annehmen. II@6@c@aα)
nicht häufig steht es in beziehung auf die äuszere erscheinung: sihe, so hastu hier gelt, da gehe fluchs hin und lasse dir kleider machen und potze dich wacker heraus. Heinr. Jul. v. Braunschweig 409
Holland (
ehebrecherin 2, 2); ja, besih mich nur. bin ich nicht wacker auszstaffiert? besser als kein bäwrin geziert. ich bin fein hofmännisch bekleidt. Spangenberg
glückswechsel 1021
Martin. II@6@c@bβ) '
tüchtig, trefflich'
ist es in sich wacker halten (
s. o.)
und ähnlichen verbindungen, falls die ursprüngliche bedeutung nicht mehr scharf zum ausdruck gelangt: haltet fest am reich und wacker wie bisher, gott schirme euch bei eurer alten freiheit! Schiller 14, 281 (
Tell 1, 2).
etwas wacker
ausführen: bravo! versetzte Mohr trocken. sie haben ihre rolle gut memorirt und ihr sprüchlein wacker vorgetragen. Heyse
kinder der welt 2, 108; denn da sich eben die gesellen theten ein mittagsmahl bestellen, liesz er (
der wirt), sie wacker zu bedienen, kochen zwei dutzend knödel ihnen. Rückert
ges. ged. 3, 476 (1837). II@6@c@gγ)
es kann dann auch auf sittliche eigenschaften bezogen werden: aber männer gab's doch und männer giebt's noch in Sachsen, wo das deutsche blut ehrlich und wacker sich regt. Körner 1, 402; aber bei all ihrem protegieren hätte ich können vor hunger krepieren, wär' nicht gekommen ein braver mann, wacker nahm er sich meiner
an. Heine 1, 123
Elster. II@6@dd)
ungewöhnlich ist es, dasz wacker
zur verstärkung eines adjectivs dient: 'was wollt ihr denn für eines (
für ein krucifix)?' 'je nun, spricht Matz, ein wacker feines.' Lessing 1, 111.
das entstammt der md. volkssprache; ähnlich in Posen man wacker viel Bernd 341. II@6@ee)
neuerdings ist es aufgekommen wacker!
im ausruf zu gebrauchen, zum ersatz des entlehnten bravo: oho! rechts. wacker! links. Rosegger
schelm a. d. alpen 2, 251. II@77)
substantiviert erscheint wacker
als appellativ und name des hundes, eigentlich '
der wachsame' (
zu wacker 2)
vgl. wäckerlein: komb! so wil ich mein grossen wacker mit nemen. so nimb du dein rüden! und wöllen den wolff als ein jüden zureissen mit allen ungnaden. Hans Sachs
fastnachtsp. 36, 162
Götze; indem sprang sein treuer gefärte, der geschwinde Wacker (also hiesze, wegen der wachsamkeit, sein schäferhund) an ihm auf. S. v. Birken
Pegnesis 1, 8.
im Eselkönig heiszt der hund herr Wacker.
Germania 4, 146.
übertragen in der Schweiz der mastdarm, s. wäckerling.
ein anderes wacker
m. in butzenwacker '
ein lebhaft rühriger knirps in kleiner kobold- oder butzgestalt'. K. Erbe
der schwäb. wortschatz 18 (
zu wacker 3).