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vorüber

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

vorüber adv.

Bd. 26, Sp. 1803
vorüber, adv. und präpos., mit dem ton auf der zweiten silbe, s. fürüber teil 4, 1, 1, sp. 924; abducere in diversum a nido entwärisz, vorüber, beseytz ausz dem nest treyben oder jagen Frisius dict. (1556) 4a; adversus, gegenüber, gerad vor über 43a; e regione dargegen über, grad vor über 456a; hiernach bei Maaler 477a; e regione gestracks vor uber Calepinus dict. XI ling. (1598) 491b; fürüber et vorüber, praeter Stieler 1374; vorbey, vorüber (fürüber), di passaggio, passando d'appresso Kramer t.-ital. dict. 2 (1702) 1217b; vorüber, adversus, e regione Dentzler clavis ling. lat. (1716) 338b; vorüber, vide fürüber, mit beispielen nur für fürüber Steinbach 2, 887; vorüber Adelung; Campe; vgl. mnld. voreover Verwijs-Verdam 9, 1050. — da vorüber meistens mit verben verbunden, auch mit ihnen in der schrift zusammengerückt werden kann, ohne dasz jedoch wirkliche zusammensetzungen entstehen (Campe zählt deren 143 auf), folgen hier zunächst nur allgemeine bemerkungen, während die belege bei den verben stehen, auch wenn vorüber nicht mit dem verb. zusammengeschrieben ist. vorüber verbindet sich in unerschöpflicher fülle mit verben, die entweder selbst eine bewegung im raume oder einen verlauf in der zeit bezeichnen, ferner aber auch mit solchen, die eine derartige vorstellung irgendwie zulassen. kühnere bildungen s. unter 9. einige beispiele der verbindung mit verben müssen hier schon vorweg genommen werden. 11) vorüber, das in älterer sprache oft noch nicht zusammengeschrieben wird, ist eigentlich vor etwas über, wobei über allein schon das vorbei, vor die stellung zu dem bezeichnet, an dem die bewegung vorüber geht; vgl. das von Adelung aus J. E. Schlegel angeführte zitat: ja wär der thränen erster ausbruch über. — vor kann von über durch das zugehörige wort getrennt sein, was Adelung miszbilligt, obgleich es mehrfach (mit fur) in Luthers bibelübersetzung vorkommt: gerad vor der stadt über Maaler 477a (hier im sinne von gegenüber); also czogen sy vor Erffort uber und legerten sich by Vargela Stolle thür. chron. 26 lit. ver.; wenn er jetzt den furchtbarbrausenden sturmwind sehnsuchtsvoll, hinsinkenden arms, gleich kühlenden westen, vor sich über zu führen am traurigen bach arbeitet Klopstock Messias 2, 378; lasz den trüben trauergedanken, doch schnell und geflügelt, vor dir über, o sohn 9, 231. 22) in räumlicher bedeutung, 'vor einem andern dinge über, d. i. an dem vordern theile hin und weg; wo es in der edlern schreibart gern für das im täglichen umgange gewöhnlichere vorbey gebraucht wird' Adelung. ein versuch, die anwendungen von vorüber und von vorbei auseinanderzuhalten, wird z. b. gemacht bei Maasz-Eberhard synonymik (1818) 6, 159; aber beide können in bezug auf einen ruhenden oder bewegten gegenstand (oder person) sowohl bewegung von einer seite zur andern als von hinten nach vorn oder von vorn nach hinten bezeichnen. 2@aa) mit dem dativ, vorüber kann vor- oder nachstehen: und so durchschweifte er lange die schönen thäler um Lucca, den prächtigen landhäusern, cascaden und grotten wechselnd vorüber Eichendorff (1864) 3, 127; (seelen,) die ich, dem himmel vorüber! hierher zur bevölkerung sandte Klopstock Messias 2, 542; dasz ich, deinem antlitz vorüber, im thore des todes deiner feinde hochdrohende häupter zu tausenden schlage (später: vor deinem antlitz vorbey) 5, 34; spazier ein stündchen lang dem spiegelglas vorüber Göthe Faust 743; wir schweben auf blumen, wir tanzen auf wolken vorüber dem mond Tieck (1828) 7, 233. vgl. unter 9. 2@bb) die verbindung mit dem akk. miszbilligt Adelung: 'in allen diesen fällen empfindet schon das ohr den übellaut, der aus verfehlung der rechten, dem vor gebührenden endung entstehet'. hingegen, einen vorübergehen, d. i. ihn übergehen, würde dem sprachgebrauche nach richtiger in der vierten endung stehen können, wenn es nur gebräuchlich wäre'; ha würger! du kannst nur die glücklichen tödten, die lebenssatten gehst du vorüber Schiller räuber 5, 2; er zog nun die stadt im bogen weit vorüber Jean Paul I 6, 419 akad.-ausg.; von Campofiore kamen sie, die Engelsburg ... vorüber, nach dem Petersplatz Ranke päbste 1, 485; denn nur ein leises wehn, die erblassenden wangen vorüber, fühlt er noch Pyrker (1855) 1, 14. vgl. unter 9. 2@cc) gewöhnlicher aber als der unter a und b belegte gebrauch des vorüber als präp. ist es, dasz zu vorüber noch eine präposition tritt, die sich eng mit dem gegenstande oder der person verbindet, während vorüber nunmehr adverb. ist. Adelung will besonders vor einsetzen: wie bitter ist der tod dann, wenn er vor dem unglücklichen vorübergeht; vgl.(er) aber leufft auff Seehausen, vor der stadt vorüber, nach Vielbaum Entzelt altmärk. chron. (1579) 47 Bohm; andere präpositionen: dasz Flaccus, um nicht von Sulla erdrückt zu werden, an ihm vorüber nach Asien abgezogen sei Mommsen m. gesch. (1854) 2, 317; (wenige,) die, waren sie an ihm vorüber, nicht ... über ihn triumphierten O. Ludwig (1891) 2, 310; der andre hatte seinen sitz vorüber bei Sankt Veits kapelle Usteri (1831) 1, 62; seltsam gestückelt durch der latten band siehst du vorüber an der kerkerwand manch riesenhafte schattenbildung fliehen A. v. Droste-Hülshoff 2 (1878) 247. — bei einsam gelegenen ... gehöften vorüber Göthe 25, 3 W. — den gipfel hinunter, durch die trümmerrunse gerade unter meinem standpunkte vorüber H. v. Barth Kalkalpen (1874) 273. 33) in zeitlichem sinne, 'aus der gegenwart dahin und fort, ein verflieszen, verflossensein, verschwinden aus unserm empfindungskreise bezeichnend' Hübner zeitungslex. (1824) 4, 845a; praeteritum vorüber Schöpper synon. 46a neudruck: ich lebte einige tage lang in aller ruhe und hielt das ungewitter für gänzlich vorüber Bahrdt gesch. s. lebens (1790) 1, 378. — in anderem sinne, nd. dat jar vorover, das jahr hindurch quelle im jb. f. nd. sprachf. 46, 20a; vgl. vorüberbringen unter 8. 44) zu nachdrucksvollem, alleinstehendem vorüber ist je nach dem zusammenhange eine zeitliche oder räumliche vorstellung leicht zu ergänzen: umsonst! vorüber ist vorüber! den kranken rettet ihr nicht mehr Lenau 502 Barthel; vorüber der tag und sein schall Geibel 1, 143 Cotta; vorüber, ihr schafe, vorüber! dem schäfer ist gar so weh Göthe 1, 85 W.; neblich trüber himmel an mir vorüber Schiller 1, 275 G.; was niedrig lag, scheint aufzustehn, und, was erhaben, sich zu bücken. vorüber nun (der schein des mondes wandert) A. v. Droste-Hülshoff 2 (1878) 46. (vorüber) G. Hauptmann d. weber (1892) 115, bühnenanweisung für einen hinter der szene singend vorübergehenden. 55) substantiviert: an jedes kreuz am wege ... richtete sie im schnellsten vorüber eine bitte um beistand Gutzkow d. zauberer v. Rom (1858) 3, 379; die blumen und blüten wandten sich weit und breit von der sonne ab und dem wanderer zu, und alle zweige seines vorübers gerieten ohne wind in bewegung Hans Grimm volk ohne raum (1928) 1, 125; beachte die verschiedene anwendung in beiden stellen. geistig: das beständige anschauen des eiligen vorüber in mir Jean Paul 48, 302 H. 66) veraltet ist der gebrauch im sinne von gegenüber, vgl. oben vor 1 Frisius, Calepinus, Dentzler, Maaler unter 1 und fürüber 1 b, teil 4, 1, 1, sp. 925. (der gänge) auszgehen, welches ich dem ligenden allzeit vor über zuo sein gesagt habe Bech bergwerckbuch d. Agricola (1621) 57. nun sasz von ohngefähr, da alles diesz geschah, auf einer blumenbank dem guten, blinden alten vorüber, Oberon Wieland (1794) 22, 292. 77) im nd. erscheint das wort im sinne von 'vornüber' vöröwer Mensing schlesw.-holst. wb. 5, 476; förafer ten Doornkaat-Koolman 1, 537a; förāwer Schmidt-Petersen nordfries. 45a; so auch in Aachen Rovenhagen 158; s. vorüberbiegen, -bücken unter 8. 88) in der zusammenrückung mit verben ist die verbindung meistens eine sehr lose, vorüber kann dabei zu anderen satzteilen in engere beziehung treten. auch wenn vorüber unmittelbar vor dem verbum steht, wird es häufig nicht mit ihm zusammengeschrieben.
7996 Zeichen · 116 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Vorüber

    Campe (1807–1813) · +2 Parallelbelege

    Vorüber , ein Umstandwort 1) des Ortes, eine Bewegung oder Richtung vor etwas, von der einen Seite desselben zur andern …

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    vorüber

    Goethe-Wörterbuch

    vorüber [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    vorüber

    Elsässisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    vorüber [forewər] Logelnh. vorüber, vorbei. Bis dër kommt, is t früej vorüw e r un d spot do Rda. von einem langsamen Me…

  4. Sprichwörter
    Vorüber

    Wander (Sprichwörter)

    Vorüber 1. Einer ist vorüber, sagte der Köhler, der den Schatz entdecken wollte. – Eiselein, 387. »Einem Fürsten war der…

  5. Spezial
    vorüber

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    vor|über I adj. (vergangen) passé (passá, passada), rové (rová, rovada) II adv. (örtlich: vorbei) dlungia ia.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit vorueber

272 Bildungen · 272 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von vorueber

vorueben + -er

vorueber leitet sich vom Lemma vorueben ab mit Suffix -er, auf Verb-Stamm zurückgeführt.

Zerlegung von vorueber 2 Komponenten

vor+ueber

vorueber setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

vorueber‑ als Erstglied (30 von 272)

vorüberbeben

DWB

vorueber·beben

vorüberbeben , ' bebend vorüber gehen ' Campe : gern weilt ich, grazie, wo du den hügel hinabgeschwebt, leicht, wie ein rosenblatt auf zephy…

vorüberbewegen

DWB

vorueber·bewegen

-bewegen Campe : die französische bühne ist gleichsam ein rahmen, innerhalb dessen sich vor dem auge des zuschauers eine reihe von tableaux …

vorüberbiegen

DWB

vorueber·biegen

-biegen , vorüber hier im sinne von vornüber ( s. unter 7): die arme frau sasz neben mir auf dem canapee vorübergebogen Möser (1842) 3, 35 ;…

vorüberblitzen

DWB

vorueber·blitzen

-blitzen , sich blitzartig, aufblitzend vorüberbewegen: ( sie ) hatte durch eine lücke der nebelwolken einen glänzend geschirrten rappen vor…

vorüberblühen

DWB

vorueber·bluehen

-blühen , vorüber zeitlich ( oben 3): ( natur, ) die doch gleichmütig an unserem leben vorüber blüht Watzlik d. pfarrer v. Dornloh (1930) 56…

vorüberbrausen

DWB

vorueber·brausen

-brausen , ' brausend, mit gebraus sich vorüber bewegen ' Campe ; in räumlichem sinne von personen und menschenmassen: ( zufluchtstätte, ) a…

vorüberbringen

DWB

vorueber·bringen

-bringen Campe : bei den hochzeiten wird das neuvermählte paar auf der strasze umhergeführt, um sie auch an einem groszen steine vorüberzubr…

vorüberbruddeln

DWB

vorueber·bruddeln

-bruddeln , brodelnd vorüberflieszen: den gletscherbach, der unmittelbar am hause vorüberbruddelte Andrae Roman aus längst vergangenen tagen…

vorüberbücken

DWB

vorueber·buecken

-bücken ; da bückte ich mich mit halben leibe vorüber ( vornüber, s. oben 7) Gerstenberg Ugolino 235 dt. nat.-lit. —

vorüberdämmern

DWB

vorueber·daemmern

-dämmern , undeutlich vorüberziehen: ( Agnes ) liesz noch in späten träumen die gestrigen theestunden an sich vorüber dämmern Holtei erz. sc…

vorüberdenken

DWB

vorueber·denken

-denken , mit den gedanken übergehen: getroffen von des hasses kalten dolchen, an denen gerne wir vorüberdenken Lenau neuere ged. (1838) 202…

vorüberdonnern

DWB

vorueber·donnern

-donnern : ob feind oder freund in raschem gemeng an einem vorüberdonnre Fouqué altsächs. bildersaal (1818) 4, 547 . —

vorüberdrängen

DWB

vorueber·draengen

-drängen Campe ; refl., übertragen: fröhliche gedanken, die sich in bunter menge an seiner seele vorüberdrängten Hauff (1890) 1, 190 . — int…

vorüberdröhnen

DWB

vorueber·droehnen

-dröhnen : als er ( der eisenbahnzug ) vorübergedröhnt war, wurden die schranken geöffnet Gutzkow ritter v. geiste (1850) 5, 373 . —

vorüberdrücken

DWB

vorueber·druecken

-drücken , refl. , übertragen: wie denn viele sehr kirchlich gesinnte ... in der ausübung dieser gebote oft gar schwerhörig an ihnen sich vo…

vorüberdürfen

DWB

vorueber·duerfen

-dürfen , bei Campe zusammengeschrieben und als ' niedrig ' bezeichnet. vorübereilen Campe, auszerordentlich häufig. a a) mit dem dat. ( s. …

Vorübereilen

Campe

vorueber·eilen

Vorübereilen , v. intrs . mit sein , eilig sich vorüberbegeben, vorüber= bewegen. »I den vorübereilenden Wellen erblicken wir ein Sinnbild d…

Vorüberfahren

Campe

vorueber·fahren

Vorüberfahren , v. I) ntr . u. intrs mit sein , vor etwas, von der einen Seite zur andern hin und weg fahren, d. h. überhaupt schnell sich b…

vorüberfahrt

DWB

vorueber·fahrt

vorüberfahrt , f. Campe : wenn denn gar selten so viel dünste und dämpfe bei währender trajection (oder vorüberfahrt) zusammenstoszen, dasz …

vorüberflammen

DWB

vorueber·flammen

-flammen : man wird dich einen meteor nennen — vorüberflammend und in höchster pracht zerstiebend W. v. Polenz ges. w. 9, 245 . —

vorüberflattern

DWB

vorueber·flattern

-flattern Campe. a a) im eigentlichen sinne, bewegung durch flügel: nur ein paar fledermäuse flatterten vorüber Hebel 1, 74 Behaghel; dann h…

Vorüberfliegen

Campe

vorueber·fliegen

Vorüberfliegen , v ntr . u. intrs . unregelm. ( s. Fliegen ), mit sein , durch die Luft vor etwas vorüber sich bewegen. Der Vogel flog von d…

Vorüberfliehen

Campe

vorueber·fliehen

Vorüberfliehen , v. intrs . unregelm. ( s Fliehen ), mit sein , vor etwas, von der einen Seite desselben zur andern hin und weg fliehen. Auc…

Vorüberfließen

Campe

vorueber·fliessen

Vorüberfließen , v. ntr . unregelm. ( s. Fließen ), mit sein , vor etwas, von der einen Seite desselben zur andern hin und weg fließen. Am v…

vorüberflitzen

DWB

vorueber·flitzen

-flitzen , von schnellster bewegung, auch übertragen: als alles vorübergeflitzt war, wartete ich noch einige augenblicke D. v. Liliencron (1…