vorwärts,
adv. ,
vgl.fürwärts teil 4, 1, 1,
sp. 931,
wo die verdrängung durch vorwärts
in den nhd. wörtern nachgewiesen wird; nhd. vürwert, -wart, vorwert, -wart
mhd. wb. 3, 598
b; Lexer 3, 617;
ahd. furiwert Graff 1, 1007;
vgl. ags. foreweard,
adj.; mnld. vorewaert, vorewaerts Verwijs-Verdam 9, 1135; 1139;
nd. förwards ten Doornkaat-Koolman 1, 546
a. —
der vokal des zweiten bestandteils erscheint bald als e,
bald als ä
oder a,
bis im 18.
jh. sich ä
festsetzt;
mundartliche färbungen: vorwirt
lehnsurk. u. besitzurkunden Schlesiens 2, 265; verwert 393;
ultra vorwort Diefenbach
nov. gloss. 384
b.
die formen ohne das in der adverbialbildung häufige s
halten sich lange: antrorsum vorwertsz
gemma gemm. (1508) b 2
a;
antrorsum vorwartz, -warts Diefenbach
gloss. 39
a;
inantea vorwertz 290
c:
proclivis vorwert 461
c und resupinus 495
c;
ultra vorwert 625
b;
ante vorwerts Orsäus
nomencl. method. (1623) 29; (
animal,) dem die hörner vorwarts stehen Corvinus
fons lat. 253; für-
sive vorwärts,
prorsum pronus Stieler 2439; vorwerts
innanzi, vers' innanzi Kramer
t.-ital. dict. 2, 1217
c; vorwarts Kirsch (1718) 2, 340
a; vorwarts, vorwerts Aler 2, 2130
a; vorwerts Frisch 2, 407
a; Stosch
gleichbed. wörter 2, 442; vorwerts oder vorwärts Ludwig
t.-engl. wb. 2353; vorwärts Steinbach 2, 935; Adelung; Campe. vorwerts
ist noch im 18.
jh. geläufig: so musz man sie (
die kanone) etwas vorwerts senken v. Fleming
d. vollk. t. soldat (1726) 63; dasz der wind in das eine (
segel) vorwerts, in das andere aber contrair bläset
d. Leipziger avanturieur (1756) 2, 50; desto kecker sperren sie ihre bäuche vorwerts Zimmermann
über die einsamkeit (1784) 2, 243; sehen wir doch kaum zwey augenblicke vorwerts Bräker (1789) 2, 153. — vorwarts: der gaukler behend, so meisterlich sich regt und zum kampff, lauff, vorwarts und hinter sich bewegt Treuer
t. Dädalus (1675) 1, 606; (
im kampf) thut immer vorwarts streben, sein ungeseumbte faust macht beider seiten platz Zinkgref
auserl. ged. 63
ndr. vgl. nd.: beth vorwardes van en
seerecht von Wisby bei Pardessus
collect. de lois maritimes (1828) 1, 483. —
in der folgenden stelle wird vorwärts
als adj. behandelt: nun wil ich den forwertzen mann theilen Lautensack
des circkels ... underweisung (1563) 32
b. 11) vorwärts
ist im entwickelten nhd. im allgemeinen ein adv. der richtung von einer person oder einem gegenstande aus nach vorn, das schon in sich die vorstellung einer bewegung enthält (
freier werden rückwärts
und seitwärts
gebraucht),
daher verbindet es sich zunächst mit verben, die entweder selbst eine bewegung bezeichnen oder die vorstellung einer bewegung zulassen; einige seltene verbindungen sind besonders zu beachten, andere, die oft bildlich gemeint sind. die ältere sprache bewegt sich freier als die heutige. 1@aa) rasch brauste die Maud (
ein schiff) vorwärts Moltke
ges. schr. u. denkw. 6, 298; indem eine weitgedehnte plänklerkette ... vorwärts drang G. Keller (1889) 1, 155; (
sie) eilten ... immer vorwärts Göthe 24, 13
W.; proticere vorwert fallen Diefenbach
gloss. 468
a; indem fällt er zwischen den beyden vorwärts nieder
schausp. engl. comöd. 176
Creizenach; und gar nichts halt ich von den müszigängern, die unnütz vorwärts flieszen und zurück Rückert (1867) 3, 118;
sprichw.: den krebs lehren vorwärts gehen Lüpkes
seemannsspr. 127; diese hindin ... ging bald vorwärts, bald stand sie still br. Grimm
dt. sagen (1891) 2, 16. so beweget ein traum den sorglichen, wenn er zu greifen, vorwärts glaubet zu gehn Göthe 1, 318
W. (
dasz) man mit derselben (
einer tafel) vor- und rückwärts gehen kann II 2, 42;
oft mit dem unbestimmten unpersönlichen subjekt: vorwärts gings durch den knäuel der bursche O. Ludwig (1891) 2, 36; die wege waren besser ... und es ging rasch vorwärts Moltke
ges. schr. u. denkw. 1, 134; (
der kopf des tieres) vorwärts hangend Herder 22, 292
S.; rasch vorwärts von dem hügel herabgeschritten, konnte ich ... E. T. A. Hoffmann 6, 41
Gr.; (
pferde,) die hüben und drüben vorwärts kamen Göthe 43, 93
W.; hier einfach von der bewegung, gewöhnlich mit der nebenvorstellung überwundener schwierigkeit: die Russen marschieren vorwärts Varnhagen v. Ense
tageb. 5, 19; vorwärts sprang er hinab in das meer (
αὐτὸς δὲ πρηνὴς ἁλὶ κάππεσε) Voss
Od. 5, 374
B. ungewöhnlich: auf eine klippe vorwärts tretend Göthe 20, 81
W.; mit jedem schritt, den der scheue fus vorwärts wankte Schiller 2, 93
G. wo unsre fahnen vorwärts wehn, da weh
auch die standart hinein Klopstock
oden 1, 194
M.-P.; wir zogen vorwärts Göthe 33, 20
W.; das verbum der bewegung ist zu ergänzen: seid männer und steht, mit dem fusz vorwärts, unerschütterlich fest Platen 1, 90
R. dasz die flüsse nicht nur vorwärts laufen Ritter
erdkde 1, 79; dasz dieser (
weltkörper) vorwärts rückt, wenn jener zurückweicht
F. Th. Schubert
verm. schr. (1823) 1, 29. 1@bb)
mit aktiven verben: vorwärts fället die pique v. Fleming
d. vollk. t. soldat (1726) 246; rumpf vorwärts beugt!
u. ä.; die hand vorwärts strecken Schwan
nouv. dict. 2, 980
a; (
die lippen müssen) vorwärts von den zähnen abgeschoben werden Quantz
anweis. d. flöte zu spielen (1789) 44; man musz sich vorwärts beugen, um nur nachzukommen (
bildlich) Göthe IV 28, 62
W.; sie bewegen sich vier schritte vorwärts, vier schritte rückwärts W. Scherer
lit.-gesch. 7; dasz ers (
das bild) nähme, die rückwand vorwärts drehte Vischer
dicht. w. 3, 158;
unten griff er mit den füszen vorsichtig vorwärts Stifter (1904) 2, 225; er musz die brust etwas vorwarts ... halten v. Fleming
d. vollk. t. soldat 25; (
gesicht) vorwärts gekehrt Kästner
verm. schr. (1772) 2, 154; nachdem man sie aber vorwerts legte, wormit das wasser ihnen aus dem munde wieder abschieszen konnte Lohenstein
Armin. (1689) 1, 390
a; (
der) bücklinge vorwärts und rückwärts zu machen anfieng Nicolai
Seb. Nothanker (1773) 1, 61; vorwärts mit reitermuth rissest du (
Blücher) der streiter wuth Brentano 2, 49; kaum vorwärts weisz er sie (
die glieder) zu schleppen A. v. Droste-Hülshoff 2 (1878) 41. den rechten vorwärts gestellten fusz S.
Brunner erz. u. schr. (1864) 1, 229; und vorwärts trieben die fluten das schiff (
τὴν δὲ πρόσω φέρε κῦμα) Voss
Od. 9, 541
B.; ich thue diesen schritt vorwarts und wende alsdann gegen dem pfand den rucken Harsdörffer
frauenz.-gesprächsp. (1641) 2, 234; (
wenn sie) sich vorwärts und rückwärts in der luft überschlugen Göthe 21, 151
W.; es zog mich vorwärts wie mit gewaltigen, unsichtbaren händen G. Keller (1889) 1, 116. 1@cc)
gedachte bewegung: die krummen schultern (
des Thersites) warffen sich vorwerts auf die brust Breitinger
crit. dichtk. (1741) 1, 68. — vorwärts, rückwärts hersagen, lesen, zählen: (
Roma tibi subito motibus ibit amor) welches man zurück und vorwerts lesen kan Prätorius
Blockesberges verrichtung (1668) 437; (
leute, welche) 100 nahmen, ziffern ... vor-, rückwerts ... hersagen können Heinichen
generalbasz (1728) 31; (
die blätter) werden rück- und vorwärts gelesen Göthe IV 41, 29
W.; die stücke (
pfennige) vorwärts und rückwärts zu zählen br. Grimm
dt. sagen (1891) 1, 73. —
vom blick: er blickte vorwärts; er sah aber aus, als ob er nach etwas jenseits dieser welt blickte Bode
Yoricks empfinds. reise (1768) 1, 9; nicht schreckt ihn des löwen dräuen, wie er muthig vorwärts sieht Rückert (1867) 1, 70.
übertragene anwendung s. unter 2 c. 1@dd)
mit hilfsverben verbunden, von wirklicher bewegung: weder vorwärts, noch zurück können
u. ä.; dasz ich (
auf der reise) vorwärts muszte, ohne mich lange zu besinnen Göthe IV 29, 287
W. 22)
im entwickelten nhd. wird dann vorwärts
in verbindung mit verben unendlich oft in übertragenem sinne gebraucht. 2@aa)
mit verben der bewegung von personen und unpersönlichem die weitere äuszere oder innere günstige entwicklung, fortgang einer handlung, tätigkeit, unternehmung, eines wagnisses u. ä. bezeichnend; doch verbindet sich vorwärts
auch mit anderen verben, die die vorstellung des fortschreitens zulassen; unter umständen kann aber das fortschreiten im ungünstigen sinne gemeint sein: (
ich) arbeitete fleiszig vorwärts Göthe 43, 256
W.; 25, 92; indessen (
will ich) mich aber an einem leitfaden vorwärts bewegen IV 38, 92; (
ich) habe schon manches vorwärts, auch manches hinter mich gebracht IV 28, 45; (
das evangelium) erfreut das hertz und brengts fürwertz B. Waldis
d. psalter (1553) 29
b; er brachte es vorwärts und starb als ein geachteter ... mann Stifter (1904) 5, 1, 106; immer vorwärts zu einer fürchterlichen tat gedrängt Göthe 22, 179
W.; (
beobachter,) welche gern vorwärts dringen mögen II 5, 1, 41; doch ist es jedem eingeboren, dasz sein gefühl hinauf und vorwärts dringt
Faust 1093; je weiter die ouvertüre vorwärts gedieh Hesse
diesseits (1912) 127; so flosz der winter nach und nach vorwärts Stifter (1904) 2, 296; der russische angriff ... frasz sich ... schnell vorwärts Ludendorff
kriegserinn. 173; mit feierlichem ernst führt uns der dichter vorwärts W. Scherer
lit.-gesch. 89;
äuszeres gedeihen: (
seine fähigkeit) führte ihn dann auf das rascheste vorwärts Ranke (1867) 1, 274; die unerträgliche pein, weder vorwärts noch rückwärts zu können, ... trieb nunmehr die vernunft in das ... labyrinth der philosophie G. Forster 6, 177; (
um) auf die spuren meiner behauptungen vorwärts zu leiten Bettine
d. buch gehört d. könig (1843) 1, 62; vorwärts muszt du, denn rückwärts kannst du nun nicht mehr Schiller
Wallensteins tod 1, 3; das begonnene etwas vorwärts zu rücken Göthe 46, 77
W.; (
wir werden) die pflanze nur insofern betrachten, als sie ... zur befruchtung unaufhaltsam vorwärts schreitet II 6, 27; (
man musz) vorwärts streben, wenn man nicht rückwärts gleiten will Lagarde
dt. schr. (1886) 243; die vergangenheit treibt vorwärts Bettine
d. Günderode (1840) 1, 178;
häufig einen schritt vorwärts tun;
übertragen: du must nur keinen schritt vor- oder rückwärts thun, der dieser neigung schmeichelt Caroline 1, 15
Waitz; mit jedem schritte, den wir in unserer wissenschaft vorwärts tun Fichte (1845) 1, 105; welchen mächtigen schritt die staatliche einsicht vorwärts gethan Treitschke
hist. u. polit. aufs. (1886) 1, 23. 2@bb)
feste verbindung geht vorwärts
in übertragener anwendung mit gehen
und kommen
ein: gott sey dafür! dasz wir protestanten wieder zurückgehen sollten, nachdem wir so weit vorwärts gegangen sind Nicolai
reise 1, 300; (
alter,) in welchem ich so bequem durch die gnade gottes vorwärts gehe Göthe 43, 12
W.; sicheren schritts geht er (
Mozart) vorwärts O. Jahn
Mozart 1, 620. —
unpersönliches subjekt: seine gedanken gingen vorwärts, meine zurück Göthe IV 1, 252
W.; damit die sache nur vorwärts geht Görres
br. (1858) 3, 151. — mit Werthern gehts vorwärts Göthe IV 8, 5. —
bei vorwärts kommen
ist die prägnante, besonders in der umgangssprache geläufige anwendung auf die verbesserung der äuszeren lage im erwerb und vermögen zu beachten: ihr macht dem herrn (
musiklehrer) unendliche mühe ... kommt nicht vorwärts Göthe 45, 48
W.; wenn wir ja auch nur einige bogen vorwärts kommen IV 28, 25; IV 33, 107; je gröszer die spannung eines stückes, desto leidenschaftlicher verlangen wir vorwärts zu kommen O. Ludwig (1891) 5, 425; seht ihr, man will doch vorwärts kommen, das leben ist ja so kurz W. v. Polenz
Grabenhäger (1897) 1, 125. —
eine ebenfalls in der umgangssprache häufige wendung ist vorwärts machen,
etwas ernstlich anpacken: du solltest einmal vorwärts machen Zahn
ges. w. 8, 290. 2@cc)
in verbindung mit verben des sehens übertragen (
vgl. oben 1 c): (
wende des jahrhunderts, ein grenzstein,) auf welchem er, vor- und rückwärts blickend, gerne verweilt Herder 23, 3
S.; mit zurück- oder vorwärts blickenden sorgen 13, 297; heute sieht er mehr vorwärts in die zukunft, als in die vergangenheit zurück O. Ludwig (1891) 1, 382; und das vergangne heiszt mit vertrauen vorwärts zu schauen Göthe 1, 107
W.; sieh vorwärts, Werner, und nicht hinter dich Schiller
Wilhelm Tell 1, 2; und da sich die neuen tage aus dem schutt der alten bauen, kann ein ungetrübtes auge rückwärts blickend vorwärts schauen Fr. W. Weber
Dreizehnlinden (1907) 225. 2@dd)
ungewöhnlich sind die verbindungen mit verben, mit denen die vorstellung einer bewegung schwer zu verbinden ist; das ist noch möglich bei leben: unbesonnenheit ziert die jugend, sie will eben vorwärts leben Göthe 5, 102
W. (
vgl.das vorwärtsleben
unten 10);
aber schwerer schon bei den folgenden verben: wer fröhlich darf zurück denken, der darf auch fröhlich vorwärts denken Lavater
handbibl. f. freunde (1792) 4, 110; so voll gedancken ist das hertz: ist nit zfrieden, denckt stets fürwertz B. Waldis
Esopus 2, 202
Kurz; (
der) nit disz thut, jenes meynet, haszt vorwerts, wen er haszt Opitz (1690) 2, 11;
vgl. vorwärtsahnen, -wissen
unter 10. 33) vorwärts
erscheint, abgesehen von den bisher behandelten verbalen wendungen, in mannigfaltigen verbindungen und alleinstehend: (
der code war) ein schritt vorwärts in den zustand der revolution hinein Savigny
vom beruf unserer zeit f. gesetzgeb. u. recht (1814) 57; möchten auch meine bemühungen ein schritt vorwärts seyn Schmeller
d. mundarten Bayerns (1821) xii; bei jedem weiteren schritt vorwärts Nitzsch
dt. studien (1879) 120; immer schritt vor schritt nach vermögen vorwärts Göthe III 1, 125;
vgl. auch folgende stelle: dies aber mit so vielen citationen rück- und vorwärts (
bei Klotz) beweiset, dasz ... Herder 3, 321
S. — um dem göttlichen rufe nach vorwärts genügen zu können Körte
sprichw. (1837) xxxi; (
widerstände,) die weg und wagen meinem drang nach vorwärts entgegensetzten Winnig
heimkehr (1935) 29. — daher ist vorwärts in rücksicht der operationen nicht allezeit da, wohin die gesichter der soldaten ... stehen D. H. v. Bülow
geist d. neuen kriegssystems (1795) 19. — vorwärts sein,
gefördert sein: frage den Benvenuto, ob sein kolosz so weit vorwärts ist, dasz ich einen blick darauf werfen könne Göthe 44, 277
W.; tafeln zur farbenlehre vorwärts (
gefördert) III 3, 180; vorwärts! klinget frisch und freudig E.
M. Arndt 4, 199
R.-M.; will die kraft dir schier versagen, vorwärts ist das rechte wort Geibel 1, 113
Cotta. substantiviert: und seinem geschwader winkte er ein rasches vorwärts zu Fouqué
altsächs. bildersaal (1818) 4, 457; (
es musz) das vorwärts schrittweise noch einmal durchgemacht werden Grillparzer 14, 40
Cotta; ein unerbittliches vorwärts hält das regiment im flusz Bröger
d. unbekannte soldat (1917) 6; (
die befreiung) bedurfte auszer den männern der leidenschaft und des vorwärts auch der nüchternen rechner K. A. v. Müller
aufs. u. vorträge (1926) 51. —
als personenbezeichnung (
vgl. unten Marschall Vorwärts): zwischen der partei der rückwärts und der vorwärts auch eine der aufwärts gebildet Rosenkranz
aus einem tageb. (1854) 145; die freiheit ist jetzt feldmarschall, und vorwärts heiszen wir Herwegh
ged. eines lebendigen (1841) 30. 44)
als kommando, z. b. auf dampfschiffen: langsam vorwärts: (
er kommandierte) wieder: vorwärts, marsch Hebel 2, 251
Behaghel. —
als anfeuernder ruf: vorwärts mit dem heiligen Markus, rief Witiko Stifter 9 (1932) 304; vorwärts, mit gott vorwärts, wir schlagen uns durch
M. v. Ebner-Eschenbach (1893) 4, 97; hurrah! vorwärts, kameraden Moltke
ges. schr. u. denkw. 1, 64; vorwärts, edelmüthige Troer, sporner der rosse (
ὄρνυσθε,
Τρῶες μεγάθυμοι,
κέντορες ἵππων Il. 5, 102) Bürger 221
b Bohtz; vorwärts, Gerd! — der wagen knarrte Fr. W. Weber
Dreizehnlinden (1907) 75.
auch freier, wo nicht bestimmte bewegung im eigentlichen sinne gemeint ist: rasch vorwärts, Macbeth, und es ist gethan Schiller 13, 44
G. muth! muth! vorwärts Grabbe 2, 41
Bl. 55) '
der Marschall Vorwärts,
ein ehrenname, welchen der fürst Blücher als königl. preusz. feldherr in dem befreiungskriege erhielt' Hübner
zeitungslex. (1824) 4, 845
a; auf, marschall Vorwärts! rief die welt, er ritt, und gott sprach: amen Brentano 2, 47. 66)
die in vorwärts
liegende richtungsvorstellung kann nun abgeschwächt werden (
wie bei seitwärts
und rückwärts),
so dasz nunmehr vorwärts
dem sinne von '
vorn, auf der vorderen seite, im vordergrunde'
sich nähert oder ganz in ihn übergeht. dieser gebrauch ist aber der sprache der gegenwart fremd geworden, so häufig er früher gewesen ist; auch im sinne von '
von vorn'
wird vorwärts
angewendet: mel in ore, fel in corde, vorwerts gut, inwendig falsch Corvinus
fons latin. 332; vorwarts verwundet werden Reyher
thesaurus (1686) o 3
b; es liegt vorwärts vor dir hin Adelung; '
ungut': den feind vorwärts angreifen Campe; vorwärts gefesseltes pferd Krünitz
ökon. encycl. 231, 495: (
der bär) hat ein schwach haupt, vorab vorwärts auff dem schädel Herold-Forer
Gesners thierb. (1563) 14
a; wollust soll man nicht vorwerts, sondern hinderwerts sehen, nicht wenn sie kompt, sondern wenn sie vergangen Lehman
floril. polit. (1662) 2, 921; vorwärts haben die höfe ein hölzern hohes thorgerüste Lichtstein
schles. fürstenkrone (1685) 793; Gottwald war bald hinten, bald vorwerts Lohenstein
Armin. 2, 835
b;
mehrfach bei Göthe: zur rechten hand kniet der domherr, zur linken der ritter, vorwärts neben dem domherrn die marquise 17, 193
W.; 40, 57; IV 38, 137; er wollte ... das kleine korps vorwärts angreifen Klinger (1809) 4, 195; alle vorwärts verwundet J. v. Müller (1810) 1, 159; sie (
die gelegenheit) hat nur vorwerts haar, und ist von hinten kahl Lohenstein
Ibrahim sultan u. a. ged. (1701)
Epicharis 39. du wolltest, dasz die liebe mich entzünde, aus deinen augen helle lichter schweben, und alles dunkel rück- und vorwärts schwinde Brentano 2, 96.
wieder der allgemein üblichen bedeutung sich nähernd, nach vorn von einem gewissen standpunkte aus: vorwärts lag uns das Wallisthal Göthe IV 4, 136
W. übertragen auf die zeit: und ein wiedergeborenes (
paradies) liegt vorwärts in der zukunft weit Rückert (1867) 1, 477. 77)
auffallende verwendung zur hinweisung in schrift oder druck: neujahrsvisiten. das theaterpersonal. die übrigen siehe vorwärts Göthe III 5, 90
W. 88) vorwärts
mit ortsbezeichnungen verbunden wird wie eine präposition gebraucht; es kann in unbestimmtem sinne wie vor
verwendet werden, gewöhnlich aber wirkt die eigentliche bedeutung von vorwärts
ein, so dasz ein gröszerer oder geringerer von einem orte aus sich erstreckender strich vorgestellt wird; mit ortsnamen: alle posten vorwärts Nizza D. H. v. Bülow
d. feldzug von 1800 (1801) 271; in den engpässen vorwärts Praeneste Mommsen
röm. gesch. (1854) 2, 327; (
armee,) der wir vorwärts Berlin keine gleichwerthigen streitkräfte gegenüberzustellen hatten Bismarck
ged. u. erinn. 2, 53
volksausg.; artillerie, die auf den höhen vorwärts Preuschdorf entwickelt war Tanera
erinn. eines ordonnanzoffiziers (1908) 1, 15. —
mit einer landschaftsbezeichnung; hier tritt, sobald flexion möglich ist, der genit. ein: angriff auf unsere stellungen vorwärts der altpreuszischen grenzgebiete Hindenburg
aus meinem leben (1929) 125. —
vgl. aus älterer sprache in allgemeiner anwendung: fürwerts des dorffs
bei Fischer 2, 1689. 99)
ganz verlorengegangen ist die in älterer sprache geläufige verwendung als zeitadverb., '
weiterhin, dann'
u. ä.; furiwert,
et modo Graff 1, 1007;
vgl. die mhd. wörterbücher; praeterea sieder
vel vurwert Diefenbach
gloss. 458
a; unde he behildit is ouch vorwart ... nach der stat rechte
urk.-buch d. stadt Freiberg i. S. 1, 23; er liez ir vurwart mere huten durch ir unfrumen
passional 32, 6
K. gesteigert: der nu vorwerter sal das hus nuwern zu Ragnith
d. Marienburger treszlerb. 137
J. —
unbestimmter, wie weiter, ferner: des ist gezuoc: (
folgen namen); vorwert me ist sin gezuoc: (
folgen wieder namen)
hess. urk.-buch 3, 519
W.-R. —
in der folgenden stelle könnte vorwerts
an sich, da es dem hernach
gegenübergestellt ist, im sinne von '
zuvor'
genommen werden: du hassest ja den falschen mund, den mörder, lügner und den spötter, der vorwerts klagt, hernach verwundt Fischer-Tümpel
d. dt. ev. kirchenlied 2, 495.
doch ist vorwerts klagt
wohl eher zu verstehen wie vorwärts haszt, denkt
oben unter 2
d. 1010) vorwärts
wird in der schrift mit verben zusammengerückt, doch keineswegs so oft wie etwa vorüber:
wenn der infin. substantiviert ist, wird zusammenrückung vorgezogen; am ende doch nur mehr ein
vorwärtsahnen als ein
vorwärtswissen Stifter
s. w. 18, 11;
vgl. oben 2
d. — sich durch zähen widerstand
vorwärtszuarbeiten Winnig
frührot (1926) 407. — das
vorwärtsbewegen Muspratt
chemie 8, 708; je mehr er (
der treibapparat) das schiff vorwärtsbewegt Karmarsch-Heeren
techn. wb. (1876) 7, 653. — mit
vorwärtsgebogenem leibe Hohberg
georg. curios. (1682) 2, 716. — zu einem plan- und hoffnungslosen, instinctiv verzweifelten
vorwärtsbrechen H. v. Barth
Kalkalpen (1874) 470. — durch äuszere stösze
vorwärtsbringen Rilke
br. (1933) 69. — nach diesen worten nestelte sie,
vorwärtsgebückt, den groszen knoten ... auf Stifter (1904) 4, 1, 51. — einem abermaligen
vorwärtsdrängen des Slaventums Keyser
bevölkerungsgesch. Deutschlands (1938) 161; mit einem vorwärtsdrängenden temperament K. A. v. Müller
aufs. u. vorträge (1926) 104. — wo (
beim schlittschuhlaufen) das
vorwärtsdringen dem zurückbleibenden fusze obliegt Göthe in:
schr. d. Goetheges. 21, 258; fand mein rasches vorwärtsdringen unwillkommene hindernisse H. v. Barth
Kalkalpen 38;
übertragen: so bleibt dir und der welt statt alles zielerringens in jedem nu nur dies gefühl des vorwärtsdringens Rückert (1867) 8, 640; die vorwärtsdringenden tendenzen Ranke (1867) 3, 406. — durch
vorwärtsdrücken des quecksilbers Sömmerring
vom baue des menschl. körpers (1839) 5, 337. —